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Kitabı oku: «Versuch einer Ethnographie der Philippinen», sayfa 4

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Sobald der Tagale die Sterbestunde herannahen fühlt, wird eiligst zu dem Pfarrer geschickt oder, wenn dieser weit entfernt lebt, der Sterbende hingetragen, um die Sterbesacramente zu empfangen, da sonst ein ehrliches Begräbniss verweigert wird (Mas, pobl. 101). Stirbt ein Kind, so wird es unter grosser Lustbarkeit und den Weisen des Comintans zu Grabe getragen (Hügel, 145), hier haben also die Tagalen die spanisch-christliche Anschauung vollständig adoptirt, nach welcher man über den Tod eines unschuldigen Kindes sich nur freuen müsse, da seine Seele doch sofort unter die Englein aufgenommen würde. Bei den Todtenfesten zu Ehren erwachsener Verstorbenen überwiegen aber vollständig die Bräuche und Sitten des früheren Heidenthums. Sobald ein Erwachsener gestorben ist, wird die ganze Verwandtschaft desselben in das Sterbehaus eingeladen, angeblich, um Rosenkränze zu beten, kaum aber sind einige Gebete heruntergeschnarrt, so wird gegessen, getrunken und getanzt und diess durch volle neun Tage (Mas, pobl. 85, Ilustr. 1859, n. 7, p. 55). Dieses neuntägige Fest, welches mitunter zur Orgie ausartet (Vila 10), heisst Siam-na-arao oder Tibao. Am wichtigsten ist der dritte Tag dieses Festes, denn die Tagalen glauben, dass die Seele des Verstorbenen an diesem Tage wieder in das Sterbehaus zurückkehre, um an dem Festmahl Theil zu nehmen. Es werden deshalb Kerzen angezündet und eine mit Asche bestreute Matte ausgebreitet, letzteres geschieht, um an den allenfallsigen Fussabdrücken in der Asche zu erkennen, ob die Seele des Verschiedenen wirklich erschienen wäre oder nicht Vor die Thüre der Hütte wird Wasser in einem Gefäss hingestellt, damit die heimkehrende Seele sich die Füsse waschen könnte (Mas, pobl. 91). Um diesen „Aberglauben” zu unterdrücken, suchen die Pfarrer auf alle Weise es zu verhindern, dass die Hütte eines Verstorbenen den dritten Tag nach seinem Tode von irgend Jemand besucht wird. Die Bestattung ist ganz und gar katholisch, jede nationale Sitte hat hier der Macht der Kirche weichen müssen. Die Tagalen sterben übrigens mit grosser Resignation, und zwar sowohl in der friedlichen Hütte, wie draussen auf dem Schlachtfeld.

In den Zeiten der Unabhängigkeit gab es unter den Tagalen ebensoviele Staaten als Dörfer, eine Ausnahme hiervon machten nur die kleinen Reiche von Manila und Tondo, von denen einige kleine Vasallengebiete abhängig waren, doch machte sich hier der Einfluss von Borneo bemerkbar. Die tagalische Ständegliederung war damals folgende: Fürsten oder Häuptlinge (Manguinoos, Dattos), freie Leute (Mahaldicas), Freigelassene (Timaua), Vasallen der Dattos (Cabalangay), Leibeigene (Aliping namamahay), Halbsclaven, Sclaven (Aliping saguiguilir). Die Spanier hoben bei der Occupation des Landes die Leibeigenschaft und Sclaverei auf und gewannen dadurch die Sympathien dieser Volksclassen. Die entthronten Dattos wurden in kluger Weise fest mit ihren Interessen an die spanische Herrschaft geknüpft, indem ihnen eine Menge Vorrechte gegeben wurden, so z. B. der Titel Don, und indem man sie mit ihren erstgeborenen Söhnen von der Zahlung des Tributes enthob. Ihre sonstige Gewalt wurde dadurch geschwächt, dass in den neuen Pueblos, welche aus verschiedenen Tribus gebildet wurden, jetzt Leute friedlich nebeneinander wohnen mussten, die früher feindlich gegen einander gesinnt waren, und bald durch Wechselheirathen miteinander vollständig verschmolzen, wodurch die einzelnen Dattos gleichsam ihre früheren Unterthanen verloren. Von diesen Dattos stammt zum grössten Theile die heutige Principalia, der Patricierstand oder der Dorfadel der Tagalen ab. Die Bevölkerung der neuen Pueblos wurde in Abtheilungen eingetheilt, welche Barangayes11 genannt wurden. Jedem Barangay wurde ein Chef vorgesetzt, welcher Cabeza de Barangay hiess und der Principalia entnommen wurde. Der Cabeza de Barangay sammelt in seinem Barangay den Tribut (Kopfsteuer) ein, für dessen vollständige Eintreibung er haftet. Aus der Principalia wird der Bürgermeister gewählt, welcher Gobernadorcillo oder (im gewöhnlichen Verkehr) Capitan genannt wird.

Der Gemeinderath besteht aus den Cabezas de Barangay, überhaupt aus Mitgliedern der Principalia. Gehört zur politischen Gemeinde noch ein zweites Dorf (visita, barrio, anejo), so besitzt es einen Vice-Chef, den Teniente. Sonstige Gemeindebeamte sind der Teniente mayor (Bürgermeister-Stellvertreter), Juéz mayor de Ganado (Richter für Streitigkeiten, welche Vieh-, Weideangelegenheiten &c. betreffen), Juéz mayor de Sementeras (Richter über Feldstreitigkeiten), ein Juéz mayor für Polizeivergehen, dann der Teniente segundo, der Teniente tercero, ferner zwei Alguaciles (Polizeiwachtmeister), von denen der erstere gewöhnlich „el actual” heisst und gewöhnlich mit der Escortirung von Reisenden betraut wird. Nur der Gobernadorcillo und der Teniente mayor müssen dem Gesetze nach dem eingeborenen Adel angehören. Der Ex-Gobernadorcillo heisst gewöhnlich „Capitan pasado”, ein Ex-Teniente „Titulado”. Da die Mitglieder dieser tagalischen Municipien, besonders in den Provinzen, selten oder nur schlecht spanisch sprechen oder gar schreiben können, so wird zum Verkehre mit den spanischen Behörden ein Secretär von der Gemeinde aufgenommen, der Directorcillo genannt wird. Jede Gemeinde unterhält ein Haus, Tribunal genannt, in welchem der Gemeinderath tagt, Gericht gesprochen, europäische Reisende untergebracht werden, und das zugleich als Arrestlocal und Zeughaus dient. Die Arrestanten werden sehr gut verpflegt, doch pflegen die tagalischen Richter meist nur Prügelstrafen zu dictiren. Die nicht dem Adel angehörigen Indier sind verpflichtet, 40 Tage im Jahre öffentliche Arbeiten (polos y servicios) bei Strassen- und Brückenbauten &c. zu leisten, eine Woche im Tribunal Dienst zu leisten und eine Woche Nachtwache zu halten. Von diesen Dienstleistungen kann man sich loskaufen, und zwar in Form einer Geldstrafe. Die Leute, welche im Tribunal Dienst zu leisten haben, heissen Semaneros, sie stehen „gegen geringen Tagelohn als Boten oder Träger zur Verfügung der Reisenden” (Jagor, Phil. 37). Zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zum Schutz gegen Angriffe von Räuberbanden oder Horden wilder Bergstämme dient eine Art Bürgergarde oder irreguläre Miliz, deren Streiter Cuadrilleros genannt werden.

Der Volksschulunterricht ist obligat, jede Gemeinde hat ihre Schule. Der Unterricht soll in spanischer Sprache erfolgen, was aber bis in die neueste Zeit ausserhalb des nächsten Umkreises von Manila nur selten vorkam, indem einestheils spanisch sprechende Individuen sich selten in die Provinz verirrten und anderntheils die Geistlichkeit mit Händen und Füssen sich dagegen sträubte, dass die Indier sich die spanische Sprache aneigneten, da sie dadurch ihre Vermittlerrolle zwischen den spanischen Behörden und den Indiern verlieren musste. Heute hat die Geistlichkeit diesen Widerstand aufgegeben, und es sieht in dieser Beziehung etwas besser aus. Die Localinspection wird von den Pfarrern ausgeübt. Vor mehr als zwanzig Jahren schon sagte Bastian (Reisen, V. 265) über die Tagalen der Prov. Laguna: „Man erstaunt über die verhältnissmässig grosse Menge derjenigen, die zu schreiben und zu lesen verstehen”. Tagalen findet man als Schreiber in allen Regierungsbureaux. Die grösste Freude tagalischer Eltern ist es aber, wenn sie ihren Sohn als Priester erblicken. Die Weltgeistlichkeit besteht beinahe ausschliesslich nur aus Mestizen und Tagalen, Visayern &c. Die farbigen Priester stehen in geringem Ansehen; wenn sie nicht besser sind als ihr Ruf, stehen die Sachen schlimm (m. vgl. darüber: Jagor, Phil. 104, n. Cañamaque a. v. St.). Selbst der ultramontane Baron Hügel sagt hierüber: „Es giebt in der That indische Pfarrer, welche eine Frau haben, mit der sie in der Pfarrei leben, und die Kinder nennen sie nach meiner eigenen Erfahrung ohne Umstände Papa” (Hügel, p. 287), und weiter: „Der Indier ist im Allgemeinen wenig dazu geeignet, die Pflichten eines Geistlichen und Pfarrers zu erfüllen. Ich … füge hier nur noch hinzu, dass sie manchmal ausschweifend leben, ihren Pfarrkindern dann ein schlechtes Beispiel geben, und dass ihre Pfarrbücher sich meistens in grosser Unordnung befinden” (l. c. 349). Eine grosse Anzahl von Aufständen hat eingeborene farbige Priester zu Urhebern gehabt, die sich durch Blutdurst und Grausamkeit gegen die Weissen auszeichneten.

Das Christenthum hat bei den Tagalen die unter dem Namen Amoklaufen bekannten Wuthausbrüche nicht beseitigen können, doch kommen derartige Fälle seltener vor als in den übrigen malaiischen Ländern (Jagor, Phil. 131). Die Amokläufer werden „posong” genannt (Mas, pobl. 119).

Die Industrie der Tagalen beschränkt sich meist auf Gewebe und Stickereien. Aus den Fasern der Ananasea sativa werden feine, vollkommen durchsichtige Zeuge gemacht, welche Piña oder Grasscloths heissen, sie werden mit zierlichsten Dessins bestickt und dann oft zu horrenden Preisen – ein Stück 2000 Thaler (Jagor, Phil. 112) – verkauft. Zu den Piña-Webereien werden statt eiserner Messer Bambusspäne benutzt (Jagor, Skizzen 176). Aus Abacá (Manilahanf) werden ebenfalls dünne und durchsichtige Hemdstoffe und Zeuge verfertigt, welche Sinamay und Nipis genannt werden und eine grössere Dauerhaftigkeit aufweisen als die Piña-Zeuge (Scherzer, Novara-Reise I, 600; Diaz Arenas 291). Beim Weben der Nipis-Stoffe pflegen sich die Arbeiterinnen vollständig einzuschliessen, damit nicht ein Luftzug die dünnen Fäden entzweireisse (Cañamaque, Filipinas 27). Tapis-Stoffe aus Seide und Baumwolle, blaucarrirte Baumwollenstoffe (Cambayas) werden ebenfalls von den Tagalen und zwar in ziemlichen Mengen fabricirt (Diaz Arenas, l. c.). Die Tapis-Weberei hat ihren Hauptsitz in der Provinz Bulacán (Jagor, Phil. 48). Aus Abacá werden auch leichte Luxusstoffe, „Júsi” genannt, verfertigt (Scheidnagel 75). Aus der Rohrgattung Nito werden Hüte europäischer Façon, Jalacó’s und Matten geflochten (Scheidnagel, l. c.). Hüte und Matten werden noch aus anderen Materialien – z. B. der Burí-Palme – gearbeitet (Scheidnagel 27; Jagor, Phil. 59). Aus dem unteren Ende der Blattstiele einer Calamus-Art werden Cigarrentaschen von ausserordentlicher Feinheit fabricirt, welche zu hohen Preisen, von 2–50 Dollar das Stück, verkauft werden (Jagor, Phil. 48). Kabel und Taue werden nicht nur aus den Fasern des Manilahanfes verarbeitet, auch die Gomuti-Palme (Arenga saccharifera) liefert ein ungemein festes und dauerhaftes Material, den sogenannten Cabo-negro, es ist diess eine schwarze Faser, welche den Ursprung der Blattstiele am Stamme jener Palme bekleidet (Jagor, Skizzen 10). Aus Pandanus-Gattungen, dann aus dem Bambus werden Maurerpinsel gemacht (Jagor, Skizzen 176). Aus der kletternden Mimose „Gogo” wird durch Zerklopfen der Rinde ein Seifenstoff gewonnen, der nicht allein beim Bade und der Kleiderwäsche benutzt wird, sondern auch den Goldwäschern dienlich ist; bei der Goldwäsche „wird dem Wasser der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt darin länger schweben als in blossem Wasser und lässt sich somit leichter vom Goldpulver trennen” (Jagor, Phil. 142). Dem Apíton-Waldbaume wird ein harziges Öl, der Baláo oder Malapájo, abgezapft, welches Eisen zehn Jahre lang vor dem Rosten schützt und zum Firnissen der Schiffe verwendet wird (Jagor, Phil. 230). Aus der Cocos-Palme wird ein Branntwein bereitet, welcher „Tuba” heisst, diese Industrie wird insbesondere am Südufer der Laguna de Bay betrieben (Jagor, Phil. 57, Mozo 89). Auch Öl wird von dieser Palme gewonnen, über deren vielfache Ausbeutung Scheidnagel (p. 74) viel Interessantes berichtet. Das Bambusrohr wird in ähnlicher Weise ausgenutzt, wie in allen übrigen Theilen des ostindischen Archipels. Zu Handwerkern macht Indolenz, Faulheit und Liederlichkeit die Tagalen unbrauchbar (man vgl. Mas, pobl. 66 u. 72). In Manila existirt eine eigenartige Klein-Industrie, es werden kleine Modelle einheimischer Fahrzeuge, Hütten &c. und Figuren zum Verkaufe an Fremde gearbeitet (Scheidnagel 121). Im Schiffsbau stehen sie noch ohne alle chinesische Concurrenz da und leisten wenigstens etwas hierin.

Zum Schlusse sei noch bemerkt, dass die Tagalen sehr starke Beimischungen fremden Blutes in ihren Adern haben, nicht nur Chinesen und Spanier, auch Japanesen (XVI. u. XVII. Jahrhdt.) haben zur Aufbesserung der Rasse beigetragen. Andere Beimischungen sind gering oder verwandter Natur; so fanden die Spanier bei der Besitznahme des von den Tagalen bewohnten Landstriches Luzon (verhältnissmässig) zahlreiche Borneaner angesiedelt, theils als Kaufleute, theils als mohammedanische Priester und Missionäre, wenn ich überhaupt den letzteren Titel ihnen geben darf. Die Spanier hingegen ergänzten die Mannschaft ihrer auf den Philippinen stehenden Linientruppen seit der Mitte des XVII. Jahrhunderts beinahe ausschliesslich mit mejicanischen (mitunter auch peruanischen) Indianern, welche sämmtlich nach abgelaufener Dienstzeit im Lande blieben und sich eingeborene Weiber nahmen. In Marigondon, an der Bai von Manila, liessen sich auch im Jahre 1661 Ternataner (Insel Ternate der Molukken) nieder.

2. Pampangos

Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila, und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell „tagalisirt”. Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser Provinzen von den Pampangos eingenommen.

In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten, gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste erworben.

Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848 Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der spanischen Herrschaft unterworfen waren.

Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen, diese Heilkünstler werden „Tavac” genannt (Mozo 97). Ihre Industrie ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben Zweige wie bei den letzteren.

3. Zambalen (Zambales)

Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen Geldsumme sich die Freiheit sichert.

Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild, Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre (Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo, dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten, was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von 10–30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterung begegnen, wie bei den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt, eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eine schwarze Kopfbinde an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder es wurde der Familie ein Sclave oder Negrito (Cañamaque, Fil. 128) gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.

Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger, je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque, Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich (Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124) pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten dann um die Schädel „satanische” Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo (l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos, welche diese Sitte nicht kannten.

Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten einen obersten Gott („Malyari”), zwei minder mächtige Hauptgottheiten Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst („Bayoc”) weihte den einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch – wenn gleich selten – eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen (den „Cimarrones” oder „Infieles”12) erhalten haben, ist mir unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge (Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten (Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak, den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer einschmuggeln13. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh, wenn man ihnen Ruhe giebt.

Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen, deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21 u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.

Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen geschehen ist.

11.Barangay ist der Name einer in der Zeit der Conquista gebräuchlichen Schiffsgattung.
12.Bei dem Missbrauch der auf den Philippinen mit dem Namen der Igorroten getrieben wird, ist es kein Wunder, wenn man hie und da von „igorrotes de Zambáles” liest, es sind diess eben unsere wilden Zambalen.
13.Auf den Philippinen ist das Tabaksmonopol eingeführt.
Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
25 haziran 2017
Hacim:
241 s. 3 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain