Sadece Litres'te okuyun

Kitap dosya olarak indirilemez ancak uygulamamız üzerinden veya online olarak web sitemizden okunabilir.

Kitabı oku: «Salvator», sayfa 81

Yazı tipi:

CVI
Wo die Resultate der Seeschlacht von Navarin unter einem neuen Gesichtspunkt betrachtet werden

Während Herr von Marande Jean Robert die Ursache seines Besuches so hübsch erklärte, wollen wir sehen, was bei Herrn von Valgeneuse oder vielmehr außerhalb seines Hauses mit ihm vorging.

Lorédan hatte sich, wie wir sagten, aus dem Hotel von Frau von Marande davongeschlichen; er hatte jedoch, wie wir ebenfalls sagten, die Ungeschicklichkeit gehabt, als er in der Eile die Treppe hinabstürzte, an Herrn von Marande zu stoßen, dessen Licht dadurch erlosch, während sein Portefeuille zu Boden fiel.

Wie rasch er auch zu verschwinden sich Mühe gegeben, er war beinahe sicher, daß ihn der Banquier erkannt haben mußte; in jedem Falle konnte ihm darüber kein Zweifel bleiben, daß Jean Robert ihn erkannt; er war deßhalb darauf gefaßt, im Verlaufe des Morgens den Besuch eines der beiden Herren und vielleicht sogar beider zu empfangen.

Er zählte jedoch auf diese Besuche nur von neun bis zehn Uhr Morgens. Er hatte deßhalb inzwischen Zeit genug, gewisse Erkundigungen einzuziehen, die ihm in der Lage, in der er sich befand, vor allem von Wichtigkeit zu sein schienen.

Diese Ausschlüsse erwartete er von Mademoiselle Nathalie.

Gegen sieben Uhr Morgens verließ er, deßhalb das Hotel, sprang in ein Cabriolet und ließ sich nach der Rue Lafitte fahren, wo er dachte, die Herrschaft werde noch nicht ausgestanden sein. Er würde dann um so leichter mit der Kammerfrau sprechen können.

Der Zufall kam Herrn von Valgeneuse weit über seine Wünsche entgegen; in dem Augenblicke, als er vor dem Hotel ankam, verließ es Madamoiselle Nathalie mit ihrem Koffer.

Herr von Valgeneuse machte ihr von seinem Cabriolet aus ein Zeichen.

Die Kammerfrau erkannte ihn und kam auf das Zeichen herbei.

»Ah! mein Herr.« sagte sie, welches Glück, daß ich Sie finde.«

»Ich wollte Dir das Gleiche sagen,« antwortete der junge Mann; »denn ich suchte Dich. Nun?«

»Nun, sie hat mich fortgeschickt,« sagte die Kammerfrau.

»Und wohin wolltest Du?«

»In ein Hotel, um bis zu Mittag zu warten.«

»Und wohin wolltest Du zu Mittag gehen?«

»Ich wollte zu Mademoiselle gehen und sie bitten, sich meiner anzunehmen; denn wegen Ihrer und weil ich nach Ihren Instruktionen gehandelt; hat man mich fortgeschickt.«

»Du brauchst deßhalb nicht bis Mittag zu warten; Susanne steht sehr früh auf; sage ihr, was Dir begegnet, sie wird Dich wieder nehmen; ich bin Dir eine Entschädigung schuldig und werde sie Dir geben, verlasse Dich darauf.«

»O ich war darum nicht besorgt, ich wußte, daß Sie zu gerecht sind, um mich auf der Straße zu lassen.«

»Aber sage mir, was ist nach meinem Weggange geschehen?«

»Es gab eine große Scene zwischen Frau von Marande und Herrn Jean Robert, und am Schlusse derselben hat Herr Jean Robert geschworen, sich nicht mit Ihnen zu schlagen.«

»Glaubst Du an die Schwüre eines Dichters?«

»Nein; er muß in diesem Augenblicke bei Ihnen sein.«

»Nein, ich komme von Hause. Er war noch nicht bei mir. Und dann?«

»Dann ging die gnädige Frau in ihr Zimmer; dort verabschiedete sie mich.«

»Und dann?«

»Dann hatte sie sich kaum zu Bette gelegt, als Herr von Marande eintrat.«

»Wo?«

»In dem Zimmer seiner Frau.«

»In dem Zimmer seiner Frau? Du sagtest mir doch, daß er nie dahin komme.«

»Es scheint, daß in Fällen von großer Wichtigkeit eine Ausnahme eintritt.«

»Und weißt Du, aus welchem Grunde er zu seiner Frau kam?«

»O, seien Sie ruhig,« sagte Nathalie, indem sie mit der Schamlosigkeit eines Marton aus den Zeiten Ludwig XV. lachte, »es geschah nicht aus dem richtigen Grunde.«

»Ah! Du befreist mich von einer schweren Last, mein Kind. Und warum kam er? Sage mir das.«

»Um Frau von Marande zu beruhigen.«

»Was verstehst Du darunter? Wie, vollende, Du hast doch sicher ein wenig an der Thüre im ersten Stock gelauscht, wie Du an der Thüre des zweiten gelauscht.«

»Wenn ich es gethan, so geschah es nur, um Ihnen einen Dienst zu erzeigen, das schwört ich Ihnen.«

»Gewiß! aber was haben sie gesprochen?«

»Nun denn, es schien mir, als ob Herr von Marande die Partei von Herrn Jean Robert ergriffe.«

»Wahrhaftig, das fehlte noch, Nathalie! Der Mann ist eine Perle. – Und was hat er dann gethan, nachdem er seine Frau beruhigt und zu Gunsten des Herrn Jean Robert gesprochen?«

»Er hat die Hand seiner Frau respectvoll geküßt und zog sich auf den Zehenspitzen nach seinem Zimmer zurück.«

»Ah, ah, also habe ich es mit ihm zu thun?«

»Ich möchte darauf schwören.«

»Nun, so darf ich ihn nicht warten lassen.Wenn ich einen geschlossenen Wagen hatte, würde ich Dich mit mir nehmen, mein Kind; aber Du begreifst, im Cabriolet ist es unmöglich. Steige in einen Fiaker und folge mir.«

»Sie wissen also»was Ihnen droht?«

»Ja, Nathalie, und ein Mann, der weiß, was ihm droht gilt für zwei.«

Herr von Valgeneuse gab dem Kutscher seine Adresse und das Cabriolet fuhr rasch nach dem Hotel zurück.

Man höre, was während der Spazierfahrt des Herrn von Valgeneuse geschah.

Mademoiselle Susanne, – die wir seit der Soiree im Hotel Marande, wo sie mit Camille von Rozan zu coquettiren angefangen, nicht mehr gesehen – Mademoiselle Susanne hatte ihre Zeit nicht verloren, während Carmelite dagegen die ihrige damit verlor, daß sie in Ohnmacht fiel, als sie den Mann, der Ursache an dem Tode Colombau’s gewesen, heiter, glücklich und sorglos seine süßen Reden nach rechts und links austheilen sah,

Seit der Nacht, in welcher Susanne von Valgeneuse trotz der schwarzen Augen von Madame Camille von Rozan, die sich voll spanischer Drohungen auf sie gerichtet, ihr Netz nach dem Amerikaner ausgeworfen, war kein Tag vergangen, ohne daß Camille, wie durch Zufall, Mademoiselle Susanne in der Oper, bei den Bousses, bei den Wettrennen, im Bois, in den Tuilerien und in zwanzig Salons begegnet, wo Beide Zugang hatten.

Nach und nach wurden aus den zufälligen Begegnungen förmliche Rendezvous. Camille machte seine Liebe offenkundig und Fräulein von Valgeneuse ließ sich kompromittieren, ohne sich viel darum zu kümmern.

Eines Morgens that sie mehr, – sie gestand daß sie die Liebe des Creolen theile.

Eines Abends that sie noch mehr – sie gab davon den deutlichen-Beweis.

Seit jenem Abend kam Camille von Rozan nach dem Hotel Valgeneuse, so oft es die Eifersucht seiner Ehehälfte gestattete. Es war dies gewöhnlich Morgens, wenn die Spanierin nach schlief.

Auf diese Weise hatte Herr von Marande, als er von Jean Robert wegging, um sich nach den Tuilerien zu begeben, Camille von Rozan am Ende der Rue du Bai begegnet.

Und da der Creole, der sich trotz seiner gewöhnlichen Discretion wenig darum kümmerte, ob er gesehen wurde, ihn gegrüßt hatte, so fragte ihn der Banquier:

»Wo zum Teufel kommen Sie zu solcher Stunde her?«

»Von Herrn von Valgeneuse,« antwortete dieser.«

»Sie kennen sich also?«

»Sie haben uns ja vorgestellt.«

»Das ist wahr, ich hatte es vergessen.«

Und nachdem sich der Creole und der Banquier gegrüßt, gingen beide in entgegengesetzter Richtung.

Lorédan war, als er nach Hause kam, in hohem Grade erstaunt, weder von Jean Robert, noch von Herrn von Marande eine Botschaft vorzufinden.

Man weiß die Ursache dieses Umstandes.

Die Freunde, oder geben wir ihnen den wahren Titel, den sie in diesem Momente verdienen, die Zeugen Jean Robert’s hatten dem Banquier versprochen, auf neue Instructionen zu warten und frühstückten deßhalb im Café Desmares, während Herr von Marande nicht zu Herrn von Valgeneuse gehen wollte, ehe er Jean Robert gesprochen.

Um halb zwölf, als Herr Lorédan von Valgeneuse gerade sein Frühstück beendigt, meldete man ihm Herrn von Marande.

Er befahl, ihn in den Solon zu führen, und um das Versprechen zu halten, das er Nathalie gegeben, ihn nicht lange warten zu lassen, trat er selbst dort alsbald ein.

Nach den gewöhnlichen Begrüßungen ergriff Herr von Valgeneuse zuerst das Wort.

»Ich habe gestern Abend erst,« sagte er, »Ihre Ernennung zum Minister erfahren und hatte mir vorgenommen, Ihnen heute einen Glückwunsch darzubringen.«

»Herr von Valgeneuse,« antwortete der Banquier trocken, »ich nehme an, daß Sie den Grund meines Besuches nicht kennen. Ich bitte Sie, mir denselben abkürzen zu helfen, denn wir haben beide keine Zeit in unnützen Complimenten zu verlieren.«

»Ich stehe ganz zu Ihrem Befehl, mein Herr,« sagte Lorédan, »obgleich ich nicht im Geringsten ahne, was Sie mir zu sagen haben.«

»Sie waren gestern Abend ohne meine Einladung in meinem Hause, zu einer Stunde, wo man sich gewöhnlich nur dann bei den Leuten einfindet, wenn man eingeladen ist.«

Lorédan brauchte, da die Frage so ohne Umschweife gestellt war, nur einfach zu antworten.

Er that mehr als einfach antworten, er antwortete unverschämt.«

»Es ist wahr,« sagte er, »ich muß gestehen, daß ich keine Einladung erhalten – namentlich nicht von Ihnen.«

»Sie haben von Niemanden eine solche erhalten, mein Herr.«

Herr van Valgeneuse verbeugte, sich, ohne zu antworten, wie Jemand, der sagen will: »Fahren Sie fort.«

»Herr von Marande fuhr fort:

»Nachdem Sie mal im Hotel waren, drangen Sie bis in eines der Schlafzimmer von Frau von Marande und versteckten sich im Alkoven.«

»Ich sehe mit Bedauern,« sagte in possenhaftem Tone Herr von Valgeneuse, »daß Sie vortrefflich unterrichtet sind.«

»Nun gut, mein Herr, da Sie diese Thatsache nicht bestreiten, werden Sie ohne Zweifel auch gegen die Folgen keine Einwendung machen können.«

»Sagen Sie sie mir, mein Herr, und ich will sehen, ob ich nichts einzuwenden habe.«

»Nun gut, mein Herr, die Folgen dieser Thatsache sind, dass Sie meine Frau absichtlich beleidigt haben.«

»Nun freilich!« machte Herr von Valgeneuse in prahlerischem Tone, »ich muß dies eingestehen,« da Zeugen zugegen waren.«

»So werden Sie es ganz natürlich finden, mein-Herr, fuhr der Banquier fort, »daß ich von Ihnen Rechenschaft für diese Beleidigung fordere.«

»Ich stehe zu Befehl und sogleich, wenn Sie wollen; ich habe gerade am Ende des Gartens. Eine Laube, welche für einen Zweikampf wie gemacht schien.«

»Ich bedaure, für den Augenblick von Ihrer liebenswürdigen Proposition keinen Gebrauch machen zu können, unglücklicher Weise können die Sachen nicht so schnell gehen.«

»Ah!« machte Herr von Valgeneuse, »Sie haben vielleicht noch nicht gefrühstückt; ich kenne Personen, die sich nicht gerne nüchtern schlagen, mir wäre das vollkommen gleichgültig.«

»Ich habe einen wichtigen Grund zum Warten,« antwortete der Banquier, ohne auf den mittelmäßigen Scherz seines Mitunterredners zu achten zu scheinen. »Es gilt die Ehre eines Namens zu schonen, und ich bedaure genöthigt zu sein, Sie daran erinnern zu müssen.«

»Bah!« sagte Herr von Valgeneuse, »was liegt an einem Namen? Après nous le déluge!«

Der Banquier versetzte ernst:

»Es steht Ihnen ganz frei, mein Herr, mit Ihrem Namen zu machen, was Sie wollen. Aber mir liegt daran, daß der meinige geachtet sei, und ihn nicht lächerlich werden zu lassen; ich habe deßhalb die Ehre, Ihnen einen Vorschlag zu machen.«

»Sprechen Sie mein Herr, ich höre.«

»Es ist, glaube ich, lange her, dass Sie das Wort in der Pairskammer nicht mehr ergriffen haben.«

»Allerdings, mein Herr . . . Aber welche Beziehung kann die Pairskammer zu der Sache haben, die uns beschäftigt?«

»Eine direkte Beziehung, wie Sie sehen werden. Man hat in diesen Tagen die Nachricht von der Seeschlacht von Navarin erhalten.«

»Allerdings; aber . . . «

»Warten Sie. Man wird sich morgen in der Kammer mit den türkischen und griechischen Angelegenheiten beschäftigen, die durch die Wahlen und die Folgen derselben unglücklicher Weise in den Hintergrund getreten sind.«

»Ich glaube mich wirklich zu erinnern, daß jemand das Wort in dieser Frage verlangt hat.«

»Nun, ich komme, Ihnen den Vorschlag zu machen, es ebenfalls zu verlangen.«

»Aber wo zum Teufels wollen Sie damit hinaus?« machte der junge Pair, indem er dem Banquier ziemlich unverschämt in’s Gesicht lachte.

Dieser that, als ob er diese neue Unziemlichkeit nicht bemerkte und fuhr in demselben kalten und ernsten Tone fort:

»Die griechische Frage ist von der höchsten Wichtigkeit und dem größten Interesse, wenn man sie von allen Seiten betrachtet. Es läßt sich aus einem solchen Vorwurf der größte Nutzen ziehen und ich bin überzeugt, daß wenn Sie sich die Mühe geben wollen, Sie diese Gelegenheit ergreifen werden, um eine ausgezeichnete Rede zu halten. Verstehen Sie mich jetzt?«

»Weniger als je, muß ich Ihnen sagen.«

»So soll ich Ihnen also Alles sagen?«

»Sprechen Sie.«

»Nun gut, mein lieber Herr von Valgeneuse,ich bin ein leidenschaftlicher Parteigänger der Griechen. Ich habe sogar irgendwo etwas darüber geschrieben. Sie, der Sie noch keine Partei in dieser Sache ergriffen haben, werfen Sie sich zum Türkenfreund auf und fallen Sie über die Philhellenen her; bei Gelegenheit der Türken und Griechen finden Sie einen Grund, mich zu insultiren und das auf eine Weise, daß ich öffentlich von Ihnen Rechenschaft fordern kann. Bin ich Ihnen diesmal klar?«

»O! vollkommen, und so wunderlich auch ihr Vorschlag ist, ich nehme es mit Freuden an, weil es Ihnen so angenehm ist.«

»Auf morgen also, mein Herr; nach der Sitzung werde ich die Ehre haben, Ihnen meine Zeugen zuschicken.«

»Warum morgen? Es ist noch nicht ein Uhr. Ich habe noch Zeit, mich in die Kammer zu begeben und heute zu sprechen.«

»Ich wagte nicht, Ihnen diesen Vorschlag zu machen, da ich fürchtete, Sie möchten bereits über Ihren Tag verfügt haben.«

»O! Umstände mit mir zu machen.«

»Sie sehen, daß ich keine mache, da ich annehme,« sagte Herr von Marande rasch, indem er sich verbeugte; »aber beeilen Sie sich.«

»Ich fordere nur so viel Zeit, um anspannen zu lassen.«

»Ein Anderer könnte Ihnen zuvorkommen, das Wort wird nach der Reihe der Einzeichnungen ertheilt. Anspannen lassen, hieße unnütz eine Viertelstunde verlieren.«

»Aber ein Mittel zu finden, es anders zu machen. Sie schlagen mir doch nicht vor, den Weg von hier nach dem Luxembourg zu Fuß zu machen, falls nicht Ihr Wagen unten ist und Sie mir einen Platz anbieten? . . . «

»Ich wollte Ihnen eben den Vorschlag machen,« sagte Herr von Marande.

»Ich nehme dankbar an,« versetzte Herr von Valgeneuse.

Und die beiden Männer, welche eben miteinander verabredet, sich den andern Tag umzubringen, verließen Arm in Arm das Hotel wie Freunde.«

Als sie aus dem Hotel traten, begegnete Herr von Marande wie am Morgen Camille von Rozan.

Der Creole stieg aus dem Wagen.

»Es ist heute zum zweiten Male, daß ich das Vergnügen habe, Sie beinahe am selben Platze zu begegnen,« sagte Herr von Marande.

»Und ich deßhalb natürlich ebenfalls antwortete Camille; »es ist keiner von jenen Zufällen, welche es immer in der Welt gab, und Molière hat einen Vers darauf gemacht; ich glaube;

»Der Ort ist mir günstig u.s.w. u.s.w.«

»Wenn Sie Herrn von Valgeneuse etwas zusagen haben versetzte der Banquier, »so beeilen Sie sich, denn er wird Ihnen selbst bestätigen, daß er große Eile hat.«

»Wollen Sie wirklich mich besuchen, lieber Freund?« sagte Lorédan, indem er Camille die Hand bot.«

»Gewiß versetzte der Creole, leicht erröthend.

»Nun, da thut es mir leid; Sie finden mich nicht, ich muss eben weggehen sagte Lorédan in den Wagen steigend; »aber treten Sie nur ein, Sie werden meine Schwester finden, deren Anblick Ihnen, wie ich glaube, so angenehm sein wird, als der meine, Leben Sie wohl, auf baldiges Wiedersehen!«

Und der Wagen fuhr im Galopp davon.

Zehn Minuten später trat Herr von Valgeneuse, in die Pairskammer und verlangte das Wort.

CVII
Von der Rede des Herrn Lorédan von Valgeneuse in der Pairskammer und ihren Folgen

Der Sieg von Navarin, die letzte Reaktion Europas gegen Asien, war eben mit sechsjährigen unaufhörlichen und riesenhaften Kämpfen erkauft worden. Die modernen Epaminondas, Alcibiades, Themistocles setzten die ganze Welt in Staunen; man hätte glauben können, sie haben wie Theseus die schweren Schrecken ihrer Väter, welche auf den Schlachtfeldern von Marathon, Leuctra und Mantinea begraben lagen, aufgefunden.

Als das Unabhängigkeitsgefühl plötzlich wieder nach so vielen Jahren des Schlummers unter dem Sturmwinde der Französischen Revolution erwachte, schlug das Herz von ganz Europa. Hugo und Lamartine hatten sie besungen, Byron war für sie gestorben. Ihre Sache war gewissermaßen die Sache von Frankreich geworden und man hatte ihr Unterliegen beweint, wie man bei ihren Siegen jauchzte.

Aber je allgemeiner und nationaler dieser Sieg war, desto weniger war er nach dem Geschmack des Herrn von Villèle, und man wird sich erinnern, daß sich Niemand gegen die griechische Revolution feindlicher gezeigt, als er.

Als deßhalb Herr Lorédan von Valgeneuse, dessen ultraroyalistischen Gesinnungen bekannt waren, das Wort verlangte, rief die Hälfte oder vielmehr zwei Drittheile der Pairs, welche die Ansichten des ehrenwerthen Pairs theilten, wie mit einer Stimme:

»Sprechen Sie! Sprechen Sie!«

Nachdem er kurz die Hauptphasen der Insurrection resumirt, kam Herr von Valgeneuse unter dem Beifall des ganzen Saales zu dem Punkte seiner Rede, wo er die unheilvollen Ereignisse beklagte, die man mit dem Namen Siege verherrliche.

»Und dennoch,« fuhr er fort, »wüßten wir der Regierung, der Majorität keinen Vorwurf zu machen; aus einem chevaleresken Gefühle, das bis zu den Kreuzzügen zurück datiert, hat sie die unglückselige Coalition gegen die Türken gestattet. Bewahren wir unsern ganzen Zorn, unsere ganze Strenge für die, welche sie verdient, für die, welche aus Unüberlegtheit oder Interesse Revolutionen bei andern unterhalten, da sie sie im eigenen Lande nicht schüren können. Ich will niemanden nennen fügte der Redner hinzu, »und doch ist der Name eines berühmten Banquiers auf Aller Lippen. Man weiß, aus welcher Kasse die Revolution die Schätze schöpft, mit denen sie existiert. Und ich frage Sie, meine Herren, müßte ich auch die Frage mit meinem Blute bezahlen, wenn ich an die Aufstände der jüngsten Tage denke, ist es nicht erlaubt zu sagen, daß der, welcher die Aufständischen Griechenlands subventionirt, eben so gut die Griechen von Paris subventioniren kann?«

Diese Antithese erregte einen donnernden Applaus; der Name des Herrn von Marande flog von Munde zu Munde; der Banquier war in der Pairskammer nicht beliebt; seine plötzliche, unerwartete Ernennung zum Finanzminister hatte die Ansicht, die man von Ihm hegte, nicht geändert. Man war deßhalb entzückt, ihn so öffentlich von Herrn von Valgeneuse angeklagt zu sehen.

Es entstand indessen mitten unter den Beifallsbezeugungen ein Gemurmel.

Der General Herbel unterbrach den jungen Pair, und protestierte von seinem Platze aus gegen das, was eben gesagt wurde, indem er Herrn von Valgeneuse aufforderte, sein Wort zurückzunehmen, das ganz den Charakter einer groben Beleidigung habe.

»Beleidigung, allerdings!« versetzte Herr von Valgeneuse, »wenn die Wahrheit Ihnen eine Beleidigung scheint . . . «

»Aber,« rief ein anderer Pair, »es ist nicht möglich, daß Sie Herrn von Marande ernstlich beschuldigen, die Aufrührer der Rue Saint Denis unterstützt zu haben.«

»Sie sind es, der ihn nennt, und nicht ich, mein Herr,« antwortete Herr von Valgeneuse auf die impertinenteste Weise.

»Jesuit!« murmelte der General laut genug, um gehört werden zu können.

Herr von Valgeneuse nahm das Wort lebhaft auf, gerieth jedoch nicht in Zorn, wie man hatte glauben sollen.

»Wenn der General,« sagte er, »mich durch das Wort Jesuit zu beleidigen glaubt, so begeht er den größten Irrthum. Das ist gerade wie wenn ich ihn Soldat nennte. Ich glaube nicht, daß er darin eine Beleidigung sähe.«

Die Verhandlung wurde dabei abgebrochen und man ging zur Tagesordnung über.

Als General Herbei gegen fünf Uhr nach Hause kam, fand er Herrn von Marande, der ihn erwartete.

Der Banquier war bereits von dem Vorfall in der Kammer und den begleitenden Umständen unterrichtet.

Der General ahnte, als er seiner ansichtig wurde, sogleich die Ursache, die ihn herführte, bot ihm die Hand und ließ ihn sitzen.

»General!« sagte der Banquier, »ich habe mit dem größten Erstaunen erfahren, daß Herr von Valgeneuse, freilich ohne mich zu nennen, indem er mich jedoch so deutlich als möglich bezeichnete, mich in der Pairskammer beleidigt hat; freilich erfuhr ich zu gleicher Zeit, zu meiner großen Befriedigung, ja zu meinem Stolze, daß Sie mich vertheidigten. Von Herrn von Valgeneuse beleidigt und von Ihnen vertheidigt zu werden, ist eine doppelte Ehre, die ich in hohem Grade zu würdigen weiß. Ich wollte deßhalb keine Minute verlieren, ehe ich zu Ihnen käme, um Ihnen für Ihre Intervention in dieser Sache zu danken.«

Der General verbeugte sich mit der Miene eines Mannes, welcher sagen will: »Ich habe nur meine Pflicht gethan.«

»Es hat mir ferner,« fuhr der Banquier fort, »die Hoffnung gegeben, daß Sie, indem Sie sich mit mir verbinden, ohne von mir gebeten zu sein«mich in der Folge, die ich der Beleidigung zu geben gedenke, nicht verlassen wollen.«

»Ich stehe zu Befehl, mein lieber Herr von Marande, und wahrhaftig, da ich Sie kenne, wie ich Sie kenne, war ich auf dem Punkte, den Gang, den Sie zu mir machen, nicht abzuwarten, sondern sogleich beim Verlassen der Kammer in Ihrem Namen Genugthuung von Ihrem Beleidiger zu fordern.«

»Diese Absicht macht das Maaß Ihrer Güte gegen mich voll, General, denn sie sagt mir, welch freundliche Gesinnungen Sie für mich hegen.«

»Sie kennen Ihren Gegner?« fragte der General.

»Wenig.«

»Es ist ein junger Geck, der mit seinen Ideen nicht im Reinen ist.«

»O!« machte Herr von Marande, indem er die Stirne runzelte und seinem Gesichte einen Ausdruck von Haß verlieh, dessen man es gar nicht für fähig gehalten.

»Diese Art von Buben.« machte der General, »haben selten nach Tische dieselbe Ansicht, wie vor Tische.«

»Nun, General,« sagte Herr von Marande lachend, »es gibt ein Mittel, ihn daran zu hindern, seine Meinung bis nach Tische zu ändern.«

»Welches?«

»Alles vor Tische mit ihm in’s Reine zu bringen.«

Der Banquier zog seine Uhr heraus.

»Es ist erst fünf Uhr; er speist nicht vor sechs ein halb; wenn Sie mir als Secundant dienen wollen, so steigen wir in den Wagen, um einen zweiten zu suchen; unterwegs können wir die Bedingungen des Zweikampfs ausmachen.«

»Von ganzem Herzen stehe ich zu Diensten,« antwortete der General, »nur befürchte ich, daß man ausgespannt.«

»Thut nichts! ich habe meinen Wagen,« machte Herr von Marande. – »Rue Macon No. 4,« sagte er zum Kutscher.

»Rue Macon? . . . « wiederholte der General, welcher die Miene hatte, als fragte er sich, was die Rue Macon bedeuten sollte.

Der Wagen fuhr im Galopp davon.

»Wo zum Teufel sind wir?« fragte der General, als er den Wagen vor der Thüre Salvator’s halten sah.

»Wir sind, wohin ich meinem Kutscher zu fahren befahl.«

»O, die häßliche Straße!«

Dann sah er sich das Haus an und fragte: »Dahin gehen wir?«

»Ja, General,« antwortete Herr von Marande lächelnd.

»O, das häßliche Haus!«

»Nun,« sagte Herr von Marande, »in dieser Straße und diesem Hause wohnt einer der ehrenwerthesten und besten Menschen, die ich kenne.«

»Wie nennen Sie ihn?«

»Salvator.«

»Salvator . . . Und was sind seine Funktionen?«

Herr von Marande lächelte.

»Nun, man behauptet, er sei Commissionär.«

»Ah! ich fange an, mich auszukennen; ja, ja,ich hörte von dieser Art von Philosophen durch den General Lafayette sprechen, der großes Wesen aus ihm machte.«

»Sie hörten nicht nur von ihm sprechen, General, sondern Sie haben mehr als einmal mit ihm gesprochen.«

»Wo das?« fragte der General erstaunt.

»Bei mir.«

»Ich sprach bei Ihnen mit einem Commissionär?«

»Nun, Sie können sich denken, daß er bei mir nicht seine Weste und seine Häckchen hatte: er war im schwarzen Fracke wie Sie sind, und man nennt ihn Herrn von Valsigny.«

»Jetzt weiß ich,« rief der General, »ein reizender junger Mann.«

»Nun gut, ihn will ich auffordern, mein zweiter Secundant zu sein. Er ist ein sehr einflußreicher Mann bei den Wahlen und ich wäre sehr zufrieden, wenn er einer ganzen Seite der Welt sekundieren könnte, die nur durch die Fenster meines Wagens sieht.«

»Sehr gut!« sagte der General, indem er dem Banquier folgte.

Sie stiegen die drei Etagen hinauf und kamen vor der Thüre Salvator’s an.

Der junge Mann war so eben nach Hause gekommen. Er trug noch die Weste und die Beinkleider von Sammt.

»Mein lieber Valsigny,« sagte Herr von Marande-. »ich komme, Sie um einen Dienst zu bitten.«

»Sprechen Sie,« machte Salvator.

»Sie haben mir so oft Ihre Freundschaft für die meine angeboten. Nun gut, ich komme, Sie um einen Beweis dieser Freundschaft zu bitten.«

»Ich stehe zu Ihrem Befehle.«

»Ich schlage mich morgen: hier, der Herr General von Herbel hat sich bereit erklärt, der eine meiner Zeugen zu sein; wollen Sie mir die Ehre erweisen, der andere zu sein?«

»Gerne, mein Herr: und ich verlange nur zwei Dinge von Ihnen zu wissen: die Ursache des Duells und den Namen dessen, der Sie beleidigt hat.«

»Herr Lorédan von Valgeneuse hat mich so eben in der Kammer auf eine so impertinente Weise beleidigt, daß ich nicht umhin kaum ihn zur Rechenschaft zu ziehen.«

Lorédan!« rief Salvator.

»Sie kennen ihn?« fragte Herr von Marande.

»Ja,« antwortete Salvator, indem er traurig den Kopf schüttelte. »O, ja. ich kenne ihn.«

»Oder kennen Sie ihn so genau, um mir den Dienst zu versagen, mein Secundant zu sein?«

»Hören Sie mich an,« sagte Salvator langsam und ernst; »ich hasse Herrn von Valgeneuse aus Gründen, die Sie einst erfahren sollen, und die bald, wenn ich meinen Ahnungen trauen darf. Ich hätte sogar eine persönliche Beleidigung an ihm zu rächen; aber es existiert in der Welt eint Mensch, dem ich versprochen, kein Haar auf seinem Haupte zu berühren; es scheint mir deßhalb, meine Herren, wenn ich die Rolle eines Sekundanten spielte und bei dem Zusammentreffen mit ihm unserem Feinde ein Unglück begegnete, daß ich das Wort, das ich gegeben, nicht streng halte.«

»Sie haben Recht, mein lieber Valsigny,« sagte Herr von Marande, »es bleibt mir nichts als Sie um Verzeihung zu bitten, daß ich Sie derangiert habe.«

»Wenn ich Ihnen nicht als Secundant dienen kann,« sagte Salvator, »kann ich Ihnen vielleicht als Chirurg nützlich sein und wenn Sie sich meiner bedienen wollen, so stehe ich zu Ihrer Disposition.«

»Ich wußte wohl, daß Sie mir einen Dienst erweisen würden,« sagte Herr von Marande, indem er Salvator die Hand bot.

Und er verließ ihn mit dem General, der am andern Morgen den jungen Mann abzuholen versprach, welcher als Chirurg, ohne ein Unrecht zu begehen, dem Zweikampf anwohnen zu können glaubte.

Von der Rue Macon begab man sich nach der Rue du Luxembourg, wo der General Pajol wohnte, der ohne Zögern den Vorschlag des Herrn von Marande annahm.

Eine Viertelstunde später traten die beiden Generale in den Salon des Herrn von Valgeneuse, den sie auf einem Canape liegend und aus vollem Halse über die Witze lachend fanden, die Camille von Rozan und ein anderer junger Laffe zum Besten gaben.

»Mein Herr,« sagte der Graf Herbel, »der General Pajol und ich wünschen einen Augenblick mit Ihnen privatim zu sprechen.«

»Aber warum denn privatim, meine Herren?« rief Lorédan; »Sie können im Gegentheil vor meinen Freunden sprechen; ich habe keine Geheimnisse vor ihnen.«

»In diesem Falle,« versetzte Graf Herbel trocken, »haben wir die Ehre, im Auftrag des Herrn von Marande Genugthuung für die Beleidigung, die Sie ihm angethan, von Ihnen zu fordern.«

»Sie sind die Secundanten des Herrn von Marande?« fragte Lorédan.

»Ja, mein Herr.« antworteten zu gleicher Zeit die beiden Generale.

»Nun gut, meine Herren,« sagte Herr von Valgeneuse, indem er aufstand und auf die beiden jungen Männer deutete, »hier sind die Meinigen. Wollen Sie sich mit ihnen verständigen; ich gebe ihnen meine Vollmacht.«

Dann grüßte er ziemlich verächtlich die beiden Sekundanten des Herrn von Marande und verließ das Zimmer, indem er zu Camille sagte:

»Ich werde servieren lassen. Beeile Dich, die Sache in’s Reine zu bringen, Camille; ich sterbe vor Hunger.«

»Meine Herren,« sagte der General Herbel; »Sie kennen die Beleidigung, für die wir Genugthuung fordern?«

»Ja, sagte Camille, indem er unmerklich lächelte.

»Ich halte es deßhalb für unnütz,« fuhr der General fort, »auf weitere Details einzugehen.«

»Allerdings, vollkommen unnütz,« fuhr Camille mit demselben Lächeln fort.

»Haben Sie die Absicht, die Beleidigung, die uns geworden, wieder gut zu machen?«

»Das hängt von der Art ab, wie wir sie gutmachen sollen.«

»Ich verlange, wenn Sie dazu geneigt sind Entschuldigungen.«

»O! unter dieser Bedingung, nein.« sagte Camille; jede Entschuldigung im Gegentheil ist uns ausdrücklich verboten.«

»Dann,« antwortete der General, »bleibt uns nichts, als die verschiedenen Bedingungen des Kampfes festzusetzen.«

»Sie sind der beleidigte Theil,« sagte Camille; »machen Sie die Bedingungen.«

»Hören Sie, was wir die Ehre haben, Ihnen vorzuschlagen, man wird sich auf Pistolen schlagen.«

»Auf Pistolen: sehr gut.«

»Die Gegner stehen vierzig Schritte auseinander und können, wenn sie wollen, fünfzehn Schritte machen.«

»So daß, wenn jeder seine fünfzehn Schritte macht, man sich auf zehn Schritte schlägt.«

»Auf zehn Schritte, ja, mein Herr.«

»Das ist eine hübsche Entfernung; zehn Schritte, gut.«

»Die Pistolen werden bei Lepage genommen, damit sie den Gegnern vollständig unbekannt sind.«

»Wer wird sie holen?« -

»Jeder von uns holt ein Paar, oder wenn Sie lieber wollen, wird der Büchsenmachergehilfe, der die Waffen ladet, zwei Paare mitbringen; man zieht nach dem Zufall dasjenige, dessen man sich bedienen will.«

»Alles geht gut. Jetzt, meine Herren, den Ort des Rendezvous.«,

»Allee de la Muette, wenn es Ihnen recht ist.«

»Allee de la Muette. Am Ende der Aller ist ein kleiner freier Platz, wo nichts dem Auge als Führer dienen kann und der ausdrücklich für ein solches Rendezvous gemacht zu sein scheint.« ,

»Also auf dem kleinen freien Platze.«

»Ah, wir vergessen die Stunde.«

»Es wird vor sieben Uhr nicht hell; setzen wir deßhalb das Rendezvous auf neun Uhr fest.«

»Um neun Uhr; ganz recht, mein Herr. Man kann doch wenigstens ein bisschen Toilette machen.«

»Es bleibt uns nichts mehr, meine Herren, als Ihnen unsere Glückwünsche darzubringen,« sagten die beiden Militärs.

»Empfangen Sie die unsrigen,« machten die beiden jungen Leute, indem sie aufstanden.

Kaum waren diese weggegangen, als Herr von Valgeneuse wieder in den Solon trat und sagte:

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Litres'teki yayın tarihi:
04 aralık 2019
Hacim:
1707 s. 13 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain