Kitabı oku: «Perry Rhodan Neo 37: Die Stardust-Verschwörung (Leseprobe)», sayfa 3
Teil 2
10. Mai 2036: Der Arkonide und der Astronaut
Die Bilder meiner Träume vermischen sich, wie sie das so gerne tun im jahrelangen Schlaf. Ich kann es fühlen, kann es sehen. Wahrscheinlich wache ich bald auf. Ich spüre es: Die Maschinen arbeiten nicht mehr.
Eine andere Erinnerung steigt aus dem diffusen Nichts in meine Träume. Sie ist viel lebendiger, glühender, und sie kitzelt mich näher ans Erwachen heran.
»Atlan«, haucht sie. »Was für ein seltsamer Name.« Sie kichert, und ich frage mich, warum ich mich dazu habe hinreißen lassen, meinen echten Namen zu nennen.
Sie macht mich ganz verrückt. Es ist, als würde sie mir den Verstand aussaugen. Mein Gedankenbruder setzt zu einem spöttischen Kommentar an, aber ich unterdrücke ihn schon im Ansatz – ich habe weitaus Besseres zu tun.
»Lisa del Giocondo ist ebenfalls recht klangvoll, meine Verehrteste«, schmeichle ich. Sie kommt näher, und ich weiß nicht, was reizvoller ist: ihr nackter Körper oder ihr geheimnisvolles Lächeln. Ihre Haut fühlt sich warm an, warm wie das Blut des Soldaten, das aus seinem zerfetzten Kehlkopf direkt in mein Gesicht spritzt. Das Schwert durchbohrt seinen Leib von schräg oben, und die Klinge reißt auch mir noch eine kleine Wunde, ehe …
Ich fühle den Schmerz sogar im Traum, die Assoziationen vermischen sich und wirbeln die Bilder der Erinnerungen durcheinander. Lisa del Giocondo und die bestialische Schlacht gegen das römische Heer lagen jahrhundertelang auseinander. Vielleicht war der Verstand eines Arkoniden nicht dafür geschaffen, solche Zeiträume zu durchleben, genauso wenig wie der eines Menschen dieser Welt, auf der ich seit Tausenden von Jahren festsitze.
Mit diesen Gedanken wache ich auf, und die Erinnerung an die nackte, geheimnisvolle Frau verweht ebenso wie die an den Tod und die Schreie der Verwundeten auf dem Schlachtfeld.
Stattdessen schaut mich ein Gesicht an, das allzu vertraut ist. »Du bist wach«, sagt Rico, mein treuer Begleiter. Er ist getarnt, sieht aus wie ein Mensch der Erde, aber ich erkenne ihn sofort. Seine Augen sind braun. Haselnussbraun. Er lächelt. »Das ist gut.«
Ich höre die Worte nur verschwommen. »Wie lange?«, versuche ich zu sagen, doch meine Lippen sind so trocken. Ich gebe nur einen krächzenden Laut von mir.
Rico versteht mich trotzdem, weil er mich kennt. Seit Jahrtausenden. »Du hast vierundsiebzig Jahre geschlafen«, sagt er. Irgendetwas stimmt daran nicht, und das …
… riss mich endgültig aus dem Schlaf. Ich setzte mich auf, zu schnell nach der langen inaktiven Phase. Mein Kreislauf revoltierte, dunkle Flecken tanzten mir vor den Augen. Mir wurde übel, ich musste würgen, und bittere Magensäure brannte mir in der Kehle. Hastig schluckte ich, und ich hatte viel zu wenig Speichel, um das Brennen loszuwerden.
Ruhig, alter Narr!, verlangte mein Gedankenbruder. Mach langsam! Bist du nicht oft genug hier in deiner Schlafkammer erwacht, um zu wissen, dass sich dein Körper erst an das Erwachen anpassen muss?
Doch, das war ich. Ungezählte Male. Aber an manches gewöhnte man sich eben nie, wenn man kein Roboter war. Wie Rico, der zugleich noch viel mehr als das war. Das Rätsel, das ihn umgab, hatte ich nie völlig lösen können. Aber eins wusste ich: Er war mir ein wertvoller Begleiter.
Rico war tatsächlich perfekt getarnt, sah aus, als wolle er sofort aufbrechen, um sich unter die Menschen zu mischen.
Oder als wäre er schon dort gewesen.
Er trug eine alt und verwaschen aussehende Hose aus dunkelblauem Stoff, die eng an seinen Beinen lag. Im Gegensatz dazu schlackerte ein dunkelrotes, ärmelloses Shirt um den Oberkörper.
Der Roboter stand zwischen mir und der zweiten Tiefschlafliege in dem engen Nebenraum, der zu meiner Geheimkammer in der unterseeischen Kuppel vor den Azoren gehörte. Stumm hielt er mir einen Becher hin. Ich nahm ihn und trank vorsichtig von dem klaren, köstlichen Wasser. Es belebte die Zunge und spülte die saure Wunde in meinem Hals davon. Am liebsten hätte ich alles gierig ausgetrunken, aber ich riss mich zusammen. Ein Tropfen perlte auf meiner Lippe.
Es kitzelte, und es kam mir vor, als hätte ich etwas so Wundervolles seit Jahren nicht mehr empfunden. Genau so war es auch. Die Luft roch frisch und nach einem Hauch von vergangenen Abenteuern. Ich bewegte die Finger. Die Muskeln schmerzten, es knackte leise. Die Vielzahl der Sinneseindrücke überwältigte mich schier. Kein Wunder, denn ich hatte seit 74 Jahren nichts mehr empfunden.
»Warum hast du mich jetzt schon geweckt?«, fragte ich, denn es war ein Jahr zu früh; normalerweise weckte mich Rico nach einer Schlafepoche von 75 Jahren.
»Es gibt einen guten Grund«, sagte Rico. »Die Menschheit hat Fortschritte gemacht, seitdem du zum letzten Mal die Kuppel verlassen hast, Atlan.«
»So? Haben sie noch bessere Waffen entwickelt, um sich gegenseitig umzubringen?« Ich wollte trocken lachen, doch es war wohl im wahrsten Sinn des Wortes etwas zu trocken, und ich musste husten. Als es vorüber war, trank ich vorsichtig noch ein paar Schlucke. Ich spürte die Kühle des Wassers die Speiseröhre hinunterrinnen und bis in den Magen hinein.
»Das haben sie in der Tat. Auf diesem Gebiet sind sie erstaunlich erfinderisch.«
Ich fragte mich, ob Rico diese Worte spöttisch aussprach, oder voller echter Bewunderung. »Aber?«
»Aber deshalb habe ich dich natürlich nicht geweckt. Eine Notsituation erfordert dein Eingreifen.«
»Und zwar?« Ich stand auf. Der ganze Boden schwankte. Die schlichten Metallwände drehten sich, als meine Knie gaben nachgaben; die beiden Tiefschlafliegen krochen die Wände hinauf.
Natürlich bildete ich mir das nur ein. Ich war es, der kippte. Ricos Arm schoss vor, er stützte mich. »Es ist soweit«, sagte er.
Die Worte brachten augenblicklich meine Augen zum Tränen. »W… was?« Sollte das etwa bedeuten, dass …
»Die Menschheit stößt ins All vor.« Rico klang völlig emotionslos, als würde er mir mitteilen, welches Wetter weit oben über der Meeresoberfläche herrschte.
»Sie haben ein Raumschiff gebaut?«
»Eine Rakete«, schränkte er ein. »Ein zerbrechliches Ding, von dem sie hoffen, dass es ihren Mond erreicht.«
Ich schüttelte seinen Arm ab. Die Nachricht gab mir Kraft. Von diesem Punkt der Entwicklung aus trennten die Menschen im wahrsten Sinn des Wortes noch Welten von echten interstellaren Reisen … aber es war ein Anfang, auf den ich bereits lange wartete.
