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Kitabı oku: «Königin Margot», sayfa 20
Er hatte einen Augenblick den Gedanken, einen andern Degen zu kaufen und dem elenden Portier, der hartnäckiger Weise nur deutsch sprach, den Bauch aufzuschlitzen. Aber er bedachte, wenn dieser Portier Margarethe gehörte, und Margarethe ihn somit gewählt hätte, so müßte sie ihre Gründe dazu gehabt haben, und es wäre ihr vielleicht unangenehm, desselben beraubt zu werden. La Mole aber wollte um keinen Preis der Welt etwas Margarethen Unangenehmes thun. Aus Furcht, er könnte der Versuchung nachgeben, schlug er also um zwei Uhr Nachmittags wieder den Weg nach dem Louvre ein.
Da sein Zimmer diesmal nicht besetzt war, so konnte er eintreten. Die Sache war dringlich in Beziehung auf sein Wamms, das, wie ihm die Königin bemerkte, beträchtlichen Schaden gelitten hatte.
Er ging also unaufhaltsam auf sein Bett zu, um das zerrissene Wamms durch das schöne perlgraue zu ersetzen. Aber zu seinem großen Erstaunen war das Erste, was er neben seinem perlgrauen Wamms fand, der berühmte Degen, den er in der Rue Cloche-Percée gelassen hatte.
La Mole nahm ihn, drehte ihn um und um; er war es.
»Ah, ah!« rief er, »sollte ein Zauber dahinter stecken!« Dann mit einem Seufzer: »Oh, könnte sich der arme Coconnas wieder finden, wie mein Degen.«
Zwei bis drei Stunden, nachdem La Mole seine Runde um das kleine Doppelhaus aufgegeben hatte, öffnete sich die Thüre der Rue Tizon. Es war ungefähr sechs Uhr Abends und folglich völlig Nacht.
Eine Frau, in einen Pelz besetzten langen Mantel gehüllt, begleitet von einer Zofe, trat aus der Thüre, welche ihr eine Duenna von ungefähr vierzig Jahren offen hielt, schlüpfte rasch bis in die Rue du Roi de Sicile, klopfte an einer kleinen Thüre des Hotel d’Argenson, die sich vor ihr öffnete, ging durch das große Thor desselben Hotel, das nach der Vieille-Rue-du-Temple führte, wieder hinaus, erreichte eine Schlupfpforte des Hotel Guise, öffnete sie mit einem Schlüssel, den sie in ihrer Tasche hatte, und verschwand.
Eine halbe Stunde nachher trat ein junger Mann mit verbundenen Augen aus derselben Thüre desselben kleinen Hauses, geleitet von einer Frau, die ihn an die Ecke der Rue Geoffroy-Lasnier und de la Mortellerie führte. Hier forderte sie ihn auf, bis zu fünfzig zu zählen und dann seine Binde abzunehmen.
Der junge Mann befolgte gewissenhaft die Vorschrift und nahm bei der bestimmten Zahl die Binde ab, die ihm die Augen bedeckte.
»Mordi!« rief er, rings um sich herschauend. »Ich will mich hängen lassen, wenn ich weiß, wo ich bin! – Sechs Uhr!« sprach er, als er die Glocke von Notre-Dame schlagen hörte. »Und dieser arme La Mole! was ist wohl aus ihm geworden? Laufen wir in den Louvre, vielleicht weiß man dort etwas von ihm.«
Nach diesen Worten ging Coconnas in größter Eile durch die Rue de la Mortellerie hinab und erreichte die Pforten des Louvre in kürzerer Zeit, als ein gewöhnliches Pferd dazu gebraucht hätte. Er warf auf seinem Wege die bewegliche Reihe braver Bürger nieder, welche friedlich um die Buden der Place Baudoyer spazierten, und trat in den Palast.
Hier befragte er Portier und Schildwache. Der Portier glaubte, er habe Herrn de la Mole am Morgen zurückkehren sehen, erinnerte sich aber nicht, daß er wieder hinausgegangen war. Die Schildwache war erst seit anderthalb Stunden da und wußte nichts.
Rasch stieg er in das Zimmer hinauf und öffnete eiligst die Thüre, aber er fand hier nichts als das zerrissene Wamms von La Mole, was seine Unruhe noch vermehrte.
Dann dachte er an La Hurière und lief zu dem würdigen Gastgeber zum Schönen Gestirn. La Hurière hatte La Mole gesehen. La Mole hatte bei La Hurière gefrühstückt. Coconnas war daher völlig beruhigt, und da er großen Hunger hatte, so forderte er für sich ein Abendbrod.
Coconnas war in der gehörigen Stimmung, um gut zu Nacht zu speisen. Er hatte einen beruhigten Geist und einen leeren Magen. Er speiste also so gut, daß das Mahl bis acht Uhr dauerte. Nunmehr gestärkt durch zwei Flaschen Anjouwein, den er sehr liebte und mit einem Wohlbehagen getrunken hatte, das sich durch Blinzeln seiner Augen und durch ein wiederholtes Schnalzen der Zunge kundgab, setzte er seine Nachforschung nach La Mole fort, wobei er seine neuen Gänge durch die verschiedenen Gruppen mit Fußtritten und Faustschlägen nach Maßgabe der Zunahme der freundschaftlichen Gesinnung begleitete, die ihm die angenehme Empfindung eingeflößt hatte, welche stets auf ein gutes Mahl folgt.
Dies dauerte eine Stunde. Eine Stunde lang durchlief Coconnas alle Straßen in der Nähe des Quai de la Grève, den Port au Charbon, die Rue Saint-Antoine und die Rues Tizon und Cloche-Percée, wohin seiner Meinung nach sein Freund zurückgekehrt seyn konnte. Endlich begriff er, daß es einen Ort gab, durch welchen, er kommen mußte, die Pforte des Louvre. Und er beschloß, unter dieser Pforte seine Rückkehr abzuwarten.
Er war nur hundert Schritte vom Louvre und hob gerade eine Frau auf ihre Beine, deren Mann er auf der Place Sainte-Germain-l’Auxerrois niedergeworfen hatte, als er am Horizont vor sich bei der zweifelhaften Helle eines großen in der Nähe der Zugbrücke des Louvre errichteten Leuchtthurms den kirschrothen Mantel und die Feder seines Freundes erblickte, der bereits einem Schatten ähnlich, der Schildwache ihren Gruß zurückgebend, unter den Pforten verschwand.
Der berühmte kirschrothe Mantel hatte so großes Glück in der Welt gemacht, daß man sich nicht täuschen konnte.
»Mordi!« rief Coconnas, »er ist es! He he! La Mole! La Mole, mein Freund! Pest! ich habe doch eine gute Stimme! Wie kommt es, das er mich nicht gehört hat? Aber zum Glücke sind meine Beine so gut als meine Stimme, und ich will ihn einholen.«
In dieser Hoffnung fing Coconnas an, aus Leibeskräften zu laufen, und gelangte in einem Augenblick in den Louvre: aber wie sehr er sich auch beeilte, so verschwand doch in demselben Moment der rothe Mantel, der ebenfalls große Eile zu haben schien, unter dem Vestibüle.
»Oho! La Mole,« rief Coconnas, abermals zum stärksten Laufe ansetzend, »warte doch auf mich! Ich bin es, Coconnas! Was Teufels hast Du denn so sehr zu eilen? Fliehst Du etwa?«
Der rothe Mantel stieg in der That, als ob er Flügel hätte, in einem wahren Sturme bis in den zweiten Stock hinauf.
»Ah, Du willst nicht auf mich warten!« rief Coconnas, »ab, Du grollst mir. Du bist böse? Mordi! so geh zum Teufel! Ich kann nicht mehr!«
Es war unten an der Treppe, von wo aus Coconnas diese Rede dem Flüchtling zuschleuderte. Er leistete zwar darauf Verzicht, ihm mit den Beinen zu folgen, folgte ihm aber nichtsdestoweniger mit den Augen über die Schnecken der Treppe, wo der Mann mit dem Mantel nun auf der Höhe der Gemächer von Margarethe angelangt war. Plötzlich kam eine Frau aus diesen Gemächern hervor und nahm denjenigen, welchen Coconnas verfolgte, beim Arme.
»Oho!« murmelte Coconnas, »das sieht mir ganz aus, wie die Königin Margarethe; dann ist es etwas Anderes. Er wurde erwartet, und ich begreife, daß er mir nicht geantwortet hat.«
Und er legte sich an das Geländer und, richtete seinen Blick durch die Oeffnung der Treppe. Dann sah er nach ein paar Worten, die mit leiser Stimme gewechselt wurden, den kirschrothen Mantel der Königin in ihre Wohnung folgen.
»Gut, gut,« sprach Coconnas, »es ist so, ich täusche mich nicht; es gibt Augenblicke, wo uns die Gegenwart unseres besten Freundes belästigt. Und dieser gute La Mole hat einen solchen Augenblick.«
Und Coconnas stieg sachte die Treppe hinauf, setzte sich auf eine Sammetbank, welche aus einem Vorplatze stand, und sagte zu sich selbst:
»Statt ihm nachzulaufen, werde ich auf ihn warten. Aber,« fügte er bei, »wenn ich bedenke, er ist bei der Königin von Navarra, und ich könnte somit lange warten. Es ist kalt, bei Gott! ich will gehen, denn ich warte eben so gut in meinem Zimmer. Am Ende muß er doch zurückkehren, und wenn der Teufel im Spiele wäre!«
Kaum vollendete er diese Worte und fing an den Entschluß auszuführen, der das Resultat desselben war, als ein behender, leichter Tritt über seinem Kopfe erscholl, und zwar begleitet von einem seinem Freunde so vertrauten Gesange, daß Coconnas sogleich den Hals nach der Seite ausstreckte, woher das Geräusch des Trittes und des Gesanges kam. Es war wirklich La Mole, der den oberen Stock herabstieg, wo sein Zimmer lag, und Coconnas wahrnehmend, vier und vier die Stufen herabzuspringen anfing, welche ihn noch von seinem Freunde trennten, und als diese Operation beendigt war, sich ihm um den Hals warf.
»Oh! Mordi! du bist es,« sprach Coconnas. »Wo Teufels, bist du denn heraus gekommen?«
»Ei, bei Gott! durch die Rue Cloche-Percée.«
»Nein, ich meine nicht aus jenem Hause.«
»Woher sonst?«
»Aus dem Gemache der Königin.«
»Der Königin?«
»Ja, der Königin von Navarra.«
»Ich bin nicht zu ihr hinein gegangen.«
»Geh doch!«
»Mein lieber Annibal,« sagte La Mole, »Du sprichst ungereimtes Zeug. Ich komme von meinem Zimmer, wo ich seit zwei Stunden auf Dich warte.«
»Du kommst aus Deinem Zimmer?«
»Ja.«
»Du bist es also nicht gewesen, den ich auf dem Platze des Louvre verfolgte?«
»Wann dies?«
»In diesem Augenblick.«
»Nein!«
»Du bist es nicht gewesen, der vor zehn Minuten unter der Pforte verschwand?«
»Nein!«
»Du bist nicht diese Treppe hinauf gelaufen, als ob Du von einer Legion von Teufeln verfolgt würdest?«
»Nein.«
»Mordi!« rief Coconnas, »der Wein des Schönen Gestirns, ist nicht so schlecht, daß er mir in diesem Grade den Kopf verdreht haben könnte. Ich sage Dir, daß ich so eben Deinen kirschrothen Mantel und Deine weiße Feder unter der Pforte des Louvre erblickte, daß ich den einen und die andere bis unten an diese Treppe verfolgt habe, und daß Dein Mantel, Dein Federhut und sogar Dein Arm, der sich wie ein Schwengel bewegt, hier von einer Dame erwartet wurden, die ich für die Königin von Navarra halte, welche das Ganze durch diese Thüre zog, die, wenn ich mich nicht sehr täusche, die Thüre der schönen Margarethe ist.«
»Mordi!« sprach La Mole erbleichend, »sollte hier ein Verrath obwalten?«
»Immerhin!« versetzte Coconnas, »schwöre, so lange Du willst, aber sage mir nicht mehr, daß ich mich täuschte!«
La Mole zögerte einen Augenblick, den Kopf zwischen seine Hände pressend und zwischen der Achtung und der Eifersucht schwankend. Aber die Eifersucht trug den Sieg davon. Er stürzte nach der Thüre und fing an, an diese mit vollen Kräften zu klopfen, was einen in Betracht der Majestät des Ortes durchaus nicht anständigen Lärmen verursachte.
»Wir werden machen, daß man uns verhaftet,« sprach Coconnas, »aber gleichviel, die Sache ist äußerst lustig. Sage mir, La Mole, sollte es vielleicht Geister im Louvre geben?«
»Ich weiß es nicht,« erwiederte der junge Mann, so bleich wie die Feder, die seine Stirne beschattete. »Aber ich habe mir immer welche zu sehen gewünscht, und da sich die Gelegenheit bietet, so werde ich mein Möglichstes thun, mich diesem gegenüber zu stellen.«
»Ich widersetze mich nicht,« sprach Coconnas. »Nur klopfe ein wenig minder stark, wenn Du sie nicht zornig machen willst.«
La Mole, obgleich ganz außer sich, begriff die Richtigkeit dieser Bemerkung, und fuhr fort zu klopfen, aber mehr leise.
IV.
Der Kirschrothe Mantel
Coconnas hatte sich nicht getäuscht. Die Dame, welche den Cavalier in dem rothen Mantel aufhielt, war wirklich die Königin von Navarra. Was den Cavalier in dem kirschrothen Mantel betrifft, so hat unser Leser hoffentlich bereits errathen, daß es kein Anderer war, als der brave von Mouy.
Als der junge Mann die Königin von Navarra erkannte, begriff er, daß eine Verwechselung stattfand, aber er wagte es nicht, zu sprechen, aus Furcht, ein Schrei der Königin könnte ihn verrathen. Er zog es vor, sich bis in ihre Gemächer führen zu lassen, entschlossen, wenn er einmal darin wäre, zu seiner schönen Führerin zu sagen:
»Stillschweigen um Stillschweigen, Madame!«
Margarethe drückte wirklich in dem Halbdunkel demjenigen, welchen sie für La Mole hielt, sanft den Arm und sagte, sich an sein Ohr neigend, in lateinischer Sprache zu ihm:
»Ich bin allein, tretet ein, mein Theurer!«
Von Mouy ließ sich, ohne zu antworten, führen; aber kaum befand er sich in dem besser erleuchteten Vorzimmer, als Margarethe erkannte, daß es nicht La Mole war.
Der kleine Schrei, den der kluge Hugenott befürchtet hatte, entschlüpfte in diesem Augenblicke Margarethe.
»Herr von Mouy!« rief sie, einen Schritt zurückweichend.
»Ich selbst, Madame, und ich bitte Eure Majestät, mich meinen Weg frei fortsetzen zu lassen, ohne Jemand ein Wort von Meiner Gegenwart im Louvre zu sagen.«
»Oh, Herr von Mouy!« murmelte Margarethe. »ich hatte mich also getäuscht!«
»Ja,« sprach von Mouy, »ich begreife; Eure Majestät wird mich für den König von Navarra gehalten haben. Es ist derselbe Wuchs, dieselbe weiße Feder, und wie viele sagen, die mir ohne Zweifel schmeicheln wollen, dieselbe Tournure.«
Margarethe schaute von Mouy fest an.
»Versteht ihr Lateinisch, Herr von Mouy?« sagte sie.
»Ich verstand es einst,« antwortete der junge Mann, »habe es aber vergessen.«
»Herr von Mouy, Ihr könnt von meiner Verschwiegenheit überzeugt seyn,« fuhr sie fort, »da ich jedoch die Person zu kennen glaube, die Ihr im Louvre sucht, so biete ich Euch meine Dienste an, um Euch sicher zu ihr zu geleiten.«
»Entschuldigt mich, Madame,« sprach von Mouy, »ich glaube, daß Ihr Euch täuscht, und daß Ihr im Gegentheil durchaus nichts wißt…«
»Wie!« rief Margarethe, »sucht Ihr nicht den König von Navarra?«.
»Ach, Madame, leider muß ich Euch vor Allem bitten, meine Anwesenheit im Louvre Seiner Majestät Eurem Gemahl zu verbergen.«
»Hört, Herr von Mouy,« sprach Margarethe erstaunt, »ich habe Euch bis jetzt für eines der entschiedensten Häupter der Hugenotten, für einen der treusten Parteigänger des Königs meines Gemahls gehalten; ich täuschte mich also?«
»Nein, Madame, noch diesen Morgen war ich Alles, was Ihr da sagt.«
»Und warum habt Ihr Euch seit diesem Morgen geändert?«
»Madame,« sprach von Mouy sich verbeugend, »wollt mir die Antwort erlassen und habt die Gnade, meine Huldigung zu genehmigen.«
Und in ehrfurchtsvoller, aber entschiedener Haltung machte von Mouy einige Schritte nach der Thüre, durch welche er eingetreten war.
Margarethe hielt ihn zurück.
»Mein Herr,« sagte sie, »wenn ich Euch um eine Erklärung bitten würde. Mein Wort ist gut, wie es mir scheint.«
»Madame, ich muß schweigen, und daß ich hierzu verpflichtet bin, beweist genugsam, daß ich Eurer Majestät noch nicht geantwortet habe.«
»Jedoch, mein Herr….«
»Eure Majestät kann mich zu Grunde richten, aber nicht verlangen, daß ich meine neuen Freunde verrathe.«
»Doch die alten… haben sie nicht auch einige Rechte auf Euch?«
»Diejenigen, welche treu geblieben sind, ja; diejenigen, welche nicht nur uns, sondern sich selbst verlassen haben, nein!«
Margarethe war nachdenkend und unruhig und wollte ohne Zweifel eben eine neue Frage stellen, als Gillonne plötzlich in das Zimmer stürzte und ausrief:
»Der König von Navarra!«
»Von woher kommt er?«
»Durch den geheimen Gang.«
»Laßt diesen Herrn durch eine andere Thüre hinaus.«
»Unmöglich, Madame, hört Ihr?«
»Man klopft.«
»Ja, an der Thüre, durch welche ich diesen Herrn hinausführen soll.«
»Wer klopft?»
»Ich weiß es nicht.«
»Seht nach und kommt zurück.«
»Madame,« sprach von Mouy, »darf ich es wagen, Eurer Majestät zu bemerken, daß ich, wenn der König von Navarra mich zu dieser Stunde und in dieser Nacht im Louvre sieht, verloren bin?«
Margarethe nahm von Mouy beim Arme, führte ihn nach dem berühmten Cabinet und sprach:
»Tretet hier ein, mein Herr. Ihr seyd hier so gut verborgen und so gut beschützt, als in Eurem eigenen Hause, denn ich verpfände Euch dafür mein Wort.«
Von Mouy stürzte rasch in das Cabinet, und kaum war die Thüre hinter ihm geschlossen, als Heinrich erschien.
Diesmal hatte Margarethe keine Unruhe zu verbergen, und die Liebe lag hundert Meilen von ihren Gedanken.
Heinrich trat mit dem ängstlichen Mißtrauen ein, durch das er auch in dem am wenigsten gefährlichen Augenblicke selbst die geringfügigsten Dinge wahrnahm. Um so mehr war Heinrich unter den Umständen, in denen er sich befand, ein tiefer Beobachter.
Sogleich bemerkte er die Wolke, welche die Stirne von Margarethe verdüsterte.
»Ihr waret beschäftigt, Madame,« sagte er.
»Ja, Sire, ich träumte.«
»Ihr hattet Recht, Madame, die Träumerei steht Euch gut. Ich träumte auch; aber im Gegensatze gegen Euch, die Ihr die Einsamkeit sucht, kam ich ausdrücklich herab, um Euch meine Träume mitzutheilen.«
Margarethe hieß den König durch ein Zeichen willkommen und deutete auf ein Fauteuil, während sie sich selbst auf einen Stuhl von geschnitztem Ebenholz so fein und stark wie Stahl setzte.
Es herrschte einen Augenblick Stillschweigen unter den Gatten. Heinrich unterbrach dasselbe zuerst und sagte:
»Ich erinnere mich, Madame, daß meine Träume in Beziehung auf die Zukunft mit den Eurigen das gemein haben, daß wir als Gatten getrennt dennoch Beide unser Glück zu vereinigen wünschten.«
»Das ist wahr, Sire!«
»Ich glaube auch begriffen zu haben, daß ich bei allen Plänen, die ich nach einem gemeinschaftlichen Grundrisse entwerfen dürfte, in Euch nicht nur eine treue, sondern auch eine thätige Verbündete finden würde.«
»Ja, Sire, und ich verlange nur Eines: daß Ihr, indem Ihr so schnell als möglich zum Werke schreitet, mir Gelegenheit geben möget, ebenfalls bald anzufangen.«
»Ich bin glücklich, Euch in dieser Stimmung zu finden, Madame, und ich glaube, daß Ihr nicht einen Augenblick befürchtet habt, ich könnte den Plan aus dem Blicke verlieren, dessen Ausführung an demselben Tage von mir beschlossen worden ist, wo ich durch Eure muthige Vermittlung der Rettung meines Lebens beinahe sicher war.«
»Mein Herr, ich halte Euere Sorglosigkeit für eine Maske und baue nicht allein auf die Weissagungen der Astrologen, sondern auch aus Eueren erhabenen Geist.«
»Was würdet Ihr aber dazu sagen, wenn Einer käme, um unsere Pläne zu durchkreuzen, mit der Drohung uns, Euch und mich, auf eine mittelmäßige Lage zu beschränken?«
»Ich würde sagen, ich sey bereit mit Euch, im Schatten oder offen, gegen diesen Einen, wer es auch seyn möchte, zu kämpfen.«
»Madame,« fuhr Heinrich fort, »nicht wahr, Ihr habt zu jeder Stunde Eintritt bei dem Herzoge von Alençon? Ihr besitzt sein Vertrauen, und er hegt eine lebhafte Freundschaft für Euch. Darf ich es wagen, Euch zu bitten, nachzusehen, ob er nicht in diesem Augenblick mit irgend Jemand in geheimer Unterredung begriffen ist?«
Margarethe bebte.
»Mit wem, mein Herr?« fragte sie.
»Mit Herrn von Mouy.«
»Warum dieß?« sprach Margarethe, die Bewegung in ihrem Innern zurückdrängend.
»Weil, wenn es sich so verhält dann gute Nacht allen unseren Plänen, wenigstens allen den meinigen.«
»Sire, sprecht leise,« sagte Margarethe, machte ein Zeichen zugleich mit den Augen und den Lippen und deutete mit dem Finger aus das Cabinet.
»Oh! oh!« versetzte Heinrich, »abermals irgend Einer. In der That, dieses Cabinet ist so oft bewohnt, daß es Euer Zimmer unbewohnbar macht.«
Margarethe lächelte.
»Es ist doch wenigstens immer noch Herr de La Mole?« fragte Heinrich.
»Nein, Sire, Herr von Mouy.«
»Er!« rief Heinrich mit einem Erstaunen, in das sich Freude einmischte. »Er ist also nicht bei dem Herzog von Alençon? Ah! laßt ihn kommen, damit ich mit ihm sprechen kann.«
Margarethe lief nach dem Cabinet, öffnete es, nahm von Mouy bei der Hand und führte ihn geraden Wegs vor den König von Navarra.
»Ah! Madame,« sprach der Hugenott, mit einem mehr traurigen als bittern Tone des Vorwurfs, »Ihr verrathet mich, trotz Eueres Versprechens, das ist schlimm. Was würdet Ihr sagen, wenn ich mich rächte, indem ich…«
»Ihr werdet Euch nicht rächen, von Mouy,« unterbrach ihn Heinrich und drückte dem jungen Manne die Hand, »oder Ihr werdet mich wenigstens zuvor anhören. Madame,« fuhr er sich an die Königin wendend fort, »macht, daß uns Niemand hört.«
Heinrich hatte kaum so gesprochen, als Gillonne ganz bestürzt eintrat und Margarethen ein paar Worte zuflüsterte, bei denen diese vom Stuhle aufsprang. Während sie mit Gillonne nach dem Vorzimmer lief, untersuchte Heinrich, ohne sich um die Ursache zu bekümmern, welche sie hinausrief, das Bett, den Raum hinter dem selben, die Vorhange, und befühlte mit den Fingern die Wände. Herr von Mouy aber versicherte sich, aufgebracht über alle diese weitläufigen Vorsichtsmaßregeln, ob sein Degen nicht an der Scheide festhielt.
Als Margarethe das Schlafzimmer verließ, eilte sie in das Vorzimmer und befand sich La Mole gegenüber, welcher, trotz der inständigen Bitten von Gillonne, mit aller Gewalt zu Margarethe dringen wollte.
Coconnas stand hinter ihm, bereit ihn vorwärts zu stoßen oder seinen Rückzug zu unterstützen.
»Ah! Ihr seyd es, Herr de La Mole; aber was habt Ihr denn, warum zittert Ihr, warum seyd Ihr so bleich?«
»Madame,« sprach Gillonne, »Herr de La Mole hat dergestalt an die Thüre geklopft, daß ich, unerachtet der Befehle Eurer Majestät, zu öffnen genöthigt war.«
»Oh! oh! was soll das bedeuten,« sprach die Königin mit strengem Tone, »ist es wahr, was man mir da sagt, Herr de La Mole?«
»Madame, ich wollte Euere Majestät davon in Kenntniß setzen, daß ein Fremder, ein Unbekannter, vielleicht ein Dieb sich mit meinem Mantel und meinem Hute bei Euch eingeschlichen hat.«
»Ihr seyd ein Narr, mein Herr,« erwiederte Margarethe, »denn ich sehe Eueren Mantel auf Eueren Schultern, und ich glaube, Gott soll mir vergeben, ich sehe auch Euern Hut auf Euerm Kopfe, während Ihr mit einer Königin sprecht.«
»Verzeihung, Madame, Verzeihung!« rief La Mole, rasch den Hut abnehmend. »Gott sey mein Zeuge, es ist nicht Mangel an Achtung.«
»Nein es ist das Vertrauen, nicht wahr?« sprach die Königin.
»Was wollt Ihr?« rief La Mole, »wenn ein Mann bei Euerer Majestät ist, wenn er sich, meine Tracht und vielleicht auch meinen Namen annehmend, einschleicht, wer weiß?«
»Ein Mann!« sprach Margarethe, dem armen Verliebten sanft die Hand drückend, »ein Mann!… Ihr seyd bescheiden, Herr de La Mole, nähert Eueren Kopf der Oeffnung des Vorhanges und Ihr werdet zwei Männer sehen.«
Margarethe öffnete wirklich ein wenig den Thürvorhang von goldgesticktem Sammet, und La Mole erkannte Heinrich, der mit einem Manne in rothem Mantel sprach; neugierig, als ob es sich um seine eigene Person gehandelt hätte, schaute Coconnas auch und sah und erkannte von Mouy; Beide blieben voll Erstaunen.
»Nun, da Ihr, wenigstens wie ich hoffe, beruhigt seyd,« sprach Margarethe, »stellt Euch an die Thüre meiner Wohnung, und laßt Niemand eintreten… bei Euerem Leben, mein lieber La Mole. Nähert sich Jemand auch nur dem Treppenplatze, so gebt Nachricht.«
Schwach und gehorsam wie ein Kind, ging La Mole hinaus, schaute Coconnas an, der ihn ebenfalls anschaute, und Beide waren außen, ohne sich von ihrer Verwunderung erholt zu haben.
»Von Mouy!« rief Coconnas.
»Heinrich!« murmelte La Mole.
»Von Mouy, mit Deinem kirschrothen Mantel, Deiner weißen Feder und Deinem Arm als Schwengel.«
»Doch höre,« versetzte La Mole, »da es sich nicht um Liebe handelt, so handelt es sich um ein Complott.«
»Ah! Mordi!« sprach Coconnas brummend, »wir stecken also in der Politik. Zum Glück sehe ich in Allem dem nicht Frau von Nevers.«
Als Margarethe zurückkehrte, setzte sie sich neben die in der Unterredung begriffenen zwei Männer. Ihre Abwesenheit hatte nur eine Minute gedauert und die Zeit war gut von ihr benützt worden: Gillonne in dem geheimen Gange aufgestellt, die zwei Edelleute als Schildwachen an dem Haupteingange verliehen ihr vollkommene Sicherheit.
»Madame,« sprach Heinrich, »glaubt Ihr, es wäre durch irgend ein Mittel möglich, uns zu hören oder zu behorchen?«
»Mein Herr,« sprach Margarethe, »dieses Zimmer ist ausgepolstert und ein doppeltes Täfelwerk bürgt mir für die Dämpfung.«
»Ich verlasse mich auf Euch,« versetzte Heinrich lächelnd.
Dann sich gegen von Mouy umwendend, sprach der König mit leiser Stimme und als ob, trotz der Versicherung von Margarethe, seine Befürchtungen noch nicht ganz beseitigt wären:
»Sprecht, in welcher Absicht kommt Ihr hierher?«
»Hierher?« sagte von Mouy.
»In, hierher, in dieses Zimmer.«
»Er kam in keiner Absicht,« versetzte Margarethe, »ich habe ihn hierher gezogen.«
»Ihr wußtet also? …«
»Ich habe Alles errathen.«
»Ihr seht wohl, von Mouy, daß man errathen kann.«
»Herr von Mouy«, fuhr Margarethe fort, »war diesen Morgen bei dem Herzog Franz in dem Zimmer von zweien seiner Edelleute…«
»Ihr seht wohl, Herr von Mouy«, wiederholte Heinrich, »daß man Alles weiß.«
»Das ist wahr,« sprach von Mouy.
»Ich wußte gewiß,« sagte Heinrich, »daß sich der Herzog von Alençon Euerer bemächtigt hatte.«
»Das ist Euer Fehler, Sire, warum habt Ihr so hartnäckig ausgeschlagen, was ich anbot?«
»Ihr habt Euch geweigert!« rief Margarethe. »Diese Weigerung, von der ich ein Vorgefühl hatte, ist also wirklich geschehen?«
»Madame,« sprach Heinrich, »und Du, mein braver Mouy, in der That, Ihr macht mich lachen mit Eueren Ausrufungen. Wie! es tritt ein Mensch ein, spricht mir von Thron, von Empörung, von Umsturz, mir, Heinrich, einem Prinzen, der geduldet wird, vorausgesetzt, daß er die Stirne niedrig trägt, einem Hugenotten, den man unter der Bedingung schont, daß er den Katholiken spielt, und ich soll einwilligen, wenn man mir die Anträge in einem Zimmer macht, das weder ausgepolstert, noch mit doppeltem Täfelwerk versehen ist! Ventre-saint-gris! Ihr seyd Kinder oder verrückt.«
»Aber, Sire, konnte Euere Majestät mir nicht einige Hoffnung, wenn nicht durch Worte, doch wenigstens durch eine Geberde, durch ein Zeichen lassen?«
»Was hat Euch mein Schwager gesagt, von Mouy?«
»Oh! Sire, das ist nicht mein Geheimniß.«
»Ei! mein Gott,« versetzte Heinrich, gewisser Maßen ungeduldig, daß er es mit einem Menschen zu thun hatte, der seine Worte so schlecht begriff, »ich frage nicht, welche Vorschläge er Euch gemacht hat, ich frage nur, ob er horchte, ob er gehört hat?«
»Er horchte, Sire, und er hat gehört.«
»Er horchte und hat gehört? Ihr sagt es selbst, von Mouy! Armer Verschwörer, hätte ich ein Wort gesprochen, so wäret Ihr verloren gewesen. Denn, wenn ich es auch nicht wußte, so vermuthete ich doch, daß er da war, und wenn nicht er, so irgend ein Anderer, Karl IX., der Herzog von Anjou, die Königin Mutter; Ihr kennt die Wände des Louvre nicht, von Mouy; für sie ist das Sprichwort gemacht worden: die Wände haben Ohren, und ich, der ich diese Wände kenne, hätte sprechen sollen? Mein lieber von Mouy, Ihr erzeigt dem Verstande des Königs von Navarra wenig Ehre, und ich wundere mich, daß Ihr, da Ihr ihn in Euerem Geiste nicht höher stellt, gekommen seyd, um ihm eine Krone anzubieten.«
»Aber, Sire,« versetzte von Mouy abermals, »konntet Ihr mir, während Ihr diese Krone ausschluget, nicht wenigstens ein Zeichen machen? ich hätte nicht Alles für verzweifelt, für verloren gehalten.«
»Ei, Ventre-saint-gris, wenn er horchte, konnte er nicht eben so gut auch sehen, und ist man durch ein Zeichen nicht eben so verloren, wie durch ein Wort? Hört, von Mouy,« fuhr der König, um sich her schauend, fort, »zu dieser Stunde, so nahe bei Euch, daß unsere Worte den Kreis von unsern drei Stühlen nicht überschreiten, befürchte ich noch gehört zu werden, wenn ich Dir sage: von Mouy wiederhole mir Deine Vorschläge!«
»Aber, Sire,« rief von Mouy in Verzweiflung, »nun habe ich Verbindlichkeiten gegen den Herzog von Alençon eingegangen.«
Margarethe schlug voll Aerger ihre zwei schönen Hände an einander.
»Es ist also zu spät?« sagte sie.
»Im Gegentheil,« murmelte Heinrich, »begreift doch, daß der Schutz Gottes hierin sichtbar ist. Bleibe mit ihm in Verbindung, von Mouy, denn dieser Franz ist das Heil von uns Allen. Glaubst Du denn, der König von Navarra könnte alle Eure Köpfe verbürgen? Im Gegentheil, Unglücklicher, ich mache, daß man Euch Alle bis auf den Letzten, und zwar bei dem geringsten Verdachte tödtet. Aber ein Sohn von Frankreich, das ist etwas Anderes! Nimm Beweise, von Mouy, fordere Garantien! Aber bei Deiner Einfalt hast Du wohl Verbindlichkeiten mit dem Herzen eingegangen und ein Wort hat Dir genügt.«
»Oh! Sire, glaubt mir«, rief von Mouy, »die Verzweiflung darüber, daß Ihr uns verließet, hat mich dem Herzog in die Arme geworfen, dabei auch die Furcht verrathen zu werden, denn er besaß unser Geheimniß.«
»Besitze das seinige ebenfalls, von Mouy, das hängt von Dir ab. Was wünscht er? König von Navarra zu werden. Versprich ihm die Krone. Was will er? Den Hof verlassen! Liefere ihm die Mittel zur Flucht. Arbeite für ihn, von Mouy, als ob Du für mich arbeiten würdest; lenke den Schild, daß er die Streiche parire, die man nach uns führt. Muß man fliehen, so werden wir zu Zwei fliehen. Muß man kämpfen und regieren, so werde ich allein seyn.«
»Mißtraut dem Herzog,« sprach Margarethe, »es ist ein finsterer, durchdringender Geist, ohne Haß und ohne Freundschaft, stets bereit seine Freunde als Feinde, seine Feinde als Freunde zu behandeln.«
»Und er erwartet Euch, von Mouy?« sprach Heinrich.
»Ja, Sire.«
»Wo dies?«
»In dem Zimmer jener zwei Edelleute!«
»Um welche Stunde?«
»Um Mitternacht.«
»Noch nicht elf Uhr,« versetzte Heinrich, »es ist noch keine Zeit verloren, geht, von Mouy.«
»Wir haben Euer Wort, mein Herr,« sprach Margarethe.
»Stille doch, Madame,« sagte Heinrich mit dem Vertrauen, das er bei gewissen Personen und bei gewissen Gelegenheiten so gut an den Tag zu legen wußte. »Bei Herrn von Mouy fragt man nicht einmal nach solchen Dingen.«
»Ihr habt Recht, Sire,« antwortete der junge Mann, »aber ich bedarf des Eurigen, denn ich muß den Führern sagen, daß ich es erhalten habe. Nicht wahr, Ihr seyd nicht Katholik?«
Heinrich zuckte die Achseln.
»Ihr leistet nicht auf das Königreich Navarra Verzicht?«
»Ich leiste auf kein Königreich Verzicht, nur behalte ich mir vor, das beste zu wählen, d. h. dasjenige, das am meisten mir und Euch genehm ist.«
»Und wenn mittlerweile Eure Majestät verhaftet würde, verspricht sie, nichts zu enthüllen, sogar falls man die königliche Majestät durch die Folter verletzen würde?«
»Von Mouy, ich schwöre es Euch bei Gott.«
»Sire, ein Wort. Wie soll ich Euch wieder sehen?«
»Ihr erhaltet schon morgen den Schlüssel zu meinem Zimmer. Ihr tretet ein, von Mouy, so oft es nothwendig ist, und wann Ihr wollt. Der Herzog von Alençon hat Eure Anwesenheit im Louvre zu verantworten. Mittlerweile geht die kleine Treppe hinaus. Ich werde Euch als Führer dienen. Unterdessen läßt die Königin hier den dem Eurigen ähnlichen rothen Mantel eintreten, welcher so eben im Vorzimmer war. Man soll keinen Unterschied zwischen den Beiden machen und nicht wissen, daß Ihr doppelt seyd?«
