Kitabı oku: «Zur buckligen Wildsau», sayfa 8
You've been geblitzdingst I – Hivvy
Der Blitz fuhr in Hivvy und entzog ihr die Seele. Als sei nichts geschehen, fuhr sie damit fort, den Müllberg – und auch die Antenne – zu assimilieren. Weder Erleichterung noch Irritation störten ihren inneren Frieden. Sie erinnerte sich an nichts, denn Elementepfützen haben keine Erinnerungen. Alles war normal. Sie tat die Dinge, die sie immer tat – ohne zu bemerken, dass sie sie immer tat.
You've been geblitzdingst II – Mesoran
Mesoran schlug die Augen auf und stellte fest, dass er in einem Krankenhaus lag. Er hatte merkwürdige Dinge geträumt, von Amanda, von schwebenden roten Buddhafiguren und einem unbeschreiblichen Gefühl der Freiheit – aber ohne die Erinnerung an den Drachen. Amanda … Er seufzte. Seit Jahren war er schon unsterblich in sie verliebt. Wo sie wohl steckte? Was sie wohl gerade machte? Ein Aufschrei riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Vater beugte sich über ihn und sah erleichtert aus – waren das etwa Tränen, die über Gordogans Gesicht liefen?
„Dad?”
„Oh mein Gott, da bist du ja wieder!“
You've been geblitzdingst III – Renko
Renko saß noch immer auf dem Berg und genoss die Aussicht. Er war tiefenentspannt, nicht der kleinste Gedanke ging ihm durch den Kopf. Dann tauchten die kleinen Buddhas wieder auf und klingelten niedlich vor sich hin. Renko lächelte – und zack, stand er mitten im Dschungel. Er war überrascht. Soweit er sich erinnerte, war er gerade noch mit Borowski durch den lichten Wald spaziert.
Bevor er sich fragen konnte, was wohl passiert sein mochte, wurde er von einem überschwänglich bellenden und quiekenden Borowski angesprungen, dicht gefolgt von Josh, der Renko umriss und ihm dadurch die seltsame Antenne vom Kopf stieß.
Die drei rollten lachend und sich balgend auf dem Boden herum. Falls Renko sich über Joshs und Borowskis Verhalten wunderte, merkte man davon nichts. Amanda sah stirnrunzelnd Adasger an, der nur lächelnd mit den Schultern zuckte. „Das ist normal, fürchte ich.” Amüsiert betrachtete er das tobende Knäuel. „Ich glaube, wir sollten sie eine Weile sich selbst überlassen. Wollen wir zurück in die Wildsau gehen? Ich könnte dir ein Zimmer herbeischnipsen, wenn du möchtest.”
„Gerne. Schlafen wäre jetzt genau das Richtige”, antwortete sie dankbar.
Sie schlenderten zurück und Adasger schnipste einen leeren Raum herbei. Quasi aus Reflex erinnerte sich Amanda an ihr Bett im Konglomerat. Sie war sich dessen gar nicht bewusst und erschrak, als das Bett plötzlich im Zimmer erschien.
„Wie ich sehe, funktioniert Hivvy wieder einwandfrei”, gluckste Adasger, als er Amandas Gesichtsausdruck sah. „Es sieht ganz danach aus, als seist du jetzt ein anerkannter Teil der Wildsau, sonst würde sie nicht auf deine Gedanken reagieren. Herzlich willkommen.”
Amanda wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte, und schwieg verblüfft.
„Man muss mit den Gedanken hier ein wenig vorsichtig sein, sonst steht man ziemlich schnell knietief in allerlei Dingen”, fuhr Adasger fort. „Deswegen schnipsen wir. Das ist das Zeichen, dass wir das, woran wir denken, wirklich haben wollen. Wenn du das übernehmen möchtest, sag Hivvy einfach Bescheid. Du könntest statt des Schnipsens aber auch beispielsweise ‚so sei es‘ sagen oder ‚hex hex‘.”
„Schnipsen ist gut. Wo ist Hivvy?”, fragte Amanda.
„Sie ist immer genau da, wo sie gebraucht wird, wir können sie nur nicht sehen. Du brauchst deinen Schnipswunsch bloß einmal laut auszusprechen und kannst dich darauf verlassen, dass sie es hört und sich daran hält.”
„Hivvy, bitte erfülle meine Wünsche nur dann, wenn ich mit den Fingern schnipse”, sagte Amanda zögernd und kam sich ziemlich albern dabei vor. „Und das funktioniert?”, fragte sie skeptisch.
„Probiere es doch aus. Stell dir einen flauschigen rosa Bettvorleger vor, ohne zu schnipsen.”
Das tat sie. Nichts passierte.
„Prima. Jetzt etwas, das du haben möchtest.”
Amanda dachte an das T–Shirt, in dem sie am liebsten schlief, und schnipste. Schon hielt sie es staunend in der Hand.
„Super, es klappt. Dann lasse ich dich jetzt schlafen. Angenehme Träume, falls Cyborgs träumen können. Gute Nacht.”
„Das können wir. Danke.” Amanda lächelte. „Gute Nacht.”
Als Adasger gegangen war, schnipste Amanda noch einmal. Vor ihrem Bett lag nun doch ein flauschiger rosa Bettvorleger. Peinlich, aber seltsam befriedigend. Nachdem sie eine Weile untätig auf der Bettkante gesessen und vor sich hin gestarrt hatte, zog sie ihr Schlaf–T–Shirt an, legte sich in ihr vertrautes Bett und schlief und schlief und schlief. Als sie nach Stunden erwachte und allmählich begriff, dass sie in der Wildsau war, drehte Amanda sich lächelnd um und schlief weiter. Die Welt konnte sie mal. Sie würde ab jetzt tun und lassen, was sie wollte. Endlich Freiheit!
Das Wunder im Dschungel
Als Borowski von Renko abließ und anfing, an die Bäume zu pinkeln, hörte das Getobe auf. Der Dschinn und der Dämon sahen sich an, bis Renko fragte: „Sag mal, wie bin ich eigentlich in diesem Dschungel gelandet? Gerade war ich doch noch im lichten Wald.” Josh klappte die Kinnlade runter. Er starrte Renko an, unfähig ihm zu antworten.
„Was ist? Warum guckst du so komisch?”
Josh japste, verschluckte sich und lachte hustend. „Alter! Mann, das sind die ersten Worte, die ich jemals von dir zu hören gekriegt habe. Das muss ich erst mal verdauen.”
Renko runzelte die Stirn. „Ach ja, da war ja noch was … Ich rede nicht. Hatte ich ganz vergessen.” Er grinste. „Erzähle, was ist passiert?”
Josh lachte hysterisch und kriegte sich gar nicht wieder ein. Renko verdrehte die Augen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Lachanfall abzuwarten. Er hatte keinen Schimmer, was so lustig sein sollte. Schließlich wurde er ungeduldig und boxte Josh auf den Arm. „Ach, komm schon, lass mich hier nicht doof warten, ich bin neugierig.”
Josh wischte sich prustend die Lachtränen aus den Augenwinkeln und erzählte ihm die ganze Geschichte. Renko war fassungslos. Das war das Unglaublichste, das er je erlebt hatte, und er konnte sich an nichts davon erinnern. An nichts!
„Ich bin stinksauer”, grummelte er.
„Sauer? Weswegen?”
„Na, weil ich den ganzen Spaß verpasst habe. Ich kann mich an absolut gar nichts erinnern. So eine Sauerei! Und es gibt nicht einmal Fotos, oder? Ich könnte kotzen.”
„Stimmt. An Fotos habe ich nicht eine Sekunde gedacht. Sorry, aber ich hatte echt anderes im Kopf, Mann. Du erinnerst dich echt an gar nichts?”
„Nö. Lichter Wald – Dschungel. Mehr weiß ich nicht. Das ist doch … das ist doch … Käse.”
„Ach, sei froh. Die Gandrocks waren reine Folter, Mann. Das waren die schlimmsten Wochen meines Lebens, ungelogen. Grau–en–voll, ich schwör's.”
„Wenn du das sagst”, antwortet Renko finster. „Es wäre mir trotzdem lieber, mich im Nachhinein bei der Erinnerung schütteln zu können. Apropos schütteln, war das gerade dieser Cyborg neben Adasger? Der, von dem du erzählt hast?”
„Jepp. Sie heißt Amanda.”
„Und sie ist jetzt also die Security der Wildsau? Wozu brauchen wir denn sowas? Musstest mal wieder den Samariter spielen, was? Jungfrau in Not retten und so?”
„Was?! Nein! Damit hat das nichts zu tun, Mann.”
„Ach nee?” Renko grinste. „Wie ist sie denn so?”
Josh sah Renko stirnrunzelnd an. „Du brauchst gar nicht so zu grinsen, Mann. Ich mag sie, das ist alles. Sie ist ein bisschen unkig drauf, aber das ist bei ihrer Geschichte wohl kein Wunder. Vielleicht gibt sich das noch, sie ist ansonsten eigentlich ganz cool. Hätte ich sie etwa alleine in der Oase zurücklassen sollen?”
„Nein, schon gut. Hast du sie schon in Aktion gesehen?”
„Nö. Gab ja keinen Grund. Ich bin auch gespannt drauf, wird bestimmt lustig, wenn es mal so weit ist.” Josh sah Renko wieder staunend an. „Du sprichst. Einfach so. Ich kann's immer noch nicht glauben, Mann. Das ist absolut obergroßartig, weißte das? Und ich mag deine Stimme.” Josh grinste. „Trotzdem. Es wird dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe, echt wahr. Das ist zu abgefahren. Sag mal, warum hast du denn nun eigentlich so lange geschwiegen?”
Renko dachte nach. „Ich wollte, dass mich die Mächte der Finsternis in Ruhe lassen. Ich habe geschwiegen und mich blöd gestellt – das hat ewig gedauert, bis es funktioniert hat. Na ja, und dann war es irgendwann normal, nicht mehr zu reden. Es gab nichts zu sagen. Worte werden völlig überbewertet.” Er zuckte die Schultern und sah Josh an. „Gewohnheit, schätze ich.” Abrupt stand er auf. „Ich hab Lust im Wald rumzulaufen, aber nicht hier. Kommst du mit?”
„Klar.”
Renko rief nach Borowski, nahm ihn auf den Arm, legte Josh eine Hand auf die Schulter und teleportierte mit den beiden in den lichten Wald.
Die Wildsäue
Amanda erwachte erneut und musste sich erst einmal orientieren. Ach ja, Wildsau. Sie musste dringend aufs Klo und wollte duschen. Wo war hier nochmal das Bad? Dann erinnerte sie sich an das Schnipsen. Noch immer skeptisch probierte sie es wieder aus – und es funktionierte: An der gegenüberliegenden Wand erschien eine Tür. Das war total verrückt, aber auf eine gute Art. Sie betrat das Badezimmer, das genauso aussah wie das im Konglomerat, funktional und vertraut. Irritiert stellte sie fest, dass in einer Ecke das benutzte Handtuch lag, das sie vor ihrer Abreise vergessen hatte, in den Wäschekorb zu legen.
Als sie endlich fertig war, hatte sie Hunger. Sie war die Letzte, die die Wildsau betrat. Alle anderen frühstückten bereits und unterhielten sich.
„… hat bisher noch keinen eigenständigen Satz gesagt. So langsam frage ich mich, ob das überhaupt möglich ist. Wo soll denn der eigene Antrieb und die Motivation dazu herkommen? Sie hat schließlich keine Gefühle oder Bedürfnisse. Selbst ein vorprogrammiertes Ziel würde nur so wirken, als hätte sie eigenständige Ideen, es wäre nicht echt. Ich glaube, sie ist nicht mehr als ein Werkzeug und wird es wohl auch bleiben”, sagte Adasger.
„Worum geht es?”, fragte Amanda und setzte sich zu den anderen an den Tisch.
„Um die KI der Wildsau”, antwortete Josh. „Adasger denkt, dass sie kein Wesen ist, sondern nur ein Werkzeug. Hast du nicht auch eine KI im Kopf?”
„Ja und nein. Nicht wirklich. Ich habe diese Datenbank, die sich selbst verwaltet, aber eine echte KI ist das nicht, nur eine abgespeckte, passive Version. Es ist eine Art erweiterte Erinnerung, mehr nicht.”
„Aber du hast Erfahrungen mit KIs, oder? Kennst du eine?”, fragte Josh.
„Es gibt sie überall im Konglomerat, sie sind Teil der Gesellschaft, aber ich würde nicht behaupten, dass ich eine davon kenne. Nein.”
„Was glaubst du, sind es Wesen oder Werkzeuge?”
„Darüber habe ich noch nie nachgedacht, ehrlich gesagt. Ich weiß es nicht. Ist das wichtig?”
„Na ja, der Grund, warum Renko und ich hier sind, ist die KI. Wir sollen sie sozusagen erziehen, damit die Wildsau eigenständig werden kann. Nur stellt sich inzwischen die Frage, ob das überhaupt möglich ist.”
„Das weiß ich nicht, sorry. Die KI kann die Wildsau eigenständig betriebsbereit halten, soviel weiß ich. KIs sind funktional und zuverlässig”, sagte Amanda.
„Ja. Das ist nur leider nicht das, was Jörgen im Sinn hatte, oder?”, fragte Renko Adasger. „Vielleicht ist er einfach von falschen Annahmen ausgegangen. Gut möglich, dass das gar nicht geht.”
„Eigentlich wollte Jörgen vor allem, dass die Wildsau weiter existiert”, antwortete Adasger. „Das tut sie ja. Ich fühle mich hier inzwischen ganz zu Hause.”
„Jau, Mann, geht mir ähnlich”, sagte Josh. „Obwohl ich kaum Zeit hier verbracht habe, war der Gedanke, wieder in die Wildsau zu kommen, wie ein Anker, als wir unterwegs waren. So ein Gefühl hatte ich noch nicht oft.”
Adasger lächelte. „Ich frage mich gerade, ob diese ganze Blitzgeschichte vielleicht Jörgens letzter großer Auftritt als Katalysator war. Renko spricht wieder, du hast dem Konglomerat den Rücken gekehrt, ich habe plötzlich etwas, das ich Zuhause nenne, und Josh anscheinend ebenfalls. An Mesoran und Gordogan ist die ganze Geschichte vermutlich ebenfalls nicht spurlos vorbei gegangen. Das sind viele enorme Veränderungen auf einen Schlag.”
„Ja, aber das war doch bloß Zufall“, sagte Amanda. „Dinge verändern sich dauernd, das ist normal.”
„Das ist keine wissenschaftlich beweisbare These, nur eine Beobachtung, an die man glauben kann oder eben nicht. Wenn es Katalysatoren gibt, dann war Jörgen einer. Man weiß es nicht.” Adasger lächelte. „Ich glaube trotzdem daran. Es gibt meiner Meinung nach so etwas wie konzentrierte Veränderungen rund um bestimmte Wesen. Aber über Glaube lässt sich zum Glück so wenig streiten wie über Geschmack. Es sind persönliche Meinungen und Vorlieben, mehr nicht.”
Josh lachte. „Das hält aber ganze Völker nicht davon ab, es trotzdem zu tun, Mann.”
„Traurig, aber wahr. So viele überflüssige Kriege wegen etwas, über das man nur spekulieren kann”, nickte Adasger.
Josh zog eine Grimasse. „Wer einen Grund zum Krieg führen sucht, findet einen. Das ist wie mit dem Streiten, Mann, nur größer.”
„Apropos streiten. Will jemand das letzte Brötchen dringender als ich?”, fragte Amanda in die Runde und unterbrach das Thema, bevor es ausufern konnte. Sie nahm es sich, ohne die Antwort abzuwarten. Wozu auch? In der Wildsau war das ja schließlich egal. „Übrigens habe ich mir gerade ein Bad herbeigeschnipst. Ich weiß nicht, ob die Tür ein Portal zu einem bereits existierenden Bad ist oder ob ich ein neues erschaffen habe. Woran erkenne ich eigentlich den Unterschied?”
„Ein Portal ist normalerweise ein offener Durchgang”, antwortete Renko. „Man kann zwar auch Portale erschaffen, die beispielsweise durch eine Tür verschlossen sind, aber darauf muss man sich stärker konzentrieren, es ist kniffliger. Davon abgesehen, können von uns nur Josh und ich Portale erschaffen.”
„Die Wildsau kann es auch”, ergänzte Adasger. „Aber man muss sie explizit darum bitten. Das liegt daran, dass Hivvy nicht für die Portale zuständig ist, dafür gibt es einen Portaldämon. Nur wenn ein verschlossenes Portal erschaffen werden soll, kommt Hivvy mit ins Spiel.”
Renko runzelte die Stirn. „Hier gibt es einen Portaldämon? Erstaunlich. Ich habe ihn noch gar nicht gesehen.”
„Er ist nicht wild auf Kontakt. Er erledigt seinen Job und verschwindet wieder, ohne sich zu zeigen. Ich habe ihn auch noch nie gesehen.”
„Oha. Mir fällt gerade ein, dass wir ja noch in Dasogra im Raumhafen sind. Stimmt doch, oder? Hier ist gar nicht genug Platz für mein Bad. Habe ich jetzt eins der Raumschiffe kaputt gemacht?”, fragte Amanda alarmiert.
„Nein, keine Sorge. Das Äußere der Wildsau ist nur ein leeres Holzhaus mit einer bestimmten Größe”, beruhigte Adasger sie. „Das Innere befindet sich in einer eigenen Dimension, deswegen kann sie so groß sein, wie sie will, ähnlich wie die Tardis bei Dr. Who. Von außen könntest du dein Bad nicht betreten, es sei denn, du würdest ein dauerhaftes Portal erschaffen. Du kämst auch nicht in die Wildsau, wenn du eine Wand einreißen würdest. Stattdessen würdest du nur den Platz sehen, auf dem sie gerade steht. Der einzige Zugang in die Wildsau führt durch die Eichentür dort, und das auch nur, wenn sie sich für dich öffnet.”
Amanda dachte darüber nach. „Wenn sich die Wildsau teleportiert, dann bleibt das Innere also da, wo es ist? Nur die äußere Hülle bewegt sich?”
„Richtig.”
„Was passiert mit den Dingen und Wesen, die sich dort befinden, wo sich die Wildsau hin teleportiert? Wenn beispielsweise ein Baum im Weg steht, was passiert mit ihm?”, fragte sie weiter.
„Es ist ein Zeit–Raum–Paradox. Normalerweise sucht sich die Wildsau einen freien Platz. Wenn das nicht geht und wenn generell genug Platz vorhanden ist, werden Gegenstände und Wesen ein wenig verschoben, ohne dass sie es merken. Für alle Beteiligten ist es, als sei die Wildsau schon immer da gewesen.
Im Extremfall würden ganze Landstriche um die paar Quadratmeter verschoben werden, die die Wildsau einnimmt, aber das war bisher noch nicht nötig, soweit ich weiß. Wenn sie wieder verschwindet, wird alles, was sich nicht von alleine bewegen kann, wieder an den ursprünglichen Platz zurück versetzt”, sagte Adasger.
„Und was ist, wenn sie mitten in einem Berg oder unter Wasser landet? Oder in einem Vulkan?”
„Die Wildsau erscheint oberhalb der Landschaft, nicht mittendrin, außer wenn man das vorher anders festlegt. Vor ihrem Eingang ist immer so viel Platz, dass man ein paar Schritte gehen kann, auch unter Wasser oder in einem Berg. Auf dem Meer oder auf einem Lavasee materialisiert sie sich zusammen mit einer Art unverwüstlichem Turm, der vom Grund aus bis zur Oberfläche nach oben ragt. Wenn es gar keinen festen Boden gibt, wie bei einem Gasriesen, schwebt sie. Übrigens scheint die Wildsau zwar aus Holz gemacht zu sein, aber das Material sieht nur so aus und trotzt ebenfalls allen widrigen Umständen. Es ist also verdammt schwer, sie zu zerstören.”
„Das ist ganz schön beeindruckend”, sagte Amanda und lächelte bei der Vorstellung, mitten auf einem Lavasee gelandet zu sein. „Man muss also vorsichtig sein und darf nicht unbedacht aus der Wildsau rennen.”
„Stimmt. Man kann die Tür aber durchsichtig werden lassen und vorher einen Blick nach draußen werfen … Um nochmal auf die KI zurück zu kommen“, sagte Adasger nach einem Moment des Schweigens. „Ich glaube, es ist nicht mehr wichtig, dass sie eigenständig wird. Ich habe den Eindruck, dass wir jetzt das Wildsau–Team sind.”
Josh und Renko sahen ihn verblüfft an. Amanda widmete sich wieder ihrem Frühstück.
„Stimmt, scheint so.” Joshs Augen funkelten. „Das gefällt mir, Mann.”
„Ja, mir komischerweise auch. Na dann, auf das W–Team”, sagte Renko grinsend und hob seine Tasse. Er stieß Amanda an. „Na los, du auch.”
„Was? Ich?”
Amanda sah die anderen überrascht an und hob schließlich zögernd ihre Tasse. Adasger lächelte. „Warum so skeptisch? Du kannst jetzt Dinge herbeischnipsen, also bist du ganz eindeutig ein Teil des Teams.”
Amanda verzog das Gesicht. „Ich weiß nicht. Es fühlt sich noch nicht so an.”
Josh sagte: „Macht nix. Das kommt von alleine. Du bist jetzt hier und das ist gut so, Mann.” Adasger nickte zustimmend und auch Renko sah aus, als ob ihm das gefiele. Amanda wand sich. „Puh. Ok. Ääähm, also auf die Wildsau?”
„Nö. Auf das W–Team”, verbesserte Renko sie grinsend, und dann prosteten sie sich mit ihren Kaffeetassen zu.
„Und jetzt?”, fragte Amanda.
„Jetzt können wir überlegen, wie wir die Wildsau haben wollen”, antwortete Adasger. „Sie kann gerne wieder eine Kneipe werden, wenn ihr wollt. Ich habe ja nur ein Restaurant draus gemacht, weil ich nichts zu tun hatte.”
„Restaurant gefällt mir, aber ich hätte gerne meinen Flipper wieder, Mann”, sagte Josh. „Muss es denn entweder–oder sein? Wir könnten einen Mix aus Restaurant, Kneipe, Café und Gasthaus draus machen. Restaurants sind mir meist zu langweilig und in Kneipen kriegt man selten was Vernünftiges zu essen. Außerdem finde ich es oft doof, dass man gehen muss, wenn der Abend um ist.”
„Das hat was”, sinnierte Renko. „Wobei Flippergedudel bei einem romantischen Dinner vielleicht nicht ganz das passende Ambiente ist.”
Amanda lachte. „Die Wildsau ist ja nun echt kein Ort für ein romantisches Dinner.” Sie überlegte. „Es sei denn, man definiert es nicht so wie allgemein üblich – aber egal.” Ungewollt erinnerte sie sich an die seltsamen Visionen, in denen Renko sie ‚wunderbar‘ und ‚itzelchen unentspannt‘ genannt hatte. Das war gruselig und absurd. Die Realität passte nicht zu dem Bild, das sie dadurch von ihm hatte. Sie verscheuchte die Gedanken aus ihrem Kopf und konzentrierte sich auf etwas anderes. „Ich mag die Vorstellung, dass hier Trubel herrscht, während ich esse.”
Josh grinste, schnipste, und schon stand der Flipper wieder an seinem Platz. „Deal”, sagte er, und der Flipper fing an zu dudeln, zu blinken und „Showtime” zu quäken.
„Aber bitte nicht gleich am frühen Morgen!”, protestierte Adasger lachend. Er schnipste den Flipper aus und das Dudeln und Blinken erstarb. Josh grinste noch breiter.
Renko sah sich zur Küchentheke um und schnipste. „Ich mochte die Theke so, wie sie war.” Auf den Regalen vor dem großen Spiegel standen wieder diverse alkoholische Getränke.
„Jetzt du”, sagte Josh zu Amanda.
„Oh. Na gut. Mal überlegen … ich mag buntes Licht”, sagte Amanda, schnipste und an den Wänden hingen verschiedene Lichterketten. An einigen Stellen erzeugten farbige Strahler Lichtbahnen vom Boden an die Decke. „Upps, das war etwas zu viel.” Sie schnipste noch einmal und ein paar verschwanden wieder.
Adasger überlegte kurz, schnipste, und über den ganzen Raum verteilt erschienen hier und da üppig grüne Pflanzen. „Und ich mag Grünzeug.”
Sie sahen sich um. „Ach ja, fast vergessen.” Josh schnipste noch einmal und die Jukebox erschien. Sie spielte poppigen Indie in einer Lautstärke, bei der man sich noch gut unterhalten konnte.
„Hier fehlt eindeutig noch Kunst”. Renko schnipste und überall hingen und standen nun viele kleine und größere Kunstwerke, ein wilder Mix aus allen möglichen Stilrichtungen und Epochen verschiedener Planeten.
Eine Weile passierte nichts mehr. Der Gesamteindruck der Wildsau war jetzt chaotisch und skurril. Der Blick wurde von so vielen Details angezogen, dass man nicht wusste, wo man zuerst hinsehen sollte.
„Perfekt!”, strahlte Josh. „So kann das bleiben, Mann.”
Adasger lächelte. „Ich mag es auch, aber ich muss das erst einmal sacken lassen.”
Renko sah sich um und nickte. „Ja, ich finde es zwar gut, aber ich denke, ich brauche auch ne Weile. Es ist ein bisschen viel auf einmal.”
Amanda sagte nichts, sah sich um und nickte nur.
Eine Art Blitz durchfuhr den Raum – dann leuchteten die Augen der Wildsau–Skulptur kurz rot auf.
Ein paar Tage vergingen, das selbsternannte W–Team gewöhnte sich ein. Amanda war so fasziniert von den neuen Möglichkeiten, dass sie gar nicht genug davon kriegen konnte. Um ungestört herumprobieren zu können, zog sie sich in ihr Zimmer zurück.
Begeistert schnipste sie sich die Finger halb wund und freute sich wie ein Kind über ihre Kreationen, nur um sie kurze Zeit später wieder verschwinden und neue entstehen zu lassen. Schließlich hatte sie sich auf eine Einrichtung festgelegt – jedenfalls mehr oder weniger. Halbherzig probierte sie es mit neuer Kleidung und anderen Frisuren, aber sie stellte schnell fest, dass ihr das viel zu egal war. Sie wollte gar nicht anders aussehen.
Und dann – eines Morgens – plingte es.
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