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Kitabı oku: «Der Secretair der Marquise Du-Deffand», sayfa 25
Sechzehntes Kapitel
Wir plauderten also in dieser Carosse, ziemlich zusammengerüttelt von den schlechten Wegen und unterbrochen von den Ausrufungen des Abbé, welcher zuweilen plötzlich erwachte. Es war sehr bequem für mich, die ich schweigen wollte, aber sehr unangenehm für die Anderen, die ihre Rolle spielten und darauf rechneten, mich zum Reden zu bringen, indem sie mich in ihre Klatschereien verwickelten.
Frau von Tencin war unerschöpflich, von dem Regenten und von dem Glück zu reden, eine wenn auch nur vorübergehende Beziehung der Freundschaft zu ihm zu haben, daß man ihn unrichtig beurtheilt, unrichtig gekannt habe, und daß man ihn mit Frauen sehen müsse, welche seinen Charakter schätzen könnten, und die ihn zum Guten führten, anstatt ihn im Schlamm zu lassen, in den man ihn gestürzt.
Ich antwortete, sie habe vollkommen Recht und ich sei ganz ihrer Meinung.
– Kennen Sie ihn, Madame? Sie haben ihn oft bei Frau von Parabère gesehen, nicht wahr? Es ist mir, als hätten Sie mir es gesagt.
– In der That, Madame, ich habe die Ehre gehabt, ihn einigemal zu treffen. Oh! mein Gott, welch ein schlechter Weg'.
– Himmel! ich habe eine Beule vor der Stirn! rief der Abbé sich umwendend.
So ging es auf dem ganzen Wege. Ich unterhielt mich sehr. Wir kamen an.
Es war entzückend, ich blieb begeistert von dem, was ich sah, von diesem Glanze und von diesen Gärten der Armida. Wir hatten den ganzen Tag daran zu sehen.
– Eure Eminenz würden hier sehr gut wohnen, sagte der Abbé, vor allen diesen Liebesgöttern und Venusbildern, die er für Madonnen und Engel hielt.
Die Gräfin Alexandrine lachte darüber, bis sie weinte, und ich ebenfalls. Wir belustigten uns, so daß er Ausrufungen des Erstaunens ausstieß, als wir ihm erklärten, was dieses Haus sei und in welcher Absicht man es errichtet habe.
– Ist es möglich, mein Gott! gibt es solche verderbte Menschen.
Und der Mann, der seit so vielen Jahren in einer so wenig geistlichen Gesellschaft gelebt hatte, hielt wirklich die ganze Welt für so keusch und rein, wie er selber es war; freilich schlief er wenigstens die Hälfte des Tages und die ganze Nacht. Frau von Tencin fügte hinzu:
– Er ist so einfältig, daß ich selbst für seine Träume einstehen kann!.,.
Gegen Abend stiegen wir zu dem Pavillon hinunter, wo man eine Abendmahlzeit bestellt hatte. Der Koch hatte sich für sein Geld von dem Kastellan ein hübsches Zelt zu verschaffen gewußt, worin er diejenigen seiner Gäste bewirthete, die ihm als die vornehmsten und reichsten erschienen. Unser Aussehen, unsere Equipage, die violetten Strümpfe und der Kragen des Erzbischofs schienen ihm des Vertrauens würdig. Er setzte uns eine sehr, gute Mahlzeit vor, selbst die Weine waren trinkbar, kurz man speiste ganz erträglich zu Mittag, ja sogar besser, als in einigen Häusern in Paris.
Wir wollten gerade abreisen, als wir von unserer Seite her zwei Cavaliere ankommen sahen, wovon der eine die Uniform der französischen Garde trug. Sie lachten aus vollem Herzen und schienen in Höflichkeiten zu wetteifern.
– Es ist an Ihnen, Chevalier.
– An Ihnen, Marquis.
– Ich werde gewiß nicht vorangehen.
– Auch ich nicht.
– Wir müssen uns indessen entscheiden.
– Ach ja! ich fühle das dringende Bedürfniß dazu.
– Da sind ein paar sehr heitere Cavaliere, sagte der Erzbischof, man sollte denken, daß sie sich über uns aushalten.
– Das mag sein, sagte Frau von Tencin sich brüstend.
– Sie scheinen zu zaudern; wir können die Sache ausgleichen, fuhr Seine Eminenz fort. Abbé, gehen Sie und fragen Sie sie meinerseits, mit wem wir die Ehre haben zu reden, und was wir thun können, um ihnen zu dienen.
Der Abbé ging. Ich kann meinen Lesern keinen andern Begriff von seiner Haltung und seinem Wesen geben, als wenn ich ihn mit einem aufgespießten Pfau vergleiche. Sein Gewand und sein Kragen bildeten den Schweif, und er ging auf so seltsame Weise, daß die Officiere, als sie ihn näher kommen sahen, in ein homerisches Lachen ausbrachen, welches wir im Pavillon hörten.
– Mein Herr, sagte er nach drei Verbeugungen, als er zu den Fremden kam, könnten Sie mir sagen, wer dieser Herr da ist, und Sie da, mein Herr, würden Sie nicht die Gefälligkeit haben, mich mit diesem Herrn bekannt zu machen? Ich komme von Seiner Eminenz dem Herrn von Embrun.
Er besaß eine so übertriebene Einfalt, daß sie ihn für einen Mann von Geist hielten. Man zeigt gewöhnlich nicht so viel davon, wenn man es nicht absichtlich thut.
Sie antworteten ihm wie Kapuziner, die Hände gefaltet, und gingen auf seine Redeweise ein.
– Dieser Herr da, begann der Officier, ist der Chevalier de Bellevue.
– Und der Herr hier, fügte der Andere hinzu, ist der Marquis von Meuse,
– Was können wir thun, um Seiner Eminenz zu dienen?
– Seine Eminenz läßt fragen, mit wem er die Ehre habe zu reden, und erkundigt sich zu gleicher Zeit, was er thun kann, um es Ihnen angenehm zu machen.
– Seine Eminenz kann in unserer Erkenntlichkeit den Platz einnehmen, den, wie man sagt, der Magen in dem Leben eines Menschen einnimmt, wir werden vor Hunger sterben.
– Hier ist ein Gasthaus.
– Gewiß, aber in diesem Gasthause ist kein Stück Brod, keine Bouillon, nicht mehr ein Lerchenschenkel übrig.
– Ich sehe nicht —
– Wie, Sie sehen nicht auf der Tafel Seiner Eminenz diesen vortrefflichen Kapaunen, wovon noch mehr als die Hälfte übrig ist, diese Hammelkeule, diese Schüssel mit gebratenem Gehirn und was noch weiter, wobei mir der Mund wässert.
– So wollen Sie also zu Mittag speisen?
– Parbleu! wir wünschen nichts weiter.
Er begrüßte sie wieder und kehrte zu uns zurück.
Ich hatte Alles gehört und bat schon den Erzbischof, sie rufen zu lassen. Der Abbé kam mit gemessenen Schritten zurück, ich war jung, unbesonnen, ungeduldig, und stürzte mich auf die Thür zu.
– Nein, Herr, rief ich, der Herr Erzbischof von Embrun und die Gräfin Alexandrine von Tencin, seine Schwester, laden Sie ein, an dieser Mahlzeit Theil zu nehmen, die sie Ihnen von ganzen Herzen anbieten.
– Und die schöne Abgesandte? fuhr der Marquis von Meuse statt, der bei meinem ersten Wort herbeigelaufen kam.
– Es ist die Frau Marquise Du-Deffand, fiel der Abbé ein, der zum erstenmal in seinem Leben ein Wort zur rechten Zeit sprach.
Der graziöseste Dank wurde an uns gerichtet, sie nahmen die Einladung an und setzten sich ohne Weiteres an die Tafel.
In der ersten Viertelstunde aßen sie ohne aufzublicken.
In der zweiten begannen sie die Augen zu erheben, der Marquis von Meuse sah mich an und ich ihn ebenfalls. Der Marquis von Meuse war ein hübscher junger Mann; wir errötheten nicht; man erröthete nicht unter der Regentschaft.
Der Chevalier von Bellevue wendete sich unwillkürlich zu Frau von Tencin; Beide hatten Geist, Schelmerei, ja noch etwas mehr, nämlich Bosheit.
Nachdem der Marquis von Meuse die ersten unbedeutenden Fragen des Erzbischofs beantwortet hatte, richtete er andere an mich, die es nicht weniger waren, nur war das Ganze verschieden; meine Antworten waren es auch. Wir sprachen von dem Hause, von dem Garten, von den Leuten, welche hierher kamen, und von der Wahrscheinlichkeit eines Ankaufs.
– Es wird eine Tänzerin sein.
– Es wird ein Finanzmann sein.
– Es wird ein großer Herr sein.
– Und was würden Sie sagen, meine Herren, wenn es ein Erzbischof wäre.
– Ah! Ich würde sagen, Eminenz, daß ein einziger Erzbischof in Frankreich Geist genug hat, um in einem ehemaligen Venustempel nicht lächerlich zu ein.
– Verzeihen Sie, mein Herr, wir treiben den Teufel aus.
– Es gibt Teufel, Eure Eminenz, die Allem widerstehen.
– Meinen Sie?
– Ja, das sind die weiblichen Teufel. Lucifer selber würde sie nicht verbannen können.
Plaudernd und essend blickte mich der Marquis an, ich sah es wohl, doch that ich, als ob ich es nicht bemerkte, und er ließ sich nicht dabei ertappen. Die Nacht kam; das Wetter war von der Art, daß es selbst die elenden glücklich machte; wir athmeten, wir plauderten leise und lieblich unter den Blumen am Rande des Wassers, daß Niemand daran dachte, fortzugehen.
Vierter Band
Erstes Kapitel
Frau von Tencin war sehr furchtsam im Wagen; sie erinnerte sich der Wege und sprach zuerst von der Rückkehr.
– Ah! wir befinden uns hier so gut! rief ihr Bruder.
– Und wenn wir umgeworfen werden?
– Wir werden nicht umgeworfen werden, wenn es aber zufällig geschehen sollte, haben wir weiter nichts zu thun, als wieder aufzustehen.
– Du scherzest immer, mein Bruder.
– Meine liebe Schwester, Du bist zu furchtsam. Kehren Sie nach Paris zurück, meine Herren?
– Ja, Eure Eminenz.
– Da können wir den Weg zusammen machen.
– Wir werden sehr glücklich sein, wenn Eure Eminenz und diese Damen es erlauben wollen.
Wir erlaubten es sehr gern, die Gräfin empfand Furcht und ich coquettirte. Der Abbé wurde abgeschickt, um die Leute anzutreiben, und die Unterhaltung dauerte fort.
Sie wurde vertrauter, so wie die Nacht herankam. Eine reizende Mattigkeit bemächtigte sich unserer Sinne, wir empfanden die gewöhnlichen Wirkungen einer guten Verdauung, die unter Bedingungen der Bequemlichkeit und des Vergnügens vor sich ging, welche sich von allen Dingen reflectiren.
Es wurde die Nachricht gebracht, daß Alles bereit sei; wir standen,auf, der Marquis reichte mir mit zierlicher Grazie und auffallender Galanterie die Hand.
Wir kamen zu der Karosse des Erzbischofs, ich stieg ein; Frau von Tencin und Seine Eminenz thaten dasselbe und die beiden jungen Kavaliere erreichten ihre Chaise wieder.
Sie behaupteten einen köstlichen Weg über grünen Rasen zu wissen, der viel kürzer wäre. Man kam darin überein, daß unser Kutscher dem ihrigen folgen solle; sie fuhren voran, und unsere Heiterkeit stieg aus einen ungewohnten Grad für Leute, die einander zum ersten Mal sehen.
– Dieser Marquis von Meuse ist ein Mann von Geist, ein sehr wohlgebildeter Edelmann, begann der Erzbischof.
– Er hat eine gute Miene, aber ich ziehe ihm den Chevalier de Bellevue doch noch vor, versetzte die Gräfin Alexandrine.
– Und Sie, Abbé?
– Ich ziehe sie Beide vor.
So antwortete der Abbé immer in ähnlichen Fällen.
In der ersten Stunde ging Alles vortrefflich, das Wetter war schön, der Weg bewunderungswürdig, der Mond glänzend. Wir warfen einander von dem einen Wagen zum andern Scherze zu, wir rollten durch den Wald und ich habe selten eine köstlichere Reise gemacht. Nach einer Stunde sahen wir das Ende der Bäume nicht, wir mußten indessen draußen sein.
– Beunruhigen Sie sich nicht, rief man uns aus der Chaise zu, wir wissen sehr gut, wohin wir fahren; sein Sie ruhig.
Der Abbé öffnete ein Auge, wendete es zum Horizont und sagte sentenziös.:
– Ich glaube, daß es diese Nacht regnen wird.
– Ah! bah! Abbé! rief ich, es kann heute nicht regnen, es ist ein zu schöner Tag.
– Ich fürchte sehr, daß Sie sich irren, Frau Marquise.
– Hören Sie, meine Königen, fügte Frau von Tencin mit ihrem schleppenden Accent hinzu, den sie sehr komisch zu machen wußte; er hat alle Eigenschaften der Enten, und sie sind vortreffliche Barometer.
Wir fingen an zu lachen und der Abbé lachte eben so laut, wie wir, denn er verstand nicht, um was es sich handelte. Noch eine Stunde verging; die Prophezeihung nahm ein Ansehen der Wirklichkeit an, der Himmel bedeckte sich und wurde dunkel, und Blitze funkelten in der Ferne, Wir hatten den Wald verlassen, wir fanden von Zeit zu Zeit noch einige Baumgruppen; wir verfolgten keinen gebahnten Weg und fuhren durch eine sehr verlassene Gegend. Die Gräfin Alexandrine hegte eine verborgene Furcht, wovon sie uns nur durch ihre Seufzer benachrichtigte, bis zu dem Augenblick, wo ein Blitz die Wolke spaltete, und ein ziemlich heftiger. Donnerschlag machte, daß eins von unseren Pferden sich bäumte.
– Wir sind verloren! wir sind verloren! rief sie.
– Wir sind nicht verloren, antwortete der Erzbischof, aber wir haben uns vielleicht verirrt und davon müssen wir uns überzeugen. Abbé, rufen Sie diesen Herren zu.
Die beiden Carossen hielten fast zu gleicher Zeit an, und der Marquis von Meuse kam an den Wagenschlag.
– Nun, sagte Herr von Tencin, wohin kommen wir?
– Meiner Treu! Eminenz, ich weiß es nicht genau; und der Chevalier und ich waren eben daran, uns selber diese Frage vorzulegen. Ich glaube, unser Schlingel von Postillon hat zu viel getrunken und den Weg verloren.
– O Himmel, mein Herr! aber was soll aus uns werden?
– Nun, Frau Gräfin, wir werden vielleicht irgend eine Hütte oder einen Schuppen finden, wo wir die Nacht zubringen können.
– Aber es ist unmöglich! Ich will es nicht. Da kommt das Gewitter und wir sind vielleicht von Straßenräubern umgeben!
– Dieser Ort steht in der That nicht in allzu gutem Rufe, Frau Gräfin.
– Sie scherzen, mein Herr.
– Ich sehe nicht, was man anders thun sollte, Madame, und die Frau Marquise Du-Deffand lacht ebenfalls.
– In dem Alter dieser Dame lacht man über Alles.
– Sehen Sie, Frau Gräfin, es ist herrliches Wetter —
– Es regnet stark.
– Es herrscht eine erstickende Hitze, Sie sitzen auf den Kissen eines guten Wagens und es ist kein großes Unglück, eine Nacht bei dem Sternenlichte hinzubringen.
– Es ist aber kein Stern zu sehen.
– Der Mond ist am Himmel, und das kommt auf dasselbe heraus, wenn er auch verborgen ist.
– Und das Abendessen?
– Wir gehen aufs Marodiren aus.
– Und die Räuber?
– Wir sind sieben Männer, ohne Seine Eminenz und den tapfern Abbé zu rechnen, und würden uns wehren können.
– Haben Sie Waffen?
– Die Chaise voll.
– Ach! die verwünschte Partie.
– Im Gegentheil, Madame; es ist eine reizende Partie, und ich habe nie eine köstlichere mitgemacht.
– Auch ich nicht, fügte der Chevalier hinzu.
Frau von Tencin faßte dieses Wort auf.
– Nun, auch ich nicht, wenn es denn sein muß, versetzte sie.
Ihr Gesicht erheiterte sich unmittelbar.
Man hielt Rath, was zu thun sei; das Ungewitter nahm zu und drohte schrecklich zu werden. Nach ihrer klösterlichen Gewohnheit machte die Gräfin Alexandrine Zeichen des Kreuzes und stieß bei jedem Blitze Ausrufungen aus.
Der Marquis erbot sich, mit seinen Leuten Nachsuchungen anzustellen. Sie wollte es nicht zugeben, aus Furcht vor Räubern. Er machte den Vorschlag, zu bleiben, wo wir waren, Sie verweigerte es wegen des Gewitters, da die Bäume den Blitz anziehen. Er schlug vor, unsern Weg fortzusetzen. Dies ging auch nicht an, denn man verirrte sich immer mehr.
– Ich sehe kein viertes Mittel,
Ich lachte beständig, und um gerecht zu sein, muß ich hinzufügen, daß Seine Eminenz von Embrun mit einstimmte. Der Abbé schlief; das Licht weckte ihn, und die Augen reibend wendete er den Kopf um und murmelte:
– Löscht doch das Licht aus!
Wir sprachen hin und her; glücklicherweise handelten Andere für uns, während wir sprachen. Mein Lakai und der des Marquis, zwei entschlossene Burschen, näherten sich uns und verkündeten uns, daß sie in der Nachbarschaft eine Meierei neben einem Bauerhause gefunden, wo man uns aufnehmen und uns sogar ein Abendessen für unser Geld geben wolle.
– O Himmel! es ist eine Höhle.
– Höhle oder Grotte, meine liebe Gräfin, das ist immer besser, als unsere durchnäßte Carosse. Wir werden essen, wir lassen das Gewitter vorüberziehen, wir ruhen uns aus. Man wird uns unsern Weg andeuten, die Sonne geht früh auf in dieser Jahreszeit, und dann reisen wir ab.
Es waren noch viele Schwierigkeiten zu besiegen; aber die Mehrzahl drang durch, und bald wurden wir in eine sehr reinliche Hütte geführt, worin ein Mann und eine Frau wohnten, die nicht allzu arm waren, und uns einen eßbaren Eierkuchen bereiteten, uns Cider und köstliche Milch mit Schwarzbrod, so gut es nur sein konnte, vorsetzten. Dies erinnerte mich an Chamrond.
Darneben war, wie unsere Leute gesagt hatten, ein verfallener Thurm, der als Stall und Remise diente. Dort brachte man die Pferde und die Wagen unter, gab dorthin den Dienern ihr Abendessen, und wir waren alle sehr erfreut von unserem guten Glück, nur immer mit Ausnahme der Gräfin, die sich nach ihrem Bett sehnte und behauptete, auf einer hölzernen Bank könne Sie keinen Geist haben.
Zweites Kapitel
Ich überlasse es den Lesern, sich dieses Abendessen und diese Nacht vorzustellen; wir hatten uns entschlossen, über Alles zu lachen. Von Zeit zu Zeit schwur die Gräfin, man würde Fallthüren öffnen und bewaffnete Straßenräuber daraus hervorkommen sehen, die sich über uns herstürzen würden, um uns zu erwürgen.
Unser Wirth, der friedlichste aller Menschen, gleiche Cartouche oder einem von seinen Lieutenants, welcher der Todesstrafe entflohen sei. Sie habe ihn bei der Hinrichtung gesehen und sei gewiß, ihn unter Tausenden zu erkennen.
So weit ging Alles vortrefflich.
Wir blieben bis zum Morgen da. Man zeigte uns unseren Weg; wir waren nicht weit von Paris und kamen noch zeitig genug an, um uns in unsere Betten zu legen und einige Stunden zu schlafen.
Der Marquis und der Chevalier ließen sich am folgenden Tage bei mir einschreiben. Der Marquis kam bald wieder und ich empfing ihn; er kam oft, ja alle Tage wieder, und wir kamen dahin, womit damals viele Leute anfingen. Man giebt mir die Versicherung, daß es heutiges Tages nicht mehr so ist.
Herr von Meuse hatte unendlich viel Geist; er besuchte die vornehmste und beste Gesellschaft und verschaffte mir die Bekanntschaft einer Person, welche bald die mächtigste im Königreich werden sollte, nämlich der Marquise von Prie. Sie war sehr bekannt als Maitresse des Herzogs, ersten Prinzen von königlichem Blut und Enkels Ludwig des Vierzehnten, durch seine Mutter, die Tochter des verstorbenen Königs und Frau von Montespan.
Wir waren alle beide jung, sie ein wenig älter, doch befanden wir uns auf verschiedenen Wegen. Ihr Vater war Berthelot de Pleneuf, Geschäftsmann und Financier, dessen Familie sich nichts desto weniger mit bedeutenden Personen in Verbindung gesetzt hatte, wie mit den Matignon, den Novion und Anderen, Pleneuf wollte besonders Geld gewinnen und säete es aus, um noch mehr zu erhalten, Frau von Pleneuf warf es mit Entzücken zu den Fenstern hinaus. Sie hatte viele Liebhaber: den Prinzen Karl, Herrn von Mazarin, Senneterre, Herrn von Montmorency und viele Andere.
Pleneuf kümmerte sich nicht darum, wenn er nur seine Koffer füllte, gleichviel wie, dann war er zufrieden. Er wußte es zu machen, daß er bei den Lieferungen der Lebensmittel angestellt wurde, wovon er die Hälfte stahl, aber noch zu glücklich war, sein Leben zu erkaufen, indem er sein ganzes Vermögen hergab.
Seine Tochter war schon an den Marquis von Prie, Gesandten in Turin, verheirathet. Die Mutter und Tochter waren in allen Dingen Nebenbuhlerinnen und verabscheuten einander herzlich. Sie suchten einander in allen Dingen zu schaden, auch triumphirte die Tochter vollständig, als ihre Mutter ruinirt war und sich auf Kleider von grobem Camelott beschränkt sah.
– Ich werde ihr geben, was sie will, sagte sie, nur nicht die Mittel, sich zu verschönern.
Ich glaube nie ein hübscheres Geschöpf gesehen zu haben, als dieses, besonders in ihrer ersten Jugend. Sie war groß, schön abgerundet, hatte ein heiteres und herausforderndes Gesicht, eine Nase, um den Leuten die Köpfe zu verdrehen, aschfarbiges Haar, Zähne, Füße, Hände und Teint bewundernswürdig, und ausgezeichnet wie eine Göttin und fein wie ein Elfe.
Sie hatte alle Talente und eine reizende Stimme; sie tanzte zum Entzücken, spielte Klavier und setzte Alle, die sie sahen, durch ihre Grazie und Eleganz in Erstaunen.
Ihr einziges Streben war die Herrschsucht; sie mußte überall befehlen und ihr Stolz war unersättlich. Eben so galant, wie ihre Mutter, hatte sie Liebhaber nach ihrer Laune, und ohne daß sich ihr Herz je dabei interessirte.
Sie ging ohne Veranlassung von einer verliebten Unterhaltung zu einer Geschäftsverhandlung über; sie war zu gleicher Zeit verführend und kalt, die beiden wesentlichen Eigenschaften, um die Menschen zu führen, wohin man sie will.
Frau von Prie wurde mit fünfzehn Jahren verheiratet, folgte ihrem Gemahl nach Turin und wollte schon die Gesandtschaft leiten. Sie gab dort aus, so viel ihr beliebte, so daß sie bis auf sechs- oder siebentausend Livres Renten zurückgekommen waren, und daß sie ihrerseits auch groben Camelott tragen mußte, bis sie ein Mittel fand, ihre häusliche Einrichtung wieder herzustellen.
Sie überredete diesen armen Gesandten, sie nach Paris zu schicken, indem sie sich rühmte, irgend eine Pension oder Zulage zu erhalten, die es ihnen möglich machen würde, ihren Angelegenheiten Ehre zu machen. Er willigte ein. Sie war damals achtzehn Jahre alt.
Als sie nach Paris kam, begann sie damit, eine kleine Wohnung in der Nähe der Conception zu miethen und fünfhundert Franken jährlich dafür zu zahlen. In der Folge nahm sie Madame Sechelles, ihre Tante, zu sich, um eine Respectsperson bei sich zu haben, und als sie dies gethan, stellte sie sich dem Herzog von Orleans in den Weg, Ihre Besuche hatten keinen anderen Zweck, als seine Maitresse zu werden und Frankreich in seinem Namen zu regieren.
Anfangs wartete sie in der Gallerie des Palais Royal an einem Tage der Audienz und ließ sich von Herrn von Nocé, den sie kannte, ihm vorstellen. Er fand sie hübsch und sagte ihr einige verbindliche Worte.
Am folgenden Abend auf dem Maskenballe im Opernhause erkannte sie ihn leicht. Er war betrunken, was ihre Aufgabe erschwerte. Sie unternahm sie indessen doch, ohne davor zurückzubeben, unterhielt ihn, ertrug seine trunkenen Galanterien, schmeichelte ihm aus allen Kräften, und folgte ihm endlich ins Palais Royal, indem sie den Gipfel ihrer Wünsche erreicht zu haben glaubte.
Er führte sie, strauchelnd zu einer Thür, welche nicht die von Nanettens Hause war; sie öffnete sich vor ihnen, und sie erblickten einen großen sehr hell erleuchteten Speisesaal. Die Herzogin von Berry, Frau von Phalaris, Frau von Parabère und alle Roués waren in der lebhaftesten Unterhaltung. Man stelle sich ihr Erstaunen vor, da sie auf ein tête-à-tête gerechnet hatte.
Sie glaubten sie aufziehen zu können, aber sie hatte eben so viel Geist, wie sie selber; sie hatte Kaltblütigkeit und antwortete ihnen auf eine Weise, um ihnen zu zeigen, wenn sie sie bei dem Prinzen Fuß fassen ließen, so würde sie sie von dort vertreiben.
Von diesem Augenblick an gelobte man ihr, daß sie nicht mehr dort erscheinen solle. Der Regent wurde hintergangen, man erzählte ihm tausend Märchen und bewies ihm, daß sie ihn langweilen würde, und daß sie Politische Absichten habe, was er auf den Tod haßte, und so wollte er sie nicht mehr ansehen.
Sie hegte deshalb einen Groll, den sie ihnen später nach besten Kräften vergolten hat.
Außer dem Herzog von Orleans gab es nur einen einzigen Mann in Frankreich, der ihrer würdig war, einen einzigen, den sie einzugestehen sich herabließ, ohne Nachtheil für die Anderen, die sie mehr oder weniger verheimlichte. Alle ihre Batterien waren nach dieser Seite gerichtet und der Platz war leichter einzunehmen. Der Herzog war jung; er war nicht schön und hatte keins von den Verdiensten, die aus einem Prinzen eine Person machen; aber er war erster Prinz vom königlichen Blute, und zwar bei der Minderjährigkeit des Monarchen, so daß Alles von ihm abhing.
Die Marquise ließ sich zu der Frau Herzogin führen, nicht zu der Mutter, die sie instinctmäßig fürchtete, sondern zu der jungen, der guten und lässigen Mademoiselle de Conti, die sie sehr gut empfing, und sie unter die Zahl ihrer vertrauten Bekannten aufnahm.
Der Herzog sah und liebte sie. Er besuchte sie sehr oft in der kleinen Wohnung, die sie in der Nähe der Conception bewohnte, und die sie unter dem Vorwande der Sparsamkeit zu verlassen sich weigerte.
Sie hatte damals zwei Liebhaber: Herrn von Alincourt, denselben, den Frau von Parabère so lange behielt, und den englischen Gesandten Lord Stair. Sie entließ sie aber und dachte sich ernstlich mit ihrem Glück zu beschäftigen.
Aber der Herzog war, wie schon bemerkt, sehr häßlich, und er mißfiel ihr auf fast unüberwindliche Weise. Es kostete ihr noch einen Kampf von einem Monat, sich zu entschließen, ihn bei sich zu empfangen, nachdem sie ihn zuerst dazu aufgefordert hatte.
Als dies geschehen war, forderte er den Vortheil davon. Sie beherrschte den Regenten besser, als wenn er sie als Maitresse angenommen hätte, indem sie dem Herzoge Ideen ihn zu controliren und den Willen einflößte, sich Rechenschaft ablegen zu lassen. Diese Anmaßung ärgerte den Cardinal Dubois; um sie zu beseitigen, beschloß er, Frau von Prie zu Grunde zu richten.
Folglich sendete man an den Herzog die Frau von Brillière ab, die Mutter des jungen Saint Florentin, den man zum Herzog zu machen und mit Fräulein von Platen zu verheirathen wünschte. Sie hieß Mailly mit Namen. Ihr Geliebter Nangis wurde entlassen, wie d'Alincourt vor ihm, und Frau von Brillière übernahm es, diese Eroberung zu versuchen. Sie ging zu wiederholten Malen zum Herzog, obgleich nicht mehr jung, war sie doch zierlich und hübsch. Frau von Prie, eingebildet auf ihre achtzehn der neunzehn Jahre, kümmerte sich nicht um eine Frau, die sie als alt betrachtete, und die sie anderweitig zu beschäftigen wußte. Auch machte Frau von Brillière viel Fortschritte, und vielleicht würde es ihr geglückt sein, zu triumphiren, wenn der Tod des Herzogs von Orleans nicht gelegen gekommen wäre, um diese Pläne zu vereiteln.
Unter triumphiren verstehe ich, Frau von Prie auszustechen, denn was die geheimen, Triumphe betrifft, so glaube ich wohl, daß sie sie gewonnen hat, und Niemand zweifelte daran. Dies sind Triumphe, wenn es Triumphe gibt, die man zu theuer mit einem Manne wie der Herzog erkauft hat. Ich hätte sie um keinen Preis gewollt, das kann ich beschwören. Indessen ging der Handel so gut wie möglich vor sich, und als der Herzog von Orleans am Schlagflusse starb, kam der Abbé von Broglie, der Freund des Herzogs, wie Bonneau der Karl des Siebenten war, ihn bei Frau von La Brillière aufzusuchen, wo er sehr ruhig zu Abend speiste, und ihm die Katastrophe mitzutheilen. Der Regent – der es nicht mehr war, da der König volljährig geworden – war noch nicht todt.
– Mein Herr, Sie haben nur Eins zu thun, und wenn Sie es vernachlässigen, so verlieren Sie Ihre ganze Zukunft. Gehen Sie im Augenblick zum Könige, lassen Sie den Einflüssen keine Zeit, zu wirken, und verlangen Sie kühn von ihm die Stelle des ersten Ministers, woran Ihre Geburt Ihnen das Recht gibt Anspruch zu machen. Er wird überrascht sein und nicht wagen, es Ihnen abzuschlagen. Wenn Sie zögern, werden Sie die Stelle besetzt finden.
– Aber Abbé —
– Aber, gnädigster Herr, Sie haben noch eine halbe Stunde Ihr Schicksal in Ihren Händen, nachher werden Sie es nicht mehr in Ihrer Macht haben.
– Gnädigster Herr, fügte die Dame hinzu, deren Herz schlug, versäumen Sie es nicht.
– Sie wollen es!
– Ich will Sie führen, der Augenblick ist günstige der König ist mit Herrn von Fréjus allein, dieser vermag. Alles bei ihm, wie Sie wissen. Gott weiß, welche Gedanken er im Kopfe hat, und welche er dorthin versetzen wird. Wenn Sie ihm nicht durch einen unerwarteten Schlag zuvorkommen, werden Sie morgen beim Erwachen erfahren, daß Sie einen Herrn haben.
– So kommen Sie denn, weil es sein muß!
Er ließ sich bis zur Thür des Cabinets des Königs führen, in welches der Abbé ihn gleichsam hineinschob. Er trat ein und fand den jungen Monarchen mit seinem Lehrer, seinen Kopf auf seine Hände gestützt und sehr ergriffen.
– Sire, sagte er zu ihm, ich erbitte mir von Eurer Majestät die Stelle des ersten Ministers, welche der Herzog von Orleans erledigt gelassen hat; ich glaube nicht, daß mir sie Jemand streitig machen kann; meine Geburt nähert mich Eurer Majestät, die Jugend des Herzogs von Chartres macht ihn unfähig, einen Staat wie Frankreich zu regieren, und der Antheil, den ich während der Minderjährigkeit Eurer Majestät an den öffentlichen Angelegenheiten genommen habe, vereint mit diesen Gründen, werden Sie, hoffe ich, bestimmen, meine Bitte nicht zu verweigern.
Der König wendete sich zu dem Bischof von Fréjus, dieser fühlte vollkommen, daß er nicht mit einem Satze zu der ersten Stelle gelangen könne, um den Oheim des Königs, den Neffen Ludwig des Vierzehnten, zu ersetzen.
Er bedurfte eines Ueberganges. Während dieser Zeit wollte er sich so weit erholen, um sich möglich zu machen. Der alte Maulwurf grub seine Höhle. Er kannte den Herzog, er wußte vorher, daß er ihm tausend Vorwände des Bruches geben würde, wenn der Augenblick ihm günstig schiene. Er konnte keine bessere Marionette finden. Er hatte also seinem Zögling vorher seine Lection gegeben.
Als der König ihn daher stillschweigend um seine Meinung befragte, nickte der Lehrer mit dem Kopfe, und Ludwig der Fünfzehnte machte dasselbe Zeichen gegen den Herzog, der sich damit begnügte und dagegen eine tiefe Verbeugung machte.
Gleich darauf öffnete Herr von Fréjus die Thür. Es waren einige Personen in dem Cabinet von denjenigen, welche alle Winde wittern, um zu wissen, von welcher Seite sie kommen. Er ließ sie eintreten und sagte, der König wolle sie sehen. Sie ließen sich nicht bitten, wie man leicht denken kann, und sogleich sagte Herr von Fréjus zu ihnen, nach dem Verluste, den der König eben durch den Tod des Herzogs von Orleans erlitten, könne er nicht besser thun, als die Autorität in die Hände des Herzogs niederzulegen und ihn zu bitten, die Stelle des ersten Ministers anzunehmen, welche er mehr als irgend sonst Jemand auszufüllen fähig sei.
Der Herzog fand jetzt Worte des Dankes, woran er bis dahin gekaut hatte, Herr von Brilliere, welcher sich nicht ruhig fühlte, zog den Eid des ersten Ministers aus der Tasche, den er sogleich ablegen mußte.
Der Herzog ging darauf hinaus und hielt einen großen Hof, den er verabschiedete, um allein zu bleiben; wenigstens hoffte er es. Aber es war nicht so.
Die Herzogin, seine Mutter, erwartete ihn in dem großen Zimmer mit seiner Gemahlin. Die Herzogin war entzückt und hielt sich überzeugt, daß sie Alles im Staate regieren werde; sie rechnete ohne Frau von Prie und ohne den Charakter ihres Sohnes. Er beeilte sich, ihre Complimente zu empfangen, und kündigte an, daß er ermüdet sei, daß er sich ein wenig ausruhen wolle, denn er müsse am folgenden Morgen sehr früh aufstehen, weil er ein schreckliches Geschäft haben werde.
– Du wirst nicht allein sein, mein Sohn, sagte die Frau Herzogin mit angenehmer Miene zu ihm, wir Alle werden Dir helfen, und es wird Dir nicht an Freunden fehlen an der Stelle, die Du einnehmen wirst.
