Kitabı oku: «Stargeflüster», sayfa 4

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Salomé lächelte ebenfalls freundlich, selbst noch, als sie Nate in die Augen schaute. Also war sie doch böse darüber, sie nicht über sich aufgeklärt zu haben. Nate nahm sich vor, alle Register seines Charmes zu ziehen, um ihr wieder das Funkeln in die Augen zu zaubern, das ihn auf Mirabel bereits so fasziniert hatte.

Er spürte ihre Hüfte an seiner Hand. Ihr zartes Parfum stieg ihm in die Nase, und ihr Duft löste eine ganze Kaskade von Begehren aus. Gerade wollte er dieses himmlische Wesen näher an sich ziehen, als die Band unerklärlicherweise das Stück unterbrach und ein Gong ertönte. Die tanzenden Paare wandten sich neugierig dem Podest zu, auf dem ein strahlender Howard Bench stand und wartete, bis das Stimmengemurmel abebbte. Frustriert entließ Nate Salomé aus seinen Armen. Als Howard die volle Aufmerksamkeit des Saales hatte, neigte er seinen Kopf über das Mikrofon. Sämtliche Augen waren erwartungsvoll auf ihn gerichtet.

„Meine Damen und Herren. Entschuldigen Sie bitte die Unterbrechung. Sie dürfen gleich weitertanzen. Soeben wurde ich informiert, dass die Spendensumme des heutigen Abends die Summe von zehn Millionen Dollar erreicht hat. Das ist doch einmal einen Zwischenapplaus wert, finden Sie nicht?“

Die Gäste brachen in begeisterten Beifall aus. Zehn Millionen waren auch für die anwesenden High Networth Individuals eine ordentliche Summe, vor allem wenn man bedachte, dass der Abend noch andauerte und weiter gespendet werden konnte.

Nate allerdings biss sich vor Ungeduld auf die Lippe. Er konnte es kaum abwarten, den Tanz wieder aufzunehmen und allein mit Salomé zu reden. Endlich erklangen Howards erlösende Worte: „Das wollte ich nur mitteilen – und nun viel Spaß noch.“

Die Band stimmte die ersten Takte eines Cole-Porter-Songs an, und Nate wandte sich charmant lächelnd zu Salomé um, die Arme bereits halb geöffnet. Sein Lächeln gefror, als neben ihm nicht Salomé, sondern Howard Benchs Frau stand. Diese interpretierte Nates Geste in ihrem Sinne und begab sich sogleich begierig in seine Arme. Verzweifelt blickte Nate sich um und machte Salomé am Rand des Parketts aus, wo sie gerade von Howard Bench zum Tanzen geführt wurde. Nate seufzte. Was nicht ist, kann ja später noch werden, versuchte er, sich aufzumuntern.

Sein Wunsch ging nicht in Erfüllung. Es wurde spät, und Nates Einsatz bei der Damenwelt fand kein Ende. Irgendwann bemerkte Nate, wie Salomé, Philippe und Dominique vor Howard Bench und seiner Gemahlin standen. An ihren Gesten erkannte er, dass das Trio sich verabschiedete. Salomé wandte sich suchend Richtung Tanzfläche, und als sie ihn entdeckte, hob sie die Hand, um ihn zum Abschied zu grüßen.

In diesem Moment wurde es Nate zu bunt. Galant führte er seine Tanzpartnerin an den Rand der Tanzfläche. Selbst ihm kam die Ausrede, die ihm auf die Schnelle einfiel, fadenscheinig vor, aber es war ihm egal. Leider hielt ihn Howard Bench, von dem er sich verabschieden musste, länger auf, als ihm lieb war. Er riss sich zusammen, nicht im Laufschritt aus dem Saal zu stürmen.

In der Eingangshalle erhaschte er gerade noch einen Blick auf Salomés Schmetterlingsrobe, bevor die Eingangstür hinter ihr ins Schloss fiel.

„Zaza!“, rief Nate laut, obwohl er wusste, dass sie ihn nicht hören konnte.

Einige der umstehenden Ballbesucher beäugten ihn neugierig.

Entgegen jeder Vernunft lief er los und durchmaß die Halle mit langen Schritten. Als er die Glastür passierte, setzte sofort ein ohrenbetäubendes Gekreische ein. Nate nahm es nicht wahr. Er war ganz auf die anfahrende Limousine konzentriert.

„Zaza!“, rief er nochmals.

Der Wagen hielt. Mit einem Surren öffnete sich die abgedunkelte Scheibe. Salomé blickte ihn fragend an. Nicht nur, dass die Dinge, die er ihr soeben noch dringend hatte sagen wollen, ihm nicht über die Lippen kamen. In diesem Moment wurde ihm bewusst, wie viele Augen ihn beobachteten.

„Ich wollte mich noch von dir verabschieden“, sagte er deshalb nur.

Salomé reichte ihm wortlos ihre Hand, die er fast verzweifelt ergriff. Die Limousine fuhr an, und ihre Hand entglitt ihm. Nate starrte wie in Trance den Rücklichtern des Fahrzeugs hinterher. Dann begann er blinzelnd wahrzunehmen, dass um ihn herum die Hölle ausgebrochen war. Die Ordner hatten alle Hände voll damit zu tun, die ekstatische Masse hinter der Absperrung zu halten. Ein Blitzlichtgewitter regnete auf ihn nieder.

„Nate, Nate! … Hierher! … Nate, ich lieeeebe dich!“, rief die wogende Menge ihm zu.

Obwohl ihm überhaupt nicht danach zumute war, setzte er sein lausbubenhaftes Lächeln auf, ergriff ihm entgegengestreckte Hände, ließ sich für Selfies umarmen und fand sogar einige charmante Worte gegenüber den aufdringlichen Reportern, die ihm ihre Mikrofone unter die Nase rammten.

Innerlich allerdings war er ganz woanders. Er konnte das Bild von Salomé, wie sie mit dem Arzt getanzt hatte, nicht abschütteln. Was dieses für ihn bis dahin unbekannte Gefühl zu bedeuten hatte, darüber wollte er allerdings lieber nicht nachdenken. Fakt war: Diesen Abend hätte er sich anders gewünscht. Ganz anders.

Das unterschwellige Brennen der Eifersucht hielt an, als ihm einfiel, dass seine heutige Begleiterin noch irgendwo sein müsste. In diesem Moment trat Ivana lächelnd nach draußen und hängte sich bei ihm ein. Es hatte schon Vorteile, wenn man einen Profi für eine solche Veranstaltung dabeihatte. Keine Fragen, keine Vorwürfe, keine Diskussionen. Zusammen posierten sie noch eine Weile für die Journalisten und Fotografen, bevor er seinen Fans ein letztes Mal zuwinkte, in seine eigene Limousine stieg und ins Hotel zurückfuhr.

ALLEGRA


Noch bevor Salomé die Haustür zu ihrem Apartment geschlossen hatte, kickte sie gedankenverloren die hohen Schuhe von den schmerzenden Füßen. Mit einem erleichterten Seufzer schaltete sie das Licht an.

„Wurde Zeit, dass du endlich aufkreuzt, du Rumtreiberin!“

Erschrocken fuhr Salomé herum, und sie stieß einen freudigen Schrei aus, als sie erkannte, wer sie da angesprochen hatte.

„Allegra!“

Als sie das schiefe Grinsen ihrer lang vermissten Mitbewohnerin und besten Freundin sah, war Salomés Müdigkeit wie weggeblasen. Blitzschnell lagen sich beide in den Armen und quietschten wie vierjährige Mädchen.

Salomé hatte eine Mitbewohnerin gesucht, weil sie es überdrüssig gewesen war, abends in eine leere Wohnung zu kommen. Diese Rechnung war nicht ganz aufgegangen. Salomé hatte die Bitte ihrer ehemaligen Klassenkameradin Allegra, mit der sie schon auf dem Schweizer Internat innig befreundet gewesen war, ihr ein Zimmer zu vermieten, jedoch nicht abschlagen wollen. In den seltenen Phasen, in denen Allegra in Manhattan war, kam Sonne in Salomés New Yorker Leben. Die beiden Freundinnen redeten dann unablässig, klebten aneinander und genossen das Leben als junge, ungebundene Frauen. Leider waren diese Phasen viel zu selten und meist zu kurz. Wenn Allegra wieder abreiste, kam Salomé ihre Wohnung umso einsamer vor.

„Wer ist hier die Rumtreiberin? Seit wann bist du da? Wo kommst du überhaupt her? Und wie lange kannst du bleiben?“ Erschrocken bemerkte sie, wie mager ihre Freundin geworden war und wie abgekämpft sie wirkte. Einzig das Strahlen der braunen Augen lenkte davon ab, dass selbst Allegras sonst so blonder Lockenkopf stumpf und schlaff am Kopf klebte. Salomés Herz zog sich vor Sorge zusammen.

Allegra erwiderte fest die Umarmung, bevor sie sich aus ihr löste und mit einen anerkennenden Pfiff Salomés Kleid kommentierte. „Die Frage ist doch eher, wo du herkommst, du Schmetterlingswesen?“

Salomé winkte ab.

„Ach, nur von dieser Gala.“

„Gala? Seit wann siehst du zu diesen Events nicht mehr aus wie Sarah Palin?“

Salomé verdrehte die Augen bei Allegras Anspielung auf die erzkonservative amerikanische Politikerin. War ja klar, dass ihrer Freundin nicht entgehen würde, dass sie keine Lust mehr auf ihre amerikanische Kostümierung hatte. Viel zu lange hatte sie sich angepasst. Jetzt hatte sie Lust auf neue, individuellere Wege.

Allegras scharfem Verstand entging selten etwas. Gerade wegen dieser außergewöhnlichen Fähigkeit hatte Salomé mehr als einmal erfolglos versucht, ihr einen hochdotierten Job in ihrer Bank schmackhaft zu machen. Damit hätte sie nicht nur eine fähige Mitarbeiterin gewonnen, sondern auch eine konstant anwesende Mitbewohnerin. Sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Salomé konnte nicht verstehen, weshalb jemand freiwillig das Leben führte, das Allegra sich erwählt hatte. Immer auf Abruf, als Ärztin in Krisen- und Kriegsgebieten dem unaussprechlichen Elend ausgesetzt. Niemals sesshaft sein. Keine Aussicht auf eine dauerhafte Partnerschaft. Für Letzteres war Allegra ohnehin nicht gestrickt. Das hatte nichts damit zu tun, dass sie auf Frauen stand, womit sie ganz offensiv umging. Allegra genügten heiße Affären mit gleichgesinnten Frauen, meistens der Umstände halber Krankenschwestern oder Ärztinnen, von denen sie Salomé in weinschwelgenden Nächten vorschwärmte.

Anfangs war Salomé ein wenig geschockt gewesen, als sie von Allegras sexueller Orientierung erfahren hatte. Sie kannte Allegra schon ewig und hatte sie als beste Freundin ins Herz geschlossen. Erst nach dem Schulabschluss gestand Allegra sich ein, mit Männern nichts anfangen zu können. Sie liebte Frauen. Kaum war der Schalter einmal umgelegt, ging sie umso offener mit ihrer Neigung um. Sie flirtete, was das Zeug hielt. Kurzzeitig befürchtete Salomé, Allegra würde mehr in ihrer Freundschaft sehen. Sie wollte ihre Freundin nicht wegen unerwiderter Liebe verlieren. Allegra hatte – mal wieder – Salomés Gedanken gelesen und lauthals gelacht.

„Zaza, glaub mir, du bist so was von nicht mein Typ!“

Salomé hatte nur erleichtert grinsen können. Mittlerweile wusste sie, dass Allegras Puls bei zierlichen Frauen, die eine gewisse Dominanz ausstrahlten, in die Höhe schnellte.

Fasziniert war Salomé auch davon, dass Allegra ganz uneitel war. Sie war nicht so naiv, zu glauben, dies hinge mit ihrer sexuellen Orientierung zusammen. Sie kannte keine Frau wie Allegra, die so wenig Wert auf Äußerlichkeiten legte. Der es so egal war, ob ihre Augenbrauen gezupft, die Beine rasiert waren, die Bluse farblich zum Rock passte oder die Frau am Restauranttisch nebenan ihr Lachen zu laut fand. Ein Fakt, der Inès’ Blutdruck in die Höhe treiben würde. Schließlich lebte Salomés Mutter seit ihrer Kindheit in einem engen Korsett aus „Manieren und Anstand“ und beschäftigte eine ganze Entourage, die allein für die Pflege ihrer Schönheit zuständig war. Salomé fragte sich oft, wie Inès sich eigentlich verhalten hätte, wenn Philippe und sie nicht so folgsame Musterkinder gewesen wären.

Als Salomé Allegra das erste Mal darauf angesprochen hatte, weshalb diese Äußerlichkeiten so unwichtig für sie seien, hatte Allegra nur die Achseln gezuckt.

„Zaza, wenn du zwei Drittel deines Lebens auf harten Pritschen und ohne fließendes Wasser verbringst und täglich Kinder in deinen Armen sterben, wird dir anderes wichtig.“

So viel Bewunderung Salomé vor Allegras Einsatz an der Menschheit auch empfand, sie selbst konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, sich freiwillig diesem Elend zu stellen. Auch wenn das vollkommen oberflächlich klang. Wenn Allegra erst einmal von riesigen Insekten erzählte, mit denen sie morgens aufwachte, fand Salomé ihren vergleichsweise beschaulichen Job als Bankchefin unglaublich spannend und erfüllend.

Leider war Allegra in letzter Zeit nur noch für Zwischenstopps zu Hause. Sie hatten sich seit Mai nicht gesehen. Wen wunderte es also, dass Salomé in diesem Augenblick unglaublich froh war, ihre vertraute Freundin wiederzuhaben. Wie sehr sie Allegra vermisst hatte! Und genau zur rechten Zeit: Endlich konnte sie mit jemandem über die verwirrenden Gefühle, die dieser Schauspieler in ihr auslöste, reden.

Ihr Gesicht musste ihre Gedanken widergespiegelt haben, denn Allegra zog sie mit einem satten Grinsen ins Wohnzimmer.

„Bevor ich dir auch nur ein Sterbenswörtchen von Nepal erzähle, musst du mir sagen, wie der Kerl heißt, der dir Sterne in die Augen und Schmetterlinge aufs Kleid zaubert.“

Allegra bugsierte Salomé in Richtung Sitzlandschaft und stupste sie in die Kissen. Salomé kicherte und hob abwehrend die Hände. Allegras gespielt strenger Blick machte Leugnen zwecklos.

„Ist ja schon okay. Es gibt gar nicht so viel zu erzählen. Ich habe auf der Sommerparty meines Vaters mit einem netten Mann getanzt, und er ist gerade in New York. Also hat er angerufen, und wir hatten einen netten Abend zusammen.“

„Netter Mann, netter Abend?“ Allegra zog fragend ihre Brauen hoch.

Diese waren so wildwüchsig, dass Salomé einen Moment irritiert innehielt.

„Ja, nur nett.“

Die Miene ihrer Freundin blieb skeptisch.

„Kenne ich ihn?“ Salomé wollte gerade verneinen, als sie stutzte. Nate war immerhin berühmt. Weshalb sollte Allegra ihn nicht kennen?

„Könnte sein“, gab sie daher vage zur Antwort.

„Kannst du es ein bisschen genauer eingrenzen? Er ist also aus Manhattan?“

Salomé schüttelte den Kopf. Unerklärlicherweise war es ihr gerade jetzt furchtbar peinlich, sich ausgerechnet in ein Hollywood-Sexsymbol verknallt zu haben. Oberflächlicher konnte es ja kaum sein.

„Zaz, jetzt sag schon, wir sind doch hier nicht bei ‚Wer bin ich?’“

Nervös zupfte Salomé einen Faden aus einem Sofakissen.

„Also ... vielleicht kennst du ihn sogar. Er ist Schauspieler. Und hat gerade so einen Blockbuster-Highlander-Film im Kino.“

Allegra runzelte nachdenklich die Stirn. Dann erhellte sich ihr Gesicht.

„Du hast dir doch nicht etwa diesen Typen mit dem eingeölten Wahnsinnsoberkörper geschnappt, der auf jedem Plakat in der Stadt hängt und bei dem selbst ich überlege, wieder ans andere Ufer zu wechseln?“ Begeistert schlug sie auf die Sofalehne.

Salomé räusperte sich kleinlaut. Ihr waren diese Plakate erstmals heute Nacht auf der Rückfahrt von der Gala aufgefallen. Wie blind sie gewesen war, Nate auf ihnen nicht erkannt zu haben.

„Ich hab ihn mir nicht geschnappt. Wie ich bereits gesagt habe, wir sind nur einmal ausgegangen. Ein netter Abend, du erinnerst dich? Außerdem hat sich herausgestellt, dass er bereits vergeben ist.“

„Er ist verheiratet?“

Salomé zuckte die Achseln.

„Ich weiß es nicht genau. Er hatte auf jeden Fall eine Frau dabei heute Abend.“

„Ich dachte, du seist mit ihm ausgegangen? Und da hat er eine andere Frau mitgebracht?“ Allegra war verwirrt.

„Nein … ja. Also, gestern ist er mit mir essen gegangen, und ich hatte das Gefühl, er wäre echt an mir interessiert. Ich habe mich gefühlt wie ein Teenager, zittrige Hände, Kribbeln im Bauch, weiche Knie ... das ganze Programm. Dann hat er kurz telefoniert und dabei verliebt ins Telefon gesäuselt, und mir ist klar geworden, dass er sicher eine andere hat. Und heute ist er als Stargast bei der Gala aufgetaucht … mit einer Frau. Die sahen so unglaublich gut aus zusammen, er Schauspieler, sie Model, das perfekte Promipaar eben.“

„Und wie hat er sich dir gegenüber verhalten?“

„Das war die absolute Katastrophe! Er hat sich neben mich gesetzt und sein Bein die ganze Zeit an meines gedrückt. Stell dir vor, seine Freundin sitzt gegenüber und er flirtet mit mir, als wäre sie nicht da! So ein Mistkerl! Und als ich gehen wollte, kam er sogar ohne sie zum Auto gerannt. Aber wir sind sofort weggefahren.“

„Er ist hinter dir hergerannt? Also dann ist er sicher nicht vergeben!“ Allegra sprang begeistert auf. „Ich fasse es nicht. Jahrelang Ebbe in deinem Bett und dann so ein Sahneschnittchen. Zaz, ich hole den nepalesischen Wein, und dann musst du mir alles haarklein erzählen.“

„Ich war nicht mit ihm im Bett.“ Salomé verdrehte die Augen.

„Was nicht ist, kann ja noch werden.“ Allegra verschwand summend in ihrem Zimmer.

„Habe ich dir nicht gerade erzählt, dass er vergeben ist?“, rief Salomé hinterher.

„Papperlapapp!“

Salomé schüttelte lächelnd den Kopf und nutzte die Wartezeit, um die Chanelrobe gegen eine bequeme Jogginghose und einen Schlabberpulli zu tauschen.

Als die beiden Frauen wenig später wieder beim Sofa zusammenfanden, beäugte Salomé misstrauisch die etikettlose Flasche in Allegras Hand.

„Ich wusste gar nicht, dass es in Nepal Wein gibt.“

Allegra grinste über das Ablenkungsmanöver.

„Gibt es eigentlich auch nicht. Also, zumindest nicht da, wo ich war. Man muss nur die richtigen Leute kennen.“ Allegra goss die bernsteinfarbene Flüssigkeit in die Küchengläser. „Cheers! Auf muskelbepackte Sexgötter und wahre Freundinnen auf dem Sofa.“

Salomé grinste über den für Allegra typischen Trinkspruch und stieß an. Nach dem ersten Schluck blieb ihr allerdings die Luft weg.

„Was zum Teufel ist das denn?“, konnte sie gerade noch mit brennendem Hals krächzen.

Allegra lachte wieder schallend. Gott, wie hatte Salomé die ungebändigte Lebensfreude Allegras vermisst.

„Okay, ich geb’s zu: Es ist eher Schnaps als Wein. Und vielleicht auf einer Basis vergorener Ziegenmilch. Aber er wärmt und desinfiziert. Vor allem, wenn man nach einem Erdbeben zwischen Schuttbergen hausen muss, ist das mehr als praktisch.“ Einen Moment runzelte Allegra die Stirn und war auf einmal innerlich sehr weit weg.

Salomé brannten die Fragen auf der Zunge, wie vorher der Schnaps. Aber heute Abend war nicht der geeignete Moment, Allegra über das Elend auszuhorchen, das sie erlebt hatte. Erfahrungsgemäß würden die kommenden Tage einzelne Informationshappen von ihr kommen.

Salomé stellte das Glas beiseite und dachte sehnsüchtig an den Champagner, den sie vor nicht mal einer Stunde auf der Gala zu sich genommen hatte. Womit sich ihre Gedanken wieder auf Nate konzentrierten. Wie klug seine Ansprache gewesen war. Seine Ausstrahlung ließ auch sie nicht kalt: diese Mischung aus Mann und Charmeur, Stärke und Humor. Und diese samtene Stimme mit dem schottischen Akzent. Und wie sexy sein muskulöser Körper in dem edlen Smoking ausgesehen hatte. Und wie er roch.

Ihr wurde ganz flau bei der Erinnerung daran. Sie gestand sich ein: Sie war genauso verrückt nach ihm wie die anderen Frauen. Wie gerne sie mit ihm getanzt hätte. Aber er war doch vergeben! Sie musste sich ihn aus dem Kopf schlagen.

Allegra hatte sich wieder gefangen. Sie unterbrach Salomés Tagträume, indem sie die Hände laut zusammenschlug.

„Hallo, hier bin ich. Jetzt schieß endlich los! Wie hast du ihn noch mal kennengelernt?“

Als Salomé Stunden später etwas schwindelig in ihrem Bett lag, grübelte sie über Allegras Ratschläge nach. Typisch Allegra, hatte diese ihr geraten, den Stier bei den Hörnern zu packen.

„Man lebt nur einmal und das nur sehr kurz. Du triffst dich noch mal mit ihm und fragst einfach, wer diese Frau war, mit der er telefoniert hat und was er mit dem Model am Laufen hat. Dann hast du wenigstens was getan. So passiv kenne ich dich gar nicht. Tz, tz. Wird Zeit, dass ich mal wieder in deinem Leben aufräume.“

Wie froh Salomé war, dass Allegra ihr den Kopf zurechtgerückt hatte. Mit einem Mal schien alles möglich. Sie knuffte ihr Kopfkissen und sank in unruhigen Schlummer.


„Hey, Bigmouth, lebst du noch? Dachte schon, weibliche Fans haben dich als Sexsklaven verschleppt “, fragte Sean in seiner direkten Art.

Nate hatte ihn vermisst. War es wirklich schon Wochen her, dass er mit seinem besten Freund telefoniert hatte?

„Ja, sorry. Strengt halt an, wenn jede Nacht drei Frauen befriedigt werden wollen. Und dann noch tagsüber die lästigen Dreharbeiten. Da bleibt keine Zeit zum Telefonieren mit schottischen Schafhirten.“ Er liebte das Geplänkel mit Sean.

Es tat gut, dessen Lachen so nah bei sich zu hören, obwohl dieser am anderen Ende der Welt saß. Sean wusste, dass Nate kein Typ für einen One-Night-Stand war. Schon gar nicht, seit es Liz gab. Er gehörte zu den wenigen Menschen, denen Nate voll vertraute.

„Jetzt mal ehrlich, wie geht es dir?“

„Wie man’s nimmt. Durch die Premiere von Highlander-Resurrection bin ich für die Öffentlichkeit wohl noch interessanter geworden. Meine Agentin hat mir jetzt sogar einen persönlichen Leibwächter verordnet. Leo ist beeindruckend. Er hat mich heute Morgen vom Privatjet abgeholt und steht seitdem vor meiner Tür.“

Seans Grinsen am anderen Ende der Leitung war fast hörbar. Nate wusste, dass Sean es nicht lassen konnte, weiter zu sticheln.

„Bigmouth hat also einen Babysitter bekommen. Wie rührend. Meinst du, er wird dich auch in den Schlaf singen?“ Sean konnte sich kaum mehr halten vor Lachen.

Nate gab ein grunzendes Geräusch von sich, ging aber nicht auf ihn ein.

„Zu deiner Frage: Alles ist immer noch sehr faszinierend. Ich hetze von Talkshow zu Pressetermin. Gestern wurde mir ein Amandas-Secrets-Model als Begleitung aufgedrückt, und ich musste mit zwei Dutzend Omas auf einer Gala tanzen, während mir die einzig aufregende Frau im Saal von Ferne zuwinkte. Das war ungefähr so wie im Traum, wenn man durch zähe Masse läuft und nicht zu seinem Ziel kommt.“

„Also, wenn du mal keinen Bock mehr auf den Job als Hollywoodstar hast, übernehme ich gerne. Schließlich verdienst du mit einem Film so viel wie unsereiner in zehn Jahren nicht. Und ein Topmodel als Begleitung – darüber kannst auch nur du dich beschweren. Welches denn eigentlich? Die Blonde mit dem Bauchnabelpiercing?“

„Also sie war brünett. Ivana irgendwas.“

„Doch nicht etwa die Kalinka!“

„Ja, mag sein. Ist mir egal. Ich habe kaum drei Sätze mit ihr gewechselt.“ Nate ignorierte Seans Stöhnen. „Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass berühmt sein so einsam macht.“

Einen Moment war es still in der Leitung. Nate war verblüfft, wie automatisch dieser Satz über seine Lippen gekommen war. Fühlte er sich wirklich einsam? Er räusperte sich.

Aufregende Frau, eh?“

Nate seufzte. War ja klar, dass Sean zu gut zugehört hatte. Er war ihm trotzdem dankbar, dass er seine letzte Bemerkung überging. Nate fuhr sich durch die Haare.

„Ja, sehr aufregend.“

„Aus New York?“

„Wie man’s nimmt. Das erste Mal habe ich sie vergangene Woche in Südfrankreich gesehen. Dort haben wir uns kennengelernt und zusammen getanzt.“

„Und was macht die auf einer Gala in New York mit lauter Omas?“

Nate schnaubte belustigt.

„Sie ist die Tochter einer Schweizer Bankiersfamilie und leitet die New Yorker Filiale. Die Bank war Schirmherrin der Gala.“

Sean pfiff anerkennend.

„Bankierstochter. Klingt nach ziemlich großer und kluger Nummer.“

Nate hörte leise Glas klirren. Er kannte Sean so gut, dass er wusste, dieser goss sich gerade ein Glas Whisky ein. Ein Blick auf seine Armbanduhr sagte ihm, dass es in Schottland schon Abend war, während hier in L. A. gerade mal der Vormittag begann.

„Ja, klug ist sie. Leider so klug, dass sie sich instinktiv von mir fernhält. Das Schlimmste kam zum Schluss. Ich sah, wie sie die Gala verlässt, und bin schreiend hinter ihr hergerannt. Am Auto hat sie mich dann kalt abserviert. Und die Presse mutierte zu einer blutrünstigen Bestie. Es war grausam, so stehen gelassen zu werden.“

Nate klemmte den Hörer zwischen Kinn und Schultern und goss sich ebenfalls ein Glas Whisky ein. Warum nicht? Heute war weder Leseprobe noch Kampftraining. Auch Cary war kein Termin vor die Flinte gekommen, den sie ihm noch schnell hätte aufdrücken können. Selbst Liz war bis zum Abend bei einer Freundin. Nate hatte also ausnahmsweise mal frei.

Dieser Zustand war so ungewohnt, dass er zunächst nichts mit sich hatte anfangen können. Seltsam aufgeputscht war er durch seine Villa gestreift. Er hätte natürlich eines der drei Drehbücher lesen können, wie Cary es ihm schon seit Wochen ans Herz legte. Aber er griff lieber zum Telefon, um seiner alten Heimat ein Stück näher zu sein. Eine gute Entscheidung. Trotz der wenigen Worte und der Entfernung von Tausenden von Kilometern fühlte sich Nate seinem Freund sehr nah. Wie es aussah, würde er mit ihm über die verwirrenden Gefühle sprechen können, die Salomé in ihm auslöste.

„Sie hält sich fern von Bigmouth Nate Hamilton?“ Seans lachender Bass schallte wieder durch den Hörer.

Nate ließ die bernsteinfarbene Flüssigkeit im Glas um die Eiswürfel kreisen.

„Sláinte!“

„Sláinte.“ Nate prostete dem leeren Wohnraum zu und nahm den ersten Schluck.

„Und was genau an ihr ist so aufregend, das die Zigtausend Frauen, die dich zukreischen, nicht haben?“

Nate zögerte einen Moment. Konnte er Salomé in Worte fassen?

„Zunächst einmal: Sie kreischt nicht.“

„Aha, womit das mal wieder bewiesen wäre.“

„Bewiesen?“

„Na, dass man die Dinge – und Frauen – begehrt, die schwer zu haben sind. Und weiter?“

„Sie ... ist ... es ist schwer zu erklären. Es ist nicht nur ihr Aussehen, obwohl das schon atemberaubend ist. Sie ist charmant, unaufgeregt, ungefiltert. Wenn sie lächelt, ist mein Gehirn wie leergefegt, und ich ... bin auf elementare Körperfunktionen reduziert.“

„Körperfunktionen, so?“

„Also was ich meine: Ich vergesse, wer und was ich bin. Ich bin nicht Nate der Superstar. Ich bin einfach nur ein Mann. Und ich will sie. Ich möchte sie in meine Höhle verschleppen und jedem anderen Mann, der sie auch nur ansieht, mit einem Holzknüppel eins über die Rübe ziehen. Klingt dämlich, ist aber so!“

Nate grinste, als er Seans Husten am anderen Ende der Leitung hörte. „Verträgst du keinen Whisky mehr?“

Sean japste und klärte seinen Hals.

„Sorry, das wäre dir auch passiert, wenn ich mein Steinzeit-Ego vor dir ausgebreitet hätte. Höhle. Mannomann! Dich hat es anscheinend wirklich erwischt.“

„Scheint so.“ Nate sah sein schiefes Grinsen in der verschwommenen Spiegelung der Fensterscheibe.

„Warum hält sie sich von dir fern? Bist du im Fred-Feuerstein-Kostüm vor ihr rumgetanzt?“

Jetzt war es an Nate, vor Lachen den Whisky zu verschütten.

„Nicht ganz. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht. Unglaublich, aber sie hat tatsächlich nicht gewusst, wer ich bin.“

„Wieso kannte sie dich nicht? Lag sie in letzter Zeit im Koma?“

Nate lachte wieder. Einfach, weil es so guttat. Dieses Telefonat mit Sean war Balsam für seine Seele.

„So in etwa. Sie interessiert sich halt nicht für diese Themen. Sie kennt eher die Börsenmeldungen. Klingt langweilig, ist sie aber nicht. Das habe ich an dem Abend in Frankreich gemerkt.“

„Du Armer. Das war sicher ein herber Schlag für dein Ego?“

„Nein, im Gegenteil. Du kannst dir nicht vorstellen, wie aufgeregt ich war. Endlich mal wieder ein Mädchen, das ich ohne diesen Hype kennenlernen durfte.“

„Wie hat sie reagiert, als du es ihr gesagt hast?“

„Also, ich habe es ihr nicht direkt gesagt.“

„Sondern?“

Nate seufzte. „Ich wusste nicht, dass sie auch auf dieser Gala sein würde, auf der ich als Stargast geladen war und mit einer anderen Frau aufgetaucht bin. Sie kann ja nicht wissen, dass ich diese Frau gar nicht gut kenne. Ihr Blick hat mehr als tausend Worte gesagt. Ich wollte mit ihr tanzen und ihr alles erklären, aber es hat sich einfach nicht ergeben.“

„Wow. Und seitdem ist sie wütend auf dich. Verstehe ich irgendwie.“

Nachdenklich nahm Nate noch einen Schluck.

„Nein. Also ja, ich nehme an, dass sie es nicht so prickelnd fand, es so herauszufinden. Sie ist halt eine stolze Frau. Ich denke, das bekomme ich schon hin. Eigentlich war sie schon am Abend davor bei unserem Date von einem Moment auf den anderen merkwürdig zurückhaltend.“

„Was hast du zu ihr gesagt? Lass uns in meiner Höhle vögeln gehen?“

Nate verdrehte die Augen.

„Sean, der Witz ist langsam durch! Unsinn. Wir waren noch bei Colin. Er hatte eine Ausstellungseröffnung. Ich habe kurz mit Liz telefoniert. In der Zeit hat Colin sie rumgeführt und ihr die Ausstellung gezeigt. Danach war sie wie ausgewechselt. Ich hatte das Gefühl, sie wollte mich so schnell wie möglich loswerden.“ Nate ging im Geiste den Abend durch.

„Vielleicht hat Colin etwas über dich zu ihr gesagt, und sie war da schon sauer, dass du ihr nicht erzählt hast, wer oder was du bist?“

„Ich habe ihn direkt am nächsten Morgen angerufen. Er behauptet, nein. Vor allem hat er wohl kein Wort über mich als Filmstar verloren. Sie hätten angeblich nur über Kunst und Salomés Mutter geredet. Vielleicht kann er sich nur nicht so gut erinnern. Er hatte ordentlich einen sitzen.“

„Und wenn du sie einfach fragst? Dann kannst du dich auch entschuldigen, dass du ihr nicht gleich gesagt hast, sie könne sich in der Schlange der Verehrerinnen hinten anstellen.“

„Unglaublich witzig, Sean“, knurrte Nate in Seans ausgelassenes Gelächter.

„Hat die Lassie auch einen Namen?“

„Der ist sehr außergewöhnlich – wie sie selbst. Sie heißt Salomé.“

Sean schnaubte durch den Hörer.

„Dann nimm dich umso mehr in Acht. Du weißt schon, dass einst eine Salomé sehr blutrünstig war und den Kopf ihres Geliebten auf einem Silbertablett forderte.“

„Kann das sein, dass du irgendeinen Scherzdrops in deinem Glas hast?“

„Nein, das meine ich todernst. Ich will nicht klingen wie deine Agentin. Aber überlege selbst, ob das gerade der beste Zeitpunkt ist, sich zu verlieben. Sieh ihr Desinteresse als ein Zeichen. Es ist wahrscheinlich besser so, Nate. Viel Zeit wirst du die nächsten Monate nicht haben. Und an Liz brauche ich dich auch nicht erst zu erinnern.“

Nate starrte gedankenverloren durch die großen Wohnzimmerscheiben in den makellos gepflegten Garten.

„Ja, da hast du wohl recht. Ich sollte mich von ihr fernhalten.“ Nate legte den Kopf nach hinten und kippte den letzten Schluck Whisky in seinen Rachen.


Der Morgen nach der Gala – ein Sonntag – begann traumhaft. Salomé liebte das gemütliche Beisammensein mit Allegra am überladenen Frühstückstisch. Wie ein eingespieltes Ehepaar las jede konzentriert die New York Times. In einträchtigem Schweigen schenkten sie sich wechselseitig Kaffee ein oder reichten einander Zeitungsrubriken. Allegra quittierte Salomés ungewohnte Frage nach dem Kulturteil mit neugierig hochgezogenen Brauen, bevor sie ihr diesen reichte.

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