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Kitabı oku: «Der Page des Herzogs von Savoyen», sayfa 23
X.
Die Schlacht von Saint-Quentin
Kehren wir zu dem Connétable zurück.
An demselben Tage, am 10. August des Jahres 1557, gegen sieben Uhr Früh, bewerkstelligten die Truppen des Marschalls von Saint-André, die unter der Führung des Grafen von Larochefoucauld von Ham herkamen, ihre Vereinigung mit denen des Connétable.
Die beiden Armeen oder vielmehr die beiden Theile der Armee betragen nach ihrer Vereinigung 900 Gendarmen, 1000 leichte Reiter und reitende Schützen und fünfzehn Compagnien französischer, zweiundzwanzig Compagnien deutscher Infanterie, im Ganzen 9 bis 10.000 Mann.
An der Spitze dieser schwachen Schaar wollte der Connétable ein Heer angreifen, welches durch die Vereinigung mit den Engländern fast 60.000 Mann stark geworden war.
Im Kriegsrathe am Abend vorher, als er seinen Willen bekannt gemacht, mit 10.000 Mann einer von 60.000 Mann belagerten Stadt zu Hilfe zu ziehen, hatte der Marschall von Saint-André mit Recht auf das Gefährliche eines solchen Unternehmens aufmerksam gemacht, wie auf das, was von einem so thätigen Gegner wie von dem Herzoge von Savoyen zu fürchten sey, wenn man sich in einer sechs Stunden weiten Ebene zurückziehen müsse, die gar keinen Schutz gewähre.
Der Connétable aber hatte in seiner gewöhnlichen Weise geantwortet :
»Herr, Ihr könnt Euch in dem, was zum Wohle des Staates zu thun ist, auf mich verlassen… Ich habe lange schon gelernt, wann und wie man eine Schlacht schlagen oder ihr ausweichen muß. Seyd also über den Ausgang unbesorgt.«
Der Connétable war in der Nacht aufgebrochen. Er hoffte um fünf Uhr Früh bei der Mühle von Gauchy zu seyn, kam aber erst um sechs Uhr an, da der Marsch durch das Gepäck und Geschütz aufgehalten worden war.
Der Herzog von Savoyen war übrigens von seinen Spionen so schlecht bedient, daß er durch die plötzlich auf den Höhen von Gauchy erscheinende französische Armee überrumpelt wurde.
Der Connétable hatte Zeit, ihm zwei Compagnien, zusammen 600 Mann, wegzunehmen, die auf Außenposten standen.
Hier nun sahen die Franzosen die spanische Armee vor sich, aber die Somme und die Sümpfe von l'Abbiette lagen zwischen den beiden Heeren, die auf keinem andern Wege zusammenkommen konnten als auf einem unterhalb des spanischen Lagers, auf welchem kaum vier Mann neben einander gehen konnten.
Nach dem, was wir über die Belagerung schon gesagt haben, werden zwei Worte hinreichen, die Lage des Connétable begreiflich und die Fehler sichtbar zu machen, die er an diesem Tage beging.
Die ganze spanische, englische und holländische Armee befand sich am rechten Ufer der Somme.
Die vierzehn Fähnchen Julian Romeron‘s und Carondelet‘s, so wie die zwei Compagnien, welche der Connétable im Anfange aufhob, standen auf dem linken Ufer, die vierzehn in der Inselvorstadt, die zwei in der Mühle von Gauchy.
War man zur Mühle gelangt und hatte man die zwei Compagnien gefangen genommen, so konnte nur ein sehr einfaches Manöver ausgeführt werden: man schloß nemlich die vierzehn Fähnchen der beiden spanischen Capitäne in der Vorstadt ein, führte sechs Geschütze der Straße gegenüber auf, auf welcher allein die feindliche Armee marschieren konnte, ließ ruhig so viele Leute als nöthig nach Saint-Quentin hineingehen, zog sich dann zurück und opferte die sechs Kanonen und etwa hundert Mann, welche hinreichend gewesen wären, die Straße zu bewachen.
Der Connétable hob die beiden Compagnien auf, schloß die vierzehn Fähnchen in der Inselstadt ein, vernachlässigte aber die Straße vollständig und befahl die vierzehn Boote, die er mitgebracht hatte, in die Somme zu lassen.
Die Wagen mit den Booten waren indeß nicht an der Spitze der Colonne, sondern folgten dem Zuge. Es vergingen zwei Stunden ehe, man sie heran brachte; es verging noch eine Stunde, bis sie auf dem Flusse waren und als dies geschehen, sprangen die Soldaten so eifrig hinein, daß sie zu schwer wurden und in dem Schlamme stecken blieben.
Unterdeß machte einer der Schützen, welche Früh in der Mühle gefangengenommen worden waren, den Connétable auf das Zeit des Herzogs von Savoyen aufmerksam.
Der Connétable ließ sogleich eine Batterie auffahren, um nach jenem Zelte zu schießen.
Nach zehn Minuten geschah es und an der Bewegung, welche um das Zelt herum entstand, konnte man erkennen, daß die Kugeln nicht vergebens verschossen worden waren. Gleichzeitig hatte man die Boote wieder flott gemacht, sie bewegten sich auf dem Flusse hin und ließen von harzigen Stoffen gewaltigen Rauch aufsteigen, welches das zwischen dem Connétable und Coligny verabredete Signal war.
Bei der ersten Meldung von dem Erscheinen des Connétable war Coligny an einen Punkt geeilt, von dem aus er die ganze Gegend bis zur Mühle von Gauchy übersehen konnte. Er sah also auch die Boote, die mit Soldaten herkamen, ordnete darum einen Ausfall an, welcher die Landung decken sollte und ließ Leitern an die Mauer lehnen, damit die Leute, wie zahlreich sie auch seyn möchten, schnell in die Stadt gelangen könnten.
Er hatte diese Anordnungen getroffen und sah den Booten zu, die immer näher kamen, als Procop zu ihm trat und in Folge des Vertrages zwischen dem Admiral und den Abenteurern um Urlaub auf einen Tag bat, weil sie ein Privatunternehmen vorhätten.
Der Admiral hatte kein Recht und keinen Grund etwas dagegen zu sagen, er gab also Procop und dessen Genossen den verlangten Urlaub.
Sie folgten demnach der Mannschaft, welche den Ausfall machen sollte, und gelangten vor die Stadt.
Der Bastard von Waldeck befand sich an ihrer Spitze in vollständiger Rüstung mit niedergelassenem Visir.
Das Pferd Yvonnet’s, die beiden Pferde Maldent‘s und ein viertes, das der Bastard von Waldeck geliefert hatte, bildeten die Cavallerie, die aus Yvonnet, Maldent, Procop und Lactantius bestand.
Pille-Trousse, Fracasso und die beiden Scharfenstein waren das Fußvolk.
Pille-Trousse und Fracasso sollten indeß, wenn der Weg weit wäre, hinter Yvonnet und Lactantius aufsteigen. Um die beiden Scharfenstein brauchte man sich nicht zu kümmern, denn sie wurden nie müde und liefen so schnell wie die Pferde.
Nur der arme Malemort fehlte, wie man sieht, bei der Unternehmung, aber er konnte wirklich weder gehen noch reiten und so ließ man ihn zur Bewachung des Zeltes zurück.
Die Abenteurer wendeten sich nach der Brücke hin, an welcher die Bote anlegen sollten.
Die Boote langten wirklich bald an, aber bei der Ankunft herrschte dieselbe Uebereilung und Unordnung wie früher; die Soldaten sprangen an das Land, ohne auf die Worte und Winke derer zu achten, welche ihnen der Admiral entgegengeschickt hatte, um ihnen den Weg durch die Sümpfe zu zeigen, und das Erste war, daß sie bis an den Gürtel in Schlamm einsanken; in der Angst und Unordnung drängten sie einander dabei nach rechts und nach links und so war es denn kein Wunder, daß Einige versanken, Andere nach dem feindlichen Lager hin sich verirrten.
Nur Dandelot mit etwa vierhundert Mann folgte dem durch Faschinen gebahnten Wege und erreichten festes Land.
Coligny sah, von seinem Standpunkte aus in Verzweiflung die so lange erwartete Hilfe sich verlieren und kleiner werden und rief vergebens die Mannschaft, die zu Hunderten in den Sümpfen sich abmühten, in denen sie allmälig verschwanden, ohne daß man ihnen Hilfe bringen konnte.
Dandelot gelangte indeß, nachdem er noch einige der Verirrten zusammengebracht hatte, mit einer Schaar von fünfhundert Mann, fünfzehn oder sechzehn Hauptleuten, so wie einigen Herren, die sich des Vergnügens wegen angeschlossen hatten, an das Ausfallsthor.
Diese Herren waren der Vicomte du Mont-Notre-Dame, der Herr von La Curée, der Herr von Matas und der Herr von Saint-Rémy. Ein Artilleriecommissar und drei Kanoniere folgten ihnen.
Nächst dem Anblicke seines Bruders, der ganz durchnäßt erschien, gewährten Coligny, wie er selbst gesteht, die drei Kanoniere die größte Freude, weil er nur Bürgerartilleristen hatte, welche, wenn auch den nöthigen Muth, so doch nicht die Uebung und Gewandtheit besaßen, um den Anforderungen einer belagerten, einer so furchtbar belagerten Stadt zu entsprechen.
Der Bastard von Waldeck wartete mit den Abenteurern ruhig, bis die Soldaten ans Land gestiegen oder versunken waren, dann nahm er eines der Boote, fuhr mit seinen sechs Mann den Fluß hinunter und stieg bei einem Erlenwäldchen wieder aus, das sich an dem einen Ende des Teiches von l'Abbiette befand.
Hier gab er einem Jeden eine spanische Schärpe und verlangte nichts weiter, als daß sie sich still, versteckt und bereit hielten, auf den ersten Wink zu gehorchen.
Sein Plan war leicht zu errathen.
Er hatte am Tage vorher von dem Plane des Connétable gehört, in Person und mit seiner Armee zu erscheinen, um Saint-Quentin zu verstärken. Da er nun den Herzog von Savoyen recht wohl kannte, so hatte er sich gesagt, Philibert Emanuel werde bei dem Anblicke der französischen Armee nicht hinter seinen Linien bleiben, sondern im Gegentheil hervorbrechen und am linken Ufer der Somme eine Schlacht schlagen. Darum legte er sich in den Sümpfen von l'Abbiette in Hinterhalt, weil in der Nähe derselben seiner Meinung nach die Schlacht erfolgen mußte, und er vertheilte unter die Abenteurer roth-gelbe Schärpen, damit sie in jener Zeit, wo es noch keine Uniformen gab, für Spanier gehalten würden und ohne Argwohn zu erregen, Emanuel Philibert sich nähern und ihn umringen könnten. War er erst umringt, so wußte man schon, was der Bastard von Waldeck mit ihm vornehmen wollte.
Wir werden sehen, ob er sich in seinen Voraussetzungen getäuscht hatte.
Emanuel Philibert war eben vom Tisch aufgestanden, als man ihm die Ankunft der französischen Armee am andern Ufer der Somme meldete; sein Zelt stand auf einer Anhöhe, so daß er nur aus demselben zu treten brauchte, um die ganze französische Armee in Schlachtordnung auf den Höhen von l'Abbiette aufgestellt zu sehen, weiter heran aber die Landung Dandelot‘s mit den Seinigen, während sich gleichzeitig über ihm ein Pfeifen hören ließ, das die Soldaten so gut kennen, und eine Kugel, die vor ihm niederfiel, ihn mit Sand und Staub überschüttete.
Emanuel Philibert trat einen Schritt vor, um einen Punkt zu gewinnen, von dem aus er den ganzen Lauf der Somme übersehen könne, aber in demselben Augenblicke, als er so gewissermaßen den Kugeln entgegenging, faßte ihn eine kräftige Hand am Arme und zog ihn zurück.
Es war Scianca-Ferro.
Gleichzeitig schlug eine Kugel durch das Zelt.
Länger an diesem Punkte zu bleiben, nach dem man offenbar absichtlich schoß, hieß sich einem gewissen Tode aussetzen. Emanuel Philibert befahl deshalb, ihm seine Waffen zu bringen und sein Pferd zu satteln, begab sich zu einer kleinen Capelle, stieg auf den Thurm derselben und konnte von da aus sehen, daß die französische Armee sich nur bis Saint-Lazare erstrecke und dieses Dorf sogar nur von einer nicht bedeutenden Reiterschaar besetzt sey.
Schnell stieg er herunter, legte in der Halle der Capelle seine Rüstung an, rief die Grafen Horn und Egmont, sandte einen Boten an den Herzog Erich von Braunschweig und an den Grafen von Mansfeld mit dem Befehle, Recognoscirungen nach den Franzosen hin vorzunehmen und vorzugsweise sich zu überzeugen, ob die Straße von Rouvroy nicht mit Geschütz besetzt sey, und beschied sie in das Hauptquartier des Feldmarschalls Binincourt.
Nach einer Viertelstunde war er selbst dort. Er war dabei halb um die Stadt herumgeritten. Die auf Recognoscirung ausgesandten Leute des Herzogs von Braunschweig und des Grafen von Mansfeld waren bereits zurückgekommen und hatten gemeldet, daß die Straße von Rouvroy vollkommen frei sey und die äußerste Spitze der französischen Armee nicht bis Neuville reiche.
Emanuel Philibert ließ sogleich zweitausend Reiter aufsitzen, setzte sich an die Spitze dieses Corps, ritt mit demselben über die Straße von Rouvroy und stellte es in Schlachtordnung so auf, daß es die herbeikommende Infanterie decke.
In dem Maße, wie seine Truppen erschienen, ließ er sie über Harly nach Mesnil ziehen, damit sie von der französischen Armee nicht gesehen würden.
Mehr als fünfzehntausend Mann waren bereits vorübergezogen, als der Connétable noch immer auf das leere Zelt Emanuel Philiberts schießen ließ.
Mit einem Male entdeckte der Herzog von Nevers, den der Connétable mit der Gendarmencompagnie ausgeschickt hatte, die Ebene von Neuville zu recognosciren, als er auf eine Anhöhe gelangte, die von der spanischen Armee getroffenen Anordnungen.
Eine unermeßliche feindliche Colonne rückte, unter dem Schutze von zweitausend Pferden des Herzogs von Savoyen, von Harly her und entwickelte sich hinter Mesnil-Saint-Laurent, so daß sie die Armee des Connétable in einem Halbkreis einschloß.
So schwach auch die Schaar war, welche der Herzog von Nevers bei sich hatte, wollte er doch anfangs dem Connétable sagen lassen, er werde sich mit seinen Leuten opfern, um der französischen Armee Zeit zu verschaffen sich zurückzuziehen, aber der Connétable hatte ihm bei seinem Kopfe verboten, sich in ein Gefecht einzulassen; er wäre also ungehorsam gewesen und wußte recht wohl, daß der Connétable in der Disciplin mit äußerster Strenge verfuhr. Er wagte es demnach nicht die Verantwortung einer solchen Handlung auf sich zu nehmen, zog sich auf ein Corps leichter Cavallerie unter dem Prinzen von Condé zurück, das in Schlachtordnung auf dem Wege von Mesnil bei der Mühle von Gratte-Panse stand, und galoppierte fort, um selbst dem Connétable Nachricht von dem zu bringen, was geschah.
Der Connétable berief sogleich Herrn von Saint-André, den Grafen von La Rochefoucauld, den Herzog von Enghien und Andere zu sich und sagte ihnen, er begnüge sich damit seinem Neffen in Saint-Quentin die verlangte Hilfe gebracht zu haben und halte es für das Beste, so würdevoll, aber auch so schnell als möglich sich zurückzuziehen. Er forderte demnach jeden Corpscommandanten auf, sich auf seinen Posten zu begeben, um gleichen Schritt mit ihm den Rückmarsch anzutreten und jedes Gefecht zu vermeiden, zu dem man nicht gezwungen werde.
Während indeß der Connétable Andern strategische Vorsicht empfahl, versäumte er selbst, diejenige, etwa hundert Mann Schützen in jede der Windmühlen in der Gegend zu legen, um die Front des Feindes zu brechen und denselben durch ihr Feuer zu beschäftigen.
Die Infanterie trat zuerst den Rückmarsch an, zwar in schnellem Schritte, aber in guter Ordnung, nach dem Walde Jussy zu, der allein Schutz gegen Reiterangriffe gewähren konnte.
Aber es war bereits zu spät; noch hatte man drei Viertelstunden zu marschiren, als fünfhundert Schritte von der französischen Armee die Schwadronen und Bataillone der spanischen Armee erschienen und einen weiten Kreis um sie schlossen.
Der Connétable ließ Halt machen, seine Kanonen auffahren und wartete.
Bei der Stärke der feindlichen Reiterei konnte er nicht hoffen, den Wald zu erreichen.
Da theilte Philibert Emanuel seine Armee in drei große Corps, übergab dem Grafen Egmont das Commando über den rechten Flügel, den Herzogen Ernst und Erich das über den linken, setzte ihnen seinen Plan auseinander, reichte ihnen die Hand, empfing ihr Versprechen, ohne seinen Befehl nichts zu unternehmen und stellte sich an die Spitze des Centrums.
Zwischen der französischen und spanischen Armee befand sich jene Menge von Marketendern und herrenlosen Dienern, kurz jene Menge, die wie Ungeziefer jenen Heeren sich anhing. Emanuel Philibert ließ einige Kugeln unter sie werfen und der Erfolg war der erwartete; es entstand Entsetzen und tausend Männer und Weiber stürzten sich unter Geschrei in die Reihen der Soldaten des Connétable.
Man versuchte sie zurückzudrängen, aber der Schrecken ist oft mächtiger als der Muth.
Emanuel Philibert, der sich in den Steigbügeln aufrichtete, sah, welche Verwirrung durch dieses Andrängen in den französischen Reihen hervorgebracht wurde, wendete sich zu Scianca-Ferro und sagte:
»Graf Egmont soll mit seiner ganzen vlämischen Reiterei über den französischen Nachtrab herfallen.«
Scianca-Ferro jagte blitzschnell davon.
Zu dem Herzoge Ernst, der bei ihm geblieben war, sagte Emanuel:
»Herzog, während Graf Egmont den Nachtrab mit seiner Reiterei angreift, nehmt Ihr mit eurem Bruder jeder zweitausend Schützen zu Pferd und greift den Vordertrab an, das Centrum ist meine Sache.«
Der Herzog Ernst ritt im Galopp davon.
Emanuel Philibert sah seinen beiden Boten nach und als sie an den Ort ihrer Bestimmung gelangt waren, als seine Befehle ausgeführt zu werden begannen, zog er selbst sein Schwert, schwang es und rief:
»Blaset, Trompeter! Es ist Zeit.«
Der Herzog von Nevers, welcher auf dem äußersten linken Flügel der französischen Armee commandirte, hatte den Angriff des Grafen Egmont auszuhalten. Er wurde von der vlämischen Reiterei in der Flanke gefaßt, als er eben durch das Thal von Grugies zog, und wendete sich mit seinen Gendarmen-Compagnien gegen den Feind, aber zweierlei hinderte ihn bei der Vertheidigung: eine Masse des Gesindels, das an dem ganzen Centrum zurück gedrängt worden war, erschien auf den Hügeln und stürzte sich wie eine Lawine herunter zwischen die Pferde, während gleichzeitig eine Compagnie leichter Reiter, Engländer im französischen Solde, untreu wurde, sich der vlämischen Reiterei anschloß und mit derselben gleich darauf die Gendarmen des Herzogs von Nevers angriff, in so ungestümer Weise, daß sie einen Haufen der französischen Cavallerie bis in das Thal der Oise verfolgte.
Unterdessen und als trotz der außerordentlichsten Anstrengungen des Herzogs von Nevers, welcher an diesem Tage sich ungemein auszeichnete, der linke Flügel in Unordnung zu gerathen begann, griffen die Herzoge von Braunschweig der empfangenen Weisung gemäß die Spitze der französischen Colonne bei Essigny-le-Grand, auf dem Wege von Gibercourt an.
Diese Colonnenspitze, welche von Marketendern und dergleichen Volk nicht gehemmt war und keinen Verrath von Engländern zu fürchten hatte, hielt fest, setzte ihren Marsch fort, schlug die Angriffe der reitenden Schützen ab und schaffte dem Connétable und dem Gros der Armee Zeit, sich in der großen Ebene, die sich zwischen Essigny, Montescourt-Lizeroles und Gibercourt erstreckt, in Schlachtordnung aufzustellen.
Der Connétable fühlte, daß er nicht weiter komme, machte zum zweiten Male Halt, betete sein Paternoster, stellte seine Armee im Carré auf und ließ seine Kanonen nochmals auffahren.
Er war vollständig umringt, man mußte siegen oder sterben.
Ein alter Soldat fürchtet nicht zu sterben, er hofft also zu siegen.
Die alte französische Infanterie, auf welche der Connétable gerechnet hatte, zeigte sich allerdings ihres Rufes würdig, denn sie hielt den Anprall der ganzen feindlichen Armee aus, während die Deutschen im französischen Solde schon bei der Annäherung der Feinde die Piken wegwarfen.
Der junge feurige Herzog von Enghien eilte mit seinen leichten Reitern dem Herzoge von Nevers zu Hilfe. Er traf ihn, als er eben zum zweiten Male gestürzt war und sich wieder in den Sattel schwang trotz einem Pistolenschusse, der ihm den Schenkel gestreift hatte.
Der Connétable hielt stand. Seine Infanterie wies mit außerordentlicher Unerschrockenheit die Angriffe der vlämischen Reiter zurück und Emanuel Philibert ließ darum Kanonen herbei kommen, um diese lebendigen Mauern nieder zu werfen.
Zwei Geschütze donnerten gleichzeitig und begannen Bresche in die Armee zu schießen.
Da stellte sich der Herzog von Savoyen selbst an die Spitze einer Schwadron und führte sie zum Angriffe.
Der Anprall war gewaltig und entscheidend. Der Connétable, der von allen Seiten umringt war, vertheidigte sich mit dem Muthe der Verzweiflung, betete nach seiner Gewohnheit sein Paternoster und gab bei jedem Satze einen Hieb, der einen Feind niederstreckte.
Emanuel Philibert sah ihn von weitem, erkannte ihn, ritt aus ihn zu und rief:
»Fangt ihn lebendig! Er ist der Connétable!«
Es war Zeit. Montmorency hatte bereits einen Lanzenstich erhalten, eine tiefe Wunde unter dem Arme, aus der ihm mit dem Blute die Kraft entwich. Der Baron von Brakenburg und Scianca-Ferro, welche den Ruf Emanuels gehört hatten, jagten vor, deckten den Connétable mit ihren Leibern, zogen ihn aus dem Gedränge und forderten ihn auf sich zu ergeben, da jeder Widerstand vergeblich sey.
Der Connétable aber wollte zum Zeichen, daß er sich ergebe, nur seinen Dolch überreichen. Nur dem Herzoge von Savoyen selbst, sagte er, werde er seinen Degen übergeben.
Der Degen mit den Lilien war ja der Degen des Connétable von Frankreich!
Emanuel Philibert kam rasch herbei, gab sich zu erkennen und nahm den Degen aus der Hand Montmorency‘s in Empfang.
Die Schlacht war für den Herzog von Savoyen gewonnen, aber noch nicht beendigt: man schlug sich bis in die Nacht; Viele wollten sich nicht ergeben und ließen sich lieber tödten.
Unter den Letztern war Johann von Bourbon Herzog von Enghien – dem, nachdem zwei Pferde unter ihm gefallen waren, eine Kugel durch den Leib ging, als er eben versuchte den Connétable zu befreien, – Franz von Latour, Vicomte von Turenne und achthundert Edelleute, die ihren Tod auf dem Schlachtfelde fanden.
Die vornehmsten Gefangenen außer dem Connétable waren der Herzog von Montpensier, der Herzog von Longueville, der Marschall von Saint-André, der Rheingraf, der Baron von Curton, der Graf von Villiers, Bastard von Savoyen, der Bruder des Herzogs von Mantua, der Herr von Montbron, Sohn des Connétable, der Graf von La Rochefoucauld, der Herzog von Bouillon, der Graf von Rocheguyon, der Herr von Lansac, der Herr von Estreées, der Herr von La Roche du Maine und endlich die Herren von Chaudenier, von Poudormy, von Vassé, von Aubigné, von Rochefort, von Brian und von La Chapelle.
Der Herzog von Nevers, der Prinz von Condé, der Graf von Sancerre und der ältere Sohn des Connétable gelangten nach La Fère.
Herr von Bordillon gelangte zu ihnen dahin mit den zwei Kanonen, welche allein aus der großen Niederlage gerettet worden waren, in der von einer Armee von 11.000 Mann 6000 getödtet und 3000 gefangengenommen wurden. Man verlor überdies 300 Kriegswagen, 60 Fahnen, das ganze Gepäck, die Zelte und die Lebensmittel.
Es blieben nur 10.000 Mann übrig, der feindlichen Armee den Weg nach der Hauptstadt zu versperren.
Emanuel Philibert befahl nach dem Lager zurückzukehren.
Es war Abend geworden und Emanuel Philibert ritt in Begleitung nur einiger Offiziere und in Gedanken nicht an das, was er gethan hatte, sondern was ihm zu thun übrig blieb, auf dem Wege von Essigny nach Saint-Lazare hin, als acht bis zehn Mann theils zu Pferd, theils zu Fuß aus der Mühle von Gauchy kamen und sich den Herren des Gefolges anschlossen. Eine Zeit lang ritt man so schweigend weiter, mit einem Male aber, als man an ein Wäldchen gelangte, sprang das Pferd des Herzogs mit einem Schmerzensschrei bei Seite und brach zusammen.
Da hörte man Eisen gegen Eisen klappen und im Schatten rief eine Stimme halblaut:
»Drauf! Drauf! Auf den Herzog!«
Kaum aber waren die Worte gesprochen, kaum hatte man errathen können, daß der Sturz des Pferdes nicht natürlich und der Herzog einer Gefahr ausgesetzt sey, als ein Mann, der alles vor sich niederwarf, mit seiner Streitaxt auf Freunde und Feinde hieb, sich in das Dunkel, in die fast unsichtbare Tragödie mit dem Rufe stürzte:
»Halt fest, Bruder Emanuel! Ich bin da.«
Emanuel hatte dieses Zurufs Scianca-Ferro‘s nicht bedurft, sondern entschlossen einen der Angreifenden gefaßt, mit den Armen fest umschlungen und ihn so zu seinem Schilde gemacht.
Dem Pferd des Herzogs war die Fessel des einen Hinterbeines zerschnitten; es schlug aber gewaltig um sich und warf so einen der Nachtgesellen nieder, die sich so unerwartet auf den Helden des Tages geworfen.
Es war ein fürchterliches Gemetzel in dem Dunkel, denn Jeder hieb um sich, ohne zu wissen, wer Freund und Feind sey.
Endlich hörte man etwa zwanzig Reiter im Galopp herbeikommen, die Fackeln bei sich hatten.
Da schlichen zwei der Reiter sich aus dem Kampfe und flohen querfeldein, ohne daß man daran dachte, sie zu verfolgen.
Zwei zu Fuß drängten sich in den Wald, in welchem sie verschwanden, ohne daß man sie suchte. Jeder Widerstand hatte aufgehört.
Nach einigen Augenblicken beleuchteten zwanzig Fackeln dieses neue Schlachtfeld.
Scianca-Ferro dachte zuerst an den Herzog.
Wenn dieser verwundet war, konnte es nicht bedeutend seyn, denn der Mann, den er als Schild vor sich gehalten, hatte einen Theil der Hiebe empfangen. Auch schien derselbe ohnmächtig zu seyn. Freilich hatte ihm Scianca-Ferro noch einen Schlag auf den Kopf gegeben.
Die drei Andern, die todt oder schwer verwundet am Boden lagen, kannte Niemand.
Der, welchen der Herzog gefaßt und als Schild über sich gelegt hatte, trug einen Helm mit niedergelassenem Visir. Man riß den Helm herunter und erblickte das blasse Gesicht eines Mannes von etwa vierundzwanzig Jahren. Sein rothes Haar war von Blut bedeckt, das ihm aus Mund und Nase floß. Trotz der Blässe und trotz dem Blute mochten der Herzog und Scianca-Ferro ihn erkennen, denn sie sahen einander an und Scianca-Ferro murmelte: »Ah, Du bist es, Schlange? Er ist wohl nur ohnmächtig; wenn ich ihm den Gnadenstoß gäbe?«
Emanuel aber winkte, zog eigenhändig den jungen Mann an die andere Seite des Grabens, lehnte ihn an einen Baum und legte den Helm neben ihn. Dann stieg er wieder zu Pferd und sagte:
»Meine Herren, Gott allein steht es zu, zu richten über das, was zwischen mir und dem jungen Manne geschehen ist, und Ihr seht, daß Gott für mich ist.«
Scianca-Ferro brummte.
»Laß es gut seyn, Bruder,« setzte Emanuel hinzu. »Es ist genug mit dem Vater.«
Dann fuhr er zu den Andern gewendet fort:
»Ich wünsche, daß die Schlacht, die wir heute am 10. August geschlagen haben und die so ruhmvoll für die spanischen und niederländischen Waffen ist, die Schlacht von Sanct-Lorenz heiße, zum Gedächtniß des Tages, an dem sie erfolgte.«
Unter mancherlei Gesprächen über den Kampf und Sieg kam man in das Lager zurück.
