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Kitabı oku: «Ein Kampf um Rom», sayfa 65

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Antonina war vor Entsetzen auf die Knie gesunken: starr blickte sie jetzt auf das furchtbar schöne Bild.

»Das Tier — die Proskynese!« stammelte sie. »Dareios hatte sie immer verweigert: — er wurde wütend, wann Belisar sie erzwingen wollte: — Wo hast du, Cethegus, das gelernt?«

»In Persien natürlich«, sagte dieser. Und er stieß dem ganz gebrochenen Tier so heftig den Fuß in die Rippen, daß dieses, laut aufschreiend vor Schmerz, hinwegfuhr und in der fernsten Ecke des Zimmers Schutz suchte, wo es zitternd, die Augen ängstlich auf den Mann gerichtet, liegen blieb.

»Belisarius hat nur die Burgen, nie die Sprache der Perser bemeistert«, sagte Cethegus: »diese Bestien aber verstehen nicht griechisch. Du bist ja grimm gehütet, wenn Belisar fern ist«, fuhr er fort, den Dolch wieder in den Brustfalten bergend.

»Was führt dich in sein Haus?« fragte, noch bebend, Antonina.

»Die oft verkannte Freundschaft. Es gilt, deinen Gatten zu retten, der den Mut des Löwen, aber nicht die Geschicklichkeit der Maus besitzt! Prokop ist leider fern. Sonst hätt’ ich diesen ihm vertrauteren Berater gesendet. Ich weiß, daß Belisar von dem Kaiser ein schwerer Schlag droht. Es gilt ihn abzuwenden. Des Kaisers Gunst... —«

»Ist wankelhaft, ich weiß es. Aber die Verdienste Belisars —«

»Gerade diese sind sein Verderben. Einen Unbedeutenden würde Justinian nicht fürchten. Aber er fürchtet Belisarius.«

»Das haben wir oft erfahren«, seufzte Antonina.

»Wisse denn — du zuerst von allen, was niemand außerhalb des Palastes ahnt —: des Kaisers Schwanken ist seit heut’ entschieden —: für den Gotenkrieg.«

»Endlich!« rief Antonina, und ihr Antlitz hellte sich auf. — »Ja, aber — bedenke die Schmach! —: nicht Belisar ist zum Feldherrn bestimmt.« — »Wer sonst?« fragte Antonina zornig. »Ich bin der eine Feldherr... —« Mißtrauisch blickte sie auf ihn.

»Ja, das war mein Streben schon lang: ich gestehe es.

Aber der zweite soll Areobindos sein. Ich kann mit diesem Schattenmann nichts anfangen. Ich kann nicht neben ihm, mit ihm, gehemmt durch seinen Unverstand, die Goten besiegen. Die Goten besiegt niemand als Belisarius. Deshalb muß ich ihn wieder neben mir, meinetwegen über mir, als Oberfeldherrn, mit mir haben. Sieh, Antonina, ich halte mich für den größeren Staatsmann —«

»Mein Belisar ist ein Held, kein Staatsmann«, sagte die stolze Gattin.

»Aber lächerlich wäre es, mich als Feldherrn mit dem Vandalen—, Perser— und Goten-Besieger zu vergleichen. Sieh, ich gestehe dir ja ganz offen: nicht bloß Wohlwollen für Belisarius, auch Selbstsucht leitet mich dabei.

Ich muß Belisar zum Waffengenossen haben.« — »Das leuchtet mir ein«, sagte sie wohlgefällig.

»Justinian ist aber nicht zu bewegen, Belisarius zu ernennen. Noch mehr: er mißtraut ihm aufs neue: und zwar mehr denn je.«

»Weshalb aber, bei allen Heiligen?«

»Belisarius ist zwar unschuldig, aber sehr unvorsichtig. Seit Monden erhält er heimlich Briefe, Zettel, Mahnungen zugesendet, in den Mantel im Bade gesteckt, in den Garten geworfen, — die ihn zur Teilnahme an einer Verschwörung auffordern.«

»Himmel, du weißt davon?« stammelte Antonina.

»Leider nicht nur ich, auch andre Leute —: der Kaiser selbst!« — »Es gilt aber nicht des Kaisers Leben oder Thron«, beschwichtigte Antonina. »Nein, nur seiner Freiheit, seiner Selbstbestimmung: ‘Krieg gegen die Goten’ — ‘Belisar Feldherr’ — ‘schmählich ist’s, den Undankbaren dienen’ — ‘zwing den Herrn zum eignen Vorteil’ — So und ähnlich lauteten die Zettelchen, nicht wahr? Nun, Belisar hat zwar nicht Folge geleistet. Aber er hat auch, der Unkluge, nicht gleich den ersten Wink von diesen Aufforderungen dem Kaiser angezeigt! Das kann Belisars Kopf kosten!«

»O alle Heiligen!« rief Antonina händeringend, »er unterließ es auf meinen Rat, auf mein Bitten. Prokop riet ihm — wie du jetzt — gleich alles dem Kaiser zu melden. Aber ich zitterte vor des Kaisers Mißtrauen, das schon in der Aufforderung an Belisar einen Schein der Schuld erblicken konnte.«

»Das war es wohl nicht allein«, sprach Cethegus vorsichtig, erst nach Lauschern sich umblickend, »was deinen Rat bestimmte, dem Belisar, wie immer, folgte.«

»Was sonst? Was kannst du meinen?« forschte Antonina leise. Sie errötete über und über.

»Du wußtest, daß gute Freunde eures Hauses beteiligt waren: — diese wolltest du erst warnen, erst lösen von den Schuldigen, ehe sie angezeigt würden.« —

»Ja«, stammelte sie, »Photius, sein Freigelassener —«

»Und noch ein andrer«, flüsterte Cethegus, »der doch nicht, aus Theodoras goldnem Kerker kaum befreit, gleich in die Gewölbe des Bosporus wandern sollte.«

Antonina schlug beide Hände vor das Antlitz.

»Ich weiß alles, Antonina: — die geringe Schuld von früher — die starken guten Vorsätze späterer Zeit.

Aber hier hat dich die alte Neigung bestrickt. Statt nur an Belisar zu denken, hast du auch an sein Wohl gedacht. Und wenn nun darüber Belisar untergeht — wes ist die Schuld?«

»O halt ein, erbarme dich«, flehte Antonina.

»Verzage nicht«, fuhr Cethegus fort. »Dir bleibt ja eine starke Stütze — eine Fürsprecherin bei Justinian. Wenn auch vielleicht Verbannung droht — das Äußerste wird doch die Fürbitte deiner Freundin abwenden, der Allmächtigen.«

»Die Kaiserin! Weh uns!« rief Antonina entsetzt. »Wie wird sie alles darstellen! Ach, sie hat uns den Untergang geschworen.«

»Dann ist’s schlimm«, sprach Cethegus, »sehr schlimm. Denn auch die Kaiserin weiß von der Verschwörung und von den Ladungen an Belisar. Und du weißt: viel geringere Schuld als die, zu einer Verschwörung aufgefordert zu sein, genügt...«

»Die Kaiserin weiß es? Dann sind wir verloren! O du, der du Auswege zu finden weißt, wo kein Auge sonst sie sieht: — hilf, rette.«

Und die stolze Gestalt sank flehend vor dem Präfekten nieder.

Aus der Zimmerecke erscholl ein klägliches Geheul, bei diesem Anblick schüttelte den Leoparden aufs neue die Furcht.

Einen raschen Blick warf der Präfekt auf den heulenden Gegner — dann erhob er sanft die Kniende.

»Auf, Gattin Belisars, verzage nicht. Ja, es gibt ein Mittel, Belisar zu retten. Aber nur eines.«

»Soll er jetzt die Anzeige machen, sobald er heimkehrt?«

»Das ist zu spät. Und zu wenig. Man würde ihm nicht glauben, daß es ihm Ernst mit bloßen Worten. Nein, er muß in Taten seine Treue beweisen. Er muß die Verschworenen alle zusammen fassen und alle zusammen dem Kaiser ausliefern.«

»Wie kann er sie zusammen fassen?«

»Sie laden ihn ja selbst. Heute nacht, in des Photius, seines Freigelassenen, Hause versammeln sie sich. Wohlan: er sage zu, ihr Haupt zu werden. Er erscheine und nehme sie dort alle gefangen. —

Anicius«, fügte er rasch bei, »ist von der Kaiserin selbst gewarnt für heute nacht — er war bei mir.«

»Oh, und müßt’ er sterben: — es gilt ja, Belisar zu retten. Er muß es tun! Ich seh’ es ein. Und es ist kühn, gefährlich — es wird ihn reizen.«

»Wird er seinen Freigelassenen opfern?« —

»Siebenmal haben wir den Toren vergebens gewarnt. Was liegt an Photius, wenn es Belisar gilt. Wenn ich je Gewalt über ihn gehabt: — heute werd’ ich ihn überzeugen. Schon früher riet ihm Prokop, einmal einen solchen, wie er sagte, brutalen Beweis seiner Treue zu führen, nachdem er nicht gleich die erste Aufforderung dem Kaiser mitgeteilt. Ich werde ihn dieses Rats Prokops erinnern. Sei gewiß: er folgt meinem, unsrem übereinstimmenden Rat.«

»Gut, er soll vor Mitternacht dort sein. Wann der Wächter auf den Mauern die zwölfte Stunde ausruft, breche ich in den Saal: und, auf daß er ganz sicher geht, soll er nur eintreten, wenn er meinen Mauren Syphax in der Nische des Hauses hinter der Petrus-Statue sieht. Auch kann er einige seiner Leibwächter vor das Haus stellen: sie sollen ihn decken für den Notfall und Zeugnis ablegen für ihn. Große Verstellungskunst wird ihm nicht zugemutet. Er soll erst kurz vor Mitternacht eintreten: er braucht dann nur zu hören, nicht zu reden. Unsere Wachen harren im Hain des Constantinus vor der Hintertür des Muschelhauses des Photius: mit dem Ausruf der Mitternacht — die Tuba bläst die Ablösung der Wachen, du weißt, man hört es deutlich — brechen wir ein. Er braucht also gar nicht das Wagnis zu übernehmen, ein Zeichen zu geben.«

»Und du, — du kommst gewiß?«

»Ich werde nicht fehlen. Leb’ wohl, Antonina.«

Und rasch war er, rückwärts schreitend, das Antlitz dem gebändigten Tiere zugekehrt, das Messer zückend, an dem Ausgang. Der Leopard hatte auf den Moment gewartet: er regte sich leise in der Ecke, sich aufrichtend.

Da aber, zwischen den Vorhängen, erhob Cethegus nochmal den Stahl und drohte. »Nieder, Dareios! Heiß Eisen sonst droht.«

Und er war hinaus.

Der Leopard duckte den Kopf auf den Mosaikestrich und stieß ein kläglich Geheul ohnmächtiger Wut aus.

VIERZEHNTES KAPITEL

König Totila war mit Flotte und Heer nach Rom zurückgekehrt, in den eroberten Städten nur kleine Besatzungen lassend, nachdem der Kaiser auf Grund seiner Forderungen Friedensverhandlungen eröffnet und einen Waffenstillstand von sechs Monaten erbeten hatte, vor dessen Ablauf der Friede durch byzantinische Gesandte geschlossen werden sollte, die er in Bälde nach Rom zu schicken versprach.

Das Glück Totilas und der Glanz seiner Herrschaft standen nun auf der Höhe des Ruhmes.

Der siegreiche Angriff auf das byzantinische Reich hatte seinem Namen weithin leuchtenden Schimmer verliehen. Auch auf Italien warf er wirkungsvolle Strahlen.

Die beiden letzten, von den Byzantinern behaupteten Städte waren Perusia in Tuscien und Ravenna, das unbezwingbare. Perusia ergab sich nun nach langer, zäher Verteidigung dem Grafen Grippa: und selbst von Ravenna fiel der wichtigste Teil, die Hafenstadt Classis, endlich in die Hand des alten Hildebrand, der nun seit mehr als achtzehn Monden die Feste umschlossen hielt.

Da jetzt die Verpflegung der Stadt von der See her abgeschnitten werden konnte, — der König hatte den Auftrag gegeben, alle bisher vereinzelten Geschwader zu einer starken Flotte bei Ancona zu sammeln und den Hafen Classis zu sperren — war ihr baldiger Fall durch Aushungerung zu erwarten.

So war denn nur noch ein einziger Schritt zu tun zur vollen Lösung des Gelübdes, das Totila dereinst dem sterbenden Vater Valerias geleistet. Nur in der Landseite von Ravenna noch standen Byzantiner auf italischem Boden: in wenigen Wochen mußte die Stadt die Tore öffnen, und nichts stand mehr der Vermählung des Gotenkönigs mit der schönsten Tochter Italiens im Wege.

Totila beschloß, diesen Schritt vorzubereiten durch eine öffentliche, feierliche Verlobung mit seiner Braut, durch ein glanzvolles Siegesfest, das die errungenen Erfolge verherrlichen, die Geliebte dem ihm nicht wohlgefälligen Einfluß des Klosters entziehen und sie, die künftige Königin, dem Hofe, dem Reiche zeigen sollte: denn bisher hatten ja nur Graf Teja und die vertrautesten Freunde Totilas Brautschaft und Braut gekannt. Cassiodor und Julius hatten als hohe Ehre den Auftrag angenommen, die Verlobte des Königs aus Taginä abzuholen und nach Rom zu führen.

Südwestlich vom jetzigen Monte Testaccio, wo der Tiber längs der aurelianischen Umwallung hinläuft und die Stadt verläßt, ragte auf sanftem Hügel eine alte kaiserliche Villa aus der Zeit der Antonine.

Totila liebte den Ort, der von der Höhe einen wundervollen Ausblick den Fluß hinab und in die Campania gewährte: den Fluß, den jetzt wieder zahlreiche kleine Handelsschiffe bevölkerten, die von dem Hafen Portus herauf die Frachten der großen Seeschiffe in die Stadt führten: die Campania mit ihren wieder aus dem Schutt und der Zerstörung von zwei Belagerungen emporsteigenden Landhäusern.

Mit geringer Nachhilfe hatte der König den alten Cäsarenpalast wieder wohnlich herstellen lassen, auf der prachtvollen, breiten Terrasse vor der Villa, welche die Krone der bis an den Fluß hinabsteigenden Marmortreppe bildete, sollte die Festfeier ihre reich geschmückte Stätte finden.

Totila hatte von Neapolis den alten Bildhauer Xenarchos, der zuerst die Dioskuren zusammengefügt, entboten und ihn beauftragt, aus der Fülle von verfügbaren Statuen in Rom und den nächsten Städten die vorzüglichsten zu wählen und sie auf den leeren Postamenten zu beiden Seiten der Marmortreppe aufzustellen. Mit liebevollem Eifer hatte sich der Alte seines Auftrags entledigt: und eine herrliche Doppelreihe von Göttern, Göttinnen und Heroen schloß bald von beiden Seiten die Mamorstufen ein.

Die Terrasse war überwölbt von einem weiten Purpurzelt, wie man sie über die Räume des Amphitheaters spannte, zum Schutz gegen die Sonne, geöffnet aber gegen den kühlenden Wind vom Flusse her: nach rückwärts verlief die Terrasse in das säulengetragene Vestibulum der Villa.

Das Königszelt, die Treppe, das Vestibulum, die ganze Villa waren aber umschlungen von zahllosen Gewinden des immergrünen Laubes, das im Winter und Sommer den Garten Italias schmückt.

Von der Spitze des Königszeltes wallte stolz durch die römischen Lüfte das neue, prachtvolle Banner Totilas, das Valeria und ihre Genossinnen zu Taginä kunstvoll mit Gold und Silber in hellblaue Seide gestickt: den goldnen Schwan zeigend, der gegen den blauen, von silbernen Sternen besäten Himmel mit ausgespannten Schwingen auffliegt. Höher noch ragte zur Rechten das alte, ruhmvolle Amalungenbanner Dietrichs von Bern, mit dem steigenden goldnen Löwen. Niedriger, zur Linken, eine Trophäe: das Banner Belisars, das Totila vor dem tiburtinischen Tor erbeutet hatte, das war als Siegeszeichen mit gesenkter Spitze aufgesteckt.

FÜNFZEHNTES KAPITEL

Es war der Tag der Juni-Kalenden, auf den das Siegesfest angesetzt war.

Die Bevölkerung Roms wogte von den frühesten Morgenstunden an durch die geschmückten Straßen und Plätze der Stadt gegen den aventinischen Hügel und den Fluß, der von zahllosen Gondeln belebt war: rings um die Villa hin waren Zelte, Laubhütten, Tische aufgeschlagen, an denen das Volk von Rom gespeist wurde.

Nachdem Cassiodor in der Sankt Peterskirche unter den Gebeten eines arianischen und eines katholischen Priesters — der letztere war Julius — die Tochter seines alten Freundes dem König verlobt und sie die Ringe getauscht hatten, schritt das Paar in glänzendem, feierlichem Aufzug über den Janiculus gegen das rechte Tiberufer, überschritt den Fluß auf der festlich geschmückten, von Laubbogen überwölbten Brücke des Theodosius und Valentinian und erreichte dann, dem Laufe des Stromes folgend, unterhalb des Emporiums die Festhalle der Villa.

Hier, im Angesicht des versammelten Volksheeres, unter dem an seinem Speer aufgehängten Goldschild des Königs, trat die Römerin in den linken Schuh des gotischen Bräutigams, und er legte die gepanzerte Rechte auf ihr dunkles, von durchsichtigem Schleier bedecktes Haar.

So war die Verlobung nach kirchlichem, nach römischem und nach germanischem Brauch geschlossen.

Nun nahm das Brautpaar an dem Mitteltisch der Terrasse Platz, Valeria von edeln Römerinnen und Gotinnen, Totila von Herzogen und Grafen seines Heeres umgeben; abwechselnd spielten und sangen griechische und römische Flötenspieler: und römische Tänze wechselten mit dem Schwertersprung gotischer Jünglinge, indessen auf dem Fluß, an beiden Ufern desselben und rings um die Villa her die römischen und gotischen Gäste des Königs gemeinsam schmausten, tranken und den milden Herrn und seine schöne Braut um die Wette feierten.

Ernst sinnend blickte Valeria in die Ferne, sie öffnete leise die Lippen. »Welchen Namen nanntest du?« fragte sie der König, ihr seinen Becher zum Vortrinken reichend. Sie tat Bescheid und sprach, die goldne Schale zurückgebend: »Miriam!« — »Miriam Dank und Ehre!« sagte der König, ernst den Becher hebend.

Aber da klang es goldhell von Harfensaiten: und in ganz weißem, goldgesäumtem Festgewand, einen Kranz von Lorbeern und Eichenblättern um die Schläfe, trat Adalgoth vor das Paar, warf noch einen fragenden Blick auf seinen Harfen— und Waffenlehrer, Graf Teja, der dem König zur Rechten saß, und sang mit heller Stimme zu den Akkorden seiner Harfe:

 
»Hört, alle Völker, fern und nah,
Byzanz, vernimm es wohl:
Der Gotenkönig Totila
Thront hoch im Kapitol!
Wie weit ist doch vom Tiberstrom
Held Belisar verschreckt:
Vom Orkus ist, nicht mehr von Rom,
Cethegus nun Präfekt.
Aus welchen Blättern ziemt ein Kranz
Dem König Totila? —
An seiner Brust in Rosen Glanz
Erglüht Valeria.
Den Frieden schirmet und das Recht
Sein Schwert, sein Schild, sein Stern:
Olive, leih dein fromm Geflecht
Mir für den Friedensherrn!
Wer trug den Schreck des Rachekriegs
Gewaltig bis Byzanz?
Komm, Lorbeer, welsches Kraut des Siegs
Komm reich in meinen Kranz!
Doch nicht wuchs ihm die Siegeskraft
Aus Romas Moderstaub:
Frisch kröne seine Heldenschaft
Germanisch Eichenlaub.
Hört, alle Völker, fern und nah,
Byzanz, vernimm es wohl:
Der Gotenkönig Totila
Thront hoch im Kapitol!«
 

Rauschender Beifall folgte seinem Lied, indes ein römischer Knabe und ein gotisches Mädchen, vor dem Brautpaare kniend, je einen Kranz von Rosen, Oliven, Lorbeern und Eichenblättern überreichten.

»Auch unsere Sänger, Valeria«, lächelte Totila, »sind nicht ganz ohne Wohllaut. Und nicht ohne Kraft und Treue. Mein Leben dank’ ich dem Sänger da.« Und er legte die Hand auf Adalgoths Haupt. — »Gar unsanft schlug er deinem Landsmann Piso, seinem Kollegen in Apollo, auf die geschickt skandierenden Finger: — zur Strafe, daß er an meine Valeria mit diesen Fingern wohl manchen Vers geschrieben und in derselben Hand nun das tödliche Eisen gegen mich schwang.«

»Nur eins hätt’ ich noch lieber gehört, mein Adalgoth«, sagte Teja leise zu diesem, »als dein Jubellied.«

»Was, mein Schwert— und Harfen-Graf?«

»Den Todesschrei des Präfekten, den du leider nur im Gesang in die Hölle geschickt hast.«

Aber Adalgoth ward von einer Menge von gotischen Kriegern die Treppe hinabgerufen und lange nicht wieder freigegeben: denn seinen gotischen Hörern, welche die Siege Totilas mit erfochten, gefiel sein Lied viel besser als es vielleicht dir, liebe Leserin, gefällt.

Herzog Guntharis umarmte und küßte ihn und sprach, indem er ihn zur Seite führte: »Mein junger Held! Das ist ein Ähnlichkeit! So oft ich dich sehe, ist mein erster Ausruf, Alarich.«

»Ei, das ist mein Schlachtruf«, sagte Adalgoth, und im Gespräch verschwanden sie unter der Menge.

SECHZEHNTES KAPITEL

Gleichzeitig blickte der König nach der Säulenhalle der Villa zurück, da plötzlich das Spiel der dort aufgestellten Flötenbläser abbrach. Er erkannte den Grund wohl: und er selbst sprang, mit einem Rufe des Staunens, von seinem Sitz.

Denn zwischen den beiden kranzumwundenen Mittelsäulen des Eingangs stand eine Gestalt, die nicht irdisch schien. Ein wunderholdes Mädchen in ganz weißem Gewand, einen Stab in der Hand und einen Kranz von weißen Sternblumen um das Haupt.

»Ah, was ist das? Lebt dies reizvolle Bild?« fragte erstaunt der König.

Und alle Gäste, all’ die Frauen und Männer umher, folgten dem Blick seines Auges, der Bewegung seiner Hand mit Staunen. Denn was an der schmalen Öffnung die Blumengewinde übriggelassen, war ausgefüllt von einer lieblichen Erscheinung, derengleichen sie nie geschaut.

Das Kind — oder Mädchen — hatte das glänzend weiße Linnenkleid auf der linken Schulter mit einer Saphirspange geheftet: den breiten, goldnen Gürtel schmückte ein großer Kreis von Saphiren: wie zwei weiße Flügel fielen die langen weißen Zipfelärmel von ihren Schultern: Efeuranken umwoben die ganze Gestalt, die Rechte hielt, auf der Brust ruhend, den blumenumwundenen, gekrümmten Hirtenstab: die Linke hielt einen wundervollen Kranz von Waldblumen und ruhte auf dem mächtigen Haupt eines großen, braunzottigen Hundes, der um den Hals auch einen Blumenkranz trug. Ohne Furcht, sinnig, forschend fiel ihr Blick über die glänzende Versammlung. Staunend harrten eine Weile die Gäste, regungslos stand das Mädchen.

Da stand der König auf von seinem Thron, schritt auf sie zu und sprach: »Willkommen in der Goten Königssaal, bist du ein irdisch Wesen«, lächelte er. »Bist du aber, — was ich fast lieber glauben möchte — der Licht-Elben wundervolle Königin, — nun, so sei uns auch willkommen: dann muß dir ein Thron hoch über des Königs Sitz gerüstet werden.« Und anmutig begrüßend lud er sie, mit beiden Armen winkend, näher.

Sie aber trat nun, schwebenden Schrittes, über die Schwelle der Säulenhalle auf die Terrasse, errötete und sprach: »Wie sprichst du doch liebliche Torheit, Herr König! Ich bin keine Königin. Ich bin ja Gotho, die Hirtin. Du aber bist — ich seh’s mehr an deiner lichten Stirn als an dem Goldreif — du bist Totila, der Gotenkönig, den sie den Freudenkönig nennen.

Da hast du Blumen, du und deine schöne Braut — ich hörte: eurer Verlobung gilt dies Fest — Gotho hat nichts andres zu spenden: ich pflückte und wand sie, wie ich des Weges durch die letzten Haine kam. Und nun, König, der Waisen Schirmherr und des Rechtes Schutz, nun höre mich und hilf mit deinem Schutz.«

Der König nahm wieder neben Valeria Platz: das Mädchen stand zwischen beiden: die Braut faßte ihre Hand: der König legte ihr die Hand aufs Haupt und sprach: »Bei deinem eignen wundersamen Haupte schwör’ ich dir Schutz und Recht. Wer bist du? und was ist dein Begehr?«

»Herr, ich bin eines Bergbauern Enkelin und Kind. Ich bin erwachsen auf dem Iffaberg unter Blumen und Einsamkeit. Ich hatte nichts Herzliebes auf Erden als einen Bruder. Der ist mir davon gezogen, dich zu suchen. Und als der Großvater zu sterben kam, schickte er mich zu dir: bei dir soll ich den Bruder, Recht und Schicksalslösung finden.

Und er gab mir zu Begleitung den alten Hunibad mit von Teriolis: aber dessen Wunden waren nicht ausgeheilt, und sie brachen bald wieder auf, und schon in Verona blieb er liegen. Und lange Zeit hatt’ ich ihn zu pflegen, bis auch er starb.

Und dann zog ich ganz allein, nur mit Brun, dem treuen Hunde, quer durch all dies weite, heiße Land, bis ich endlich Romaburg und dich gefunden.

Und gute Ordnung hältst du, Herr König, in deinem Land: — man muß dich loben. Deine Königsstraßen sind Tag und Nacht bewacht von deinen Sajonen und Lanzenreitern. Und gar freundlich und gut waren sie mit dem einsam wandernden Kinde. Und wiesen mich jede Nacht zu einem Hause guter Goten, wo die Hauswirtin mein pflegte. Und sie sagen ja: solchen Rechtsfrieden schirmst du im Lande, daß man goldne Spangen auf deine Königsstraßen legen und sie nach vielen, vielen Nächten dort sicher wieder finden kann.

Und in einer Stadt, Mantua glaub’ ich, hieß sie, war, gerade als ich über den Markt schritt, groß Gedräng, und alles Volk lief zusammen. Und deine Sajonen führten einen Römer in ihrer Mitte zum Tode und riefen: ‘Marcus Massurius muß des Todes sterben auf König Totilas Befehl: er hatte ihn freigegeben, den Kriegsgefangenen: da raubte der Freche mit Gewalt ein jüdisches Mädchen: König Totila hat des großen Theoderich Gesetz erneut.’ Und sie schlugen ihm den Kopf ab auf offnem Markt, und alles Volk erschrak vor König Totilas Gerechtigkeit.

Nun, treuer Brun, hier darfst du schon rasten, hier tut mir niemand was zuleide. Auch seinen Hals hatt’ ich, euch zu Ehren, heut’ mit Blumen bekränzt.«

Und sie schlug dem gewaltigen Hund leise auf sein zottiges Haupt: mit einem klugen Blick trat er vor an des Königs Thron und legte die linke Vorderpranke zutraulich auf dessen Knie. Und der König gab ihm Quellwasser zu trinken aus flacher, goldner Schale. »Für goldne Treue«, sprach er, »goldnen Becher. Wer aber ist dein Bruder?«

»Ja«, sagte sie nachdenklich, »nach vielem, was mir Hunibad unterwegs und auf dem Krankenbett erzählt, glaub’ ich, daß sein Name nicht der rechte. Aber er ist leicht zu kennen«, fuhr sie errötend fort.

»Goldbraun wogt sein Gelock: und sein Auge ist blau wie dieser lichte Stein: und seine Stimme ist hell wie die der Lerche: und wenn er Harfe schlägt, blickt er nach oben, als sähe er den Himmel offen... —« —

»Adalgoth«, rief der König! — »Adalgoth!« wiederholten alle Goten.

»Ja, Adalgoth heißt er«, sprach sie.

Da flog dieser — sein Name schlug, laut gerufen, an sein Ohr — die Stufen herauf: »Meine Gotho!« jubelte er. Und sie hielten sich umschlungen.

»Die gehören zusammen«, sagte Herzog Guntharis, der dem Jüngling gefolgt war.

»Wie Morgenrot und Morgensonne«, sprach Teja.

»Nun aber laß mich«, sprach das Mädchen, sich losmachend, »meinen Auftrag erfüllen: des sterbenden Großvaters Gebot. Hier, Herr König, nimm diese Rollen und lies sie: Da soll alles Schicksal drin stehen für Adalgoth und Gotho: Vergangenheit und Zukunft sprach der Ahn.«

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
1270 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
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