Kitabı oku: «Ein Kampf um Rom», sayfa 45
ELFTES KAPITEL
Früh am andern Morgen wogte sowohl in Rom als in dem Lager der Goten geschäftige Bewegung.
Mataswintha und Syphax hatten zwar einiges entdeckt und gemeldet: – – aber nicht alles. Sie hatten von dem Gelübde der drei Männer gegen Belisar erfahren und den früheren Plan eines bloßen Scheinangriffs gegen das Sankt-Pauls-Tor, um von dem Gedanken an Belisars Geschick abzulenken. Aber nicht hatten sie erfahren, daß der König, in Änderung jenes Planes eines bloßen Scheinangriffs, für diesen Tag der Abwesenheit des großen Feldherrn einen in tiefstes Geheimnis gehüllten Beschluß gefaßt hatte: es sollte ein letzter Versuch gemacht werden, ob nicht gotisches Heldentum doch dem Genius Belisars und den Mauern des Präfekten überlegen sei. Man hatte sich im Kriegsrat des Königs nicht über die Wichtigkeit des Unternehmens getäuscht: wenn es wie alle früheren, vereinzelten Angriffe – achtundsechzig Schlachten, Ausfälle, Stürme und Gefechte hatte Prokop während der Belagerung bis dahin aufgezählt – scheiterte, so war von dem ermüdeten, stark gelichteten Heer keine weitere Anstrengung mehr zu erwarten. Deshalb hatte man sich auf Tejas Rat eidlich verpflichtet, über den Plan gegen jedermann ohne Ausnahme zu schweigen.
Daher hatte auch Mataswintha nichts vom König erfahren, und selbst ihres Mauren Spürnase konnte nur wittern, daß auf jenen Tag etwas Großes gerüstet werde; – die gotischen Krieger wußten selbst nicht was.
Totila, Hildebad und Teja waren schon um Mitternacht mit ihren Reitern geräuschlos aufgebrochen und hatten sich südlich von der valerischen Straße bei dem Grabmal der Fulvier, an dem in einer Hügelfalte Belisar vorbeikommen mußte, in Hinterhalt gelegt: sie hofften mit ihrer Aufgabe bald genug fertig zu sein, um noch wesentlich an den Dingen bei Rom teilnehmen zu können.
Während der König mit Hildebrand, Guntharis und Markja die Scharen innerhalb der Lager ordnete, zog um Sonnenaufgang Belisar, von einem Teil seiner Leibwächter umgeben, zum tiburtinischen Tor hinaus. Prokop und Severinus ritten ihm zur Rechten und Linken: Aigan, der Massagete, trug sein Banner, das bei allen Gelegenheiten den Magister Militum zu begleiten hatte. Constantinus, dem er an seiner Statt die Sorge für den »belisarischen Teil« von Rom übertragen, besetzte alle Posten längs der Mauern doppelt, und ließ die Truppen hart an den Wällen unter den Waffen bleiben. Er übersandte den gleichen Befehl dem Präfekten für die Byzantiner, die dieser führte.
Der Bote traf ihn auf den Wällen zwischen dem paulinischen und dem appischen Tor. »Belisar meint also«, höhnte Cethegus, während er gehorchte, »mein Rom ist nicht sicher, wenn er es nicht behütet: ich aber meine: Er ist nicht sicher, wenn ihn mein Rom nicht beschirmt. Komm, Lucius Licinius«, flüsterte er diesem zu, »wir müssen an den Fall denken, daß Belisar einmal nicht wiederkehrt von seinen Heldenfahrten: dann muß ein andrer sein Heer mit fester Hand ergreifen.«
»Ich kenne die Hand.«
»Vielleicht gibt es alsdann einen kurzen Kampf mit seinen in Rom belassenen Leibwächtern: in den Thermen des Diokletian oder am tiburtinischen Tore. Sie müssen dort in ihrem Lager erdrückt sein, ehe sie sich recht besinnen. Nimm dreitausend meiner Isaurier und verteile sie, ohne Aufsehen, rings um die Thermen her: auch besetze mir vor allem das tiburtinische Tor.« – »Von wo aber soll ich sie fortziehen?« – »Von dem Grabmal Hadrians,« sagte Cethegus nach einigem Besinnen. »Und die Goten, Feldherr!« – »Bah! das Grabmal ist fest, es schützt sich selbst. Erst müssen vom Süden her die Stürmenden über den Fluß: und dann diese eisglatten Wände von parischem Marmor hinan, meine und des Korinthers Freude. Und zudem,« lächelte er, »sieh« nur hinauf: da oben steht ein Heer von marmornen Göttern und Heroen: sie mögen selber ihren Tempel schirmen gegen die Barbaren. »Siehst du, – ich sagte es ja – es geht nur hier gegen das Sankt-Pauls-Tor,« schloß er, auf das Lager der Goten deutend, aus welchem eben eine starke Abteilung in dieser Richtung aufbrach.
Licinius gehorchte und führte alsbald dreitausend Isaurier, etwa die Hälfte der Deckung, ab: von dem Grabmal über den Fluß und den Viminalis hinab gegen die Thermen Diokletians. Belisars Armenier am tiburtinischen Tor löste er dann auch durch dreihundert Isaurier und Legionäre ab.
Cethegus aber wandte sich nach dem salarischen Tor, wo jetzt Constantinus als Vertreter Belisars hielt. »Ich muß ihn aus dem Wege haben,« dachte er, »wenn die Nachricht eintrifft.« – »Sobald du die Barbaren zurückgeworfen,« sprach er ihn an, »wirst du doch wohl einen Ausfall machen müssen? Welche Gelegenheit, Lorbeeren zu sammeln, während der Feldherr fern ist!« – »Jawohl«, rief Constantinus, »sie sollen’s erfahren, daß wir sie auch ohne Belisarius schlagen können.«
»Ihr müßt aber ruhiger zielen,« sagte Cethegus, einem persischen Schützen den Bogen abnehmend. »Seht den Goten dort, den Führer zu Pferd! Er soll fallen.« Cethegus schoß; der Gote fiel vom Roß, durch den Hals geschossen. »Und meine Wallbogen, ihr braucht sie schlecht! Seht ihr dort die Eiche? ein Tausendführer der Goten steht davor, gepanzert. Gebt acht!« Und er richtete den Wallbogen, zielte und schoß: durchbohrt war der gepanzerte Gote an den Baum genagelt.
Da sprengte ein sarazenischer Reiter heran: »Archon,« redete er Constantinus an, »Bessas läßt dich bitten, Verstärkungen an das Vivarium, das pränestinische Tor: die Goten rücken an.«
Zweifelnd sah Constantinus auf Cethegus. »Possen:« sagte dieser, »der einzige Angriff droht an meinem Tore von Sankt Paul: und das ist gut gehütet: ich weiß es gewiß: laß Bessas sagen: er fürchte sich zu früh. Übrigens, im Vivarium habe ich noch sechs Löwen, zehn Tiger und zwölf Bären für mein nächstes Zirkusfest! Laßt sie einstweilen los auf die Barbaren! Es ist auch ein Schauspiel für die Römer dann!«
Aber schon eilte ein Leibwächter den Mons Pincius herab: »Zu Hilfe, Herr, zu Hilfe! Constantinus, dein eignes, das flaminische Tor! Unzählige Barbaren! Ursicinus bittet um Hilfe!«
»Auch dort?« fragte sich Cethegus ungläubig.
»Hilfe an die gebrochene Mauer! zwischen dem flaminischen und dem pincianischen Tor!« rief ein zweiter Bote des Ursicinus.
»Diese Strecke braucht ihr nicht zu decken! Ihr wißt, sie steht unter Sankt Peters besonderem Schutz: das reicht!« sprach, beruhigend Constantinus. Cethegus lächelte: »Ja, heute gewiß: denn sie wird gar nicht angegriffen.«
Da jagte Marcus Licinius atemlos heran. »Präfekt, rasch aufs Kapitol, von wo ich eben komme. Alle sieben Lager der Feinde speien Barbaren zugleich aus allen Lagerpforten: es droht ein allgemeiner Sturm gegen alle Tore Roms.«
»Schwerlich!« lächelte Cethegus. »Aber ich will hinaus. Du aber, Marcus Licinius, stehst mir ein für das tiburtiner Tor. Mein muß es sein, nicht Belisars! Fort mit dir! Führe deine zweihundert Legionare dorthin!«
Er stieg zu Pferd und ritt zunächst gegen das Kapitol zu, um den Fuß des Viminal. Hier traf er auf Lucius und seine Isaurier. »Feldherr,« sprach ihn dieser an, »es wird ernst da draußen. Sehr ernst! Was ist’s mit den Isauriern? Bleibt es bei deinem Befehl?«
»Habe ich ihn zurückgenommen?« sagte Cethegus streng. »Lucius, du folgst mir und ihr andern Tribunen. Ihr Isaurier rückt unter eurem Häuptling Asgares zwischen die Thermen des Diokletian und das tiburtiner Tor.«
Er glaubte an keine Gefahr für Rom. Meinte er doch zu wissen, was allein in diesem Augenblick die Goten wirklich beschäftigte. »Dieser Schein eines allgemeinen Angriffs soll,« dachte er, »die Byzantiner nur abhalten, ihres bedrohten Feldherrn vor den Toren zu gedenken.«
Bald hatte er einen Turm des Kapitols erreicht, von welchem er die ganze Ebene überschauen konnte. Sie war erfüllt von gotischen Waffen. Es war ein herrliches Schauspiel. Aus allen Lagertoren wogte die ganze Streitmacht des gotischen Heeres heran, die ganze Ausdehnung der Stadt umgürtend. Der Angriff sollte offenbar gegen alle Tore zugleich unternommen werden und war nach Einem Gedanken entworfen.
Voran in dem ganzen, zu drei Vierteln geschlossenen Kreise schritten Bogenschützen und Schleuderer, in leichten Plänklerschwärmen, die Zinnen und Brustwehren von Verteidigern zu säubern. Darauf folgten Sturmböcke, Widder, Mauerbrecher aus römischen Arsenalen entnommen oder römischen Mustern, wiewohl oft ungeschlacht genug, nachgebildet, mit Pferden und Rindern bespannt, bedient von Truppen, die, fast ohne Angriffswaffen, nur mit breiten Schilden sich und die Bespannung gegen die Geschosse der Belagerten decken sollten. Dicht hinter ihnen schritten die zum eigentlichen Angriff bestimmten Krieger: in tiefen Gliedern, mit voller Bewaffnung, zum Handgemeng mit Beilen und starken Messern gerüstet, und lange, schwere Sturmleitern schleppend. In großer Ordnung und Ruhe rückten diese drei Angriffslinien überall gleichmäßigen Schrittes vor: die Sonne glitzerte auf ihren Helmen: in gleichen Zwischenräumen erschollen die langgezognen Rufe der gotischen Hörner.
»Sie haben etwas von uns gelernt,« rief Cethegus in kriegerischer Freude. »Der Mann, der diese Reihen geordnet hat, versteht den Krieg.« – »Wer ist es wohl?« fragte Kallistratos, der, in reicher Rüstung, neben Lucius Licinius hielt. »Ohne Zweifel, Witichis, der König,« sagte Cethegus. – »Das hätte ich dem schlichten Mann mit den bescheidnen Zügen nie zugetraut.« – »Diese Barbaren haben manches Unergründliche.«
Und vom Kapitol herab ritt er nun, über den Fluß nach der Umwallung am pankratischen Tor, wo der nächste Angriff zu drohen schien und bestieg mit seinem Gefolge den dortigen Eckturm.
»Wer ist der Alte dort, mit dem wehenden Bart, der mit dem Steinbeil den Seinen voranschreitet? Er sieht aus, als hätte ihn der Blitz des Zeus vergessen in der Gigantenschlacht,« forschte der Grieche.
»Es ist der alte Waffenmeister Theoderichs; er rückt gegen das pankratische Tor,« antwortete der Präfekt.
»Und wer ist der Reichgerüstete dort, auf dem Braunen, mit dem Wolfsrachen auf dem Helm? Er zieht gegen die Portuensis.« – »Das ist Herzog Guntharis, der Wölsung,« sprach Lucius Licinius. »Und sieh’, auch drüben auf der Ostseite der Stadt, überm Fluß, soweit man schauen kann, gegen alle Tore, rücken Sturmreihen der Barbaren,« sagte Piso.
»Aber wo ist der König selbst?« fragte Kallistratos.
»Siehe, dort in der Mitte ragt die gotische Hauptfahne: dort hält er, oberhalb des pankratischen Tors,« erwiderte der Präfekt. »Er allein steht regungslos mit seiner starken Schar, weit, um dreihundert Schritt zurück, hinter der Linie,« sprach Salvius Julianus, der junge Jurist. »Sollte er nicht mit kämpfen?« meinte Massurius. »Wäre gegen seine Weise. Aber laß uns vom Turm auf den Wall hinab: das Gefecht beginnt,« schloß Cethegus. »Hildebrand hat den Graben erreicht.« – »Dort stehen meine Byzantiner, unter Gregor. Die Gotenschützen zielen gut. Die Zinnen am pankratischen Tor werden leer. Auf, Massurius, schicke meine abaskischen Jäger und von den römischen Legionären die besten Pfeilschützen dorthin: sie sollen auf die Rinder und Rosse der Sturmböcke zielen.«
Bald war der Kampf auf allen Seiten entbrannt: und mit Verdruß bemerkte Cethegus, daß die Goten überall Fortschritte machten. Die Byzantiner schienen ihren Feldherrn zu vermissen: sie schossen unsicher und wichen von den Wällen, indes die Goten heute mit besonderer Todesverachtung vordrangen. Schon hatten sie an mehreren Stellen den Graben überschritten und Herzog Guntharis hatte sogar schon Leitern angelegt an den Wällen bei dem portuensischen Tore, während der alte Waffenmeister einen starken Widderkopf herangeschleppt und denselben durch ein Schirmdach gegen die Feuergeschosse von oben gesichert hatte. Bereits donnerten die ersten Stöße laut durch das Getümmel des Kampfes gegen die Balken des pankratischen Tors. Dieser wohlbekannte Ton erschütterte den Präfekten, der eben hier anlangte: »Offenbar,« sagte er zu sich selbst, »machen sie jetzt bittern Ernst, nachdem der Scheinversuch so gut gelungen.«
Und wieder ein dröhnender Stoß. Gregor, der Byzantiner, sah ihn fragend an. »Das darf nicht lange währen!« rief Cethegus zürnend, entriß dem nächsten Schützen Bogen und Köcher und eilte auf den Mauerkranz an dem Tore: »Hierher, ihr Schützen und Schleuderer! Mir nach!« rief er, »schafft schwere Steine bei. Wo ist der nächste Ballist? Wo die Skorpionen? das Schirmdach muß entzwei.«
Unter dem Schirmdach aber standen gotische Schützen, die eifrig durch die Schießscharten nach den Zacken der Mauerzinnen lugten. »Es ist umsonst, Haduswinth,« schalt der junge Gunthamund, »zum drittenmal leg’ ich vergeblich an! es wagt ja keiner nur die Nase über die Brustwehr.« – »Geduld,« sagte der Alte, »halte den Bogen nur gespannt! Es kommt schon einer, den der Fürwitz plagt. Auch mir leg’ einen Bogen bereit. Nur Geduld.« – »Die hat man leichter mit deinen siebzig als mit meinen zwanzig Jahren.«
Inzwischen hatte Cethegus die Wallzinne hier erreicht: er warf einen Blick in die Ebene: da sah er den König, in der weiten Ferne, unbeweglich, im Zentrum stehen der gotischen Scharen, auf dem rechten Tiberufer. Das störte und beunruhigte ihn. »Was hat er vor? Sollte er gelernt haben, daß der Feldherr nicht fechten soll? Komm, Gajus,« rief er dem jungen Schützen zu, der ihm kühn gefolgt war, »deine jungen Augen sehen scharf, blick’ mit mir über die Zinne hier – was treibt der König dort?« Und er beugte sich über die Brustwehr, Gajus folgte, eifrig spähend, seinem Beispiel.
»Jetzt, Gunthamund!« rief Haduswinth unten. Zwei Sehnen klangen und die beiden Späher fuhren zurück.
Gajus stürzte, in die Stirn geschossen, nieder: und unter des Präfekten Helmdach zersplitterte klirrend ein Pfeil. Cethegus strich mit der Hand über die Stirn.
»Du lebst, mein Feldherr?« rief Piso, heranspringend.
»Ja, Freund. Es war sehr gut gezielt. Aber die Götter brauchen mich noch: nur die Haut ist geritzt,« sprach Cethegus und schob den Helm zurecht.
ZWÖLFTES KAPITEL
Da flog Syphax die Mauertreppe hinauf. Streng hatte ihm sein Herr verboten, sich am Kampf zu beteiligen: »Die Barbaren sollen dich nicht töten und auch dich nicht erkennen, — du bist unersetzlich als Sklave Mataswinthens und Kundschafter des Königs Witichis«, hatte Cethegus gesagt.
»Wehe, wehe«, schrie er so überlaut, daß es seinem Herrn, auffiel, der des Mauren kluge Ruhe kannte, »welch ein Unglück!« — »Was ist geschehen?« — »Constantinus ist schwer verwundet. Er wollte einen Ausfall führen aus dem salarischen Tor und stieß sogleich auf die gotischen Sturmreihen. Ein Schleuderstein traf sein Gesicht. Mit Mühe rettete man ihn auf den Wall. Dort fing ich den Sinkenden auf: er ernannte den Präfekten zu seinem Vertreter. Hier ist sein Feldherrnstab.«
»Das ist nicht möglich!« schrie Bessas, der auf Syphax’ Ferse folgte. Er hatte in Person selbst neue Verstärkungen verlangen wollen und kam eben recht, die Nachricht zu hören. »Oder er war schon sinnlos, als er’s tat.«
»Hätte er dich bestellt, jedenfalls«, sprach Cethegus, ruhig das Zepter ergreifend und dem schlauen Sklaven mit einem raschen Wink des Auges dankend. Mit einem wütenden Blicke sprang Bessas von der Brüstung und eilte davon. »Folg’ ihm Syphax, und beacht’ ihn wohl«, flüsterte der Präfekt.
Da eilte ein isaurischer Söldner herbei: »Verstärkung, Präfekt, ans portuensische Tor. Herzog Guntharis hat zahllose Leitern angelegt.« Da sprengte Cabaol, der Führer der maurischen berittnen Schützen heran: »Constantinus ist tot. Vertritt du Constantinus.«
»Belisar vertret’ ich«, sprach Cethegus stolz: »fünfhundert Armenier ziehet ab vom appischen Tor und schickt sie ans portuensische Tor.«
»Hilfe, Hilfe ans appische Tor! Alle Verteidiger auf den Zinnen sind erschossen!« meldete ein persischer Reiter, »die Vorschanze ist halb verloren, vielleicht ist sie noch zu halten: aber schwer! Aber unmöglich wär’s, sie wieder zu nehmen!«
Cethegus winkte seinem jungen Juriskonsulten, Salvius Julianus, jetzt seinem Kriegstribun: »Auf, mein Jurist: ‘beati possidentis’! — Nimm hundert Legionäre und halte die Schanze um jeden Preis, bis weitere Hilfe kommt.« —
Und er sah von der Mauerkrone wieder hinab. Unter seinen Füßen tobte das Gefecht, donnerte der Mauerbrecher Hildebrands. Aber ihn kümmerte mehr die rätselhafte Ruhe, in welcher der König im Hintergrund unbeweglich stand. »Was hat er nur vor?«
Da dröhnte von unten ein furchtbar krachender Stoß und lauter Siegesjubel der Barbaren: Cethegus brauchte nicht zu fragen: in drei Sprüngen war er unten.
»Das Tor ist eingestoßen!« riefen ihm entsetzt die Seinigen entgegen. »Ich weiß es: jetzt sind wir selbst der Riegel Roms.« Und den Schild fester andrückend, trat er hart an den rechten Torflügel, in dem in der Tat ein breiter Riß klaffte: und schon stieß der Widder an die splitternden Platten neben der Öffnung. »Noch ein solcher Stoß, und das Tor liegt ganz«, sagte Gregor, der Byzantiner. »Richtig, deshalb darf es nicht mehr dazu kommen. Her zu mir, Gregor und Lucius: stellt euch, Milites! Die Speere gefällt! Fackeln und Brände! Zum Ausfall! Winke ich, so öffnet das Tor und werft Widder und Schirmdach und alles in den Graben.«
»Du bist sehr kühn, mein Feldherr!« rief Lucius Licinius, entzückt neben ihn springend.
»Ja, jetzt hat die Kühnheit Vernunft, mein Freund!«
Schon war die Kolonne gestellt, schon wollte der Präfekt das Schwert zum Zeichen des Angriffs erheben —: da erscholl vom Rücken her ein Lärm, größer selbst als der der stürmenden Goten. Wehegeschrei und Pferdegetrappel, — und Bessas drängte sich heran: er faßte den Arm des Präfekten: seine Stimme versagte.
»Was hemmst du mich in diesem Augenblick?« rief dieser und stieß ihn zurück. — »Belisars Truppen«, stammelte entsetzt der Thraker, »stehen schwer geschlagen vor dem tiburtinischen Tor, — sie flehen um Einlaß, — wütende Goten hinter ihnen — Belisar ist in einen Hinterhalt gefallen: — er ist tot.«
»Belisar ist gefangen!« schrie ein Türmer vom tiburtinischen Tor, atemlos heraneilend. »Die Goten! Die Goten sind da! Sie stehn vor dem nomentanischen und vor dem tiburtinischen Tor!« scholl’s aus der Tiefe der Straße. »Belisars Fahne ist genommen! Prokop verteidigt seine Leiche!« — »Laß das tiburtinische Tor öffnen, Präfekt!« drängte Bessas, »deine Isaurier stehen plötzlich dort. Wer hat sie dorthin geschickt?«
»Ich!« sagte Cethegus, überlegend.
»Sie woll’n nicht öffnen ohne deinen Befehl! Rette doch seine — Belisars — Leiche!«
Cethegus zauderte — er hielt das Schwert halb erhoben — er schwankte. »Die Leiche«, dachte er,«rett’ ich gern.»Da flog Syphax heran.«Nein, er lebt noch!« rief er seinem Herrn ins Ohr, »ich hab’ ihn gesehen von der Zinne: er regt sich noch: aber er ist gleich gefangen: die gotischen Reiter brausen heran: — Totila, Teja, gleich sind sie bei ihm!«
»Gib Befehl, laß das tiburtiner Tor öffnen!« mahnte Bessas. Aber des Präfekten Auge blitzte: sein Antlitz überflog jener Ausdruck stolzer, kühner Entschlossenheit, der es mit dämonischer Schönheit verklären konnte. Er schlug mit dem Schwert an den zertrümmerten Torflügel vor sich: »Auf, zum Ausfall. Erst Rom: dann Belisar! Rom und Triumph!« Das Tor flog auf.
Die stürmenden Goten, schon des Sieges sicher, hätten alles eher erwartet als dies Wagnis der, wie sie wähnten, ganz verzagten Byzantiner. Sie waren ohne Fechtordnung um das Tor herum zerstreut, wurden völlig überrascht und durch den Anlauf der fest geschlossenen Reihe rasch in den hinter ihnen klaffenden Graben geworfen.
Der alte Hildebrand wollte seinen Widder nicht lassen.
Sich hoch aufrichtend, zerschmetterte er Gregor, dem Byzantiner, mit seinem Steinhammer den hochgeschweiften Helm und das Haupt. Aber gleichzeitig fast stieß ihn selber Lucius Licinius mit dem Schildstachel in den Graben. Cethegus zerhieb mit dem Schwert die Seile der Maschine, die krachend auf den Alten stürzte.
»Jetzt Feuer in die Holzmaschinen, die noch stehen«, befahl Cethegus. Rasch loderten deren Balken auf in Flammen. Sogleich kehrten die siegreichen Römer zurück in die Wälle. Da rief Syphax dem Präfekten entgegen: »Gewalt, Herr, Aufruhr und Empörung! Die Byzantiner gehorchen dir nicht mehr! Bessas rief sie auf, das tiburtinische Tor mit Gewalt zu öffnen. Seine Leibwächter drohen, Marcus Licinius anzugreifen und deine Legionäre und Isaurier zu schlachten durch die Hunnen.«
»Das büßen sie!« rief Cethegus grimmig. »Wehe, Bessas! Ich will’s ihm gedenken! Auf, Lucius Licinius, nimm den halben Rest der Isaurier! Nein, nimm sie alle! alle! du weißt, wo sie stehn: fasse die Leibwächer des Thrakers von Porta clausa her im Rücken. Und stehn sie nicht ab, — so hau’ sie nieder, ohne Schonung, Hilf deinem Bruder! Ich folge gleich!«
Lucius Licinius zauderte. »Und das tiburtinische Tor?« — »Bleibt geschlossen.« — »Und Belisar?«
»Bleibt draußen.« — »Teja und Totila sind schon heran.« — »Desto weniger kann man öffnen. Erst Rom: dann alles andere. Gehorche, Tribun!«
Cethegus blieb noch, die Ausflickung des pankratischen Tores anzuordnen. Das währte sehr geraume Zeit. »Wie ging es, Syphax?« fragte dieser leise. »Lebt er wirklich?« — »Er lebt noch.« — »Tölpel, diese Goten!«
Da kam ein Bote von Lucius. »Dein Tribun läßt melden: Bessas gibt nicht nach: — schon ist das Blut deiner Legionäre am tiburtiner Tor geflossen. Und Asgares und deine Isaurier zögern, einzuhauen. Sie zweifeln an deinem Ernst.« — »Ich will ihnen meinen Ernst zeigen!« rief Cethegus, warf sich aufs Pferd, verließ diesen Teil der Stadt und jagte wie der Sturmwind davon.
Weit war sein Weg: über die Tiberbrücke des Janiculum, am Kapitol vorbei, über das Forum Romanum, durch die Sacra Via und den Bogen des Titus, die Thermen des Titus rechts lassend, über den Esquilin hinaus, endlich durch das esquilinische Tor an das tiburtinische Außentor: — ein Weg vom äußersten Westen an den äußersten Osten der weitgestreckten Stadt.
Hier, hinter dem Tore, standen die Leibwächter von Bessas und Belisar mit gedoppelter Front. Die eine Schar schickte sich an, die Legionäre und Isaurier des Präfekten unter Marcus Licinius an der Torwache zu überwältigen und das Tor mit Gewalt zu öffnen, während die zweite Front mit gefällten Speeren der Masse der andern Isaurier gegenüberstand, die Lucius vergeblich zum Angriff befehligte.
»Söldner«, rief Cethegus, das schnaubende Roß dicht vor deren Linie anhaltend, »wem habt ihr geschworen: mir oder Belisar?« — »Dir, Herr«, sprach Asgares, ein Anführer, vortretend, »aber ich dachte.« — Da blitzte das Schwert des Präfekten, und tödlich getroffen stürzte der Mann. »Zu gehorchen habt ihr, eidbrüchige Schurken, nicht zu denken!«
Entsetzt standen die Söldner. Aber Cethegus befahl ruhig: »Die Speere gefällt! Zum Angriff! Mir nach!« Und die Isaurier gehorchten ihm und nun, — ein Augenblick noch, und es begann in Rom selbst der Kampf.
Aber da erscholl von Westen, von der Richtung des aurelischen Tores her ein furchtbares, alles übertäubendes Geschrei: »Wehe, Wehe, alles verloren! Die Goten über uns! Die Stadt ist genommen!«
Cethegus erbleichte und blickte zurück. Da sprengte Kallistratos heran, Blut floß ihm über Gesicht und Hals. »Cethegus«, rief er, »es ist aus! Die Barbaren sind in Rom! Die Mauer ist erstiegen.« — »Wo?« fragte der Präfekt tonlos. »Am Grabmal Hadrians!« — »O mein Feldherr!« rief Lucius Licinius, »ich habe dich gewarnt.«
»Das war Witichis!« sagte Cethegus, die Augen zusammendrückend.
»Woher weißt du das?« staunte Kallistratos. »Genug, ich weiß es.« Es war ein furchtbarer Augenblick für den Präfekten.
Er mußte sich sagen, daß er, rücksichtslos seinen Plan zum Verderben Belisars verfolgend, eine Spanne Zeit Rom übersehen hatte. Er biß die Zähne in die Unterlippe.
»Cethegus hat das Grabmal Hadrians entblößt! Cethegus hat Rom ins Verberben gestürzt!« rief Bessas an der Spitze der Leibwächter.
»Und Cethegus wird es retten!« rief dieser, sich hoch im Sattel aufrichtend. »Mir nach, alle Isaurier und Legionäre.« — »Und Belisar?« flüsterte Syphax. — »Laßt ihn herein. Erst Rom, dann alles andre! Folgt mir!« Und im Sturmflug sprengte er zurück, des Weges, den er gekommen. Nur wenige Berittene konnten ihm folgen: im Laufe eilte sein Fußvolk, Isaurier und Legionäre, nach.
