Kitabı oku: «Zur buckligen Wildsau», sayfa 7

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You have been dragoned

Der Drache flog noch eine Weile mit Renko durch die Gegend und Renko hatte sich nach und nach tatsächlich wieder beruhigt. Als sie landeten, wandte sich der Drache von ihm ab und legte sich eingerollt wieder in die Brandung, als sei nichts gewesen. Renko wollte ihm zum Abschied die Hand auf die Schuppen legen, aber es fühlte sich unpassend an, also ließ er es bleiben, drehte sich einfach um und ging in Gedanken versunken zurück zu Amanda.

Das heißt, er wollte zu ihr zurückkehren, aber verwundert stellte Renko fest, dass sie nicht mehr da war. Eigentlich gut so. Er wollte sowieso gerade lieber allein sein und das Erlebte in Ruhe verdauen. Statt sie zu suchen, legte er sich in den Sand und ließ die Geschehnisse noch einmal an seinem inneren Auge vorüberziehen.

You have been mesoraned

Die Dolbs hatten mehrfach versucht, Mesoran zu erreichen, aber vergeblich. Stattdessen waren sie immer wieder abwechselnd bei Renko und bei einer Elementepfütze gelandet, die reglos in einem Dschungel lag. Für sie war dadurch sofort klar, dass das nur eins bedeuten konnte: Mesorans Seele war nicht mehr in seinem Körper. Trotzdem blieb die Frage, wo sie denn nun abgeblieben war. Die Dolbs waren der Sache genauer auf den Grund gegangen und hatten herausgefunden, dass Mesoran von einem Blitz getroffen worden war. Der Blitz hatte ihn nicht getötet, ihm aber seine Seele entzogen.

In der Energiewolke war Mesorans Unterbewusstsein zusammen mit seinen Erinnerungen von der Seele und dem Bewusstsein abgespalten worden. Die Elementepfütze und Renko waren ebenfalls von Blitzen getroffen worden. Mesorans Seele und Bewusstsein waren in der Elementepfütze gelandet, sein Unterbewusstsein und die Erinnerungen bei Renko. Renkos Gehirn war dafür nicht ausgelegt, und so war sein Bewusstsein auf die Ebene des Unterbewusstseins gewechselt.

„Ach, du Scheiße …”, stöhnte Amanda.

„Ja, echt.” Josh schüttelte den Kopf. „Was für ein Kuddelmuddel. Wer denkt sich denn sowas aus, hömma?”

„Das ist so dämlich, dass ich jetzt am liebsten an einen Gott glauben würde, nur um ihm sagen zu können, dass er ein totaler Trottel ist.”

Josh lachte. „Der wäre eindeutig gestört. Mit zu viel Langeweile und einem sadistischen Sinn für Humor. Das habe ich schon häufiger gedacht.”

Die Dolbs bimmelten wieder und Josh bekam große Augen.

„Wow, das wäre ja echt cool, Mann.”

„Was denn?”

„Die Dolbs sagen, dass sie das reparieren können.”

„Ernsthaft? Super. Na, dann husch husch. Worauf warten sie noch?”

Josh grinste so breit, wie es überhaupt möglich war. „Sie sagen, dass sie Hilfe brauchen. Hast du Lust, Frankenstein zu spielen?”

Langeweile I

Adasger stellte fest, dass er langsam anfing, sich zu langweilen. Es war sehr angenehm gewesen, eine Weile alleine in der Wildsau sein zu können, ohne Verpflichtungen und ohne ablenkende Gesellschaft. Er hatte viel gelesen oder einfach in Gedanken versunken dagesessen und das Feuer im Kamin betrachtet. Das bisschen Putzen, das in der Wildsau anfiel, war nicht der Rede wert, seit er es regelmäßig tat. Die KI verhielt sich ruhig und war kein sonderlich anregender Gesprächspartner. Hivvy brütete nach wie vor schweigend vor sich hin und wollte vor allem ihre Ruhe. Sich um Borowski zu kümmern, war angenehm, aber ebenfalls keine große Herausforderung. Was sollte er also tun?

Er sah sich im Raum um. Sollte er die Wildsau wieder in eine Kneipe verwandeln? Oder vielleicht in ein Restaurant? Er könnte das ‚Geschlossen‘–Schild entfernen, das er bei ihrer Ankunft an die Tür gehängt hatte. Was aßen und tranken Nesodoraner eigentlich? Er beschloss, erst einmal Dasogra zu erkunden und herauszufinden, wie uninteressant es tatsächlich war und wie die Nesodoraner überhaupt tickten. Vielleicht inspirierte ihn das.

Da er nicht wusste, ob Hunde in Dasogra willkommen waren, ließ er Borowski vorsichtshalber in der Wildsau zurück und machte sich alleine auf den Weg.

Langeweile II

Renko setzte sich auf und sah sich um. Strand, Meer und hinter ihm Berge. Keine Amanda, kein Drache. Was jetzt? Er stand auf und ging den Strand entlang. Als er genug davon hatte, ging er landeinwärts, hinauf in die Berge.

Langeweile III

Hivvy stellte fest, dass sich ihre Gedanken nun schon so lange im Kreis drehten, dass sie inzwischen richtig üble Laune hatte. Sie hatte es satt, herumzuliegen, sie hatte aber auch absolut keine Lust auf etwas anderes. Also blieb sie, wo sie war, hatte schlechte Laune und grübelte. Langsam gewöhnte sie sich daran. Es gab Schlimmeres, fand sie. Sie könnte jederzeit etwas anderes tun, sie wollte nur nicht. Genau. Sie wollte nicht, Punkt. Sie war sauer und streikte. Niemand konnte sie zwingen, eine so idiotische Entscheidung zu treffen. Dann hatte sie eben schlechte Laune. Na und? Pah!

Operation Frankenstein

„Wie bitte?!” Amanda sah irritiert von Josh zu den Dolbs und wieder zurück. „Spinnt ihr jetzt völlig?”

„Sowieso. Wäre ja sonst langweilig, oder? Aber es ist eigentlich gar kein großes Ding, wenn du mal darüber nachdenkst. Es war ein Wunder, dass Mesoran den Blitz überlebt hat, der ihm die Seele geklaut hat, klar, aber um sie zu ihm zurückzuschaffen, ist das nicht nötig. Es gibt Blitze, die ungefährlich sind. Hast du schon mal eine tiefe Erkenntnis gehabt? Eine, die quasi durch deinen ganzen Körper explodiert ist und dich nachhaltig erschüttert hat?

„Nein.”

„Nicht? Oh. Na, egal, Mann. Es gibt sie. Sie können dich durchrütteln, sind aber ungefährlich. Diese Art von Blitz wird Mesoran abkriegen. Die Krawumm–Blitze brauchen wir nur für Renko und die Energiepfütze. Für die beiden ist das kein großes Ding, die können davon ja nicht sterben. Wir müssen nur dafür sorgen, dass Renko und die Energiepfütze ordentlich geblitzdingst werden. Die Dolbs können die Energie lenken, so dass alle Teile zurück in die Energiewolke gezogen werden und zusammengefügt in Mesoran landen. Voilà, alle Probleme gelöst.”

„Ok, aber ich sehe hier weit und breit kein Wölkchen. Wie soll das ohne Gewitter funktionieren?”

„Ich bin immer noch ein Dschinn. Ich kann hier so viel Gewitter herbeischnipsen, wie ich will, Mann. Renko wäre daher kein Problem, aber wir müssen mit ihm tatsächlich zu der Elementepfütze. Die Dolbs haben übrigens herausgefunden, dass sie Hivvy heißt und eigentlich zur Wildsau gehört. Absurd, ich weiß, aber hey, alles hängt mit allem zusammen. Universelles Gesetz der Dinge und so.” Josh grinste wieder breit. „Also müssen wir uns Renko schnappen und zurück zur Wildsau gandrocken. Von da aus können wir – schwupps – in den Dschungel und dann kann's losgehen.”

„Wüste, ach ja. Ich will nicht wieder auf einem blöden Gandrock durch diese schreckliche Wüste reiten.” Amanda sah sich um. „Es ist so schön hier – und ich muss gar nicht weg. Wenn Foreggas Problem gelöst ist, bin ich egal. Er wird niemanden losschicken, um mich zu suchen, weil er garantiert nicht riskieren will, dass jemand von dieser ganzen Sache erfährt.”

„Jepp, aber glaub mir: Idylle allein reicht nicht, Mann. Das ist auf Dauer nix für denkende Wesen, du wirst früher oder später durchdrehen.”

Amanda lachte. „Lass das nicht die Dolbs hören.”

„Ach, die sind hier ja nicht eingekerkert. Die können sich wegbimmeln, wann immer sie wollen.”

„Hmmm … Stimmt.” Amanda dachte nach. „Sag mal, du brauchst mich doch gar nicht für dieses Blitz–Gedöns, oder? Lass mich ruhig hier bleiben, bis ich die Nase voll habe. Irgendwie gefällt mir die Idee.”

„Das fänd ich schade. Was, wenn ich dir einen Job anbiete, der kein Job ist? Es wäre nicht schlecht, wenn wir in der Wildsau einen Cyborg in der Hinterhand hätten. Ach, komm schon, ich mag dich. Hast du wirklich keine Lust mitzukommen? Bist du gar nicht neugierig? Wird bestimmt ein einmaliges Erlebnis. Wie oft im Leben sorgt man schon dafür, dass irgendwo gezielt ein Blitz einschlägt? Und es gibt unglaublich viele schöne Strände, an denen man rumsitzen kann.”

Amanda guckte Josh nachdenklich an. „Du magst mich?”, fragte sie skeptisch.

„Ja, sicher. Warum guckst du so seltsam?”

„Ich bin eine verdammte Maschine. Nützlich, praktisch, funktional. Ich bin bisher nicht drauf gekommen, dass mich jemand mögen könnte, glaube ich.” Amanda verdrehte die Augen und grinste dann. „Egal. Vielleicht hast du ja recht, es könnte ganz lustig werden. Gut, ich komme mit und guck mir die Wildsau an. Aber wehe, du quatschst mich in der Wüste nicht doof und dusselig, ich will Geschichten hören.”

„Quatschen? Ha! Das kann ich. Du wirst noch bereuen, dir das gewünscht zu haben. Versprochen!”

Nach einem letzten Picknick am Strand, begleitet vom zarten Gebimmel und Geklingel der Dolbs, beschlossen sie schließlich widerstrebend, dass es an der Zeit war, aufzubrechen. Viel vorzubereiten gab es nicht. Die Dolbs versicherten, dass sie es mitkriegen würden, sobald Josh und Amanda alles für die Blitz–Aktion vorbereitet hätten. Sie riefen die trödelig umherwandernden Gandrocks herbei. Josh und Amanda bugsierten gemeinsam Renko auf eins der Geräte und Amanda befestigte ihren Transportbehälter an einem der anderen. Dann verabschiedeten sie sich von den Dolbs und schon ging es los. Trotz angeregter Unterhaltung war der schaukelige Ritt schaukelig, der lange Weg lang und das alles nervte bis zum Anschlag, aber zu zweit war es wesentlich erträglicher.

Amanda war neugierig auf die Wildsau und fragte Josh Löcher in den Bauch. Er erzähle ihr all das, woran er sich aus Adasgers Erzählung erinnern konnte: Ein gewisser Jörgen Svensson sei um das Jahr dreizehnhundert herum per Schiff nach England gelangt. Er sei Seefahrer gewesen und habe die Nase voll gehabt vom ewigen Wasser und dreckigen, lauten Häfen, allerdings habe er sich auch nicht niederlassen wollen. Sein Geld habe für zwei Pferde und einen soliden Planwagen gereicht. Er habe sich auf das Handeln und Bewirten verlegt und seinen Planwagen ‚Zur buckligen Wildsau‘ getauft.“

„Eine fahrende Kneipe, wie ungewöhnlich.“

„Ja, Mann, der muss echt ein Original gewesen sein. Er hat überall da angehalten, wo Menschen von ihrem Alltag gelangweilt waren und nur ihr Dorfleben kannten. Dann ist er eine Weile geblieben. Er hat ein großes Zelt und ein paar Bänke und Tische aufgestellt, Gerichte gekocht, die die Dörfler nicht kannten, Geschichten, Rezepte und dies und das getauscht, Bier und Verpflegung gekauft, allerlei Gewürze und Krimskrams verkauft und ist irgendwann weitergereist. Er war keiner der üblichen Gaukler. Er hat einen seriösen, freundlichen Eindruck gemacht und die Frauen und Töchter der Bauern in Ruhe gelassen, deswegen ist er nur selten in Schwierigkeiten geraten und generell überall willkommen gewesen.“

„Kann ich mir vorstellen. Dorfleben ist ja auch heute noch öde. Früher muss das noch schlimmer gewesen sein.“

„Glaub ich nicht. Die hatten ja viel weniger Vergleichsmöglichkeiten und die Städte haben gestunken wie Sau.“

„Stimmt auch wieder. Wie ging es weiter?“

„Er zog ein paar Jahre durch die Gegend und traf schließlich einen jungen Typen namens Michael“, erzählte Josh. „Der fand Jörgens Art zu leben toll und fühlte, dass sie gleichgesinnte Seelen waren. Die zwei verstanden sich auf Anhieb so gut, dass sie von da an gemeinsam durch England und Schottland reisten. Selbst als Jörgen alt und gebrechlich wurde, blieb er seiner Wildsau treu und Michael kümmerte sich um ihn, als wäre er sein eigener Sohn. Als Jörgen dann starb, war Michael am Boden zerstört und blieb erst mal in dem Dorf, in dem er Jörgen begraben hatte.“

„Der Arme. Aber das war offenbar nicht das Ende der Wildsau.“

„Nö. Nach ein paar Monaten merkte Michael, dass es ihn weiter zog. Er fand, dass er die Erinnerung an Jörgen am besten würdigen konnte, indem er mit der Wildsau weiterreiste, statt nur doof an seinem Grab zu stehen.

Er brach also auf und reiste alleine weiter von Ort zu Ort. Eines Tages begegnete er einem Ehepaar, das sich kurzentschlossen ebenfalls Pferde und einen Planwagen kaufte und von da an gemeinsam mit ihm durch die Lande fuhr.

Die Besitzer der Wildsau wechselten jahrzehntelang immer wieder. Manche verkauften Kunstwerke, einige machten Musik, andere waren Handwerker, aber es blieb immer eine sehr kleine, sehr unauffällige und harmlose Truppe, bis sich schließlich vierzehnhundertvierunddreißig an einer fast toten Wegkreuzung in der Nähe von London mehrere Menschen trafen, dort ihre Zelte aufschlugen und nach ein paar Monaten des Miteinanders beschlossen, sesshaft zu werden. Sie hatten anscheinend genug vom Herumreisen und wollten der Wildsau ein festes Zuhause geben. Sie fühlten sich an der Kreuzung wohl, die Umgebung gefiel ihnen, deshalb bauten sie dort die Kneipe und zogen ein. Viel Kundschaft gab es nicht, aber es hat wohl zum Überleben gereicht, weil sie zusätzlich Sachen verkauft und im Umland gearbeitet haben.”

„Schade. Ich mochte die fahrende Kneipe”, warf Amanda ein.

Josh nickte. „Ja, sehr schade, Mann, finde ich auch, und damit ging das Theater los”, sagte er grinsend und fuhr fort. „Was die nämlich nicht wussten: Die Kneipe hatte längst eine eigene Seele, nämlich die von Jörgen Svensson. Sie haben einen Katalysator eingesperrt – und der ist durchgedreht.“

„Hört sich nach auweia an, aber was ist ein Katalysator?“

Er erklärte es ihr. „Tja, und das Ende vom Lied war, dass die Höheren Mächte gezaubert haben. Jetzt kann die Wildsau durch Zeit und Raum reisen, Portale erschaffen und Dinge materialisieren. Und sie hat einen siebten Sinn dafür, wo Not am Mann oder Wesen ist.“

„Ganz schön beeindruckend, aber was habt ihr jetzt genau mit der Wildsau zu tun?“

„Jörgen hat sich entschlossen, dieser Welt den Rücken zu kehren, Mann. Er wollte ins Jenseits und da weiterziehen oder so, aber er wollte auch, dass die Wildsau weiter existiert, ohne ihn. Na ja, aber ohne Seele geht das nicht. Eine andere war nicht aufzutreiben, also haben sie überlegt und überlegt und sind dann drauf gekommen, dass sie einfach eine KI installieren könnten.“

„Blöde Idee, aber was Besseres fällt mir auch nicht ein.“

„Stimmt, mir auch nicht. Außerdem wollten sie keine vorgefertigte Persönlichkeit, sondern eine frische KI ohne alles. Ein Baby, quasi. So eine KI kannste nicht einfach mit einer Wildsau auf die Welt loslassen, also haben sie Babysitter gesucht.“

Amanda lachte laut auf. „Und da sind sie ausgerechnet auf euch beide gekommen?“

Josh grinste. „Ja, Mann, ich war genauso überrascht wie du. Scheinbar sind wir cool.“

„Ich glaube nicht, dass das ein Kriterium war.“

„Nö, du hast recht. Wir sind auch Katalysatoren, so, wie die Wildsau es war. Darum ging's denen wohl.“

„Wow. Und wie ist es so mit der KI?“

„Keine Ahnung. Renko ist zum Zombie geworden, bevor wir die Gelegenheit gekriegt haben, uns mit ihr auseinanderzusetzen.“

„Ach du meine Güte. Na, dann kommt das noch auf euch zu.“

„Und auf dich, du bist ja jetzt dabei. Mit gehangen, mit gefangen.“

„Was? Auf keinen Fall! Ich halte mich da raus, das macht ihr mal schön alleine. Tschakka, ihr schafft das schon.“

„Nix da. Sich drücken gildet nicht!“

Nachdem sie sich ausgiebig per doch-nein-wohl-nö gestritten hatten, berichtete Josh in allen Einzelheiten von der Party, aber irgendwann hatte sich auch dieses Thema erschöpft. Stattdessen erzählte er ihr Anekdoten von den vielen Reisen, die er mit und ohne Renko unternommen hatte, und natürlich philosophierten und stritten sie angeregt über alle möglichen Themen. Bei einem Ritt durch die Wüste bleibt so etwas nicht aus.

Sie ließen sich mehr Zeit als auf dem Hinweg und machten ab und zu Pausen, um etwas zu essen und von den verdammten Maschinen runterzukommen, aber nach knapp drei Wochen waren sie endlich, endlich, fucking damn endlich wieder zurück in Dasogra. Halleluja. Nie wieder Gandrocks! Da waren sie sich einig.

Nichts als Natur

Renko war auf dem Gipfel eines Berges angekommen. Er sah sich um. Der Berg, auf dem er stand, war nicht der höchste von allen, aber Renko konnte trotzdem sehr weit in alle Richtungen sehen. Es war ein atemberaubendes Panorama, von Zivilisation keine Spur, nicht die kleinste Hütte weit und breit. Da stand er nun, allein auf einem Berg, und fragte sich, wie er – zum Henker nochmal – an diesem Ort gelandet war, und auf welchem Planeten er sich eigentlich befand. Das ließ sich nicht feststellen, also setzte er sich hin, genoss die Aussicht und die Tatsache, dass er frei war. Frei von allem und jedem.

Die Blitzdompteure

Als Josh und Amanda die Wildsau betraten, blieb Josh wie angewurzelt stehen. Nur Amandas Cyborg–Reflexe verhinderten, dass sie gegen ihn prallte. Verwundert sah sie an ihm vorbei in den Raum. Es sah alles ganz normal aus, fand sie. Ein gut besuchtes, nesodoranisches Restaurant. Na gut, der Kellner passte nicht ins Bild, denn er war kein Nesodoraner, sah zu alt aus für den Job und war äußerst unpassend gekleidet, aber er wirkte, als sei er ganz in seinem Element.

Josh lachte und zeigte mit ausgestrecktem Arm auf Adasger. „Das”, sagte er über die Schulter zu Amanda, „ist Adasger. Und das”, er machte eine ausholende Geste, „ist scheinbar die Wildsau. Sie sieht ganz anders aus als ich sie in Erinnerung hatte.”

„Josh!” Adasger freute sich und kam auf die beiden zugeeilt. Er nahm den Dschinn lange in die Arme. „Wie ich sehe, hast du Besuch mitgebracht”, sagte er, als er sich wieder von seinem Freund löste. „Und wer bist du?”

„Adasger, das ist Amanda. Amanda, das ist Adasger. Ich habe sie in der Oase aufgegabelt. Lange Geschichte.”

„Sehr erfreut.” Adasger lächelte Amanda an und schüttelte ihr die Hand. „Kommt rein, setzt euch an den Kamin, ich bringe euch etwas zu essen. Ihr seid doch hungrig, oder?” Adasger nahm das ‚Reserviert‘ Schild vom Tisch neben dem Sofa. „Ich werde noch eine Weile beschäftigt sein, macht es euch solange gemütlich. Was kann ich euch bringen?”

Sie einigten sich auf ein paar leckere Kleinigkeiten. Josh holte Renko, der noch vor der Tür stand, und setzte ihn in einen Sessel. Borowski, der jiffelnd um Renko herumgesprungen war seit sie die Tür geöffnet hatten, sprang auf Renkos Schoß und versuchte, ihm das Gesicht abzulecken. So ganz reichte er nicht bis nach oben. Seine hüpfenden Versuche sahen so bemitleidenswert aus – besonders weil Renko noch immer nicht darauf reagierte – dass Josh den zappelnden Hund auf den Arm nahm. „Das ist Renkos Hund, wie du dir vielleicht schon gedacht hast. Borowski, gib Pfötchen, das ist Tante Amanda. Wird höchste Zeit, dass wir das mit den Blitzen erledigen und das arme Tier von seinem Elend erlösen. Das ist ja nicht mit anzusehen, Mann.”

Amanda kraulte Borowski hinter den Ohren. Da sie einen beruhigenderen Einfluss auf den Hund zu haben schien, reichte Josh ihn weiter. „Da, nimm du ihn. Du kannst das viel besser als ich”, grinste er.

Sie setzten sich, und Adasger brachte ihnen die gewünschten Speisen und Getränke. Während sie aßen – Amanda mit Borowski auf dem Schoß – fing die Wildsau langsam an, sich zu leeren. Adasger hatte das ‚Geschlossen‘–Schild an die Tür gehängt, so dass keine neuen Gäste mehr dazu kamen. Schließlich waren alle Nesodoraner gegangen und Adasger setzte sich zu ihnen an den Tisch.

„Wie ich sehe, hast du den Laden komplett umgekrempelt. Gar nicht wiederzuerkennen, Mann, gefällt mir, aber was ist aus der Selbstbedienung geworden?”, sagte Josh.

„Mir hat das Kneipen–Ambiente irgendwann nicht mehr gefallen. Als mir die Decke auf den Kopf fiel, habe ich ein nesodoranisches Restaurant draus gemacht – aber das ist doch unwichtig. Erzählt mir lieber, was passiert ist. Wie ich sehe, hat sich an Renkos Zustand nichts verändert. Legt los, was habt ihr herausgefunden? Ich will die ganze Geschichte hören.”

Und so erzählten sie ihm, was geschehen war. Na ja, eigentlich redete nur Josh, denn es war kaum möglich, ein Wort dazwischen zu kriegen. Gelegentlich unterbrach Amanda ihn, wenn sie etwas ergänzen wollte, aber es war deutlich einfacher, ihn stumpf quasseln zu lassen.

„Und jetzt müssen wir nur noch dafür sorgen, dass Renko und Hivvy geblitzdingst werden. Dann ist alles wieder tippi–toppi, Mann”, schloss Josh seinen Bericht.

„Ok, wenn du das sagst … Wann soll es losgehen?”, fragte Adasger.

Josh musste nicht lange überlegen. „Meinetwegen sofort. Was meinst du? Bist du fit genug oder willst du erst mal schlafen?”, fragte er Amanda.

„Schlafen wäre schon schön, aber ich würde das auch lieber sofort erledigen. Ich bin viel zu neugierig. Ist es weit in den Dschungel?”, fragte sie.

Josh lachte auf, schnipste mit den Fingern und zeigte auf das offene Portal. „Nö. Nicht wirklich.” Er grinste breit. „Are you ready, ma'am?” Amanda grinste zurück. „Ready indeed, sir. Lass uns Blitze domptieren gehen.”

Josh schnappte sich Renko, Amanda trug Borowski und Adasger schlenderte vergnügt hinter ihnen her. Während Josh und Amanda nach einer geeigneten Stelle suchten, an die sie Renko stellen konnten, sprach Adasger mit Hivvy und erklärte ihr die neue Lage der Dinge.

„Bist du einverstanden, dass wir dir die Entscheidung abnehmen?”, fragte er sie. Die Welle der Erleichterung, die von Hivvy ausging, war so eindeutig, dass Adasger lächeln musste. „Wunderbar, dann steht der Operation Blitzdings ja nichts mehr im Wege. Es wird gleich losgehen. Halte dich bereit.”

Inzwischen stand Renko nicht weit entfernt an einer freien Stelle inmitten des Dschungels. Josh hatte ihn mit einer Art Riesenantenne ausgestattet, die als Blitzmagnet fungieren sollte. Es sah etwas albern aus, wie ein Aluhut mit einem grotesk langen Stiel. Amanda konnte sich ein Kichern nicht verkneifen, aber Renko ließ alles wie gewohnt teilnahmslos über sich ergehen. Hivvy bekam eine ähnliche Konstruktion verpasst.

Josh hatte für Amanda vorsichtshalber einen faradayschen Käfig herbeigeschnipst, damit sie nicht aus Versehen auch getroffen wurde. Das Metall an und in ihrem Körper war ein zu großer Anziehungspunkt. Borowski wurde an Adasger weitergereicht.

Am Himmel brodelte bereits ein Gewitter. Als alles erledigt war, sorgte Josh dafür, dass sich die Energiewolke über ihrem Standort verdichtete. Es donnerte und stürmte inzwischen ohrenbetäubend. Ein paar kleinere Blitze zuckten am Himmel, aber sie waren nur glitzerndes Beiwerk und minderten den fühlbaren Druck der aufgestauten Energien kein bisschen.

„Es ist soweit, Mann!”, schrie Josh. „Lasst uns in Deckung gehen, dann schnipse ich den Blitz herbei!”

Endlich waren sie bereit: Josh strahlend wie eine Diva kurz vor der Premiere, Amanda gespannt, Adasger vergnügt mit dem zappelnden Borowski kämpfend, Hivvy ungeduldig und Renko wie ein Roboter auf Standby. Es konnte losgehen.

„Bäääääm!”, schrie Josh und schnipste mit einer dramatischen Geste. Der gewaltigste Blitz, den sie je gesehen hatten, krachte auf sie hernieder, gabelte sich und fuhr wie geplant in Hivvy und Renko – und das gewünschte Equivalent hoffentlich auch in Mesoran.

Operation Blitzdings: done.

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