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Kitabı oku: «Der Page des Herzogs von Savoyen», sayfa 24
XI.
Wie der Admiral Nachricht von der Schlacht erhielt
Gott hatte sich noch einmal gegen Frankreich erklärt oder vielmehr – wenn wir in die Geheimnisse der Vorsehung tiefer eingehen, als es die gewöhnlichen Geschichtsschreiber thun – Gott bereitete durch Pavia und Saint-Quentin die Arbeit Richelieu‘s vor, wie er durch Poitiers, Crécy und Azincourt die Ludwigs XI. vorbereitet hatte.
Vielleicht wollte er aber auch sein großes Beispiel eines Reiches geben, welches der Adel ins Unglück stürzt und das das Volk rettet.
Wie dem auch sey, der Schlag war entsetzlich und drang schmerzlich in das Herz Frankreichs ein, während er den großen Feind desselben, Philipp II., gar sehr erfreute.
Die Schlacht hatte am 10. stattgefunden und erst am 12. war der König von Spanien in so weit beruhigt, daß der ganze Adel, der auf den Feldern von Gibercourt gefallen war, nicht aufstehe; um sich in das Lager zu Emanuel Philibert zu begeben.
Der Herzog von Savoyen, welcher der englischen Armee das ganze wellenförmige Terrain zwischen der Somme und Chapelle d‘Épargnemaille überlassen, hatte sein Zelt vor dem Walle von Rémicourt aufgeschlagen; an dem Punkte, gegen welchen er seine Belagerungsarbeiten fortsetzen wollte, wenn gegen Erwarten nach der Nachricht von der verlorenen – unter so schrecklichen Umständen verlorenen – Schlacht Saint-Quentin sich nicht ergebe.
Dieser Punkt seines Zeltes war kaum einen Kanonenschuß weit von der Stadt entfernt.
Nachdem Philipp II. in Cambray eine Bedeckung von tausend Mann genommen und dem Herzog von Savoyen seine Ankunft gemeldet hatte, damit ihm derselbe die Bedeckung verdoppele oder verdreifache, wenn er es für nöthig halte, kam er am 12., um elf Uhr Vormittags, vor Saint-Quentin an.
An der Grenze des Lagers erwartete ihn Emanuel Philibert. Hier war er ihm behilflich von dem Pferde zu steigen und als Emanuel nach der Etikette ihm die Hand küssen wollte, sagte Philipp:
»Nein, Vetter, nein; ich habe Euch die Hand zu küssen, die mir einen so großen, so ruhmreichen Sieg gewonnen hat, welcher überdies so wenig Blut kostet.«
Nach den Aussagen der Chronisten, welche diese merkwürdige Schlacht beschrieben haben, hatten die Spanier nur fünfundsechzig Mann, die Niederländer gar nur fünfzehn verloren.
Die englische Armee hatte nicht nöthig gehabt, Theil zu nehmen und von ihrem Lager aus der Niederlage der Franzosen zugesehen.
Diese Niederlage war, wie gesagt, eine entsetzliche; die Leichen bedeckten die ganze Fläche zwischen Essigny, Montescourt-Lizeroles und Gibercourt.
Es war ein so jammervoller Anblick, daß eine würdige Christin tief ergriffen werden mußte. Catharina von Laillier, Mutter des Herrn Ludwig Varlet, Herrn von Gibercourt,14 ließ ein großes Feldstück weihen, daselbst ungeheure Gräber graben und die Leichen hineinlegen.
Während die würdige Frau mit diesem frommen Werke beschäftigt war, zählte Emanuel Philibert seine Gefangenen, die, wie schon gesagt, zahlreich waren.
Der König Philipp II. hielt Musterung über sie, worauf er sich in das Zelt des Herzogs Emanuel begab, während man längs der Laufgräben die französischen Fahnen aufpflanzte, die man in der Schlacht erobert hatte, und zum Zeichen der Freude in beiden Lagern, dem spanischen und englischen, die Kanonen auslöste.
Philipp II. sah alles dies von dem Zelte des Herzogs von Savoyen mit an. Er rief Emanuel, der mit dem Connétable und La Rochefoucauld sprach.
»Vetter,« sagte er, »Ihr habt ohne Zweifel bei allem dem Lärm noch eine andere Absicht als eure Freude zu erkennen zu geben.«
Da man in diesem Augenblicke die königliche Fahne Spaniens auf dem Zelle aufpflanzte, in welchem sich Philipp befand, so antwortete Emanuel:
»Allerdings, ich rechne darauf, daß der Feind, wenn er sieht, daß er auf keine Hilfe mehr hoffen kann, sich ergeben werde, ohne uns zu nöthigen, einen Sturm zu unternehmen, was uns gestatten würde, sofort auf Paris zu marschieren und gleichzeitig mit der Nachricht von der Niederlage da anzukommen… Diese Fahne hier pflanzen wir auf, um Herrn von Coligny und dessen Bruder Dandelot anzuzeigen, daß Ew. Majestät im Lager ist, und es ihm wünschenswerther zu machen sich zu ergeben, weil er hoffen kann, von eurer Gnade mehr zu erlangen als von irgend einem Andern.«
Während aber der Herzog von Savoyen so sprach, leuchtete als Antwort auf all das Freudenschießen, welches die Stadt in eine Rauchwolke hüllte, auf den Wällen ein einziger Blitz, ließ sich ein einziger Knall hören und eine Kugel pfiff drei Fuß über dem Kopfe Philipps II. hin.
Der König erblaßte.
»Was ist dies?« fragte er.
»Sire,« antwortete der Connétable, »ein Parlamentär, den Euch mein Neffe sendet.«
Philipp hatte daran genug und befahl sofort ein Zelt ihm außerhalb des Bereiches der französischen Kugeln aufzurichten und als er dort angekommen war und sich in Sicherheit sah, gelobte er, zu Ehren des heiligen Laurentius und um ihm für den sichtbaren Schutz zu danken, den er den Spaniern gewährt, das schönste Kloster zu erbauen, das jemals gebaut worden.
Die Folge dieses Gelübdes war die Erbauung des Escurials, jenes düstern, prächtigen Gebäudes, das ganz dem Geiste seines Gründers entspricht und im Ganzen die Form eines Rostes hat, des Marterwerkzeuges des heiligen Laurentius, jenes Baues, an welchem dreihundert Arbeiter zweiundzwanzig Jahre beschäftigt waren und für den man zweiunddreißig Millionen Livres ausgab, eine Summe, die hundert Millionen in unsern Tagen entspricht; jenes Baues, in welchen das Licht durch elftausend Fenster dringt und der vierzehntausend Thüren hat, deren Schlüssel allein fünfhundert Centner wiegen.15
Während nun Philipp II. sein Zelt außerhalb des Bereiches der Kugeln aufschlagen läßt, wollen wir zusehen was in der Stadt vorging, die noch nicht geneigt war, sich zu ergeben.
Der Admiral hatte den ganzen Tag über die Kanonen in der Richtung nach Gibercourt hin donnern hören, kannte aber den Ausgang der Schlacht nicht. Darum hatte er angeordnet, als er sich zur Ruhe begab, man möge einen Jeden zu ihm bringen, der von draußen komme und ihm Nachricht geben könne.
Gegen ein Uhr nach Mitternacht weckte man ihn, die drei Personen waren an dem Ausfallsthore Saint-Catharina erschienen und sagten, sie könnten Auskunft über die Schlacht geben.
Der Admiral ließ sie sogleich vor.
Es waren Yvonnet und die beiden Scharfenstein.
Die Letzteren konnten nicht viel sagen, dagegen berichtete Yvonnet alles was er wußte, daß nemlich die Schlacht verloren und eine große Anzahl geblieben und in Gefangenschaft gerathen sey. Die Namen kannte er nicht, aber von den Spaniern wollte er gehört haben, auch der Connétable sey verwundet und gefangen. Uebrigens werde man wahrscheinlich von Procop und Maldent, die auch entkommen seyn mußten, ausführlichere Nachricht erhalten.
Der Admiral fragte dann Yvonnet, in welcher Weise er mit den Seinen, da sie doch zu der Besatzung der Stadt gehörten, sich in die Schlacht habe mischen können, worauf Yvonnet antwortete, er glaube, sie hätten nach ihrem Vertrage mit dem Herrn Admiral ein Recht dazu gehabt. Dieses Recht habe man sich gewahrt, zugleich aber auch dem Herrn Admiral von dem Unternehmen Anzeige gemacht. Daß sie wirklich an dem Kampfe Theil genommen, sey zu sehen. Yvonnet trug nemlich seinen linken Arm im Bande, denn er hatte einen Stich in denselben bekommen; Heinrich Scharfenstein hatte einen Schwerthieb über das Gesicht, und Franz, der hinkte, hatte ein Pferd auf den Fuß getreten.
Der Admiral empfahl den drei Abenteurern zu schweigen, denn die Stadt sollte die Niederlage des Connétable erst so spät als möglich erfahren.
Sie kehrten in ihr Zelt zurück, in dem Malemort eben träumte, man schlage sich, er sehe die Schlacht, sey aber bis an den Gürtel in Schlamm versunken und könne sich nicht herausarbeiten.
Ganz war dies kein Traum, wie man weiß, und als die drei Freunde ihn weckten, minderte sich sein Wehklagen nicht, sondern verdoppelte sich. Er ließ sich den Hinterhalt genau beschreiben, der einen so schlechten Ausgang genommen und oftmals wiederholte er dabei:
»Ach, wenn ich daheigewesen wäre!«
Abends um fünf Uhr erschien auch Maldent. Er war ohnmächtig auf dem Kampfplatze liegen geblieben; man hatte ihn für todt gehalten; er war wieder zu sich gekommen und hatte sich fortschleichen können.
Dem Admiral konnte er indeß nicht mehr sagen, als Yvonnet bereits gesagt hatte.
In der Nacht darauf erschien Pille-Trousse. Er verstand ganz gut spanisch und da er auf eine Abtheilung Spanier gestoßen war, welche unter den Todten den Herzog von Nevers aufsuchen sollten, der schwerlich entkommen seyn konnte, hatte er sich angeschlossen. Er trug ja die spanische Schärpe. Mit den Spaniern war er den ganzen Tag auf dem Schlachtfelde umhergegangen und hatte jeden Todten mit umwendete helfen. Natürlich hatte man dabei auch jedem die Taschen untersucht und so kam Pille-Trousse mit ziemlicher Beute zurück.
Auch ihn führte man zu dem Admiral, der von ihm den Tod des Herzogs von Enghien und des Vicomte von Turenne, so wie die Gefangennehmung des Connétable, des Grafen von Larochefoucauld und aller bereits Genannten erfuhr.
Gegen Tagesanbruch meldete man den Brüdern Jacobinern, daß zwei Bauern einen ihrer Brüder todt brächten. Der Todte lag in einem Sarge und die Spanier hatten die Träger wohl sechsmal angehalten, doch sie stets sich bekreuzigend weiter ziehen lassen. Man brachte den Sarg in die Capelle des Klosters, aber als die würdigen Väter um denselben herumstanden und sich unter einander fragten, wer wohl der Todte sey, hörte man eine Stimme in dem Sarge, die sagte:
»Ich bin es, geliebte Brüder, euer unwürdiger Capitän, der Bruder Lactantius. Macht auf und laßt mich heraus.«
Die Brüder beeilten sich, der Aufforderung nachzukommen, denn sie erriethen, daß der Tapfere eine Kriegslist gebraucht habe, um wieder in die Stadt zu gelangen.
Sie hatten sich nicht getäuscht; Bruder Lactantius erhob sich aus dem Sarge, kniete an dem Altare nieder, verrichtete sein Dankgebet und erzählt dann, er habe nach einer unglücklichen Unternehmung eine Zuflucht bei braven Bauern gefunden und von diesen in dem Sarge sich hertragen lassen, um den Spaniern zu entgehen.
Die guten Mönche, die sich gar sehr freuten, ihren würdigen Capitän wieder zu haben, handelten nicht lange über den Preis des Sarges und den Trägerlohn und bezahlten gut.
Durch den Bruder Lactantius, dem der Admiral kein Schweigen auferlegt hatte, verbreitete sich allmälig das Gerücht von der Niederlage des Connétable in dem Kloster und von da aus in der Stadt.
Gegen elf Uhr früh meldete man dem Admiral, der sich auf dem Walle befand, den eben auch zurückgekommenen Procop, der zuletzt erschien, wenn auch nicht durch seine Schuld. Er hatte sein Mögliches gethan und brachte einen Brief von dem Connétable mit.
Wie hatte er diesen erlangt?
Procop war in dem spanischen Lager als armer Teufel von Reiter erschienen, welcher bei dem Connétable in Dienst als Waffenputzer stehe, und hatte gebeten bei seinem Herrn bleiben zu dürfen. Dies wurde genehmigt und er begab sich zu dem Connétable, dem er durch einen Blick andeutete, daß er ihm etwas mitzutheilen habe.
Der Connétable verstand den Blick und schickte fluchend alle fort, die bei ihm waren; dann sagte er zu Procop:
»Nun, Kerl, sage an dein Compliment, drücke Dich aber deutlich und vernehmlich aus, sonst überliefere ich Dich als Spion dem Herzog von Savoyen, der Dich dann aufknüpfen läßt.«
Procop erzählte da eine ganze Geschichte: er sey von dem Herrn Admiral, der ihn mit seinem Vertrauen beehre, zu dem Herrn Connétable geschickt worden, um Nachrichten von ihm zu erhalten; der Herr Connétable möge ihm eine schriftliche oder mündliche Antwort geben, denn er, Procop, gedenke wieder in die Stadt zu kommen.
Der Connétable von Montmorency hatte keine andere Antwort an seinen Neffen zu geben, als: er möge sich so lange als möglich halten.
»Gebt mir das schriftlich,« sagte Procop.
»Weißt Du was geschieht, Kerl, wenn man ein solches Papier bei Dir findet?«
»Ich werde gehangen,« antwortete Procop ruhig, »aber seyd unbesorgt, man hängt die Leute nicht eher, als bis man sie hat.«
Der Connétable bedachte, es sey die Sache Procops sich hängen zu lassen oder nicht, ein besseres Mittel aber, dem Neffen Nachricht zu geben, finde er schwerlich und er schrieb also den Brief, den Procop im Futter seines Wammses versteckte.
Dann putzte er eifrig Helm und Rüstung des Connétable und wartete dabei auf eine günstige Gelegenheit in die Stadt zu kommen.
Am 12. früh bot sich eine Gelegenheit dar. Philipp II. erschien, wie gesagt, in dem Lager, was so großes Aufsehen machte, daß Niemand auf einen so unbedeutenden Menschen achtete, wie der Waffenputzer des Connétable war.
Procop entwich demnach und wurde dabei durch den Rauch von den Kanonenschüssen begünstigt, die man zum Zeichen der Freude abschoß, und gelangte glücklich an das Thor der Stadt, das man ihm öffnete. Dann begab er sich zu dem Admiral, erzählte ihm Alles, gab ihm das Schreiben des Connétable und bezeichnete ihm das Zelt Emanuel Philiberts. Auch setzte er hinzu, dies Zelt sey für den Empfang des Königs Philipp eingerichtet worden, eine Anzeige, an welcher der Admiral nicht zweifeln konnte, als er die königliche Fahne auf demselben aufziehen sah. Mehr noch: Procop hatte sehr gute Augen, wahrhafte Advocatenaugen, und versicherte der schwarz gekleidete Mann, der am Zelte stehe, sey der König Philipp II.
Da kam Coligny auf den Gedanken, die vielen Kanonenschüsse in dem Lager mit einem einzigen zu beantworten.
Procop bat ihn das Geschütz richten zu lassen, und er that es so gut, daß die Kugel wenigstens nahe über dem Kopfe Philipps II. hinging.
Der Connétable erkannte überdies in diesem Schusse die Antwort Coligny’s, der seinerseits Procop zehn Thaler für seine Mühe auszahlen ließ.
Den Dichter Fracasso erwartete man vergebens, er erschien nicht. Bauern, die von Procop gefragt worden waren, wollten einen Todten an einem Baume aufgehangen gesehen haben, gerade an der Stelle, wo der Hinterhalt und der Kampf am Walde stattgefunden. Procop schloß ganz richtig, der Todte könne kein Anderer sein als Fracasso.
Der Arme! Der Reim hatte ihm Unglück gebracht.
Vierter Theil
I.
Der Sturm
Da der Sieg am Sankt-Laurentiustage und die Ankunft des Königs Philipp II. vor Saint-Quentin die Uebergabe dieser Stadt nicht herbeiführte, so mußte man annehmen, sie wollte sich aufs Aeußerste vertheidigen.
So nahm man sich denn vor, sie ohne Unterlaß zu bedrängen.
Die Belagerung dauerte bereits zehn Tage und man hatte, also vor solchen Mauern schon zu viel Zeit verloren. Die Hartnäckigkeit der unverschämten Bürger mußte demnach gebrochen werden, welche sich noch zu halten wagten, als sie die Hoffnung auf Ersatz verloren und keine andere Aussicht hatten, als die Stadt mit Sturm genommen zu sehen.
Welche Vorsicht Coligny auch brauchte, den Belagerten die Nachricht von der Niederlage des Connétable verschwiegen zu halten, verbreitete sie sich doch mehr und mehr, der Admiral selbst aber gesteht, daß sie seltsamerweise mehr auf die Soldaten als auf die Bürger wirkte.
Seine größte Schwierigkeit war es jetzt, wie schon im Anfange, Leute zum Ausbessern der Mauern zu finden. Die Kugeln beschädigten besonders den Theil von Rémicourt, und seit der Ankunft des englischen Heeres konnte derselbe gar nicht mehr gehalten werden. Der Wall wurde von zwei starken Batterien bestrichen, so daß kein Arbeiter sich mehr dahin traute und der Einsturz der Mauer zu fürchten war.
Dandelot half diesem Uebelstande ab; er ließ alle alten Boote, die man auf der Somme finden konnte, herbeibringen, und dieselben an die Mauer stellen. Sobald dies geschehen war, wurden sie mit Erde gefüllt. In der ersten Nacht stellte man so fünf auf, welche den Arbeitern Schutz gewährten.
Unterdeß hatten die Belagerten zwei neue bedeckte Wege unternommen.
Um die Kanoniere zu ermuthigen, besichtigte König Philipp oftmals ihre Arbeiten; eines Tages aber, als er der Aufstellung einer Batterie beiwohnte, erkannte ihn der Admiral, rief seine besten Schützen und zeigte ihnen denselben. Augenblicklich fiel denn auch ein Hagel Kugeln um den König her nieder, der für jeden Fall seinen Beichtvater bei sich hatte, um ja, wenn ihm ein Unglück begegne, im Sterben noch die Absolution erhalten zu können.
Als Philipp II. die Kugeln pfeifen hörte, wendete er sich an den Mönch und fragte:
»Was sagt Ihr zu dieser Musik, Herr Vater?«
»Ich finde sie höchst unangenehm,« antwortete derselbe kopfschüttelnd.
»Ich auch,« entgegnete Philipp, »und ich begreife wahrhaftig nicht, wie mein Vater, der Kaiser Carl V., daran so großes Vergnügen finden konnte. Wir wollen gehen.«
Sie gingen in der That Beide hinweg, ohne wiederzukehren.
Die Vollendung dieser neuen Arbeiten erforderte nicht weniger als neun Tage; der König von Frankreich gewann also doch noch neun Tage, und er versäumte hoffentlich die Zeit nicht, hoffte der Admiral.
Am 21. endlich wurden die Batterien demaskirt und am 22. begannen sie zu donnern. Erst da erkannten die Leute in Saint-Quentin, welche Gefahr sie bedrohte.
In diesen neun Tagen hatte Philipp sämmtliches Geschütz von Cambray herbeibringen lassen, so daß endlich fünfzig Kanonen vor der Stadt aufgefahren waren.
Saint-Quentin war durch einen Feuerkreis eingeschlossen.
Die alten Mauern bei Rémicourt zitterten bei jedem Schusse und man fürchtete bald sie einstürzen zu sehen. Das Insel- und Rémicourtviertel der Stadt war bald ein großer Trümmerhaufe, und die Bewohner derselben mußten nach dem Thomasviertel flüchten, welches dem Feuer weniger ausgesetzt war.
Trotz dieser Verwüstung sprach Niemand vom Ergeben. Jedermann schien sich zu sagen: »Wir werden Alle zu Grunde gehen, Wälle, Häuser, Bürger und Soldaten, aber dabei retten wir Frankreich.«
Die furchtbare Beschießung der Stadt währte vom 22. bis 26. August. Am 26. August waren elf Breschen geschaffen.
Gegen zwei Uhr Nachmittags schwiegen plötzlich, wie auf Verabredung, die sämmtlichen feindlichen Batterien; Todesstille folgte dem entsetzlichen Donner, und man sah die Belagernden in Menge auf den bedeckten Wegen herankommen.
Man glaubte der Augenblick des Sturmes sey da.
Eben hatte eine Kugel ein Strohdach bei dem Jacobinerkloster in Brand gefleckt und man begann es zu löschen, als der Ruf durch die Stadt scholl: »Auf die Wälle!«
Coligny eilte herbei, empfahl den Einwohnern die Häuser brennen zu lassen und die Wälle zu vertheidigen.
Man verließ denn auch ohne Murren die Spritzen und Eimer, nahm die Lanzen und Büchsen und eilte an die gefährdeten Punkte. Die Frauen und Kinder blieben zurück, um ihre Wohnungen niederbrennen zu sehen.
Es war ein blinder Lärm, der Sturm sollte an diesem Tage noch nicht unternommen werden; die Belagernden kamen nur, um Minen unter den Scarpen auffliegen zu lassen. Sie flogen auf und fügten den erstern neue Breschen, den alten Trümmern neue hinzu.
Die Feuersbrunst, die man sich selbst hatte überlassen müssen, hatte unterdeß dreißig Häuser verzehrt.
In der Nacht besserte man die Breschen an der Angriffsfront so gut als möglich aus und setzte neue Stützen an die Mauern.
Die Anordnungen unserer Abenteurer waren getroffen.
Der gemeinsame Geldvorrath bestand in vierhundert Goldthalern, so daß auf Jeden fünfzig kamen.
Ein jeder nahm fünfundzwanzig davon und ließ die andern fünfundzwanzig zurück; diesen Rest vergrub man im Keller des Jacobinerklosters, nachdem alle geschworen hatten, diesen Vorrath oder Nothpfennig erst nach einem Jahre und zwar in Beisein aller noch lebenden Betheiligten anzurühren.
Malemort, der weniger Hoffung hatte als die Andern zu entfliehen, versteckte seine fünfundzwanzig Goldthaler, denn er sagte sich, sie wären verloren, wenn er sie bei sich behielte.
Am 27. mit Tagesanbruche begannen die Kanonen von neuem zu donnern und die Breschen, die man in der Nacht einigermaßen geschlossen, wurden von neuem zugängig.
Die fünfte, dem Regierungsgebäude gegenüber, wurde von Coligny selbst vertheidigt, der Yvonnet, Procop und Maldent bei sich hatte.
An der elften, unter dem Capitän Sallavert und der Compagnie La Fayette, befanden sich die beiden Scharfenstein und Malemort, die nur etwa dreißig Schritte von ihrem Zelte dahin hatten.
Die Zahl der Vertheidiger, welche an die verschiedenen Breschen vertheilt waren, betrug achthundert Mann. Die Bürger, welche sich ihnen anschlossen, zählten etwa noch einmal so viel.
Am 27. August, wie gesagt, begannen die Kanonen von neuem zu donnern und sie schwiegen keinen Augenblick bis zwei Uhr Nachmittags. In der Stadt begnügte man sich zu warten, damit aber kein Waffenfähiger über die Nothwendigkeit seiner Mitwirkung im Zweifel bleibe, hörte der Wächter auf dem Thurme nicht auf Sturm zu läuten und nur bisweilen unterbrach er sich, um durch ein Sprachrohr zu rufen:
»Zu den Waffen, Bürger! zu den Waffen!«
Selbst die Furchtsamsten wurden da stark und muthig.
Um zwei Uhr wurde das Schießen eingestellt und von Emanuel Philibert auf dem bedeckten Wege eine Fahne aufgesteckt.
Das war das Signal zum Sturm.
Drei Colonnen rückten gegen drei verschiedene Punkte: eine gegen das Jacobinerkloster, die zweite gegen den Wasserthurm, die dritte gegen das Inselthor.
Die erste bestand aus den alten spanischen Schaaren unter Alonso de Cazières und fünfzehnhundert Deutschen unter ihrem Obersten Lazarus Schwendy; die zweite aus sechs Batallionen Spaniern unter dem Obersten Navarez und sechshundert Wallonen unter dem Grafen von Mégue; die dritte endlich aus drei Fähnchen Burgundern und zweitausend Engländern unter Carondelet und Julian Romeron.
Der Angriff erfolgte an den drei bedrohten Punkten und man sah an allen dreien eine Viertelstunde lang nichts als ein furchtbares Gemenge: man hörte nichts als schreien und fluchen, dann wich die Flut zurück und ließ viele Todte liegen.
Alle hatten Wunder gethan; die drei mit Erbitterung angegriffenen Punkte waren mit Verzweiflung vertheidigt worden. Lactantius und seine Jacobiner hatten sich kräftig geschlagen; freilich waren auch zwanzig Mönche unter den Todten geblieben.
Die Wallonen und die Spanier unter Navarez hatten sich ebenfalls zurückziehen müssen, sammelten sich aber zu einem zweiten Sturme.
Am Inselthor hatte man die Anwesenheit Malemort‘s und der beiden Scharfenstein bemerkt; Carondelet war von Malemort die rechte Hand zerschossen worden und Heinrich Scharfenstein hatte Julian Romeron mit einem Schlage umgehauen und von der Mauer hinabgestürzt, so daß er im Falle beide Beine gebrochen.
Man athmete wieder auf, aber noch immer läutete der Wächter auf dem Thurme Sturm und rief von Zeit zu Zeit herunter:
»Zu den Waffen, Bürger! Zu den Waffen!«
Der Ruf war auch nicht unnöthig, denn die Sturmcolonnen bildeten sich von neuem, und nachdem sie Verstärkung erhalten hatten, rückten sie wiederum zum Angriffe.
Großartig wurde die Vertheidigung der Stadt, weil Führer, Soldaten und Bürger wußten, sie sey vergeblich und könne zu keinem glücklichen Resultate führen; aber es war eine große Pflicht zu erfüllen und Jeder beeiferte sich, sie in ganzer Ausdehnung zu erfüllen.
Nichts konnte schrecklicher und schauerlicher seyn – Coligny sagt es selbst – als dieser zweite Angriff unter Trompetengeschmetter und Trommelwirbeln. Belagerer und Belagerte trafen diesmal schweigend auf einander, und man hörte nichts als Eisen, das auf Eisen schlug.
Da die Bresche, welche Coligny vertheidigte, nicht angegriffen wurde, so konnte er die Kämpfe übersehen und sich dahin begeben, wo seine Gegenwart nothwendig war. So sah er Spanier, welche die Schützen aus dem rothen Thurme vertrieben hatten, heran- und in den Thurm selbst schleichen. Auch meldete man ihm bald, daß die Bresche am rothen Thurm erstürmt sey.
Coligny konnte nicht sehen, was da geschah, dagegen erkannte er, daß er dahin eilen müsse, wo der Feind gesiegt habe, und er rief :
»Kommt, Freunde, hier müssen wir sterben!«
Er eilte nach dem rothen Thurme hin, war aber noch nicht weit gekommen, als er Leute von der Compagnie des Dauphin fliehen sah, während die Mönche und Bürger sich lieber tödten ließen, als daß sie einen Schritt zurückwichen.
Coligny eilte demnach um so schneller, kam aber bald an eine Stelle, wo er bemerkte, daß der Wall bereits genommen sey und er gerade auf eine feindliche Colonne zugehe.
Er sah sich, um nur ein Page, fast ein Kind noch, mit einem Herrn und einem Diener war ihm gefolgt.
In diesem Augenblicke griffen ihn zwei Mann an, der eine mit dem Degen, der andere zielte mit der Büchse nach ihm.
Der Admiral parirte die Streiche mit seinem eisenbeschlagenen Arme und schlug mit der Lanze, die er in der Hand hielt, das Gewehr bei Seite, so daß der Schuß in die Luft ging.
Da rief der kleine Page erschrocken:
»Tödtet den Herrn Admiral nicht! Tödtet den Herrn Admiral nicht!«
»Seyd Ihr wirklich der Admiral?« fragte der Soldat, der ihn mit dem Degen angegriffen hatte.
»Ist er der Admiral, so gehört er mir!« sagte der mit der Büchse und er wollte Coligny fassen.
Dieser aber schlug ihn mit der Lanze auf die Hand und sagte: »Du brauchst mich nicht anzurühren, ich ergebe mich und werde mit Gottes Hilfe eine solche Summe als Lösegeld finden, daß Ihr Beide zufrieden seyn könnt.
Da wechselten die beiden Soldaten einige Worte mit einander, welche der Admiral nicht verstehen konnte und die wahrscheinlich zu einem Uebereinkommen führten, denn sie stritten nicht mehr und fragten, ob die Leute, die ihn begleiteten, zu ihm gehörten und wer sie wären.
»Der Eine ist mein Page, der Andere mein Diener, der Dritte ein Herr aus meinem Hause,« antwortete der Admiral; »ihr Lösegeld wird mit dem meinigen bezahlt werden, bringt mich nur von den Deutschen hinweg.«
»Folgt uns,« sagten die beiden Soldaten, »wir werden Euch in Sicherheit bringen.«
Sie forderten dem Admiral den Degen ab, stiegen mit ihm die Bresche hinunter in den Graben an den Eingang zu einer Mine.
Da trafen sie Don Alonso de Cazières, mit dem die Soldaten einige Worte sprachen.
Da trat Don Alonso zu Coligny, begrüßte ihn, zeigte, auf eine Anzahl Herren, die aus den Laufgräben kamen und im Gefolge des Oberbefehlshabers nach der Mauer zu gingen.
»Hier ist der Prinz Emanuel Philibert,« sagte er; »wollet Ihr mit ihm sprechen?«
»Ich habe ihm nichts zu sagen als etwa, daß ich der Gefangene der Leute da bin und daß ich wünsche, sie mögen mein Lösegeld erhalten.«
Emanuel hörte was Coligny sagte und entgegnete in französischer Sprache lächelnd:
»Herr Admiral, wenn unser Gefangener nach seinem Werthe bezahlt wird, werden die Soldaten reicher werden als gewisse Prinzen, die ich genau kenne.«
Darauf übergab er den Admiral an Don Alonso und stieg durch dieselbe Bresche hinauf, durch welche der Admiral herunter gekommen war.
