Kitabı oku: «Sternenfrau Eve», sayfa 2

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„Irgendwie finde ich nicht die richtige für mich“, gab er dann meist zurück, „wer will schon jemanden haben, der ständig unterwegs ist?“

„Ich glaube, du suchst nicht einmal richtig“, sagte Jonas einmal zu ihm, „es sieht aus, als ob du vor etwas davonläufst, nur weiß ich nicht, was das sein sollte?“

David wusste es auch nicht. Dann traf er Annie, rannte förmlich in sie hinein und fühlte sich wie von einem großen Laternenpfahl geschlagen. Der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl war eine Frau? Das musste er ergründen. Spontan beschloss er, sie wiederzusehen. Er ärgerte sich, weil er ihre Verabredung vergessen hatte, wollte er doch so schnell wie möglich wissen, was es mit dieser Frau auf sich hatte. Als er dann am Abend bei ihr war, konnte er nur über sie staunen. Sie war so unbeholfen und stark zugleich. Nach Verlassen der Wohnung hatte er noch den Geruch ihres Parfüms in der Nase und er spürte den Hauch ihrer Haare, die seine Wangen streiften, als er sie küsste.

Am nächsten Tag bestieg er den Flieger nach San Francisco. Eine kleine Independent Production drehte eine Dokumentation über die San Francisco Giants, ihre Geschichte und ihre Spieler und er sollte sie im Stadion verköstigen, da die Interviews längere Zeit in Anspruch nehmen würden. Er machte seine Arbeit sorgfältig, aber er hatte das Gefühl, dass die Zeit viel zu langsam verging. Seine Gedanken waren ständig bei Annie und ein Ende der Arbeit nicht in Sicht.

„Sag mal George, ist hier irgend ein Ende in Sicht?“ maulte David, als schon wieder die Klappe für die Aufnahme einer Filmszene fiel. Immer wieder musste er mit ansehen, wie ein und dieselbe Szene wiederholt wurde. Sicher war er kein Experte in Regie, aber ihm kam es so vor, als würde heute jede Szene genauso aussehen wie die vorherige. Doch der Regisseur fand ständig etwas neues, das ihm nicht gefiel. Das Licht, der Winkel, die Schatten, irgendeine blöde Falte an einer Hose und so standen sie in der brütenden Hitze und sahen ihr Essen langsam aber sicher zu unansehnlichen Klumpen zerschmelzen, die jeden Appetit im Keime erstickten. George zuckte mit den Schultern und verkniff sich lieber jeden Kommentar. Er hatte schon längst bemerkt, dass David noch ganz andere Sachen störten, als hier herumzustehen und ganz sicherlich hatten diese wenig mit ihrer Arbeit zu tun. David war schon oft genug auf Filmsets gewesen um genau zu wissen, dass es manchmal seltsame Gründe gab, warum ein Dreh noch einmal wiederholt werden musste. Da es dem Geschäft aber nicht schadete, im Gegenteil, je mehr Zeit sie am Set verbrachten, desto länger wurden sie ja bezahlt, hatte David bisher noch nie gemault. Schon als sie in San Francisco ankamen, bemerkte George, dass David sich anders verhielt als sonst und es wurde immer schlimmer je länger die ganze Sache dauerte. Er machte einen unkonzentrierten Eindruck und wurde sowohl mit sich selbst als auch mit anderen immer ungeduldiger. George arbeitete nun schon sehr lange mit David zusammen und in all den Jahren hatte George seinen Chef noch nie so erlebt. Da sie auch noch Freunde waren, nahm sich George vor, nach dem heutigen Arbeitsende David bei einem gemeinsamen Drink zu befragen.

David dachte an Annie. Ich will sie so schnell wie möglich wiedersehen. Ich will in ihre Augen schauen und herausfinden, was mich so an ihr fasziniert. Annie! Er konnte nicht verhindern, dass ein kleiner Seufzer seinem Mund entfloh. Ah, dachte George, das klingt eindeutig nach verliebt sein und grinste still vor sich hin. Das ist des Rätsels Lösung. Dieses Seufzen klingt nach: den hat's erwischt! Wer die schöne Unbekannte wohl ist? Für George war klar, dass es eine schöne Frau sein musste. Etwas anderes konnte er sich für seinen Freund nicht vorstellen.

Verflucht, ich will hier weg! Können die nicht endlich Schluss machen? Die werden es doch wohl heute noch schaffen, diese letzte blöde Einstellung hinzubekommen! David grollte mittlerweile innerlich. Er bemerkte weder das Grinsen seines Freundes noch die Hitze im Stadion. Bestimmt denkt sie, ich habe sie vergessen. Ich Idiot habe sie nicht mal angerufen. Sie hat so einen Trottel wie mich gar nicht verdient. Ich darf mich nicht wundern, wenn sie mich nie wiedersehen will. All diese Gedanken liefen zur gleichen Zeit in seinem Kopf herum. Diese neue Erfahrung verwirrte ihn ziemlich.

Endlich fiel auch die letzte Klappe und die Dreharbeiten waren beendet. Sechs Wochen hatten sie nun gedauert. Soviel zu einem schnellem Dreh. Vereinbart waren vier Wochen, doch Regen und der Ausfall zweier Spieler, die sich unbedingt die Köpfe wegen einer Frau einschlagen mussten, verlängerten die Drehzeit. David trieb seine Mitarbeiter an, alles zusammen zu packen. Er wollte so schnell wie möglich weg von hier. Normalerweise hätte er mit George nach Beendigung eines solchen Auftrages noch einen Drink genommen, aber er wusste, wenn er das täte, würde George ihm im Moment noch unangenehme Fragen stellen und er wollte seine Gedanken und Gefühle noch nicht anderen zeigen. Er hatte nur einen Gedanken: ab nach Hause!

„George, bitte kümmere dich um den Rest hier, ich weiß, du kannst das auch ohne mich erledigen. Ich kann einfach nicht mehr“, gab er resignierend zu.

„Kein Problem Boss, ich mach' das schon.“

David hörte nicht mehr zu. Er war schon auf dem Weg zum nächsten Taxi, um in sein Hotel zu fahren. Eine Stunde später saß er im Flieger nach New York. Mitten in der Nacht landete der Flieger auf dem Kennedy Airport und zwanzig Minuten später warf er die Reisetasche auf sein Bett. Er griff zum Telefon und wählte Annies Nummer. Als er ihre Stimme am anderen Ende hörte und die ungehörig späte Zeit bemerkte, verließ ihn der Mut. Schnell legte er auf, ohne ein Wort zu sagen. Müde legte er sich neben seine Reisetasche und schlief unruhig ein.

Für Annie vergingen die Tage nach dem ersten Treffen in ihrer Wohnung wie im Flug, doch je länger sein Anruf auf sich warten ließ, desto sicherer erschien es ihr, dass das ganze nur ein schöner Traum war. Sechs Wochen hatte sie nun nichts mehr von David gehört, sechs unglaublich lange Wochen. Sie glaubte nicht mehr daran, dass er je wieder von sich hören lassen würde und versuchte, ihren Alltagsrhythmus wieder zu finden, doch David hatte einen großen Eindruck hinterlassen. In ihren Träumen nahm er einen nicht unerheblichen Platz ein. Nicht selten schämte sie sich am nächsten Morgen für ihre erotischen Vorstellungen, in denen immer wieder David die Hauptrolle spielte. Doch je mehr Zeit verging, desto mehr verblassten diese Träume und es fiel Annie immer schwerer, das Bild dieses Mannes aufrecht zu erhalten. Mitten in der Nacht klingelt plötzlich das Telefon. Schlaftrunken hebt Annie den Hörer ab.

„Ja, wer da?“, doch am anderen Ende der Leitung bleibt es still. Ehe sie sich versieht, legt der unbekannte Anrufer wieder auf. Fragend betrachtet sie den Hörer. War das David ? Schlaftrunken verblasst der Gedanke schnell und sie schläft wieder ein. Schemenhaft durchstreift er ihre Träume.

Berdik vom Volk der Sondriken ist alt. Er durchstreift den Raum auf der Suche nach alten Dingen, die er in der einen oder anderen großen Station verkaufen kann. Seine langen, viergliedrigen Finger streichen über das Armaturenbrett seines kleinen Raumgleiters, als er in einiger Entfernung ein noch unbekanntes Objekt ortet. Mit einem Teleportstrahl saugt er das Objekt in seinen Laderaum. Mühsam steht er auf, um sich anzusehen, was er eben aufgefischt hat. Seine knochigen Beine sehen im Gegensatz zu seinem massigen Körper aus, als würden sie gleich zerbrechen. Doch die einzelnen Muskelstränge die zwischen den acht Beinen wie Netze wirken, verstärken die Tragfähigkeit. Der Körper ähnelt einem stumpfen, morastigen Wurzelstück. Aus allen Seiten stechen knorrige Äste wie Schläuche in verschiedenen Längen hervor, von denen die meisten schon lange keinen Nutzen mehr haben. Aus den anderen quillt stellenweise eine zähe Flüssigkeit, die dazu dient, den Körper feucht zu halten. Zwei kleinere Arme und zwei etwas größere Arme mit viergliedrigen am Ende leicht verdickten Fingern, sind die einzige Möglichkeit, zu erkennen, wo in etwa der Kopf mit den großen runden Augen sitzt, der übergangslos am Körper anliegt. Die leicht grün-grau verwaschene Farbe der Haut ist typisch für einen Sondriken der Mittelschicht. Sondriken der unteren Schicht haben nur eine Farbe, schlichtes Grau. Sondriken der gehobenen Schicht sind an verschiedenen Blautönen zu erkennen. Nicht, dass dies heute noch besonders wichtig wäre, denn Sondriken gibt es nur noch wenige in der Galaxie. Berdik gehört zu einer aussterbenden Art.

Langsam geht er in den Laderaum, um seine Beute genauer zu betrachten. Ein alter, recht großer Informationswürfel der Perloser steht vor ihm. Da die Perloser schon seit langer Zeit ausgestorben sind und er die Technologie des Würfels für zu alt hält, um damit noch Gewinn zu machen, schiebt er den Würfel zur Ladeluke, um ihn gleich wieder ins All zu befördern. Doch plötzlich beginnt der Würfel leise zu summen. Neugierig drückt Berdik eine kleine Taste, die er in einer Vertiefung im unteren Drittel der ihm zugewandten Seite entdeckt hat. Wie aus dem Nichts erscheint der Kopf eines schwarzen Drachen in einem sehr realistisch anmutendem holografischen Bild neben einer Anzahl von Koordinaten. Als Berdik das System erkennt, wechselt seine Hautfarbe vor Aufregung an einigen Stellen zu einem dunklen Grün.

Noch ein Blick zur Sicherheit, ja, das System ist ohne Zweifel das Kalorkasystem. Dieses ist das ursprüngliche Herkunftssystem der Perloser, die sich nach einer mysteriösen Katastrophe in alle Richtungen zerstreut hatten, um dann endgültig zu verschwinden. Nie hatte ein Perloser erzählt, was denn nun die eigentliche Katastrophe gewesen war und noch nach Tausenden von Jahren rätselte man in der Galaxie, was die Katastrophe verursacht haben könnte. Berdik hatte nun die Lösung dieser Fragen vor sich und er fürchtete die nächsten Fragen, die unvermeidlich auftauchen würden. Er musste seinen Fund unbedingt weitergeben. Gespannt blickte er auf das Hologramm und entdeckte an einer Stelle, dass sich das dargestellte System scheinbar wiederholte. Er konnte damit allerdings nichts anfangen und beschloss, so schnell wie möglich die große Harfenstation anzufliegen. Dort gab es vielleicht jemanden, der wusste, welches Geheimnis sich in dem rätselhaften Hologramm verbarg. Die Zeit drängte.

Blitze der Liebe

Blitze der Liebe

Annie sah die Aufregung vor der Schule und wunderte sich, was dort los sei. Widerwillig drängte sie sich in die vorderste Reihe. Ein langer Konvoi weißer Limousinen und nachfolgender Cateringfahrzeuge stand direkt vor den Toren ihrer Schule. Muskelbepackte Männer in schwarzen Anzügen überwachten das Geschehen auf den Bürgersteigen und hielten mit ihren überheblichen Blicken die Menge zurück, die näher an die schönen, teuren Wagen heran wollte. Annie sah einen rotblonden Schopf inmitten des Treibens und obwohl ihr Herz anfing, heftig zu pochen, überkam sie doch gleichzeitig eine unbändige Wut. Wie konnte er es wagen!? Was sollen denn ihre Schüler von ihr denken!? Am liebsten wäre sie im Erdboden versunken als David aufreizend langsam die Treppe zum Schuleingang hinaufging und mit frech grinsendem Gesicht auf sie zukam. Mit gerötetem Gesicht versuchte sie, an ihm vorbei zu schauen, musste aber feststellen, dass dies alles nur noch schlimmer machte. Sie fühlte die Blicke der Schüler und der dazu gekommenen Lehrer, die das Schauspiel neugierig beobachteten und kam sich vor wie ein Kaninchen in der Falle. Nun sah sie, dass David einen kleinen Blumenstrauß vor sich hielt und offensichtlich tief Luft holte, als er vor ihr zum stehen kam.

„Ich habe Sie nicht vergessen, das war mir gar nicht möglich! Jeden Tag sah ich Ihr Bild vor meinen Augen, sah die Grübchen und die blauen Augen, die mich gerade anschauen, als ob sie mich fressen wollen. Bitte tun Sie es nicht! Lassen Sie mich ausreden, denn das, was ich Ihnen sagen möchte, fällt mir schwer genug!“

Abwartend sah sie ihn an.

„Ich habe Sie vor ein paar Wochen kennengelernt und mich, mag es auch unglaubwürdig klingen, in Sie verliebt. Ich bin hier, um es Ihnen zu sagen. Leider bin ich zur Zeit sehr beschäftigt und muss auch gleich zum nächsten Termin, so gerne ich auch hier und jetzt Zeit mit Ihnen verbringen würde. Ich bitte Sie, mir eine Chance zu geben und Sie bald wieder besuchen zu dürfen. Ich will sie wiedersehen. Darf ich!?“

Während der ganzen Ansprache blickte David ihr intensiv in die Augen und sie fühlte eine Art von Vertrautheit mit diesem Mann in sich aufsteigen, die es ihr leicht machte, seine Bitte zu erfüllen. Sie nahm den kleinen Strauß zarter, roter Rosen, den er ihr hinhielt und bemerkte ein kleines Kästchen, sorgfältig in den Rosenstängeln versteckt.

„Öffnen Sie es später!“, flüsterte er, als er ihren fragenden Blick sah. Verlegen betrachtete sie ihre Füße und nickte stumm, unfähig, auch nur irgendetwas zu sagen. Dann hob sie den Kopf, schaute David fest in die Augen und antwortete mit einem festen: „Ja!“

David schien erleichtert und lächelte. „Ich freue mich und werde bald wieder hier sein.“, versprach er, drehte sich um, lief die Treppe hinunter und stieg in die letzte der Limousinen ein. Der Konvoi setzte sich in Bewegung. Annie konnte nicht recht glauben, was gerade geschehen war. Ihre Freundin Margaret war mittlerweile neben ihr und jauchzte:

„Wow, was für ein Mann. Wo hast du denn den so lange versteckt?“

Annie war wie betäubt. Wie in Trance lenkte ihr Unterbewusstsein sie sicher die Treppe zum Schulgebäude hoch und durch die Eingangstür. Ihr Kopf rauschte, verstärkt durch das Gejohle und Gegröle der Schüler. Er ist in mich verliebt. Er ist in mich verliebt. Er ist in mich verliebt, in mich verliebt. In MICH verliebt. Die Worte wie ein Mantra vor sich hinmurmelnd setzte sie sich im erstbesten Klassenraum auf einen Stuhl und starrte den Strauß an. Nein, das war gerade nicht passiert. Langsam kam Annie wieder zu sich. Vorsichtig löste sie das kleine Kästchen aus den Stängeln und öffnete es vorsichtig. Zwei entzückend filigrane Ohranstecker als fächerförmige Orchideenblüten (Bulbophyllum annandalei), in Gold gefasst mit eingelegten hell-violetten Amethysten lagen auf schwarzem Samt.

„Oh mein Gott, sind die schön!“, rief Margaret, die Annie unbemerkt gefolgt war.

„Ja. Aber ich kann sie doch nicht annehmen.“

„Bist du verrückt? Da kommt ein absoluter Traum von einem Mann daher, erzählt dir vor ihm unbekannten Menschen, dass er in dich verliebt sei, schenkt dir diese ungewöhnlichen Ohrstecker und du willst sie nicht annehmen!? Du musst krank sein, wenn du glaubst, dass ich das auch noch zulasse!“

Annie musste wider Willen schmunzeln, als Margaret sich so aufregte.

„Nun gut, ich behalte sie.“

„Na und ob du sie behältst und wenn ich sie dir persönlich ans Ohr tackern muss!“

Annie bemerkte Margarets empörte Miene und musste lachen.

„Lach mich nur aus! Das wird dich nicht davon erlösen, mir jetzt gefälligst von diesem Mann zu erzählen!“

„Aber ich weiß doch kaum etwas über ihn!“, prustete Annie, „Ich habe ihn nur zwei mal getroffen!“

Annie erzählte Margaret alles, was bei ihren Treffen mit David passiert war und als sie endete, bemerkte sie verwundert, dass Margaret kicherte.

„Was ist denn so komisch?“

„Deine Regengeschichte!“, schmunzelte Margaret. Jetzt mussten sie beide herzhaft lachen. Als sie wieder Luft bekamen, beschlossen sie, die Schule zu verlassen und in das Café um die Ecke zu gehen. Dort redeten sie ausgiebig über die guten Neuigkeiten.

Inzwischen war David mit der Autokolonne unterwegs nach New Jersey zu einem neuen Drehort. Die bekannte Schauspielerin Esther Lerner, die so freundlich war, ihn in ihrem Wagen mitzunehmen, musterte den stillen Mann. Soviel Romantik, wie sie hier gerade erleben durfte, kannte sie sonst nur aus Filmen. Sie war beeindruckt. Sie kannte David schon lange und hatte ihn bereits mit der einen oder anderen Schönheit zusammen gesehen. Doch diese Frau entsprach so gar nicht dem Schönheitsideal, das David normalerweise mochte. Nicht, dass die Frau hässlich gewesen wäre, ganz und gar nicht. Esther gefielen die dunkelblonden Locken der gutgebauten Frau und sie hatte für einen kurzen Moment die blauen Augen bewundern dürfen, in die David bei seiner Ansprache tief versunken war. Sie war älter als die Dummchen, die er sonst ausführte und sie schien intelligent zu sein. Immerhin arbeitete sie als Lehrerin an jener Schule. Esther fand, dass diese Frau ausnehmend gut zu David passte und drückte ihm im Geiste die Daumen, dass alles gut verlaufen würde.

Zwei Wochen später rief David bei Annie an und lud sie zu einem Essen bei sich zu Hause ein. Er würde eine kleine Gesellschaft für gute Freunde geben. Aufgeregt überlegte Annie, was sie anziehen sollte und kam zu dem Schluss, dass sie sich so wenig wie möglich verstellen wollte. Sie entschied sich für eine dunkle Jeans und eine seidige, blaue Bluse, die ihre Augenfarbe betonte. Mit ein wenig Makeup und einer saloppen Bouclé Jacke aus Dupion Seide, die sie sich lässig über die Schulter warf, stieg sie in das eigens für sie bestellte Auto. Auf der Fahrt genoss sie den warmen Wind durch die offenen Fenster des Wagens. Es war ungewöhnlich warm in jenem April, erinnerte sie sich viele Jahre später.

Der Wagen hielt vor einem alten Haus in der Nähe des Central Park und ein Türsteher eilte herbei und ließ sie ein. Dann begleitete er sie zum Hauseingang, um ihr auch dort die Türen zu öffnen. Annie schaute sich kurz in dem Hauseingang um und bemerkte den schönen, gepflegten Marmorboden unter ihren Füßen. Ein kleines Mosaik an der rechten Wand schien einen Pan darzustellen, der gerade seine Flöte blies. Blüten verschiedener Blumen schienen unter seinen Hufen davon zu stieben und eine holde Maid schaute, hinter einem Baum versteckt, dem kleinen Hörnerträger beim spielen zu. Die Treppe und der Empfang, hinter dem ein weiterer Bediensteter stand, waren aus dunklem Holz und glänzten edel. Annie betrat eine andere, für sie neue Welt. Tief beeindruckt grüßte sie den Bediensteten am Empfang.

„Zu David Bentin bitte.“

„Jawohl Madam“, antwortete der Mann und führte sie zum Fahrstuhl um die Ecke. Sie stieg ein, er drückte den Knopf zum fünften Stock und ging zu seinem Platz zurück. Als Annie dem Fahrstuhl entstieg, stand sie im hell erleuchteten Flur zur Penthouse Suite. Leise Musik war hinter der noch verschlossenen Tür zu hören, vor der ein weiterer Bediensteter stand. Hoffentlich hat er mehr Gäste als Bedienstete, dachte Annie, als dieser ihr auch schon die Tür öffnete. Oh, ein waschechter Butler, schoss es ihr durch den Kopf, als ein Mann im vollendeten Smoking auf sie zutrat und nach ihrem Namen fragte.

„Sarah-Ann Wailey“, stammelte sie, etwas aus ihren Gedanken aufgeschreckt.

„Ich werde dem Hausherren Bescheid geben, darf ich schon mal Ihre Jacke an mich nehmen?“

Sie übergab dem Butler ihre Jacke und wartete.

„Ah, ein neues Gesicht!“, rief ein Mann ihr von der Tür aus zu. „Kommen Sie, kommen Sie! Bis dieser stocksteife Ristorn wiederkommt, können wir uns ja schon mal bekannt machen!“

Nur leicht widerstrebend ließ sich Annie von der tiefen Stimme locken, gehörte sie doch Cornell Belt, dem bekannten Schauspieler, den sie schon lange bewunderte.

„Hallo, ich bin Cornell, mit wem habe ich das Vergnügen?“

„Ich bin Annie Wailey und es ist mir eine Freude, Sie kennen zu lernen!“

„Ja klar, das sagen die hübschen Frauen immer, wenn sie mich sehen und am Ende bin ich ein Stückchen ärmer!“

Er grinste sie mit funkelnden braunen Augen über seine kleine runde Brille an.

„Aber keine Sorge, ich mache gerade Brautfangpause!“

„Das ist aber schade!“, gab Annie zurück, „ich dachte gerade kurz nach, ob ich eine kleine Aufbesserung meiner Finanzen gebrauchen könnte. Jetzt muss ich mir wohl ein anderes Opfer suchen. Wüssten Sie jemanden, der passen könnte?“

Mit schmollendem Mund schaute sie Cornell fragend an. Als David an die Tür kam, sah er Annie und Cornell lachend im Eingang stehen.

„Ah David, wo hast du nur diese Frau gefunden? Ich sag' dir was, wenn du nicht aufpasst, schnapp' ich sie dir glatt weg!“

„Du hast doch Brautfangpause, schon vergessen, wie viel dich deine letzte Frau gekostet hat? Komm Annie, dieser alte Lustmolch ist nichts für dich!“

Er zog Annie vom schallend lachenden Cornell weg in ein neben dem Eingang liegendes Zimmer.

„Ich bin so glücklich, dass du gekommen bist. Die zwei Wochen waren eine Ewigkeit für mich Annie.“

Er hob ihren Kopf ein wenig an und gab ihr zärtlich einen Kuss. Annie bekam weiche Knie, als sie vorsichtig den Kuss erwiderte. David wurde nun fordernder und Annie konnte nicht widerstehen, ihre Arme um seinen Nacken zu legen, um in seinen weichen Haaren zu wühlen. Sie waren beide erregt, doch die Vernunft gewann und sie trennten sich schwer atmend.

„Wir müssen zur Party, sonst fragen sich meine Gäste noch, wo ich geblieben bin und suchen mich. Ich glaube, es wäre nicht so gut wenn sie uns hier im stillen Kämmerlein fänden.“

Annie musste tief Luft holen, bevor sie ihm antworten konnte.

„Ja gehen wir!“ Verschmitzt schaute sie ihn von schräg unten an. „Das stille Kämmerlein kann uns im Gegensatz zu deinen Gästen nicht davon laufen.“

David rollte stöhnend mit den Augen und wünschte sich eine kalte Dusche.

„Versprich nicht, was du später nicht halten kannst“, flüsterte er ihr ins Ohr und strich ihr sanft über das Kinn. Annie nickte kurz und drehte sich zur Tür.

„Niemals. Komm, deine Gäste warten!“

Ein sanftes Lächeln begleitete das kurze Aufleuchten der Augen als sie bemerkte, dass David sich nur schwer beherrschen konnte. Außer Ristorn sah niemand die beiden aus dem Zimmer treten und als guter Butler verlor er natürlich kein Wort darüber.

Ristorn verehrte seinen Herrn, obwohl er das natürlich niemals zugegeben hätte. Ein Butler hat seinen Dienst zu tun, Gefühle sind da nicht gefragt. Gleichwohl fiel ihm auf, dass er seinen Herrn noch nie so gesehen hatte, als er ihn nun mit der unbekannten Frau aus dem Zimmer kommen sah. Das strahlende Gesicht und die leuchtenden Augen, die mit verzauberter Zärtlichkeit in das Gesicht der zuletzt gekommenen Besucherin blickten, sprachen Bände. Ristorn erlaubte sich, diese Frau etwas näher zu betrachten und fand, dass sie trotz der etwas unpassenden Jeans recht ansehnlich war. Ihr dunkelblondes Haar fiel weich um ihr ovales Gesicht, ihr sinnlicher Mund und die großen blauen Augen mit den leichten Lachfältchen strahlten anziehend. Die leicht stupsige Nase nahm dem Gesicht die Strenge, die es sonst durch das recht ausgeprägte Kinn vielleicht gehabt hätte. Sie war eine Frau, die wusste, was sie wollte, aber ohne dafür über Leichen gehen zu wollen. Die Augen schauten intelligent, freundlich, manchmal auch ein wenig verträumt. Also so gar nicht der Typ Frau, den David Bentin bisher bevorzugt hatte. Ristorn gefiel, was er sah und er fragte sich insgeheim, ob sein Herr endlich die Frau gefunden hatte, nach der er, Ristorns Ansicht nach, lange und vergeblich unter den falschen Damen gesucht hatte.

Bei den anderen Gästen angekommen, stellte David seine Begleiterin vor. Er sah erfreut, wie Annie sofort und ohne Probleme mit jedem plaudern konnte und war froh, sie in guter Gesellschaft zu wissen, während er sich um das Essen kümmerte. Als David in die Küche ging, sah Jonas Annie und staunte über die unbeschwerte Sicherheit, mit der die neue Flamme seines Bruders mit den vielen berühmten Gästen plaudern konnte. David hatte ihm von Annie erzählt und nun war er natürlich neugierig, welche Frau David dazu brachte, in solch ungewohnter Form zu schwärmen.

„Du mußt sie kennenlernen, ich bin sicher, du wirst sie mögen. Ich habe mich auf den ersten Blick verliebt. Ich fühle mich wie ein Schuljunge und würde am liebsten jeden Tag unter ihrem Fenster ein Ständchen für sie singen!“

David war völlig aus dem Häuschen, als er Jonas von Annie erzählte. Jonas konnte es bald nicht mehr hören, Annie dies, Annie das, selbst Karen versuchte, David aus dem Weg zu gehen, nur um sich seine Schwärmerei nicht mehr anhören zu müssen. Das musste ja eine Wunderfrau sein. Doch als Jonas jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, Annie zu betrachten, konnte er kaum glauben, dass sie diejenige war, von der David redete, als wäre sie die Frau seines Lebens. Das hatte er nun schon zu viele Male getan und immer wieder hatte sich die 'Frau des Lebens' als totaler Flop entpuppt. Ja, Annie war völlig anders und zum ersten Mal glaubte Jonas seinem Bruder. Er wünschte, Karen wäre hier und könnte Annie sehen. Endlich hatte Jonas sich einen Weg durch die Menge gebahnt und lauschte nun dem Gespräch, das Annie gerade mit Esther Lerner führte.

„... und ich denke auch, dass die Kinder mit dem Überangebot, das sie heute durch das Internet bekommen, völlig überfordert sind. So viele Informationen, die zu unserer Kinderzeit gar nicht zur Verfügung standen, darunter jede Menge Infomüll oder noch schlimmer, gezielte bösartige Falschinformationen, überschwemmen nun Gehirne, deren Fähigkeiten dafür noch nicht ausreichen. Ich will damit nicht sagen, dass das Internet schlecht ist, aber es trägt auch sein Teil zur abnehmenden Konzentrationsfähigkeit der Kinder bei. Wenn Schulen das Medium Internet weiterhin nutzen wollen, dann sollte man sich überlegen, wie man den Kindern ein sinnvolles Verarbeiten der darin vorhandenen Informationen näher bringt. Ich gebe meinen Kindern, zum Beispiel bei der Informationsbeschaffung, vor, welche Seiten sie ausschließlich benutzen dürfen. Das gibt ihnen Orientierung und schließt verwirrende Desinformation aus. Bücher sind nicht out und ich versuche, meinen Schülern Liebe zu Büchern zu vermitteln, auch zu ausländischen. Im vergangenen Jahr bin ich mit ihnen 'Nils Holgerssons wundersame Reise' durchgegangen, ein wunderbares Werk, das Selma Lagerlöf über ihr Land und seine Bewohner geschrieben hat. Anfangs haben die Kinder gemurrt, aber als wir das Leben in der damaligen Zeit, das Lagerlöf beschreibt, mit der heutigen Zeit verglichen, wurde doch noch eine spannende Zusammenarbeit daraus.“

Garreth Britt, ein Jungstar aus einer Fernsehserie meldete sich zu Wort.

„Ich habe Nils Holgersson nur als Zeichentrickserie gesehen!“

Annie schmunzelte: „Ich kenne die Serie und habe sie ausschnittweise den Kindern vorgeführt. Obwohl sie für damalige Verhältnisse nett gemacht ist, zeigt sie meiner Meinung nach nur ansatzweise, was Lagerlöf uns in ihrem Buch beschrieben hat.“

„Das klingt, als sollte man das Buch unbedingt gelesen haben“, warf nun Iris Konkin, eine junge, noch unbedeutende Schauspielerin, die gerade ihre erste Rolle ergattert hatte, in die Runde.

„Auf jeden Fall!“, gab Annie zurück, „sofern man sich dafür interessiert, wie Menschen ihr Land erleben.“

Du großer Gott, dachte Jonas, eine Intellektuelle! Das kann ja heiter werden.

„Na ja“, meinte Iris, „es gehört ja irgendwie zu unserem Beruf, sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen, finde ich, aber manchmal ist es schwer, herauszufinden, welche Werke konkrete und korrekte Informationen liefern.“

„Letztendlich ist es gar nicht wichtig, ob die Geschichten, die Schriftsteller einem erzählen, auch wahr sind, denn die Art und Weise, wie sich jemand ausdrückt, sagt dem aufmerksamen Leser bereits sehr viel über die Kultur, aus der dieser stammt. Ein französischer Schriftsteller wird in seinen Büchern durch seine Wortwahl immer auch französische Kultur darstellen, ein irischer würde dieselbe Geschichte auf irische Weise erzählen und so weiter.“

„Hm, so hab' ich das noch nie gesehen, das würde ja bedeuten, dass 'Der Spieler' von Dostojewski ganz anders klingen würde, wenn er zum Beispiel von Emile Ajar erzählt worden wäre.“

„Ja, ganz bestimmt, weil die Herkunft eines Schrifstellers unbewusst und völlig natürlich auch in seinen Texten aufscheint.“

„Was meinen Sie? Ließe sich das auch auf Filme ausweiten?“ fragte nun Esther die sich neugierig geworden zu der Gruppe hinzugesellte.

„Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, aber wenn Sie so fragen, stelle ich mir gerade vor, dass sich das bestimmt auf fast jede Form von Kunst übertragen lässt. Ein gutes Beispiel ist der Film 'Drei Männer und ein Baby'. Das amerikanische Remake hatte einen völlig anderen Charme als das französische Original. Eigentlich beide gleich und doch so anders.“

Annie grinste über das ganze Gesicht. „Sie haben mich gerade auf eine Idee gebracht, das wäre ein hervorragendes Thema für meinen Unterricht. Damit könnte ich leicht ein ganzes Schuljahr füllen!“

„Oh, was unterrichten Sie denn?“, fragte Iris.

„Sozialkunde und Kunst“, erklärte Annie und stimmte in das ausbrechende Gelächter ihrer Zuhörer ein.

„Da haben wir ja was angerichtet!“, prustete Garreth, „sagen sie den Kleinen bloß nicht, dass sie die Idee von uns haben. Die schauen sich schon aus Protest nie wieder einen Film von uns an!“

„Oh doch, wenn ich Sie als Thema aufgebe, schon!“, schmunzelte Annie.

Nun musste auch Jonas in das Gelächter einstimmen. Er empfand Annie als erfrischend und als entschieden zu gut für seinen lausigen Bruder, der viel zu lange gebraucht hatte, um diese Frau zu finden. Er begab sich in die Küche zu David und fand ihn in einer alten Kochschürze vor dem Anrichtetisch, fein säuberlich frische Garnelen auf Teller legend. Die Schürze kannte er doch? Sie erinnerte ihn an Weihnachtsgans und geröstete Kastanien, an graues Haar, streng zu einem Dutt gebunden und an zärtlich geschwungene Kochlöffel, die auf ihre Hände sausten, wenn er und seine Geschwister die Finger mal wieder zu tief zum naschen in die Schüsseln gesteckt hatten, verbunden mit der leicht strengen, aber immer auch lächelnd hervorgebrachten Mahnung, dass sie sich durch zu häufiges naschen den Magen verderben würden. Es war eindeutig Großmutters Schürze. Wo hatte er die denn ausgegraben? David sah den leicht irritiert dreinblickenden Bruder mit fragenden Augen an.

„Na, soll ich dir eine Schüssel zum naschen hinstellen?“ Jonas ging nicht auf das verlockende Angebot ein.

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