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Kitabı oku: «Ein Kampf um Rom», sayfa 46

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DREIZEHNTES KAPITEL

Draußen vor dem tiburtinischen Tor ward es zu gleicher Zeit stiller. Ein Bote hatte die gotischen Reiter von dem überflüssigen Gefechte abgerufen. Sie sollten hier innehalten und alle verfügbare Mannschaft um die Stadt und über den Fluß eilig an das aurelische Tor senden, durch welches man soeben in die Stadt eingedrungen sei: dort brauche man alle Kräfte. Die Reiter jagten, rechtsum schwenkend, nach jenem Tor, wo sich jetzt alles zusammendrängte. Aber ihr eigenes Fußvolk, stürmend an den zwischenliegenden fünf Toren: der Porta clausa, nomentana, salaria, pinciana und flaminia, versperrte ihnen den Weg so lange, daß sie zu der Entscheidung zu spät kamen, die am Grabmal des Hadrian gefallen war.

Wir erinnern uns der Lage dieses Lieblingsplatzes des Präfekten: dem vatikanischen Hügel gegenüber, einen Steinwurf etwa vor dem aurelischen Tor gelegen, mit diesem durch Seitenmauern verbunden und überall, außer im Süden, wo der Fluß decken sollte, durch neue Wälle geschützt ragte die »moles Hadriani«, ein gewaltiger, runder Turm von festestem Bau. Eine Art Hofraum umgab das eigentliche Gebäude: vor der ersten, äußeren Deckungsmauer im Süden floß der Tiber. Auf den Zinnen dieser Außenmauer, in dem Hofraum und auf den Zinnen der Innenmauer lagerten sonst die Isaurier, die der Präfekt zu übler Stunde hinweggezogen hatte, seinen Plan gegen Belisar durchzusetzen. Auf den Zinnen der Innenmauer aber standen die zahlreichen Statuen von Marmor und Erz, deren drittes Hundert das Geschenk des Kallistratos vervollständigt hatte.

Der König der Goten hatte sich für heute in der Mitte des großen Halbkreises, den die Barbaren auch um die Westseite auf dem rechten Tiberufer, um die Stadt gezogen, auf dem Felde Neros zwischen dem pankratischen (alten aurelianischen) und dem (neuen) aurelianischen Tor, wo sonst nur Graf Markja von Mediolanum lagerte, eine zurückgenommene, abwartende Stellung gewählt. Er baute seinen Plan darauf, daß der allgemeine Sturm gegen alle Tore notwendig die Kräfte der Belagerten werde zersplittern müssen: und sowie an irgendeinem Punkt durch Hinwegziehung eine Blöße entstehen würde, gedachte er, sie sofort zu benützen.

In dieser Absicht hielt er unbeweglich im zweiten Treffen weit hinter den Sturmkolonnen. Er hatte allen Anführern Auftrag gegeben, ihn schleunig herbeizurufen, wo sich eine Lücke der Verteidigung zeige.

Lange, lange hatte er so gewartet. Manches Wort der Ungeduld hatte er von seinen Scharen zu tragen gehabt, die müßig stehen sollten, während die Genossen überall im frischen Vordringen waren: lange, lange harrten sie auf einen Boten, der sie abriefe zur Teilnahme am Kampf.

Da bemerkte endlich des Königs scharfes Auge selbst zuerst, wie von den Zinnen der Außenmauer am Grabmal Hadrians die wohlbekannten Feldzeichen und die dichten Speere der Isaurier verschwanden. Aufmerksam blickte er hin: sie wurden nicht abgelöst, die Lücken nicht ersetzt. Da sprang er aus dem Sattel, gab seinem Rosse einen Schlag mit der flachen Hand auf den stolzen Bug, sprach: »Nach Hause, Boreas!« und das kluge Tier lief geradeaus in das Lager zurück. »Jetzt vorwärts, meine Goten! Vorwärts, Graf Markja!« rief der König, »dort über den Fluß — die Mauerbrecher laßt hier zurück: nur die Schilde und die Sturmleitern nehmt mit, und die Beile. Voran!« Und im Lauf erreichte er den steilen Uferhang an der südlichen Biegung des Flusses und eilte den Hügel hinab.

»Keine Brücke, König, und kein Furt?« fragte ein Gote hinter ihm.

»Nein, Freund Iffamer, schwimmen!« und der König sprang in die gelbe, schmutzige Flut, daß sie zischend hoch über seinem Helmbusch zusammenschlug. In wenigen Minuten hatte er das andere Ufer erreicht, die vordersten seiner Leute mit ihm. Bald standen die hart vor der hohen Außenmauer des Grabmals, und die Männer blickten fragend, besorgt hinauf. »Leitern her!« rief Witichis, »seht ihr nicht? Die Verteidiger fehlen ja! Fürchtet ihr euch vor hohen Steinen?« Rasch waren die Leitern angelegt, rasch die Außenwälle erstiegen, die wenigen Wachen hinabgestürzt, die Leitern nachgezogen und an der Innenseite der Außenmauer in den Hof hinabgelassen.

Der König war der erste in dem Hofraum.

Hier freilich wurde das Vordringen der Goten eine Weile gehemmt. Denn auf den Zinnen der Innenmauer standen, vom pankratischen Tore hierher geeilt, Quintus Piso und Kallistratos mit hundert Legionären und nur ein paar Isauriern, und diese schleuderten einen dichten Hagel von Speeren und Pfeilen auf die nur vereinzelt in den Hofraum hinabsteigenden Goten: auch ihre Ballisten und Katapulten wirkten verheerend. »Schickt um Hilfe, um Hilfe zu Cethegus!« rief oben auf der Mauer Piso. Und Kallistratos flog davon.

Rechts und links fielen die Goten unten im Hof neben Witichis. »Was tun?« fragte Markja an seiner Seite. »Warten, bis sie sich verschossen haben«, sagte dieser ruhig. »Es kann nicht lange mehr währen. Sie werfen und schießen viel zu hastig in ihrem Schrecken. Seht ihr: schon fliegen mehr Steine denn Pfeile. Und die Speere bleiben aus.« — »Aber die Ballisten, die Katapulten —« — »Werden uns bald nicht mehr schaden. Ordnet euch zum Sturm. Seht, der Hagel wird sehr spärlich. So, nun die Leitern bereit und die Beile. — Jetzt, rasch mir nach.« Und in schnellem Anlauf rannten die Goten über den Hof.

Nur wenige waren dabei gefallen. Und schon standen sie hart an der zweiten, der inneren Mauer, und hundert Leitern waren angelegt. Jetzt aber waren alle Ballisten und Katapulten Pisos nutzlos geworden, denn, zum Schuß in die Weite gespannt, konnten sie nicht ohne große Mühe und lange Zeit zu senkrechtem Schuß gerichtet werden. Piso bemerkte es wohl und erbleichte. »Wurfspeere her! Speere! Speere, oder alles ist hin!« — »Alle verschossen«, keuchte trostlos neben ihm der dicke Balbus.

»Dann ist’s vorbei!« seufzte Piso, den rechten Arm todmüde senkend. »Komm, Massurius, laß uns fliehn«, mahnte Balbus. »Nein, laßt uns hier sterben«, rief Piso. Und schon tauchte der erste gotische Helm über den Rand der Mauer.

Da scholl es die Mauertreppen von der Stadtseite herauf: »Cethegus! Cethegus, der Präfekt!«

Und er war’s; rasch sprang er auf die Zinne vor und hieb dem Goten, der eben die Hand auf die Brustwehr stützte, sich hinaufzuschwingen, die Hand samt dem Arme ab. Der Mann schrie und stürzte.

»O Cethegus«, sagte Piso, »du kommst zu rechter Zeit!« — »Ich hoffe es«, sprach dieser und stieß die Leiter um, die vor ihm angelegt stand. Witichis war darauf gestanden — behend sprang er hinab. »Aber jetzt Geschosse her, Speere, Lanzen. Sonst hilft alles nichts«, rief Cethegus. »Kein Geschoß mehr weit und breit«, antwortete Balbus. »Du kommst, hofften wir, mit deinen Isauriern?« — »Die sind noch weit, weit hinter mir!« rief Kallistratos, der eben als der erste nach Cethegus wieder erschien.

Und aufs neue wuchs die Zahl der Leitern und der aufsteigenden Helme. Und es wuchs die dringendste Gefahr.

Wild blickte Cethegus um sich. »Geschosse«, rief er, mit dem Fuße stampfend, »es müssen Geschosse herbei!« Da fiel sein Auge auf die riesige Marmorstatue Zeus’, des Erretters, die zu seiner Linken auf der Zinne stand. Ein Gedanke durchzuckte ihn mit Blitzesschnelle, er sprang hinzu und schlug mit einem Handbeil den rechten Arm der Statue mitsamt dem Donnerkeil in ihrer Faust herab. »Zeus«, rief er, »leih mir deinen Blitz! Was hältst du ihn so müßig? Auf! Zerschlagt die Statuen, und schleudert sie den Feinden auf die Köpfe.« Und rascher als er dies gesagt, ward sein Beispiel befolgt. Mit Äxten und Beilen fielen die geängstigten Verteidiger über die Götter und Heroen her, und im Augenblick waren all die herrlichen Gestalten zertrümmert.

Es war ein grauenhafter Anblick: da barst ein erhabner Hadrian, eine Reiterstatue, Roß und Reiter mitten auseinander: da stürzte eine lächelnde Aphrodite in die Knie: da flog der schöne Marmorkopf eines Antinous vom Rumpfe und sauste, von zwei Händen geschleudert, auf einen gotischen Büffelschild. Und weithin spritzten, die Zinnen bedeckend, Splitter und Trümmer von Marmor und Erz, von Bronze und Gold. Krachend und dröhnend schlugen die gewaltigen Lasten von Stein und Metall von den Zinnen herab und zerschmetterten die Helme und Schilde, die Panzer und die Glieder der stürmenden Goten und die Leitern selber, die sie trugen.

Mit Grauen blickte Cethegus auf das furchtbare Werk der Zerstörung, das sein Wort angerichtet. Aber es hatte gerettet. Zwölf, fünfzehn, zwanzig Leitern standen leer von den hart aufeinanderfolgenden Männern, die sie kurz zuvor ameisendicht besetzt hatten, ebenso viele lagen zerbrochen am Fuß der Mauer: überrascht von diesem unerwarteten Erz— und Marmorhagel wichen die Goten einen Augenblick. Aber gleich wieder rief sie das Horn Markjas zum Sturm: und wieder sausten die zentnerschweren Lasten hernieder.

»Unseliger, was hast du getan?« jammerte Kallistratos und starrte auf die Trümmer.

»Das Notwendige!« antwortete Cethegus und schleuderte den Rest von Zeus, dem Erretter, über den Wall. »Siehst du wie das traf? — zwei Barbaren auf einen Schlag« — und zufrieden blickte er hinab.

Da hörte er den Korinther rufen: »Nein, nein. Nicht diesen! Nicht den Apoll!«

Und Cethegus wandte sich und sah, wie ein riesiger Isaurier sein Beil gegen das Haupt des Latoniden schwang. »Narr, sollen die Goten herauf?« fragte der Barbar und holte wieder aus.

»Nicht meinen Apollon!« wiederholte der Hellene und umschlang den Gott schützend mit beiden Armen, weit sich vorbeugend.

Das ersah auf der nächsten Leiter Graf Markja, und glaubend, jener wolle die Statue auf ihn niederschleudern, kam er ihm zuvor: sein Wurfspeer flog und traf den Griechen mitten in die Brust. »Ach — Cethegus!« seufzte er und starb. Der Präfekt sah ihn fallen und preßte die Brauen zusammen. »Rettet die Leiche, und seine beiden Götter verschont!« sprach er kurz und stieß die Leiter um, auf der Markja gestanden, mehr konnte er nicht sagen und nicht tun, denn schon rief ihn eine neue, die drohendste Gefahr.

Witichis, von seiner Leiter halb herabgeschleudert, halb herabgesprungen, war seither hart an der Mauer gestanden unter dem Hagel der Stein— und Metalltrümmer nach neuen Mitteln spähend. Denn seit der erste Versuch der Sturmleitern durch die unverhofften, neuen Geschosse, die Götter und Heroen, abgewiesen war, hoffte er kaum noch, den Wall zu gewinnen. Während er sann und spähte, schlug das schwere Marmorfußgestell eines Mars gradivus dicht neben ihm auf die Erde, prallte nochmal empor und traf dabei an eine Mauerplatte. Und siehe, diese Platte, die ein Quader von härtestem Stein geschienen hatte, zerprang zerbröckelnd in kleine Stücke von Mörtel und Lehm: und an ihrer Stelle wurde sichtbar eine schmale Holzpforte, die, von jener Masse nur locker verkleidet und verdeckt, den Maurern und Werkleuten zum Ausgang und Eingang gedient hatte, wenn sie an dem großen Gebäude arbeiteten und nachbesserten.

Kaum ersah Witichis die Holztür, als er jubelnd ausrief: »Hierher, hierher, ihr Goten! Beile zur Hand!« Und schon schlug seine eigne Streitaxt donnernd an die dünnen Bretter, die nichts weniger als stark schienen.

Verhängnisvoll drang der neue, seltsame Ton an des Präfekten Ohr! Er hielt oben inne in der Blutarbeit und lauschte. »Das ist Eisen gegen Holz! Bei Cäsar!« sagte er zu sich selbst und sprang die schmale Mauertreppe herab, die an der Innenseite der zweiten Mauer in den schwach durch Öllampen beleuchteten Innenraum des Grabmals führte.

Da dröhnte ein Schlag lauter als alle früheren, ein dumpfes Krachen und helles Splittern folgte und jauchzendes Siegesgeschrei der Goten. Wie Cethegus auf die letzte Stufe der Treppe sprang, fiel die Pforte krachend nach innen in den Hof, und König Witichis ward sichtbar auf der Schwelle.

»Mein ist Rom!« jubelte er, das Beil fallen lassend und das Schwert aus der Scheide ziehend. »Du lügst, Witichis: Zum erstenmal im Leben!« rief Cethegus grimmig und sprang vor, so gewaltig den starken Schildstachel stoßend gegen des Goten Brust, daß dieser überrascht einen Schritt zurücktrat.

Diesen Schritt benutzte der Präfekt und stellte sich selbst auf die Schwelle, die ganze enge Pforte füllend. »Wo bleiben die Isaurier!« rief er.

Aber nur einen Augenblick hatte ihm Witichis Zeit gelassen, bis er ihn erkannte. »So treffen wir uns doch im Zweikampf um Rom.« Und nun war das Anspringen an ihm. Cethegus, bemüht, die ganze Öffnung der Pforte zu verschließen, deckte mit dem Schild seine Linke; sein rechter Arm mit dem kurzen Römerschwert vermochte nicht genug, seine rechte Seite zu decken. Der Stoß des langen Schwertes des starken Goten drang, nicht stark genug von Cethegus abgewehrt, die Schuppenringe des Panzers durchschneidend, tief in seine rechte Brust.

Der Präfekt wankte nach links, schon neigte er sich zu fallen: aber er fiel nicht. »Rom! Rom?« sagte er tonlos, und krampfhaft hielt er sich noch aufrecht.

Witichis war einen Schritt zurückgetreten, um in neuem Ansprung dem gefährlichen Feind den Rest zu geben. Aber in diesem Augenblick erkannte ihn oben auf der Zinne Piso und schleuderte einen prachtvollen, schlafenden Faun, der bereits mit abgehauenen Füßen auf dem Walle lag, auf den König herab; er traf die Schulter, und Witichis stürzte nieder. Graf Markja, Iffamer und Aligern trugen ihn aus dem Gefecht.

Cethegus sah ihn noch fallen. Dann brach er selbst auf der Schwelle der Pforte zusammen; schützende Arme eines Freundes fingen ihn auf: — aber er erkannte diesen nicht mehr, sein Bewußtsein schwand.

Doch weckte ihn gleich wieder ein wohlbekannter Ton, der seine Seele entzückte: es war die Tuba seiner Legionäre, das Feldgeschrei seiner Isaurier, die jetzt — endlich — im Sturmschritt eintrafen und, von den Liciniern geführt, in dichten Scharen sich auf die durch den Fall ihres Königs erschütterten Goten stürzten. Sie drängten sie siegreich zu einer (einstweilen von den eingedrungenen Goten von innen hinausgebrochenen) Bresche der ersten Mauer unter großem Blutvergießen hinaus.

Der Präfekt sah die letzten Barbaren flüchten, dann schlossen sich abermals seine Augen. »Cethegus!« rief der Freund, der ihn im Arme hielt, »Belisar im Sterben: und so bist auch du verloren?« Cethegus erkannte jetzt die Stimme Prokops. »Ich weiß nicht«, sprach er mit letzter Kraft, »aber Rom — Rom ist gerettet!« Und damit vergingen ihm die Sinne.

VIERZEHNTES KAPITEL

Nach der Anspannung aller Kräfte zu dem allgemeinen Sturm und seiner Abwehr, der mit dem Morgenrot begonnen und bei sinkender Sonne erst beendet war, trat bei Goten und Römern eine lange Pause der Erschlaffung ein. Die drei Führer Belisar, Cethegus und Witichis lagen wochenlang an ihren Wunden darnieder.

Aber noch mehr wurde die tatsächliche Waffenruhe veranlaßt durch die tiefe Niedergeschlagenheit und Entmutigung, die das Heer der Germanen befallen hatte, nachdem der mit höchster Anstrengung angestrebte Sieg in dem Augenblick, da er bereits gewonnen schien, ihnen entrissen wurde.

Sie hatten einen ganzen Tag lang ihr Bestes getan. Ihre Helden hatten an Tapferkeit gewetteifert: und doch waren beide Pläne, der gegen Belisar und der gegen die Stadt, im Gelingen selbst noch gescheitert. Und wenn auch König Witichis in seinem steten Mute die Gedrücktheit des Heeres nicht teilte, so erkannte er dafür desto klarer, daß er seit jenem blutigen Tage das ganze System der Belagerung ändern mußte.

Der Verlust der Goten war ungeheuer; Prokop schätzte ihn auf dreißigtausend Tote und mehr als ebenso viele Verwundete: sie hatten sich im ganzen Umkreis der Stadt mit äußerster Todesverachtung den Geschossen der Belagerten ausgesetzt, und am pankratischen Tor und bei dem Grabmal Hadrians waren sie zu Tausenden gefallen.

Da nun auch in den achtundsechzig früheren Gefechten die Angreifenden immer viel mehr als die hinter Mauer und Turm gedeckten Verteidiger gelitten hatten, so war das große Heer, das Witichis vor Monden gegen die ewige Stadt geführt, furchtbar zusammengeschmolzen. Dazu kam, daß schon seit geraumer Zeit Seuchen und Hunger in ihren Zelten wüteten. Bei dieser Entmutigung und Abnahme seiner Truppen mußte Witichis den Gedanken, die Stadt im Sturm zu nehmen, aufgeben, und seine letzte Hoffnung — er verhehlte sich ihre Schwäche nicht — bestand in der Möglichkeit, der Mangel werde den Feind zur Übergabe zwingen. Die Gegend um Rom war völlig ausgesogen: und es schien nun darauf anzukommen, welche Partei die Entbehrung länger würde ertragen oder welche sich aus der Ferne würde Vorräte verschaffen können. Schwer fehlte den Goten die an der Küste von Dalmatien beschäftigte Flotte.

Der erste, der sich von seiner Wunde erholte, war der Präfekt.

Von der Pforte, die er mit seinem Leibe verschlossen, bewußtlos weggetragen, lag er anderthalb Tage in einem Zustand, der halb Schlaf, halb Ohnmacht war.

Als er am Abend des zweiten Tages die Augen aufschlug, traf sein erster Blick auf den treuen Mauren, der am Fußende des Lagers auf der Erde kauerte und kein Auge von ihm wandte. Die Schlange war um seinen Arm gerollt.

»Die Holzpforte!« war des Präfekten erstes, noch schwach gehauchtes Wort, »die Holzpforte muß fort — ersetzt durch Marmorquadern... —«

»Danke, danke dir, Schlangengott!« jubelte der Sklave, »jetzt ist der Mann gerettet. Und auch du selbst. Und ich, Herr, habe dich gerettet.« Und er warf sich mit gekreuzten Armen nieder und küßte das Lagergestell seines Herrn. — Er wagte nicht, dessen Füße zu berühren. »Du mich gerettet? — Wodurch?«

»Als ich dich so todesbleich auf diese Decken gelegt, habe ich den Schlangengott herbeigeholt, dich ihm gezeigt und gesprochen: ‘Du siehst, starker Gott, des Herrn Augen sind geschlossen. Hilf, daß er sie wieder aufschlägt. Bis du geholfen, erhältst du keine Krume Brot und keinen Tropfen Milch. Und wenn er die Augen nicht wieder aufschlägt — an dem Tage, da sie ihn verbrennen, verbrennt Syphax mit, aber du, o großer Schlangengott, desgleichen. Du kannst helfen, also hilf: oder brenne.’ So sprach ich und er hat geholfen.«

»Die Stadt ist sicher — das fühl’ ich, sonst hätte ich nicht entschlafen können. Lebt Belisar? Ja! Wo ist Prokop?«

»In der Bibliothek mit deinen Tribunen. Sie erwarten nach des Arztes Ausspruch noch heute dein Erwachen oder deinen... —« — »Tod? Diesmal hat dein Gott noch geholfen, Syphax. Laß die Tribunen ein.«

Bald standen die Licinier, Piso, Salvius Julianus und einige andere vor ihm; sie wollten bewegt an sein Lager eilen: er winkte ihnen Ruhe zu. »Rom dankt euch, durch mich. Ihr habt gefochten wie Römer. Mehr, Stolzeres kann ich euch nicht sagen.« Und er übersah wie nachsinnend die Reihe, dann sagte er: »Einer fehlt mir — ah, mein Korinther! Die Leiche ist gerettet. Denn ich empfahl sie Piso, sie und die beiden Letoiden; setzt ihm als Denkmal eine schwarze Platte von korinthischem Marmor an die Stelle, wo er fiel: stellt die Statue des Apollo über die Aschenurne und schreibt darauf: ‘Kallistratos von Korinth ist hier für Rom gestorben; er hat den Gott, der Gott nicht ihn gerettet.’ Jetzt geht, bald sehen wir uns wieder — auf den Wällen. Syphax, nun sende mir Prokop. Und bring einen großen Becher Falernerwein.« — »Freund«, rief er dem eintretenden Prokopius entgegen, »mir ist, ich habe vor diesem Fieberschlaf noch flüstern hören: ‘Prokop hat den großen Belisar gerettet.’ Ein unsterblich Verdienst! Die ganze Nachwelt wird dir’s danken — so brauch ich’s nicht zu tun. Setze dich hierher und erzähle mir das Ganze... — Aber halt: erst schiebe die Kissen zurecht, daß ich meinen Cäsar wieder sehen kann. Sein Anblick stärkt mehr als Arzneien. Nun sprich.«

Prokopius sah den Liegenden durchdringend an.

»Cethegus«, sagte er dann, ernsten Tones, »Belisar weiß alles.« — »Alles?« lächelte der Präfekt, »das ist viel.« — »Laß den Spott, und versage Bewunderung nicht dem Edelsinn: du, der du selber edel bist« — »Ich? Nicht daß ich wüßte.« — »Sowie er zum Bewußtsein kam, hat ihm Bessas natürlich sofort alles mitgeteilt, hat ihm haarklein erzählt, wie du befohlen, das Tor gesperrt zu halten, als Belisar in seinem Blute davor lag, den wütigen Teja auf den Fersen, daß du befohlen, seine Leibwächter niederzuhauen, die mit Gewalt öffnen wollten. Jedes Wort von dir hat er berichtet, auch deinen Ausruf: ‘Erst Rom, dann Belisar’: und hat deinen Kopf verlangt im Rat der Feldherren. Ich erbebte. Aber Belisarius sprach: ‘Er hat recht getan! Hier, Prokop, bring ihm mein eigen Schwert und die ganze Rüstung, die ich an jenem Tage trug, zum Dank.’ Und in dem Bericht an den Kaiser hat er mir die Worte diktiert: ‘Cethegus hat Rom gerettet und nur Cethegus! Schick’ ihm den Patriciat von Byzanz!«

»Ich danke, ich habe Rom nicht für Byzanz gerettet.« — »Das brauchst du mir nicht erst zu sagen, unattischer Römer.«

»Ich bin nicht in attischer Laune, Lebensretter! Was war dein Dank?«

»Still. Er weiß nichts davon. Und soll es nie erfahren.«

»Syphax, Wein. — So viel Edelsinn kann ich nicht vertragen! Es macht mich schwach. Nun, wie war der Reiterspaß?«

»Freund, das war kein Spaß. Sondern der furchtbarste Ernst, der mir noch begegnet. Um ein Haar fehlte es, so war Belisar verloren.«

»Ja, es ist jenes eine Haar, um das es immer fehlt bei diesen Goten! Dumme Tölpel sind sie samt und sonders.«

»Du sprichst, als wär’ es dir sehr leid, daß Belisar nicht umgekommen.«

»Recht wär ihm geschehen. Ich hab’ ihn dreimal gewarnt. Er sollte endlich wissen, was einem alten Feldherrn ziemt und was einem jungen Raufbold.«

»Höre«, sagte Prokop, ihn ernsthaft betrachtend, »du hast dir ein Recht erworben, so zu sprechen, vor dem Grabmal Hadrians, früher, wenn du des Mannes Heldentum herabzogst...« — »Dachtest du, ich spräche aus Neid gegen den tapfern Belisar! Hört es, ihr unsterblichen Götter.«

»Ja, zwar deine gepidischen Lorbeern...« —

»Laß mich mit diesen Knabenstreichen zufrieden! Freund, wenn es gilt, muß man den Tod verachten, sonst aber vorsichtig das Leben lieben. Denn nur die Lebendigen herrschen und lachen, nicht die stummen Toten. Das ist meine Weisheit, und nenn’ es meine Feigheit, wenn du willst. Also euer Überfall — mach’s kurz! Wie ging’s?«

»Scharf genug. Als wir die Gegend erkundet hatten, — alles schien frei vom Feind und sicher zum Futterholen —, da wandten wir die Rosse allmählich wieder gegen die Stadt, die wenigen Ziegen und die magern Schafe, die wir aufgetrieben, in der Mitte, Belisar voran, der junge Severinus, Johannes und ich an seiner Seite. Plötzlich, wie wir aus dem Dorf ad aras Bacchi ins Freie kommen, jagen aus den Gehölzen zu beiden Seiten der valerischen Straße von links und rechts gotische Reiter auf uns zu. Ich sah, daß sie uns stark überlegen waren und riet, die Flucht mitten durch sie hindurch auf der Straße nach Rom zu versuchen. Aber Belisar meinte: ‘Viele sind es, doch nicht allzu viele’, und sprengte gegen die Angreifer zur Linken, ihre Reihen zu durchbrechen. Doch da kamen wir übel an: die Goten ritten besser und fochten besser als unsere mauretanischen Reiter: und ihre Führer, Totila und Hildebad, — jenen erkannte ich an den langflatternden gelben Haaren und diesen an der ungeschlachten Größe —, hielten sichtlich scharf auf den Feldherrn selbst. ‘Wo ist Belisar und sein Mut?’ schrie der lange Hildebad vernehmlich durch das Klirren der Waffen.

‘Hier!’ antwortete dieser unverzüglich: und ehe wir ihn abhalten konnten, hielt er schon dem Riesen gegenüber. Der war nicht faul und hieb ihm mit seinem wuchtigen Beil auf den Helm, daß der goldene Kamm mit dem weißen Roßhaarbüschel zerschmettert zur Erde rollte und Belisars Haupt bis auf den Kopf des Pferdes niederfuhr. Und schon holte jener zum zweiten, dem tödlichen Streiche aus: da war der junge Severinus, des Boëthius Sohn, heran und fing den Hieb mit dem runden Schilde auf. Aber das Beil des Barbaren drang durch den Schild und flog noch tief in den Hals des edeln Jünglings. Er stürzte« — Prokop stockte in schmerzlichen Gedanken.

»Tot?« fragte Cethegus ruhig.

»Ein alter Freigelassener seines Vaters, der ihn begleitete, trug ihn aus dem Gefecht. Doch starb er schon, so hört’ ich, eh’ er das Dorf erreichte.« — »Ein schöner Tod!« sagte Cethegus. »Syphax, einen neuen Becher Wein!«

»Belisar hatte sich aber inzwischen aufgerafft und stieß nun in großem Zorn mit seinem Speer den Goten so gewaltig auf die Brustplatte seines Harnischs,’ daß er der Länge nach vom Pferde flog. Laut jubelten wir auf, aber der junge Totila« —

»Nun?«

»Sah kaum seinen Bruder fallen, als er sich grimmig durch die Lanzen der Leibwächter Bahn brach zu Belisar. Aigan, sein Bannerträger, wollte ihn decken, aber des Goten Schwert traf seinen linken Arm: er riß ihm die Fahne aus der erschlafften Hand und warf sie dem nächsten Goten zu. Laut auf schrie Belisar vor Zorn und wandte sich gegen ihn: aber der junge Totila ist rasch wie der Blitz, und zwei scharfe Hiebe trafen, eh’ er sich’s versah, des Feldherrn beide Schultern: der wankte im Sattel und sank langsam vom Pferd, das im selben Augenblick ein Wurfspeer traf und niederwarf. ‘Gib dich gefangen, Belisar!’ rief Totila.

Der Feldherr hatte gerade noch die Kraft, das Haupt verneinend zu schütteln, da sank er vollends zur Erde. Rasch war ich abgesprungen, hatte ihn auf mein eigen Pferd gehoben und der Sorge des Johannes empfohlen, der fünfzig Leibwächter um sich scharte und ihn schnell aus dem Getümmel flüchtend nach der Stadt hin brachte.« — »Und du?«

»Ich focht zu Fuß weiter. Und es gelang mir, da jetzt unsere Nachhut eintraf — die Vorräte in der Mitte hatten wir preisgegeben —, das Gefecht gegen Totila zu stellen. Aber nicht auf lange. Denn nun war auch die zweite Schar der gotischen Reiter heran; wie der Sturmwind sauste der schwarze Teja herzu, durchbrach unsern rechten Flügel, der ihm zunächst stand, von vorn, durchbrach dann meine eigene gegen Totila gerichtete Front von der Flanke und zersprengte unsern ganzen Schlachthaufen. Ich gab das Gefecht verloren, ergriff ein ledig Roß und eilte dem Feldherrn nach. Aber auch Teja hatte die Richtung von dessen Flucht erkannt und jagte uns wütend nach. An der fulvischen Brücke holte er die Bedeckung ein; Johannes und ich hatten mehr als die Hälfte der noch übrigen Leibwächter an der Brücke aufgestellt, den Übergang zu wehren, unter Principus, dem tapfern Pisidier, und Tarmuth, dem riesigen Isaurier. Dort fielen sie alle dreißig, zuletzt auch die beiden treuen Führer, von dem Schwerte des Teja allein, wie ich vernahm. Dort fiel die Blüte von Belisars Leibwächtern: darunter viele meiner nächsten Waffenfreunde, Alamundarus der Sarazene, Artasines der Perser, Zanter der Armenier, Longinus der Isaurier, Bucha und Chorsamantes die Massageten, Kutila der Thrakier, Hildeger der Vandale, Juphrut der Maure, Theodoritos und Georgios die Kappadokier. Aber ihr Tod erkaufte unsere Rettung. Wir holten hinter der Brücke unser hier zurückgelassenes Fußvolk ein, das dann noch die feindlichen Reiter so lang beschäftigte, bis das tiburtinische Tor sich — spät genug! — dem wunden Feldherrn öffnete. Dann eilt’ ich, als wir ihn auf einer Sänfte Antoninens Pflege zugesandt, an das Grabmal Hadrians, wo, wie es hieß. die Stadt genommen sei, und fand dich dem Tode nah.«

»Und was hat jetzt Belisar beschlossen?«

»Seine Wunden sind nicht so schwer wie die deine und doch die Heilung langsamer. Er hat den Goten den Waffenstillstand gewährt, den sie verlangten, ihre vielen Toten zu bestatten.«

Cethegus fuhr auf von den Kissen. »Er hätte ihn verweigern sollen! Keine unnütze Verzögerung der Entscheidung mehr! ich kenne diese gotischen Stiere; nun haben sie sich die Hörner stumpf gestürmt: jetzt sind sie müd und mürbe.

Jetzt kam die Zeit für einen letzten Schlag, den ich schon lang ersonnen. Die Hitze draußen in der glühenden Ebene werden ihre großen Leiber schlecht ertragen, schlechter den Hunger: am schlechtesten den Durst. Denn der Germane muß saufen, wenn er nicht schnarcht oder prügelt. Nun braucht man nur ihren vorsichtigen König noch ein wenig einzuschüchtern. Sage Belisar meinen Gruß, und mein Dank für sein Schwert sei mein Rat: Er solle noch heute den gefürchteten Johannes mit achttausend Mann durch das Picenum gegen Ravenna schicken: die flaminische Straße ist frei und wird wenig gedeckt sein, denn Witichis hat die Besatzungen aller Festungen hierher gezogen, und leichter gewinnen wir jetzt Ravenna, als die Barbaren Rom. Sowie aber der König Ravenna, seinen allerletzten Hort, bedroht sieht, wird er eilen, ihn um jeden Preis zu retten. Er wird sein Heer hinwegziehen von diesen uneinnehmbaren Mauern und wieder der Verfolgte statt Verfolger sein.« — »Cethegus«, sprach Prokop aufspringend, »du bist ein großer Feldherr.« — »Nur nebenbei, Prokopus! Geh jetzt und grüße mir den großen Sieger Belisar.«

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
1270 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain