Kitabı oku: «Zauberer und Höllentore: Acht Fantasy Krimis», sayfa 10
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Ich ließ mich auf dem 44. Polizeirevier sehen, das unter der Leitung von Captain Jack L. Atanasio stand. Jack war etwa 35 - also in meinem Alter.
Wir hatten zusammen bei der City Police angefangen und eine Weile waren wir Partner gewesen. Wenn ich ihn traf, rief mir das immer wieder ins Gedächtnis, welche Karriere ich hätte machen können, wenn ich nicht frühzeitig den Dienst quittiert hätte.
Sofern ich Informationen brauchte, dann wandte ich mich an Jack. Er saß schließlich an der Quelle und im Zweifelsfall hatte er den schnelleren Zugang zu den Polizeicomputern, als wenn Greg es mit seinen Hacker-Künsten versuchte.
Außerdem redeten wir gerne über die alten Zeiten. Fast zwei Jahre lang hatten wir Tag für Tag in einem Streifenwagen gesessen und mehr Zeit miteinander verbracht als mit irgend jemand sonst.
Jack L. Atanasio sah mich grinsend an.
"Na, was treibt dich denn her? Der dünne Kaffee, den es bei uns gibt doch wohl bestimmt nicht!"
"Glaubst du, der in unserer Detektei ist dicker?"
Captain Atanasio lachte, während er hinter seinem penibel aufgeräumten Schreibtisch hervorkam und mir die Hand schüttelte.
"Natürlich ist der Kaffee bei euch dicker", meinte er dann. "Schließlich kannst du als freier Unternehmer doch selbst bestimmen, wie viel Pulver du dir leistest!"
"Als freier Unternehmer muss ich das Zeug allerdings auch selbst bezahlen", konterte ich.
"Du Ärmster!"
"Ich bin nicht zum jammern hier..."
Der Captain musterte mich. "Gut siehst du nicht aus mit deinen Ringen unter den Augen. Entweder du hast ein entschieden zu ausschweifendes Privatleben oder dein Agentur-Partner lässt dich die ganze Arbeit allein machen!"
Ich lachte.
"Greg behauptet genau das Gegenteil!"
"Was du nicht sagst..."
Die Flachserei zwischen uns gehörte einfach dazu.
Jack zog die Augenbrauen zusammen. Sein kantiges Gesicht wurde jetzt ernster. Er strich sich mit einer nachdenklichen Geste über den bis auf den Millimeter genau abgegrenzten Knebelbart, den er sich seit einigen Monaten hatte stehen lassen.
"Nun sag schon, was kann ich für dich tun, Luke?"
"Es geht um eine Frau..."
"Oh..."
"Nein, nein, nicht, was du denkst. Sie wurde gestern Nacht von ein paar Leuten verfolgt, die ziemlich entschlossen schienen, sie umzubringen. Ich habe ihr in letzter Sekunde geholfen."
"Wo war das? Sieht nach einem Fall für..."
"Zunächst einmal ist das nur ein ganz privater Fall für mich, okay?
Sonst nichts."
Jack hob die Hände.
"Warum so gereizt, Luke? Habe ich da irgendeinen wunden Punkt erwischt?"
"Jack, es hängt einfach eine Menge davon ab, dass ich diese Frau wiederfinde. Leider ist das Einzige, was ich von ihr habe der Vorname und..."
"Ja?"
"...ihr Gesicht." Ich tickte mit dem Zeigefinger gegen die Stirn. "Hier drin."
Jack Atanasio hob die Schultern.
"Na, bravo! Das ist ja wirklich umwerfend!"
"Ich will ja nur, dass wir ein Phantombild machen und es durch den Computer jagen."
"Du hoffst, dass diese Lady irgendwann mal straffällig geworden ist?"
"Es ist immerhin eine Chance."
Atanasio seufzte, dann nickte er schließlich.
"Weil du es bist, Luke. Aber nur deshalb!"
8
Ich hatte Glück. Die geheimnisvolle Schönheit mit den nussbraunen Haaren war bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Ihr Name war Rebecca Danby, geboren in Reilly, Massachusetts.
Bereits als Jugendliche war sie zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden, weil sie wegen Benutzung satanischer Symbole von einem Bezirksgericht verurteilt worden war.
Im erzkonservativen Massachusetts war das bis heute ein Straftatbestand.
Es folgten noch ein paar weitere Anklagen wegen ähnlicher Delikte, bis die Familie schließlich nach New York City übersiedelte.
Vor drei Jahren hatte es dann eine Mordanklage gegen Rebecca Danby gegeben. Sie war festgenommen worden unter dem dringenden Tatverdacht, ihren Vater bei einem okkulten Ritual umgebracht zu haben...
Schließlich war sie aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.
Die Anklage hatte nicht stichhaltig darlegen können, dass der Tod Lester Danbys in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der bizarren Apparatur stand, an die Danby angeschlossen gewesen war.
Captain Jack L. Atanasio pfiff durch die Zähne und riss mich damit aus meinen Gedanken heraus. Beide starrten wir gebannt auf den Computerschirm auf Jacks Schreibtisch, über den er mit den Datenbanken der verschiedenen Polizeibehörden und der Justiz verbunden war.
"Sag mal, auf was bist du denn da gestoßen, Luke?“, murmelte Jack halblaut. "Wie wär's wenn du jetzt mal ein paar Brocken auf den Tisch legst, mit denen ich etwas anfangen kann..."
"Tut mir leid", sagte ich.
"Luke! Nennt man so etwas Dankbarkeit?"
"Sobald ich etwas in Erfahrung bringe, lasse ich es dich wissen, Jack!"
Captain Atanasio machte eine wegwerfende Handbewegung.
"Leere Versprechungen, Luke“, meinte er. "Nichts weiter."
"Du kennst mich, Jack!"
"Ja, eben!"
9
Rebecca Danbys letzte Adresse gehörte zu einer Villa in den Brooklyn Heights. Und da es im Telefonbuch noch immer einen Eintrag unter dem Namen Danby gab, war zu hoffen, dass Rebecca nach wie vor dort wohnte.
Ich fuhr hin und benutzte dabei einen schon etwas in die Jahre gekommenen Golf, der zu dem insgesamt fünf Fahrzeuge umfassenden Mini-Fuhrpark unserer Agentur gehörte. Alles Wagen, die unauffällig genug waren, um bei Observationen benutzt werden zu können.
Ich hatte keine Schwierigkeiten, die Danby-Villa in Brooklyn zu finden, stellte den Wagen am Straßenrand ab und trat an das massive gusseiserne Tor heran, das die Einfahrt versperrte. Das Haus - man musste schon von einem Anwesen sprechen - war von einer etwa zweieinhalb Meter hohen Mauer aus grau gewordenem Sandstein umgeben. Einzig und allein vom Tor aus konnte man einen Blick auf die Vorderfront der eigentlichen Villa werfen. Sie war aus demselben grauen Stein errichtet worden wie die sie umgebende Mauer.
Der Baustil war höchst eigenartig, selbst für die zum Großteil sehr individuell angelegten Heights-Villen. Das erste, was einem selbst aus der Entfernung auffiel war, dass die Villa offenbar asymmetrisch angelegt war und der Architekt einen besonderen Hass auf rechte Winkel gehabt haben musste.
Wie ein Zerrbild wirkte die Danby-Villa.
Keiner der vielen kleinen Erker glich dem anderen, die Fenster waren nicht rechteckig, sondern glichen ungleichmäßigen Rauten oder Parallelogrammen. Ein Haus, wie aus einer anderen Welt...
Ich sah mich nach einer Gegensprechanlage um und fand sie schließlich, nachdem ich eine überhängende Ranke zur Seite schob.
"Sie wünschen?“, meldete sich eine heisere Männerstimme.
"Ich möchte zu Miss Rebecca Danby."
"Bedaure, die ist nicht zu sprechen."
"Melden Sie Ihr bitte, dass ein gewisser Lucas Gordon sich hier vor der Tür die Füße platt steht..."
Ein knackender Laut drang aus der Gegensprechanlage. Ich befürchtete schon, dass mein Gegenüber die Verbindung endgültig unterbrochen hatte. Eine ganze Weile wartete ich, drückte zwischendurch noch einmal den Knopf an der Sprechanlage, ohne dass es darauf allerdings irgendeine Reaktion gab.
Ich war schon nahe daran aufzugeben und mich wieder hinter das Steuer meines Golfs zu setzen, als sich endlich das gusseiserne Tor selbsttätig öffnete. Ein Summton war dabei zu hören. Er mischte sich mit dem Quietschen der wohl seit langem ungeölten Scharniere.
Ich trat ein und ging den breiten, mit Natursteinen gepflasterten Weg entlang, der auf das Portal der Villa zuführte.
Hinter mir schloss sich das Tor.
Der Garten, der die Danby-Villa umgab, wirkte ziemlich verwildert.
Knorrige Bäume standen wie bizarre Skulpturen auf dem Grundstück verstreut.
An einem der Fenster glaubte ich, eine Bewegung zu erkennen.
Zweifellos wurde ich beobachtet.
Ich stieg ich die Stufen des Portals empor. Es waren insgesamt sieben an der Zahl. In den benachbarten Blumenrabatten waren kleine Tonstatuen aufgestellt worden, die an mittelalterliche Darstellungen des Todes erinnerten: In Kutten gehüllte Skelette mit Sensen und Sicheln in den fleischlosen Knochenhänden...
Schließlich stand ich vor einer Tür aus dunklem Ebenholz, die mit zahllosen Schnitzereien versehen war. Pentagramme reihten sich an umgedrehte Kreuze und fratzenhaft-verzerrte Darstellungen dämonenhafter Fabelwesen.
Gut, dass du nicht mehr in Massachusetts wohnst, Rebecca, ging es mir durch den Kopf. Was ich sah, befremdete mich. Kaum zu glauben, aber dies ist New York City, der Nabel der Welt des frühen 21.Jahrhunderts, durchfuhr es mich. Es war kaum zu glauben.
Ein grauhaariger Mann mit ausdruckslosem, eckigen Gesicht öffnete mir. Ich schätzte sein Alter auf Mitte 50. Sein Gang war schleppend und etwas gebeugt. Er trug einen dreiteiligen Anzug aus dunkler Schurwolle, dazu einen schwarzen Rollkragenpullover, von dem sich ein silbernes Totenkopf-Amulett abhob.
"Folgen Sie mir, Mr. Gordon", begrüßte er mich. "Miss Danby wird Sie im roten Salon empfangen..."
Ich folgte dem Mann mit dem Totenschädel-Amulett, der offenbar eine Art Hausverwalter oder Butler war. Die Räume und Flure, durch die ich geführt wurde, waren allesamt sehr hoch, fast gewölbeartig. Aber sie enthielten so gut wie überhaupt kein Mobiliar. Die Wände waren mit magischen Symbolen bemalt. Reihen komplizierter Zeichen bildeten regelrechte Kolonnen. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass es sich um Texte in einer bizarren Geheimschrift handelte.
Schließlich folgte ich dem Butler in einen fensterlosen Raum, der vollkommen in Rot gehalten war. Der Wandbehang war ebenso in leuchtendem Scharlachrot wie der Fußboden und das Mobiliar, das aus nur einigen Tischen, einem Diwan und dazugehörigen Sesseln bestand.
Kerzenlicht flackerte auf.
Schatten tanzten unruhig an den Wänden.
Rebecca Danby saß in sich versunken an einem der Tische. Das lange, nussbraune Haar trug sie jetzt zu einem Knoten zusammengefasst.
Ihr Gesicht wirkte angestrengt. Die Augen waren geschlossen.
Der Butler deutete auf einen der Sessel.
"Bitte nehmen Sie Platz, Sir“, forderte er mich auf. "Miss Danby wird alsbald zurückkehren..."
"Zurückkehren?“, echote ich.
Der Butler ging nicht darauf ein.
Er drehte sich mit mechanisch wirkenden Bewegungsabläufen um und verließ jenen Raum, den er den 'Roten Salon' genannt hatte.
Einige quälend lange Augenblicke lang herrschte absolute Stille. Ich betrachtete die offenbar in Trance befindliche Frau vor mir und ließ die eigenartige Umgebung auf mich wirken.
Diese Villa - und insbesondere der rote Salon - waren ein bizarrer Ort, der auf seltsame Weise von Raum und Zeit entrückt zu sein schien.
Man konnte beinahe den Eindruck gewinnen, in eine andere Welt hinübergewechselt zu sein.
Ein absurder Gedanke, durchfuhr es mich.
Rebecca Danby öffnete die Augen.
"Luke..." Ein beinahe verklärtes Lächeln spielte um ihre vollen Lippen herum. "So haben Sie mich also doch gefunden..."
"Na, wenigstens sehen Sie aus, als würden Sie mich deswegen nicht gleich verfluchen..."
Ihr Lächeln schwand.
"Seien Sie sich da mal nur nicht zu sicher, Luke!"
"Unsere letzte Unterhaltung wurde etwas abrupt abgebrochen. Ich wäre dafür, sie hier und jetzt fortzusetzen, wenn Sie nichts dagegen haben."
"Ich halte nicht viel davon, Luke. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf: Halten Sie sich aus der Sache heraus. Andernfalls..."
"Ja?"
Sie hob das Kinn, sah mich einige Augenblicke lang nachdenklich an und fuhr dann in einem etwas gedämpfteren Tonfall fort: "Sie sollten das, was ich gesagt habe, nicht als eine der üblichen Drohungen auffassen, die Ihnen in Ihrem Job sicher des öfteren begegnen..."
"Nun..."
"Sie sind ein netter Kerl, Luke. Ich möchte nicht, dass Ihnen etwas passiert..."
"Vielen Dank, aber ich konnte bis jetzt immer ganz gut auf mich selbst aufpassen." Ich atmete tief durch, fragte mich, wie ich in dieser Sache endlich ein Stück weiter kommen konnte. Ich lehnte mich etwas zurück, ließ den Blick durch den roten Salon schweifen. "Sie leben in einem... außergewöhnlichen Haus", sagte ich dann gedehnt. "Hier in New York gibt es dermaßen viele völlig abgedrehte Typen, dass Sie mit so einem Anwesen kaum größeres Aufsehen erregen..."
"Worauf wollen Sie hinaus?"
"Darauf, dass das in Massachusetts wohl etwas anders wäre..."
Ihr Gesicht wurde dunkler.
Das Lächeln verflog vollends und ihre Stimme bekam einen harten, sehr bestimmten Tonfall.
"Daher weht also der Wind", sagte sie. "Nun gut, ich habe versucht nett zu sein, aber jetzt ist es wohl besser, wenn wir das Gespräch einfach abbrechen und jeder von uns seiner Wege geht."
Sie erhob sich.
Ich blieb sitzen, sah sie von schräg unten an. Das enganliegende Kleid, das sie trug, betonte die schwindelerregenden Kurven ihrer aufregenden Figur. Ich nahm mir fest vor, mich davon nicht ablenken zu lassen.
"Tut mir leid, Rebecca - mehr als diesen wundervollen, aber leider ziemlich häufigen Vornamen wollten Sie mir ja nicht über sich preisgeben..."
"Wozu ich meine Gründe habe!"
"...und so war ich gezwungen, meine eigenen Informationsquellen anzuzapfen. Ihre Vorliebe für Okkultismus scheint sich gehalten zu haben... Ich sage Ihnen ganz offen, dass ich nichts von derlei esoterischem Zeug halte! Wir leben im 21. Jahrhundert und das Mittelalter ist lange genug vorbei, um es endgültig abhaken zu können! Aber das, was ich nach dem Carisi-Konzert miterlebte..."
Sie blickte auf mich herab.
Geringschätzung und Verwirrung hielten sich in ihrem Blick die Waage mit einer dritten Zutat.
Angst.
Da war ich mir ganz sicher.
Auch wenn sie rein äußerlich so beherrscht und abgeklärt tat und ihrer Seele in irgendwelchen Trance-Sphären etwas Ruhe und Erholung gegönnt hatte - unter der Oberfläche brodelte es in ihr. Ein Vulkan, dessen glühende Lavamassen jederzeit explosionsartig hervorbrechen konnten.
"Was wollen Sie eigentlich, Luke?"
"Ich will Erklärungen! Zum Beispiel will ich wissen, was das für Leute waren, die Ihnen gefolgt sind: Greise mit glühenden Augen, die wie Zombies aus B-Movies aussehen und sich nicht erschießen lassen..."
Ich atmete tief durch und erhob mich jetzt ebenfalls. Wir sahen uns an.
"Ich muss wissen, was das war, Rebecca. Ob ich vielleicht den Verstand verloren habe oder..." Ich brach ab, schüttelte den Kopf. "Für Sie sind Geister, Dämonen und dieses ganze übernatürliche Zeug real! Das sieht man an der Art und Weise, wie Sie dieses Haus eingerichtet haben und das weist auch Ihr Vorstrafenregister aus... Aber in der Welt, in der ich lebe, gehörte dies alles bislang ins Reich der Fabel!"
"Es gibt Dinge, für die menschliche Wissenschaft bislang noch keine Erklärungen besitzt", sagte Rebecca. "Phänomene, die man als das Übernatürliche bezeichnen könnte. Meinen Sie das?" Sie seufzte. "Das, was Sie gesehen haben, war eine Begegnung mit dieser Welt... Sie sollten es dabei belassen oder es könnte Sie den Verstand, das Leben oder beides kosten!"
"So wie Ihren Vater - Lester Danby?"
Ihr Blick wurde jetzt eisig.
Ich bemerkte den dunkelroten Stein, der ihr an einer silbernen Kette um den Hals hing. Sie griff danach, umklammerte ihn mit der Faust und drückte dabei so doll zu, dass ihre Knöchel weiß wurden. "Sie haben kein Recht, so darüber zu reden."
"Dann erklären Sie es mir!"
"Der Tod meines Vaters geht Sie nichts an, Lucas Gordon!"
"Er starb unter bis heute mysteriösen Umständen im Zusammenhang mit der Verwendung einer okkulten Apparatur..."
"Sie Ahnungsloser!"
Ich spürte, dass ich ihren wunden Punkt erwischt hatte. Wenn ich in dieser offenen Wunde herumbohrte, kam vielleicht noch etwas an den Tag, was mich weiterbrachte. Schließlich war nicht auszuschließen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Tod Lester Danbys und den unheimlichen Ereignissen im Anschluss an das Carlo Carisi-Konzert bestand.
"Zweifellos sind Sie ein begabter Detektiv, Luke", stellte Rebecca dann fest. Sie hob das Kinn, blickte mir direkt in die Augen und öffnete dann die Faust, die bis jetzt den dunkelroten Stein umschlossen hatte.
Der Stein schimmerte, begann immer heller zu leuchten.
Ich hatte mich also nicht getäuscht...
Mein Instinkt für Gefahr meldete sich.
Ich wich unwillkürlich einen Schritt zurück.
"Es tut mir leid, aber Sie lassen mir keine andere Wahl..."
Eine grellrote Lichtaura bildete sich um das Amulett. Im nächsten Augenblick schoss etwas auf mich zu. Ein roter Strahl, ein Blitz.... Es ging einfach zu schnell. Von einem Augenblick zum nächsten umgab mich dann nur noch Dunkelheit. Ich hatte das Gefühl zu fallen. Immer tiefer, in einen unermesslichen schwarzen Schlund hinein. Eisige Kälte umgab mich und ließ mich bis Mark frieren. Ich hatte das Gefühl vollkommener Erstarrung. Ein Geruch nach Moder und Verwesung betäubte meine Sinne.
Ich hatte das Gefühl zu ersticken.
Mein Gott!, durchfuhr es mich. Wie in einer Totengruft...
Dann spürte ich gar nichts mehr.
10
Carlo Carisi beobachtete mit in sich gekehrtem Blick, wie die Pagen des Excalibur Hotels seine Koffer in den Gepäckraum des Taxis verfrachteten.
Nur seine Geige - an die ließ der Virtuose niemanden heran.
Der schwarze Violinkasten klemmte unter seinem linken Arm. Mit der Rechten strich er beinahe zärtlich über den samtenen Überzug.
Dieses Instrument ist mein Leben, ging es ihm durch den Kopf. Und das nicht nur im übertragenen Sinn...
Der Taxifahrer war ein großer, breitschultriger Mann mit kantigem Gesicht und kurzgeschorenen Haaren. Er sah aus, als würde er seine Freizeit überwiegend in einem Bodybuilding-Studio verbringen, was ihn jedoch nicht dazu veranlasste, den Pagen des Excalibur bei ihrer schweißtreibenden Arbeit zu helfen. Der Blick des Taxi-Drivers hing an Carisi.
Du hast es fast vergessen, wie es ist, angestarrt zu werden, nicht wahr?, ging es dem Virtuosen dabei durch den Kopf. Der Preis der Popularität... Manchen seiner Musiker-Kollegen ging das auf die Nerven.
Carisi hingegen hatte seine Bekanntheit stets genossen. Er hatte regelrecht etwas vermisst, als es für einige Zeit etwas ruhiger um ihn geworden war...
Aber diese Zeit war nun vorbei...
Hast du nicht schon gedacht, dass alles zu Ende geht?, dachte er. Dass du im Wahnsinn versinkst und nie wieder auf der Bühne stehen kannst?
Aber nun gehört dir die Ewigkeit. Es gibt keinen Tod und kein Vergessen für dich.
Ein blassgesichtiger, schlaksiger Mann trat an ihn heran. Seine Haut war pergamentartig und faltig. Eng lag sie an den hervorstehenden Wangenknochen an. Die Augen waren blassblau und wirkten müde.
Carisi sah ihn mit einem spöttischen Ausdruck im Gesicht an.
"Nun, Jesper? Was willst du mir sagen? Dass du bis jetzt noch immer keinen Erfolg hattest?"
"Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Rebecca Danby in unsere Hände gerät", erwiderte Jesper schluckend.
"Das hoffe ich", zischte Carisi und seine Stimme hatte dabei etwas von den Lauten einer Klapperschlange. "Und zwar für dich!" Carisi tätschelte Jesper herablassend an der Schulter. "Du siehst nicht gut aus", stellte er fest. Und im selben Moment fühlte Carisi, wie der unheimliche Hunger, der ihn beherrschte, wieder aufkeimte.
Nein!, schritt die warnende Stimme in ihm ein. Es ist genug! Du kannst nicht schon wieder Bedarf nach Lebensenergie haben, Carlo Carisi! Die Sache mit Ted Barnes ist noch nicht einmal 24 Stunden her!
Carisi atmete schwer.
Der Hunger drohte ihn zu überwältigen.
Du musst dich beherrschen!, hämmerte es in ihm. Sonst gerät alles außer Kontrolle...
Er wusste, dass die warnende Stimme in seinem Inneren Recht hatte.
Aber es wurde immer schwieriger für ihn, auf sie zu hören.
Ich brauche Jesper noch, wurde ihm klar. Also darf ich dessen Lebensenergie nur so weit anzapfen, dass es nicht kritisch wird.
"Ich brauche deine Hilfe", sagte Jesper. Die Stimme des blassgesichtigen Schlackses gelangte wie aus weiter Ferne in Carisis Bewusstsein. Mit etwas Zeitverzögerung lachte der Virtuose dann heiser auf.
"Meine Hilfe?"
"Bitte!"
"Rebecca Danby gehört nicht zu meinen Aufgaben", sagte Carisi dann. "Aber an deiner Stelle würde ich mich beeilen... Du weißt, was ER mit Versagern zu tun pflegt..."
"Ja", murmelte Jesper tonlos.
Carisi lachte dröhnend.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.