Kitabı oku: «Ich rocke den Lake Viktoria!», sayfa 4
Fights
Fights. Fangen wir bei einem Kampf an, der eventuell keiner war. Vor einer Woche, an Marys Geburtstag, planen wir in der Tunza-Lodge bei farbigem Abendlicht am See zu dinieren. Lag es an unserem geschäftigen Tag, dass sich die Sonne frühzeitig verabschiedet hat? Jänu, Mary, Pura, Jadida und ich schlemmen gebratenen Fisch am hellsandigen Beach. Dazu gönnen wir uns ein, wirklich nur ein Glas Rotwein. Mary als gewohnte (Einiges-)Biertrinkerin reagiert dusselschläfrig auf die Trauben. Auf der Rückfahrt hält sie abrupt an. Die Buckelpiste gehört nun mir! Gab es Abwehr, nicht einzunicken oder mir das Vertrauen zu schenken: Alle drei schlafen selig…
Wie sich das Himmelszelt fetzt in Kiseke! Ich erwache durch herannahendes Aufbauschen und horche. Eindrucksvoller, heerischer Ansturm. Eingemummelt sitze ich hausmittig auf dem blanken Plättliboden. Durch alle vier Fensterseiten sehe, höre, schaue und staune ich dem unbeschreiblich feurigen Spektakel zu. Der Donner donnert nicht, der Blitz blitzt nicht nur. Das Donnergrollen ist eine tosende Quadrophonie, die Blitze sind himmelsdeckende, grellhellgelbe umarmende Verwinkelungen. Das Quartier leuchtet santoriniweiss, als brennen an jedem Gebäudchen tausend Glühbirnchen. Manchmal grellt es augenschliessend. Ein erleuchtender Genuss!
Ein andersartiges Aufbauschen: Friedlich wartend im Daladala sitzend Richtung Stadt donnert es: „Kontrolle“. Polizistinnen! Eine Einzelfahrt kostet 250 Schilingi, 18 Rappen. Quittungen gibt es keine. Der ’Kondakta’ hievt Leute rein und kassiert während der Fahrt. Was zankt er sich mit der stämmigen, in aalglatt weiss uniformgezwängter Polizistin? Nicht wir sind die Schwarzfahrer, sondern der Driver selbst! Er ist nicht für diese Strecke registriert und hat somit in fremdem Hoheitsgebiet geangelt! Wir müssen den Daladala wechseln. Die Polizei fährt mit dem Sünderbus zur Station. Oder bis um die Ecke, sofern das Schmiergeld stimmt? Hier folgt eine zweite Auseinandersetzung zwischen zwei Busguides, welche die Mzungu in ihrem Gefährt wollen. Tatkräftig, wie kleine Jungs raufen sie sich im Gras darum - eine ganz schöne Weile mit ganz schön Angeheuere! Als ich heiter eigens die Entscheidung fälle, geht die Partie zwischen den beiden parolenmässig an den zeitgleich frequentierten Halteplätzen lauthals weiter. Soviel Aufmerksamkeit!
Dem nicht genug, werde ich ‘Opfer’ eines Verrückten. Es geschieht in derselben Aussenareal Marktstrasse, wo der Taschendieb hinter mir her war. Aus dem Augenwinkel heraus nehme ich rechts eine schmuddelig schwarz gekleidete, vollbärtig wuschelhaarige Kreatur wahr. Aaaii, reflexrichtig geduckt, kommt die Faust geschossen! „Eeehh“, klingt es aus den Marktfrauenmündern. Ich holpere im Zickzack über die ausgelegte Ware. Der Typ verfolgt mich schattenboxmässig auf mich einprügelnd! Crazy Gefühl, auch wenn’s von einem Verrückten kommt. Mein innerer Kampf wird folglich sein, diesen farbenprächtigen Weg zu meiden, zwei Winks genügen.
Dem scheinbar nicht genug, werde ich ‘Opfer’ eines Verrückten. Es geschieht in der einen ungedeckten Marktstrasse, wo schon der Taschendieb hinter mir her war. Aus dem Augenwinkel heraus nehme ich rechts von mir eine schmuddelig schwarz gekleidete, vollbärtig wuschelhaarige Kreatur wahr. Aaaii, reflexrichtig ducke ich mich, als die Faust geschossen kommt! "Eeehh", klingt es aus den Marktfrauenmündern. Ich holpere etwas im Zickzack über die ausgelegte Ware. Der Typ verfolgt mich und prügelt schattenboxmässig auf mich ein! So crazy! Komisches Gefühl, auch wenn’s von einem Crazy kommt. Auf diese Art von Fights kann ich verzichten. Meine innere Auseinandersetzung wird folglich sein, diese farbenprächtige Strasse zu meiden, zwei Winks genügen.
Da haben wir den kaum begonnenen, schon gewonnenen Kampf – zumindest die erste Runde. Mary und ich entdeckten bei der Tour mit dem deutschen Missionar Father George ein Bijou, welches sich hervorragend als Museum eignen würde. Eine unserer Ideen, was Mwanza (noch) fehlt. Diverse Erkundigungen ergeben uneinig, das Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit sei verkauft, werde verkauft, soll abgerissen werden, wird abgerissen, wir hätten so oder so keine Chance, und und und blabliblabla. Als kurzfristig mal ein Meeting ausfällt, sprechen Mary und ich direkt beim City Council vor. Ideenzugänglich schickt er uns an eine Adresse gegenüber vom kolonialen Bahnhof (welcher bis vor zwei Jahren auch Personen beförderte). In einem eisfrierfachkaltgeblasenem Büro stossen wir desgleichen auf offene Ohren und erhalten eine konkrete Postadresse in Dar-es-Salaam. Ich schreibe eine lange Liste, mit ’why-a-museum’. Jetzt, nach unserem ersten schriftlichen Gesuch, steht es innert Wochenfrist schwarz-auf-weiss: Das Gebäude wird offiziell durch den tanzanischen Staat beglaubigt unter Denkmalschutz gestellt! Die Nutzung zum Museum ist greifbar nahe! Wow, so macht Kämpfen Spass!
Zurück zu unserer Entdeckung ‘Museum’. Nach diversen Erkundigungen heisst es uneinig, das Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit sei verkauft, werde verkauft, soll abgerissen werden, wird abgerissen und wir hätten so oder so keine Chance, und und und blabliblabla. Als kurzfristig darauf ein Meeting ausfällt, schnappe ich mir Mary. Wir sprechen direkt beim City Council vor. Der zeigt sich unerwartet zugänglich und schickt uns an eine Adresse gegenüber vom Bahnhof (welcher ebenfalls aus der deutschen Kolonialzeit original steht und bis vor ein paar Jahren nicht nur Güter transportierte). In einem eiskaltgeblasenen Büro stossen wir ebenfalls auf offene Ohren und erhalten sogar eine konkrete Postadresse in Dar-es-Salaam. Ich schreibe Mary eine lange Liste, mit „why-a-museum“. Und jetzt, nach unserem ersten schriftlichen Gesuch, haben wir es innert Wochenfrist schwarz-auf-weiss: Das Gebäude wird sogar offiziell durch den tanzanischen Staat beglaubigt und unter Denkmalschutz gestellt! Die Nutzung zum Museum ist greifbar nahe! Wow, so macht Kämpfen Spass!
Father George zeigte uns sozusagen einen After-Workfight-Place, einen versteckten, deutschen Friedhof. Dort machen sich über hundertjährige Grabmäler von deutschen Soldaten, Admirälen und Schatzmeister aus. Father George kaufte starken Patex-Klebstoff, damit er, beziehungsweise ich, einige der zerfallenen Gedenktafeln zusammenfügen kann. Heutzutage ist der Ruheplatz den betuchten Mwanzaner vorbehalten - RIP inmitten in der Stadt kostet was.
Eine noch bevorstehende Herausforderung ist vielleicht die, der MTTF meinen rockigen Brand für Mwanza zu verkaufen. Ich bin zuversichtlich, wie auch, dass es bald die ersten Postkarten von dieser anziehenden Gegend geben wird! Let's rock, noch fünf Monatszyklen Zeit.
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Bukumbi und Kigongo Anfang Mai
Bukumbi und Kigongo. Auf den Spuren der ersten Missionare Tanzanias, Potentialtest für Reisende. Father George wurde während meinem Geburtsjahr von Kenya nach südlich Tanzania versetzt. Seit einer handvoll Jahren lebt er in Mwanza. Der eifrige deutsche Missionar ist flott unterwegs in europäisch geschnittenen Afrikahemden; um den Hals baumelt ein kleines schlichtes Holzkreuz. Seit er von der MTTF erfuhr, ist er erpicht, uns alle Funde zu zeigen. Father George weiss wahrhaftig Wissenswertes, geschichtlich Spannendes zu erzählen. Zudem gibt es jeden Tag heiliggesprochene Christen, das zelebriert Father George ritualmässig, indem er ab Zenithstunde mit höchstem Genuss sein erstes Bierchen zu dessen namentlichen Ehren trinkt. Der noch quicklebendige Father Jesuit Professor James Spillane (Irländer, in Boston aufgewachsen, erworbene Nationalität Indonesier, seit 40 Jahren aktiv all-around-the-Globe) sowie die brighte Delphine (Uni-Teacherin, James Assistentin, a local one) sind heute mit von der Party. Auf dem Weg Richtung Bukumbi präsentiert sich steiles, weites verwinkeltes Felsplateau mit traumhaftem Panorama auf wie über Steinformationen, See und Natur. Diese leichte Klettertour wäre super mit vorherigem kurzen ’Baiskeli-’Tourteil anzubieten. Wir bräuchten vor Ort brauchbare Fahrräder. Mary freut sich aufs Radeln - ich mich auf die verstecke Picknicküberraschung zum Sunset.
Besuch in einer Missionsstation, sie ruht ruhig, die Geistlichen flogen in die Districts aus. Trotzdem kommen wir in den soften Genuss von selbstgebackenem Cake. Dazu trinken wir gesegnetes Wasser (ohne Geist). Die historischen Geschichten muss Father George aufschreiben, da erzählt er Zuvieles am Stück. Geblieben ist, dass es die Schweizer wenn auch nicht erfanden, trotzdem von Anbeginn an dabei waren. 1878 traf die erste von zehn Karawanen der Afrikamissionare ’Weisse Väter’ ein. Tanzania war Durchgangsland nach Uganda sowie Kongo. Nachdem die Missionare darauf aus Uganda fliehen mussten, gründeten sie 1883 in Bukumbi die überhaupt erste Missionsstation in Tanzania. Die Sukuma hiessen die Weissen Väter wie selbstverständlich willkommen. In den Stammgebieten der Wasekuma und Wanyamwnzi entstanden in Iboja und Ushirombo Schulen. Die ersten grosszähligen Taufbewerber kamen aus der nördlichen Region Bukoba. Nebenbei: aus Bukoba stammt der erste schwarzafrikanische Kardinalpriester: Laurean Rugambwa wurde 1960 vom Papst Johannes XXIII dazu ernannt. Laurean Rugambwa ist clanseitig mit Mary verwandt.
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Nun in einer kleinen achteckigen Kapelle schaue ich auf den Ehrengemälden den weissen Missionaren in die blauen Augen. Im Hauptkirchenschiff grüsse ich die andächtig stehende Virgin Maria mit Babyboy Jesus auf dem Rücken. Beide sind dunkelschwarz – als Kompromiss musste einfach eine ‘europäische’ Nase her.
Einige Missionsgründer wurden, wie Brüder teils heute noch, innerhalb dieses Geländes begraben. In Stein gemeisselt lese ich vor den Namen ’Bruda’, heute würde wohl ’Bro’ stehen. Father George besteht darauf, dass beim Ausdruck ‘weisse Väter’ die Hautfarbe keine Rolle spielt. Dieses Thema sei annodazumal in (Nord/Schwarz)Afrika, keines gewesen. Die Namensgebung geht daher hervor, weil die Missionare lange helle Gewänder trugen!
Neben Geschichten und Blumen in Weiss und vollendeten Formen zäumen den heutigen Weg leuchtende Kinderaugen: Knallbunte Luftballone sind das beste Mitbringsel!
In Kigongo begrüsst uns die verarmte Chieffamilie. Sie zeigt uns ihr kleines grosses Reich. Als sein Vater urplötzlich verstarb, bekam das heute 81-jährige Oberhaupt mit unvorbereiteten 18 Lenzen das Zepter in die Hand gedrückt, Er sei seines Amtes müde, sinniert er. Auf die Frage von Father George hin verneint der alte Mann, dass er (noch) Regenzeremonien durchführt. Seine Antwort scheint sorgsam abgewägt; ich denke, dass doch. Glaubwürdiger sind die Worte zur Geschichte der folgenden Hinrichtungsmethode (bei Staatsgründung verboten): Gemeingefährlichem Gesindel wurden Hände und Füsse zusammengebunden. Mit einem einzigen Kopfhieb von hinten wurden sie getötet. Durch den direkten Schlag oder erst durch das folgende Kopfvoranvorüberfallen starben sie. Soeben stehen wir auf dem Ort des Geschehens, ein überaus kantenloser, flacher Stein, gruslig. Diese Arbeit war keinesfalls beliebt, wie auch. Denn, falls der Verurteilte noch atmet, hast du den Job nicht erfüllt und stehst folglich an dieser, seiner Stelle!
Ansprechender tauche ich beim nächsten Dorf in die eigene Fantasie ein über die Entstehung des strahlenden Sonnensterns sowie den witzigen, undefinierbaren Figuren. Wer diese hübsche Felsenmalerei kreierte, mit was für Naturalien, was die Symbole bedeuten und vor allem, wie alt diese sind, sei gänzlich unbekannt. Die Bewohner, seit Menschengedenken ansässig, wissen unüblich keine überlieferten Geschichten dazu!
Ein von Freude beschenkter Tag! Zur ausklingenden Abendstimmung an der Fährenstation Busisi, ein Cheers auf … die heutige Heilige Katharina von Irgendwas war bereits mittags dran … demnach auf die Gegenwart: Auf uns, unsere Projekte, auf die Region Mwanza und all ihre Juwelen!
Nächster Schritt: Ich packe den Koffer! Nein, ich bleibe an der Lake Zone, wo denkt ihr hin, Auszukundschaften gibt’s noch einiges. Nachtfähre nach Bukoba, 1. Klasse - Frau gönnt sich was, 2-Bettkabine für etwa 18.-. Bukoba, beziehungsweise die weite Region Kagera, dient Tanzanier als Erholungsoase. Ferien. Wie ich las und hörte, sei die Lake Zone zudem von Bihlazerose frei –Schwimmen im Lake Victoria!
Zur Heimat Marys: Die Region Kagera war durch den frühzeitigen Kontakt mit den Weissen Vätern in manchen Bereichen (beispielsweise Bildung) im Vergleich zum übrigen Festland fortschrittlicher. Die Entwicklung dieser Region verlief oft parallel zur Weltmarktentwicklung von Naturgütern. Kaffeebauer aus dem Volk der Haya waren einer der Vermögendsten in der Kolonialzeit. Die Haya galten und gelten als ein überaus intelligenter Stamm – Marys Tribe. Die Grenzlage zu Uganda, Ruanda, Burundi, sowie die geografische Isolierung durch den Lake Victoria, macht die Region aber auch verwundbar. Beispielsweise, 1994 während der Völkermorde in Ruanda, strömten über eine halbe Million Flüchtlinge hierher. Tanzania, selbst eines der ärmsten Länder der Welt, war das viertwichtigste Aufnahmeland, noch vor den USA. 1978 wurde das Gebiet von Truppen des ugandischen Diktators Idi Amin angegriffen. Madaraka Nyerere erzählte, wie er als Student in der Mensa sass, als die Kriegserklärung durch seinen Vater im Radio verkündet wurde. Madaraka war überrascht, überrascht über die Heftigkeit in der Stimme seines Vaters. Öffentlich wie Privat hat er ihn nie so entrüstet erlebt, weder vorher, noch nachher. Der neunmonatige Krieg wurde von Tanzania gewonnen. BBC wird just diesen, meinen Sommer anfragen, die beiden jüngsten Söhne zusammen zu bringen für ein Interview. Niemand konnte ahnen, dass Madaraka Nyerere und Jaffar Amin von Anbeginn des Zusammentreffens mit des ‚Vaters-Feind’ sich menschlich tief verbunden fühlen. Eine wunderbare Freundschaft entsteht. Und ich werde ein Jahr darauf mit beiden den Kilimanjaro besteigen! Eine Liebe mehr in meinem Leben. Dabei: Der Amerikaner Jim Becket arbeitete als junger Journalist in Genf für Amnesty International. Einer seiner ersten Reportagen war der damals aktuelle Krieg zwischen Uganda und Tanzania! Der nun gedrehte Originalfilm 'Sons of Africa' (Becketfilms.com/Journeyman.tv) kann bestellt werden über die üblichen Kanäle werden. Eine afrikanische halbstündige Ausführung findet man unter youtube 'Faces of Africa - sons of Africa) www.youtube.com/watch?v=3XO9mQke_80&t=495s
Darwin’s Nightmare
Darwin's Nightmare. Für alle, die fragten. Ja, ich sah den Dokumentarfilm von Hubert Sauper in aller schrecklicher Deutlichkeit. JA! Ja, ich landete genau auf diesem Flughafen, ja, es ist dies meine Stadt, ja, ich esse genau diesen Fisch frisch (und von den geräucherten Geräten), ja, ich kenne grosse Fischerhafen, ja, ich sollte eine behördliche Bewilligung für den Eintritt in Fischfabrik erhalten, ja, die Slumshügel durchspaziere ich, ja, die traditionellen Giftpfeile sind bekannt, ja, auch ich werde von diesen Strassenkindern angebettelt und sehe sie auf den Gehwegen schlafen. JA, dies ist eine Seite einer jeden Grossstadt! Nein, zu eurer Beruhigung, ich halte mich fern von Strassen und Stränden in der Finsternis – zumindest unbegleitet… und JA, es gibt Lebendiges, Feines, Farbiges, Fröhliches und Liebenswertes in der Rock City Mwanza am Viktoriasee!
Es weht ein Lüftchen…. Mitte Mai
Es weht ein Lüftchen, laut, geschäftig, warm. Lake-Victoria-Brise. Fährenflairneuland für mich. Laute Luft, laue Luft, laute Geräusche. Meine Mitkabinenfrau lächelt sympathisch, die Maschinerie rattert, wir verständigen uns mit illustren Gesten über die Schiffregeln. Ihrer Empfehlung folgend, gehe ich draussen auf dem Gang nochmals auf Toilette - unsere Kabine wird später von draussen zugeschlossen. Überraschend gut schlafe ich eingemummelt auf dem Eisenhochbett mit Kuschelkissen! Oder war der Tiefgang den beiden gut gefüllten Gläsern Rotwein sei Dank? Oder hatte ich Schlaf nachzuholen, wegen der aussergewöhnlich jaulenden Hunde in der Vornacht? Ich lief da spät von Mary heim. Silhouettenhaft lungert ein buckliger Vierbeiner vor meiner Eingangstüre rum. Soxs hat keine verkürzten Hinterbeine. Näherkommend, jage ich das unbekannte Geschöpf gedanklich weg. Hau ab, geh weg, das ist meine Hütte, du bist nicht eingeladen. Er schleicht sich duckend. So wie nun Mary in Bukoba fragt, ob ich die Hyänen hörte, weiss ich, was ich da bei schwachem Mondschein zu Besuch bekam!
Bukoba zum Ersten. Hoi Heu! Herrlich weich duftend wartet ein traditionelles Bandahäuschen an der Campside. Nächte direkt am Seeufer, wie schön. Doch habe ich genügend warme Sachen mit dabei für die Ferienwoche? Es bleibt nach dem Morgenregen unangenehm kühl windig. Heizungseinrichtungen fehlen. Bezüglich Film Darwins Nightmare, welcher in Ostafrika verboten ist: Kurze Szenen wurden an der Campside gedreht, ohne ihr Wissen auf Marys Grundstück!
Freudig erregt schnuppere ich Marktluft. Zugefallen ab heute heisst es: Senene-Saison. Es gibt sie frittiert, geräuchert, mit Chili - Suchtgefahr: Heuschrecken! Alle nennen sie mich Glückskind, Glücksbringer oder eben Senene; Senene ist die jährlich freudig erwartete Köstlichkeit, smile!
Im Kiroyera Office werde ich herzlich neugierig wie ein langerhoffter Gast empfangen. Ich lerne Marys Familie(n) kennen. Das angrenzende Restaurant Maendeleo ist Familienbetrieb. Laufend schauen Händler herein. Entsprechend ändern die Gerüche zwischen Früchten, Fischen, Textilem, Fleisch, Seife, Plastikspielzeug, Brot, Gemüse oder Schuhcreme. Amüsant, wie die Mama ganztags auf ihrem Stuhl sitzt und jede Bestellung, jede Ausgabe umgehend akribisch ins Schulheftchen kritzelt. Zur Senene-Verarbeitung sitzen wir um den grossen lebendigen Haufen Heuschrecken herum. Wir (sie) reissen denen einzeln Beinchen wie Flügelchen aus, bevor sie im heissen Fett schwimmen werden. Mein angewidertes Gesicht beim vergeblichen praktischen Versuch (das arme Tierchen) stösst auf grinsendes Unverständnis.
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Durch die Hintertüre pendle ich zwischen dem Restaurant Maendeleo und dem Reisebüro hin- und her. Dann stehen Maria und Sebastian da, das junge deutsche Paar, welches für Jambobukoba.com volontär arbeitet. Zugefallen. Ich shoppe mit den beiden Baiskelis. Macht Sinn – nicht, dass ich mitgehe, nein - die beiden wohnen fussmässig dreissig Minuten ausserhalb vom Stadtkern. Durch ihre Aufgaben dürfen sie auch in entlegene Gebiete fahren. Sebastian radelt nach abgeschlossenem Deal und Gurkenkauf heim; ungesund gerötet glüht sein Rotschopfgesicht. Maria und ich tauschen unsere Geschichten aus, nachdenklich stimmende teils. Auch wenn Julius Nyerere 1977 mit ‘Schule für alle Tanzanier’ die allgemeine Schulpflicht einführte sowie die Amtssprache Kiswahili förderte, scheint Quantität statt Qualität Praxis zu sein. Beispielsweise beobachtet Maria, wie der Lehrer vor neunzig Schülern steht, harakaraka, schnellschnell was an die Tafel schreibt „Verstanden Kinder?“, welche brav „Ndjyo, ja, Teacher“ antworten. Der nächste Stoff wird aufnotiert „Verstanden Kinder?“ „Ndjyo, Mwalimu“, folgend das nächste Thema, undsoweiterundsofort. Maria stupst den Lehrer mit diplomatischen Samthandschuhen. „Was?" er scheint offensichtlich ehrlich erstaunt, „Warum? Du hast erlebt, sie bestätigen, dass sie es verstanden haben. Du ahnst das Gegenteil? Warte auf morgen.“ Beim Test für drei Themen der letzten Woche meldet sich zu keiner Frage kein einziger Schüler! Armer Lehrer, arme Kinder.
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Apropos Kind: die Mutter arbeitet in der Küche des Maendeleo. Scheinbar von Weitem gesichtet, hat der quirlige, intelligente Wirbelwind Sharon mich adoptiert. Wehe, jemand möchte was von mir, der kriegt ihren energischen 4-jährigen Zeigefinger vor die Nase „Das ist meine Mzungu“. Wir sind sowas von vernarrt ineinander!
Im muffeligen Taxi, über eine schotterne Barabara (eines meiner ersten gut merkbaren Worte), beginnt der Tag. Das regional einzige Museum sowie die Behindertenwerkstätte BUDAP laden ein. Inspirierend zu erleben, was Mary auf standhafte Beine brachte. Das Museum wird von BUDAP geführt. Es zeigt traditionelle Riten, Gegenstände, Naturfotografien, alte Münzen, traditionelles, neues Handwerk. Nebenan in der eigenen Werkstatt handfertigen die Polioopfer zeitlose Drums und fröhliche Näharbeiten für den Verkauf an. Ich bin anfänglich eine Spur verkrampft. Es ist im ersten Moment befremdlich, diese Menschen mit den verkürzten, fehlenden, deformierten Körperteilen sitzend, laufend, liegend arbeitend und vorwärtsgehend zu sehen. Es sind jedoch so fantastische Herzensbegegnungen, dass man dies natürlich ‘übersieht’. Ihr Motto könnte treffender nicht sein, auf den T-Shirt geprintet steht: Disable but Able! Die Campside wird vom kurzen buckligen Eric geleitet, ein gewieftes Kerlchen. Als Ausgleich zur körperlichen Verunstaltung segnete ihn der liebe Gott mit umso mehr Potenz. Eric sei überaus gefragt bei den Frauen.
Am Nachmittag schauen wir beim Hotel Kolping vorbei. Mary inspiziert für ihre übermorgige Sitzung den Raum. Reden die gerade über mich? Oha, ein Job, meine Probeabende mit Theo hinterliessen Eindruck. In zehn Tagen wird internationaler Father-Kolping-Generalrat gefeiert und wir sollen vorgängig das Personal schulen. Zudem holen wir die Gäste aus aller Welt mit einem ausgedachten Willkommensgruss an der ugandischen Grenze ab. Also kurz wenden in Mwanza und gleich zum Zweiten in Bukoba sein. Diesmal auf dem Flugweg, wir kriegen Salär!
Bleiben wir bei Bukoba zum Ersten. Ein unprognostizierter heisser Sonntag. Ausgeschlafen arbeite ich im Grashut – es hat tatsächlich Strom in den drei Bandas. Tipptipp. Tipptipptipp. Das Trinkwasser ist alle, es muss raus, frische Luft rein. Ich schlendere Richtung Toilette. Da wartet der Kenianer Tom und lädt mich zum Lunch ein. Als ich gestern mit Laptop an Strand arbeitete, gesellte er sich dazu. Ich war überaus abweisend - Reden müssen. Mensch sollte äusserliche Bewertungen auslassen, die Gedanken kamen trotzdem: Zu stämmige Gestalt im Gegensatz zu den dünnen Fesseln, ein kurzer Hals (Richtung Stiernacken), das kleine feste Bäuchlein betont ein hohles Kreuz, die eher hohe Stimme und seine spitzige schmale Nase passen irgendwie nicht zur Gesichts- und Körperform. Er ist bei seinem Hallo-Versuch ziemlich abgeblitzt, entsprechend der Wetterkühle. Seine Einladung zum Lunch jetzt, die nehme ich egoistischerweise an. Wo kriege ich sonst was Essbares her? Bukoba ist am Sonntag vorübergehend ausgestorben. Wir spazieren eine lange gewundene Asphaltstrasse den Hügel hinauf zu Toms gemieteter Unterkunft. Ich gewöhne mich an seine englische Aussprache (er sich wahrscheinlich an meine, haha) und sein überraschend tiefes Bauchlachen hat Etwas.
Köstlich schmeckt Bukobas Küche. Als Vorspeisensnack gibt’s selbstverständlich fette Senenes, Fischeintopf, Gemüsesalat, Chicha (Spinat) und Unmengen von Ugali. Da fand Untermieter Tom ein liebes Daheim. Herzensgut ist die Mama Rehema, herzerfrischend die junge, selbstbewusste Studentin Rehema, herzsüssschüchtern die beiden jüngeren Mädchen; herzerwärmend, wie Tom mit ihnen umgeht. Zum Dessert schnappt sich Tom die Machete und schlägt aus dem Garten frisches Zuckerrohr, herzerfreuend! Alle kugelrund geschlemmt, stylt sich Rehema. Für den nachmittäglichen Ausgang folgere ich. Aha, Zwei-in-Einem: Zuerst muss der Quartierfotograf von uns beiden Hübschen Fotos schiessen. Dann auf, runter in die Stadt: Bukoba gewann die Provinzmeisterschaft im Fussball, es wird siegesgetourt. Streetparade aus überfüllten offenen Lastgefährten! Mzungu- oder Tom-sei-Dank: Wir drei dürfen auf den Mannschaftslaster jumpen. Meine Füsse werden an einem Generator heissluftgegrillt, den Kopf schmort die Sonne, drei verschiedene Hände halten mein Körper irgendwo, die Meinen den Hinterteil einer Unbekannten. Was für ein Fest! Rumpelnd, tanzend, winkelnd, smilend gequetscht fährt es durch die zujubelnden Strassen, durch das Dorf, am Strand vorbei, in die Quartiere, weit hinaus.
Kontinuierlich hinaus tourend, werden die Häuser seltener. Zwei Stunden, es reicht – meinen Body. Ich befürchte, dass ich ohnmächtig werde. Eine dringelnde Geste, Tom hievt mich runter. Wowowwww, ich sehe Momente blankeweiss, die Ohren summen extasisch hoch, der Körper zittert unsehbar. Die Wagen rocken davon. Ein kurzes Beine-Hochlagern, eine kühle Coke, ein paar Biskuti für uns und die neugierigen Kinder, und wir spazieren aufgetankt, gutgelaunt plaudernd einige Kilometer in die Stadt zurück, zum Casablanca. Tom ist ein liebenswerter Mensch.
Im Casablanca - irgendwo in einem Aussenviertel - herrscht neugierige Atmosphäre. Die Kids wollen einen Blick erhaschen auf die Entstehung eines Abendevents. Amüsant, wie die sarggrossen Boxen (sorry der Vergleich, so werden die Ungetüme reingetragen) aufgestellt werden. Ewiglange Discovorbereitungen. Als einzige Deko im kargen Innenhof hängt eine nackte Glühbirne. Ich beobachte einen Masai als Türsteher. Die Pubertierenden probieren es vergeblich mit flehendem Beknien. Kann ein friedlich wirkender Masai durchgreifen? Dieser Fels bleibt standhaft, das Nadelöhr blockiert. Knipswürdig sind die folgenden Bilder bei der lauten Musik: die gespannten Gesichter der zweihundert Gäste, achtzig Prozent männlich. Sie wollen alle der Mzungu beim Tanzen zusehen! Manche grooven mit, manche stehen mit offenem Mund keine Handbreit vor mir, manche wollen meine Tanzschritte ‘gelernt’ haben! Urkomisch schnalzt das Gejauchze zum provozierten Test: Es hätten alle gewettet, dass ich mich weigere, Senene zu kosten!
Ein nächster Morgen, eine nächste Tour. Herbfrisch duftende Bananenplantagen, kraftvoll grün leuchtende Kaffeefelder, erfreulich ungekannte Gezwitscher und Gesänge. Die Region Kagera rühmt sich über der Hälfte der tausend verschiedenen Vogelarten in Tanzania. Mein Liebling ist ein schwarzer Ministorch, der rau aus tiefster Kehle witzelt ’haaha haahahaaai haaha’.
Auf dem frühmorgendlichen Weg in ein Village scheine ich Methodias persönlicher Besitz. Sie liebt die Blicke, während sie Deutsch spricht. Heute hätte sie mich xmal verheiraten können; allein im Daladala wartend viermal. Methodia amüsiert sich prächtig bei den Verhandlungen, wobei sie sich als meine Mama vermarktet. Meinen Anwärtern scheint die Sprachbarriere egal, Hauptsache, sie können mich ehelichen. Methodia war zweimal verheiratet. Vor zwanzig Jahren sagte sie Ja zu einem Engländer, vor zwölf Jahren zu einem Deutschen. Sie lebte glücklichst mit Letzterem in Norddeutschland, bis dass der Tod... eine Blutvergiftung, Holzzaunnagel im eigenen Garten. Er starb in ihren Armen, die Arme. Nachdem sie sich zwei Monate „unausstehlich trauernd“, wie sie erzählt, im Bad verschanzt hatte, flog sie in ihre Heimat Bukoba, um sich aufzupeppeln. Das tut sie seit drei Jahren, teils etwas sehr drüber mit Alkohol. Heute, eine Daladalastunde irgendwo ausserhalb Bukoba, werden mir in einem versteckten Gehöft alttraditionelle Speisen auf urtümliche Art zubereitet. Beissend reizt der Rauch in der 100jährigen Banduküchenhütte, tränenlachend die Kinder und die Alte bei meinen erstickenden Tränen deswegen. Ich probiere die köstliche Wurzelknolle und die zarten Blätter vom Kasawabaum, beisse in frische grüne Kaffeebohnen, koste zarte Palmfrucht. Dazu trinken wir ziemlich kleine Unmengen vom Bananenwein sowie dem Schnaps daraus. Das zum Frühstück! Zum Lunch kippen wir in der Dorfhütte ein Schnäpschen mit den Dorfältesten und bevor ich mit dem Daladala retourfahre (sofern denn einer kommt), spendiere ich einen Konyagi (giftige Billigvariante Cognac). Methodia jammert sich im Trunken-Elend „Andrea! Today I am going to die“ – jetzt bin ich die Mama. Dann werde ich erlöst. Die Einheimischen, wie die ausgestiegenen Daladalagäste sorgen sich aufrichtig, nicht um Methodia, sondern, ob ich mich bestimmt nicht ängstige, unbegleitet zu reisen. Gewisse Bilder sind im Busch ungewohnt.
Zum Zvieri gibt es feste Ware. Samira zeigt im Maendeleo die Zauberei von Badjias. Meine Bitte hat sie gleichermassen überrascht wie gefreut. Die knusprig frittierte Luft lockt alle in die Küche. Spielend ‘kochen’ wir. Mit Sharon von Topf zu Topf, lehrt sie mich die Nahrungsmittel- und Speisenamen. Nebenbei füttert uns Tom mit dem heissen Kichererbsenmehl-Knuspergebäck, köstlich! Obendrein fange ich an, ihn wirklich zu mögen. Tom scheint bei allen beliebt, er hilft tatkräftig mit. Wie er nun mit seinem Feingefühl den frischen Spinat zupft, überkommt es mich völlig unerwartet, „OMG, ich möchte das Grünzeug in seinen Händen sein!“
Marys Mama besteht auf meinen Besuch, eine Übernachtungseinladung. Überraschung: Sharon! Sie boxt alle beiseite „Mzungu yangu. Mzungu yangu, meine Mzungu“, sie weicht keinen Millimeter. Ihre Mutter arbeitet als Köchin im Maendeleo und als Hausmädchen der Kalikawes. Oh, was für eine Ehre, die Nachbarsfamilie legt mir ihr 9 Stunden altes Babygirl auf den Arm – berührend süss duftend. Berührend süss, wie mich Mary im zweiten Bett ihres Zimmers als Gutenachtkuss behutsam in die Decke wickelt und das Moskitonetz zurechtzupft.
Früh morgens beginnt emsiges Brainstorming, Organisieren und Umherrennen für die Schulungstage. Tom erlöst mich in der zweiten Tageshälfte. Er zeigt mir ein Laden. Dieser hat zu, weder Wand noch Holzverschlag sind entsprechend bepinselt oder lassen das Metier erraten. Tom flüstert, er habe mir was anfertigen lassen. Oha, die Überraschung ist mir gerade weniger wichtig, als die wohltuende Pause. Wir setzen uns in ein bedachtes Restaurant. Tom erzählt, wie er in Kenya eine paarmonatige Kochausbildung absolvierte. Seit drei Jahren lebt er in Bukoba, als der erste, einzige Pizzabäcker. Oder besser war es. Sein Geschäft lief gut. Die Bewohner wurden eifersüchtig, dachten, er sei inzwischen reich. Sie konsumierten die bestellte Ware ohne zu Begleichen, „Kesho, Morgen“. Jetzt schlägt er sich als Safari-Koch und Guide für Kiroyeratours durch.
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