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Kitabı oku: «Ein Kampf um Rom», sayfa 64

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ZEHNTES KAPITEL

Der Kaiser beschied seine Kaiserin und Narses mit sich in sein Gemach.

Dort angelangt, umarmte er abermals, ohne des Zeugen Gegenwart zu scheuen, innig und herzlich seine Gemahlin. »Wie freut, wie erhebt mich die Begeisterung! Ich bin stolz auf ein solches Weib! Wie schön stand dir, o Theodora, der edle Zorn. Wie kann ich dir lohnen! Wähle dir jede Gunst, jedes Zeichen meines Dankes, du meine beste Beraterin, ja meine Mitregentin!«

»Soll ich, das schwache Weib, wirklich glauben dürfen, daß ich Anteil nehmen darf an deinen Plänen und Gedanken, an diesem Kriege, so vertraue mir, wie du ihn zu leiten gedenkst.«

»Jedenfalls sende ich zwei Feldherren nach Italien, nie mehr einen, seit Belisarius in jenem Land mit einer Krone gespielt. Aber ihn sende ich wieder, das steht mir fest.«

»So erbitte ich mir die Gnade«, sprach Theodora, »den andere Feldherrn vorschlagen zu dürfen. — Narses«, fuhr sie fort, ehe Justinian antworten konnte, »willst du der andere sein?« Sie wollte ihn rasch unmöglich machen. —

»Ich danke«, sagte dieser bitter. — »Du weißt: ich bin ein störrig unverträglich Roß, ich tauge nicht, mit einem andern zusammen zu ziehn. Den Feldherrnstab und ein Weib, Justinianus, muß man in gleicher Weise haben.«

»Nämlich wie?«

»Allein oder gar nicht.«

»Dann du gar nicht«, sagte Justinianus herb. »Du mußt nicht wähnen, unentbehrlich zu sein, Magister Militum.«

»Das ist niemand auf Erden, Justinianus. Sende nur wieder den großen Belisar! Er mag sein Glück zum drittenmal versuchen in jenem Lande, wo die Lorbeern so dicht wachsen. Meine Stunde kommt schon noch.

Als Zeuge eures Eheglückes bin ich wohl überflüssig hier. Und zu Hause, meinem Krankenbett gegenüber, ist die Straßenkarte von Italien angeheftet: vergönne, daß ich in meinem Studium derselben fortfahre: sie ist jetzt interessanter als die Karte unsrer Persergrenze.

Nur noch einen Rat. Zuletzt mußt du doch Narses nach Italien senden.

Je früher du ihn sendest, desto mehr ersparst du an Niederlagen, Verdruß und — Geld. Und wenn nun die Gicht oder jene niederträchtige Epilepsis Narses hinraffen sollte, ehe dieser König Totila auf seinem Schilde liegt, wer wird dir dann den König Totila besiegen? Du glaubst ja an Prophezeiungen. Wohlan, in Italien geht schon lange der Spruch: ‘T. schlägt B., N. schlägt T.’«

»Soll das vielleicht heißen: Theodora schlug Belisar, Narses schlägt Theodora?« höhnte die Kaiserin.

»Das war nicht meine Lösung des Rätselspruchs.

Es war die deine. Aber wohlan, auch diese Lösung nehm’ ich an. Weißt du, welches das weiseste deiner vielen Gesetze war, o Justinianus?«

»Nun?«

»Jenes, das den Tod auf jede Anklage gegen deine Kaiserin setzte: denn er war das einzige Mittel, sie dir zu erhalten.« Und er ging.

»Der Unverschämte«, sprach Theodora, ihm einen giftigen Blick nachsendend. »Er wagt zu drohn! Wenn erst einmal Belisar unschädlich ist, dann muß rasch Narses folgen.«

»Einstweilen aber brauchen wir noch beide«, meinte Justinian. »Und du schlägst — in Wahrheit! — vermutlich zum andern Feldherrn für Italien wieder denselben Namen vor wie bei Cassiodors Abweisung?«

»Denselben.«

»Aber die Gründe meines Mißtrauens gegen jenen Ehrgeizigen sind seither noch verstärkt.«

»Hast du vergessen, wer dir Silverius entlarvt und entwaffnet, wer vor Belisars gefährlichem Kronenspiel geheim und zuerst gewarnt hat?«

»Aber er verkehrt hier mit denselben Männern, welche die Verschwörung gegen mich betreiben.«

»Ja: aber, o Justinianus, auf mein Geheiß, als ihr Verderber.«

»Das wäre! Wenn er aber auch dich täuscht?«

»Wirst du ihm glauben und mir und ihn nach Italien senden, wenn er dir morgen die Verschwörer in Ketten zuführt und darunter ihr geheimes, auch dir noch unbekanntes Haupt?«

»Ich weiß: es ist Photius, Belisars Freigelassener.«

»Nein, o Justinianus: — Er ist es, den du wieder nach Italien senden wolltest, wenn ich nicht warnte, Belisarius selbst.«

Da erbleichte der Kaiser, wankte und griff nach der Armlehne des Thrones.

»Wirst du dann an des wunderbaren Römers Ergebenheit glauben und, statt des Verräters Belisar, ihn nach Italien senden mit deinem Heer?«

»Alles, alles«, sprach Justinianus, »gewiß! Belisarius also doch ein Verräter? Dann tut Eile not. Handeln wir.«

»Ich habe schon gehandelt, Justinian. Mein Netz ist unentrinnbar schon gestellt. Gib mir die Vollmacht, es zusammenzuziehn.«

Der Kaiser winkte Gewährung.

Und Theodora befahl, indem sie aus den Vorhängen schritt, dem Velarius: »Hole sogleich aus seinem Hause in mein Gemach Cethegus, den Präfekten von Rom.«

ELFTES KAPITEL

Und alsbald stand Cethegus vor seiner noch immer verführerisch schönen Jugendfreundin, die in dem uns wohlbekannten Gemach auf ihrem Pfühl ausgestreckt lag.

Galatea reichte ihr manchmal in kleiner Onyxschale die Tropfen, die ihr der persische Arzt — griechische reichten nicht mehr aus — verordnet hatte.

»Ich danke, dir, Theodora«, sagte Cethegus. »Und muß ich’s doch einem andern — nicht mir selber — danken — einem Weibe! — dank’ ich’s am liebsten doch der Jugendgenossin.«

»Höre, Präfekt«, sprach Theodora, ihn ernsthaft betrachtend, »du wärest ganz der Mann — soll ich sagen der Barbar oder der Römer? — eine Kleopatra, der Cäsar und Antonius gehuldigt, erst zu küssen und dann doch im Triumph nach dem Kapitol zu führen zur Erdrosselung, wie Octavian vielleicht geplant. Wenn ihm nicht jene Schlangenkönigin zuvorkam. Kleopatra war immer mein Vorbild. Einen Cäsar hab’ ich nicht gefunden. Aber die Schlange — bleibt vielleicht nicht aus. —

Du hast mir nicht zu danken. Ich habe aus voller Überzeugung gesprochen und gehandelt. Diese gotische Gefahr und Beschimpfung muß in Blut erstickt werden.

Ich war vielleicht nicht immer so treu als Gattin, wie Justinian geglaubt.

Aber ich war sein bester, treuster Senator von jeher.

Belisar und Narses sind nicht wohl zusammen und noch weniger jeder allein nach Italien zu senden. Du sollst gehen: du bist ein Held, ein Feldherr, ein Staatsmann, und du bist doch zu ohnmächtig, Justinian zu schaden.«

»Ich danke für die gute Meinung«, sagte Cethegus.

»Freund, du bist ein Feldherr ohne Heer, ein Kaiser ohne Reich, ein Steuermann ohne Schiff.

Doch lassen wir’s —: du willst mir nicht glauben.

Ich sende dich nach Italien aus tiefster Überzeugung: — du hassest grimmig die Barbaren. Der zweite Feldherr, den unvermeidlich dir kaiserliches Mißtrauen nachsendet, soll Areobindos sein, der Schneckenprinz: er wird dich nicht viel stören. Aber Freude macht mir’s, daß ich zugleich den Jugendgenossen dabei fördern kann wie das Reich.

Ach Cethegus, die Jugend! Euch Männern ist sie goldne Hoffnung oder goldne Erinnerung: — dem Weib ist sie —: das Leben. Ah, nur noch einen Tag aus jener Zeit, da ich dir Rosen schenkte und du mir Verse.«

»Deine Rosen waren schön, Theodora, aber meine Verse waren nicht schön.«

»Mir schienen sie schön: — sie waren an mich! Aber wie alte Liebe versüßt auch alter und neuer Haß mir die Wahl, die ohnehin des Reiches Wohl erheischt. Belisar soll nicht mehr zu neuen Ehren steigen. Nein, fallen soll er, diesmal tief und für immerdar. So wahr ich herrsche in Byzanz.«

»Und Narses? Mir wäre lieber und begreiflicher, du stürztest diesen Kopf ohne Arm als jenen Arm ohne Kopf.«

»Geduld — einer nach dem andern.«

»Was hat dir der gutherzige Held getan?«

»Er? Nichts, aber sein Weib! Diese plumpe Antonina, deren ganzer Triumph in ihrem gesunden Blute liegt.« Und grimmig ballte die zierliche Kaiserin die kleine, weiße Hand, die noch durchsichtiger geworden. »Ha, wie ich sie hasse! Ja, beneide! Dumme Leute bleiben immer gesund. Aber sie soll nicht frohlocken, während ich leide.«

»Und an solchem Weiberhaß hängt das Schicksal des Kapitols«, sagte Cethegus zu sich selbst. »Nieder mit Kleopatra!

Die Närrin ist vernarrt in Ruhm und Größe ihres Mannes: — hier kann ich sie am tödlichsten treffen! Warte!«

Ein Zucken durch ihr feines Gesicht verriet einen Anfall heftiger Schmerzen: sie warf sich in die Kissen zurück.

»Aber Täubchen«, mahnte Galatea, »laß doch den Ärger! Du weißt, was der Perser sagt. Jede Erregung von Liebe, von Haß« — — »Ha, Hassen und Lieben ist Leben. Und der Haß wird im Alter fast noch süßer denn die Liebe. Liebe ist treulos, Haß ist treu.«

»Ich bin in beiden«, sprach Cethegus, »ein Stümper gegen dich. ‘Die Sirene von Kypros’ hab’ ich dich stets genannt. Man ist nie sicher, ob du nicht unter dem Kuß plötzlich dein Opfer zerreißest — aus Liebe oder Haß. Und was hat deine Liebe zu Antoninen plötzlich in Haß verkehrt?«

»Tugendhaft ist sie geworden, die Heuchlerin! Oder ist sie wirklich so schwachköpfig? Auch möglich! Ihr Fischblut hat sich nie in Wallung bringen lassen: für eine starke Leidenschaft und für ein starkmütiges Verbrechen war sie stets zu feig. Sie ist zu eitel, die Huldigung der Liebe entbehren, zu armselig, sie erwidern zu können. Seit sie ihren Gatten in seine Kriege begleitet, ist sie wieder ganz tugendsam geworden. Ha, ha, ha, aus Not: wie der Teufel fastet, wenn er nichts zu essen hat. Weil ich ihren Verehrer hier eingesperrt behalten!«

»Anicius, den Sohn des Boëthius? Ich hörte davon.«

»Ja, in Italien hat sie sich wieder ganz ihrem Mann angeschlossen, seinen Ruhm und sein Unglück geteilt. Und sie ist seitdem ganz Penelope, ganz die gute Ehefrau. Und hierher zurückgekehrt, was tut sie, die Gans? Macht mir Vorwürfe, daß ich sie vom Pfad der Tugend abgelockt! Und schwört, sie werde Anicius aus meinen Banden lösen. Und es gelingt ihr, der Schlange. Sie weckt dem Toren das Gewissen, reißt ihn täglich mehr von mir los, meinen ungetreuen Kämmerer natürlich, um ihn für sich zu behalten!«

»Du kannst dir also nicht vorstellen«, fragte Cethegus, »daß ein Weib eine Seele für den Himmel wirbt ohne: —?«

»Ohne Prozente Bergelohn zu erheben? Nein! — Dabei täuscht sie aber sich und ihn mit frommen Reden. Und o wie gern läßt sich der Jüngling retten von der jugendlich blühenden Erretterin aus meinen Armen, der Verwelkenden, der Krankenden — der vor der Zeit Verzehrten. Ah«, rief sie leidenschaftlich und sprang von dem Pfühl, »daß der Leib ermüdet erliegen muß, ehe noch die Seele sich zum tausendsten Teil ihres Dursts nach Leben ersättigt hat. Leben aber ist Herrschen, Hassen, Lieben.«

»Du scheinst unersättlich in diesen Künsten und Genüssen.«

»Ja, und ich rühme mich dessen. Und ich soll fort von des Daseins reichbesetzter Tafel, herab von diesem Kaiserthron, mit dem brennenden Heißhunger nach Freude und Macht! Und nur wenige Tropfen noch soll ich schlürfen! Oh, die Natur ist eine elende, schmähliche Pfuscherin!

Alle Äonen einmal zeugt sie, neben Myriaden von Krüppeln, häßlich an Leib und ohnmächtig an Geist, einmal zeugt sie einen Leib, eine Seele wie Theodoras, schön und stark und verlangend, die Ewigkeit hindurch zu leben und zu genießen. Und nach drei Jahrzehnten, nachdem ich kaum genippt am vollen Becher, versagt die Natur dem lechzenden Lebensdrang! Fluch über den Neid der Götter! Aber auch Menschen können beneiden: und der Neid macht sie zu Dämonen. Nicht sollen andre genießen, wo ich nicht mehr genießen kann. Nicht sollen andre lachen, wenn ich mich in Schmerzen winde Nächte durch! Nicht frohlocken soll die strotzend Gesunde mit dem Treulosen, der Theodoras war und dabei noch einer andern denken konnte, oder der Tugend, oder des Himmels.

Erst heute hat er mir gesagt, er trage nicht länger dies ruhm— und ehrlose Leben in meinen Frauengemächern: — Himmel und Erde riefen ihn hinweg. Er soll es büßen — mit ihr —! Komm, Cethegus«, sprach sie grimmig, seinen Arm ergreifend, »wir wollen sie beide verderben.«

»Du vergißt«, sagte Cethegus kalt, »ich habe keinen Grund, sie oder ihn zu hassen. Was ich also hierin tue, tue ich um deinetwillen.«

»Doch nicht, du kluger, eisiger Römer. Glaubst du, ich durchschaue dich nicht?«

»Hoffentlich nicht«, dachte Cethegus.

»Du willst Belisar fernhalten von Italien. Allein willst du dort kriegen und siegen. Höchstens einen Schatten neben dir haben, wie Bessas war und Areobindos sein wird. Meinst du, ich habe das nicht durchschaut, als du damals vor Ravenna die Abberufung Belisars so meisterhaft eingefädelt hast? Sorge um Justinian! Was liegt dir an Justinian!«

Cethegus pochte das Herz.

»Freiheit Roms! Zum Lachen! Du weißt, daß nur starke, einfache Männer die Freiheit ertragen. Du kennst deine Quiriten. Nein, dein Ziel liegt höher.«

»Sollte dies Weib durchschauen, was alle meine Feinde und Freunde nicht geahnt?« bangte Cethegus.

»Du willst Italien allein befreit haben und allein als Justinians Statthalter Italien regieren, der nächste an seinem Thron, hoch über Belisar und Narses, der nächste nach Theodora: und, gäb es Höheres, du wärst der Geist, danach zu fliegen.«

Cethegus atmete auf. »Das wäre doch nicht all der Mühe wert«, dachte er.

»Oh, es ist ein stolzes Gefühl, der erste Diener Justinians zu sein.«

»Natürlich, über ihren Mann hinaus, ob sie ihn täglich verrät, vermag sie nicht zu denken.«

»Und, als der Gehilfe Theodoras, ihn, den Kaiser, — zu regieren.«

»Die Schmeichelluft dieses Hofes betäubt zuletzt auch den hellsten Verstand«, dachte Cethegus. »Das ist der Wahnsinn des Purpurs. Sie kann sich selber nur als Allbeherrscherin denken.«

»Ja, Cethegus, keinem andern gönnt’ ich es, solches nur zu denken. Dir will ich’s erringen helfen: — mit dir will ich die Herrschaft der Welt teilen: — Vielleicht nur um törichter Jugenderinnerungen willen: weißt du noch, wie wir vor Jahren zwei Kissen verteilten in meiner kleinen Villa? Wir nannten sie Orient und Okzident. Das war ein Omen. So laß uns jetzt Orient und Okzident verteilen. Durch meinen Justinian beherrsch’ ich den Orient. Durch meinen Cethegus will ich den Okzident beherrschen.«

»Hochmütig, unersättlich Weib!« dachte Cethegus. »Wäre mir nur Mataswintha nicht gestorben, die jungfräuliche. Sie an diesem Hof — und du versankst.«

»Aber dazu«, fuhr Theodora fort, »muß erst Belisar für immer aus dem Wege. Justinian war entschlossen, ihn abermals, und zwar als deinen Oberfeldherrn, zu senden.«

Cethegus furchte die Brauen. —

»Er vertraut immer wieder seiner hündischen Treue. Er muß von seiner Untreue greifbar überzeugt werden.«

»Das wird schwerhalten«, meinte Cethegus. »Eher lernt Theodora die Treue, als Belisar die Untreue.« Ein Schlag der kleinen Hand auf den Mund war seine Strafe.

»Dir bin ich, törichterweise, treu geblieben, — d. h. im Wohlwollen. Willst du Belisar wieder in Italien haben?«

»Um keinen Preis.«

»Dann hilf, ihn verderben samt dem Sohn des Boëthius.« — »Sei’s«, sagte der Präfekt. »Ich habe keinen Grund, den Bruder des Severinus zu schonen. Aber wie? Wie willst du den Beweis von Belisars Untreue führen? Darauf bin ich gespannt. Wenn du das vermagst, erkläre ich mich, wie im Lieben und Hassen, so im Planen einen Stümper gegen Theodora.«

»Das bist du auch, schwerfälliger Sohn von Latium.

Nun höre: aber das ist so gefährlich, daß ich selbst dich, Galatea, bitten muß, Wache zu stehen, daß niemand kommt und lauscht. Nein, Goldmütterchen, nicht innerhalb, — ich bitte recht schön: — außerhalb der Türe. — Laß mich nur allein mit dem Präfekten — es gilt — leider! — nur ein Geheimnis des Hasses.«

Als nach geraumer Zeit der Präfekt das Gemach verließ, sagte er zu sich selber: »Wenn dieses Weib ein Mann wäre, — der müßte mir sterben. — Er wäre gefährlicher als die Barbaren, samt Byzanz. Aber dann freilich, dann wäre die Bosheit nicht so unergründlich teuflisch.«

ZWÖLFTES KAPITEL

Bald nachdem der Präfekt nach Haus gekommen, meldete Syphax den Sohn des Boëthius: die Kaiserin sende ihn.

»Laß ihn ein und niemand sonst, bis er fort ist. Einstweilen aber schicke schleunigst nach Piso, dem Tribun.«

Der junge Anicius, einstweilen zum Mann herangereift, trat ein. Er trug einfache Kleidung, und sein Haar, sonst künstlich gelockt und gesalbt, hing heute schlicht herab. Seine weichen Züge — sie erinnerten den Präfekten lebhaft an Kamilla — gewannen sehr durch den Ausdruck von Entschlossenheit, der heute darauf ruhte.

»Du mahnst mich an deine schöne Schwester, Anicius«, mit diesen Worten empfing ihn der Präfekt.

»Ihretwegen, Cethegus, bin ich gekommen«, sprach der Jüngling ernst. »Du bist der älteste Freund meines Vaters, meines Hauses. Du hast mich und Severinus in deinem eignen Hause geborgen gehalten und, mit Gefahr für dich selbst, geflüchtet, als man nach uns forschte. Du bist der einzige in Byzanz, von dem ich väterlichen Rat in einer dunkeln Pflicht erbitten kann. Erst vor wenigen Tagen erhielt ich diesen rätselhaften Brief.«

»Anicius, dem Sohne meines Patronus, Corbulo, der Freigelassene... —«

»Corbulo? Ich kenne den Namen.«

»Der Freigelassene meines Vaters, bei welchem meine Mutter und Schwester Zuflucht gefunden, und der... —«

»Mit deinem Bruder vor Rom gefallen ist.«

»Ja, aber er starb erst im gotischen Lager, wohin er, selbst schwerverwundet, mit meinem sterbenden Bruder aus dem Dorf ad aras Bacchi, gefangen gebracht wurde. So erzählt mir ein mitgefangener armenischer Söldner Belisars, Sutas, der mir den Brief überbrachte, den Corbulo nicht mehr vollenden konnte.

Lies selbst.«

Und Cethegus nahm das kleine Wachstäfelchen mit den kaum leserlichen Zügen und las: »Das letzte Wort, das Vermächtnis deines sterbenden Bruders war: Anicius soll nun rächen die Mutter, die Schwester, mich: uns alle hat derselbe Dämon unseres Hauses... — —«

»Hier endet leider der Brief«, sagte Cethegus, Anicius die Tafel zurückgebend.

»Ja, dem treuen Corbulo vergingen die Sinne, und er erwachte nicht mehr aus seiner Ohnmacht, sagt der Söldner.«

»Damit ist nicht viel zu machen«, meinte achselzuckend Cethegus.

»Gewiß, aber der Söldner Sutas hörte noch ein Wort meines sterbenden Bruders zu Corbulo — sie lagen in einem Zelte —: das kann ein Schlüssel werden.«

»Nun?« fragte Cethegus, teilnehmend gespannt.

»Severinus sagte: Ich ahn’ es. Er wußte von diesem Hinterhalt. — Er hat uns in den Tod geschickt.’« — »Wer?« fragte Cethegus ruhig. »Ja, das eben fragt sich.« — »Du hast keine Ahnung?« — »Nein, aber es kann nicht unmöglich sein, den Gemeinten zu entdecken.« — »Wie willst du das anfangen?«

»In den Tod geschickt?: — das kann nur einen Anführer, einen Feldherrn meinen, der meinen Bruder veranlaßte, an jenem Morgenritt Belisars aus dem tiburtinischen Tor sich zu beteiligen. Denn Severinus gehörte damals nicht zu dem Gefolge Belisars. Er war Tribun deiner Legionäre. Es muß gelingen, wenn du, Belisar, Prokop ernstlich nachspüren, den zu ermitteln, der ihn veranlaßte. Denn er ging nicht etwa auf deinen Befehl mit andern Legionären: keiner deiner Legionäre und Reiter war sonst dabei.«

»Das ist richtig«, sagte Cethegus, »soviel ich mich entsinne.«

»Nein, nicht einer. Prokop — leider ist er nun verreist, Bauwerke Justinians in Asien kennenzulernen — war ja selbst dabei: oft zählte er mir die Namen aller auf. Wenn er wiederkehrt, werde ich sorgfältig forschen, mit wem etwa mein Bruder vor dem Ausfall zuletzt verkehrt, in wessen Haus oder Zelt er war: — ich werde nicht ruhen und rasten —, ich werde Severins noch lebende Kameraden befragen, wo sie ihn zuletzt, vor dem Ausritt, gesehn.«

»Du bist scharfsinnig für deine Jahre«, sagte der Präfekt mit seltsamem Lächeln. »Wenn solche Klugheit erst zu Reife kommt! Aber freilich: du lebst in guter Schule für die Schlauheit. Weiß die Kaiserin von deinem Rätselbrief?«

»Nein, und sie soll nie davon erfahren. Nenne mir ihren Namen nicht! Diese Rachepflicht sendet mir Gott als letzten Mahnruf, mich von ihr zu reißen.«

»Aber sie sendet dich zu mir?«

»In einer andern Sache — die aber sehr gegen ihre Meinung enden soll. Vor kurzem ließ sie mich heute rufen: noch einmal fragte sie mich lächelnd, ob es denn gar so schwer im goldigsten Käfig auszuhalten sei? Mich aber ekelt des Weibes. Und mich reut schmerzlich der Monate, die ich bei ihr verloren, indes mein Bruder für das Vaterland gefochten und gefallen. Ich gab ihr so herbe Antwort, daß ich einen Sturm des Zorns erwartete. Aber zu meinem Staunen blieb sie ganz ruhig und sprach lächelnd: ‘Nun es sei: keine Treue dauert. Gehe hin zu Antonina oder zur Tugend oder zu beiden Göttinnen. Aber zum letzten Zeichen meiner Gunst will ich dich retten vor sicherem Verderben.

Es besteht in Byzanz eine Verschwörung römischer und griechischer Jünglinge gegen Justinians Leben oder Freiheit. Sie wollen ihn zwingen zum Gotenkrieg und zu Belisars Ernennung zum Feldherrn. Still, ich weiß es. Ich weiß auch, daß man dich schon halb gewonnen, daß du zwar noch keine der Versammlungen besucht hast, aber die Dokumente der Verschwörung verwahrst. Ich habe sie gewähren lassen, weil einige alte Übelgönner von mir darunter sind, die ich sicher diesmal zu verderben hoffe. In einigen Tagen ziehe ich das Netz zusammen. Du aber sollst gewarnt und gerettet sein. Geh zum Präfekten: er soll dich unter der Schar seiner Söldner aus Byzanz führen. Sage ihm nur: dir drohe Gefahr, und dich sende Theodora. Aber von der Verschwörung verrate ihm nichts: auch seiner Kriegstribunen sind etliche dabei, die er gern retten würde, ich aber verderben will.’

Und ich kam zu dir: aber nicht, um zu fliehen: um dich und meine römischen Waffenbrüder zu warnen. Ich werde auch die Versammlung besuchen — heute droht noch keine Gefahr, versicherte die Kaiserin —, sie alle zu warnen, ihnen zu sagen, daß die Verschwörung entdeckt ist. Du darfst nicht hin, Präfekt, du darfst dich nicht weiter bloßstellen: Justinian mißtraut dir bereits. Die Unsinnigen wollen warten, bis sie Belisar gewonnen haben! Und vielleicht morgen schon sind sie alle gefangen, wenn man sie nicht warnt. Ich eile heute, die Freunde zu warnen. Dann aber ruhe und raste ich nicht, bis ich den Mörder meines Bruders herausgefunden.«

»Beides sehr löblich«, sprach Cethegus. — »Nebenbei gesagt, wo birgst du die Briefe der Verschworenen?«

»Wo ich«, sprach der Jüngling errötend, »alle Geheimnisse, andre, heiligere barg — mir unendlich teure Briefe und auch diese Tafel bergen will —, du sollst darum wissen: denn du, der älteste Freund unsres Hauses, du sollst mein Rachewerk mit vollenden helfen. Auch die Aussagen des Söldners Sutas über kaum verständliche Reden der beiden Sterbenden habe ich am gleichen Ort geborgen. Sie lauteten von ‘Giftmord’, von dem ‘mörderischen Befehl’, von einer ‘Anklage vor dem Senat’ — also muß der Feind römischer Senator gewesen sein, — vom ‘purpurroten Helmbusch’, vom ‘schwarzen Höllenroß’.«

»Und so weiter«, unterbrach Cethegus. »Wo ist der Versteck? Du kannst einmal wirklich rasch entfliehen müssen, denn ich rate dir doch sehr, der Kaiserin nicht zu traun, du erreichst vielleicht einmal dein Haus nicht mehr.«

»Und dann ist es notwendig, daß du mein Werk aufnehmest. Ich wollte dir schon selbst sagen: in der Zisterne im Hof meines Wohnhauses — der dritte Ziegel links vom Schöpfrad ist hohl.

Auch schon deshalb«, fuhr er finsterer fort, »sollst du davon wissen... Wenn die Freunde, die Verschwornen nicht zu retten sein sollten — wenn meine eigne Freiheit bedroht wird — denn du hast recht mit deiner Warnung: ich bemerke schon lange, daß mir Späher nachschleichen — des Kaisers oder der Kaiserin? — dann mach’ ich rasch ein blutig Ende —: Was liegt dann an meinem Leben? — Wenn ich den Auftrag Severins doch nicht mehr erfüllen kann — dann — ich habe dem Kaiser jeden Morgen zu melden, wie die Kaiserin geruht — stoß’ ich den Tyrannen nieder in Mitten seiner Sklaven.«

»Wahnsinniger!« rief Cethegus in aufrichtigem Schreck — denn nun wollte er Justinian am Leben und in Herrschaft erhalten — »wohin reißt dich die Reue und ein planlos zerfahrenes Leben? Nein, der Sohn des Boëthius darf nicht als Mörder enden. Willst du in Blut deine ruhmlose Vergangenheit sühnen, — wohlan, so kämpfe unter meinen Legionären: im Blut der Barbaren reinige dich, mit dem Schwerte des Helden, nicht mit dem Dolch des Meuchlers.«

»Du sprichst groß und wahr. Und du willst mich, den Unerprobten, deinen Rittern beigesellen! Wie kann ich dir danken?«

»Spare den Dank, bis alles vollendet —: bis wir uns wiedergesehn. Einstweilen warne heute abend die Verschwornen. Das ist schon eine Probe des Mutes. Denn ich halte es nicht für ungefährlich, da man dir nachschleicht. Wenn du die Gefahr scheust — sag’ es offen.«

»Ich soll die erste Probe des Mutes scheuen? Ich komme, zu warnen: und ob mich drum der sichre Tod erwarte.« Und er drückte des Präfekten Hand und eilte hinweg.

Sowie er entfernt war, — nur einen Blick warf ihm der Präfekt nach — führte Syphax den Tribun Piso aus einem andern Eingang in das Gemach.

»Tribun der Jamben«, rief ihm Cethegus zu, »jetzt heißt es raschfüßig sein, wie deine Verse. Genug der Verschwörungen und der Katzentritte hier in Byzanz! Augenblicklich suchst du alle jungen Römer auf, die im Hause des Photius verkehrten. Keinen von euch darf die Abendsonne mehr in diesen Mauern finden. Es gilt das Leben. Keiner darf zu dem ‘Abendschmause’ des Photius kommen. Einzeln, in Gruppen, geht auf die Jagd: fahrt Segel um die Wette, auf dem Bosporus: aber eilt hinweg.

Die Verschwörung ist überflüssig.

Bald ruft wieder schmetternd die Tuba zum Kampf gegen die Barbaren in Latium. Fort mit euch allen! Harret meiner zu Epidamnus. Von da hol ich euch mit meinen Isauriern ab: zum dritten Kampf um Rom.

Fort mit dir!

Syphax«, forschte er, mit diesem jetzt im Gemach allein, »hast du nachgefragt in des großen Feldherrn Hause? Bis wann wird er zurückerwartet?«

»Bis Sonnenuntergang.«

»Die treue Gattin harret in seinem Hause? Gut. Eine Sänfte, — nicht die meine —: miete die nächste vor dem Hippodrom, deren Läden ganz verschließbar sind. Führe sie in die Hafenstadt, in die Hinterstraße der Trödler.«

»Herr, dort wohnt das ärgste Gesindel dieser gesindelreichen Bettlerstadt. Was willst du dort?«

»Einsteigen in die Sänfte. Dann nach dem roten Hause.«

kürzlich erschienenen Werke, das den glänzendsten Feldzug ihres Gemahls beschrieb.

Zu ihren Füßen lag ein herrlich Tier, einer aus dem Doppelpaar der zahmen Jagdleoparden, die der Perserkönig nach dem letzten Frieden dem Sieger Belisar geschenkt —: eine höchst kostbare Gabe, da nur selten die Zähmung völlig sicher gelang und viele hundert der jung eingefangenen oder auch in der Gefangenschaft geworfenen Jungen nach jahrelanger Abrichtung als unzähmbar getötet werden mußten.

Das wunderschöne, große und starke Tier — es verwilderte zu leicht auf der Jagd durch Genuß warmen Blutes und war deshalb zu Hause gelassen worden — streckte sich behaglich, wie eine Hauskatze, auf Antoninens Gewand, spielte mit dem Knäuel von Goldfaden, ringelte den Schweif und rieb den runden, klugen Kopf und den Bug an der Gebieterin Füßen.

Da meldete die Sklavin einen fremden Mann, — in unscheinbarer Mietsänfte sei er angekommen und in schlechtem Mantel —: man habe ihn abweisen wollen, da der Hausherr fern und Antonina in seiner Abwesenheit keinen Besuch mehr empfange. »Aber man kann ihm nicht widerstehn! Er befahl: ‘Meldet Antoninen den Überwinder des Papstes Silverius.’«

»Cethegus!« rief Antonina: sie erbleichte und zitterte.

»Laßt ihn schleunigst ein.«

Die Überlegenheit, die der gewaltige Geist in jener ersten Stunde ihrer Begegnung über sie gewonnen und nie wieder verloren hatte, die Erinnerung, wie dieser Mann, als ihr Gatte und der kluge Prokop und all die Heerführer vor dem Priester widerstandslos erlegen waren, den Überwinder überwunden und gedemütigt hatte, wie er dann, bei dem Einzug in Rom, in der Schlacht an der Aniobrücke, in Roms Verteidigung gegen Witichis, in dem Lager vor Ravenna, bei der Gewinnung dieser Stadt, immer und überall seine Obmacht bewährt und sie doch nie feindlich gegen Belisar gebraucht hatte — wie Unheil nur aus dem Widerstreben gegen seine Warnungen gefolgt — wie jeder seiner Ratschläge an sich siegreich gewesen war — all diese Erinnerungen schossen nun verwirrend und betäubend in ihrem Haupte zusammen.

Die Schritte des Präfekten nahten. Sie stand hastig auf.

Der Leopard, unsanft weggeschoben und um des Eindringlings willen aus seinem behaglichen Spiel aufgestört, richtete sich leise knurrend auf, drohend gegen den Eingang blickend, und die gelben Zähne fletschend.

Ungestüm schlug der Eintretende die Vorhänge zurück und steckte das halb von der Kapuze bedeckte Haupt herein.

Das erschreckte oder reizte den Leopard: — bei der ersten Bändigung bedienten sich die persischen Löwen— und Tigerzüchter langer Wollteppiche und Gesicht und Hals schirmender Vermummungen: — Erinnerung an einen alten Feind mochte in dem grimmen, nie ganz gebändigten Tier erwacht sein: mit furchtbarem Wutgeschrei duckte es sich zum tödlichen Ansprung, den Boden mit der langen Rute peitschend und Geifer spuckend —: das sichere Anzeichen grimmigster Wut.

Entsetzt erkannte das Antonina. »Flieh, flieh, o Cethegus«, schrie sie.

Tat er das, wandte er den Rücken, so war er verloren —, so saß ihm das Untier festgebissen auf dem Nacken.

Denn keine verschließbare Tür, nur Vorhänge sperrten den Rückweg.

Er trat rasch vor, warf die Kapuze zurück, blickte scharf in des Leoparden Augen, den Zeigefinger der Linken gebietend erhoben und ein breites, blitzendes Dolchmesser gerade vor sich hin streckend.

»Nieder! Nieder! Heiß Eisen sonst droht!« So rief er in persischer Sprache dem knurrenden Untier entgegen, noch einen Schritt vortretend.

Da brach der Leopard in ein winselndes Heulen der Furcht aus: die zum Sprung gekrümmten Muskeln erschlafften: winselnd kroch er, auf allen vieren sich vorschiebend, heran und leckte, zitternd vor Furcht, dem Manne die Sandale des linken Fußes, indes ihm dieser den rechten Fuß fest auf den Nacken setzte.

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
1270 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain