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Kitabı oku: «Die Fünf und Vierzig», sayfa 18

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Fünfzehntes Kapitel
Wie Herr von Loignac eine Anrede an die Fünf und Vierzig hielt

Jeder von den beiden jungen Leuten stellte sich an das Fenster seiner kleinen Wohnung, um die Rückkehr des Königs zu beobachten.

Jeder stand hier mit sehr verschiedenen Gedanken.

Sainte-Maline ganz von seinem Haß, ganz von seiner Scham, ganz von seinem Ehrgeiz erfüllt, die Stirne gerunzelt, das Herz glühend.

Ernauton, das, was vorgefallen, schon wieder vergessend und nur mit Einem beschäftigt, nämlich, wer die Frau sein könnte, die er in der Kleidung eines Pagen in Paris eingeführt und nun in einer so reichen Sänfte wiedergefunden hatte.

Hierin lag Stoff genug zum Nachdenken für ein Herz, das mehr zu Liebesabenteuer, als zu Berechnungen des Ehrgeizes geneigt war.

Ernauton versenkte sich auch allmälig in seine Betrachtungen und zwar so tief, daß er erst, als er den Kopf wieder erhob, bemerkte, daß Sainte-Maline nicht mehr da war.

Ein Blitz durchzuckte seinen Geist. Minder in Anspruch genommen als er, hatte Sainte-Maline auf die Rückkehr des Königs gelauert, der König war zurückgekehrt und Sainte-Maline befand sich beim König.

Er erhob sich rasch, durchschritt die Gallerie, und kam zu der Thüre des Königs gerade in dem Augenblick, wo Sainte-Maline heraustrat.

»Seht,« sagte dieser strahlend, »das hat mir der König gegeben.«

Und er zeigte ihm eine goldene Kette.

»Ich mache Euch mein Compliment, mein Herr,« erwiederte Ernauton, ohne daß seine Stimme die geringer Aufregung verrieth.

Und er trat ebenfalls beim König ein.

Sainte-Maline hatte sich auf eine Kundgebung der Eifersucht von Herrn von Carmainges gefaßt gemacht. Er war daher ganz erstaunt über diese Ruhe und wartete bis Ernauton wieder herauskam.

Ernauton verweilte ungefähr zehn Minuten bei Heinrich. Diese zehn Minuten waren Jahrhunderte für Sainte-Maline.

Endlich kam er heraus. Sainte-Maline war noch an derselben Stelle; mit einem raschen Blicke überschaute er seinen Gefährten; dann erweiterte sich sein Herz Ernauton brachte nichts zurück, wenigstens nichts Sichtbares.

»Und Euch?« fragte Sainte-Maline, seinen Gedanken verfolgend, »was hat Euch der König gegeben?«

»Seine Hand zu küssen,« antwortete Ernauton lächelnd.

Sainte-Maline quetschte seine Kette dergestalt in seinen Händen, daß er einen Ring zerbrach.

Beide gingen schweigsam nach der Wohnung der Fünf und Vierzig.

In dem Augenblick, wo sie in den Saal eintreten erscholl die Trompete; bei diesem Signal kamen die Fünf und Vierzig, jeder aus seiner Abtheilung hervor, wie die Bienen aus ihren Zellen.

Jeder fragte sich, was Neues vorgefallen, während er zugleich diesen Augenblick der allgemeinen Versammlung benützte, um die Veränderung zu bewundern, die sich in der Person und der Kleidung seiner Gefährten ergeben hatte.

Die Meisten trugen einen großen Luxus zur Schau, einen Luxus von schlechtem Geschmack vielleicht, wobei indessen die Eleganz durch die Pracht ersetzt war.

Ueberdies besaßen sie, was Épernon, ein geschickter Politiker, wenn auch ein schlechter Soldat, gesucht hatte: die Einen Jugend, die Anderen Stärke, die Dritten Erfahrung, und dies entschädigte bei Allen wenigstens für eine Unvollkommenheit.

Im Ganzen glichen sie einem Corps von Officieren in Straßenkleidern und ihre militärische Tournure war mit wenigen Ausnahmen die, welche der Eitelkeit des Einzelnen gerade am meisten entsprach.

Lange Degen, klirrende Sporen, Schnurrbärte mit verwegenen Biegungen, Stiefel und Handschuhe von Hirschleder oder Büffelleder, Alles gut vergoldet, Alles gut eingesalbt, oder gut mit Bändern besetzt, um zu scheinen, wie man damals sagte, dies war die von der Mehrzahl aus Instinkt gewählte Ausstattung.

Die Bescheidensten erkannte man an den düsteren Farben, die Geizigsten an den soliden Tüchern, die Muntersten an den Spitzen und an dem rosenfarbenen oder weißen Atlas.

Perducas von Pincorney hatte bei irgend einem Juden eine Kette von vergoldetem Kupfer, so dick wie eine Gefängnißkette, gefunden.

Pertinax von Montcrabeau war ganz überzogen mit seidenen Bändern und Stickereien; er hatte seinen Anzug von einem Handelsmann der Rue des Haudriettes gekauft, welcher einen von Räubern verwundeten Edelmann aufgenommen. Dieser Edelmann ließ nämlich eine andere Kleidung von Hause kommen und schenkte, erkenntlich, für die empfangene Gastfreundschaft, dem Handelsmann seinen etwas mit Koth und Blut beschmutzten Anzug; doch der Kaufmann ließ die Flecken an dem Kleide reinigen, das sehr anständig aussah; es blieben allerdings zwei Löcher, Spuren von zwei Dolchstichen; Pertinax aber ließ diese zwei Stellen mit Gold überflicken, wodurch ein Mangel durch eine Zierrath ersetzt wurde.

Eustache von Miradoux glänzte nicht; er hatte Lardille, Militor und die zwei Kinder kleiden müssen. Lardille hatte ein so reiches Costume gewählt, als es die Prachtgesetze jener Zeit den Frauen zu tragen gestatteten; Militor hatte sich mit Sammet und Seide bedeckt, mit einer silbernen Kette, einem befiederten Toquet und seidenen Strümpfen geschmückt, so daß Eustache kaum noch genug Geld blieb, daß er nicht in Lumpen gehen mußte.

Herr von Chalabre hatte sein eisengraues Wamms behalten, das er nur von einem Schneider auffrischen und neu füttern ließ; einige da und dort geschickt angebrachte Sammetbänder gaben dieser unabnutzbaren Kleidung ein neues Relief. Herr von Chalabre behauptete, er habe ungemein ein anderes Wamms zu kaufen gewünscht; aber trotz der ängstlichsten Nachforschungen sei es ihm unmöglich gewesen, ein besseres und vortheilhafteres Tuch zu finden.

Uebrigens hatte er eine Ausgabe für hochrothe Beinkleider, Stiefeln, Mantel und Hut gemacht… Alles harmonisch für das Auge, wie dies stets bei der Kleidung des Geizigen der Fall ist.

Seine Waffen waren tadellos. Ein alter Kriegsmann hatte er einen vortrefflichen spanischen Degen, einen Dolch von guter Arbeit und einen vollkommenen Ringkragen zu finden gewußt.

Das war noch eine Ersparniß an bestrichenen Kragen und Krausen.

Diese Herren bewunderten sich also gegenseitig, als Herr von Loignac mit gefalteter Stirne eintrat; er ließ einen Kreis bilden, und stellte sich mitten in den Kreis mit einer Haltung, welche nichts Angenehmes verständigte.

Es bedarf nicht der Erwähnung, daß alle Blicke auf den Anführer gerichtet waren.

»Meine Herren, seid Ihr Alle hier?« fragte er.

»Alle,« antworteten fünf und vierzig Stimmen mit einer Gleichzeitigkeit, welche alles Mögliche für die zukünftigen Manoeuvres versprach.

»Meine Herren,« fuhr Loignac fort, »Ihr seid hierher berufen worden, um als besondere Wache für den König zu dienen, das ist ein ehrenvoller Titel, der jedoch viel fordert.«

Loignac machte eine Pause, welche von einem sanften Gemurmel der Zufriedenheit ausgefüllt wurde.

»Einige von Euch scheinen jedoch ihre Pflichten nicht ganz begriffen zu haben; ich will sie an dieselben erinnern.«

Jeder spitzte das Ohr; man war offenbar begierig, seine Pflichten kennen zu lernen, wenn auch nicht eifrig sie zu erfüllen.

»Ihr dürft Euch nicht einbilden, der König habe Euch angeworben und bezahle Euch, daß Ihr als Staren handelt und da oder dort nach Eurer Laune Hiebe mit dem Schnabel oder mit den Nägeln austheilt; Disciplin ist ein dringendes Bedürfniß, obgleich sie geheim bleibt, und Ihr seid ein Verein von Edelleuten, welche die ersten Gehorsamen und die ersten Ergebenen des Königreiches sein müssen.«

Die Versammlung athmete nicht, aus diesem feierlichen Eingang war leicht zu schließen, die Folge würde ernster Natur sein.

»Von heute an lebt Ihr in der innigen Gemeinschaft des Louvre; das heißt unmittelbar in der Werkstätte der Regierung. Wenn Ihr auch nicht allen Berathungen beiwohnt, so werdet Ihr doch oft gewählt werden, um den Inhalt derselben zu vollziehen; Ihr seid also in dem Fall jener Officiere, welche in sich nicht nur die Verantwortlichkeit eines Geheimnisses, sondern auch die Macht der vollziehenden Gewalt tragen.«

Ein zweites Gemurmel der Zufriedenheit durchlief die Reihen der Gascogner; man sah die Köpfe sich erheben, als ob der Stolz diese Männer um mehrere Zoll größer gemacht hätte.

»Denkt Euch nun,« fuhr Loignac fort, »einer von diesen Officieren, auf welchen zuweilen die Sicherheit des Staates, oder die Ruhe der Krone beruht, denkt, sage ich, ein Officier verrathe das Geheimniß der Berathungen oder ein mit einem Befehle beauftragter Soldat vollzieht denselben nicht… Ihr wißt, daß es sich dann um den Tod handelt?«

»Allerdings,« antworteten mehrere Stimmen.

»Nun wohl! meine Herren,« fuhr Loignac mit einem furchtbaren Nachdruck fort, »gerade hier, am heutigen Tage, hat man eine Berathung des Königs verrathen, und vielleicht eine Maßregel unmöglich gemacht, welche Seine Majestät ergreifen wollte.«

Der Schrecken fing an, an die Stelle des Stolzes und der Bewunderung zu treten, die Fünf und Vierzig schauten einander mit Mißtrauen und Unruhe an.

»Zwei von Euch sind auf offener Straße ertappt worden, wo sie schwatzten wie zwei alte Weiber und in den Nebel so ernste Worte warfen, daß jedes derselben nun einen Menschen treffen und tödten kann.«

Sainte-Maline schritt sogleich aus Herrn von Loignac zu und sprach:

»Mein Herr, ich glaube die Ehre zu haben, hier im Namen meiner Kameraden mit Euch zu reden; es ist von Gewicht, daß Ihr nicht länger einen Verdacht über all Dienern des Königs schweben laßt; sprecht geschwinde wenn es Euch beliebt, damit wir wissen, an wen wir uns zu halten haben, und daß die Guten nicht mit den Schlechten vermischt werden.«

»Das ist leicht,« antwortete Loignac.

Die Aufmerksamkeit verdoppelte sich.

»Der König hat heute Nachricht erhalten, einer von seinen Feinden, gerade einer von denjenigen, welche Ihr zu bekämpfen berufen seid, komme in Paris an, um ihm zu trotzen und gegen ihn zu conspiriren.

»Der Name dieses Feindes ist geheim ausgesprochen, aber von einer Schildwache gehört worden, welche man hätte für eine Mauer halten sollen, und die, wie sie, hätte taub, stumm und unerschütterlich sein müssen; doch eben dieser Mensch hat auf offener Straße den Namen dieses Feindes des Königs wiederholt, und zwar mit einem Lärmen und mit Prahlereien, welche die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden erregten und eine Art von Bewegung zur Folge hatten; ich weiß es, ich, der ich denselben Weg ging, die dieser Mensch, und Alles mit meinen eigenen Ohren hörte; ich, der ich ihm die Hand auf die Schulter legte, um ihn vom Fortfahren abzuhalten; denn wie er im Zuge war, hätte er mit einigen Worten mehr die heiligen Interessen gefährdet, und ich wäre genöthigt gewesen, ihn auf dem Platze zu erdolchen, würde er nicht auf meine erste Warnung stumm geblieben sein.«

Man sah in diesem Augenblick Pertinax von Montcrabeau und und Perducas von Pincorney erbleichen und beinahe ohnmächtig auf einander zurücksinken.

Montcrabeau suchte, während er wankte, einige Worte der Entschuldigung zu stammeIn.

Sobald sich die beiden Schuldigen durch ihre Unruhe verrathen hatten, wandten sich alle Blicke gegen sie.

»Nichts kann Euch rechtfertigen, mein Herr,« sagte Loignac zu Montcrabeau, »waret Ihr berauscht, so müßt ihr bestraft werden, weil Ihr getrunken habt; waret Ihr nur hochmüthig und prahlerisch, so müßt Ihr abermals bestraft werden.«

Es trat ein furchtbares Stillschweigen ein. Herr von Loignac hatte, wie man sich erinnert, von Anfang eine Strenge angekündigt, welche unheilvolle Resultate verhieß.

»Dem zu Folge,« fuhr Loignac fort, »werdet Ihr Herr von Montcrabeau, und Ihr auch, Herr von Pincorney, bestraft werden.«

»Verzeiht, Herr,« erwiederte Pertinax, »wir kommen aus der Provinz, sind Neulinge bei Hofe und kennen die Lebensart in der Politik nicht.«

»Ihr hättet die Ehre, in die Dienste Seiner Majestät zu treten, nicht annehmen sollen, ohne die Pflichten dieses Dienstes abzuwägen.«

»In Zukunft werden wir stumm sein wie die Gräber, das schwören wir.«

»Das ist Alles gut, meine Herren, aber könnt Ihr morgen das Uebel wieder gut machen, das Ihr heute begangen habt?«

»Wir werden uns bemühen.«

»Unmöglich, sage ich Euch, unmöglich!«

»Dann verzeiht für diesmal.«

Ohne unmittelbar auf die Bitte der zwei Schuldigen zu antworten, fuhr Loignac fort:

»Ihr lebt in einer scheinbaren Ungebundenheit, der ich ein Ziel stecken will durch strenge Disciplin, hört Ihr, meine Herren? Diejenigen, welche diese Lage hart finden, mögen sie verlassen; ich bin nicht in Verlegenheit Freiwillige zu finden, die sie ersetzen werden.«

Keiner erwiederte ein Wort; aber viele Stirnen falteten sich.

»Es ist daher gut,« sagte Loignac, »wenn Ihr von Folgendem unterrichtet werdet: die Gerechtigkeit wird unter uns, insgeheim, ohne schriftliches Verfahren, ohne Prozeß gepflogen; die Verräther werden auf der Stelle mit dem Tod bestraft. Es gibt allerlei Vorwände hierfür und Niemand wird etwas davon sehen. Nehmen wir zum Beispiel an, Herr von Pincorney und Herr vor Montcrabeau wären, statt freundschaftlich mit einander auf der Straße über Dinge zu plaudern, die sie hätten vergessen sollen, über andere Dinge in Streit gerathen, deren sie sich zu erinnern berechtigt waren, nun! hätte dieser Streit nicht ein Duell zwischen Herrn von Pincorney und Herrn von Montcrabeau herbeiführen können? Bei einem Duell kommt es zuweilen vor, daß man zu gleicher Zeit ausfällt und daß man beim Ausfallen in den Degen seines Feindes rennt; am Tag nach dem Streit findet man diese Herren todt auf dem Pré-aux-Clercs, wie man die Herren von Quelus, von Schomberg und von Maugiron todt in den Tournelles gefunden hat; die Sache macht den Lärmen, den ein Duell machen muß, und mehr nicht.

»Ich lasse also, versteht mich wohl, meine Herren, ich lasse im Duell oder auf eine andere Weise Jeden tödten, der das Geheimnis des Königs verrathen haben wird.«

Montcrabeau wurde ganz schwach und stützte sich aus seinen Gefährten, dessen Gesicht leichenartige Blässe bedeckte, während er seine Zähne zum Brechen an einander preßte.

»Für minder schwere Vergehen werde ich weniger schwere Strafen haben,« sprach Loignac, »das Gefängniß zum Beispiel, und ich werde davon Gebrauch machen, um den Schuldigen zu züchtigen, dessen der Kerker den König nicht beraubt.

»Heute schenke ich Herrn von Montcrabeau, der gesprochen, und Herrn von Pincorney, der ihn angehört hat, das Leben; ich verzeihe ihnen, sage ich, weil sie sich täuschen konnten und unwissend waren; ich bestrafe sie nicht einmal mit dem Gefängniß, weil ich ihrer vielleicht diesen Abend oder morgen bedarf. Ich wende bei ihnen folglich die dritte Strafe an, von der ich gegen die Delinquenten Gebrauch machen will, – die Geldbuße.«

Bei dem Worte Geldbuße verlängerte sich das Gesicht von Herrn von Chalabre wie eine Marderschnauze.

»Ihr habt tausend Livres erhalten meine Herren, Ihr gebt hundert davon zurück, und dieses Geld wird von mir angewendet werden, um nach ihrem Verdienst diejenigen zu belohnen, welchen ich nichts vorzuwerfen habe.«

»Hundert Livres,« murmelte Pincorney, »Cap de Bious! ich besitze die hundert Livres nicht mehr, ich habe sie zu meiner Equipirung angewendet.«

»Ihr werdet Eure Kette verkaufen,« sagte Loignac.

»Ich will sie wohl dem Dienste des Königs überlassen,« erwiederte Pincorney.

»Nein, mein Herr, der König kauft keine Effekten von seinen Unterthanen, um ihre Geldbußen zu bezahlen; verkauft selbst und bezahlt selbst. Ich habe noch ein Wort beizufügen,« fuhr Loignac fort:

»Ich mußte verschiedene Keime der Aufregung zwischen verschiedenen Mitgliedern dieser Gesellschaft bemerken; so oft sich eine Zwistigkeit erhebt, soll man sie mir unterwerfen, und ich werde allein das Recht haben, die Bedeutung dieser Zwistigkeit zu beurtheilen und den Zweikampf zu befehlen, wenn ich den Zweikampf für nothwendig erachte. Man tödtet sich viel im Duell in unseren Tagen, das ist so Mode, und ich will nicht, daß um diese Mode zu befolgen, meine Compagnie beständig gelichtet und unzulänglich wird. Der erste Zweikampf, die erste Aufforderung, welche ohne meine Einwilligung stattfindet, wird mit strengem Gefängniß, mit einer sehr starken Geldbuße, oder mit einer noch härteren Strafe geahndet, wenn der Fall einen ernsten Schaden für den Dienst zur Folge hat.

»Diejenigen, auf welche diese Verordnungen Anwendung finden dürften, mögen sich dieselben merken; geht, meine Herren.

»Doch hört noch: Fünfzehn von Euch werden sich diesen Abend am Fuß der Treppe Seiner Majestät aufstellen, wenn sie empfängt, und sich, wenn es nöthig ist, auf das erste Zeichen in den Vorzimmern zerstreuen. Fünfzehn halten sich außen, ohne einen scheinbaren Auftrag, und mischen sich unter das Gefolge der Leute, welche in den Louvre kommen, die übrigen fünfzehn bleiben in der Wohnung.«

»Mein Herr,« sagte Sainte-Maline, sich Loignac nähernd, »erlaubt mir, nicht einen Rath zu geben, Gott behüte mich! sondern um eine Aufklärung zu bitten; bei jeder guten Truppe ist es Bedürfniß, gut befehligt zu werden; wie sollen wir gemeinschaftlich handeln, wenn wir keinen Anführer haben?«

»Was bin denn ich?«

»Ihr seid unser General.«

»Nein, mein Herr, Ihr täuscht Euch, der Herr Herzog von Épernon ist es.«

»Ihr seid also unser Brigadier; doch das ist nicht genug, wir müssen einen Officier zu einer Abtheilung von fünfzehn Mann haben.«

»Das ist richtig,« sprach Loignac, »ich kann mich nicht jeden Tag in drei Theile theilen, und dennoch soll nach meinem Willen keiner von Euch einen andern Vorzug haben, als den des Verdienstes.«

»Oh! was diesen Vorzug betrifft, er wird wohl ganz allein zu Tage kommen, und bei der Arbeit werdet Ihr Unterschiede erkennen, wenn dies auch bei dem Gemeinschaftlichen nicht der Fall ist.«

»Ich werde also für vorübergehende Führer sorgen,« sagte Herr von Loignac, nachdem er einen Augenblick über die Worte von Sainte-Maline nachgedacht hatte, »mit dem Losungswort gebe ich den Namen des Chef; durch dieses Mittel wird jeder seiner Reihe nach zu gehorchen und zu befehlen verstehen; doch bis jetzt kenne ich die Fähigkeiten noch von Keinem; diese Fähigkeiten müssen sich entwickeln, um meine Wahl zu bestimmen. Ich werde beobachten und urtheilen.«

Sainte-Maline verbeugte sich und trat in die Reihen zurück.

»Ihr versteht,« sagte Loignac, »ich habe Euch in Corporalschaften von fünfzehn abgetheilt; Ihr kennt Eure Nummern: die erste an der Treppe, die zweite im Hof, die dritte zu Hause; die letztere halb angekleidet und den Degen unter dem Kopfkissen das heißt bereit, auf das erste Zeichen zu marschiren. Nun geht, meine Herren.

»Herr von Montcrabeau und Herr von Pincorney, morgen bezahlt Ihr Eure Bußen; ich bin der Einnehmer, geht.«

Alle gingen hinaus; Ernauton von Carmainges blieb allein.

»Ihr wünscht etwas, mein Herr?« fragte Loignac.

»Ja,« antwortete Ernauton sich verbeugend, »mir scheint, Ihr habt vergessen, genau anzugeben, was wir zu thun haben werden. Im Dienste des Königs sein, ist allerdings ein glorreiches Wort; aber ich hätte zu erfahren gewünscht, wie weit dieser Dienst führt.«

»Mein Herr,« erwiederte Loignac, »das ist eine Frage von zarter Natur, auf welche ich nicht kategorisch zu antworten wüßte.«

»Dürfte ich wohl von Euch hören, warum?«

Alle diese Worte wurden mit so ausnehmender Höflichkeit an Herrn von Loignac gerichtet, daß dieser, gegen seine Gewohnheit, vergebens eine strenge Antwort suchte.

»Weil ich selbst zuweilen am Morgen nicht weiß, was ich am Abend zu thun haben werde.«

»Mein Herr,« sagte Carmainges, »Ihr seid im Verhältniß zu uns so hoch gestellt, daß Ihr viele Dinge wissen müßt, die wir nicht wissen.«

»Macht es wie ich, Herr von Carmainges; lernt diese Dinge, ohne daß man sie Euch sagt; ich hindere Euch nicht.«

»Ich appellire an Eure Erleuchtung, mein Herr, weil ich, der ich ohne Haß und ohne Freundschaft an den Hof gekommen bin und von keiner Leidenschaft geleitet werde, Euch ohne mehr werth zu sein, doch nützlicher werden kann, als ein Anderer.«

»Ihr habt weder Haß noch Freundschaft?«

»Nein, mein Herr.«

»Ihr liebt jedoch wenigstens den König, setze ich voraus?«

»Ich muß es und will es, Herr von Loignac, als Diener, wie als Unterthan und als Edelmann.«

»Nun wohl! das ist einer von den Hauptpunkten, nach denen Ihr Euch richten müßt; seid Ihr ein geschickter Mann, so muß er Euch den finden helfen, welcher demselben entgegengesetzt ist.«

»Sehr gut, mein Herr,« sprach Ernauton sich verbeugend, »ich habe nun meine Richtung. Es bleibt indessen noch ein Punkt, der mich ungemein beunruhigt.«

»Welcher, mein Herr?«

»Der leidende Gehorsam?«

»Das ist die erste Bedingung.«

»Ich habe dies wohl verstanden, Herr von Loignac, doch der leidende Gehorsam ist zuweilen schwierig für Männer, welche im Punkte der Ehre zart fühlen.«

»Das geht mich nichts an, Herr von Carmainges.

»Wenn Euch jedoch ein Befehl mißfällt?«

»Ich lese die Unterschrift von Herrn von Épernon, und das tröstet mich.«

»Und Herr von Épernon?«

»Herr von Épernon liest die Unterschrift Seiner Majestät, und tröstet sich wie ich.«

»Ihr habt Recht, und ich bin Euer ergebenster Diener,« sprach Ernauton.

Hiernach machte er einen Schritt, um sich zu entfernen; Loignac hielt ihn zurück.

»Ihr habt gewisse Gedanken in mir erweckt,« sprach er, »und Ich werde Euch Dinge sagen, die ich Anderen nicht sagen würde, weil diese Anderen weder den Muth, noch den Anstand hatten, mit mir zu reden, wie Ihr es gethan.«

Ernauton verbeugte sich.

»Mein Herr,« fuhr Loignac fort, indem er sich dem jungen Mann näherte, »vielleicht wird diesen Abend irgend ein Großer kommen. Verliert ihn nicht aus dem Blick, und folgt ihm überallhin, wohin er gehen wird, wenn er den Louvre verläßt.«

»Herr von Loignac erlaubt mir, Euch zu bemerken, mir scheint, das heißt spioniren?«

»Spioniren! glaubt Ihr?« versetzte Loignac mit kaltem Tone, »es ist mögliche doch seht…«

Er zog ein Papier aus seiner Brust und reichte es Carmainges; dieser entfaltete dasselbe und las:

»Laßt diesen Abend Herrn von Mayenne Jemand folgen, sollte er es wagen, sich im Louvre einzufinden.«

»Unterzeichnet?« fragte Loignac.

»Unterzeichnet von Épernon,« las Carmainges.

»Nun, mein Herr?«

»Es ist richtig,« erwiederte Ernauton, sich tief verbeugend, »ich werde Herrn von Mayenne folgen.«

Und er entfernte sich.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
06 aralık 2019
Hacim:
951 s. 2 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain