Kitabı oku: «Die Fünf und Vierzig», sayfa 37
Der Prinz von Oranien begünstigte scheinbar den Herzog von Anjou; er machte ihm einen provisorischen Mantel aus seiner Volksthümlichkeit, entschlossen, ihm diesen Mantel wieder abzunehmen, wenn er glauben würde die Zeit sei gekommen, sich der französischen Gewalt zu entledigen, wie er sich der spanischen Tyrannei entledigt hatte.
Doch dieser heuchlerische Verbündete war furchtbarer für den Herzog von Anjou, als es ein Feind gewesen wäre; er lähmte die Ausführung aller Pläne, welche ihm hätten eine zu große Macht oder einen zu großen Einfluß in Flandern verleihen können.
Als Philipp II. diesen Einzug eines französischen Prinzen in Brüssel sah, forderte er den Herzog von Guise auf, ihm zu Hilfe zu kommen, und diese Hilfe reklamirte er im Namen eines früher zwischen Don Juan von Oesterreich und Heinrich von Guise abgeschlossenen Vertrags.
Die jungen Helden, welche ungefähr von gleichem Alter waren, hatten sich errathen und, als sie sich begegneten und ihre ehrgeizigen Bestrebungen in Verbindung brachten, jeder ein Königreich zu erobern sich anheischig gemacht.
Als Philipp II. beim Tod seines gefürchteten Bruders in seinen Papieren den von Heinrich von Guise unterzeichneten Vertrag fand, schien er keinen Argwohn zu schöpfen. Wozu sich um den Ehrgeiz eines Todten bekümmern? Verschloß nicht das Grab den Degen, der den Buchstaben hätte lebendig machen können.
Nur sollte ein König von der Stärke von Philipp II., der gar wohl wußt, welche Wichtigkeit in der Politik zwei von gewissen Händen geschriebene Zeilen haben können, nicht in einer Sammlung von Manuscripten und Autographen, welche ein Anziehungspunkt für die Besucher des Escurial sein konnten, die Unterschrift von Heinrich von Guise vermodern lassen, eine Unterschrift, welche so großes Ansehen unter den Königreichhändlern, die man die Oranien, die Valois, die Habsburg und die Tudor nannte, zu gewinnen anfing.
Philipp II. forderte also den Herzog von Guise auf, mit ihm den mit Don Juan abgeschlossenen Vertrag fortzusetzen, welchem Vertrag zu Folge der Lothringer den Spanier im Besitz von Flandern unterstützen würde, während der Spanier dem Lothringer darin beistehen sollte daß er den Erbschaftsrath, den der Cardinal in seinem Hause gegründet hatte, zu einem guten Ende führen würde.
Dieser Erbschaftsrath hatte einzig und allein die Aufgabe, nicht einen Augenblick die ewige Arbeit zu unterbrechen, welche an einem schönen Tag den Arbeitern die Usurpation der Krone Frankreichs eintragen sollte.
Guise willigte ein; er konnte nichts Anderes thun; Philipp II. drohte ihm, ein Duplikat des Vertrags an Heinrich abzuschicken, und da geschah es nun, daß der Spanier und der Lothringer gegen den Herzog von Anjou, den Sieger und König in Flandern, Salcède, einen Spanier, der dem Hause Lothringen angehörte, anfstifteten, um ihn zu ermorden.
Eine Ermordung endigte in der That Alles zur Zufriedenheit des Spaniers und des Lothringers.
War der Herzog von Anjou todt, so gab es keinen Prätendenten mehr für den Thron von Flandern, keinen Nachfolger mehr für die Krone von Frankreich.
Wohl blieb der Prinz von Oranien, aber Philipp II. hielt, wie man schon weiß, einen anderen Salcède bereit, der sich Jean Jaureguy nannte.
Salcède wurde festgenommen und auf der Grève geviertheilt, ohne daß er sein Vorhaben hatte in Ausführung bringen können.
Jean Jaureguy brachte dem Prinzen von Oranien eine schwere Wunde bei, doch er verwundete ihn nur.
Der Herzog von Anjou und der Schweigsame blieben also immer aufrecht, scheinbar gute Freunde, in Wirklichkeit aber tödtlichere Nebenbuhler, als es diejenigen gewesen waren, welche sie hatten ermorden wollen.
Der Herzog von Anjou war, wie gesagt, mit Mißtrauen empfangen worden. Brüssel hatte ihm seine Thore geöffnet, doch Brüssel war weder Flandern, noch Brabant; er fing also damit an, daß er mit Gewalt oder Ueberredung in den Niederlanden vorrückte, hier Stadt für Stadt, Stück für Stück sein widerspenstiges Reich nahm und auf den Rath des Prinzen von Oranien Blatt für Blatt, wie Cesare Borgia gesagt hätte, die Artischoke Flandern speiste.
Die Flamänder wehrten sich ihrerseits nicht zu heftig; sie fühlten, daß sie der Herzog von Anjou siegreich gegen die Spanier vertheidigte, sie eilten sehr langsam, ihren Befreier anzunehmen, aber sie nahmen ihn an.
Franz wurde ungeduldig und stampfte mit dem Fuße, als er sah, daß er nur Schritt für Schritt vorrückte.
»Diese Völker sind langsam und schüchtern, wartet daher,« sagten zu Franz seine guten Freunde.
»Diese Völker sind verrätherisch und wankelmüthig, zwingt sie,« sagte zu dem Prinzen der Schweigsame.
Folge hiervon war, daß der Herzog, dem seine natürliche Eigenliebe noch die Langsamkeit der Flamänder wie eine Niederlage übertrieb, die Städte mit Gewalt zu nehmen suchte, die sich ihm nicht so freiwillig übergaben, als er es gewünscht hätte.
Hier erwartete ihn, einer den andern bewachend, sein Verbündeter, der schweigsame Prinz von Oranien, und sein finsterster Feind, Philipp II.
Nach einigen glücklichen Erfolgen hatte sich der Herzog von Anjou vor Antwerpen gelagert, um diese Stadt zu bezwingen, welche der Herzog von Alba, Requesens, Don Juan und der Herzog von Parma nach und nach unter ihr Joch gebeugt, ohne sie je zu erschöpfen, ohne sie einen Augenblick zur Sklaverei zu modeln.
Antwerpen hatte den Herzog von Anjou gegen Alexander Farnese zu Hilfe gerufen; als der Herzog von Anjou seinerseits in Antwerpen einziehen wollte, drehte Antwerpen seine Kanonen gegen ihn.
Dies war die Stellung von Franz von Frankreich in dem Augenblick, wo wir ihn in dieser Geschichte, zwei Tage nachdem Joyeuse und seine Flotte zu ihm gekommen, wiederfinden.
Neunzehntes Kapitel
Vorbereitungen zur Schlacht
Das Lager des Herzogs von Brabant war auf den beiden Ufern der Schelde; obgleich gut disciplinirt, herrschte doch in der Armee ein leicht begreiflicher Geist der Unentschiedenheit.
Es unterstützten in der That viele Calvinisten den Herzog von Anjou, nicht aus Sympathie für den genannten Herzog, sondern um Spanien und den Katholiken von Frankreich und England so unangenehm als möglich zu sein; sie schlugen sich also mehr aus Eitelkeit, als aus Ueberzeugung und aus Ergebenheit, und man fühlte wohl daß sie, sobald der Feldzug beendigt wüte, den Chef verlassen oder ihm Bedingungen auferlegen würden.
Was übrigens diese Bedingungen betrifft, so ließ der Herzog glauben, wenn die Stunde gekommen wäre, würde er sie von selbst eingehen. Sein Lieblingswort war »Heinrich von Navarra ist wohl Katholik geworden, warum sollte Franz von Frankreich nicht Hugenott werden?«
Auf der andern Seite, nämlich beim Feind, bestanden im Gegentheil, im Widerspruch mit diesen politischen und moralischen Dissidien, entschiedene Grundsätze, eine vollkommen festgestellte Sache. Alles gänzlich rein von aller Eitelkeit, von allem Groll.
Antwerpen hatte Anfangs die Absicht, sich zu ergeben doch unter seinen Bedingungen und zu seiner Stunde; es schlug Franz nicht gerade aus, aber es behielt sich vor, zu warten, stark durch seine Lage, durch den Muth und die Kriegserfahrenheit seiner Einwohner. Es wußte überdies, daß es, wenn es den Arm ausstreckte, außer dem Herzog von Guise. der in Beobachtung in Lothringen lag, Alexander Farnese in Luxemburg fand; warum sollte es nicht im Falle der Noth die Hilfe Spaniens gegen Anjou annehmen, wie es die Hilfe von Anjou gegen Spanien angenommen hatte?… Entschlossen, hiernach Spanien zurückzustoßen, nachdem Spanien den Herzog von Anjou zurückzustoßen geholfen hätte.
Diese monotonen Republikaner hatten die eherne Kraft des gesunden Verstandes für sich.
Plötzlich sahen sie eine Flotte an der Mündung der Schelde erscheinen, und sie erfuhren, diese Flotte komme mit dem Großadmiral von Frankreich und dieser Großadmiral bringe ihrem Feinde Hilfe.
Seitdem er Antwerpen belagerte, war der Herzog von Anjou natürlich der Feind der Antwerpner geworden.
Als die Calvinisten des Herzogs von Anjou die Flotte erblickten und die Ankunft von Joyeuse erfuhren, machten sie eine Grimasse, die der beinahe gleich war, welche die Flamänder machten. Die Calvinisten waren, sehr brav, zu gleicher Zeit aber sehr eifersüchtig; sie gingen leicht über Geldfragen weg, liebten es aber nicht, daß man ihre Lorbeerkränze beschnitt, besonders nicht mit Schwertern, die dazu gedient hatten, in der Bartholomäusnacht so viele Hugenotten bluten zu lassen.
Hieraus entstanden viele Streitigkeiten, welche an Abend der Ankunft von Joyeuse begannen und siegreich am andern und am zweiten Tage fortgesetzt wurden.
Von ihren Wällen herab hatten die Antwerpener jeden Tag das Schauspiel von zehn bis zwölf Duellen zwischen Katholiken und Hugenotten. Die Polders dienten als Schranken, und man warf in den Fluß mehr Todte, als ein Treffen im freien Felde die Franzosen gekostet hätte. Hätte die Belagerung von Antwerpen, wie die den Troja, neun Jahre gedauert, so würden die Belagerten zur Noth nichts Anderes zu thun gehabt haben, als den Belagerten zuzuschauen, denn diese hatten sich sicherlich selbst aufgerieben.«
Bei all diesen Streitigkeiten versah Franz das Geschäft eines Vermittlers, doch nicht ohne ungeheure Schwierigkeiten; man hatte sich gegen die französischen Hugenotten verbindlich gemacht; diese verletzen hieß sich die moralische Unterstützung der flamändischen Hugenotten entziehen, welche in Antwerpen Hilfe leisten konnten.
Den Katholiken schlimm begegnen, welche vom König abgesandt waren, um sich in seinem Dienste tödten zu lassen, war für den Herzog von Anjou eine nicht nur unpolitische, sondern auch gefährdende Sache.
Die Ankunft dieser Verstärkung, auf die der Herzog selbst nicht rechnete, stürzte die Spanier in ihren Hoffnungen nieder, und die Lothringer waren darüber außer sich vor Wuth.
Es war wohl etwas für den Herzog von Anjou, daß ihm diese doppelte Satisfaktion zu Theil wurde. Doch der Herzog ging nicht so schonend gegen alle Parteien zu Werke, daß die Disciplin seines Heeres nicht sehr darunter gelitten hätte.
Joyeuse, der, wie man sich erinnert, nie über seine Sendung erfreut war, fand sich sehr unbehaglich inmitten dieser Versammlung von Menschen von so verschiedenartiger Denkungsart: er fühlte instinktartig, daß die Zeit der Siege vorüber war; etwas wie die Ahnung einer großen Niederlage durchströmte die Luft, und in seiner Trägheit als Höfling, wie in seiner Eitelkeit als Feldherr beklagte er es, von so fern her gekommen zu sein, um eine Niederlage zu theilen.
Er fand auch im Ernste und sprach es laut aus, der Herzog von Anjou habe Unrecht gehabt, Antwerpen zu belagern; der Prinz von Oranien, der ihm diesen hinterlistigen Rath gegeben, war, seitdem man diesen Rath befolgte, verschwunden und man wußte nicht, was aus ihm geworden; sein Heer lag in Garnison in dieser Stadt, und er hatte dem Herzog von Anjou die Unterstützung dieses Heeres versprochen; doch man vernahm durchaus nicht, daß eine Spaltung zwischen den Soldaten von Wilhelm und den Antwerpnern statthabe, und es hatte nicht die Nachricht von einem einzigen Duell zwischen den Belagerern die Belagernden seit dem Tage erfreut, wo sie ihre Zelte vor der Stadt aufgeschlagen.
Joyeuse machte hauptsächlich bei seinem Widerstande gegen die Belagerung geltend, die wichtige Stadt Antwerpen sei beinahe eine Hauptstadt, eine große Stadt durch die Beistimmung dieser großen Stadt besitzen ist nun ein wirklicher Vortheil; doch die zweite Hauptstadt seiner zukünftigen Staaten im Sturm nehmen hieß sich der Abneigung der Flamänder aussetzen und Joyeuse kannte die Flamänder zu gut, um zu hoffen, vorausgesetzt sogar, der Herzog von Anjou nähme Antwerpen, sie würden sich nicht früher oder später für diese Einnahme rächen und zwar mit Wucher.
Diese Ansicht setzte Joyeuse ganz laut im Zelte des Herzogs in der Nacht auseinander, wo wir unsere Leser in das französische Lager eingeführt haben.
Während unter seinen Kapitänen Rath gepflogen wurde, saß oder lag vielmehr der Herzog auf einem langen Lehnstuhle, der zur Noth als Ruhebett dienen konnte, und hörte nicht auf die Ansichten des Großadmirals von Frankreich, sondern auf das Geflüster seines Lautenspielers Aurilly.
Durch seine feigen Gefälligkeiten, durch seine niedrigen Schmeicheleien und durch sein beständiges Anschmiegen hatte Aurilly die Gunst des Prinzen gefesselt; nie hatte er ihm gedient, wie es die anderen Freunde gethan, indem sie sich dem König oder sonstigen mächtigen Personen entgegengestellt, und so war es ihm gelungen, die Klippe zu vermeiden, woran La Mole, Coconnas, Bussy und so viele Andere zerschellten.
Mit seiner Laute, mit seinen Liebesbotschaften, mit der genauen Auskunft, die er über alle Intriguen und Personen des Hofes zu geben wußte, mit seinen geschickten Manoeuvres, um in die Netze des Herzogs die Beute zu werfen, nach der er begehrte, hatte sich Aurilly unter der Hand ein großes Vermögen gemacht, das für den Fall eines Umschlags geschickt untergebracht war, so daß er immer der arme Musikant Aurilly zu sein schien, der einem Thaler nachlaufen und, wie die Baumgrillen, wenn er Hunger habe, singen müsse.
Der Einfluß dieses Mannes war ungeheuer, weil er geheim war.
Als ihn Joyeuse so in seine strategischen Auseinandersetzungen eingreifen und die Aufmerksamkeit des Herzogs ablenken sah, ging er zurück und brach den Faden seiner Rede kurz ab.
Franz sah auf, als hörte er nicht; doch er hörte in der That; es entging ihm auch die Ungeduld von Joyeuse nicht, und er fragte auf der Stelle:
»Was habt Ihr, Herr Admiral?«
»Nichts. Monseigneur; ich warte nur, bis Eure Hoheit Muße hat, mich zu hören.«
»Ich höre wohl, Herr von Joyeuse, ich höre,« erwiederte rasch der Herzog. »Ah! Ihr Pariser glaubt, der Krieg in Flandern habe mich sehr verdumpft, da Ihr denkt, ich könne nicht zwei Personen hören, welche zu gleicher Zeit sprechen, während Cäsar zugleich sieben Briefe dictirte!«
»Monseigneur,« entgegnete Joyeuse, »indem er dem armen Musiker einen Blick zuwarf, unter welchem sich dieser mit seiner gewöhnlichen Demuth bückte, »ich bin kein Sänger, daß man mich zu begleiten braucht, wenn ich spreche.«
»Gut, gut, Herzog; schweigt, Aurilly.«
Aurilly verbeugte sich
»Ihr billigt also meinen Handstreich auf Antwerpen nicht, Herr von Joyeuse?« fuhr Franz fort.
»Nein, Monseigneur.«
»Ich habe diesen Plan im Rathe angenommen.«
»Ich ergreife auch nur mit großer Zurückhaltung das Wort nach so erfahrenen Kapitänen,« sprach Joyeuse.
Und als ein Hofmann grüßte er rings umher.
Mehrere Stimmen erhoben sich, um dem Großadmiral, zu bestätigen, seine Meinung sei auch die ihrige.
Andere machten, ohne zu sprechen, Zeichen des Beipflichtens.
»Wie, Saint-Aignan, Ihr seid nicht der Ansicht von Joyeuse, nicht wahr?« sprach der Prinz zu einem seiner bravsten Obersten.«
»Durchaus, Monseigneur,« antwortete Herr von Saint-Aignan.
»Ah! deshalb machtet Ihr eine Grimasse.«
Jedermann lachte. Joyeuse erbleichte, der Graf erröthete.
»Wenn der Herr Graf von Saint-Aignan seine Ansicht auf diese Art zu geben pflegt, so ist er ein nicht sehr höflicher Rath,« sprach Joyeuse.
»Herr von Joyeuse,« erwiederte Saint-Aignan lebhaft, »Seite Hoheit hat Unrecht gehabt, mir ein Gebrechen vorzuwerfen, daß ich in ihrem Dienste bekommen habe; bei der Belagerung von Cateau-Cambrésis erhielt ich einen Lanzenstich in den Kopf und seit jener Zeit habe ich Nervenzuckungen, welche die Grimassen veranlassen, über die sich Seine Hoheit beklagt… Dies ist indessen keine Entschuldigung, die ich Euch gebe, Herr von Joyeuse, sondern eine Erklärung,« sprach stolz der Graf, indem er sich umwandte.
»Nein, mein Herr,« sagte Joyeuse, ihm die Hand reichend, »das ist ein Vorwurf, den Ihr macht, und Ihr habt Recht.«
Dem Herzog Franz stieg das Blut in’s Gesicht.
»Und wem dieser Vorwurf?« sagte er.
»Mir wahrscheinlich Monseigneur.«
»Warum sollte Saint-Aignan Euch einen Vorwurf machen, Herr von Joyeuse, Euch, den er nicht kennt?«
»Weil ich einen Augenblick glauben konnte, Herr von Saint-Aignan liebe Eure Hoheit so wenig, daß er ihr Antwerpen zu nehmen rathen würde.«
»Aber meine Stellung muß sich doch endlich im Lande hervorheben,« rief der Prinz. »Ich bin Herzog von Brabant und Graf von Flandern dem Namen nach. Ich muß es auch der Sache nach sein. Dieser Schweigsame, der sich, ich weiß nicht wo, verbirgt, hat mir von einem Königreich gesprochen. Wo ist es, dieses Königreich? in Antwerpen. Wo ist er? auch in Antwerpen wahrscheinlich. Nun wohl, ich muß Antwerpen nehmen, und ist es genommen, so werden wir wissen, woran wir uns zu halten haben.«
»Ei! Monseigneur, Ihr wißt es schon, bei meiner Seele, oder Ihr wäret wahrhaftig ein minder guter Politiker, als man sagt. Wer hat Euch den Rath gegeben Antwerpen zu nehmen? der Herr Prinz von Oranien, der in dem Augenblick, wo Ihr Euch in’s Feld begeben, verschwunden ist; der Herr Prinz von Oranien, der, während er Eure Hoheit zum Herzog von Brabant machte, sich, die Stelle eines Generallieutenant des Königreichs vorbehielt; der Prinz von Oranien, in dessen Interesse liegt, die Spanier durch Euch und Euch durch die Spanier zu Grunde zu richten; der Herr Prinz von Oranien, der Eure Stelle einnehmen und Euch nachfolgen wird, wenn er nicht jetzt schon Eure Stelle nimmt und Euch nachfolgt. Ei! Monseigneur, indem Ihr die Rathschläge des Prinzen von Oranien befolget, habt Ihr Euch bis jetzt nur die Flamänder abgeneigt gemacht. Es komme ein Umschlag und alle diejenigen, welche es nicht wagen, Euch in’s Gesicht zu schauen, werden hinter Euch herlaufen, wie jene schüchternen Hunde, die nur den Flüchtlingen nachlaufen.«
»Wie, Ihr nehmt an, ich könnte durch Wollenhändler, durch Biertrinker geschlagen werden?«
»Diese Wollenhändler, diese Biertrinker haben bedeutend dem König Philipp von Valois, dem Kaiser Carl V. und dem König Philipp II. zu schaffen gemacht, was drei Prinzen von so gutem Hause waren, daß die Vergleichung Euch nicht zu unangenehm sein kann.«
»Ihr befürchtet also eine Niederlage?«
»Ja, Monseigneur.«
»Ihr werdet also nicht dabei sein, Herr von Joyeuse?«
»Warum sollte ich nicht dabei sein?«
»Weil ich erstaune, Euch so sehr an Eurem eigenen Muthe zweifeln zu sehen, daß Ihr Euch schon auf der Flucht vor den Flamändern wähnt; in jedem Fall beruhigt Euch; diese klugen Handelsleute haben die Gewohnheit, wenn sie in’s Treffen marschiren, sich mit zu schweren Rüstungen zu beladen, als daß sie Euch zu erreichen hoffen sollten und würden sie Euch auch nachlaufen.«
»Hoheit, ich zweifle nicht an meinem Muth; Monseigneur, ich werde in der ersten Reihe sein, doch man wird mich in der ersten Reihe schlagen, während man die Andern in der letzten schlägt, das ist das Ganze.«
»Eure Folgerung ist nicht logisch Herr von Joyeuse: Ihr gebt zu, daß ich die kleinen Plätze genommen habe.«
»Ich gebe zu, daß Ihr Alles nehmt, was sich nicht vertheidigt.«
»Nun wohl! nachdem ich die kleinen Plätze, die sich nicht vertheidigten, wie Ihr sagt, genommen habe, werde ich nicht vor dem großen zurückweichen, weil er sich vertheidigt oder sich zu vertheidigen droht.«
»Und Eure Hoheit hat Unrecht, besser auf einen sicheren Terrain zurückweichen, als vorwärts marschirend in einen Graben stolpern.«
»Es sei, ich werde stolpern doch nicht zurückweichen.«
»Eure Hoheit mag es hier machen, wie sie will,« sprach Joyeuse sich vorbeugend, »und wir unsererseits werden thun, was Eurer Hoheit beliebt; wir sind hier, um zu gehorchen.«
»Das heißt nicht antworten, Herzog.«
»Es ist jetzt die einzige Antwort, die ich Eurer Hoheit geben kann.«
»Laßt hören, beweist mir, daß ich Unrecht habe; ich verlange nichts Anderes, als mich Eurer Ansicht zu fügen.«
»Monseigneur, seht die Armee des Prinzen von Oranien, sie gehörte Euch, nicht wahr? Nun wohl! statt mit Euch vor Antwerpen zu lagern, ist sie in Antwerpen, was einen großen Unterschied macht; seht den Schweigsamen, wie Ihr ihn selbst nennt: er war Euer Freund und Euer Rathgeber; Ihr wißt nicht nur nicht, was aus dem Rathgeber geworden ist, sondern Ihr glaubt sogar sicher zu sein, daß sich der Freund in einen Feind verwandelt hat; seht die Flamänder, als Ihr in Flandern waret, schmückten sie ihre Barken und Mauern mit Wimpeln und Fahnen, sobald sie Euch erblickten; nun schließen sie ihre Thore bei Eurem Anblick und pflanzen ihre Kanonen auf, wenn Ihr Euch nähert, nicht mehr und nicht minder, als ob Ihr der Herzog von Alba wäret. Ich sage Euch: Flamänder und Holländer, Antwerpen und Oranien warten nur eine Gelegenheit ab, um sich gegen Euch zu verbinden, und dieser Augenblick wird derjenige sein, wo Ihr Euren Geschützmeistern: Feuer! zuruft.«
»Nun wohl!« erwiederte der Herzog von Anjou, »man wird mit einem Streiche Antwerpen und Oranien, Flamänder und Holländer schlagen.«
»Nein! Monseigneur, weil wir gerade genug Mannschaft haben, um Antwerpen zu stürmen, vorausgesetzt, daß wir es nur mit den Antwerpnern zu thun haben, und während wir stürmen, wird der Schweigsame ohne etwas zu sagen, über uns herfallen, mit seinen ewigen, immer wieder vernichteten und immer neu erstehenden zehn tausend Mann, mit denen er seit zehn bis zwölf Jahren den Herzog von Alba, Don Juan von Requesens und den Herzog von Parma im Schach hält.«
»Ihr beharrt also auf Eurer Meinung?«
»Auf welcher?«
»Daß wir werden geschlagen werden?«
»Unfehlbar.«
»Nun, das ist, Eurerseits wenigstens, leicht zu vermeiden, Herr von Joyeuse,« fuhr der Prinz bitter fort, »mein Bruder hat Euch zu mir geschickt, um mich zu unterstützen; Euere Verantwortlichkeit ist gedeckt. wenn ich Euch mit der Bemerkung entlasse, daß ich der Unterstützung nicht mehr zu bedürfen glaube.«
»Eure Hoheit kann mich entlassen, doch am Vorabend einer Schlacht wäre es für mich eine Schande, die Entlassung anzunehmen.«
Ein langes Gemurmel des Beifalls wurde den Worten von Joyeuse zu Theil; der Prinz begriff, daß er zu weit gegangen war. Er stand auf, umarmte den jungen Mann und sprach:
»Mein lieber Admiral, Ihr wollt mich nicht verstehen. Es scheint mir jedoch, daß ich Recht habe, oder daß ich in der Lage, in der ich mich befinde, nicht laut gestehen kann, ich habe Unrecht gehabt; Ihr werft mir meine Fehler vor, ich kenne sie: ich war zu eifersüchtig auf die Ehre meines Namens; ich wollte zu sehr die Ueberlegenheit der französischen Waffen darthun, und das war unvorsichtig von mir. Doch das Uebel ist geschehen; wollt Ihr etwas Schlimmeres begehen? wir stehen nun vor bewaffneten Leuten, das heißt vor Menschen, welche uns das streitig machen, was sie uns angeboten haben. Soll ich ihnen weichen? darin werden sie morgen Stück für Stück wieder einnehmen, was ich erobert habe; nein, das Schwert ist gezogen, schlagen wir, oder wir werden geschlagen: das ist mein Gefühl.«
»Sobald Eure Hoheit so spricht, werde ich mich wohl hüten ein Wort beizufügen,« erwiederte Joyeuse, »ich bin hier, um Euch zu gehorchen, Monseigneur, und glaubt mir, mit eben so willigem Herzen, wenn Ihr mich zum Tode, als wenn Ihr mich zum Siege führt; aber… doch nein, Monseigneur.«
»Was?«
»Nein, ich will und muß schweigen.«
»Nein, bei Gott, sprecht, Admiral; sprecht, ich will es.«
»Dann allein mit Euch, Monseigneur.«
»Allein mit mir?«
»Ja, wenn es Eurer Hoheit gefällt.«
Alle standen auf und zogen sich bis zum äußersten Ende des Zeltes von Franz zurück.
»Sprecht,« sagte dieser.
»Eure Hoheit kann vielleicht gleichgültig eine Niederlage, die ihr Spanien bereiten, einen Schlag nehmen, der diese Biertrinker oder diesen Prinzen mit dem doppelten Gesicht triumphiren machen würde; doch würde sie sich eben so leicht darein bequemen, den Herrn Herzog von Guise auf ihre Kosten lachen zu machen?«
»Den Herrn Herzog von Guise?« erwiederte Franz die Stirne faltend, »was hat er mit dem Allem zu schaffen?«
»Herr von Guise soll es versucht haben, Monseigneur ermorden zu lassen; hat es Salcède auf dem Schaffot nicht gestanden, so hat er es doch wenigstens unter der Folter gestanden. Es hieße aber dem Lothringer, der wenn ich mich nicht sehr täusche, eine Rolle bei dem Allem spielt, eine große Freude gewähren, wenn wir uns vor Antwerpen schlagen ließen und ihm, wer weiß? ohne daß er die Börse zu ziehen nöthig hatte, den Tod eines Sohnes von Frankreich verschafften, den er Salcède so theuer zu bezahlen versprochen hatte. Leset die Geschichte von Flandern, Monseigneur, und Ihr werdet sehen, daß es die Gewohnheit der Flamänder ist, ihren Boden mit dem Blute der erhabensten Prinzen und besten französischen Ritter zu düngen.«
Der Herzog schüttelte den Kopf und entgegnete:
»Nun wohl! es sei; ich werde, wenn es sein muß dem verfluchten Lothringer die Freude gewähren, mich todt zu sehen, doch ich werde ihm die nicht gewähren, mich fliehen zu sehen. Mich dürstet nach Ruhm; denn ich habe meines Namens allein noch Schlachten zu gewinnen.«
»Und Cateau-Cambrésis, das Ihr vergeßt, Monseigneur; es ist wahr, Ihr seid der Einzige.«
»Vergleicht doch dieses Scharmützel mit Jarnac und Moncontour, Joyeuse, und berechnet, was ich meinem vielgeliebten Bruder Heinrich schuldig bin. Nein, nein,« fügte er bei, »ich bin nicht ein Königlein von Navarra. – ich bin ein französischer Prinz.«
Dann sich gegen die Herren umwendend, die sich bei den Worten von Joyeuse entfernt hatten, sprach er:
»Meine Herren, es bleibt beim Sturm; der Regen hat aufgehört, das Terrain ist gut, wir greifen diese Nacht an.«
Joyeuse verbeugte sich und fragte:
»Wird Monseigneur die Gnade haben, uns seine Befehle auseinanderzusetzen? wir erwarten sie.«
»Ihr habt acht Schiffe, die Admiralsgaleere nicht zu rechnen. Herr von Joyeuse?«
»Ja, Hoheit.«
»Ihr forcirt die Linie, und das wird leicht sein, da sie Antwerpner nur Handelsschiffe im Hafen haben; dann legt Ihr vor dem Quai an. Wird der Quai vertheidigt, so beschießt Ihr die Stadt und versucht zugleich eine Landung von fünfzehn hundert Mann.
»Aus dem Rest der Armee mache ich zwei Colonnen; die eine commandirt der Herr Graf von Saint-Aignan, die andere commandire ich selbst. Beide werden eine Ersteigung mit Sturmleitern und eine Ueberrumpelung in dem Augenblicks versuchen, wo die ersten Kanonen donnern.
»Die Cavalerie bleibt in Reserve, um den Rückzug der zurückgeworfenen Colonne zu decken.
»Von diesen drei Angriffen wird sicherlich einer gelingen. Das erste Corps, das sich auf dem Walle festgestellt hat, brennt eine Rakete ab, um die anderen Corps bei sich zu sammeln.«
»Doch man muß für Alles vorhersehen, Monseigneur,« sagte Joyeuse. »Nehmen wir an, was Ihr nicht für annehmbar haltet, daß die drei Angriffscolonnen alle zurückgeschlagen werden.«
»Dann erreichen wir die Schiffe unter dem Feuer unserer Batterien und wir breiten uns auf den Poldern aus, wo uns aufzusuchen die Antwerpner nicht wagen werden.«
Man verbeugte sich zum Zeichen der Beistimmung.
»Nun, meine Herren, hauptsächlich Stille, »sprach der Herzog. »Man wecke die schlafenden Truppen und schiffe sich in Ordnung ein; nicht ein Feuer, nicht ein Musketenschuß offenbare unsern Plan. Ihr werdet im Hafen sein, Admiral, ehe die Antwerpner Eure Abfahrt vermuthen. Wir, die wir hinüberfahren und dem linken Ufer folgten, wir kommen zugleich mit Euch an.
»Geht, meine Herren, und guten Muth. Das Glück das uns bis jetzt gefolgt ist, wird sich nicht fürchten, mit uns über die Schelde zu setzen.«
Die Kapitäne verließen das Zelt des Prinzen und gaben ihre Befehle mit der bezeichneten Vorsicht.
Bald ließ dieser ganze menschliche Ameisenhaufen sein Gemurmel vernehmen; doch man konnte glauben, es wäre das des Windes, der in den riesigen Rohren und im dichten Grase der Polders spielte.
Der Admiral hatte sich an Bord begeben.
