Kitabı oku: «Auf getrennten Wegen», sayfa 2

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1 - 4 Leonide am Spieß -

Kaum zu ertragende Agonie zerriss die Träume. Ein stechender Schmerz beendete die Bewusstlosigkeit auf einen Schlag. So musste es sich anfühlen, bei lebendigem Leib aufgefressen zu werden. Wenn sich die Zähne in den Körper bohrten.

Doch wieso nur an einer Stelle?

Knapp unterhalb der Rippen pulsierten Wellen der Pein durch Bauch und Brust. Eine Bewegung war unmöglich, Gegenwehr auch. Hoffentlich war es bald vorbei.

Leider hatte er kein Glück. Kmarrs Gebete blieben ungehört. Er schämte sich für den fehlenden Mut nachzusehen, was passiert war, doch die Schmerzen waren zu groß. Er schmeckte Blut – sein eigenes – im Maul. Das Atmen fiel ihm schwer, außerdem hatte er Probleme damit, sein rechtes Bein zu bewegen. Sogar laut fluchen, knurren oder eine einzelne Kralle zu krümmen, sandte ein Stechen durch seine rechte Seite in alle Gliedmaßen.

Mühsam besann er sich auf Jiangs Meditationstechniken. Eine gefühlte Ewigkeit konzentrierte er sich ausschließlich auf seine Atmung. Keine anderen Gedanken ließ er zu.

Zunächst gelang es ihm nicht, doch er gab nicht auf und ganz allmählich lockerten sich seine verkrampften Muskeln.

Das Luftholen fiel ihm leichter und die Schmerzen verringerten sich von unerträglich zu kaum auszuhalten. Er behielt seine Atemübungen bei, bemüht alle Muskeln zu entspannen so gut es ging.

Schließlich erinnerte er sich an seine Umgebung. Ohne die Augen zu öffnen, rief er sich die Ereignisse der letzten Tage ins Gedächtnis. Die Flucht aus Kalteon, die abenteuerliche Wildwasserfahrt über die Brücke der Titanen, die kurze Reise durch die tödlichen Sümpfe Narfahels bis zur verfluchten Stadt ohne Namen in deren Mitte das erste der Siegel von Lahar gelegen hatte, und schließlich die gewaltige Flutwelle, mit der jemand versucht hatte, sie alle zu töten. – Möglicherweise mit Erfolg.

Erst jetzt blinzelte er vorsichtig, um sich ein Bild von der Verletzung zu machen, die er erlitten hatte. Geschockt musste er feststellen, dass ein zwei Schritt langer Ast aus seiner rechten Seite ragte, knapp unterhalb seiner Rippen.

Das andere Ende hatte sich tief in den Schlamm gebohrt und hielt ihn aufrecht.

Zum Glück lehnte er mit der linken Seite von der Hüfte bis zu den Schultern an dem Baumstumpf, zu dem der Ast gehört hatte.

Der Aufprall hatte ihn abgerissen und Kmarrs Gewicht hatte ihn tief in den Morast gedrückt.

Viel mehr als dort zu verharren, war dadurch unmöglich.

Immerhin bot sich ihm eine gute Aussicht.

Er war nur eine halbe Meile von der Stadt entfernt gelandet, nahe dem Ufer eines breiten Flusses. Ihre Mauern wurden von der untergehenden Sonne beleuchtet. Bald würde die Nacht hereinbrechen.

Er konnte sogar Shadarr spüren, allerdings war dieser mehrere Meilen weit weg und entfernte sich stetig weiter. Es schien ihm gut zu gehen, doch mehr vermittelte ihm das geistige Band nicht.

Zumindest einer hatte die Ereignisse also unbeschadet überstanden. Nicht das Kmarr sich darüber gewundert hätte. Das Kargat war unverwüstlich.

Noch nie hatte er Shadarr ernstlich verwundet gesehen. Nur ganz zu Beginn, als Drakkan ihn das erste Mal mitgebracht hatte, hatten beide so gewirkt, als würden sie jeden Augenblick tot umfallen, so schwer waren ihre Verletzungen gewesen.

Ähnlich wie die die er selbst gerade erlitten hatte.

Ohne Hilfe würde er hier sterben, das war ihm sofort klar geworden, als er den Ast entdeckt hatte.

Möglicherweise konnte er sich davon befreien, aber dann würde er verbluten. Doch solange er ihn nicht entfernte, würde die Wunde nicht heilen, sondern sich entzünden und ihn auf diese Weise schwächen, bis er schließlich starb.

- Wenn nicht zuvor ein Schwarm Libellenegel oder eine Gruppe Blutbäume über ihn stolperte.

Die Situation war ziemlich aussichtslos. Überrascht stellte er fest, dass er nicht bedauerte, nicht im Kampf gefallen zu sein, wie es bei seinem Volk als höchstes Ziel galt, sondern nicht mehr in der Lage zu sein, all die wunderbaren Erfindungen aus Biraanogks Buch nachzubauen, die nur darauf warteten von ihm wiederentdeckt zu werden.

Außerdem würde er wohl nicht mehr erleben, wie Drakk zwischen Jiang und Anaya gefangen allmählich gezähmt würde. Auch wenn er als Leonide zu einer wilden und ungestümen Kriegerrasse gehörte, konnte er es an reiner Stärke und unterdrückter Wut nicht mit Drakkan aufnehmen. Seine einzige Schwäche waren schöne Frauen und seine unbeherrschte Art. Doch Anaya und Jiang konnte sein Temperament möglicherweise zügeln.

Erstere mit Leidenschaft, Letztere mit Exotik.

Von der Neuen in der Runde hielt Kmarr nicht besonders viel. Sie war jung und unerfahren und zu engstirnig. Zwar hatte sie beträchtliche Fähigkeiten und war äußerst zielstrebig, doch es mangelte ihr an Einfallsreichtum, den sie brauchen würde, um die Hindernisse auf dem Weg zu den anderen Siegeln zu überwinden.

Außerdem, so überlegte er, war er sich nicht sicher, ob Droin ihr überhaupt weiter dabei helfen würde. Ohne Bezahlung taten Naurim für gewöhnlich gar nichts für Fremde, und Reichtümer besaß Phyria nun wahrlich keine.

Er selbst war dennoch neugierig, wohin die Reise führen würde. Eines hatte er nämlich sehr deutlich im Gedächtnis: In dem Augenblick, in dem das Siegel zu neuem Leben erwacht war, hatte er plötzlich eine Vision gehabt. Darin hatte er das Bild einer Lichtung vor Augen gehabt, tief in den überwucherten Ruinen einer Stadt im Wald. So düster wie es zwischen den mächtigen Bäumen gewesen war, konnte es sich nur um den Schattenwald handeln. Ebenso tödlich wie Narfahel, konnte der Weg tiefer in den Wald leicht das Ende für sie alle bedeuten. Bedauerlich, denn die Geheimnisse des Waldes zu ergründen war ihm immer ein Anliegen gewesen.

In seiner Jugend hatte er sogar versucht, ihn zu durchqueren. Doch das hatte sich als undurchführbar erwiesen und so war er mit ein paar Narben mehr daraus zurückgekehrt. Jetzt mit den anderen dorthin zu reisen war äußerst reizvoll. Schade nur, dass er hier in den stinkenden Sümpfen elend verenden würde.

Als hätte Talia, die Göttin des Glücks ihn erhört, wandte sie sich sogleich von ihm ab. Über einen Hügel ganz in der Nähe hinweg, konnte er die Kronen einer kleinen Gruppe Blutbäume sehen, die langsam in seine Richtung wankten. Sie hatten ihn zwar noch nicht entdeckt, doch das würde sich ändern, sobald sie die Kuppe überschritten. Vorsichtig tastete er nach dem zerstörten Griff seiner Flamberge. Wenigstens mit der Waffe in der Hand wollte er sterben.

1 - 5 Traumreise -

Heiße Luft fuhr ihr über die Kehle, gleichzeitig war ihr rechter Fuß kalt und ihre Kleidung klitschnass. Ihr Gesicht fühlte sich taub und steif an. Zusätzlich hatte sie das Gefühl zu glühen, dabei fühlte sie Schweißtropfen über ihren Rücken laufen.

Sie wurde grob hin und her geschleudert, während sich spitze Steine oder Dornen in Brust, Beine und Rücken bohrten.

Sie wollte einen Arm heben, doch er rührte sich keinen Fingerbreit. Auch der andere schien zwischen glatten, gezackten Steinen eingeklemmt.

Eigentlich sollte ihr das Sorgen machen, doch sie hatte Mühe, einen klaren Gedanken zu fassen.

Irgendwie wollte ihr Verstand nicht so, wie sie es gewohnt war. Daher dauerte es sehr lange, bis ihr bewusst wurde, dass sie gar nicht auf dem Boden lag, sondern anscheinend durch die Luft schwebte, jedenfalls wippten ihre Beine und ihr Kopf immer wieder auf und ab, ganz regelmäßig, so wie auch die heiße Luft immer wieder über ihre Haut fauchte.

Sie konnte nicht sagen, wie lange die Reise dauerte, doch ihre Nackenmuskeln sandten bald bei jeder Bewegung Wellen von Schmerz durch ihren Körper. Die unangenehmen Zacken fühlten sich inzwischen an, als würde sie langsam von ihnen zermahlen. Hätte sie die Kraft gehabt, sich zu wehren, hätte sie es getan, aber so blieb ihr nichts anderes übrig, als sie stumm zu ertragen. Der Schmerz sammelte sich, wurde stetig schlimmer, bis sie das Gefühl hatte, ihr Kopf müsste jeden Augenblick platzen, wenn nicht zuvor ihre Muskeln rissen. Fieber hatte sie gepackt. Ihr Körper verkrampfte sich.

Zwischendurch fiel sie zum Glück in die schwarze Leere der Bewusstlosigkeit, nur um unsanft wieder herausgerissen zu werden. Jedes Mal, wenn sie glaubte, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, wachte sie mit noch größeren Schmerzen wieder auf.

Ein leises Wimmern entwich ihren Lippen. Obwohl kaum hörbar, schien es als wäre es doch bemerkt worden, denn plötzlich hörte das rhythmische Schaukeln abrupt auf. Zu den heißen Luftstößen gesellte sich ein leises Donnergrollen, das ihren ganzen Körper vibrieren ließ.

Shadarr hatte ihre leisen Schmerzlaute sehr wohl vernommen.

Knurrend stand er auf einer flachen Hügelkuppe in Sichtweite des Flusses, an dem er mit Jiang im Maul seit einigen Kerzenlängen folgte. Trotz der hereingebrochenen Dunkelheit hielt er sicher stets den gleichen Abstand.

Er spürte und vor allem roch er, dass sie krank war. Als er sie mit seinen Zähnen gepackt hatte, um sie aus dem Sumpf zu tragen, hatte er wieder einmal gemerkt, wie merkwürdig es war, Gedanken zu formen, die nicht dem entsprachen, was er anschließend auch tatsächlich tat. Er übte sich darin, seit er Drakkans Gedanken und Gefühle empfing.

Natürlich hätte er Jiang fressen können. Und sie hätte auch gut geschmeckt. Davon war er überzeugt.

Doch wenn er das wirklich hätte tun wollen, hätte er es längst getan. – Vor vielen Wintern schon, als er sie zum ersten Mal gerochen hatte.

Jetzt darüber nachzudenken, erschien ihm merkwürdig verwirrend. Für gewöhnlich tat er auch, was er dachte oder dachte was er tat oder höchstens noch, wie er es am besten tun konnte.

Jiangs Geruch lud in der Tat dazu ein, sie zu fressen, doch sie war Drakkans Weibchen, auch wenn sie sich noch nicht gepaart hatten. Er verstand nicht, warum nicht, denn sein Rudelführer paarte sich sonst gerne und oft und mit vielen Weibchen. Ganz so wie es gut und richtig war.

Sehr langsam ließ er Jiang zu Boden gleiten, damit sie sich ausruhen konnte.

Sie mussten den Sumpf möglichst bald verlassen, damit er für sie beide etwas jagen konnte.

Außerdem war das Wasser hier ungenießbar.

Statt nach den anderen Mitgliedern des Rudels zu suchen, beschloss er, erst das zierliche Weibchen in Sicherheit zu bringen. Die Übrigen waren körperlich stärker und würden ohne seine Hilfe zu Recht kommen.

Er blickte auf Jiang hinunter, die sich unruhig hin und her wälzte, ihre Hände abwehrend vor sich haltend.

Ihr war nicht ganz klar, wo sie sich befand und warum ihre Reise aufgehört hatte, denn sie versuchte gerade, Zi tsin Tau davon abzuhalten, sie in sein Bett zu zwingen. Obwohl sie wusste, dass es keinen Zweck haben würde, versuchte sie immer wieder, ihn von sich weg zu schieben.

Dieses Mal hatte er sie in einen kleinen Raum gedrängt, mit hartem, kaltem Boden. Er hatte sie zu Boden gezwungen, offenbar in einer Wäschekammer, denn alles um sie herum war feucht, klamm und dunkel.

Sie wehrte sich nach Kräften, doch das schien ihn nur anzuspornen. Sie wagte nicht, ihre mystischen Fähigkeiten einzusetzen, denn er war ein hoher Beamter des Kaisers. Sie konnte sich nur wehren, bis er hoffentlich bald von ihr abließ.

Shadarr stand ein wenig ratlos neben der zappelnden Shâi, die sich unsinniger Weise im Schlamm hin und her wälzte. Vielleicht half ihr das, wieder gesund zu werden. Dafür erregte ihr Gezappel mehr Aufmerksamkeit als seine massige, aber reglose Gestalt.

Sein Magen knurrte. Zeit aufzubrechen.

Jiang wurde plötzlich von starken Armen gepackt, die Ihr jeden Bewegungsspielraum nahmen. Wie eiserne Fesseln hielt man sie fest, so dass sie sich nicht mehr wehren konnte.

Rücken und Beine meldeten sofort wieder Schmerzen.

Beinahe sämtliche Muskeln verkrampften sich, aber wenigstens war ihr Nacken entlastet, weil sie auf dem Bauch lag. Obwohl sie voller Angst drauf wartete das Zi tsin Tau sie wie ein Stück Vieh bestieg, ergab sich ihr Körper schließlich den Anstrengungen und dem Fieber. Dunkelheit umhüllte sie, als sie allmählich das Bewusstsein verlor.

1 - 6 Badefreuden -

Das Wasser war sogar noch kälter als erwartet. Tausend Nadelstiche bohrten sich in seine Haut. Wie Öl klebte die Brühe an ihm, als er mit kräftigen Schwimmstößen auf das Ufer zu strebte. Auch der Gestank war so knapp über der Oberfläche noch unerträglicher. Droin hatte das Gefühl, sich durch Sirup ziehen zu müssen. Mühsam kämpfte er sich vorwärts. Es war nur etwas mehr als zwei Seillängen bis zu dem Streifen öden Landes, den er als Nordufer auserkoren hatte. Ganz überzeugt war er noch nicht, allerdings ziemlich sicher. Dort würde er einen Weg zurück bis zur Stadt suchen, um unterwegs nach seinen Gefährten Ausschau zu halten. So unübersichtlich die Landschaft auch war, allzu weit dürften sie nicht auseinander gerissen worden sein. Attravals Kompass alleine durch ein derart feindliches Territorium zu schaffen, war fast unmöglich. Er brauchte die Unterstützung seiner Gefährten. In Gedanken versuchte er die Bedeutung des Fundes zu ergründen. Einer der bedeutendsten Schätze der Naurim so nah bei sich zu haben war erschreckend und beflügelnd zugleich.

Er mochte seinen Klan und dem gesamten Nordreich die Gelegenheit geben, in Gebiete vorzudringen, die sie vor vielen Wintern an die Schrecken der Tiefe verloren hatten. Eine reizvolle Vorstellung. Dafür musste er jedoch zunächst heil aus Narfahel entkommen.

Die Kälte bohrte sich immer tiefer in seinen Körper und lähmte langsam seine Muskeln. Er durfte keinen Augenblick länger im Wasser bleiben als unbedingt nötig.

Etwas streifte sein Bein.

„Das hat mir noch gefehlt!“, fluchte er, während er seinen Dolch zog. Noch zehn Schritte bis zum Ufer. Wieder eine Berührung, dieses Mal an der Schulter.

Es streifte seinen Ellenbogen.

Droin hatte den flüchtigen Eindruck von rauer Schuppenhaut.

Dann fühlte er plötzlich einen scharfen Schmerz an seiner Wade. Etwas hatte ihn gebissen.

Fluchend unterdrückte er das Bedürfnis, die Wunde zu untersuchen. Stattdessen mühte er sich, noch schneller zu schwimmen. Wieder ein Biss, dieses Mal in die Hüfte, dann ein weitere in seinen Arm.

Er betrachtete kurz die Wunde, die knapp neben seinem Handgelenk war. Sie war kleiner als befürchtet. Ein kreisrundes Stück Haut von der Größe einer Münze fehlte dort. Die Ränder zeugten ganz deutlich die Abdrücke kleiner scharfer Zähne.

Droin erhöhte sein Tempo. Nur fünf Schritte bis zum Ufer. Als wären seine Bemühungen das Stichwort, bissen ihn mehrere Kreaturen zugleich.

Er schlug und trat wütend um sich, traf aber keinen seiner Peiniger. Immerhin schaffte er es so, festen Boden unter die Füße zu bekommen. Er sprang regelrecht auf das Ufer. Keuchend blieb er einen Atemzug liegen, den Blick auf das Wasser gerichtet. Sein Körper war mit zahlreichen Wunden übersäht.

Er hatte sie noch nicht alle gezählt, als er plötzlich ein platschendes Geräusch neben sich hörte. Er wandte den Kopf in die entsprechende Richtung. Eine kleine, unförmige Kreatur hockte im Schlamm neben ihm. Sie war nicht viel länger als seine Hand, hatte vier Froschbeine mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen und einen langgestreckten Körper wie eine Schlange. Anscheinend war sie blind, denn er konnte keine Augen entdecken.

Leider schien es sie nicht zu behindern, denn das Maul öffnete sich sofort und wandte sich in seine Richtung. Es passte genau zu den Wunden.

Bevor er reagieren konnte, schoss plötzlich eine unmöglich lange Zunge daraus hervor. Sobald sie seine Wade berührte, hüpfte das Biest wie ein Frosch zu ihm hinüber und biss hinein.

Droins Dolch zuckte vor und spießte den Schlagenfrosch auf. Er stieß einen leisen, quakenden Laut aus, dann rutschte sie leblos von der Klinge.

Wie aufs Stichwort begann das Wasser plötzlich zu brodeln. Schlangenfrösche hüpften oder kletterten ans Ufer. Eine regelrechte Horde. Sie quakten wild durcheinander, wie ein schlecht abgestimmter Chor. Dafür richteten sie ihre Aufmerksamkeit alle auf Droin.

Obwohl die Bisswunden wie Feuer brannten, blieb Droin nicht liegen, um herauszufinden, wie groß der Schwarm war. Er hatte schon beim ersten Anzeichen den Rückzug angetreten. So schnell er konnte, zerrte er den Kompass vom Flussufer weg. Seine alten Knochen protestierten gegen die neuerliche Anstrengung und nicht zum ersten Mal überlegte er, ob es nicht allmählich an der Zeit war, in den Rat der Ältesten einzutreten.

Er war bereits der älteste Naurim von Clan Fenloth, der noch immer die Welt bereiste.

Auf der anderen Seite fühlte er sich gerade in Augenblicken wie diesen lebendig. Im Kampf auf Leben und Tod, in feindseligen Landstrichen, wo nur die Starken und Mutigen überleben konnten.

Erst hielten die Schlangenfrösche noch mit ihm mit, doch mit jedem Schritt, fielen sie weiter hinter ihm zurück, je weiter er sich vom Wasser entfernte. Als der Boden unter seinen Füßen schließlich fest und trocken wurde, kehrten die kleinen Biester endgültig um. Ihr Quaken klang wütend, bevor die trübe Brühe sie wieder verschluckte.

Droin beglückwünschte sich zunächst zu seinem Instinkt, dann ließ er sich ächzend zu Boden sinken.

Genau rechtzeitig, um in der mittlerweile angebrochenen Nacht kaum zwei Bogenschussweiten entfernt eine gewaltige Flammensäule in den Himmel schießen zu sehen. Sie schrumpfte fast sofort wieder zu einem schwachen, rötlichen Lichtschein, der kaum über die Hügelkuppe hinweg leuchtete.

Für Droin war sie jedoch völlig ausreichend gewesen.

„Warum nicht einen Moment früher?“, schimpfte er, als er sich mühsam wieder auf die Füße kämpfte.

Zielstrebig marschierte er auf die Stelle des Feuers zu. Er war sich ziemlich sicher, dass nur Phyria so unachtsam gewesen sein konnte, allen Kreaturen der Umgebung anzuzeigen, wo es etwas zu fressen gab. Auf der anderen Seite: wenn er ihre Gaben hätte, wäre ihm das vermutlich auch egal.

Bei den Kreaturen hier war Heimlichkeit allerdings die bei Weitem bessere Wahl.

Ohne mehr als seine Stiefel anzuziehen und sich um die blutenden Wunden zu kümmern, marschierte er los, so schnell er konnte. Er sah sich gründlich um, mied alle Hügelkuppen und behielt Bolzenwerfer und Kriegshacke in den Händen. Das raue Seil, mit dem er die Ausrüstung und den Kompass hinter sich her zog, scheuerte über seine nackte Haut. Die Wunden brannten unangenehm, außerdem bluteten sie noch immer. Bald musste er anhalten, um sich darum zu kümmern, oder er würde zu viel von seiner Ausdauer verlieren, gleich ob sein Klan dafür berühmt war.

Er schätzte die Distanz zu Phyria ab und entschied sich dann dafür, weiter zu marschieren. Obwohl er durch Senken und schlammige Rinnsale stapfte, die nicht auf direktem Weg zu ihr führten, kam er rasch voran. Er hatte in dem unbewaldeten Gebiet keine Mühe, die Richtung zu halten. Lautlos näherte er sich der unvorsichtigen Flammentänzerin.

Phyria wärmte sich noch immer an dem brennenden Baum. Zwar war ihre Kleidung längst getrocknet, doch sie verspürte nicht die geringste Lust, sich auf den Weg zu machen. Erst hier und jetzt wurde ihr wirklich bewusst, dass sie ohne die Hilfe ihrer neuen Gefährten niemals so weite gelangt wäre. Sie konnte nur hoffen, dass sie sie davon überzeugen konnte, ihr auch weiterhin zur Seite stehen. Gerade in diesem Moment konnte sie…

Was sie alarmiert hatte, war ihr nicht so ganz klar.

Mit flammenden Händen wirbelte sie herum.

Der Anblick, der sich ihr bot, war so grotesk, dass sie unwillkürlich lachen musste. Keine zehn Schritt von ihr entfernt stand Droin, die Arme in die Hüften gestemmt. Dass es der Naurim war, erkannte sie allerdings erst, auf den zweiten Blick. Er war von oben bis unten mit Schlamm bedeckt. Außerdem trug er nicht mehr als einen Lendenschurz und Eisenstiefel.

„Was gibt es denn da zu lachen?“

1 - 7 Dornen und Bären -

Auch Anaya konnte die Stichflamme in der Entfernung erkennen. Leider befand sie sich mehr als zwei Meilen weit weg, mit dem Fluss dazwischen.

Ein Bad erschien ihr für den Moment wenig erstrebenswert, denn sie konnte Dutzende armlanger Lebewesen darin ausmachen. Und ziemlich sicher waren das keine Fische.

In Richtung Feuer entdeckte sie eine kleine Gruppe Blutbäume, die zielstrebig langsam auf einen anderen Punkt ganz in ihrer Nähe zu wankten. Aus ihrem Verhalten schloss sie, dass sie Beute gewittert haben mussten.

Rasch prüfte sie ihren eigenen Geruch und maskierte ihn dann mit dem von vermoderndem Holz. Außerdem sorgte sie dafür, dass ihre Beine kürzer und ihre Hufe breiter wurden, damit sie nicht so deutlich sichtbare Spuren hinterließ. Das Bärenfell behielt sie vorerst bei, es war schön warm.

Sie musste einen lustigen Anblick bieten. In braunes Fell gekleidet, kurze Beine, breite Hufe, kleine Hörner und eine grünliche Hautfarbe.

Schulterzuckend setzte sie sich wieder in Bewegung.

Wenn sich ihre Überlegungen als richtig herausstellten, würde sie gleich hinter dem nächsten Hügel auf die Beute der Blutbäume treffen. Sie musste sich beeilen, wollte sie ihnen zuvorkommen.

Da sie die Bäume nicht für Kannibalen hielt, musste es eine andere Beute sein. Wahrscheinlich einer ihrer Gefährten. Sie eilte in gleichmäßigem Tempo voran, wobei sie sich bemühte, eine niedrige Silhouette zu bieten, um die Aufmerksamkeit der Leichensammler nicht auf sich zu ziehen.

Solange die Bäume sich weiter in eine Richtung bewegten, waren sie noch nicht am Ziel. Das gab ihr die Chance, sie zu überholen, oder doch zumindest vor ihnen am Ziel zu sein.

Kmarr sah seinem Schicksal ruhig entgegen. Die Flamberge war nutzlos, die Axt irgendwo verloren gegangen. Nur der Bolzenwerfer war übriggeblieben.

So sehr er seine Erfindung auch schätzte, gegen die Blutbäume würde die Waffe wenig nutzen. Nicht umsonst fällte man Bäume mit einer Axt.

Er hatte nur einen Versuch gemacht, aufzustehen. Die Schmerzen hatten ihm beinahe das Bewusstsein geraubt, noch bevor er sich überhaupt richtig bewegt hatte. Lieber blieb er sitzen und schoss, solange er konnte, Bolzen auf seine Feinde.

Danach konnte er nur hoffen, dass sie ihn schnell fraßen.

Ruhig hob er die Waffe zum ersten Schuss. Wie nebenbei bemerkte er, dass eine Vorrichtung zum Zielen nützlich wäre. Der Hebel zum Nachladen ließ sich bestimmt ebenfalls verbessern. Er hatte Mühe, ihn zu betätigen.

Dafür war der kleine Wald aus Blutbäumen nur schwer zu verfehlen.

Obwohl er sich bemühte, den Rückschlag mit den Armen abzufangen, ging trotzdem eine Welle der Agonie durch seinen Körper, die einen Schweißausbruch bewirkte.

Mit zitternden Fingern quälte er den nächsten Lauf in Schussposition. Ohne darauf zu achten, ob er getroffen hatte, schoss er erneut. Dieses Mal tanzten bunte Punkte vor seinen Augen. Zwei Anläufe, dann hatte er den dritten Lauf feuerbereit gemacht. Dafür wurde er dieses Mal mit Schmerzgeheul belohnt, dass er leider nicht genießen konnte, weil er die verbleibende Kraft dafür brauchte, nicht das Bewusstsein zu verlieren.

Zu den Flecken vor seinen Augen gesellte sich der bittere Geschmack von Galle im Mund, doch aufgeben kam nicht in Frage.

Wieder schoss er auf die Bäume, die soeben den Abstieg von der Hügelkuppe begonnen hatten.

Für einen Moment musste er doch die Besinnung verloren haben, denn im nächsten Augenblick lag der Bolzenwerfer in seinem Schoß und ein Bär, der Anaya bis auf den Kopf verschluckt hatte, kniete neben ihm.

„Du solltest sie wieder ausspucken“, riet er dem Bären: „Sie hat es nicht gerne, wenn man sie frisst.“

Doch der Bär wühlte mit seinen Pranken einfach nur im Dreck neben ihm. Bestimmt suchte er nach Wurzeln. Ehe er ihn fraß.

„Nimm die Wurzeln von den Bäumen da. Die schmecken viel besser als ich“, wollte er sagen, aber seine Zunge verweigerte ihm den Dienst.

Anaya bemühte sich, zu verstehen, was Kmarr zu sagen versuchte, mehr als unverständliche Knurrlaute gab er dabei jedoch nicht von sich.

Für mehr blieb keine Zeit.

Sie hatte ihren gesamten Vorrat an Würgedornsamen im Kreis um sie herum im Schlamm verteilt. Jetzt lenkte sie die unbändige Lebenskraft des Sumpfes in ihr schnelles Wachstum.

Dabei musste sie gleichzeitig aufpassen, nicht Kmarrs ohnehin schon schwache Lebenskraft anzuzapfen.

Die Belastung zwang sie dazu, ihre eigene Verwandlung aufzugeben.

Zunächst tat sich nichts, doch dann drängten sich die ersten Keimblätter aus dem Boden ans Licht.

Sie entfalteten sich rasch zu jungen Trieben, die sich sofort weiter verzweigten.

Anfangs wucherten die Ranken noch über den Boden in alle Richtungen. Erst mit Anayas Einfluss formten sie nach und nach einen Ring, der gut drei Mannslängen durchmaß. Die einzelnen Äste verhakten sich in den Pflanzen links und rechts, während sie gleichzeitig nach oben wuchsen. Schnell gewannen die Stämme an Umfang und Größe.

Als die Blutbäume noch zwanzig Schritte entfernt waren, hatte die Hecke bereits einen halben Schritt Höhe erreicht und war einen Schritt tief. Die Ranken waren fingerdick geworden, mit kurzen Dornen und kleinen, rundlichen Blättern an allen Seiten, die nicht nur bitter schmeckten, sondern obendrein auch noch giftig waren.

Obwohl ihre Anstrengungen die Konzentration forderten, warf sie zwischendurch dennoch einen Blick auf Kmarr, dessen Kopf nach vorne gesunken war. Er hatte das Bewusstsein verloren. Seine Brust hob und senkte sich regelmäßig, so dass keine akute Gefahr für ihn bestand.

Die Hecke wuchs unterdessen weiter in die Höhe. Als sie einen Schritt erreicht hatte, neigte Anaya sie langsam nach innen, um über ihnen ein Dach zu formen. Nur so würde das Gebilde dem Ansturm der Blutbäume Stand halten.

Diese waren mittlerweile schon bis auf zehn Schritte heran gewankt. Ihre Tentakel streckten sich erregt nach vorne, in Erwartung leichter Beute.

Unterdessen schlangen sich die dornigen Ranken immer höher und höher. Unten hatten sie inzwischen die Dicke ihres Handgelenks erreicht und die Dornen waren so lang, wie ihre Finger.

In Galladorn formten die Druiden aus ihnen Hecken um ihre Hütten und Dörfer, als Schutz vor Raubtieren.

Außerdem umschloss der Grüne Wall das gesamte Reich. Dreißig Schritte hoch, und ebenso tief, bildete er eine undurchdringliche Barriere für alle ungebetenen Besucher, sofern sie nicht über Flügel oder Luftschiffe verfügten.

Manche Druiden formten sogar ihre Häuser aus Würgedornen. Von innen verkleidet mit Brettern oder Lehm, mit natürlich vergitterten Fenstern, waren sie durchaus gemütlich zu nennen.

Die Kuppel, die Anaya gerade schuf, war diesen Hütten nachempfunden, nur hatte sie nicht vor, Fenster oder eine Tür in ihren Entwurf zu integrieren.

Das Dach würde nicht rechtzeitig fertig werden, also zwang sie einzelne Ranken, wie bei einer Gewölbehalle Stützbögen zu bilden. Die Zwischenräume füllte sie nach und nach mit kleineren Ranken.

Keinen Augenblick zu früh.

Schon brandeten die Blutbäume gegen das Hindernis. Sie kreischten überrascht, denn auch wenn sie viele Gemeinsamkeiten mit richtigen Bäumen hatten, eine harte Borke besaßen sie nicht. Deshalb bohrten sich die Dornen in ihre stammartigen Körper. Die Hecke erbebte unter ihrem Ansturm, hielt aber ohne Probleme stand. Sorge machten Anaya nur die Tentakel. Statt durch die Lücken im Dach zu greifen, versuchten sie direkt durch die Hecke zu gelangen.

Ihre Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Die Blutbäume waren zu dumm für solch eine ausgeklügelte Taktik. Sie begriffen nicht, dass die Hecke vor ihnen kein abgestorbenes Buschwerk war, auf das sie normalerweise trafen.

Und je länger sie brauchten, das Problem zu verstehen, je geringer waren ihre Chancen, doch noch zu einer Gefahr für Kmarr und sie zu werden, denn die Lücken im Dach wuchsen rasch zu.

Gleichzeitig wurde es immer dunkler, denn das dichte Geflecht blockierte das ohnehin spärliche Tageslicht beinahe völlig.

Als sie mit ihrem Werk schließlich zufrieden war, blieb nur das Kreischen der Bäume draußen zurück. Erschöpft zog Anaya ihre Hände aus dem Schlamm.

Gerne hätte sie eine Weile ausgeruht, aber dafür blieb ihr keine Zeit. Die Verletzung von Kmarr war schwer und musste dringend versorgt werden.

Vorsichtig begutachtete sie den Schaden, den der Ast im Körper des Leoniden angerichtet hatte. Es handelte sich um eine ernste Verletzung, die mit Sicherheit tödlich war, wenn sie nichts unternahm. Zum Glück war es ein Ast, auf dem er gelandet war. Wäre es ein Felsen oder ein eiserner Pfahl, hätte sie nichts für ihn tun können, aber so…

Entschlossen griff sie nach dem spitzen Ende.

Kmarr stöhnte leise, ohne aufzuwachen.

Sie lockte das tote Holz mit dem Versprechen neuer Kraft, gesunder Erde und warmer Sonnenstrahlen Sie spendete etwas ihrer eigenen Lebenskraft, um es zu wecken.

Schließlich spürte sie ein dünnes Rinnsal neuer Energie. Sie lenkte es behutsam in die Rinde, glättete sie, schrumpfte den Ast vom Durchmesser ihres Unterschenkels bis auf die Dicke ihres Armes. Zusätzlich wurde das Holz so glatt, bis es glänzte, als hätte sie es tagelang poliert. Am Rücken verstärkte sie es, damit Kmarr nicht noch weiter rutschen konnte. Zuletzt schwächte sie das Holz knapp vor seiner Brust, so dass sie den Rest ohne Mühe dort abbrechen konnte.

Wieder stöhnte Kmarr knurrend. Ein dünner Blutstrom sickerte aus der Wunde.

Für den nächsten Schritt brauchte sie ihn wach und einigermaßen bei Kräften.

Da sie ihn nicht wecken wollte, entfachte sie mit ihren Vorräten aus Kohle und dem abgebrochenen Ast ein Feuer.

Erst dann ließ sie sich erschöpft zu Boden sinken.

Obwohl die Blutbäume ein nervtötendes Kreischen verursachten, war sie kurz darauf eingeschlafen.

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