Kitabı oku: «Stargeflüster», sayfa 6
„Tja, wir sind aber hier nicht in Kalifornien, sondern in Frankreich“, stellte Salomé fest, während sie demonstrativ Butter auf eine Scheibe Baguette strich.
„Habe ich was verpasst?“
Nate grinste sie an, und Salomé bemerkte ihren Versprecher.
„Komisch, nicht wahr? Wenn ich hier bin, kommt es mir vor, als wäre ich in Frankreich.“ Sie warf ihm einen schwer zu deutenden Blick zu.
Ein Zischen am Nachbartisch unterbrach sie, Xavier karamellisierte dort eine Creme Brulée. Salomé strahlte Nate an.
„Himmlisch, wie das duftet, nicht?“
Gustave servierte die Vorspeise, eine französische Lauchsuppe.
Nate konnte sich an Salomés sinnlicher Art zu essen nicht sattsehen. Sie brummte genießerisch, als sie den ersten Löffel Vichyssoise zu sich nahm und dann herzhaft in das Baguette biss. Ihre buttrigen Lippen glänzten, und er keuchte leise, als Salomés rosige Zungenspitze erschien und unbewusst ihre Lippen sauber leckte. Seine Temperatur stieg. Er lockerte seinen Hemdkragen.

„Nate, bist du noch da?“
Anstatt zu antworten, beugte er sich langsam vor, und wie in Zeitlupe sah Salomé Nates Gesicht näher kommen. Was sollte das? Wollte er sie etwa küssen? Wie hypnotisiert starrte sie auf seine sinnlichen Lippen und fand die Idee auf einmal gar nicht so schlecht. Eine Sekunde später fühlte sie Nates Daumen an ihrem Mundwinkel. Die Berührung jagte einen flirrenden Schauer durch ihren ganzen Körper. Unweigerlich öffnete sie ihre Lippen und holte tief Luft. Nate zog seine Hand zurück, und Salomé spürte den Verlust körperlich. Seine Stimme klang rau.
„Du hattest da einen Krümel, Zaza.“
Salomé nickte nur. Die Geräusche der anderen Gäste schienen unwirklich gedimmt. Warum sonst konnte sie trotz des Trubels im Bistro ihre eigene beschleunigte Atmung hören? Wie schaffte es dieser Mann nur, dass sie sich ihres Körpers und ihres Begehrens so bewusst wurde?
Ihre Brustwarzen zogen sich zusammen und drängten sich auf der Suche nach seiner Nähe gegen ihre Seidenbluse. Ein sehnsuchtsvolles Ziehen pochte zwischen ihren Beinen. Verschwommen nahm sie wahr, wie Xavier die Vorspeise abtrug, während sie in den Tiefen von Nates Augen versank. Gleichzeitig nagte eine beharrliche Stimme in ihr. Du darfst nicht schwach werden, Zaza. Er ist vergeben. Du darfst ihm nicht vertrauen. Er will dich nur erobern und wird dich dann fallen lassen.
Gustave rettete sie mit zwei Schüsseln Moules frites. Die Muscheln mit Pommes frites dufteten herrlich. Erleichtert, dass der Zauber gebrochen war, richtete Salomé ihre Aufmerksamkeit auf das Gericht.

Nate war verwirrt. Während ihre Blicke ineinander versunken gewesen waren, hatte er eine unglaubliche Nähe zu dieser Frau gespürt. Fast hatte er das Gefühl gehabt, er und Salomé wären die einzigen Gäste in dem Bistro. Dann hatte ihr Blick geflackert, und der intime Moment war vorbei gewesen. Jetzt galt ihre Aufmerksamkeit wieder ganz dem Essen.
Salomés Begeisterung über das Gericht ließ sie in die Hände klatschen. Er musste schmunzeln. Diese bereits vertraute Geste von ihr, wenn sie sich freute, rührte ihn zutiefst an.
Während des weiteren Essens war die Stimmung zwischen ihnen außergewöhnlich harmonisch. Der Wein löste ihre Zungen, und inbrünstig diskutierten sie über Themen, die sie bewegten. Wobei sie einen Bogen von Colins Kunst über den neuesten Finanzskandal zu den vielversprechendsten Regisseuren schlugen.
Salomé hatte eine Art, von ihrer Kindheit und Jugend auf Mirabel zu erzählen, dass Nate sie als bezopftes Mädchen vor seinem inneren Auge sah. Er fieberte nachträglich mit ihr über die Entdeckung ihres Halbbruders Mathieu diesen Sommer und die stetig wachsende Freundschaft zu Julia. Salomé klärte Nate über die berühmte Zitronencreme auf, die Fredo, der beste Freund ihres Halbbruders Mathieu, in seiner kleinen Cabane am Meer zubereitete und die, so Julias Vermutung, sogar dafür verantwortlich war, dass Salomé bald Tante würde.

Nate erzählte von seinen Rivalitäten mit Colin und der Kindheit in den schottischen Highlands. Sie lachte herzlich, als Nate ihr sehr bildhaft von seinen ersten Schauspielerfahrungen im Schultheater berichtete, dem er angeblich nur wegen einer Becky beigetreten wäre, in die er damals unsterblich verliebt gewesen sei.
Während sie lauschte, betrachtete sie sein schönes Gesicht. Er ließ sich einen Bart stehen. Für seine Rolle als Highlander, wie sie vermutete, und wirkte dadurch noch männlicher. Er war geistreich und amüsant.
Ihr war die knisternde Erotik, die sie umhüllte, mehr als bewusst. Und sie konnte Nate ansehen, dass es ihm genauso erging. Die Berührungen ihrer Hände und ihrer Knie waren alles andere als zufällig. Salomés Blick heftete sich mehr als einmal auf Nates leuchtende Augen und versank in ihnen.
Dieses kleine Bistro bildete eine Insel in ihrem Leben, auf der alles möglich schien.
„Das ist also Fredos berühmte Zitronencreme?“, fragte Nate in diesem Moment.
Statt einer Antwort nickte Salomé, schob sich langsam den Löffel in den Mund und lutschte diesen genussvoll ab, während sie sinnlich die Augenlider senkte. Mit Genugtuung registrierte sie, wie Nates Blick sich weitete. Sie begann zu kichern.
„Du Hexe!“, zischte Nate und grinste dabei von einem Ohr zum anderen.
Das Bistro leerte sich. Nate beglich die Rechnung. Und Gustave ließ es sich nicht nehmen, von Xavier einen Schnappschuss von sich und dem berühmten Gast machen zu lassen. Leo stand an der Tür und hielt sie für sie auf. Ganz der Bodyguard checkte er die Straße und nickte kurz, als die Luft rein war.
Draußen fiel Salomé auf, wie sie doch etwas schwindelig war. Gustave hatte es mit dem Nachschenken eindeutig zu gut gemeint.
„Noch Lust auf einen Absacker?“
Salomé zog scharf die Luft ein. Er hatte sie das schon einmal gefragt. War „Absacker“ etwa ein Codewort für mehr, und das war seine Masche? Unvermittelt stand ihr wieder die Szene vor Augen, als sie das Ende des Telefonats zwischen Nate und seiner Freundin – oder Frau – belauscht hatte. Inzwischen kannte sie diese Frau sogar. Das kam überhaupt nicht infrage.
„Besser nicht.“ Salomé blickte die Straße entlang und scannte diese bereits nach einem Taxi.
Nates Blick verengte sich. Er war offensichtlich enttäuscht. Sie konnte ihn verstehen. Die Stimmung im Bistro war eindeutig mehr als nur nett gewesen.
„Wie meinst du das: ‚Besser nicht‘? Wir hatten so einen schönen Abend. Genau wie bei unserem ersten Date. Und dann schlägt deine Stimmung um. Ich verstehe das nicht, Zaza.“
Salomé stieß ungeduldig die Luft aus. Okay. Augen zu und durch. Auch wenn sie es nach dem schönen Abend bedauerte, dass sich hier ihre Wege wohl trennen würden.
„Hör zu, Nate. Ich wollte nicht lauschen. Aber auf Colins Vernissage hast du telefoniert, und ich konnte nicht verhindern, deine letzten Worte zu hören. Du hast dich sehr inbrünstig und liebevoll von jemandem verabschiedet. Und dann habe ich deine Freundin ja kennengelernt auf der Gala. Du erinnerst dich?“
Nate blickte sie verblüfft an. Seine Stirn runzelte sich. Salomé setzte zu weiteren Erklärungen an.
„Also, es ist ja okay, wenn du mit jemandem zusammen bist. Aber bitte versteh: Ich bin einfach nicht der Typ für eine Affäre.“ So, jetzt war es raus.
„Zusammen? Affäre? Was meinst du?“ Nate fasste sich nachdenklich an die Stirn. Dann verzog sich sein Gesicht, und zu Salomés unendlicher Irritation brach er in schallendes Gelächter aus. Jetzt war es an ihr, die Stirn in Falten zu legen.
„Du bist eifersüchtig“, spottete Nate.
Salomé klappte verblüfft der Mund auf.
„Was? Weshalb sollte ich eifersüchtig sein?“
„Gib es zu, du bist es. Sonst hättest du nicht so reagiert.“
Langsam wurde es Salomé zu bunt.
„Fakt ist, wir haben doch gar nichts miteinander. Weshalb also sollte ich eifersüchtig sein? Aber solange du eine Freundin oder vielleicht sogar eine Frau hast, wird auch nicht mehr aus uns werden. Auch dass du ein Filmstar bist, ändert nichts an meiner Haltung.“
Sie wandte sich ab, wurde jedoch von Nates Hand, der sie am Arm zurückhielt, sanft gestoppt. Herausfordernd reckte sie ihm ihr Kinn entgegen. Er hob seine Hand und fuhr mit dem Daumen sacht die Linie ihrer Lippen nach, was ihre kühle Fassade wackeln ließ.
„Wir haben also nichts miteinander, Bonnie? Interessant!“, flüsterte er. Ihr Herz flatterte wie ein eingesperrter Vogel. „Tut mir leid, wenn du da einiges missverstanden hast. Ich ...“, er suchte nach Worten. „Ach, was soll’s! Also zuerst einmal: Mit der Frau, mit der ich auf der Gala war, Ivana, hatte ich lediglich eine geschäftliche Vereinbarung. Das ist so üblich. Schauspieler und Models besuchen gemeinsam wichtige Veranstaltungen, werden zusammen fotografiert, und der eine profitiert vom Image des anderen. Für beide ist es besser, nicht alleine bei einer Gala zu erscheinen. Die Fotos sehen dann einfach ... geselliger aus, und es gibt keine Fragen, warum man alleine ist. Das ist alles.“
Salomé runzelte die Stirn.
„Und da läuft nichts zwischen euch? Sie ist nicht deine Freundin?“
„Nein. Ich kenne sie nicht mal richtig. Ich habe sie am Abend der Gala zum ersten Mal gesehen und vielleicht zehn Sätze mit ihr geredet.“
„Okaaaay.“ Salomé war nur halb überzeugt.
„Das Telefonat bei meinem Bruder in der Galerie ist eine andere Sache.“
Unmerklich presste Salomé ihre Kiefer fest aufeinander. Jetzt würde sie erfahren, wer diese Bonnie war.
„Es ist eigentlich vereinbart, mit niemandem darüber zu reden. Aber das scheint ein dringender Fall für eine Ausnahme zu sein. Bitte, lass es mich erklären!“
Salomé seufzte. Welche Geschichte würde er ihr wohl jetzt auftischen?
„Zaza, ich habe keine Freundin und auch keine Frau. Die Person, mit der ich neulich Abend telefoniert habe, ist auf jeden Fall das wichtigste weibliche Wesen in meinem Leben. Ich habe mit Liz gesprochen.“
„Mit deiner Mutter?“, warf Salomé, deren Herzschlag sich wieder beschleunigte, ungeduldig ein. Sie mochte gerne klare Ansagen, und das ging ihr alles zu langsam.
Nate schnaubte amüsiert.
„Nein, nicht meine Mutter. Liz ist meine Tochter.“
Salomé sah ihn mit ausdruckslosem Gesicht an. Die Stille zwischen ihnen war greifbar.
„Oh“, hauchte sie dann. „Du hast eine Tochter?“
„Ja, sie heißt Liz. Sie ist fünf Jahre alt und wohnt mit mir und unserer Kinderfrau Rosie in L. A. Sie hat mich angerufen, weil sie mich vermisst hat und nicht einschlafen konnte.“
Salomé musste diese Information erst einmal verdauen.
Nate hatte also ein Kind.
Oh mein Gott, wie es sie erleichterte, dass er nicht der miese Typ war, den sie sich die gesamte vergangene Woche eingeredet hatte. Er flirtete nicht am Telefon mit einer Frau, während er ein Date mit einer anderen hatte. Und er saß nicht mit seiner Freundin am Tisch, während er an einer anderen sein Knie rieb.
Sie war so erleichtert, dass sie kurz darüber nachdachte, ob Nate vielleicht recht hatte. War sie eifersüchtig? Weshalb sollte sie es sein? Zwischen ihnen war ja nichts. Oder doch? Er war anscheinend anderer Ansicht. Seine angespannte Miene verriet ihr, dass sie ihm noch eine Reaktion schuldete.
„Das habe ich nicht gewusst.“
„Ja, das weiß keiner. Cary fand es nicht förderlich für meine Karriere, und ich brauche dir hoffentlich nicht zu sagen, dass das eine streng vertrauliche Information ist.“
Salomé nickte. Gleichzeitig strich sie über ihren Mund, als würde sie ihn mit einem Reißverschluss versiegeln.
„Und die Mutter?“
„Was hast du eigentlich mit meiner Mutter, Zaza?“
Salomé verdrehte die Augen, konnte aber ein Schmunzeln nicht verhindern. „Nein, ich meine die Mutter von Liz.“
Nate hob eine Hand und strich ihr eine Haarsträhne hinters Ohr.
„Was soll mit ihr sein? Sie war eine Schauspielkollegin in der Krankenhausserie, in der ich am Anfang meiner Karriere gespielt habe. Wir hatten eine kurze Affäre. Sie wurde schwanger. Sie wollte das Kind nicht, also habe ich Liz zu mir genommen. Mehr gibt es da nicht zu erzählen.“ Nate lächelte.
„Also, was ist nun mit dem Absacker?“ Dabei blickte er sie so intensiv an, dass Salomés Herz stolperte.
„Nun gut. Aber wirklich nur einen.“ Nates Erleichterung war so offensichtlich, dass Salomé kichern musste.
„Also wohin?“
Nate legte den Arm um sie und zog sie stürmisch zu der Limousine. Leo wollte gerade die Autotür öffnen, als eine Gestalt um die Ecke kam. In diesem Moment ging das Gekreische los. Ein Fan zückte ein Smartphone und war ganz aus dem Häuschen, Nate nachts auf der Straße zu begegnen.
Mist, er hatte ganz vergessen, das Basecap wieder aufzuziehen, so entspannt war der Abend mit Salomé gewesen. Leo stellte sich blitzschnell vor Nate und schirmte diesen und Salomé, die den Kopf so weit wie möglich gesenkt hielt, von den aufgeregten Fans ab. Bevor noch weitere Schaulustige angelockt werden konnten, stiegen sie in den Wagen. Aufgewühlt nahm Salomé neben Nate Platz. Durch die verdunkelten Scheiben konnten sie sehen, wie die aufdringlichen Fans mit allen Mitteln versuchten, einen Blick in das Innere des Autos zu werfen. Behutsam setzte Leo die Limousine im Schritttempo in Bewegung.
„Es tut mir leid. Es ist grässlich, aber das ist halt so“, zuckte Nate entschuldigend die Achseln.
„Ich habe nur gerade überlegt, wo du dir vorstellst, einen ruhigen Absacker mit mir trinken zu können, wenn die Fans wissen, dass du in der Stadt bist? Twitter pfeift es wahrscheinlich jetzt schon von den Dächern.“
Nate grinste schief.
„Also, das ist jetzt sehr peinlich.“ Nate kratzte sich demonstrativ am Kopf, und sein Lausbubengesicht verfehlte seine Wirkung auf Salomé nicht. Sie ahnte, was jetzt kommen würde.
„Es gibt eigentlich nur einen Ort, an dem wir ungestört sind.“
„Lass mich raten: dein Hotelzimmer?“
Vermeintlich zerknirscht hob er die Hände.
„Du kannst immer noch Nein sagen.“
„Ist schon gut. Ich wollte immer mal von einem Star aufs Zimmer verschleppt werden.“
Statt eines Grinsens küsste Nate mit einem übertrieben glutäugigen Blick die Fingerknöchel ihrer Hand.
Obwohl Salomé wieder kicherte, pochte in Wahrheit ihr Herz vor Aufregung wie verrückt.
LICHTERMEER

Berauscht vom Wein und von dem prickelnden Gefühl, in seiner Nähe zu sein, fragte Salomé: „Wetten, du traust dich nicht, mit mir an deiner Seite durch das Spalier deiner Fans das Hotel zu betreten.“
Er verengte den Blick, dachte einen Moment nach, reckte dann stolz sein Kinn und hielt ihr seine Hand hin, um die Herausforderung anzunehmen. Sie schlug verblüfft ein.
„Leo, kannst du uns bitte vor dem Haupteingang rauslassen?“ Nate drückte Leos Schulter von hinten und ignorierte die hochgezogene Braue. „Danke, Mann.“
Schon meldete sich ihr schlechtes Gewissen. War sie zu weit gegangen?
Salomé offenbarte sich einen Moment später, wie gut Nates Schauspielkünste waren. Ohne großartig etwas an seinem Äußeren zu verändern – er zupfte höchstens den Kragen ein Stück höher und vergewisserte sich, dass seine Haare nicht unter der Kappe hervorlugten, verwandelte er sich vor ihren Augen in einen gebrechlichen Mann.
Salomé biss sich vor unterdrücktem Lachen auf die Lippen, als er ihr zitternd eine Hand entgegenstreckte und sich von ihr umständlich aus dem Wagen helfen ließ. In gebückter Haltung, angestrengt an Salomés Arm hängend, trippelte er wie ein Neunzigjähriger durch die Fans, die gelangweilt ihre Blicke abwendeten und weiter Ausschau nach ihrem Idol hielten. Kaum hatten sie die Drehtür erreicht, erhöhten sie ihr Tempo und hechteten lachend in einen der Fahrstühle.
Bereits im Aufzug schwante Salomé, wie sehr sie sich geirrt hatte, als sie sich vor der Fahrt eingeredet hatte, dem Charme Nates widerstehen zu können und es wirklich nur bei einem kurzen Drink zu belassen. Nate hatte wie selbstverständlich in der Lobby des Hotels ihre Hand ergriffen, und Salomés sämtliche Gedanken waren auf das Gefühl ihrer jetzt ineinander verschränkten Finger gerichtet.
Statt der sonst in Aufzügen üblichen gedämpften, nervenberuhigenden Musik hatte sie in der geräumigen Kabine des Fahrstuhls eine Ballade erwartet, gesungen von einer eindringlichen männlichen Stimme. Sie kannte diesen Song. „Sail Away“ von David Gray. Das war vor Jahren einmal eines ihrer absoluten Lieblingslieder gewesen, die allerdings auch heute noch monatlich wechselten.
Sie wandte sich Nate zu, begegnete seinem brennenden Blick, und alle vernünftigen Gedanken und Fragen waren wie weggefegt. Eine fiebrige Sehnsucht erfasste sie. Eine gefühlte Ewigkeit versank sie in seinen Augen, deren Versprechen ihr einen wohligen Schauer ihren Nacken hinab sandten.

Die Atmosphäre im Aufzug war so erotisch aufgeladen, dass Nate sich kaum beherrschen konnte. Er sah exakt den Moment in Salomés Augen, als diese nachgab. Hatte sie soeben noch sämtliche Schutzmauern der Vernunft um sich hochgezogen, zerfielen diese genau in jener Zehntelsekunde. Ihre Lippen öffneten sich unmerklich vor Erstaunen. Dieses Signal und ihr leichtes Blinzeln nahmen Nate den Atem.
Diese Frau faszinierte ihn unfassbar. Vor allem ihre verschiedenen Facetten. Er hatte sie schon auf dem Fest in Südfrankreich begehrt, als sie ihn als ein sprühendes Charmebündel in einem Hauch von Rosa offen angeflirtet hatte. Ihr Verhalten in New York, ihr vergebliches Bemühen um Beherrschtheit, rührte sein Herz, das sich in diesem Moment weit öffnete. Zugleich überkam ihn eine Welle des Verlangens.
Die coole Musik – Wie hieß noch gleich der Song? – dröhnte mit seinem Herzschlag um die Wette. Instinktiv umfasste Nate Salomés Hüfte, zog sie an sich und begann, sich mit ihr im Takt der Musik zu bewegen. Tanzen war eine seiner großen Leidenschaften, das war bereits bei seinem Schauspielstudium so gewesen. Wenn man als Mann gerne tanzte, flogen einem die Frauenherzen zu. Im Moment interessierte ihn nur das Herz einer einzigen Frau: Salomé. Endlich tanzte er wieder mit ihr.
Nate hauchte ihr ins Haar: „Ich kann mich erinnern, dass der Wetteinsatz ein Tanz war. Darf ich bitten, Madame?“
Sie kicherte nervös.
„Fragt man nicht immer vor dem Tanz? Außerdem haben wir um gar nichts gewettet.“
Statt einer Antwort zog er sie noch näher an sich und wiegte sie gekonnt hin und her. Nate spürte ihren nachgiebigen Körper, der sich an seinen schmiegte. Der Duft, der von ihr ausging, war betörend, und er entdeckte ein entzückendes kleines Muttermal an ihrer Halsbeuge. Es kostete ihn unendliche Selbstbeherrschung, seine Lippen nicht darauf zu senken.
„What will be, will be“, sang er leise den Text des Songs in ihr Ohr.
Salomé lächelte und legte ihren Kopf an seine Brust.
Viel zu schnell war die Aufzugfahrt beendet. Seine Suite lag im obersten Stockwerk des Hotels und hatte eine atemberaubende Aussicht. Nate führte Salomé an seiner Hand durch den Raum, öffnete die Terrassentür und schob sie auf die Dachterrasse.
„Entschuldige mich einen Augenblick.“ Er bestellte telefonisch etwas beim Zimmerservice, während er Salomé, die verträumt in die Ferne blickte, durch die Glastür im Auge behielt.
Er trat wieder zu ihr. Unter ihnen lag das eindrucksvolle Lichtermeer von New York. Die Nachtluft war mild, und der typische New-York-Sound aus Verkehr und Polizeisirenen war um diese Uhrzeit gedimmter. Nate legte den Arm um sie, und sie standen eine Weile einträchtig nebeneinander.

Salomé wurde mit einem Mal klar, dass sie genau jetzt an keinem anderen Ort und mit keinem anderen Menschen dieser Welt zusammen sein wollte. Ihr Herz pochte intensiver.
Sie war lange nicht mehr mit einem Mann alleine gewesen. Ihr Job in New York und ihre vielen Geschäftsreisen ließen ihr keine Gelegenheit, mit Männern auszugehen. Sie wurde zwar oft eingeladen, aber ihr selbst auferlegter Ehrenkodex verbot ihr, sich mit Geschäftspartnern einzulassen.
Und diesen Sommer in Südfrankreich war sie nicht in der Stimmung gewesen, sich mit einem Mann einzulassen. Es war bei belanglosen Flirts auf Partys geblieben. Sie hatte so viele andere Dinge im Kopf gehabt. Sie hatte eine neue Freundin gefunden, Julia, die ihr bereits nach dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen war. Und dann die wahnsinnige Neuigkeit, dass sie einen Halbbruder hatte, von dem sie bisher nichts wusste. Sie hatte sich ausgiebig Zeit genommen, Mathieu kennenzulernen und in die Familie de Bertrand einzuführen.
Salomé überkam ein Hauch von Panik, ob sie nicht verlernt hatte, mit einem Mann beisammen zu sein. Oh mein Gott! War es wirklich schon fast ein Jahr her, dass sie Sex gehabt hatte? Und das war eine sehr kurze Affäre gewesen. Mit einem Galeristen, bei dem sehr bald klar war, dass es sich nur um körperliche Anziehung und nicht mehr handelte. Was aber war das hier mit Nate?
Das beklemmende Gefühl erfasste sie, das sie schon so lange begleitet hatte. Seit jenem Sommer, den sie am liebsten aus ihrer Erinnerung streichen würde. Sie wollte es verdrängen. Sie sehnte sich nach einem Mann, nach Nate Hamilton. Das wurde ihr in diesem Augenblick klar. Und sie verbot der warnenden Stimme in ihrem Kopf, ihr diesen Abend zu verderben. Was sollte schon geschehen? Der weitere Verlauf dieser Nacht war so klar vorgezeichnet, dass sich sämtliche Befürchtungen in Luft auflösten und Salomé sich unvermittelt ihrer Weiblichkeit bewusst war. Sie war eine Frau, er war ein Mann. So einfach war das. Mit Liebe und Schwäche hatte das nichts zu tun.

„Es ist unglaublich schön hier! Ich lebe jetzt seit drei Jahren in dieser Stadt und habe diese Atmosphäre noch nie so intensiv wahrgenommen.“
Salomé stieß einen tiefen Seufzer aus, und damit war es um Nate geschehen. Er zog sie in seine Arme und hatte das Gefühl, sie nie mehr loslassen zu wollen. Er drückte seine Lippen in ihre dunklen Haare und atmete ihren Duft tief ein.
„Ja, es ist wunderschön, hier mit dir zu stehen“, flüsterte er in Salomés Ohr. Mehr zu sagen war er nicht in der Lage. Er hauchte einen zarten Kuss auf das Muttermal an ihrem Hals, und ihr leises Stöhnen ermunterte ihn, weiterzumachen.
Er spürte an seinen Händen, wie die Erregung die Härchen auf ihren Armen aufstellte. Sanft ließ er seine Lippen ihren Hals hinauf gleiten und näherte sich über die Kinnlinie langsam ihrem Mund. Salomé hatte die Augen geschlossen und reckte sich ihm entgegen. Nate legte ganz zart seine Lippen auf ihre. Ihr Mund war so weich und warm. Unendlich zart strich er mit seiner Zungenspitze ihre Unterlippe entlang und bat um Einlass. Mit einem Seufzen öffnete Salomé ihren Mund und schlang gleichzeitig ihre Hände um seinen Nacken, um ihn an sich zu ziehen. Der anfangs zaghafte Kuss wurde leidenschaftlicher. Nate spürte Salomés weiche Brust an seiner und gab auf, zu ergründen, wessen Herz rascher pochte.

Vor Salomés geschlossenen Lidern explodierten Lichtblitze, als sie Nates Lippen auf ihren spürte. Sie konnte überhaupt nicht mehr aufhören, seinen Mund zu schmecken, zu fühlen, zu beißen. Sie schmiegte sich fest an seinen Körper und fühlte, wie sich seine Erregung an ihren Bauch drückte. Die Vorstellung brachte sie um den letzten Rest ihres Verstandes, und ein lustvolles Keuchen entfuhr ihr.
Seine Hände schienen überall zu sein und strichen ihre Flanken, ihr Hinterteil entlang, während ihre Finger ebenfalls über seinen Rücken flatterten und wie von selbst begannen, sein Hemd aus der Hose zu ziehen und die warme, samtene Haut seiner Hüften zu erkunden. Salomé stand in Flammen.

Es klopfte energisch an der Zimmertür. Nate seufzte. Es kostete ihn unendliche Anstrengung, seinen Mund von ihrem zu lösen. Keuchend schaute er ihr in die Augen und strich sanft mit seinen Fingern über ihre Wange.
„Vergiss nicht, wo wir waren, Zaza.“
Salomé schaute ihn nur atemlos fragend an.
„Der Zimmerservice. Du erinnerst dich an unseren Absacker? Nicht, dass du annimmst, ich hätte dich unter Vortäuschung falscher Tatsachen hierhergelockt. Ich bin gleich wieder bei dir“, raunte er heiser.

„Möchtest du einen Schluck trinken?“, rief Nate ihr zu, nachdem der Kellner das Zimmer wieder verlassen hatte.
Salomé stand immer noch auf der Terrasse und versuchte, die überwältigenden Gefühle zu ergründen, die der Kuss in ihr ausgelöst hatte. Wann hatte er etwas beim Zimmerservice bestellt? Brachte er regelmäßig Frauen hierher und die Angestellten folgten vorher festgelegten Instruktionen?
Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und gesellte sich zu Nate, der ihr einen Kelch mit Champagner reichte. Beim Blick in seine blitzenden Augen schalt sie sich. Sie sollte aufhören, so misstrauisch zu sein. Das war ungerecht. Um auf andere Gedanken zu kommen, betrachtete sie die geschmackvoll eingerichtete Suite.
„Was ist das denn?“, fragte sie, als sie auf dem Servierwagen längliche Kekse in einer silbernen Schale entdeckte.
„Das ist Shortbread, eine schottische Spezialität.“ Nate lächelte ertappt und rieb sein Kinn. „Ich esse dieses süße Zeug für mein Leben gern. Überall auf der Welt versuche ich sofort, den Hotelkoch dazu zu bringen, mir dieses Gebäck herzustellen. Dann fühle ich mich gleich ein wenig wie zu Hause.“
„Der gefährliche Highlander ist also ein richtiges Schleckermäulchen. Das wird ja immer interessanter. Erst das Tanzen, jetzt die Süßigkeiten. Was hast du denn noch für heimliche Leidenschaften?“ Salomé blickte ihn über ihr Champagnerglas hinweg neckend an.
„Das wirst du schon noch herausfinden.“
Nates Stimme klang dunkel und verführerisch. Er trat ganz nah an Salomé heran und nahm ihr das Glas aus der Hand. Dann hob er ihr Gesicht sanft mit zwei Fingern an, bis sie ihm ganz zugewandt war, und küsste ihre Stirn, dann ihre Wangen, dann das Kinn. Salomés Knie wurden weich. Sie blickte ihm in die Augen, und die beunruhigend tiefe Leidenschaft, die Salomé auf der Terrasse gefühlt hatte, war sofort wieder da. Ihr war in diesem Moment gleich, ob er nur mit ihr spielte.
Ohne den Blick von seinem zu lösen, streifte Salomé Nate das Jackett von seinen breiten Schultern. Er hob belustigt eine Braue. An seinem schweren Schlucken bemerkte sie allerdings, dass er ebenso erregt war wie sie. Sie hatte schon erkannt, dass er gerne die Lausbubennummer mimte, wenn er nervös war. Unbeirrt begann sie, Knopf für Knopf seines Hemdes zu öffnen, und seine Pupillen weiteten sich mit jedem Knopf mehr, bis er die Lider schloss. Er wankte, als sein Hemd zu Boden flatterte und er mit entblößtem Oberkörper vor ihr stand.
Herrlich. Salomé sog scharf die Luft ein und strich über seine bronzefarbene, sehr muskulöse Brust. Er öffnete die Augen. Er sieht wahrlich wie ein Highlander aus, kam es ihr in den Sinn, als sie den nun wilden Ausdruck seiner Augen wahrnahm. Nate neigte sich vor und küsste sie wieder, diesmal feucht und verlangend. Salomé ergab sich den Empfindungen, die er in ihr auslöste.
„Komm“, hauchte sie und zog ihn an seiner Hand in den angrenzenden Raum, der nur das Schlafzimmer sein konnte. Langsam genug, damit ihre Lippen sich nicht trennen mussten.
Der Raum mit bodentiefen Scheiben war dämmrig und nur durch das wenige Licht aus dem Wohnzimmer und dem milchigen Schein der niemals schlafenden Stadt erleuchtet. Salomé drückte Nate bestimmt auf das Bett. Er beobachtete sie gebannt. Mit einer einzigen Bewegung streifte sich Salomé ihre Pumps von den Füßen, schob den Bleistiftrock zu ihren Hüften hoch und näherte sich ihm raubtierartig. Sie hörte sein leises, genießerisches Brummen, das ihr signalisierte, er wollte sie ebenso wie sie ihn. Köstlich langsam setzte sie sich auf ihn und spürte seine Härte genau in ihrer Mitte durch den zarten Seidenstoff ihres Höschens. Jetzt war es an Nate, scharf die Luft einzuziehen. Er stöhnte leise.
„Bonnie, was machst du mit mir?“ Seine Hände erkundeten ihre festen Schenkel links und rechts von seiner Hüfte. Weiter hielt er sich zurück und harrte offenkundig der Dinge, die da kommen mochten.
Salomé stöhnte lustvoll.
Wie lange war es her, dass sie solche Gefühle für einen Mann gehabt hatte? Hatte sie jemals so empfunden wie jetzt gerade? Diese unbändige Kraft, die von ihm ausging, machte sie einerseits total an, sodass sie kaum ihre Sinne beisammenhalten konnte. Andererseits rührte diese machtvolle Stellung, wie sie auf ihm saß, etwas noch viel Tieferes in ihr an. Er musste einen sehr starken Charakter und ein gutes Selbstbewusstsein haben, dass er nicht den Spieß umdrehte und sich auf sie legte – so, wie das viele Männer taten, um ihre Dominanz zu demonstrieren.
Salomé war hin- und hergerissen. In ihrem Job war sie immer die Starke und Dominante. Bei einem Mann mochte sie es deshalb sehr gerne, wenn er die Initiative ergriff und sie einfach nahm. Nate Hamilton löste etwas ganz anderes in ihr aus: Sie spürte ganz deutlich, dass er sie genauso wollte wie sie ihn. Nicht nur durch seine Erregung, die sie unverkennbar durch den zarten Stoff an ihrer intimsten Stelle wahrnahm und deren Nähe sie fast um den Verstand brachte. Sie sah es auch in seinen Augen. Sie konnte eine Verbindung zu ihm fühlen, die über das körperliche Beisammensein hinausging.
Wie schaffte er das nur, wo er doch nur dalag und sich ihre Berührungen gefallen ließ? Salomé spürte alles andere als Macht, sondern vielmehr Selbstbestimmung und Respekt. Das waren neue Gefühle für sie beim Zusammensein mit einem Mann. Ein süßer Schmerz fuhr ihr in die Brust, als ihr die Ungeheuerlichkeit ihrer Empfindungen bewusst wurde. Nate, Nate, Nate, hämmerten ihre Gedanken, die voll von ihm waren.
Sie ergriff seine Hände und legte sie sich auf die Schultern. Zärtlich strich er mit seinen Fingerspitzen über den seidigen Stoff vom Schlüsselbein ihr Dekolleté hinunter, über die weiche Haut ihres Busens. Die Knospen ihrer schweren Brüste zogen sich vor Lust zusammen. Salomé entfuhr ein kehliges Stöhnen, was ein leichtes Zittern in seinem ganzen Körper auslöste. Nate schloss die Lider.
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.


