Kitabı oku: «Ja, so ist das Leben, eben.», sayfa 6

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Nächste Woche auf dem Übungsplan fünfunddreißig Kilometer Marsch. Endlich etwas Neues.

Sieben Uhr Standeskontrolle, volle Gefechtsadjustierung, anschließend sofort Abmarsch. Ich hatte meine Feldflasche nicht voll gefüllt (Gewichtsreduktion), durfte sie im Laufschritt auffüllen, zehn Liegestütze mit Stahlhelm. Gewehr vor die Brust, im Ortsgebiet geschultert. Ich hielt mich nicht daran, am Rücken das Sturmgepäck, das Gewehr vorne, als Gegengewicht. Unsere Jagdkommandosoldaten sagten nichts, dachten sich vermutlich „Schlaues Kerlchen“. Es ging auf die „Hohe Wand“, mit den“ Strapatzschuhen „ ohne Profil. Immer Bergstiefel, heute Leitern, Klettersteig mit den Märchenschuhen. Idioten.

Ich hielt mich streng an den Schritt des Vordermannes und schaltete das Gehirn ab. Es meldete sich auf halber Strecke zurück, die raue Innennaht scheuerte sogar durch die dicken Bundesheersocken. Mittags zog ich die Schuhe, Socken aus und sofort wieder an. Zwei riesige Blasen an der Ferse. Wer sich nicht zum Arzt meldete, konnte Freitag nach Dienst nach Hause. (FnD). Also Hirn abschalten und ich weiß nicht wie, zurück marschieren. Freitag, nächster Tag, meldeten sich viele zum Sanitätsarzt in der vier Kilometer entfernten Panzerkaserne. Sie hatten schon verloren.

Ich erschien zur Standeskontrolle mit den schwarzen Semperitturnpatschen, darüber die Gamaschen. Wie der Kasernenkommandant das sehen konnte ist ein Rätsel. „Turnschuhe ausziehen!“ Als er meine Blasen erblickte, ehrfürchtig: “Führt´s eahm noch, in die „Sani“. Einzeltransport im GMC. Auch für den Stabsarzt war ich etwas Besonderes. Blasen aufgeschnitten, jetzt konnte ich nur noch auf Zehen gehen.

„Kann ich z´haus fahren?“ „Nein, sie rennen ja gleich in die Disco!“ Kurze Disposition meinerseits: „Ich bleib´das ganze Wochenende bei meiner Freundin zuhause.

Ich hatte keine Freundin. Wo sind die Mädchen – DISCO.

Am Sonntag trafen sich mein Freund Walter und ich an der Schnellbahnstation Rennweg. Eineinhalb Stunden zurück in die geliebte Kaserne. Zwanzig Minuten Fußmarsch. Um Zwölf in den Federn, bzw. Decken.

Nächster Tag Standeskontrolle. Wir hatten die Ehre des Flaggenhissens. Auf Kommando vortreten, Walter entrollte die Fahne, ich klinkte sie ein und zog sie hoch. Üblicherweise. Walter entrollte, ich trat einen Schritt vor, trat versehentlich mit den „Berghammerln“ auf das Weiße unserer Nationale. Nichts anmerken lassen. Fahne hochziehen, leider mit ausgeprägtem Stiefelabdruck. Unser „Spieß“ (Kasernenkommandant, Vizeleutnant) hatte denselben Farbton im Gesicht wie die Fahne.

Selbstverständlich ab zum „Befohlenem“.

Vizeleutnant, höher darf er nicht ohne Matura, Ende der Fahnenstange, einfaches Gemüt. Kurz ein Trottel. Einem Deppen fällt auch kein Bestrafungsgrund ein, ich beteuerte meine Unschuld.

Um aus uns Muttersöhnchen doch noch richtige Männer zu machen setzten sie einen fünfundvierzig Kilometermarsch rund um die Hohe Wand an. Dieses Mal mit Bergstiefel. Ich kannte meine Fußschwachstellen ja schon, gewissenhaft verklebte ich sie mit Heftpflaster. Proffesionell.

Ich klinkte mich sofort in den Schritt meines Vordermannes ein und schaltete das Gehirn wieder einmal aus. An der ersten längeren Steigung begannen die ersten zu fluchen: „ Dauernd im gleichen Schritt, da wird ma jo de depat!“ Mir wurscht. Zwanzig Minuten Mittagspause. Sofort weiter. Meine Kondition war perfekt, ich meinte eine hundertjährige Eiche ausreißen zu können. ( Oder einen Gummibaum). Zehn Kilometer vor Marschende stand plötzlich unser GMC um die“ Verwundeten“ nach eingehender Prüfung einzuladen. Seltsamerweise durften auch die im Waschraum am Morgen angetroffenen mitfahren. Ich machte Grundsätzlich zuerst das Bett um dem Trubel zu entkommen. Von dieser Aktion hatte ich gar nichts mitbekommen. Also weiter Richtung Kaserne. Manche spätere Jagdkommandosoldaten phantasierten leicht, Gerhard T. hatte einen „Wolf“ (Innenschenkel aufgerieben) und ging wie John Wayne im Delirium. Ich schnappte mir sein Gewehr zusätzlich, doch die meisten konnten nicht mehr und blieben zurück. Hundert Meter vor der Kaserne meinte unser „Rambo“: „ Schaut´s eichas au, de Bochanan, Gewehr am Schwerpunkt erfassen! Zurück um die Woamen umadum und retour!“ Das motivierte unsere Homos. Kollektivstrafe pur.

In der Kaserne: „Bringt´s eichere Sochn in Urdnung, dann könnt´s furtgeh. Haha.

Walter und ich waren nach zehn Minuten frisch gestylt. Im Bus Richtung Innenstadt erblickten wir ein Plakat- Waterloo und Robinson LIVE. Unter unserer Würde, aber vielleicht sind ein paar Mädchen anwesend. Vor dem Konzert musste ich pinkeln und traf einen kleinen, langhaarigen Typen mit aufgezwirbelten Schnurrbart: „ Weißt du wo´s Häusl is? Wann fangen die „Kommerzler“ eigentlich an?“ Ich erkannte ihn nicht, aber Robinson gab freundlich Auskunft.

Sensation im Foyer. Ein Mädcheninternat geschlossen angetreten. Mindestens fünfhundert Mädels. Wir zahlenmäßig weit unterlegen (ca. fünf Bundesheerler), mussten uns, unserer Haut wehren. Es gelang uns auch bestens. Wir quatschen mit mindestens zehn Mädchen, dann plötzlich der Abmarschbefehl. Sie formierten sich und zogen geschlossen ab.

Ich dachte mir:“ So blöd wie wir, kann man doch gar nicht sein, wenn ich das später einmal erzähle, glaubt´s mir kein Hund. Stimmt.

Unsere Kaserne musste natürlich auch bewacht werden. Es könnte ja einer von uns gestohlen werden. Da wir nur so wenige Wehrmänner waren, konnten wir keinen KVT (Korporal vom Tag, schieben. Dazu braucht man zwei. Supergeistesblitz unseres Häuptlings, einer allein bewacht die Kaserne, ein Journaldienst.

Sonntagabend hatte ich die Ehre. Nachmittags knotzten mein Freund Walter und ich noch im Gartenbaukino am Ring. Der damalige Superschocker – „Der Exorzist“. Schocker-Blödsinn, dachte ich mir und setzte mich vollkommen unvoreingenommen in den weichen Kinosessel. Das war ein Fehler. Als die Lichter angingen, hatte ich Schwierigkeiten mit dem Aufstehen.

Heute lachen die kleinen Kinder beim „Kettensägenmassaker“ etc., dafür weinen sie bei einem schwarz-weiß, Zeichentrickfilm. Unter heiterem Ablenkungslachen zurück in die Kaserne.

Pünktlich trat ich meinen Dienst an. Leicht high, denn ich hatte mangels anderer Gelegenheit, drei Esslöffel Instant-Kaffee geschluckt. Das einzige Laster dem ich nie frönte – Kaffee, ich habe bis heute (fast) keinen einzigen „kleinen Braunen“ getrunken.

Alleine in der Kaserne, stockdunkel, draußen ein veritabler Sturm. Ich schnappte mir ein Buch und legte die Füße auf den Tisch. In Gedanken versunken, drückte der Wind plötzlich die Eingangstüre auf, die Deckenlampe pendelte wie wild. Mich hätte es vor Schreck beinahe vom Sessel gehaut. Koffein, Exorzist und Sturm waren etwas viel für meine Nerven. Schnell schloss ich die Türe.

Ein Ziegelstein zur Sicherung. Die Zeit verging sehr langsam und der Inhalt des Buches wurde mir immer fremder.

Um zwölf Uhr die Außentore schließen. Ich war sehr schnell.

Nächster Tag, normaler Dienst, kofern bis zum Umfallen. Nachts konnte ich nicht einschlafen. Coffeintrauma.

Eigentlich war ich schon als kleiner Junge ein Bundesheerfan. Stammgast im Heeresgeschichtlichen Museum, Bundesheerillustrierteabonnent, überlegte sogar mich zur UNO nach Zypern zu melden. Doch mit diesem Kaderpersonal, großteils Grenzdebile? Ehrensache war natürlich beim Leistungstest zu zeigen „wo der Bartl den Most herholt“.

Erste Station, Klimmzüge, freihängend. Ein blades Unteroffizierarschloch mitfühlend:“ Soll ich dich raufheben?“ Er staunte etwas als ich aus dem Stand raufsprang. Er ließ mich ca. sieben Stück machen, dann meinte er: “Affengriff!“ „Was?“

„Na, Handflächen nach vorne!“ Auch kein Problem, ich änderte die Handstellung noch an der Reckstange und war zehn Stück besser als der Zweite. Klappmesser, Liegestütze – volle Wäsch`.

Als letztes, sechs Stadionrunden laufen, umzingelt von Topleistungssportlern.

Ein Typ, etwas kleiner als ich, ich denke er hieß Nurmi, hängte uns alle ab, Leichtathleten, Karatekämpfer, Radrennfahrer, meine Wenigkeit.

So belegte ich leider nur Platz zwei.

In der Hackordnung aber eine gute Ausgangsbasis.

Die Grundausbildung ging Gott sei Dank zu Ende. Letzte Übung, ein Nachtkommando auf die im Wald vor uns „campenden“ Wiener Kameraden. Gardesoldaten, die Elite des Militärs, für uns Nichtskönner, „Gewehrpracker“. Das erste Mal ohne Sturmgepäck, wir hatten sogar Freude daran uns wie „Rambolino“ die Kriegsbemalung anzulegen. Zwei Stunden beobachteten wir die Elitedeppen, kurz nach Mitternacht krochen wir durch ihre Schlafposten und schossen ihnen mit Sturmgewehren plus zwei MGs direkt in das Zelt.

Ich denke die meisten sind heute noch blind.

Da es unsere Kommandeure es den Weanern es so richtig gezeigt hatten, durften wir am letzten Tag den Truppenübungsplatz säubern, ich verzog mich in ein Gebüsch und dachte an die Nichtdabeigewesenen Wehrmachtskritiker. Sogar aus uns hatten sie innerhalb weniger Wochen, stolze Vaterlandsverteidiger gemacht. Mein Resümee, stolz auf die sportliche Leistung, aber im Ernstfall könnt´s mich zeitgerecht am Arsch lecken.

Mein Freund Walter blieb in Wiener Neustadt, ich wollte auch, doch die Verteilerliste war bereits geschrieben. Umg´schrieben wird nichts.

Wiener HSNS Lkw´s holten uns ab. Maria Theresienkaserne. Hier erklärt sich, weshalb die meisten das Bundesheer als verlorene Zeit betrachten. Standeskontrolle im“ grauen Jogging Anzug“. Vor mir ein Typ, ich glaub´s nicht, ein Typ mit schulterlangen Haar, mit Gummiband als Pferdeschwanz getarnt. Schwanz im Kragen des Joggers versteckt. Ansprache hält ein Major Herzog, schon damals ein ziemlich hohes Viech. Aus den hinteren Reihen, undefinierbar aber laut:“ Herr Major, sie Noaa!“ Alle haben es gehört nur der Narr nicht. Morgentraining, laufen um die Kaserne auf Kopfsteinpflaster. Nicht alle. Elitesportler im Heereseigentum erscheinen gar nicht, andere schlendern entspannt zur Kantine. Während des Laufens, erblicke ich einige Radfahrer im eleganten Werberadfahrerkostüm, die eben das Tor der Kaserne passieren. Ich habe sie nie wieder gesehen. Waren vermutlich zur „Tour de France“ unterwegs. Grüßen egal, nicht einmal einen General. Die unteren Chargen, die schon, Wachtmeister - Oberwachtmeister, da flogen die Fetzen.

Ich saß alleine in einem Riesenbüro und meine Aufgabe war es, meinen Vizeleutnant, falls wichtig, aus dem Offizierskasino zu holen. Die Gelegenheit für eine Versetzung nach Wiener Neustadt schien mir günstig als der Neustadt-Junge, der ja nach Wien wollte, mit seinem Chef in unserer Kaserne weilte. Ich ging sofort zum „Bittraport“:“ Ich hab´ solche Troubles mit meinem Vater, könnt ich nicht zurück nach Neustadt?“ Lässiger Konter des Kommandanten: “ Brauchs´t net z´haus geh, schiabst hoit Dienst jedes Wochenende.“ Mit mir nicht: „Der andere Kamerad möchte aber nach Wien, seine Mutter soll so schwer krank sein.“ „Nau guat, mocht´s an Test, zehn Minuten Schreibmaschinenabschrift. “Ich schrieb maximal drei Sätze. Mit zehn Fehlern.

Spieß:“ Se san da bessere.“ Mein Kamerad muss grenzdebil gewesen sein.

Die kranke Mutter überzeugte schließlich und ich bekam eine Liste wo ich mich überall zu verabschieden hatte. Unglaublich, einen halben Tag kostete mich die Bundesheerbürokratie. Selbst beim Stabsarzt musste ich mich abmelden, der meinte: „ Nach Wiener Neustadt wollen sie zurück? Haben sie einen psychischen Schaden?“

Kurz vor Dienstschluss rückte ich in Wiener Neustadt ein. „Melde mich zum Dienst!“ „Aha,…nehman´s ina irgend a Zimma.“ Die Flugfeldkaserne, eigentlich eine große Villa, stand fast leer. Mein Freund Walter und ich entschieden uns für ein geräumiges Zehnbettzimmer, zu Hause hatte ich kein eigens Zimmer, die erste Lebenssituationsverbesserung. Dienstzugeteilt wurde ich Vizeleutnant M., einer Südtiroler Luis Trenkerkopie mit „Bergbauernschmäh“. Der Typ war sagenhaft. Weiße kurze Haare, sonnengegerbtes Gesicht. Die Telefonistin der Kaserne unterbrach aus Eifersucht die Gespräche mit seiner Frau. Ziemlich ausgefuchst der Bursche. Um ein Uhr Mittag unterbrach ich seine Mittagssiesta mit dem üblichen „Melde mich zum Dienst“. Verschlafen, aber im Befehlston kam zurück: „Kaf ma wos o!“ Er hatte seine zahlreichen Schätze auf einer Militärdecke ausgebreitet. Ich „kafte“ im eine Feldflasche aus dem zweiten Weltkrieg (die heute noch in Verwendung ist) und einen topmodernen Rollkragenpullover, Schlappkragenversion ab. Die Feldflasche ein gute Geschäft, der Rollkragen kehrte jedoch nach Pflege in seine ursprüngliche Form zurück. Der „Saubauch“ hatte ihn vermutlich ein Jahr getragen und dann verscherbelt. Doch dem Luis konnte man nicht böse sein, zumal er andere Unteroffiziere die mir etwas befehlen wollten, zur Sau machte.

Er drehte sich grundsätzlich nach den Verkaufsverhandlungen noch einmal um und schlief bis zwei Uhr. Als eine Fallschirmtaschenanlieferung erfolgte, war er aber sofort hellwach, im nicht erst gemeinten Befehlston: „Zählen, wenn´s mehr sind bei mir abliefern!“ Einhundert Stück laut Lieferschein, echt einhundertzwei. Meine Tasche brachte ich sofort in Sicherheit und meldete ein Stück zu viel. „So ane wollt´i scho immer,

schad´das für dich keine dabei ist.“

So freuten wir uns beide. Reisetasche und Feldflasche sind Unikate, unzerstörbar und in Verwendung.

Nächsten Tag war seine Freude etwas getrübt, er erschien mit einer Riesenbeule am Hirn: „Stell dir vor, ich kauf mir einen Liter Milch (damals in Glasflasche), trink während der Autofahrt und stell´s da auf´n Boden. Der Arsch vor mir bremst, ich greif auf die Flasche, Satzaussage Auto hin.“ Er beobachtet genau meine Mundwinkel. Endlich der Befehl: „Nau, loch scho!“

Er nahm es ziemlich locker, war vermutlich kein Armer. Frühstückspension im Grödnertal, oder so.

Hauptberuflich war ich Hüter des Fallschirmmagazines. Ich entwirrte

Fallschirmleinen und übte mit den Sprunginstrumenten „Luftanhalten“.

Übung macht den Meister, nach einiger Zeit zeigte die Stoppuhr zwei Minuten, wobei ich allerdings mit blauem Gesicht „Purzelbäume“ über die Fallschirme schlug.

Für nächsten Tag war ein „Skivan“, eine mittlere Transportmaschine angekündigt. Die konnte die ganze Mannschaft aufnehmen, dazu benötigten sie allerdings einen Fahrer, der die benutzten Fallschirme einsammelte und die neuen übergab. Ein uralter orangefarbener Opel, den man mit dem Zigarettenanzünder startete war das Fahrzeug. Da ich nach dem Militär den Führerschein machen wollte, kam mir das sehr gelegen. Trotzdem erwähnte ich keinen Führerschein zu besitzen. „Wurscht, des is Privatgrund, Zigarettenanzünder drehen, starten, Erste, Zweite, Dritte, kann ein jeder Trottel.

Die Skyvan schraubte sich in den Himmel, es wurden Windmessstreifen abgeworfen, ein Metallstab mit bunter Papierfahne. Ich dachte schade um die Streifen und startete den Boliden. Ich legte das Ding auf den Rücksitz, das war dem Oldtimer zu viel, der Motor starb ab. Leichte Panik, erfolglose Startversuche. Die Fallschirmspringer schwebten zu Boden, ebenso der Transporter. Auf dem Flugfeld veranstaltete die Mannschaft einen „Veitstanz“. Die gelandete Skyvan verbrauchte in der Minute Sprit wie fünfzehn Chevrolets. Als ich freundlich zurück winkte, fasste sich einer ein Herz und sprintete einen halben Kilometer zu meinem Fahrzeug. „Gaspedal durchtreten und starten! Das hat Folgen!“

Schuldbewusst erklärte ich ihm:“ Ich hab´s ja gesagt, ich habe keinen Führerschein.“

Nachschulung. Jeden Abend, nach Dienstschluss zog ein oranger Opel im Raylleytempo am Flugfeld seine Runden.

Das Bundesheerleben in Wiener Neustadt war relativ abwechslungsreich, keine Tristesse wie in Wien. Neue Erlebnisse waren an der Tagesordnung. Als unsere späteren Militärweltmeister mit dem Hoover abheben wollten, fragte ich kurz an, ob ich mitfliegen dürfe. Der Eine: „Nein, ist verboten.“ Der Andere: “Hupf eine!“ Der achthundert Meter Absprung der Beiden ließ mich etwas ratlos zurück. „ Wärs´t jetzt gesprungen oder nicht?“ Eigentlich egal, die Kameraden hinter dir, treten dich sowieso hinaus. Die zwei Unteroffiziere sprangen natürlich manuell (keine automatische Reißleine, sie ziehen die Reißleine händisch), Relativspringen mit Figuren etc. Auf die Frage, warum heißt das eigentlich Relativspringen, Antwort: „ Weil da relativ viel passieren kann, ha.“

Es gibt aber auch Relativhelicopterfliegen. Der eine Pilot meinte: „Mach die Türe zu.“ Der andere flog eine Rechtskurve. Ich um ein Haar aus dem Helicopter. Ich konnte mich gerade noch an der Türe abstützen und genoss den Ausblick auf einen sehr kleinen Flugplatz. Hätte es mich da rausg´haut meine Mutter hätte mich im Sandküberl identifizieren müssen.

Die Piloten perlweiß unter ihrem Helmen: „Hinsetzen, Hinsetzen!“ Das hätte das Ende ihrer Karriere bedeutet, meiner sowieso.

Aber sie entschuldigten sich bei mir.

Abwechslung garantiert. Ich hatte einen Wochenenddienst ausgefaßt. Herrliches Sprungwetter, unsere Vaterlandsbeschützer trainierten, im auf Bundesheergrund gelegen Aero-Club. Im Dienst auf Staatskosten hüpfen, am Wochenende im Club. Das ist Dienstauffassung. Ich hatte Jacke, Stiefel, etc. ausgezogen und beobachtete interessiert den Flugbetrieb. Überfallartig kletterten plötzlich einige Polizisten, Sanitäter, Feuerwehrleute über unseren Zaun. „Hier ist ein Flugzeug abgestürzt!“ Ich entgegnete: „Na, geh´ns.“ Als aber kurz darauf unser Oberstabswachtmeister auftauchte, mich kurz abmahnte, “Wos is des für a Adjustierung!“ – aber offensichtlich andere Sorgen hatte, bestiegen wir die Einsatzfahrzeuge und rauschten zum imaginären Flugzeug.

Unglaublich, da lag sie, auf dem „Rücken“ wie eine entgleiste Schildkröte. Der Pilot hatte zu spät aufgesetzt, (am größten Naturflughafen Europas), und war über den Schützengraben am Ende des Flugfeldes gefahren. Da er keine gröberen Verletzungen aufwies, konnte ich ein mitleidiges Lächeln nicht verbergen. Allerdings wurde mir bewusst, dass ich noch immer keine Stiefel anhatte. Jeder gab dem Anderen die Schuld und ich verdrückte mich unauffällig, adjustierte mich nach Heeresvorschrift und legte mir einen „is eh nix passiert“, Gesichtsausdruck zu.

Nachdem die ganze Meute wieder abgezogen war, kehrte wieder der einsame Dienstalltag ein. Ich borgte mir von einem Tiroler Korporalskameraden seine Parka aus, ohne Hemd ohne Mütze, ließ ich die Kaserne im Stich und ging einkaufen. Ich verspeiste meine Wurstsemmeln und sinnierte über die weiteren Aktivitäten. Da die Universalschlüssel sicherheitshalber unter der Türmatte verwahrt wurden, durchstöberte ich die ganze Kaserne. In der Unterkunft unseres Hauptmannes probierte ich sein rotes, polnisches Fallschirmjägerbarret und widmete mich seinen Playboymagazinen. Zu fortgeschrittener Stunde kontrollierte ich mit seinem Zeiss-Fernglas, ob sich irgendwo ein OVT (Offizier vom Tag), blicken ließ. Diese Arschlöcher saufen sich zuerst im Kasino einen an, schikanieren dann die Fahrbereitschaft und anschließend die Wehrmänner. Tatsächlich kam der Depp im riesigen LKW angefahren. Ich lief in meine Stellung sperrte alles ab und ließ ihn erst einmal zehn Minuten klingeln. Wir hatten ja aus Personalmangel nur einen Journaldienst mit eigener Dienstanweisung. Z.b. Essen, Trinken, der Gebrauch von Genussmittel (Rauchen) erlaubt, Alkohol verboten. Nach der Aufheizphase ließ ich ihn herein, machte zackig Meldung und verwies auf die Dienstvorschrift. Er nuschelte: „Essen, Rauchen Saufen, ollas erlaubt?! Do geh i!“ Richtig lesen wäre auch erlaubt gewesen.

Selbstverständlich fuhren unsere Vaterlandverteidiger auch auf Staatskosten zu den Militärfallschirmweltmeisterschaften. Nach Szolnok, Ungarn, gut sie wurden Weltmeister, hatten sie doch beste Trainingsbedingungen. Natürlich waren sie auch im Feiern Weltmeister. Ein mir völlig unbekannter Reservistenspringer, namens Udo Proksch (der Luconaversenker) schmiss die Party. Lachs, Kaviar, Champagner, der gerissene Typ wusste wie man sich beliebt macht. Nach kurzer Zeit waren die meisten durch übermäßigen Dimple-Whiskygenuß außer Gefecht gesetzt. Wir beschlossen mitzufeiern und klauten einige Demel Torten, auch eigens gestylte Szolnok WM Zigaretten, zur Erinnerung. Einige Jahre Später, mangels eigener Tschik zu Hause, musste ich sie leider meucheln. Man kann über den Udo sagen was man will, ein spendables, angeberisches Arschloch war er schon.

Der Sommer heizte Wiener Neustadt, oft der Hitzepol Österreichs, ganz schön ein. Die Verlautbarung, dass wir am Neufeldersee einen Stützpunkt unterhielten kam mir gerade recht. Der Seedienst schloss ein Wochenende mit ein, keiner wollte, ich schon. Erhöhtes Tagegeld, ich beschloss Urlaub zu machen. Freitagabend kutschierte mich unser Hauptmann mit seinem privat PKW(!) an den Neufeldersee. Zu Urlaubsbeginn durfte ich gleich einmal zwei Taucherpressluftflaschen schleppen. Doch der Stützpunkt, eine Kleine nur durch einen Steg erreichbare Insel, war privilegiert.

Unser Überlebenskampf ausgebildeter Jagdkommando- Hauptmann erteilte mir den Befehl, ein Stück „Maschendrahtzaun“ zu requirieren. In der Zwischenzeit fing er am seichten Kiesstrand kleine Krebse. Lebend auf dem Maschendrahtzaun, über dem Holzkohlelagerfeuer wurden sie rot vor Zorn. Die Einladung zum Menü konnte ich nicht abschlagen, Gott sei Dank nur ein Fingernagel Krebsfleisch durch eine besondere „Technik“ ausgelöst. Viel Zitrone. Gott sei Dank schon vorher gegessen. Als „Nachspeise“ soff er eine Flasche Whisky,

voll auf harter Jagdkommandosoldat. Kann ich heute auch, leider weiß ich wie blöd man danach aussieht.

Nächster Tag, Samstag, immens heiß, die Liegeflächen für normal Sterbliche doppelt besetzt. Am Wochenende zu zweit, mein Freund Walter und ich hatten die Aufgabe unsere Insel, besetzt durch einige Unteroffiziere, zu verteidigen. Jeder wurde beinhart ins „Meer“ zurückgeworfen. Als sich ein Schlauchboot mit drei ca. siebzehnjährigen Mädchen näherte, dachte ich kurz über Befehlsverweigerung nach. Ich beschloss einen jungen Unteroffizier um Rat zu fragen: „ Da sind Drei, die möchten zu uns auf die Insel, wir haben doch genug Platz.“ „Nix!“ Nach kurzer Kopfdrehung, sprang er auf und geleitete die Damen auf „unsere“ Insel.

Wie das Leben immer gleich spielt, war die „Netteste“ auch die mir „Zutraulichste“.

Sie beschlossen ihre Eltern zu fragen, ob sie am Abend mit uns etwas „unternehmen“ dürften. Knapp bevor wir Ihren Wohnwagen erreichten, kam uns ein älterer, Gutgebauter Herr entgegen, knallte ihr eine: „Und Marsch!“

Vermutlich ihr Vater. Präsenzdiener hatten hier augenscheinlich kein gutes Ansehen.

Den Rest der Woche, jeden Tag ein Schnitzel mit Kartoffelsalat, dank erhöhtem Sold, Sonne liegen, Nichtstun. Eigentlich sollte ich, unter anderem, unsere Rettungszillen bewachen. War mir aber zu blöd, die Kinder rissen die Verankerungskette ab und die Zille trieb beschaulich am See. Also, diese Rockerbanden in der Nacht!

Nachdem ich sämtliche Unteroffiziere beim Weittauchen deklassiert hatte, außer einem Hauptmann Dvorak, der den Weltrekord im Eistieftauchen innehatte, beschloss ich mir die Pressluftflaschen näher zu betrachten. Nach kurzer Landerprobung, überlegte ich: „Alleine da unten? Bist du sicher, dass du wieder raufkomms´t?“ Nau guat, dann net. Ich ließ es mir lieber weiter gut gehen, Urlaub eben.

Sonntag in Wien, braungebrannt, studierte ich in der Gratiskrone die Meldung – Zwei Tote bei Badeunfällen am Neufeldersee! Montag erstattete ich Meldung: „Keine besonderen Vorkommnisse.“

Der Jagdkommandogrundkurs rückte bei uns ein. Ziemlich geschlaucht die Burschen, nach achtzehn Wochen Ausbildung. Als Zuckerl, die letzten vierzehn Tage – Fallschirmsprungausbildung. Die Boys betrachteten uns als ein Teil des Kaderpersonals respektvoll. Als ich einem Teilnehmer, einen im Waschraum vergessenen Goldsiegelring zurückbrachte, verehrten sie mich. Einen echt antiken Nassrasierer behielt ich, bin ja nicht ihr Kindermädchen. Am Übungssprungturm ließ sich erkennen, wer ein tapferer Soldat war. Anschließend Fallschirmpacken für den ersten Absprung. Ich beobachtete einen besonders „Tapferen“. Alle übrigen hielten die Packschritte ein, ließen es sich auf dem Packschein bestätigen. Jener Held machte ein paar „Kraxen“ auf seinen Packschein, rollte den Schirm ohne Leinen zu entwirren einfach ein und stopfte ihn in die Fallschirmtasche. Ich meinte zu ihm: “Bist sicher das der aufgeht?“ „Die Reißleine zieht ihn e´raus.“

So long, Ranger. Der Schirm ging tatsächlich auf. Aber es war interessant zu beobachten.

Die nächsten Tage erfuhr ich einiges bezüglich der Werte von Heeresvorschriften. Ein Sprungschüler war kurzsichtig, jedoch mit Kontaktlinsen. Der Heeresarzt: „Absolutes Sprungverbot!“

Nächsten Tag liefen die Telefone heiß, plus unser Kommandant. Ein General, Minister etc., nach dem anderen rief an. Der „Spieß“ salutierte sogar am Telefon. Fazit – gegen Revers durfte das Protektionskind hüpfen.

Wenn die ganze „Schleiferei“ umsonst gewesen wäre, ich wäre mit allen seinen nachfolgenden Taten einverstanden gewesen. Stabsarzt umbringen, Kasernen sprengen etc.

Ein ganz schlauer Unteroffizier hatte die Idee, das Sprungübungsgelände neu einzuzäunen. Wozu hat man schließlich junge, kräftige Männer, die Betonsteher zuerst ausgraben, dann mit einem Stahlseil und LKW rausreißen können. Mir war von Anfang nicht wohl bei diesem Unternehmen. Wir hatten den zwanzigsten Betonsteher ausgegraben, befestigten das Stahlseil und gaben das Kommando.

Der GMC riss an und das Seil ab. Es zischte einen Meter neben meinem Kopf vorbei und schlug in die Plane des LKW´s ein, zerschnitt Holzaufbau und Metallteile wie Papier. Das Unternehmen wurde sofort abgebrochen und natürlich vertuscht. Wir durften zurück in die Kaserne, zur Beruhigung der Nerven. Ich betrachtete eingehend meinen Kopf im Spiegel.

Das Jagdkommando zog ab, Sportler kamen und gingen. Eine Leichtathletikstaffel aus Ghana lief grundsätzlich nur nackt in der Kaserne herum. Vermutlich waren sie es von zu Hause gewöhnt, oder sie wollten mit ihren Negerschwänzen „einedrahn“. Sie hatten die Rechnung ohne unseren Wachtmeister gemacht. Der hatte nämlich echt ein Riesengerät. Jedes Mal wenn sich die Schwarzen im Waschraum aufhielten, kam auch er angetrabt, hellweiß, nackt, das Handtuch lässig über die Schulter.

Ich glaub ich bin ein leichter Rassist.

Die Nächsten zur Grundausbildung rückten ein. Einige eingeschüchtert, andere überheblich. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen. Irgendwie freuten wir uns, dass ihnen in Kürze „der Oasch aufgriß´n wird“. Doch vor einigen Tagen war ein Grundwehrdiener (Wandel) in der Lobau zu Tode geschliffen worden. Offiziell Herzinfarkt. Mit achtzehn. (Das war der Auslöser der Diagnosestraßen, erspart so Manchen Rekruten bis heute einiges.) Unsere Kommandanten lasen kopfschüttelnd, Rundschreiben. Der erste Tag verlief mit Belehrungen, nächster Tag Morgensport – Gehen(!). Das Sturmgewehr fassten sie nach zehn Tagen aus. Wir staunten und konnten es nicht fassen. Vermutlich stand es um die allgemeine Wehrpflicht zu dieser Zeit nicht zum Besten. Als wir ihnen erzählten, was wir durchgemacht hatten meinten sie: „Geh, geh, des Bundesheer is a Obezahrerverein des was eh a jeder.“ Das war zu viel. Wir stutzen sie ordentlich zurecht, anschließend wurden wir von den Offizieren zurechtgestutzt. Dieser Jahrgang hatte Narrenfreiheit, ich eine ordentliche Ausbildung. Wo bleibt der Feind?

Nach vier Wochen das erste Scharfschießen der Youngsters. Die MGs wurden Gott sei Dank eingezogen, die Burschen erschossen sich ja mit dem Sturmgewehr fast selbst. Trefferquote : Zehn. (Dioptrien) Aber immer schön die „Goschn“ offen. Nach der Anstrengung natürlich ausgiebige Pause bis zum Nachtschießen. Zwei Wehrmänner bekamen den Auftrag vor der Zielscheibe Benzin auszugießen. Einer der Deppen stolperte und tränkte sich selbst mit Benzin. Am liebsten hätte ich eine Zigarette auf ihm entsorgt. Das geringe Benzin erhellte die Scheiben nur dürftig, egal sie trafen sowieso nicht. Uns wurde das ganze langsam zu blöd. Mein Funkgerätpartner Korporal Hans G., ein Superkerl, wieder ein Tiroler, sang mir einige urige Volksweisen ins Ohr, worauf ein Offizier meinte: „Draht´s des Radio o.“ Hans saß im Bunker direkt unter den Zielscheiben, gab Treffer, oder auch nicht durch und klebte die Zielscheiben auf neuwertig. Ich: „Hansi, sag´ eine Zahl.“ „Acht.“ Ich: „Danke, steht schon da.“

Wir einigten uns, dass er seine Lottozahlen durchgab, in einer Stunde war der Spuk erledigt und alle zufrieden. Unsere Dioptrienheinis wurden sehr gelobt.

Nach sechs Wochen wurden sie nach Wien verlegt und erzählten jedem der es nicht hören wollte, sie hätten eine Jagdkommandoausbildung absolviert. Unsere Unteroffiziere besannen sich, dass sie uns weiter schikanieren sollten und setzen, Ende Oktober, eine viertägige Übung in Allensteig durch. Übungsannahme: Jagdkommandoüberfall auf ein Waldviertler Dorf. Real nachträglich gesehen, eine Wiedersehensfeier alter Jagdkommandokumpels, mit lustigen Saufeinlagen.

Wir duften sogar unsere Tarnanzüge anziehen, doch kurz vor Abmarsch, fühlte ich mich immer seltsamer. Ich borgte mir einen Fieberthermometer, über achtunddreißig Grad Fieber! Glaubt dir eh keiner, also rauf auf den LKW. Der kalte Oktoberwind pfiff durch die GMC-Plane und ich kam mit dem Zähneklappern nicht nach.

Das Dorf bestand aus zwei Häusern und einem Stall, Einwohner die „Wiener Elitesoldaten“. Temperatur um den Gefrierpunkt, mir ging es immer schlechter, doch zum aufwärmen sofort ein Erkundungsmarsch. Mir rann der salzige Schweiß in Strömen übers Gesicht, Orientierung gleich null. Natürlich fanden wir das Jagdkommandolager nicht, unser „Führer“ war ja selbst einer der „Feinde“.

Abends Quartier beziehen im aufgelassenen Kuhstall, Abendessen zwei Heeresschmalzbrote und Tee. Da meine Kehle ziemlich ausgetrocknet war beschloss ich im Feldgeschirr etwas Tee für die Nacht aufzubewahren. Aber sofort Sicherungsdienst bis zwei Uhr Nachts. Ich erhielt ein Walky-Talky. „Ihr Kennwort ist Sperling, meines in der warmen Stube, - Adler.“ Na, logisch. Als ich in die finstere Nacht hinaus wankte gab mir einer der „Elitesoldaten“ den Tipp:“ Die kommen durch den Schornstein, paß auf!“ Fiebrig meinte ich: „Gusch.“

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