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Kitabı oku: «Der Secretair der Marquise Du-Deffand», sayfa 38

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Elftes Kapitel

Eine andere Person, von der ich ein wenig reden will, weil ich mich mit fast allen denen beschäftige, die einigermaßen ausgezeichnet sind, und die ich gekannt habe, ist der Cardinal von Bernis. Er nahm einen zu hohen Rang in der Welt ein, um unbeachtet zu bleiben. Voltaire führte mir ihn zu, als er aus Saint-Sulpice kam, wo er keinen günstigen Erfolg gehabt hatte, und sich zur Poesie wendete.

Er war mit Gentil-Bernard befreundet, welcher durchaus nicht gentil war und das sogenannte Rosenfest gab, wobei er als Todtenträger die Honneurs machte. Man sah nie etwas so Seltsames. Diese Feste fanden in einem Pavillon, ich weiß nicht mehr wo, im Monat Junius auf dem Lande statt. Er brachte so viele Rosen dorthin, wie er fassen konnte, und bedeckte die Haare der Frauen damit; es war ein Duft, um ohnmächtig zu werden. Dann, brachte er ganz kalt abgeschmackte Dinge vor und verglich jede dieser Damen mit einer Göttin, und dabei blieb es.

Gentil-Bernard war also der Lehrer und Freund des geistlichen Herrn, er unterrichtete ihn, Blumensträuße für Chloris zu binden, und er hatte in ihm einen so ausgezeichneten Zögling, daß man ihn die Straußbinderin des Parnaß nannte. Die Profanen setzten sogar den Namen Babet damit in Verbindung, welches der Name einer Blumenhändlerin jener Zeit war.

Er begann damit, bei Boyer, Bischof von Mireprix, anzuhalten, der mit den Pfründen beauftragt war. Dieser antwortete ihm mit einer Verweigerung, indem er hinzufügte, er würde nie etwas bekommen, so lange er, Boyer, an seinem Platze sei.

– Ich werde warten, Hochwürden, antwortete er sehr respectvoll.

Die Antwort wurde allgemein verbreitet, und Alles blieb wie es war.

Als einzige Hilfsquelle hatte der Abbé einen Canonicat in Brionde und eine kleine Pfründe in Boulognesur-Mer, und Alles zusammen brachte ihm nur so viel ein, daß er klares Wasser dafür trinken konnte.

In diesem Augenblick stellte ihn ein gemeinschaftlicher Freund der Frau von Etoiles vor, mit welcher der König sich viel zu beschäftigen anfing. Er wurde zu ihr nach Etoiles eingeladen, und der künftige Gesandte, der künftige Cardinal kam dort auf dem Marktschiffe, ein kleines Packet unter dem Arme, an. Frau von Etoiles liebte einen heiteren und drolligen Geist, die Schmeicheleien und die kleinen Verse; er gefiel ihr, und das war das Wesentliche bei einer Frau wie diese. Er wurde der Vertraute der Liebe des Königs und dieser neuen Favoritin, und stellte sich vortrefflich mit Beiden.

Als Frau von Etoiles in das Schloß eingeführt wurde, war mit das Erste, was sie erlangte, eine Pension von hundert Louisd'or aus der königlichen Schatulle und eine Wohnung in den Tuilerien für ihren Schützling. Sie ließ die Wohnung auf ihre Kosten ausmöbliren, was den Abbé so zufrieden wie möglich machte. Dann, da er ein guter Cavalier war, versetzte sie ihn von seinem kleinen Kapitel in Brionde zu dem in Lyon, was für ihn nicht mehr eine Sinecure ohne Vortheil war.

Der Abbé von Bernis befand sich also in einer guten Lage. Er war wohl gewachsen, sein Gesicht hatte viel Ausdruck und sein Auge war voll Feinheit. Er zeigte sich bei Hofe unter den Auspicien der neuen Gottheit und wurde dort sogleich gut gestellt.

Die Prinzessin von Rohan war eine der schönsten Personen dieser Zeit, sie nahm delicate Huldigungen an, und der Abbé, der sich zutraute, ihr zu gefallen, hatte die Kühnheit, es zu versuchen. Er mußte eine sehr kühne Meinung von sich selber haben, aber die Frauen sind so wunderlich. Mich würden alle Abbés in der Welt, und hätten sie den Geist Voltaire's und die Schönheit des Apollo, nicht bewegen, einen Finger zu erheben, um ihnen ein Zeichen zu geben. Ich würde es vorziehen, wie die Märtyrer von tausend Feuern verbrannt zu sterben, anstatt sie unter einer Mitra oder einer viereckigen Mütze auszulöschen. Jeder nach seinem Geschmack.

.Die Prinzessin von Rohan empfing eines Morgens einen sehr schönen Blumenstrauß mit Versen auf jeder Blume, die Venus, Minerva, Flora und Hebe aus ihr machten. – Diese abgestandenen mythologischen Benennungen, womit gewisse Dichter zu dieser Zeit einen elenden Mißbrauch getrieben haben. Die Verse wurden allen Ankommenden vorgelesen, man fand sie köstlich und der Abbé wurde von den Hofleuten aus allen Tonarten gelobt. Frau von Rohan erinnerte sich dieser Lobsprüche, sie dachte darüber nach, der Verliebte nahm in ihren Augen eine Wichtigkeit an, die er nicht besaß. Sie erlaubte ihm, ihr den Hof zu machen, und das war schon viel. —

Was ereignete sich dann? Ich weiß es nicht. Durch welche Mittel gelangte er dahin, sie zu überreden, ihm ein wahrhaftes Gefühl einzuflößen, welches bis zur Thorheit ging? Ich kann es nicht sagen. So viel ist gewiß, daß er drei Wochen später ihr erklärter Liebhaber war, daß sie einander nicht verließen, daß sie ihn überall ohne ein Geheimniß und mit erhobener Stirn mit sich führte.

Die Gesandtschaft in Venedig wurde erledigt. Die Prinzessin ging zum Könige und bat ihn, sie dem Abbé von Bernis zu ertheilen; Frau von Pompadour kam während der Zeit dazu, und Ludwig, wurde so beredet, daß er nicht nein sagen konnte. Als er sich aber mit seiner Maitresse allein befand, scherzte er mit ihr und mit Frau von Rohan über ihr Gefallen an dem Priesterchen.

– Er wird ein schöner Gesandter sein, Sire, ein Gesandter, um allen Frauen den Kopf zu verdrehen, und in Venedig ist dies von großer Wichtigkeit.

Herr von Bernis hatte in seiner ersten Jugend ein sehr ernstes Abenteuer gehabt, aus welchem er ehrenvoll hervorging, was nicht leicht war, und woran er sich erinnerte, als er mächtig war, was noch seltener ist. Wir müssen weiter in der Geschichte zurückgehen, das Abenteuer ist interessant.

Die Herzogin von Bouillon war eine von den Frauen, die nur durch den berühmten Vers geschildert werden:

 
S'ist Venus ganz und gar, auf ihre Beut' erpicht.
 

Sie hatte Liebhaber im Ueberfluß und schloß keinen aus, wer er auch war. Sie verlangte nur Schönheit und Stärke von ihnen; das Uebrige kümmerte sie nicht, und die moralischen Schönheiten der Leute konnten bei ihren Reizen nicht in Betracht kommen. Der ausgezeichnetste Schöngeist der Welt, wenn er nicht jung und kräftig war, galt ihr nicht so viel wie ein Flegel mit breiten Schultern.

Pont-de-Veyle, und besonders d'Argental, besuchten damals die Theatermädchen und kümmerten sich viel um ihre Zänkereien. So verhinderte sie, daß die Rivalität der Lemaure und der Pélissire einschlummerte; die Abenteuer der Autier, die von ihren Liebhabern verlassen und wieder angenommen, und von dem schönen Lamothe-Houdancourt, um den sich alle Frauen stritten, verehrt wurde, beschäftigten sie viel mehr, als die Schmerzen der Frau von Parabère, die, von Herrn Premier verlassen, wieder zu d'Alincourt zurückkehrte und, auch von diesem aufgegeben, einen anderen Lamothe wieder annahm, der völlig häßlich und unangenehm war. Sie weinte nicht weniger über dies Alles.

Sie hatten damals zu Teilnehmern an ihren Vergnügungen einen jungen Herrn von Bellegarde, den Abbé von Bernis, der eben aus seinem Seminar kam, und einen kleinen Abbé Bouret, den er überall mitnahm und der ein sehr guter Maler war. D'Argental nannte ihn scherzhaft den Cassirer der Gesellschaft, weil er, wenn ihnen das Geld ausgegangen war, die Mädchen für sich und die Anderen damit bezahlte, daß er sie portraitirte.

Herr von Bellegarde hatte auch seine Abenteuer. Er verliebte sich in eine Dame, deren Namen ich vergessen habe, und that Alles in der Welt, um ihr zu gefallen. Er war der jüngste Sohn seiner Familie, der keinen Sou besaß und sehr begierig war, emporzukommen. Sie hörte ihn an, ohne ihm zu antworten, und eines schönen Tages erklärte sie ihm, sein Antrag erscheine ihr nicht annehmbar, und ein Mann wie er müsse an etwas Anderes denken, als an diese Liebe, die überall zu finden sei.

– Reisen Sie ab, sagte sie zu ihm, gehen Sie, in fremden Ländern das Glück zu suchen, welches Sie in dem Ihrigen nicht finden. Gehen Sie in den Krieg, suchen Sie sich ein Commando zu verschaffen, und so werden Sie zum Glück gelangen. Sie werden eine Frau finden, die Sie heirathen werden. Man kann ohne Geld nichts anfangen, Ihre Familie wird Ihnen keins geben; hier sind zehntausend Thaler, Sie können sie mir wieder geben, wenn Sie reich sind. Nehmen Sie alle meine guten Wünsche, meine Freundschaft und Achtung mit und zählen Sie mich zu Ihren ergebensten Dienerinnen.

Er nahm den Abschied und die zehntausend Thaler an, und es glückte ihm. Er ging in den polnischen Krieg und zeichnete sich durch seine Kühnheit und seine Schönheit aus. Die Tochter der Gräfin Aurora von Königsmark, die Schwester des Grafen von Sachsen, verliebte sich in ihn, er heirathete sie, und sie beförderte ihn zu den höchsten Ehrenstellen in jenen barbarischen Ländern. Er ist als außerordentlicher Gesandter des Königs von Polen in Paris gestorben. Man versichert, daß er der Begründer eines vornehmen Geschlechts ist, und daß seine Nachkommen, wenn deren noch vorhanden sind, einen hohen Rang einnehmen werden. Sie haben sich dem Kaiserreiche gewidmet; d'Argental sprach noch kürzlich davon.

Der Abbé von Bernis gehörte also zu seinen Freunden, so wie die beiden Söhne der Frau von Feriol und der Abbé Bouret. D'Argental hatte sich in die Lecouvreur, Titularmaitresse des Marschalls von Sachsen, verliebt, die ihm tausend Beweise ihrer Zuneigung gegeben. So hatte sie ihre Diamanten verkauft, um ihm das Herzogthum Kurland zu kaufen, und ich weiß nicht mehr was. Dies verhinderte d'Argental und andere junge Leute nicht, sich wie eine Wolke um sie zu sammeln. Die beiden Abbés waren auch darunter.

So erfuhren sie die Unternehmungen der Madame Putiphar, von Madame de Bouillon gegen den jungen Krieger unternommen, der sich, man kann nicht sagen, warum, grausam gezeigt hatte.

– Madame de Bouillon thut mir die Ehre an, zu glauben, daß ich die Ursache davon bin, sagte die Schauspielerin, aber ich weiß, wie es damit ist. Der Graf von Sachsen ist nach allen Seiten untreu gegen mich; ich quäle mich nicht darüber, denn ich weiß, daß er wieder zu mir kommen wird. Ich würde mich ihretwegen nicht mehr beunruhigt haben, als wegen der Anderen, und noch weniger. Er liebt diese Art von Frauen nicht.

Man muß den Ausdruck: »diese Art von Frauen,« auf eine Prinzessin von Lothringen, eine Herzogin von Bouillon angewendet, entschuldigen. Die Theaterprinzessinnen haben eine solche Unverschämtheit! Sie nehmen ihre Rollen und ihre Liebesgeschichten ernsthaft und verhandeln mit uns wie eine Macht mit der anderen, sehr glücklich, wenn sie uns auf gleichen Fuß zulassen. Man behauptet, daß sie heutiges Tages noch unverschämter sind. Die Sache ist, daß in der Politik und in der Galanterie Alles verkehrt geht, Ich danke Gott, daß es bald mit mir zu Ende ist, und daß ich nicht mehr jung bin.

Nicht als wollte ich durch das Vorausgehende Frau von Bouillon auf Kosten ihrer Rivalin erheben. Ich bin nicht ungerecht, und ich erkläre, daß die Schauspielerin in diesem Falle die bessere Rolle hatte. – Frau von Bouillon war eine sehr boshafte Frau mit übertrieben heftigen Leidenschaften, welcher alle Mittel recht waren, um sie zu befriedigen und sich zu rächen. Man sieht es nur zu deutlich bei dieser Gelegenheit. Es war eine wahre Furie, wenn man sie in ihrer Liebe angriff. Ich traf sie zuweilen, unter anderen bei der Herzogin von Luynes; man liebte sie nicht und man empfing sie nur des Anstandes wegen. Ich floh sie, denn sie verursachte mir Furcht.

Die arme Lecouvreur war dagegen schön und gut. Sie war vortrefflich in fast allen ihren Rollen. Sie war besser, als die Clairon.

Zwölftes Kapitel

Einige Monate vergingen. Die Herzogin wurde leidenschaftlicher, sowie der Graf von Sachsen grausamer wurde; sie hatte Erklärungen mit ihm, worüber er lachte, daß er fast starb, und er erzählte Alles bei seiner Maitresse, wo die jungen Gecken sich überboten, sie lächerlich zu machen. Ich weiß nicht, welche Narrheit der Abbé Bernis begangen hatte; aber er wurde von seinen Bekannten und besonders von ihren Infantinnen kalt empfangen; er hatte kein Geld und keinen Credit mehr und trat wieder in das Seminar ein, um dort zu büßen, seine Vorgesetzten zu erweichen, und zu versuchen, eine Pfründe zu erhaschen. Der Abbé Bouret, sein Trabant, wagte sich nicht mehr ohne ihn zu zeigen, und da er keinen Namen, keinen Schutz und keine anderen Freunde hatte, als die Teilnehmer seiner Vergnügungen, fand er sich, als diese ihn verließen, sehr verlassen und in vollständigem Elende. Er malte von Zeit einen Bäcker, um Brod zu erhalten, und eine Obsthändlerin, um etwas dazu essen zu können. Seine abgetragenen Kleider gestatteten ihm nicht, sich irgendwo zu zeigen. Er vegetirte nur und sah zuweilen die Seine mit Blicken der Liebe an, und dachte, daß er nur in ihren Armen ruhig schlummern werde.

Die Herzogin – ich bitte sie deshalb sehr um Verzeihung – war nicht nur ein Ungeheuer, sondern auch eine Thörin. Sie setzte es sich in den Kopf, alle Schranken zu überschreiten, und rief nach einer letzten Beleidigung gegen ihre zur Schau gestellten Reize, sie würde Recht bekommen und dieses Theatermädchen solle nicht länger triumphiren und sie wolle sich von ihr frei machen.

Da ließ sie ohne Geheimniß, wie in den Zeiten der Barbarei, zwei Meuchelmörder kommen und kündigte ihnen ihren Entschluß an. Sie wollte das Blut dieses Geschöpfes vergießen.

– Aber, Frau Herzogin, wie soll man es machen? Man schafft eine Person wie diese nicht aus der Welt, ohne daß es bekannt wird, und wir werden gehangen, werden.

– Ich zahle Euch, was Ihr verlangt.

– Und wenn wir gehangen werden?

– Ihr werdet es nicht werden, ich werde Eure Begnadigung erbitten.

– Meiner Treu! Madame, Sie werden vielleicht nicht einmal Einfluß genug haben, um sich selber zu retten. Das Parlament scherzt nicht. So muß man die Sache nicht anfangen.

– Wie denn?

– Das Gift ist viel besser.

– Wer soll es ihr geben?

– Wir nicht, wir haben keinen Zutritt bei ihr, aber man könnte irgend ein Mittel suchen —

– Sucht es und kommt wieder, es mir zu sagen, wenn Ihr es gefunden habt.

– Es muß in ihrer Umgebung und wenn auch in ihrer Küche irgend ein Geschöpf sein, welches um Geld einwilligen wird, unser Geschäft zu thun. Wir werden sehen.

Sie sahen sich um. Die Diebe und Gauner haben eine feine Nase; sie witterten den Abbé aus und bezeichneten ihn der Herzogin; sie antwortete ihnen, das wäre ihre Sache und sie dürften nur auf diesem Wege weiter gehen.

Der Abbé ging fast alle Tage in den Tuilerien spazieren, er suchte dort sein Glück mit seiner Pastellschachtel und war bemüht, einen ehrlichen Bürger oder irgend ein hübsches Mädchen zu finden, welches einwilligen wollte, sich malen zu lassen. Dies geschah zuweilen, aber selten, und sein Unglück benutzend, bezahlte man ihn so schlecht, daß er nur Wasser dafür trinken konnte.

Eines Tages sah er zwei Männer von unheimlichem Aussehen auf sich zukommen. Er hatte seit dem Tage zuvor nichts mehr gegessen und dachte sehr ernstlich an den Fluß. Diese beiden Männer näherten sich ihm und begannen die Unterredung mit dem Wetter, mit dem Elend der armen Leute und kamen endlich zu dem, was zu ihrem Ziele führen konnte.

– Sie scheinen mir sehr unglücklich zu sein, sagten sie, und vielleicht würden Sie geneigt sein, eine runde Summe zu gewinnen.

– Oh! ob ich dazu geneigt bin!

– Was würden Sie dafür thun?

– Alles! sagen Sie nur.

– Alles? ohne Vorbehalt?

– Was nennen Sie ohne Vorbehalt?

– Sie verstehen uns nicht?

– Nein.

– Wir müssen uns also erklären. Sie kennen die Lecouvreur?

– Ich habe sie gekannt, ach ja!

– Könnten Sie, sich bei ihr einfinden?

– Sie ist ein gutes Mädchen! sie würde sich vielleicht erinnern, mich ehemals gesehen zu haben.

Und er stieß einen tiefen Seufzer aus.

– Sie würde sich Ihrer erinnern; übrigens würde man Ihnen so viel geben, daß Sie sich anständig bei ihr darstellen könnten.

– Was muß ich ihr sagen?

– Ein junger Mann von Geist, wie Sie sind, kann nicht in Verlegenheit sein, mit einer Schauspielerin zu plaudern. Sagen Sie ihr, was Sie wollen, nur müssen Sie machen, daß sie einige Plätzchen ißt, die man Ihnen zustellen wird.

– Was sind das für Plätzchen?

– Was liegt Ihnen daran. Jedes davon wird Ihnen mit tausend Thalern bezahlt werden.

– Es ist doch kein Gift?

– Glauben Sie denn, daß man Ihnen für Brodkügelchen tausend Thaler bezahlen würde?

– Da rechnen Sie nicht auf mich, meine Herren, ich bin nicht Ihr Mann, der zu einem solchen Unternehmen fähig ist.

– Nah! Sie sind sehr jung, mein lieber Freund, wenn Sie glauben, daß man Sie mit einem solchen Geheimniß frei ausgehen lassen wird. Sie schienen uns geeignet, einer der Unseren zu sein, und Sie sollen es werden, mögen Sie es nun wollen oder nicht; wenn Sie es nicht annehmen, werden Sie diesen Abend nicht mehr am Leben sein. Es heißt hier entweder oder —

Der arme Abbé zitterte so, daß man Mitleid mit ihm hätte haben können; die Wahl war eine gefährliche. Man mußte zwischen dem Verbrechen und dem Tode wählen. Der Abbé wählte vorläufig das erstere, da er sich diesen entsetzlichen Seelenverkäufern' gegenüber nicht anders aus der Schlinge zu ziehen wußte.

– Nun, da es kein anderes Mittel giebt, nehme ich es an. Geben Sie mir Ihre Plätzchen.

– Es ist gut. Nur erinnern Sie sich, daß Sie uns nicht entgehen werden, und daß es sich hier nicht um eitle Worte handelt. Sie werden keinen Sou erhalten, ehe Sie Ihren Auftrag erfüllt haben, doch müssen Sie Ihrer Sache gewiß sein, und wenn Sie plaudern, werden Sie es nicht zum zweiten Mal thun. Nun folgen Sie uns.

Und da führten die beiden Banditen ihre Beute bei hellem Tage in das Hotel Bouillon, ohne sich im geringsten zu verbergen, wo sie zu dem Zimmer der ersten Kammerfrau der Herzogin hinaufstiegen, wohin sie sich nach der getroffenen Verabredung begeben sollten. Frau von Bouillon kam zu ihnen, billigte Alles, übergab mit eigener Hand dem Abbé die Plätzchen und sagte zu ihm:

– Sie sind gezahlt; wenn sie todt ist, bringen Sie die Schachtel zurück und man wird Ihnen die bezahlen, welche fehlen.

Es war nicht zu fürchten, daß er selber davon nehmen würde; aber wenn er kein vollständiger Dummkopf war, mußte er die Plätzchen in die Seine werfen, die Schachtel leer zurückbringen und achtzig oder hunderttausend Franken fordern.

– Bis wann muß ich diese That vollendet haben? fragte der Abbé.

– Bis heute über acht Tage.

– Das ist nicht genug, Madame, ich verlange drei Wochen. Ich kann mich nicht so der Lecouvreur vorstellen; man würde mich zur Thür hinauswerfen.

– Hin, versetzte die Herzogin, ihm eine Börse zuwerfend. Sorgen Sie für Ihre Kleidung und beeilen Sie sich.

Der arme Junge ging mehr todt als lebendig hinaus; aber nie sah man auch eine Intrigue einfältiger angesponnen, und die Herzogin mußte den Kopf verloren haben. Als der Abbé einmal seine Einwilligung gegeben hatte, folgte man ihm nicht einmal mehr; er behielt seine völlige Freiheit bei und sah seine Mitschuldigen nicht wieder, welche wahrscheinlich in eine Schenke gegangen waren, um für das ihnen von der Herzogin gegebene Handgeld zu trinken und ihren Namen an jenem bezauberten Orte auszuposaunen.

Seinen Betrachtungen überlassen, konnte der Abbé seine Meinung ändern, konnte das Schlachtopfer in Kenntniß setzen, er konnte thun, was er endlich auch that.

Man konnte es nicht schlechter machen, als wenn man es so machte, daß es nicht glückte. Die Herzogin schien geschworen zu haben, nicht die Lecouvreur zu tödten, sondern sich selber in einen Kerker werfen zu lassen, sei es nun vom Könige oder von ihrer Familie, vielleicht auch von Beiden.

Bouret brachte zwei Tage zu, ohne zu trinken, zu essen oder zu schlafen. Er hatte nur einen Gedanken, nämlich sich von diesem Verbrechen frei zu machen, doch zitterte er vor Furcht, selber das Opfer zu sein.

In seiner Trostlosigkeit fiel es ihm ein, seinen alten Freund, den Seminaristen, den er zuweilen besuchte, um Rath zu fragen; er ging zu ihm und machte ihm den Vorschlag, einen Spaziergang auf's Feld mit ihm zu machen, er habe ihm eins von jenen Geheimnissen mitzutheilen, welche zu groß wären, als daß irgend ein Zimmer es fassen könnte. Bernis zauderte: er hatte Stubenarrest; es war ihm verboten, irgend Jemand bei sich zu sehen, besonders ein Frauenzimmer, und das Alles, um alte Thorheiten abzubüßen, und unter diesen Bedingungen sollte er nach sechs Monaten der Buße eine Pfründe erhalten. Indessen konnte ihm ein Gang auf's Feld mit einem so redlichen Abbé wie Bouret nicht als Uebertretung angerechnet werden. Er wagte die Bitte vorzutragen, und sie wurde ihm nach zahllosen Bemerkungen bewilligt.

Endlich machten sie sich auf den Weg. Bernis konnte seine Neugierde nicht mäßigen und fragte beständig.

– Nein, nein, wir sind noch nicht genug allein.

Sie gingen bei einem abscheulichen Regen auf die Mitte der Sandebene, und dort unter einem rothen Regenschirm, ich habe es oft von dem Cardinal erzählen hören, begannen sie die Unterredung. Bouret legte sein Geständniß ab und sein Freund wurde todtenblaß.

– O Himmel! mein armer Bouret, Du wirst doch das nicht thun! Aber was wirst Du anfangen?

– Ich weiß es nicht, und ich frage Dich um Rath.

– Es ist nicht leicht, wir sind junge Leute ohne Geld, aber wir sind keine Bösewichter, und ich halte mich überzeugt, daß Du die Börse der Giftmischerin ebenso wenig angerührt hast, wie ihre Plätzchen.

– Beide sind gleich heilig aufbewahrt Worten, daran darfst Du nicht zweifeln. Nur muß man seine Partei wählen.

– Mein Freund, es ist nur Eins zu thun, man muß die Lecouvreur in Kenntniß setzen.

– Wenn ich mich in diesem Aufzuge bei ihr zeige, werden ihre Bediente mich für einen Dieb halten und mich zur Thür hinauswerfen.

– Auch darfst Du nicht zu ihr gehen. Bei der Lage, worin ich mich unglücklicherweise befinde, kann ich mich nicht in die Sache mischen, denn der geringste Verkehr mit einer Dame, und besonders einer Theaterdame, bringt mich um zehn Jahre zurück, wenn er mich nicht gänzlich ausschließt. Ich kann Dir nur einen Rath geben und diesen Rath mußt Du befolgen. Schreibe diesen Abend einen anonymen Brief an die Lecouvreur und bestelle sie – in den Luxembourg – zu dem fünften Baume in der großen Allee.

– Sie wird nicht dorthin kommen.

– Sie wird kommen. Füge hinzu, es sei von der größten Wichtigkeit für sie und sie müsse allein oder von ihrem zuverlässigsten Freunde begleitet kommen.

– Wer soll das schreiben?

– Der erste beste Papierkratzer in seiner Bude. Laß die Aufschrift von einer anderen Hand machen.

– Ich will sie selber mit nachgemachter Handschrift darauf setzen; eine Unbesonnenheit könnte mir den Hals kosten.

– Hast Du bemerkt, ob man Dir folgte?

– Du hast wohl gesehen, daß es nicht der Fall war.

– Diese Leute sind also sehr einfältig! Wenn ich mich auf Verbrechen einließe, würde ich mich besser dabei benehmen. Laß uns zurückkehren, meine beiden Stunden sind gleich zu Ende, thue, was ich Dir sage, und komm, nach der Unterredung wieder zu mir.

Bouret richtete sich genau nach den Vorschriften seines Freundes; der Brief wurde geschrieben und auf die Post gegeben. Die Lecouvreur erhielt ihn, als sie mit d'Argental und einer anderen Schauspielerin Namens Lamothe nach Hause kam. Die Drei hielten eine Berathung, die Lamothe war der Meinung, daß sie nicht dorthin gehen dürfe; d'Argental dagegen fand die Sache unerläßlich, und da die Neugierde mitwirkte, entschieden sie sich, dieser Ansicht zu folgen; es war gerade die Stunde und sie verfügten sich alle Drei dorthin.

Der Abbé erwartete sie hinter einem Baume versteckt, er zitterte, daß man ihn bemerken möchte, und fürchtete, daß die Schauspielerin nicht kommen werde; als sie kam, wurde er fast ohnmächtig und sah sich genöthigt, sich an seinen Baum zu lehnen. Als sie ihn erkannten, stießen Alle einen Ausruf der Ueberraschung aus.

– Der Abbé Bouret! sagte die Schauspielerin, der junge Mann ist im Elend! Er bedarf einiger Unterstützung und man muß sie ihm geben, d'Argental, er ist ein alter Freund.

D'Argental griff schon nach seiner Börse, wie groß war aber sein Erstaunen, als sie den angeblichen Armen, die offene Hand mit Gold gefüllt, auf sich zukommen sahen! Ihr erster Gedanke war, daß er den Verstand verloren habe.

– Ach! mein Fräulein, mein Fräulein, sagte er, welche Freude, Sie zu sehen!

– O!, mein armer Abbé, Sie hätten in meine Wohnung kommen sollen, wozu dieses Geheimniß? Warum gleichen Sie einem Bettler, während Sie so viel Gold in Ihrem Besitze haben?

– Mein Fräulein, ich werde von diesem abscheulichen Gold nichts nehmen, es verbrennt mir die Finger, man hat es mir gegeben, um Sie zu vergiften.

– Mich! und wer denn?

– Die Herzogin von Bouillon.

– Ah! die Elende! Sie kann mir die Phädra nicht verzeihen.

Ich habe zu erzählen vergessen, daß einige Zeit vorher, als ihr Streit am heftigsten war, ein kleiner Scandal in der Comedie-Francaise stattfand. Die Lecouvreur spielte die Phädra, und Frau von Bouillon war in ihrer Loge auf dem Theater. Als die Lecouvreur die Verse recitirte:

 
Ich weiß es und gestehe, daß ich treulos bin,
Denone, und gehöre nicht zu jenen Frauen,
Die bei Verbrechen stets im tiefsten Frieden leben,
Und eine Stirn, die nie erröthet, zeigen,
 

wendete sie sich zu Frau von Bouillon und sah sie fest an. Der ganze Saal bemerkte es. Die Herzogin wurde so wüthend darüber, daß sie sie nach For-l'Eveque bringen lassen wollte, und schon ordnete man die Sache Aber sie hegte eine Empfindlichkeit darüber, die ihrer Eifersucht gleich kam, und vielleicht bestimmte dieser Umstand sie zu dem Verbrechen.

Der Abbé erzählte umständlich, was geschehen war, zeigte die Plätzchen und die Börse als Beweise und schwur, er wolle lieber vor Hunger sterben oder einen Messerstich empfangen, als über eine solche Schändlichkeit schweigen.

Die Anderen waren bestürzt darüber.

– Diese Frau ist wahnwitzig! sagte die Lamothe, man muß sie einsperren lassen.

– Ernsthaft gesprochen, d'Argental, was ist zu thun?

– Nur Eins, um Sie Beide zu retten: den Abbé sogleich zu dem Polizeilieutenant zu führen.

– Er hat Recht, Abbé, folgen Sie mir, ich führe Sie dorthin.

– Mein Fräulein, es ist mein Leben, welches Sie da fordern. Ich werde mir zu mächtige Feinde machen, als daß ich armer Wicht ihnen widerstehen könnte. Wenn Sie aber so Ihr bedrohtes Dasein zu retten glauben, so folge ich Ihnen unbedenklich.

– Sie irren sich, Abbé, der Schutz wird sich auch auf Sie erstrecken, man wird nicht wagen, Ihnen etwas zu Leide zu thun.

– So kommen Sie, mein Fräulein, und möge Gott Sie erhören!

Sie stiegen in Phädra's Karosse und begaben sich zu Herrn Henault, der sie auf den bloßen Namen der schönen Schauspielerin empfing. Man erzählte ihm die Thatsachen und er hörte sie ganz blaß und erschüttert an.

– Geben Sie die Plätzchen her, Abbé.

– Hier sind sie, mein Herr, und hier ist auch diese Börse; werfen Sie sie den Armen hin.

– Das will ich thun, und mit Ihnen beginnen, denn Sie scheinen derselben mehr als irgend Jemand zu bedürfen.

O nein, mein Herr, ich werde nichts davon anrühren, und wenn es mir das Leben kostete.

Man ließ einen unglücklichen Hund kommen, dem man eins von den Plätzchen gab. Eine Viertelstunde später drehte er sich um sich selbst und starb.

– Ha! Da sehen wir, was meiner wartete! rief die Schauspielerin, einer Ohnmacht nahe, es ist entsetzlich!

– Welche von den beiden Damen von Bouillon hat Ihnen diesen Auftrag gegeben, Abbé?

– Die Herzogin, mein Herr.

– Das wundert mich nicht.

Die Prinzessin von Bouillon war die Tochter des großen Sobieski, eine Schwägerin des Prinzen Karl Eduard Stuart, und zu einer solchen Abscheulichkeit unfähig.

– Und nun, Abbé, werden Sie diese Beschuldigung aufrecht halten?

– Vor der ganzen Welt, vor der Herzogin selber. Von den beiden Gaunern habe ich Ihnen das Signalement gegeben, und wenn man sie wiederfindet, werde ich sie wohl erkennen.

– Ich will den König und Seine Eminenz von dieser Sache in Kenntniß setzen; inzwischen wird man Sie überwachen, mein Fräulein, und Sie auch, Abbé, sein Sie deshalb nicht unruhig. Ich werde Sie wieder zu finden wissen, wenn ich Ihrer bedarf.

Er entließ sie. Die Lecouvreur nannte Bouret nur ihren Retter und erklärte, sie wolle ihn nie verlassen Sie brachte ihn in ihrem Hause in einem kleinen Zimmer unter, wo ihm nichts fehlte, und wo der Abbé von Bernis ihn mehrmals im Verborgenen besuchte. Das Auffallendste ist, daß er weder aufgesucht noch von irgend Jemand beunruhigt wurde. Die Herzogin von Bouillon schien zugleich ihre Pläne und das Werkzeug, welches sie gewählt, vergessen zu haben. Wenn sich Niemand eingemischt hätte, so würde Alles dabei geblieben sein. Man weiß nicht, wie sich die Sache verbreitete und mehrere Monate später allgemein bekannt wurde.

Als der Polizeilieutenant die Sache dem Cardinal angezeigt hatte, gerieth dieser in einen schrecklichen Zorn und kündigte an, er würde sie mit der ganzen Strenge der Gesetze behandeln lassen. Die Freunde und Verwandten der Familie Bouillon baten ihn, es nicht zu thun, und ein Ereigniß nicht bekannt zu machen, welches dem Respect so sehr entgegen sei, den die unteren Klassen bereits für den Adel zu verlieren begannen. Sie quälten ihn so sehr, daß sie ihn zum Schweigen, bewogen, als aber die Geschichte bekannt wurde, ließ er den Prinzen von Bouillon kommen und erklärte ihm, wenn die Herzogin sich nicht von dieser Beschuldigung reinige, würde er genöthigt sein, sie verhaften zu lassen.

Dieser hatte den traurigen Auftrag, seinen Bruder davon in Kenntniß zu setzen, und der Herzog ging mit ihm zu seiner Frau, die nach manchen Vorwürfen und Strafreden aufgefordert wurde, die Sache zu leugnen, bei Strafe, von den Ihrigen verlassen und in ein Kloster mit strenger Regel geworfen zu werden, aus welchem sie zur Ehre ihres Namens nicht heraus kommen solle.

Die Herzogin erhob sich laut dagegen, behauptete, daß sie nicht schuldig sei, und verlangte einen Verhaftsbefehl gegen Bouret, damit er seine Beschuldigung, gegen die sie aus allen Kräften protestirte, beweisen möge.

Der arme Abbé wurde in's Gefängniß geworfen, er machte keine Schwierigkeiten, sich dorthin zu begeben, und schwur, er wolle nicht mit Schimpf und Schande daraus hervorgehen.

Der Herzog und der Prinz von Bouillon besuchten ihn dort und wollten eine Vermittelung einleiten.

Türler ve etiketler

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06 aralık 2019
Hacim:
930 s. 1 illüstrasyon
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