Kitabı oku: «Stargeflüster», sayfa 5

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Salomé hätte diese Frühstücke stundenlang ausdehnen können. Diese häusliche Stimmung beruhigte ihre Nerven und ihr aufgewühltes Herz. Die Idylle wurde diesmal allerdings durch ihr Smartphone unterbrochen, das im regelmäßigen Takt durch eine kurze Tonfolge eingehende Nachrichten anzeigte. Salomé hatte diese, so gut es ging, bisher ignoriert und seelenruhig weiter Kaffee geschlürft. Als wieder ein Jingle eine neue Nachricht ankündigte, wurde Allegra zappelig.

„Da möchte jemand dringend mit dir kommunizieren.“

Salomé blickte von ihrem Artikel auf und zuckte nur die Schultern.

„Wie hältst du das nur aus, Zaza? Selbst ich sterbe vor Neugier, wer das ist. Meinst du, das ist dein Hollywood-Beau?“ Mit den für sie üblichen weit ausholenden Gesten erreichte sie endlich Salomés Aufmerksamkeit.

„Ja und? Ich kann das doch später lesen. So wichtig wird es schon nicht sein.“

„Und wenn er in Gefahr ist?“

Salomé schnaubte abfällig. „Gefahr? Wir sind doch nicht im Dschungel.“

„Es könnte doch sein.“

„Höchstens, weil eine Horde notgeiler Teenies und sensationshungriger Reporter hinter ihm her ist.“

Allegra lachte laut. „Ja eben. Da ist es deine Pflicht, ihn zu retten.“

„Meine Pflicht ist gar nix. Du kannst dir nicht vorstellen, wie nervig das Leben als Promi ist. Ich dachte ja schon immer, die de Bertrands hätten es schwer mit der Klatschpresse Südfrankreichs. Aber das Spalier von weiblichen Fans, die gestern vor dem Veranstaltungsort der Gala standen und kreischten, war beängstigend.“ Sie starrte einen Moment auf den Tisch.

„Diese Frauen sind so hemmungslos, Allegra. Die lynchen eine Nebenbuhlerin doch glatt.“

„Apropos: hemmungslos. Ebensolcher Sex mit diesem Astralkörper würde doch schon reichen, oder etwa nicht? Wer sagt denn, dass es was Ernsthaftes sein muss?“

Salomé zögerte einen verräterischen Moment zu lange mit einer Antwort. Allegra neigte sich ungläubig vor.

„Jetzt sag nicht, du empfindest was für ihn und willst mehr?“

Salomé verzog ihr Gesicht und nahm einen Schluck aus der Kaffeetasse, ohne auf Allegras Frage einzugehen. Diese ließ sich verblüfft im Stuhl zurückfallen.

„Ich glaub es ja nicht. Du bist verknallt, vielleicht sogar mehr. Und das, ohne mit ihm im Bett gewesen zu sein.“

„Allegra. Ich. Bin. Nicht. Verknallt.“ Jetzt hielt es Salomé nicht mehr auf ihrem Stuhl. Sie raffte die Zeitung zusammen und leerte verärgert ihre Tasse in den Ausguss. Als sie zu Allegra blickte, hatte diese die Arme vor der Brust verschränkt und sah sie abwartend an. Salomé hob resigniert die Arme.

„Ich weiß ja auch nicht. Okay, er ist toll. Das denken Zigtausend andere Frauen außer mir ebenfalls. Das macht es kompliziert, verstanden? Ich habe im Moment keine Zeit dafür. Und erst recht keine Lust, mit den ganzen hysterischen Fans zu konkurrieren. Und es sind ja nicht nur Fans. Du solltest mal die Fotos von Partys sehen. Ständig posiert er neben einem klapperdürren Model. Und erst diese Kalinkakalinka! Neben der sehe ich aus wie Aschenputtel. Nenn mir einen Grund, weshalb er da ausgerechnet was Ernsthaftes mit mir anfangen sollte?“

„Die Frage meinst du jetzt nicht ernst? Zaz, du bist eine der schönsten, interessantesten, warmherzigsten und smartesten Frauen, die ich kenne.“

Salomé lächelte schief bei der Fülle an Komplimenten.

„Okay, das ‚smart‘ muss ich gerade noch mal überdenken. Vielleicht ist er einsam und auf der Suche nach der wahren Liebe? Das wär doch dann was für dich, Zaz.“

Abwehrend hob Salomé die Hände.

„Trotzdem. Ich habe einen Ruf zu verlieren. Mein Vater würde es nicht gutheißen, wenn seine Tochter als aktuelle Flamme eines Sexsymbols durch die Regenbogenpresse geistert. Lass einfach gut sein und uns lieber planen, was heute noch läuft. Wir können in den Park und anschließend in die Nachmittagsvorstellung ins Kino. Was hältst du davon?“

„Au ja, da gibt es diesen Highlander-Film, den ich unbedingt sehen muss.“

Salomé warf das Geschirrtuch nach Allegra, die quiekend aus der Küche floh.

In diesem Moment surrte ihr Smartphone erneut. Sie kapitulierte und las die eingegangenen Nachrichten. Mit leisem Bedauern stellte Salomé fest, dass keine einzige Nachricht von Nate war. Sie hatte ihm durch ihr Verhalten wohl erfolgreich klargemacht, dass da nichts zwischen ihnen laufen würde. Genauso, wie sie es wollte, oder?

Neben fünf Nachrichten von neugierigen Familienmitgliedern, darunter Julia, die anscheinend im Internet eines der gestern Abend geschossenen Bilder von Nate und ihr gefunden hatten, war eine Meldung von Keira dabei, die ihr Anrufe mehrerer Verwandten ausrichtete.

Salomé verzog das Gesicht. Das grenzte ja an Stalking! Eine weitere Nachricht war von einem Dr. Tigran Hagopian. Salomé stutzte. War das nicht der armenische Preisträger, mit dem sie sich gestern so angeregt unterhalten hatte? Sie hatten sogar getanzt. Obwohl Salomé dabei hauptsächlich damit beschäftigt gewesen war, Nate zu beobachten, der die Damen souverän übers Parkett geführt hatte. Dr. Hagopian bat dringend um Rückruf. Was er wohl wollte? Vielleicht fand er den Tower zu klobig und wollte ihn zurückgeben? Schmunzelnd legte Salomé ihr Smartphone beiseite.

Erst einmal fuhr sie den Laptop hoch und öffnete den Link zu einer der Klatschseiten, den ihr Keira geschickt hatte. Das Bild, das sich öffnete, ließ ihr Herz bis zum Hals klopfen. Sie und Nate in voller Gala-Montur. Die Fotografen hatten das Bild so beschnitten, dass Howard Bench und der armenische Arzt nicht zu sehen waren und es anmutete, als hätten Nate und sie nicht nur zufällig nebeneinandergestanden. War es überhaupt Zufall gewesen?

Je mehr Salomé darüber nachdachte, desto unsicherer wurde sie. Ihr Blick heftete sich auf das Foto. Nate sah so gut aus. Es war deutlich erkennbar, dass seine Hand auf ihrem Rückendekolleté ruhte. Er hatte seinen Kopf zu ihr hingeneigt, und ein verträumtes Lächeln lag auf seinen Lippen. Direkt daneben prangte ein Bild von Nate mit dem Model, einander zugewandt und professionell in die Kamera lächelnd. Kein Wunder, dass dies die Journalisten zu der Unterschrift „Sexiest man alive unersättlich?“ inspiriert hatte.

Die nächsten Fotos verschlugen Salomé kurzzeitig die Sprache: Eine Bilderfolge zeigte Nate, wie er vom Eingang des Gebäudes, in dem die Gala stattgefunden hatte, zu ihrem Auto gerannt kam und sie ihm ihre Hand entzog, die aus dem Fenster hing. Die Nahaufnahme zeigte einen verzweifelt blickenden Nate, der an ihrer Hand zerrte. Das durfte ja nicht wahr sein!

Die Bildunterschrift sagte alles: „Der Highlander verliebt!

Salomé, die den Umgang mit solch freien Interpretationen der Klatschpresse eigentlich gewohnt war, schluckte trocken. Zugegeben, sie und Nate wirkten auf dem ersten Bild sehr harmonisch. Weshalb nur war er ihr nach draußen gefolgt? Er wusste doch, dass die Pressehyänen dort lauerten. Und wo um alles in der Welt war die Kalinkaka?

Ihr Blick heftete sich abermals an seinen Gesichtsausdruck auf dem letzten Bild. Warum bloß hatte Nate sie so angeschaut? War er vielleicht tatsächlich in sie verliebt? Auf dem anderen Foto lächelte er eine andere Frau an. Er spielte einfach eine Rolle. Oh, Gott, das war zum Verrücktwerden!

Ein anerkennender Pfiff riss Salomé aus ihren Träumen.

„Wow. Also wenn der nicht auf dich steht!“, merkte Allegra in ihrer unverblümten Art an, während sie Salomé über die Schulter blickte. Hastig klappte Salomé den Laptop zu und versuchte, ihre Aufregung zu überspielen.

„Egal. Sollen wir los?“

Allegra lachte wieder schallend.

Der Nachmittag war zu schön, um ihn im Kino zu verbringen, und so schlenderten die beiden Freundinnen durchs spätsommerliche New York. Allegra lauschte Salomés Erzählungen von den Geschehnissen auf Mirabel, wie auch Salomé mit zunehmender Ergriffenheit Allegras Berichten von ihrer Arbeit im Erdbebengebiet zuhörte. Sie gönnten sich Hotdogs mit Relish und Sauerkraut an einem der Straßenstände und schlürften jede einen großen Cappuccino-to-go auf den Stufen des Metropolitan-Museums, während sie die zum Central Park vorbeihastenden Menschen kommentierten. Es war ein perfekter Nachmittag in Manhattan.

Als sich beide am frühen Abend wieder ihrem Apartmenthaus näherten, wartete bereits eine Meute Fotografen auf sie.

„Salomé! Miss de Bertrand! Wie haben Sie Nate kennengelernt?“, stürmten die Fragen auf sie ein.

„Oh, nein. Die sind wegen des Fotos mit Nate hier.“ Salomés schaute Allegra entschuldigend an.

Für eine Flucht war es zu spät. Allegra genoss allerdings den Trubel, zog Salomé an ihre Seite und posierte vor den Fotografen.

„Salomé! Hierher. Zu mir. Ist Nate wirklich in Sie verliebt?“

„In diese Frau kann man nur verliebt sein. Vergessen Sie nicht zu schreiben, dass der Erlös aus den Fotos den Erdbebenopfern in Nepal zugutekommt!“, rief Allegra den irritierten Paparazzi zu.

Salomé musste kichern. Gut gelaunt entkamen sie dem Trubel und winkten Conrad im Vorbeirauschen zu, bevor dieser auch nur eine Frage stellen konnte.

Zu Salomés Erleichterung warteten am nächsten Morgen nur noch ein paar versprengte Paparazzi vor ihrem Haus und dem Bürogebäude, die sich damit zu begnügen schienen, sie nur abzulichten.

Allegra textete vormittags begeistert, dass die meisten Zeitschriften im Zusammenhang mit dem Foto zu Spenden für die Erdbebenopfer aufriefen. Salomé rief die entsprechenden Seiten auf und tatsächlich: Sogar Salomés Engagement in diversen anderen Bereichen wurde lobend erwähnt. So hat die Sache doch noch etwas Gutes, stellte Salomé fest. Sie war dennoch erleichtert, dass die Aufregung um ihre Person in den nächsten Tagen abflaute.

Doch die Ruhe war trügerisch.

„Nennen Sie mich bitte Tigran.“

Salomé blickte in die schokoladenbraunen Augen und musste zugeben, dass der armenische Arzt die Kunst des Flirtens vollendet beherrschte. Sie hatte Dr. Hagopians beharrlichem Werben nach ein paar Tagen nachgegeben und sich mit ihm zu einem Dinner verabredet. Tigran hatte sie in ein versteckt gelegenes armenisches Restaurant an der Lower East Side entführt. Salomé war nicht nur überrascht von den unbekannten, köstlichen Speisen, sondern auch darüber, dass sie sich keine einzige Sekunde in seiner Gegenwart langweilte. Tigran verstand es, in intelligenter, spritziger Art von seinem Leben zu erzählen, und war erfreut, dass Salomé durch ihr Engagement in der Stiftung, aber auch durch Allegras Berichte eine ebenbürtige Gesprächspartnerin war.

Als sie das Restaurant verließen, legte Tigran seine Hand auf Salomés Rücken und führte sie nach draußen. Die Berührung war nicht unangenehm. Kaum hatte Salomé einen Schritt vor die Tür gemacht, ging ein Blitzlichtgewitter auf das Paar los. Instinktiv nahm Tigran Salomé in den Arm und zog sie schützend an sich.

„Salomé. Was ist mit Nate?“

„Salomé, wer ist der neue Lover?“

„Salomé, bringt Nate es nicht?“

Bevor Tigran sie in ein rasch herbeigerufenes Taxi bugsieren konnte, prasselten diese Fragen in sämtlichen Variationen auf sie nieder. Eine Weile fuhren sie schweigend durch New York. Salomé musste den Schock über diesen unerwarteten Ansturm erst einmal verarbeiten.

„Es tut mir leid. Damit habe ich nicht gerechnet. Danke für deine Hilfe.“ Sie legte ihre Hand auf Tigrans Arm.

Der Arzt hatte nachdenklich aus dem Fenster gestarrt. Er wandte sich ihr zu. „Wer ist Nate?“

Salomé vergrub das Gesicht in ihren Händen und stöhnte auf.

„Es ist nichts mit Nate. Das wünschen die sich nur.“

„Doch nicht etwa Nate Hamilton?“

Salomé nickte.

„Es gab einige Fotos von der Gala in der Presse.“

Selbst im spärlichen Licht, das im Taxi herrschte, konnte sie bemerken, wie sich Tigrans Gesichtsausdruck veränderte. Unvermittelt schnalzte er mit der Zunge.

„Salomé. Du bist eine sehr schöne Frau. Aber bitte versteh: Ich bin Armenier.“

Salomé hob fragend die Augenbrauen.

„Ich kann mir in meinem Privatleben keinen Skandal erlauben.“

„Skandal?“

Tigran machte eine unwirsche Handbewegung. „Egal, ob du wirklich etwas mit diesem Nate hast. Allein der Eindruck, ich ginge mit einer Frau aus, die eine Liaison mit einem Hollywoodstar hat, schadet meinem Ruf.“

Salomé war so verblüfft, dass ihr noch nicht mal ein ungläubiges Schnauben gelang. Sie atmete tief durch. Was sollte das? Glaubte dieser Mann etwa, sie habe es nötig, sich seine Moralpredigt anzuhören?

„Ich verstehe“, antwortete sie nur knapp, obwohl sie überhaupt nichts mehr verstand. Soeben beim Dinner war er ihr als weltoffener, gebildeter und moderner Mann erschienen – und nun so ein Steinzeitverhalten.

Tigran nickte erleichtert und wies den Taxifahrer an, zu Salomés Apartmenthaus zu fahren. Im Verlauf der weiteren Fahrt sprach keiner mehr ein Wort. Mit einem unterkühlten Nicken verabschiedeten sie sich voneinander. Im Aufzug nach oben kam endlich das ungläubige Schnauben aus Salomés Kehle, das sich in herzhaftes Lachen ausweitete. Sie war durch das Wechselbad der Gefühle so überspannt, dass sie immer noch kicherte, als sie die Haustür aufschloss. Allegra, die in Bademantel und Socken vor dem Fernseher saß, musste ein paar Minuten warten, bis ihre Freundin sich so weit gefangen hatte, um alles zu erzählen.


Nate schaute regungslos in Carys triumphierendes Gesicht. Die kleine Frau, auch heute in einem grauen Businesskostüm mit flachen Schuhen, hatte sich vor ihm aufgebaut.

„Hab ich’s dir nicht gesagt? Die Dame war wohl eine Nummer zu groß für dich!“ Cary fuhr sich durch das kinnlange schwarze Haar. Ihre grünen Augen blitzten ihn durch die Gläser ihrer großen Nerdbrille an.

Nate konnte nicht antworten. Hinter seiner Stirn ratterte es. Stirnrunzelnd betrachtete er wieder die Bilder auf der Homepage der You Know?, eine von mehreren Klatschzeitungen, die die Story heute als großen Aufmacher hatten. Er unterdrückte den Impuls, Cary das Tablet aus der Hand zu schlagen. Das unterschwellige Gefühl der Eifersucht, das seit der Gala in ihm geschlummert hatte, schwappte heiß seine Kehle hoch.

Das linke Bild zeigte eine beschwingte Salomé, die vor einem charmant grinsenden Dr. Hagopian, der vertraulich seine Hand an ihren Rücken gelegt hatte, ein Restaurant verließ. Im Bild daneben schmiegte sich Salomé in die Arme ihres Kavaliers.

Die letzten Tage waren immer wieder Schnappschüsse von Salomé in der Klatschpresse aufgetaucht. Das erste bildete sie zusammen mit einer sich sehr ungezwungen gebenden, blond gelockten Frau ab. Weitere Aufnahmen zeigten sie beim Betreten der Bank oder vor ihrem Fitnessstudio. Nate konnte nicht leugnen, dass ihn jedes Mal ein wohliger Schauer durchrieselte, wenn er die dazugehörigen Unterschriften studierte: „Nates schöne Freundin“ oder „Sie hat sich Nate geschnappt“.

„Schön wär’s.“ Er unterdrückte ein Seufzen.

Nachdem das Date in New York so danebengegangen war, hatte er durch diese Klatschmeldungen wenigstens ein bisschen Anteil an ihrem Alltag. Bislang hatte er sich zurückgehalten, sie noch einmal zu kontaktieren. Er redete sich ein, es wäre besser so. Selbst Sean hatte das gesagt. Außerdem verdiente eine Frau wie Salomé es, ausgiebig umworben und nicht als Termin dazwischengequetscht zu werden. Wie sollte er das anstellen, wenn seine Tage von Cary minutiös durchgeplant waren? Besser nach dem Dreh.

Das heutige Bild allerdings brachte diesen Entschluss ins Wanken. Panik wallte in ihm auf. Was, wenn dieser Arzt sie ihm wegschnappte?

Nates Blick fror an Salomés entspanntem Gesicht auf der ersten Abbildung fest. Wie unglaublich gut sie aussah! Sie hatte diese hoheitsvolle Aura, die von ihrer geraden Haltung und eleganten Kleidung unterstrichen wurde. Ihre funkelnden Augen und ihr lachender Mund bildeten die herzliche Nuance, die das Gesamtbild abrundete. Nate atmete tief ein. Sie war perfekt. Perfekt für ihn. Er vermisste sie so sehr.

Es war anhand der Aufnahme schwer zu sagen, was sie für diesen Arzt empfand. Sie wirkte auf jeden Fall glücklich. Vielleicht war es schon zu spät? Seine Kiefermuskeln spannten sich an, als er cool Carys Blick begegnete.

„Ach, Cary. Du weißt doch, wie solche Fotos zustande kommen. Das heißt doch gar nichts.“ Nate war selbst erstaunt, wie gekonnt gelangweilt sein Tonfall klang. Das war echt oscarreif.

Irritiert ließ Cary das Tablet sinken.

„Hast du die Schlagzeile gesehen? „Nate war gestern.“ Wie sollen wir das nur geradebiegen? Wo du gerade auf der Liste der einflussreichsten Männer im Filmbusiness auf Platz zweiundzwanzig stehst. Du sackst garantiert ab durch diese Geschichte.“

Carys Mund wirkte verkniffen. Ein untrügliches Zeichen, dass sie mit ihrem Latein am Ende war. In Nate, dem es herzlich egal war, welchen Platz in welchem Ranking er belegte, solange er auf Salomés Platz eins stand, regte sich Kampfgeist. Er musste handeln und nicht abwarten. Jetzt sofort!

„Ganz einfach. Wir beweisen der Welt, dass ich nicht gestern war! Organisiere einen Flug nach New York!“

FRANZÖSISCHHHHHH


Die Hitze in ihrem Inneren wurde unerträglich. Schweißperlen sammelten sich zu Rinnsalen zwischen ihren Brüsten, die rhythmisch auf und ab hüpften. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, und der Atem kam stoßweise. Lange würde sie dieses Tempo nicht mehr durchhalten. Ihre Beine begannen zu zittern. Sie stöhnte und verlangsamte den Rhythmus. Vergeblich fischte sie mit der freien Hand nach ihrem Handtuch. Sie erspähte es auf dem Boden. Unerreichbar.

Rigoros drückte sie den roten Stopp-Button.

Welcher Teufel hatte sie nur geritten, das Advanced-Hiking-Program-Plus auf dem Stepper einzuschalten? Immer noch nach Luft schnappend, beugte sie sich einen Moment vornüber, um ihren Körper zu beruhigen.

Eine Hand kam in ihr Blickfeld. Eindeutig männlich. Die Hand hielt ihr das Handtuch hin. Vage fühlte Salomé sich an den letzten Sommer erinnert, als wechselnde Verehrer ihrer Freundin Julia nach ihrem morgendlichen Schwimmtraining ebenfalls das Handtuch gereicht hatten. Auf Anmache, vor allem hier im Fitnessstudio, hatte sie keine Lust.

Salomé richtete sich auf und hatte bereits einen Spruch auf der Zunge, der ihrem Gegenüber garantiert verdeutlichen würde, dass sie nicht interessiert war, als ihr Herz vor ihrem Verstand begriff, wer da vor ihr stand. Es pochte so stark, dass Salomé zu ersticken drohte. Nate!

„Woher weißt du, dass ich hier bin?“, keuchte sie, entwaffnet von seinem Anblick, während sie automatisch das Tuch entgegennahm und sich geistesabwesend das Dekolleté abtupfte.

Nate heftete seinen Blick hungrig auf ihre schweißglänzende Haut und räusperte sich.

„War nicht schwer. Ich musste mir nur aufmerksam die Bilder von dir im Internet anschauen. Eins davon zeigte dich vor diesem exklusiven Studio.“

Salomé verzog gequält das Gesicht. Diese Fotos! Im Büro hatte man sie bereits darauf angesprochen. Auf den alarmierten Anruf ihres Vaters hin hatte sie die ganze Sache als haltlose Erfindung der Klatschpresse heruntergespielt. Wie es schien, hatte er das geschluckt. Vor allem, weil seitdem keine weiteren Bilder mehr von ihr und Nate erschienen waren. Dieser Anruf hatte einmal mehr bestätigt, dass ihr Instinkt richtig gewesen war: Charles wäre über eine Verbindung seiner Tochter mit einem Hollywoodstar „not amused“.

Das hatte sie alles diesem Mann zu verdanken, der jetzt, wie üblich getarnt mit Basecap und hochgestelltem Kragen, vor ihr stand.

„Ich wusste gar nicht, dass du so schnell wieder in New York sein würdest.“ Sie sog am Strohhalm ihrer Plastikflasche und hoffte so, gelassener rüberzukommen, als sie sich fühlte.

Nate versenkte die Hände in seinen Hosentaschen.

„Doch. Ein unaufschiebbarer Termin.“

„Aha.“ Einen Augenblick lang herrschte befangenes Schweigen.

„Hör mal. Ich konnte mich das letzte Mal gar nicht richtig von dir verabschieden.“

Salomé sah es sofort wieder vor sich: Nate, den ganzen Abend umschwärmt von den älteren Damen der New Yorker High Society auf der Tanzfläche und dann an der Limousine die kurze Berührung durch das geöffnete Fenster.

„Außerdem fühle ich mich verantwortlich. Die Paparazzi belagern dich anscheinend meinetwegen.“

Salomé zuckte mit den Schultern und verstaute die Flasche in der Sporttasche. Sie fand, es wäre eine coole Geste, die Tasche über ihre Schulter zu hängen, so, als ob sie im Aufbruch wäre. Sogleich runzelte Nate die Stirn.

„Also, Zaza. Was ich eigentlich sagen will: Was hältst du davon, wenn ich das wiedergutmache und dich heute zum Dinner einlade?“

Salomé konnte sich einen spöttischen Laut nicht verkneifen. Musste er sie an diesen Abend erinnern, an dem sie sich lächerlich vor ihm gemacht hatte, weil sie nicht wusste, wie prominent er war? Allein beim Gedanken daran schoss ihr vor Scham die Röte in die Wangen.

„Wie soll das gehen, Nate? Hast du schon wieder ein ganzes Lokal gebucht?“

Sein jungenhaftes Grinsen scheuchte einen Schwarm Schmetterlinge in ihrem Magen auf. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Sie durfte diesen Mann nicht toll finden! Er hatte am Telefon doch eine andere „Bonnie“ genannt.

„Nein, heute mal ganz spontan. Du darfst sogar was aussuchen.“

Salomé stutzte.

„Und das geht so einfach? Du und wilde Horden von hysterischen Fans in einem Restaurant?“

Sein Lächeln flackerte kurz. Dann riss er sich offenbar zusammen.

„Wir können es ja mal versuchen. Das hier ist New York. In Los Angeles würde ich das, ehrlich gesagt, lieber nicht tun.“

Salomé wurde bewusst, sie konnte jetzt kaum noch kneifen. Dinner? Er hatte doch eine andere Frau. Durfte sie das? Auf der anderen Seite: Dinner war unverfänglich. Warum also nicht? Da konnte ja nichts passieren. Es sprach schließlich nichts dagegen, ihn besser kennenzulernen. Und alle anderen geplanten Beschäftigungen heute Abend schienen im Vergleich dazu fad.

„Und wenn ich schon etwas anderes vorhabe?“

Das Grinsen schlich sich wieder in Nates Mundwinkel.

„Hast du nicht. Zumindest nichts Besseres!“

„Oh, wir sind heute gar nicht eingebildet.“

Nate lachte laut auf.

„Also, was ist nun. Ja oder ja?“

Salomé musste jetzt auch lachen.

„Okay. Aber nur, wenn du mich vorher noch unter die Dusche lässt.“ Der Blick, den Nate ihr zuwarf, ließ sie ganz schwach werden. Er dachte doch wohl jetzt nicht an sie, wie sie nackt unter der Dusche stand? Sie selbst hatte zumindest dieses Bild vor Augen, allerdings war er auch dort. Nackt. Das wurde ja immer besser! Sie wollte Nate aus ihren Gedanken verbannen. Wieso also schob sich der Gedanke von ihr und diesem Sexgott eng umschlungen unter der Dusche vor ihr inneres Auge? Wo sollte das nur hinführen?

Nates Stimme war belegt.

„Klar. Wir treffen uns in der Lobby.“


Salomé grinste, als sie wenig später Nates Leibwächter gegenüberstand.

„Das ist Leo. Er wird uns begleiten“, stellte Nate ihn knapp vor.

Er erkannte in Salomés Augen das, was er selbst gedacht hatte, als Cary den Leibwächter angeschleppt hatte: Leo, der Salomé mit ernster Miene von oben bis unten scannte, war zweifellos durchtrainiert, sah jedoch nur ... drollig aus.

Der etwa dreißigjährige Mann mit lateinamerikanischen Zügen beindruckte mit einem Sixpack, das sogar durch sein eng anliegendes schwarzes T-Shirt sichtbar war. Nate vermutete, dass sein Bizeps einen größeren Umfang hatte als Salomés Oberschenkel. Sein Gesicht hingegen wirkte durch die warmen braunen Augen und die hochgezogenen Mundwinkel völlig harmlos. Eher so freundlich wie bei Balu, der Bär. An diesem Teddybär-Image änderte auch die Narbe nichts, die sich quer über seine rechte Wange zog.

Nate musterte Salomés zuckende Mundwinkel und flüsterte ihr zu: „Er war bei den Marines.“ So, als würde das alles erklären.

„Aha. Gute Tarnung“, wisperte Salomé mit hochgezogenen Brauen, und Nate biss sich vor unterdrücktem Lachen auf die Lippe.

Nach einer rasanten Fahrt – Nate erschloss sich nicht, weshalb Leo es so eilig hatte – hielten sie direkt vor dem Eingang des von Salomé vorgeschlagenen Restaurants, das in einer kleinen Seitenstraße in Tribeca lag. Nate bestand darauf, dass Leo im Wagen blieb. Nach einer kurzen Diskussion gab der Leibwächter nach. Sein unglücklicher Gesichtsausdruck ließ in Nate kurz Mitleid aufflammen. Er hielt sich gerade noch zurück, seine Anweisung zu widerrufen, und folgte Salomé in das französische Restaurant Chez Gustave.

„Ah, Mademoiselle Salomé!“, begrüßte sie ein rundlicher Herr in den Sechzigern, über dessen Bauch eine blütenweiße Schürze spannte.

„Salut, Gustave!“

Salomé tauschte mit Gustave die üblichen Küsschen, und beide sprachen eine Weile angeregt auf Französisch miteinander. Obwohl Nate diese Sprache beherrschte, war er viel zu angespannt, um den Sinn des Small Talks zu verstehen. Salomé hatte mit ihrer Vermutung, er meide öffentliche Restaurants, ins Schwarze getroffen. Er hatte nur ihr zuliebe so cool getan. In Wirklichkeit stand ihm vor lauter Panik, dass sich gleich eine hysterisch kreischende Menschentraube um ihn scharen würde, der Schweiß auf der Stirn. Nate war schon lange nicht mehr ohne falschen Schnurrbart in einem öffentlichen Restaurant essen gewesen. Bisher schien alles ruhig, aber er hatte auch noch nicht das Basecap abgenommen.

Soweit er das überblicken konnte, war der Laden rappelvoll. Sie würden wohl wieder gehen müssen. Sollte er vielleicht doch seinen Promi-Bonus ausspielen?

„Xavier!“, rief Gustave in diesem Moment einem jungen Mann zu, der hinter der Bar rumwuselte.

Dieser wusste anscheinend sofort, was von ihm verlangt wurde. Er verschwand kurz in einem Nebenraum und quetschte dann einen weiteren Tisch zwischen die Gäste, denen die dadurch entstehende Enge anscheinend überhaupt nichts ausmachte. Nate war verblüfft.

„Die bekommen dafür Gustaves berühmte Zitronencreme spendiert“, flüsterte Salomé dem immer noch erstaunten Nate zu.

Salomés Connection reichte offenbar aus, um hier einen Tisch zu ergattern. Wow, war das sexy! Verlangen überkam ihn. Hoffentlich war dieser Xavier bald fertig mit dem Aufdecken. Er musste sich unbedingt setzen, damit die verräterische Ausbuchtung in seiner Hose nicht so auffiel.

„Dabei ist das gar nicht Gustaves, sondern Fredos Creme. Ich importiere sie, weil Fredo, der gerissene Kerl, das Rezept nicht rausrückt. Ich vermute fast, er weiß es gar nicht, und seine Frau Joline macht die Creme.“

Salomés Mundwinkel zuckten verräterisch, als sie Nates verwirrte Miene sah. Musste er das verstehen? Fredo? Joline?

Als der Tisch fertig eingedeckt war, nahmen beide Platz, und Nate legte die Serviette auf seinen Schoß.

Gustave erschien und ratterte freudestrahlend eine wohlklingende Folge an französischen Speisen herunter. Während Salomé ihm lächelnd zuhörte, war Nates Blick auf seine schöne Begleiterin gerichtet. Sein Gehirn war wie leergefegt. Er starrte auf ihre Hand, die in einer weiblichen Geste das Haar hinter die Schultern schob. Sie hatte schöne Hände. Zart, aber doch kräftig. Ob sie Klavier spielte? Er wusste noch viel zu wenig von ihr und nahm sich vor, dies rasch zu ändern.

„Was möchtest du essen?“

Ertappt riss sich Nate aus seinen Gedanken. „Wähle du. Ich begebe mich gerne in deine Hände.“

Salomé errötete und warf ihm einen merkwürdigen Blick zu. Als Nate die Zweideutigkeit seines Satzes auffiel, stahl sich automatisch das jungenhafte Grinsen in sein Gesicht. Salomé blinzelte und räusperte sich, bevor sie sich wieder an Gustave wandte.

„Willst du diese Kappe nicht endlich abnehmen?“, fragte sie, als Gustave ihre Bestellungen entgegengenommen hatte.

Nate seufzte und riss sich das Basecap vom Kopf. Adieu Intimität. Er zog die Schultern hoch in Abwehr des erwarteten Ansturms. Doch es blieb still. Sofern man das gemütliche Geplapper der Restaurantgäste als still bezeichnen konnte.

„Alles okay?“, frage Salomé, die Nate amüsiert beobachtet hatte.

„Ja … alles okay. Scheint zumindest so.“

In diesem Moment erschien der junge Xavier mit Wein und einem Glas Pastis. Salomé stellte den Pastis vor Nate und legte ihre Hand auf seinen Arm.

„Hier, zur Beruhigung. Eigentlich wollen Frauen ja, dass man ihretwegen nervös ist. Ich finde, du kannst langsam runterkommen. Hier hast du nichts zu befürchten. Gustave ist cool und seine Gäste auch. Man muss eben nur die richtigen Orte kennen.“

Ein Kribbeln breitete sich von der Stelle aus, an der Salomés Hand lag. Nate schwitzte.

„Kein Wunder, dass du noch nichts von mir gehört hattest, wenn du dich nur an solchen Orten aufhältst.“ Er nahm einen großen Schluck von der milchigen Flüssigkeit.

Salomé schien ernsthaft über seinen Satz nachzudenken, während ihr Finger über den Rand des Weinglases strich.

„Du könntest recht haben. Mirabel ist auch so ein Ort. Als du auf der Geburtstagsfeier meines Vaters warst, ist keine Frau in Ohnmacht gefallen.“

„Mir hätte es gereicht, wenn eine schwach geworden wäre.“ Nate schaute sie durchdringend an.

Jetzt war es an Salomé, trocken zu schlucken.

Langsam begann Nate, sich zu entspannen. Er blickte sich um. Gustave hatte es geschafft, die Bistro-Atmosphäre nach New York zu bringen. Durch die enge Bestuhlung war die Stimmung familiär und gesellig. Die Gäste saßen an viereckigen Tischchen, auf denen weiße Decken lagen. Die Wände waren bis Brusthöhe in dunklem Holz getäfelt, und unzählige kleinformatige Fotos in antiken Rahmen zeigten Gustave mit seinen Gästen. Viele der abgebildeten Personen waren prominent, Politiker, Sportstars, Schauspieler. Jetzt wurde Nate auch klar, weshalb er hier kein Aufsehen erregte. Neben den Größen, die auf den Fotos abgebildet waren, war er eine vergleichsweise kleine Nummer.

„Möchtest du Brot?“ Salomé hielt Nate das geflochtene Körbchen mit knusprigen Baguettescheiben hin.

„Brot? Ich hatte ganz verdrängt, dass es Menschen gibt, die noch Brot essen. In Kalifornien ist Brot mittlerweile fast so verpönt wie Zigaretten.“

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