Kitabı oku: «Melea», sayfa 3

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Mo bückte sich und begutachtete das seltsame Tier genauer.

„Es scheint keine Augen zu haben“, stellte er fest.

Lea stand auf und stellte einen Fuß einige Zoll unterhalb des vor Zähnen starrenden Mauls auf das Wesen. Dann zog sie den Dolch heraus und setzte diesen unmittelbar hinter dem vermeintlichen Kopf an, da, wo sie den Nacken vermutete. Die scharfe Klinge durchtrennte problemlos die ledrige Haut und das Fleisch, doch Lea wartete vergeblich auf den Widerstand der Wirbelsäule.

„Seltsam, das Vieh hat anscheinend keine Knochen im Körper“, meinte sie irritiert.

Der kopflose Körper zuckte und schlängelte sich wild hin und her, als Lea ihren Fuß wegnahm, doch der Kopf lag still. Mit dem Dolch drehte sie diesen auf die andere Seite, und sie sahen in ein großes blaues Auge.

„Es hat ein Auge, um genau zu sein“, sagte Lea und blickte Mo an.

„Gib mir mal einen leeren Sack.“

Mo reichte ihr einen, und Lea warf mit Hilfe des Dolches die Überreste des Wesens hinein und verknotete den Sack.

„Ich teile den Männern mit, wie sie die Viecher töten können“, sagte Lea und sah zu den Frauen, die wieder an der Wand kauerten.

Getica, Livilia und Susan wichen furchtsam ihren Blicken aus. Lea wandte sich Mo zu, der sofort ihre feuchten Augen bemerkte.

„Würdest du hier unten aufpassen?“

„Natürlich, Lea!“

Er beobachtete, wie Lea zur Treppe eilte und sah dann entgeistert zu den Frauen. Als das Geräusch der zufallenden Luke ertönte, schnaufte er verärgert.

„Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein. Nur weil sie eine besondere Gabe besitzt, lasst ihr sie jetzt im Stich? Weil sie anders ist? Sie hat euch soeben vor diesem Biest beschützt.“

Er wandte sich Getica zu und herrschte sie erbost an: „Und gerade du! Lea hat vorhin ihr Leben für dich riskiert. Obwohl du sie derart hintergangen hast.“

Die Frau ließ betrübt den Kopf hängen, und er blickte nochmal jede einzelne an.

„Ich muss schon sagen, bei solchen Freunden braucht es keine Feinde mehr. Überlegt mal, was ihr der Kleinen damit antut. Ihr seid wie eine Familie für sie.“

Mo drehte sich zornig um und rannte Respa fast um, die im Türrahmen stand. Sie bedachte ihn mit einem anerkennenden Blick und wollte ihm folgen, als er in Geralts Kajüte verschwand. Respa hielt inne und sagte: „Melea ist etwas ganz Besonderes und hat es nicht verdient, so von euch behandelt zu werden.“

Leas Kleidung triefte vor Blut und Schleim, noch bevor sie einem der Männer begegnete. Sie bewegte sich an der Reling entlang, und sobald sich eines der Biester darüber schlängeln wollte, hackte sie den Kopf ab. So arbeitete sie sich immer weiter vor und traf unterwegs auf Sander, der mit einer Fackel hantierte. Auch er stand an der Reling und verbrannte gerade eines der Wesen, das zischend ins Meer zurückfiel. Als er sie erblickte, grinste er übers ganze Gesicht, da sie gerade einem Wesen den Kopf abschlug.

Lea nickte Sander lächelnd zu und ging weiter, bis sie Matt und Jon entdeckte. Die beiden standen Rücken an Rücken und stachen mit Kurzspeeren auf die Kreaturen ein, was aber wenig Erfolg brachte. Lea rief ihnen zu: „Ihr müsst ihnen die Köpfe abschlagen, oder sie mit Feuer bekämpfen.“

Sie selbst schlug noch einige Köpfe ab, bis sie schließlich bei Geralt, Adaric und Rion ankam. Auch ihnen teilte sie mit, wie die Wesen am besten zu bekämpfen waren und eilte wieder an die Reling.

„Sander ist in der Mitte des Schiffes allein, und im Heck steht niemand“, rief sie über die Schulter hinweg.

„Ich werde Sander helfen“, sagte Adaric sofort und lief los.

Geralt unterließ es, die Biester mit seinem Schwert in mehrere Teile zu zerhacken und hieb jetzt nur noch auf die Köpfe ein. Rion schnappte sich eine Fackel, ließ den Speer fallen und zog sein Messer.

„Ich geh zum Heck“, rief Lea, woraufhin er direkt zu ihr kam.

Eigentlich rechnete sie damit, dass er sie wieder unter Deck schicken würde und war entsprechend überrascht, als er meinte: „Nicht ohne mich!“

Am Heck des Schiffes hatten die beiden noch einmal viel zu tun, bevor die Invasion endlich nachließ und schließlich ganz verebbte. Erschöpft lehnte Lea am Segelmast und blickte zu ihrem Vater auf, der sich mit verschränkten Armen vor ihr aufgebaut hatte.

„Sag mal, solltest du vorhin nicht nach unten gehen?“

„Da war ich, und dort habe ich dem ersten Biest den Kopf abgeschlagen“, sagte sie grinsend.

Rion schüttelte seufzend den Kopf. Matt lachte laut auf.

„Sie ist halt ganz der Vater, ebenso dickköpfig“, sagte er.

Rion drehte sich um und erblickte neben Matt auch die anderen Männer. Abgesehen von Jon grinsten alle breit, zumindest bis Geralt vortrat und Aufgaben verteilte.

„Wir haben noch etwa eine Stunde bis zur Dämmerung. Wir sollten die Zeit nutzen und das Deck säubern. Dort draußen toben hohe Wellen, und die Planken sind glatt von Schleim und Blut. Ich will nicht, dass jemand über Bord geht.“

Jon und Adaric kamen an seine Seite.

„Wir sollten einige Tiere mit aufs Festland nehmen, sozusagen als Beweis.“

Geralt nickte.

„Das ist eine gute Idee. Nehmt euch eine Kiste und sammelt ein paar ein. Und die anderen schnappen sich Eimer und Schrubber.“

Geralt und Rion besahen sich kurz darauf eines der Tiere genauer. Rion begutachtete das runde Maul mit den wulstigen Lippen.

„Sieht aus wie die Kreatur, die sich an den Klippen hochgezogen hat.“

„Es könnten Jungtiere sein“, meinte Geralt.

„Wäre möglich, aber dann durchlaufen sie gerade mal das Larvenstadium. Denk mal an die monströse Größe der Kreatur, die wir gesehen haben“, sagte Rion und drehte das Wesen um.

„Wo kommen diese Biester nur her? Ich habe noch nie ein Tier mit nur einem Auge gesehen, und die Farbe ist unglaublich. Außerdem ist es riesig, es würde bequem meine Handfläche ausfüllen“, stellte Geralt verblüfft fest.

Kopfschüttelnd richtete er sich auf.

„Ich werde den anderen helfen.“

Die Männer hatten sich auf dem Schiff verteilt und säuberten das Deck. Auch Lea nahm einen Eimer und warf diesen an einem Seil ins Wasser. Während sie ihn wieder einholte, durchfuhr ein heftiger Schmerz ihren Oberarm. Zischend zog sie die Luft zwischen den Zähnen ein und ließ das Seil fahren, denn an ihrem Arm zappelte eines der Tiere. Hastig griff sie danach, da es sich um die eigene Achse drehen wollte, um ihr das Fleisch von den Knochen zu reißen. Mit einem unterdrückten Schrei zog sie an dem Tier, welches aber ihren Fingern entglitt. Sofort bäumte es sich erneut auf, um sich zu drehen. Der Schmerz war heftig. Lea schrie auf. Daraufhin kam Geralt angelaufen und starrte schockiert auf ihren Arm.

„Es ist zu glitschig, ich kann es nicht packen“, stöhnte Lea beim nächsten Versuch, das Biest festzuhalten.

Geralt zog sein Hemd aus, nahm sein Messer zur Hand und sah ihr kurz in die Augen.

„Halt still! Ich will dich nicht unnötig verletzen.“

Er nahm sein Hemd, um das Tier festzuhalten, setzte das Messer ein paar Zoll hinter dem Maul an und schnitt blitzschnell den Kopf ab. Den windenden Körper warf er über Bord und hantierte dann mit seinem Messer, um den Kopf von Leas Arm zu lösen. Doch er hielt inne und sah sie aus großen Augen an.

„Ich glaub, das wird wehtun. Das Mistvieh hat sich richtig verbissen.“

Lea betastete den Kopf und versuchte, mit den Fingern unter die Kiefer zu kommen.

„Verdammt, tut das weh. Ich geh runter zu Mo und Respa, vielleicht können die beiden etwas tun.“

„Ja, mach das! Ich sag deinem Vater Bescheid.“

Geralt öffnete die Luke für sie und schloss diese hinter ihr, bevor er zu den Männern lief und von dem Vorfall berichtete.

Bis auf Rion, der direkt unter Deck verschwand, begannen die anderen Männer, jeden Winkel des Schiffes zu durchsuchen.

Rion fand Lea in Geralts Kajüte, wo Mo den Schreibtisch freigemacht hatte und diesen gemeinsam mit Getica in den Raum hineinzog.

„Lea, geht es dir gut?“, fragte Rion.

Er setzte sich neben sie aufs Bett und nahm ihren Arm in Augenschein. Das Biest hatte sich durch den Stoff tief in den Oberarm verbissen. Während er den Kopf betastete, verzog Lea schmerzlich das Gesicht und funkelte ihn ärgerlich an.

„Wenn niemand daran rumfummelt, dann merke ich gar nicht, dass dort etwas ist. Und ja, mir geht es gut“, antwortete sie barsch.

Lea war gereizt, weil jeder unbedingt an dem Kopf ziehen musste, und dies verursachte irrsinnige Schmerzen.

Rion zog seine Hand zurück und wandte sich an Mo.

„Kannst du es entfernen?“

Der Schamane drehte sich zu ihm und warf einen besorgten Blick auf Lea.

„Respa und ich werden es versuchen. Aber du und Getica, ihr wartet besser draußen.“

Wie aufs Stichwort betrat Respa den Raum. Sie trug mit beiden Händen eine Wasserschüssel, und unter ihren Armen klemmten saubere Tücher. Sie wies mit dem Kopf zur Tür.

„Ihr habt ihn gehört. Raus hier und schließt die Tür.“

Nachdem Rion und Getica die Kajüte verlassen hatten, wandte sich Respa an Lea.

„So, und du, mein Kind, legst dich bitte auf den Tisch.“

Lea stand langsam auf und ließ sich zögernd auf dem Tisch nieder.

Respa legte ihre Utensilien auf der Truhe zurecht, und Mo erschien mit einem sehr spitzen Dolch neben dem Tisch. Er blickte Lea mitleidig an.

„Bist du bereit?“

Obwohl sie am liebsten davongelaufen wäre, nickte Lea. Daraufhin kam Respa und drückte ihren Oberkörper hinab, sodass Lea flach auf dem Tisch lag. Dann hielt sie Leas Arm fest und sagte leise: „Am besten guckst du in die andere Richtung.“

Das tat Lea, als Mo den Dolch hob. Doch gegen die Schmerzen half es nicht.

Sie spürte die kalte Spitze der Klinge, und obwohl diese noch nicht mal unter der ersten Zahnreihe war, knirschte Lea mit den Zähnen. Die Schmerzen waren unglaublich, und sie war drauf und dran aufzuspringen, als Respa sagte: „Das bringt nichts!“

Der Schmerz verebbte sofort. Lea atmete tief durch. Dabei beobachtete sie Respa, die ein Tuch fest zusammenrollte und an den Tisch zurückkam.

„Hier, beiß darauf.“

Ohne Umschweife schob sie das Tuch zwischen Leas Zähne und wandte sich wieder an Mo.

„Gib mir den Dolch, und halt sie fest.“

Nachdem sie den Kopf nochmal in Augenschein genommen hatte, setzte sie den Dolch an.

„Ich werde den Kopf in der Mitte teilen. Dann wird es einfacher sein, die Zähne aus dem Fleisch zu ziehen.“

Ihr Vorhaben entpuppte sich als nicht so einfach, da die Klinge ständig auf Zähne traf, die in mehreren Reihen vorhanden waren. Doch letztlich schaffte sie es, und Respa setzte den Dolch erneut an. Es gelang ihr, die Mitte des Kopfes herauszulösen, da es dort keine Zähne gab. Und so sahen sie, wie sehr sich die kreisrunden Kiefer in Leas Arm verbissen hatten. Es waren gleich drei Zahnreihen, und die Zähne waren nach hinten ausgerichtet, sodass sie Leas Fleisch zerfetzen würden, sollten sie diese einfach herausziehen.

Mit zusammengekniffenen Augen besah sich Respa die Zahnreihen und seufzte gequält.

„Was ist los?“, fragte Lea, die das Tuch aus dem Mund genommen hatte.

„Die Zähne sind wie Widerhaken nach hinten gebogen. Ich werde den Kiefer herausschneiden müssen.“

Mo stupste die Alte an und deutete auf eine grünliche Flüssigkeit, die von einigen Zähnen in Leas Wunde tropfte. Ihre Augen weiteten sich daraufhin entsetzt.

„Du musst jetzt die Zähne zusammenbeißen, Lea. Ich muss den Kopf sofort entfernen, er scheint Gift in deinen Körper zu pumpen. Wir können nicht warten, bis wir zum Festland kommen.“

Lea blickte sie aus wässrigen Augen an.

„Tut es, aber bitte schnell“, wisperte sie unter Tränen.

Sie hatte eben schon unglaubliche Schmerzen ausgehalten und dachte, auch dies aushalten zu können. Außerdem wollte sie das Ding einfach nur loswerden.

Respa nickte und rief nach Rion. Sie hatte den Namen noch nicht ausgesprochen, da stand er auch schon in der Tür.

„Du musst Mo helfen und Lea festhalten“, sagte sie.

Rion stellte sich auf die andere Seite des Tisches und legte besorgt eine Hand auf Leas Stirn, während Mo ihr den Stoff zwischen die Zähne klemmte.

„Was habt ihr vor?“, fragte Rion beunruhigt.

„Wir müssen den Kopf herausschneiden, da er Gift in ihren Körper pumpt“, sagte Mo.

„Was? Ihr könnt doch nicht einfach …“

Respa unterbrach Rion und sah ihn streng an.

„Wir haben keine andere Wahl! Ich weiß nicht, um was für ein Gift es sich handelt, und ich will kein Risiko eingehen. Also, seid ihr so weit?“

Rion sah die Alte noch einen Moment schockiert an und ergriff Leas Hand. Mit der anderen fixierte er ihre Schulter auf dem Tisch, und Mo tat es ihm auf der anderen Seite nach.

Lea starrte derweil angestrengt in die braunen Augen ihres Vaters, bis Respa die Klinge ansetzte. Die Spitze des Dolches schrammte an den Zähnen vorbei, und sie spürte, wie die Klinge tief in ihr Fleisch fuhr.

Respa versuchte, so schnell wie möglich zu arbeiten, aber Lea machte es ihr nicht leicht. Und sie war ein wenig verwundert, weil die beiden Männer die junge Frau kaum halten konnten. Lea bäumte sich immer wieder auf und schaffte es öfter als einmal sich aus dem Griff ihres Vaters zu winden. Doch Rion bekam sie immer wieder in den Griff, und letztendlich schaffte Respa es, beide Teile des Kopfes zu entfernen. Leas gedämpfte Schreie verstummten.

Rion legte eine Hand auf ihre tränennasse Wange und befreite sie von dem Tuch, weil sie hektisch atmete und kaum Luft bekam. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich etwas beruhigte.

Derweil riss Respa den Ärmel ab.

„Mo, schnell, Wasser und die Tücher“, forderte sie ihn auf.

Sie säuberte die tiefe und stark blutende Wunde, während Mo ein Tuch in Streifen riss. Danach reichte er Respa einen kleinen Tiegel Salbe, mit der sie einen Stofffetzen bestrich. Diesen legte sie direkt auf die Wunde und bandagierte Leas Oberarm.

„So, das wird erst mal reichen. Sobald wir in Mesura sind, müssen wir uns die Wunde aber nochmal ansehen“, meinte Respa und schob Mo zur Seite, um Lea in die Augen zu sehen.

„Geht es dir gut, Kindchen? Deine Augen sind etwas trüb.“

Lea hielt mühsam weitere Tränen zurück.

„Ja, es geht schon. Ich möchte einfach nur an die frische Luft, mir ist ganz schön warm geworden“, sagte sie leise.

Sie rutschte vom Tisch und musste sich an ihrem Vater festhalten, da ihr schwindelte.

„Sicher, dass es dir gut geht? Vielleicht wäre es sinnvoller, wenn du dich eine Weile ausruhst“, meinte Rion besorgt.

„Nein, ich muss raus. Mir wird übel!“

„Also gut, ich bringe dich nach oben.“

Er stützte Lea unter den Armen. Sobald die beiden draußen waren, wandte sich Respa an Mo.

„Wir müssen sie im Auge behalten. Wer weiß, was das für ein Gift war.“

„Zumindest nichts Tödliches, sonst käme sie nicht in unseren Visionen vor“, versuchte Mo die Alte zu beruhigen.

„Lass den Blödsinn! Du und auch ich hatten Visionen darüber, was passiert, wenn Lea den Rat nicht überzeugt. Und dass sie ihn nicht überzeugt, könnte durchaus daran liegen, weil sie es nicht mehr kann.“

8. Mond, im 988. Jahr der Barriere

Medon

1

Leas erster Weg führte an die Reling, wo sie mehrmals erbrechen musste.

„Du solltest dich ausruhen, Lea. Am besten gehst du gleich runter und legst dich eine Weile hin.“

Rion streichelte beruhigend über ihren Rücken. Lea musste erst mal tief durchatmen, bevor sie etwas sagte.

„Ich möchte gerne hier oben bleiben, die kühle Luft tut mir gut.“

Kopfschüttelnd führte Rion sie zum Bug, wo Geralt direkt auf sie zukam.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte er besorgt, als er Lea ansah.

Rion schüttelte den Kopf und erzählte.

„Respa musste den Kopf rausschneiden, weil das Mistvieh Gift in Leas Körper pumpte. Es war eine äußerst schmerzhafte Prozedur, und jetzt ist ihr übel.“

Geralt beugte sich vor, um Lea in die Augen sehen zu können.

„Dann solltest du dich vielleicht etwas hinlegen.“

Sie verdrehte genervt die Augen und murmelte irgendetwas Unverständliches, woraufhin Rion grinsen musste.

„Glaub mir, dasselbe habe ich ihr auch schon gesagt. Aber sie möchte an der frischen Luft bleiben.“

„Also gut, dann kommt mit“, sagte Geralt seufzend.

Er führte die beiden auf den Aufbau, der von einem niedrigen Holzgeländer umgeben wurde. Sander stand hier oben, mit einem Kurzspeer in der einen und einer Fackel in der anderen Hand, und schien das Steuerrad zu bewachen.

Geralt trat auf ihn zu.

„Ich bringe dir Verstärkung.“

Sander lächelte Lea an, als sie an ihm vorbeiging.

„So, Lea. Hier oben kannst du dich hinsetzen. Und wenn irgendetwas sein sollte, dann schickst du Sander zu uns“, sagte Geralt.

Sie setzte sich tatsächlich direkt hin und lehnte sich mit dem Rücken gegen das nasse Holzgeländer. Dann schluckte sie angestrengt.

„Ja, mach ich!“

Rion ging vor ihr in die Hocke.

„Es dauert nicht mehr lange, gleich sind wir hier weg.“

Geralt nahm Sander zur Seite und sprach leise mit ihm.

„Du hast jetzt eine ganz wichtige Aufgabe. Du musst auf Lea aufpassen. Wenn es ihr schlechter geht oder irgendetwas anderes nicht stimmt, dann sagst du Rion oder mir sofort Bescheid. Schaffst du das?“

„Ja, Sander schafft das!“

Geralt trat nun an Rion heran.

„Komm, wir müssen das Hauptsegel kontrollieren und uns um die Ruder kümmern. Die anderen halten Wache, damit wir keine bösen Überraschungen mehr erleben.“

Die beiden verabschiedeten sich von Lea und machten sich an die Arbeit.

Kaum dass sie fort waren, stöhnte sie leise und legte den Kopf in den Nacken. Ihr war richtig übel, und ihr Arm brannte wie Feuer.

„Dein Hemd ist kaputt! Warum?“, fragte Sander.

Lea räusperte sich und drehte den Kopf zu ihm. Da sie nicht die ganze Geschichte erzählen wollte, sagte sie nur: „Es ist vorhin beim Kampf gegen die Biester kaputtgegangen.“

Er deutete auf den Verband.

„Hast du dir dabei auch wehgetan?“

Wieder blickte sie zu Sander auf, wobei sie einen großen Schatten bemerkte, der über sie hinwegglitt.

„Tut es noch weh?“

„Nein, Sander, es ist alles in Ordnung.“

Mit verengten Augen suchte sie den Himmel ab, und ganz kurz erblickte sie einen weiteren Schatten unter den finsteren Wolkenbergen hinweggleiten.

„Was war das?“, flüsterte sie und sagte: „Hol Geralt oder meinen Vater! Beeil dich!“

Sander hielt erschrocken die Luft an.

„Geht es dir wieder schlecht?“

„Sander, tu einfach, was ich dir sage. Sofort“, rief sie.

Erschrocken ging er ein paar Schritte rückwärts und prallte gegen etwas. Lea bekam große Augen, denn es sah so aus, als würden ihm Flügel wachsen. Dann erhob sich eine große Gestalt hinter ihm.

„Renn weg!“, schrie sie ihn an.

Sander drehte sich langsam zu dem Hindernis um. Seine Fackel spiegelte sich im schwarzem Metall eines Brustpanzers. Als er die Fackel höher hielt, sah Lea fasziniert und entsetzt zugleich dabei zu, was sich ihnen offenbarte. Oberhalb des Brustpanzers kam ein kräftiger Hals mit wulstigen Muskelsträngen zum Vorschein, dann ein breites Kinn und ein hämisch grinsender Mund, der lange Eckzähne entblößte. Diese stachen weiß hervor, da die Haut der Kreatur nachtschwarz war. Zudem musste Sander seinen Arm fast ganz ausstrecken, um das Gesicht der Kreatur zu beleuchten. Aber das war zu viel für ihn. Abrupt ließ er die Fackel sinken, wobei das flackernde Licht die riesigen, abgespreizten Schwingen der Kreatur aus der Dunkelheit riss.

Sander ließ die Fackel fallen, drehte sich zu Lea um und machte einen Schritt in ihre Richtung. Dies ließ sie aus ihrer Erstarrung erwachen, und sie stand hastig auf. Dann ging alles blitzschnell.

Sander wurde von hinten gepackt, verlor den Boden unter den Füßen, und Lea brüllte aus Leibeskräften.

„Nein!“

Sie rannte auf ihn zu, sprang hoch und klammerte sich an Sanders Schultern fest.

„Wir brauchen Hilfe!“, schrie sie.

Die Kreatur musste unglaublich stark sein, denn sie erhob sich weiter in die Luft und hielt sich nun, trotz des Gewichtes, ein paar Meter über dem Schiff. Allerdings gewann er nicht sehr schnell an Höhe.

Die schwarzen Schwingen erzeugten beachtlichen Wind. Lea musste ihre Augen zusammenkneifen.

„Melea, lass ihn los“, brüllte ihr Vater von unten.

„Nein, niemals“, schrie sie.

Dabei sah sie in Sanders Augen. Sie würde diesen ängstlichen Blick wohl niemals vergessen.

„Keine Angst, ich lasse dich nicht allein. Wir schaffen das“, versuchte sie, ihn zu beruhigen.

Allerdings ließ ihre Kraft allmählich nach. Sie zog sich mühsam noch ein Stück höher. Vor Schmerzen stöhnte sie auf. Aber sie schaffte es, Sanders Oberkörper mit ihren Beinen zu umklammern. So hatte sie mehr Halt und konnte zumindest einen Arm nutzen. Sofort ballte sie ihre Hand zur Faust und schlug nach dem Kopf der Kreatur. Die Schmerzen, die ihr dabei durch den Arm schossen, versuchte sie zu ignorieren. Sie vergaß diese tatsächlich, als sie plötzlich das Gesicht des Wesens sehen konnte. Und dessen amüsiertes Grinsen. Dies veranlasste Lea, erneut zuzuschlagen. Sie landete einen Treffer auf der Nase. Außer einem unwilligen Knurren und dem Erlöschen seines Grinsens erfolgte jedoch keine weitere Reaktion.

Also holte Lea erneut aus, doch dieses Mal fing er ihre Hand ab. Sander rutschte ein Stück nach unten.

Die Kreatur hielt Sanders und ihr Gewicht jetzt nur noch mit einem Arm.

„Melea, lass endlich los“, brüllte ihr Vater wieder.

Der Geflügelte löste ihre Hand, ergriff grob ihr Kinn und zwang sie, in sein Gesicht zu sehen.

„Dich werde ich mitnehmen. Wir werden eine Menge Spaß miteinander haben, kleine Schönheit“, grollte er mit tiefer Stimme.

„Ganz sicher nicht“, keuchte Lea.

Er hob Sander und somit auch sie höher, und Leas Gedanken überschlugen sich. Angespannt suchte sie nach einer Lösung, doch Sander wimmerte in einem fort, und unter ihnen herrschte das reine Chaos. Alle schrien durcheinander. Jon brüllte nach seinem Sohn, und Geralt und Rion riefen nach ihr. Das alles bekam sie mit, während sie versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Doch dann verschwanden die Geräusche plötzlich, und sie vernahm das Pochen ihres Herzens. Es dröhnte fast schon in ihren Ohren, als sie beobachtete, wie der Geflügelte den Mund aufriss, seine kräftigen Eckzähne entblößte und diese in Sanders Nacken rammte. Ihr Herz setzte aus. Als sie Sanders Namen brüllte, vernahm sie wieder die normale Geräuschkulisse. Und das Schmatzen des Geflügelten, der genüsslich Sanders Blut trank. Dabei hielt er immer noch ihren Kiefer fest, und es schien ihm nicht im Geringsten etwas auszumachen, dass sie nach ihm schlug und sogar seinen Unterarm aufkratzte.

„Hör auf, du Bestie!“, schrie sie.

Seine kalten Augen, mit denen er sie die ganze Zeit anstarrte, funkelten amüsiert. Heiße Tränen liefen über ihr Gesicht, als sie zu Sander schielte, der leise stöhnte.

„Bitte, lass ihn gehen“, presste sie mühsam hervor, da der Griff der Kreatur um ihr Kinn fester wurde.

Es war zu spät. Sanders Kopf fiel haltlos nach vorn, und Lea sah entsetzt den zerfleischten Nacken. Der Geflügelte lachte, als Lea zu würgen begann.

„Verzeih, wie unhöflich von mir! Willst du auch was?“

Er ließ ihr Kinn los, packte stattdessen ihren Hinterkopf und drückte ihr Gesicht in die blutende Wunde. Lea schrie gedämpft und schlug auf ihn ein, was jedoch nichts brachte. Sie krallte ihre Finger in seine langen Haare und riss heftig daran. Endlich nahm er seine Pranke fort, aber dafür ließ er Sander los und legte seinen Arm um ihre Körpermitte.

Lea stöhnte auf, hielt Sander aber noch mit ihren Beinen fest. Zornig sah sie zu dem Biest auf. In dem Moment spürte sie, dass jemand an ihrem Hosenbein zog. Das rückte jedoch in den Hintergrund, als der Geflügelte nach ihrem verletzten Oberarm griff. Er drückte unerbittlich zu, aber Lea tat ihm nicht den Gefallen, zu schreien. Sie presste die Kiefer so hart aufeinander, dass diese protestierend knirschten. Die Schmerzen nahmen zu, als er nun auch noch die Kralle seines Daumens in den Verband drückte.

Lea kämpfte darum, nicht besinnungslos zu werden. Dabei half ihr der Geflügelte, denn er schürte ihre Wut, als er sagte: „Lass ihn los! Ich brauche Platz für die nächste Mahlzeit.“

„Niemals, du elender Mistkerl“, giftete sie ihn unter Tränen an.

Lea wusste, dass sie verloren wäre, sobald sie Sander losließ. Außerdem wollte sie nicht herausfinden, ob er sich sofort ein neues Opfer holen würde.

Der Geflügelte lachte dunkel.

„Mistkerl? Du kannst mich ruhig bei meinem Namen nennen. Man nennt mich Medon.“

„Mistkerl passt besser zu dir“, keuchte Lea.

„Hoffentlich fällt den anderen langsam mal was ein“, dachte sie gequält.

Genüsslich leckte sich Medon mit seiner schwarzen Zunge über die Lippen.

„Außer seinen Augen und den Zähnen ist alles schwarz an ihm“, dachte Lea.

Er hielt ihren Arm noch immer fest gepackt. Seine Augen funkelten vergnügt, als er fragte: „Es hat dir gefallen, nicht wahr?“

Jemand schlug mit einem Gegenstand gegen Leas Bein.

„Na endlich“, dachte sie erleichtert.

Um den Gegenstand greifen zu können, musste sie allerdings den Arm lösen, mit dem sie Sander am Hemdkragen festhielt. Und sie befürchtete, da ihre Beine heftig zitterten und die Muskeln mit jedem Lidschlag mehr verkrampften, dass sie ihn dann nicht mehr halten könnte. Aber es war ihre einzige Chance. Sie nahm alle Kraftreserven zusammen, als sie ihre Hand löste und ganz langsam den Arm ausstreckte. Sie ertastete etwas Heißes. Ein leiser Fluch folgte, und als sich der Geflügelte anspannte und über Leas Schulter nach unten schauen wollte, ließ sie ­Sander los. Dies veranlasste Medon zu einem hämischen Grinsen, doch bevor er Sanders Absturz kommentieren konnte, riss Lea ihren Arm hoch.

„Mistkerl!“, schrie Lea und rammte ihm die brennende Fackel ins Gesicht. Medon brüllte gepeinigt, schlug mit beiden Händen nach der Fackel, und Lea stürzte wie ein Stein in die Tiefe. Der Sturz dauerte keinen Lidschlag. Sie wurde von jemandem aufgefangen, der mit ihr zu Boden ging.

Hastig rollte sie sich zur Seite und erblickte in vier Metern Höhe Medon. Er brüllte schmerzerfüllt und wutentbrannt zugleich, schlug kraftvoll mit den Flügeln und verschwand aus ihrem Sichtfeld.

Lea sah sich hektisch um und entdeckte Geralt, der wankend auf dem Geländer stand. Er hatte ihr wohl die Fackel gereicht. Matt, Adaric und Jon standen, mit Speeren und Fackeln bewaffnet, um das Steuerrad herum. Dann fiel ihr Blick auf ihren Vater, der neben ihr lag und sich soeben aufrappelte.

„Er hat mich aufgefangen“, dachte sie noch, bevor er sie ungestüm umarmte.

Er schob sie jedoch schnell wieder von sich. Seine Augen weiteten sich, bevor er entsetzt flüsterte: „Du bist verletzt!“

Rion fuhr mit dem Daumen sanft über ihr Gesicht, und Lea bekam feuchte Augen, weil sie direkt an Sander denken musste.

„Es ist nicht mein Blut.“

Über ihnen erklang das Rauschen mächtiger Schwingen. Ein furchterregendes Brüllen ließ ihnen das Blut in den Adern gefrieren. Rion sprang sofort auf und zog Lea auf die Füße.

„Hebt die Fackeln, er kommt zurück“, rief er.

Medon rauschte über die anderen Männer hinweg. Rion schob Lea direkt hinter sich, hob den Speer und stach blitzschnell zu. Just in dem Moment, als Medon vor ihm landete. Die Speerspitze drang tief in den Hals der Kreatur ein, und Rion riss sie direkt wieder heraus. Dann fiel er auf ein Knie, so dass Medons niedergehende Pranke knapp über seinen Kopf hinwegrauschte.

Derweil stachen die anderen Männer auf Medons Rücken ein, aber die ausgebreiteten Flügel und das dichte Federkleid schützten ihn vor schwerwiegenden Verletzungen. Erst als Geralt sein Schwert zog, hervorsprang und die Klinge in die Wade des Geflügelten stieß, erhielten sie dessen Aufmerksamkeit. Unerwartet schnell drehte er sich, brachte Geralt mit einem Flügel zu Fall und entriss ihm das Schwert. Dabei schnitt er sich selbst die halbe Wade auf, was Medon jedoch kaum zu spüren schien. Er kam sofort wieder hoch und trat mit voller Wucht gegen Geralts Brustkorb. Der rutschte einige Meter über die Planken, bevor er unsanft vom Steuerrad gebremst wurde.

Medon ließ das Schwert achtlos fallen, spreizte die Flügel und fegte Jon, Adaric und Matt von den Füßen, bevor er sich zu Rion und Lea umdrehte.

Rion duckte sich unter einer niedergehenden Pranke hinweg und hob direkt den Speer, um auf Medons Kopf einzustechen. Dieses Mal fing der Geflügelte den Speer jedoch ab, zog kraftvoll daran und schickte Rion mit einem brutalen Schlag seiner Rückhand zu Boden.

Lea fiel neben ihrem Vater auf die Knie, rüttelte an seiner Schulter, jedoch vergeblich. Ihr Vater war bewusstlos, und als Medon sich zu ihr beugte, sprang sie hastig auf die Füße.

„Was willst du von uns?“, brüllte sie und wich zurück, weg von ihrem Vater.

Einen Moment lang verharrte seine klauenbeschwerte Hand über Rions Kopf, bis Lea erneut brüllte.

„Verschwinde, du widerliches Scheusal!“

Sofort richtete er sich auf. Lea schaute entsetzt zu Geralt, der sich an Medon vorbeischieben wollte, doch dieser schickte ihn erneut zu Boden, indem er nur kurz den Flügel hob.

Lea hatte inzwischen das Geländer erreicht und wollte sich daran entlang schieben, was Medon direkt mit seinen Flügeln unterband. Auch die andere Seite versperrte er. Sie musste den Kopf in den Nacken legen, um in sein Gesicht zu sehen. Dieses lag im Schatten, dennoch fiel ihr erst jetzt auf, wie groß er war. Er maß gute drei Meter, und mit ausgebreiteten Schwingen nahm er den gesamten Aufbau des Schiffes ein. Außerdem fiel Lea auf, dass er nun alles andere als amüsiert war. Sein furchteinflößendes Knurren ging ihr durch und durch, als er sich vorbeugte und ihre Oberarme packte. Dieses Mal vermochte sie es nicht, einen Schrei zu unterdrücken, da er zielgenau zwei Krallen in ihre Wunde presste und immer tiefer hineindrückte. Dabei hob er sie empor. Lea vergaß den Schmerz, als sie sein Gesicht erblickte. Die linke Hälfte war eine blutige Masse, wahrscheinlich, weil er sich die Brandblasen aufgekratzt hatte. Das Auge war als solches nicht mehr zu erkennen.

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