Kitabı oku: «Das Heilige Fest», sayfa 5
Die Anrufung
Vom Gebet, das einen Zweck verfolgt, unterscheidet sich die Anrufung, die wir auch dann an die Götter richten, wenn wir nichts erbitten und uns für nichts bedanken. Im Mittelpunkt eines Gebets stehen immer unsere eigenen Interessen, bei denen uns die Götter beistehen sollen oder es bereits getan haben, während eine Anrufung keinen direkten Selbstbezug hat. Wir sprechen damit die Götter an, ohne etwas Bestimmtes von ihnen zu wollen. Landläufig wird zwar jedes Reden mit einer Gottheit „beten“ genannt, doch in diesem Fall ist es eben kein Bitten, sondern ein Beten im Sinn des – dem römischen Heidentum entstammenden – lateinischen orare, das eher „reden“ bedeutet. Darauf verweist auch die althochdeutsche Bezeichnung spill oder spell, die ursprünglich einfach „Aussage“ bedeutet.
Die Anrufung im engeren Sinn ist ein Ruf, der die Götter auf uns aufmerksam macht, wozu schon der Name einer Gottheit genügen kann, oder eine Einladung zu einem Ritual. Das muss man sehr streng von der Beschwörung (Evokation) unterscheiden, die aus der – spätantik-orientalischen, der germanischen Tradition fremden – Zeremonialmagie stammt und versucht, mit Zaubersprüchen oder „Machtworten“ Geistwesen zum Erscheinen zu zwingen, was man mit Göttern natürlich nicht machen kann. Es wäre eine eklatante Missachtung ihrer Freiheit und Ehre, die im germanischen Heidentum nichts zu suchen hat. Auch das, was Esoteriker „Invokation“ nennen, ist eine Beschwörung, nur mit dem Unterschied, dass das herbeigezauberte Wesen nicht vor dem Magier erscheinen, sondern in ihn eingehen soll. In der germanischen Tradition kommt so etwas ebenfalls nicht vor. Wenn wir die Götter zu unseren Riten rufen, laden wir sie auf freier Basis und Gegenseitigkeit ein: Es ist uns eine Ehre, wenn sie zu uns kommen, und wenn es auch für sie eine ist, tun sie es.
Anrufungen im weiteren Sinn sind alle an die Götter gerichteten Reden, die ihnen Ehre erweisen. In der einfachsten Form, die bei jeder Gelegenheit passt, kann eine Anrufung schon ein schlichter Heilgruß sein, eventuell erweitert mit einem ehrenden Beinamen wie „Heil Thor, Midgards Schützer“. In längerer Form ist es eine ausführliche Rede über die ehrenvollen Eigenschaften und Taten der Götter, ein hymnisches Gedicht oder eine mythische Schilderung, die nicht unbedingt poetische Form haben muss. Speziell die nordische religiöse Dichtung liebte kenningar (poetische Umschreibungen) und kurze Anspielungen, die in wenigen Worten einen ganzen Mythos in Erinnerung rufen.
Beim Blót war es üblich, dass jeder eine solche Anrufung sprach, bevor er trank, weshalb sie nordisch formáli oder formæli (Vorspruch) hieß. Der Begriff wurde aber auch für Gebete und Anrufungen im Lauf anderer Rituale gebraucht. Das formáli kann Dank für die Taten der Götter und entsprechende Bitten für die Zukunft enthalten, aber im Mittelpunkt stehen nicht die Segnungen der Götter für uns, sondern unsere Absicht, sie zu ehren und den Mitfeiernden ihren Ruhm zu verkünden.
Dieser Absicht entsprechend, muss das formáli mit würdigen, also nicht salbungsvollen, sondern klaren und sachlichen, überlegten und wohlgesetzten Worten vorgetragen werden. Es hat daher manchmal auch poetische Form, am besten im Stabreim.
Das Opfer
Geschichte und Archäologie belegen viele verschiedene Arten von Opfern: vom Trankopfer (blót, bluostrar) über Getreide- und Fruchtopfer, Waffen, Schmuck und anderen Wertsachen bis hin zum Tier- und Menschenopfer. Das Opfer ist die wichtigste religiöse Handlung des germanischen Heidentums. Es stellt, wie Bernhard Maier schreibt, „in allen alteuropäischen Religionen und damit auch bei den Germanen eine zentrale Form der Kommunikation zwischen Mensch und Gottheit“ dar. Wie schon erwähnt, wurde im Altnordischen das Heidentum überhaupt blótdómr und blótskapr („Opfertum“ und „Opferschaft“) genannt, was die zentrale Bedeutung des Opfers unterstreicht. Den Göttern zu opfern, ist der wesentlichste Inhalt des „heiligen Vertrags“, den wir mit ihnen haben, der êwa. Es ist die wichtigste Forderung und der Hauptinhalt dessen, was Heiden unter „Religion“ verstehen – unsere Ehrenpflicht nach dem Prinzip „Die Gabe will stets Vergeltung.“
Deshalb ist einer der am weitesten verbreiteten germanischen Begriffe für das Opfer direkt das Wort „Vergeltung“ (althochdeutsch gilt oder gelt, gotisch gild, nordisch gildi). Das nordische blót bezeichnet auch das Opfer im Allgemeinen, im Besonderen aber das Trankopfer, und wird deshalb gesondert besprochen. Das heutige Wort „opfern“ ist erst in christlicher Zeit aus dem lateinischen offerre („darbringen“) entstanden. Germanische Heiden verwendeten neben den schon erwähnten Wörtern blóta im Nordischen, blotan im Gotischen und bluozan oder ploazzan im Althochdeutschen auch Begriffe wie gotisch (ga-)saljan („übergeben, darbringen“) und nordisch senda („senden“). Alle diese Ausdrucksweisen zeigen, dass im Verständnis des Opfers der Gabentausch und die Übergabe an die Götter im Mittelpunkt standen. Motive, die in esoterischen Opferdeutungen betont werden, etwa eine „magische Stärkung“ der Götter oder eine „Transformation“, sind nicht zu belegen.
Es fehlt auch jeder Hinweis darauf, dass der Wert oder Sinngehalt eines Opfers an der inneren Einstellung des Opfernden oder daran gemessen wurde, wie schmerzlich es für ihn war, es zu erbringen. Das Opfer ist kein Beweis von Demut oder sklavischer Bereitschaft, seinem Herrn selbstlos zu dienen. Es ist in allen heidnischen Religionen ein Geschenk nach dem auch im zwischenmenschlichen Leben geltenden Grundsatz von Gabe und Gegengabe, den Maier mit der lateinischen Formel do ut des („Ich gebe, damit du gibst“) beschreibt. „Erscheint uns eine solche Einstellung im religiösen Bereich geschäftsmäßig, nüchtern und pragmatisch“, fährt er fort, „so liegt dies wohl zu einem guten Teil an der unreflektierten Übernahme spezifisch christlicher Vorstellungen wie etwa der Ablehnung des Opferkults zugunsten einer rein innerlichen Frömmigkeit.“
Nach dem Sinn von gelt als „Vergeltung“, die naturgemäß im Nachhinein erfolgt, wird ein Opfer im Allgemeinen als Dank für erhaltene Gaben dargebracht: nach einem Sieg, nach der Geburt eines Kindes oder nach der Ernte. Nach diesem Prinzip werden auch die Opfer zu den übrigen Jahresfesten in erster Linie zum Dank für die Gaben der vergangenen Jahreszeit dargebracht. Fast alle in historischen Heiligtümern wieder aufgefundenen Opfergaben, soweit sie sich noch zuordnen lassen, sind Relikte von Dankopfern – am deutlichsten die Waffenopfer etwa im Thorsberger und Nydamer Moor, die aus der Beute erfolgreicher Schlachten, teilweise samt den Booten der übers Wasser gekommenen Angreifer, bestehen. Solche Opfer konnten auch im Vorhinein gelobt werden, wenn der Anführer vor der Schlacht die Gegner Odin weihte, und ebenso gab es im privaten Bereich Opfergelübde für den Fall, dass eine Bitte erfüllt wurde, und direkte Bittopfer, etwa anlässlich einer Hochzeit um Kinderreichtum. Auch Opfer bei Weissagungen sind bezeugt. Dass die Frauen der Kimbern aus dem Blut geopferter Feinde weissagten, dürfte aber ein römisches Schauermärchen sein.
Menschenopfer
Berichte über Menschenopfer gehörten in der griechisch-römischen Literatur über „Barbaren“ zu den Standards, die von den Lesern erwartet und von den Autoren bedenkenlos eingesetzt wurden. Einer schrieb sie vom anderen ab oder übernahm Gerüchte darüber, ohne es für nötig zu halten, ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Dass „Barbaren“ Menschen opferten, galt als Tatsache, einfach weil sie „Barbaren“ waren. Das führte natürlich zu Falschmeldungen, es ist aber nicht zu leugnen, dass es Menschenopfer, wenn auch seltener und in geringerer Zahl als behauptet, tatsächlich gab.
So wurden im Opfermoor Skedemosse auf der schwedischen Insel Öland neben mehreren Tausend Speerspitzen und anderen Waffenteilen, Edelmetallgegenständen und etwa 17.000 Knochenfragmenten von Pferden, Rindern und Schafen auch Gebeine von 38 verschiedenen Menschen gefunden. Sie sind über eine Periode von gut 500 Jahren verteilt. Für den Opferplatz Oberdorla in Thüringen, der 1000 Jahre lang benutzt wurde, sind 40 Menschenopfer nachzuweisen. Das ergibt ein bis zwei Fälle pro Generation, woraus Rudolf Simek zu Recht schließt, dass das Menschenopfer „keineswegs zum Normalfall der Opferpraxis gehörte, sondern vielmehr eine extreme Ausnahmesituation darstellt.“
Anlässe waren vor allem Kriege, Missernten und andere Katastrophen, geopfert wurden fast ausschließlich Kriegsgefangene, Sklaven und Verbrecher, nur in seltenen Fällen freie Männer, dann aber unter Umständen sogar Könige, wie von den Schweden bei Missernten berichtet wird. Das ist dadurch erklärbar, dass der König nicht nur für seine politischen Entscheidungen, sondern für das gesamte Heil oder Unheil des Volkes die Verantwortung trug. Sein Opfertod in Unheilssituationen stellte das Heil wieder her. Das gleiche Motiv der Wiederherstellung zerstörten Heils kann auch hinter der Opferung von Verbrechern gestanden haben, wenn sie nicht einfach deshalb als Opfer ausgewählt wurden, weil sie als Geächtete außerhalb der Gemeinschaft standen und legal getötet werden konnten: Sie waren „Friedlose“, für die das Friedensgesetz des Stammes nicht galt. Aus diesem Grund konnte man auch ohne Bedenken gefangene Feinde opfern.
In der Regel, soweit es in einer „extremen Ausnahmesituation“ Regeln gibt, waren germanische Menschenopfer daher kein Bruch dessen, was den heutigen Menschenrechten entsprechen würde. Das Friedensrecht des Stammes, das alle ehrbaren Mitglieder – und Stammesfremde, wenn sie das Gastrecht genossen – vor Bedrohungen an Leib und Leben schützte, wurde auch um der Götter willen nicht angetastet. Notfalls kaufte man auf fremden Märkten Sklaven, um sie zu opfern. Papst Gregor III. befahl im Jahr 732 dem Missionar Bonifatius, diejenigen streng zu bestrafen, die den Heiden Sklaven zum Opfern verkauften. Auf dem isländischen Althing des Jahres 1000 höhnten die Christen, bezogen auf die Opferung von Verbrechern, die Heiden würden ihren Göttern nur die schlechtesten Menschen gönnen. Auch in Norwegen war es üblich, Sklaven oder Verbrecher zu opfern.
Aus heutiger Sicht macht es natürlich keinen Unterschied, welchen Menschen man opfert, wir müssen vergangene Bräuche aber aus dem Denken ihrer Zeit und Kultur verstehen. Sklaven, Feinde oder Verbrecher zu opfern, war etwas völlig anderes, als wenn „einer von uns“ getötet worden wäre. Man darf das Menschenopfer daher nicht mystifizieren. Es war kein geheimnisvolles Blutband, das da geknüpft wurde, kein heroisches „Einer für Alle“ oder was sonst noch darüber spekuliert werden mag, sondern wie jedes andere Opfer ein Geschenk an die Götter – ein ungewöhnliches und besonderes, denn das ist der Tod eines Menschen immer, auch in Kriegszeiten und wenn der Getötete keiner „von uns“ war. Zu töten ist endgültig und von absoluter Bedeutung. Darum dachte man, damit die Götter besonders zu ehren, und brachte auch nur den am höchsten geehrten Göttern – nach Tacitus überhaupt nur „Mercurius“ (Wodan), doch da verallgemeinert er – Menschenopfer dar. Sie waren dann aber eben auch „nur“ Geschenke: Gaben, die auf Vergeltung hofften.
Tieropfer und Opfermahl
Ganz andere Hintergründe hatte das Tieropfer, das dadurch gekennzeichnet war, dass man nur Tiere opferte, die man auch essen konnte. Archäologisch belegt sind vor allem Pferde, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Das Pferd war das vornehmste Opfertier und wurde vielleicht überhaupt nur rituell gegessen. Das würde erklären, warum die christliche Kirche im Zug der Germanenmission das Essen von Pferdefleisch verboten hat, obwohl sich christliche Speisegesetze sonst nie gegen eine ganze Tierart, sondern nur gegen den Verzehr von Opferfleisch richten. Beliebte Opfertiere waren Ferkel, wie die Glossierung von althochdeutsch frisking (Frischling) mit lateinisch victima und hostia (Opfertier) nahe legt. Der deutsche Ausdruck „Ungeziefer“ für ungenießbare Tiere geht auf ein gemeingermanisches Wort für das Opfertier, althochdeutsch zebar, altenglisch tifer und gotisch tibr, zurück. Bernhard Maier verweist auch auf den engen sprachlichen Zusammenhang zwischen gotisch sauþs („Opfer“), nordisch sauðr („Schaf“) und deutsch sieden.
Das alles lässt keinen Zweifel daran, dass der Hauptzweck des Tieropfers – wie auch in ande-ren heidnischen Kulturen – das Opfermahl war, das Götter und Menschen in einer rituellen Tischgemeinschaft versammelt, die das Band zwischen ihnen bestätigt und stärkt. Andere Gründe mochten mitgespielt haben, vor allem die Vorstellung, Leben für Leben zu geben, das von Britt-Mari Näsström erwähnte Vorbild mythischer Ur-Opfer – in der Edda die Tötung und Zerstückelung des Urwesens Ymir durch die Götter, die aus seinen Teilen die Welt formten – oder die von Reinhard Falter dargelegte Erfahrung, dass Leben dem Tod abgerungen ist. Trotz alldem lässt die Beschränkung auf essbare Tiere aber keinen Zweifel daran, dass es vor allem um das rituelle Essen ging oder zumindest, dass es so wesentlich dazu gehörte, dass es die Opferung nicht essbarer Tiere ausschloss.
Wenn jedes Opfer ein Geschenk ist, so ist das Opfer eines Tieres eines, das nicht den Göttern alleine gegeben wird. Ihr Anteil ist traditionsgemäß mehr ideell als materiell: Sie erhalten das Blut, das bei der Schlachtung am Altar vergossen wird, den Kopf und die Haut, die man im Heiligtum ausstellte. Auch die Knochen, die in Opfermooren gefunden wurden, gehörten zum Götteranteil. Das Fleisch der Opfertiere wurde von der menschlichen Festgemeinde verzehrt. Diese Aufteilung scheint eine indogermanische Urtradition gewesen zu sein, die genauso auch bei den Griechen verbreitet war. Der Nachhall eines germanischen Opfermythos findet sich in Snorri Sturlusons Erzählung der Reise Thors zum Utgard-Loki: Auf dem Weg dorthin kehrt er bei einer Bauernfamilie ein, schlachtet zum gemeinsamen Mahl seine Böcke und erweckt sie danach wieder zum Leben, indem er über den in den Häuten gesammelten Knochen den Hammer schwingt. Das erklärt auch, warum die traditionelle Opferteilung kein „Betrug“ ist, bei dem die Götter mit den schlechten Teilen „abgespeist“ werden: Sie können aus Haut und Knochen das ganze Tier wiederherstellen.
Die Weihe mit dem Thorshammer ist sicher ein authentisches rituelles Element, klar bezeugt ist auch, dass das Opferfleisch in Kesseln gesotten wurde. In Schweden hießen die Opferteilnehmer suðnautar, Sudgenossen. Nach dem Opferkessel wurden auch nordische Personennamen wie Ketill (Kessel), Thorketill oder Ásketill gebildet, nach dem Opferstein sind Steinn, Thorsteinn, Vésteinn, Adalsteinn und andere benannt. Als nicht authentisch hat Bernhard Maier die gern zitierte, in der Eyrbyggja Saga aus dem 13./14. Jh. aufgestellte Behauptung entlarvt, heidnische Priester hätten mit einem hlautteinn genannten Zweig das Opferblut auf die Wände des Tempels und über die Festteilnehmer gesprengt. Ein hlautteinn war in Wirklichkeit ein Losstäbchen, das mit Opferblut (hlaut) gefärbte Runen trug, aber zum Runenwerfen und nicht im Opfer verwendet wurde. Maier nennt die Stelle eine „phantasievolle Rückspiegelung in Anlehnung an den christlichen Gebrauch von Sprengwedel und Weihwasser.“
Heutige Opferformen
Tieropfer werden von den meisten heutigen Heiden abgelehnt und finden im VfGH nicht statt. Wir sind nicht mehr wie unsere Ahnen ein Volk von Bauern, für die Schlachtungen zum Alltag gehörten. Vielen würde schon beim Zusehen übel werden oder das nackte Grauen kommen – beides ist einem guten Ritual abträglich. Außerdem wären blutige Opfer in der heutigen Zeit ein falsches Signal. Bei fachgerechter Durchführung würden sie zwar nicht dem Tierschutz widersprechen, denn es gehörte immer zu den Voraussetzungen eines gültigen Opfers, dass das Tier nicht leiden durfte und angstfrei zum Altar gehen musste. Nach all den Jahrhunderten christlicher Todes- und Jenseitsmystik sollten wir aber deutlicher als je zuvor den lebensbejahenden Grundcharakter des Heidentums betonen.
Wir kaufen daher das Fleisch für unser Opfermahl beim Metzger oder beauftragen ein Mitglied, das Metzger oder Bauer ist, ein Tier vorzubereiten, und bringen im Ritual selbst nur unblutige Opfer dar. Wer dabei an die Tradition des Tieropfers anknüpfen will, kann als Ersatz entsprechend geformte Gebildbrote verwenden, die auch in alter Zeit schon verwendet wurden, wenn auch vermutlich nur für kleinere private Opfer, als Gaben ärmerer Leute oder bei großen Festen als Ergänzung zum echten Fleisch. Jedenfalls nennt der „Index Superstitionum“ aus dem 8. Jahrhundert, in dem von der Kirche verbotene heidnische Bräuche angeführt werden, simulacra de consparsa farina, Bilder aus Backwerk.
Am wichtigsten aber sind die Trankopfer (blótar, bluostrare), für die wir normalerweise alkoholische Getränke verwenden, die mit ihrer berauschenden Wirkung die Kraft des Heils spüren lassen und früher eigens für die Feste gebraut wurden. Bereits das Brauen war ein Teil des Rituals. Als edelsten der germanischen Rauschtränke bevorzugen wir Met, aber auch spezielles Festbier entspricht der Tradition.
Weitere Opfergaben sind Feldfrüchte, Gebildbrote in Form heidnischer Symbole, bunte Eier für Ostara, Blumenkränze oder Wertgegenstände wie Schmuck oder Waffen. Opfer von Räucherwerk sind nicht unbedingt traditionell, aber als Ehrengaben durchaus passend, besonders wenn man echten Weihrauch aus Bernstein hat oder Räucherungen aus heimischen Kräutern verwendet. Weihesteine, Altarbilder und Statuen, die man in einem Heiligtum oder am Hausaltar aufstellt, sind eigentlich eine römische Tradition, die aber von den Germanen in römisch beherrschten Gebieten auch für ihre eigenen Gottheiten übernommen wurden. Dem ähnelten die skandinavischen „Guldgubber“, dünne Goldplättchen mit gestanzten Darstellungen von Gottheiten oder Adoranten, die in Heiligtümern der frühen Wikingerzeit gefunden wurden.
Das Blót
Der nordische Ausdruck blót (althochdeutsch bluostrar) bezeichnete auch das Opfer im Allgemeinen, im eigentlichen Sinn aber das Trankopfer. Lateinische Glossen des Mittelalters unterscheiden das bluostrar als libamen (Trankopfer) vom gilt oder gelt, das mit sacrificium übersetzt wird. Der altenglische Ausdruck sumbel oder symbel bezeichnet ebenfalls das beim gemeinschaftlichen Blót übliche Ritual. Eine weitere Bezeichnung war „Minni-Trinken“, was ursprünglich aber spezielle Trinkrituale zur Erinnerung – nordisch minni – an Verstorbene bezeichnete. Nach Snorri Sturlusons „Heimskringla“ trank man zuerst Odins Becher für Sieg und Macht, dann Freyrs und Njörds Becher für gute Ernte und Frieden. Wie authentisch dies ist, lässt sich nicht sagen. Fest steht lediglich, dass die bereits christlichen Gilden des Mittelalters, die ebenfalls den Ausdruck „Minni-Trinken“ verwendeten, genaue Regeln hatten, für welche Heilige und in welcher Reihenfolge getrunken werden musste – wahrscheinlich ein Rest heidnischen Brauchtums.
Das Trinkritual selbst besteht darin, dass ein mit Met oder Bier gefülltes Trinkhorn (Blóthorn) vom Kultleiter oder Gastgeber mit dem Hammerzeichen geweiht wird. Danach sagt er einen Segensspruch, der nordisch formáli oder formæli (Vorspruch) und althochdeutsch bluostrargaldar (Trankopferspruch) heißt und die mit dem Fest verbundenen Gottheiten ehrt, gießt einen Teil des Opfertranks auf die Erde oder in geschlossenen Räumen in ein Gefäß mit Erde, trinkt einen Schluck und gibt das Horn in Richtung des Sonnenlaufs (Uhrzeigersinn) an die nächste Person weiter, die das gleiche tut, bis der Kreis geschlossen ist. Drei Umläufe sind üblich, mehrere sind möglich.
Welchen Inhalt die Segenssprüche haben, bleibt im VfGH den einzelnen Teilnehmern überlassen. Üblicherweise ist die erste Runde den Göttern, die zweite den Ahnen und die dritte frei gewählten Wünschen gewidmet. Wer das Horn übergibt, ruft dem Nächsten „Trink Heil“ zu, worauf dieser „Sei heil“ antwortet. In alter Zeit gab es auch die Sitte, dass jeder das Horn austrinkt, bis das ganze Fass leer ist – heute nur noch möglich, wenn niemand am nächsten Tag fahren muss! Bleibt etwas übrig, wird es als Opfer auf die Erde gegossen.

Das traditionelle Trinkhorn wird für das Trankopfer, die wichtigste Opferhandlung im germanischen Heidentum, gebraucht.
Das Blót bildet bei den Festen des VfGH den krönenden Abschluss jedes Rituals und ist unsere wichtigste und einzig verbindliche Opferhandlung. Andere Opfer können dargebracht werden, ein Blót findet aber immer statt.
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