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Kitabı oku: «Die Regulatoren in Arkansas», sayfa 17

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20. Rowson bei Roberts – Assowaum

Fast drei Wochen waren seit jenem Abend, an welchem Brown von Marion Abschied genommen, verflossen. Er hatte sich damals geschworen, sie nie wieder aufzusuchen – und seinen Schwur treu und fest gehalten. Was er aber in jener Zeit gelitten, wie er mit sich gerungen, wußte nur er, und sein Gesicht war bleich geworden, seine Augen hatten den früheren Glanz verloren. Nichts würde ihn auch bewogen haben, länger in dieser Gegend zu verweilen. Ehe er aber ging, wollte er wenigstens in den Augen der Welt seinen guten Namen hergestellt wissen, daß kein Makel auf ihm haftete, keine giftige Zunge mit verleumderischer Nachrede ihn beflecken konnte. Marion hielt ihn eines solchen Verbrechens nicht für fähig, davon war er überzeugt, aber auch seine Freunde in Arkansas sollten das nicht, und so beliebt er bei ihnen sein mochte, hielten ihn doch jetzt noch viele für den wirklichen Täter. Ja, sie entschuldigten ihn noch dabei, fanden den Mord als Notwehr völlig gerechtfertigt und zuckten nur mit den Achseln, wenn die Sprache auf das Geld kam. »Es hätte dem Toten auch weiter keinen Nutzen bringen können, wenn er das gute Geld mit in den Strom genommen.«

Der wirkliche Täter mußte deshalb entdeckt und bestraft, auch die Indianerin gerächt sein, dann wollte er dieses Land verlassen.

Und was empfand Marion indessen für den Freund, den sie so nahe und doch wieder so fern wußte? Marion fühlte, daß sie ihre Pflicht tat, und in diesem Gedanken fand sie Beruhigung in ihrem sonst sicher großen Gram. Rowson hatte ihr Wort; zwar kannte sie damals, als sie es gab, den Mann noch nicht, bei dessen Anblick sie erst empfinden sollte, was Liebe eigentlich sei; aber das Wort war gegeben, freiwillig, ohne Zwang, und sie durfte nicht zurücktreten.

Es war wieder ein Freitag, gerade vierzehn Tage nach jenem entsetzlichen Abend, an welchem die arme Indianerin dem feigen Mörder zum Opfer fiel; die Sonne stand noch über den maigrün schimmernden Wipfeln der herrlichen Baumgruppen, die sich an der Grenze des kleines Feldes dicht zusammendrängten.

Vor und in dem Farmhaus des alten Roberts herrschte ein reges, freudiges Leben. Marion stand, mit einem kleinen Korb am Arm, unter einer flatternden und gackernden Schar von Hühnern, Enten und Gänsen und streute weit hinaus in den reinlichen Hof die goldenen Maiskörner; draußen an der niedern Fenz aber stürmte ein ganzes Rudel grunzender und tobender Ferkel auf und ab und suchte vergebens in wilder Hast einen Eingang, um an dem freigebigen Mahl teilzunehmen. Die Mutter saß dabei und schaute lächelnd dem lebendigen Treiben zu, als Marion plötzlich einen leisen Schrei ausstieß und den leeren Korb, den sie eben zum Hause zurücktragen wollte, fallenließ.

An der Fenz stand Rowson und winkte ihr mit freundlich lächelndem Gesicht einen Gruß herüber. Er hatte seine Geschäfte beendet und war gekommen, um seine Braut heimzuführen.

»Was ist dir?« rief im ersten Moment erschrocken die Matrone, bemerkte aber auch zu gleicher Zeit den lange und sehnsüchtig Erwarteten und sagte, ihm freundlich die Hand entgegenstreckend: »Nun, das ist schön, Mr. Rowson, sehr schön von Ihnen, daß Sie endlich wieder da sind. Wir haben Sie recht sehnsüchtig erwartet.«

»Marion auch?« fragte der Prediger lächelnd, indem er, über die niedere Fenz steigend, die Hand des errötenden Mädchens ergriff, »Marion auch?«

»Ich freue mich, Sie gesund und wohl wiederzusehen«, flüsterte das Mädchen, »Sie wissen ja, daß Sie uns stets willkommen sind.«

»In Ihrem Hause – aber auch in Ihrem Herzen, Marion?« fragte Rowson dringend. Das Mädchen zitterte und schwieg. »Marion«, fuhr der Prediger nach einer Pause fort, »der Segen des Himmels ist auf meinem jetzigen Zug mit mir gewesen. Ich bin nun wohlhabend genug, um mir hier in unsern bescheidenen Verhältnissen eine Heimat gründen zu können. Marion, willst du mein sein, willst du am nächsten Sonntag, am Tage des Herrn, mein Weib werden?«

»Ja«, sagte die Mutter gerührt und zog das Mädchen an ihre Brust, »ja, ehrwürdiger Herr, sie hat es mir schon gestanden, daß sie Euch gut sei, und das übrige findet sich alles. Ihr werdet sie sicherlich glücklich machen.«

»Was in meinen Kräften, in den Kräften eines armen sündigen Menschen steht«, erwiderte der Prediger, indem er die Augen fromm zum Himmel erhob, »werde ich tun. Ich glaube auch gewiß, daß Marion fest davon überzeugt ist; darf ich es wenigstens hoffen?«

Das schöne Mädchen reichte ihm stumm sie Hand, die er an seine Lippen drückte.

»Hallo, Rowson!’ rief der alte Roberts, der in diesem Augenblick neben der Fenz erschien. »Ihr habt Wort gehalten. Nun, wie stehn die Geschäfte?«

»Vortrefflich, Mr. Roberts!« antwortete der Prediger, »besser sogar, als ich erwartet hatte, und ich komme nun, Euch um Euren Segen zu der Verbindung mit Eurer Tochter, und zwar zum nächsten Sonntag, zu bitten.«

»Wird das dem Mädchen aber nicht zu unerwartet und schnell kommen?« fragte Roberts, indem er sein Pferd dem Negerjungen übergab und, die Fenz übersteigend, zu ihnen trat.

»Sie ist damit einverstanden«, sagte die Mutter, »was brauchen wir auch hier im Walde große Vorbereitungen? Wie aber ist’s mit Ihrer Wohnung, Mr. Rowson?«

»Ich wollte Sie beide gerade bitten«, sagte der Prediger, »diese morgen früh, wenn Sie mir ein paar Stündchen Zeit schenken können, in Augenschein zu nehmen. Sie ist zwar noch klein und beengt, ich werde aber wahrscheinlich in dieser Woche mit Atkins handelseinig werden und dessen Anwesen kaufen; nachher haben wir mehr Platz.«

»Wäre es denn aber gerade darum nicht besser«, meinte Roberts, »Ihr wartet noch mit der Heirat, bis das geschehen ist? Es ersparte viel Umstände beim Ausziehen und – ist auch dem Mädchen sicherlich lieber, gleich in eine kleine Farm, als bloß in eine Blockhütte einzuziehen.«

»Das ist allerdings nicht zu leugnen«, erwiderte Rowson, »aber es ist noch unbestimmt, wann Atkins fortzieht, es können vier, ja vielleicht sogar acht Wochen darüber hingehen, und, bester Mr. Roberts, Sie werden es mir nicht verdenken können, wenn ich mich jetzt, nach Beseitigung so vieler Hindernisse, sehne, Marion die Meine zu nennen.«

»Nun, in Gottes Namen«, sagte der alte Mann, »nehmt sie hin und seid glücklich miteinander.«

»Dank – herzlichen Dank!« rief Rowson, gerührt seine Hand ergreifend, »Marion soll nie bereuen, mir ihr künftiges Schicksal anvertraut zu haben. Doch jetzt lebt wohl, ihr lieben Eltern, erlaubt, daß ich euch so nennen darf, und bald…«

»Aber wollen Sie denn nicht lieber heut abend bei uns zubringen?« fragte Mrs. Roberts, »Sie sind so lange fort gewesen, und es ist eigentlich nicht recht, die Braut fortwährend allein zu lassen.«

»Die Zeit ist kurz, meine gute Mrs. Roberts«, seufzte Rowson, »und hier in unserer Ansiedlung, wo die Nachbarn so weit voneinander entfernt wohnen, vergeht, mit nur wenigen Besorgungen, ein Tag ungemein geschwind. Ich hoffe aber bis morgen abend alles beendet zu haben und dann wenigstens noch die letzten Stunden vor dem glücklichen Tag in Ihrer Gesellschaft, in der Gesellschaft meiner Braut verbringen zu können.«

»Gut – gut, Mr. Rowson«, sagte der Alte, »das ist ganz in der Ordnung. Sie sind jetzt eine Woche von zu Hause fort gewesen, da ist natürlich viel zu erledigen; also morgen abend sehen wir uns wieder – apropos – es bleibt doch dabei, daß wir am Montag zusammen zu Atkins gehen?«

»Sicherlich«, sagte der Prediger.

»Nun gut«, fuhr Roberts fort, »ich habe schon heut abend Brown darum gebeten, uns anzumelden; der kommt morgen früh dort vorbei, um der Regulatorenversammlung beizuwohnen, die bei Bowitts gehalten werden soll.«

»Mir wurde gesagt, die Regulatoren hätten sich aufgelöst«, sagte Rowson etwas eifriger, als sich sonst mit seinem ruhigen, gesetzten Benehmen vertrug. »Auf meiner Reise hört’ ich das als ganz bestimmt.«

»Nicht doch – es soll jetzt erst recht losgehen. Ich glaube, sie haben Verdacht auf mehrere Personen der Nachbarschaft, und da wollen sie wohl morgen miteinander beraten, was jetzt, da die Zeiten doch einmal so gefährlich…«

»Wäre es nicht möglich, dieser Versammlung einmal beiwohnen zu können?« unterbrach ihn Rowson.

»Warum nicht«, meinte Roberts lächelnd, »dann müssen Sie aber Regulator werden, und meines Wissens haben Sie bis jetzt dagegen geeifert.«

»Den Regulatoren täte ein Mann not«, sagte Rowson schnell gefaßt, »der ihren zu stürmischen Eifer manchmal zügelte und sie von Exzessen, wie zum Beispiel die in White County, zurückhielte. In diesem Sinne würde ich es selbst mit meiner Stellung nicht unvereinbar finden, mich ihnen anzuschließen.«

Roberts sah ihn forschend an, und Rowson fuhr leicht errötend fort: »Sie glauben, daß ich in so kurzer Zeit meine Meinung geändert habe? Nein, wahrlich nicht, ich halte die Versammlung der Regulatoren noch immer für unrecht, weil sie ungesetzlich ist…«

»Aber?« fragte Roberts, als jener stockte.

»Nun, du hast es ja schon gehört!« rief Mrs. Roberts ärgerlich, »der gute Mr. Rowson hat ganz recht. Das junge Volk tobt da toll und wild in den Tag hinein; ich sage ja gar nicht, daß sie’s böse meinen, aber sie glauben recht zu handeln und üben dann vielleicht manchmal das größte, schreiendste Unrecht aus und ich, an Mr. Rowsons Stelle…«

»Es wird niemand in den Verein aufgenommen«, unterbrach Roberts seine Frau, den Prediger dabei fortwährend ansehend, »der nicht auch tätigen Anteil nimmt. Ich glaube nicht, daß die Regulatoren einen Ratgeber, wenn sie auch dessen bedürfen sollten, dulden werden.«

»Es kommt auf einen Versuch an!« rief Rowson, der jetzt seine Geistesgegenwart wiedererlangt hatte. »Ich werde mich morgen, wenn es mir irgend möglich ist, dort einfinden und nicht eher gehen, bis sie mich fortweisen; ich habe dann meine Schuldigkeit getan – mehr kann selbst Gott nicht verlangen.«

»Brav«, sagte Roberts, ihm die Hand treuherzig schüttelnd, »brav gesprochen. Es freut mich, wenn ich sehe, wie ein Mann seinen Grundsätzen treu bleibt.«

»Wer ist jetzt ihr Anführer?«

»Brown – wenigstens für den Fourche la fave.«

»Der ist dann wenigstens seinen Grundsätzen nicht treu geblieben«, entgegnete der Prediger, indem er zu dem alten Mann aufsah; »ich erinnere mich noch recht gut der Worte, die er hier an dieser selben Stelle über ebendiese Verbindung äußerte.«

»Das ist etwas anderes«, erwiderte ernsthaft der alte Farmer. »Brown sah sich halb und halb dazu gezwungen, an dieser Verbindung tätigen Anteil zu nehmen, da sein eigener guter Name auf dem Spiel stand. Er war als Mörder förmlich angeklagt, und sein einziges Streben ist jetzt, den wirklichen Mörder Heathcotts herauszubekommen. Er hatte zwar den Streit mit ihm, denn Heathcott war überhaupt etwas rauher Natur, und ich weiß mich noch recht gut zu erinnern…«

»Ich glaubte, die Hauptabsicht der Regulatoren beschränkte sich auf die Entdeckung der Pferdediebe«, sagte Rowson, leicht erbleichend.

»Nur teilweise, doch wenn Ihr morgen der Versammlung beiwohnt, werdet Ihr das alles hören. Jetzt gilt es, soviel ich erfahren habe, die Verdächtigen anzugreifen, um von diesen, wenn sie auch wirklich nicht die Täter sind, wenigstens auf deren Spur gebracht zu werden.«

»Wenn sie nur den schändlichen Mörder der armen Indianerin entdeckten«, sagte Mrs. Roberts. »Oh, Mr. Rowson, Sie glauben gar nicht, wie ich schon deshalb gebetet habe! Die Frau war so fromm und gut und hing mit einer solchen Ehrfurcht an Ihnen. Ach, wie oft habe ich sie während Ihrer Predigten weinen sehen – und nun so jung und auf solche Art sterben zu müssen.«

»Ja, es ist schrecklich!« sagte Rowson, selbst tief erschüttert, freilich um einer andern Ursache willen. »Doch, meine Freunde, ich muß wirklich fort, also gute Nacht für heute. – Gute Nacht, Marion – wo ist das Mädchen?«

»Marion Kind! – so komm, doch her!« rief die Mutter, »Mr. Rowson will dir gute Nacht…«

»Laßt sie bleiben, verehrte Freundin«, sagte der Prediger abwehrend, »das Herz ist ihr voll, und sie wird sich mit ihrem Gott unterhalten. Morgen hoffe ich sie recht froh und heiter anzutreffen.«

Damit winkte er beiden noch einen herzlichen Gruß zu, bestieg sein kleines Pony und trabte fort, in den jetzt dämmernden Wald hinein.

»Mutter, was ist mit dem Mädchen eigentlich?« fragte Roberts, als Rowson sich entfernt hatte, »sie kommt mir so sonderbar vor. Ich will doch nicht hoffen, daß sie zur Heirat mit diesem Mann gezwungen wird?«

»Närrischer Mensch, wer sollte sie denn zwingen?« beruhigte ihn die Matrone. »Sie ist nur noch ein halbes Kind, und da beträgt sie sich ängstlich und wunderlich; mag ihr auch wohl schwer genug ankommen, die Eltern zu verlassen. Nun, an dieses Mannes Seite…«

»Ja, schon gut«, sagte Roberts, den Sporn abschnallend und ihn außen am Haus unter einem kleinen Vorbau neben Sattel und Zaum hängend, »schon gut, das hab’ ich schon oft gehört!«

»Du hast keine Vorliebe für den frommen Mann.«

»Nein – Vorliebe nicht; ich sehe nicht ein, warum unser Kind mit ihm gerade so viel glücklicher werden sollte als mit jedem andern. Ein echter braver Kerl mit einem guten Herzen, und der – etwas mehr ein Mann wäre, würde mir, aufrichtig gesagt, ebenso willkommen gewesen sein, vielleicht noch willkommener, doch – wie Gott will. Ihr Frauen seid damit einverstanden, und ich habe weiter nichts dabei zu tun, als ja zu sagen. Einen Anfang hat er, um eine kleine Farm zu beginnen, und ein fleißiger Mann wird dabei in Arkansas nicht zugrunde gehen.«

Rowsons treuherziges Benehmen hatte den Alten wieder ganz für sich gewonnen, denn selbst so recht von Herzen gut und brav, traute er auch anderen nicht leicht etwas Schlechtes zu, warum also gerade dem, der in der ganzen Ansiedlung als ein so frommer und gottesfürchtiger Mann bekannt war. Durchkreuzte auch wirklich manchmal ein dunkler Verdacht sein Hirn, so wurde er sich entweder selbst nicht recht klar darüber, oder er verwarf ihn augenblicklich wieder.

Wie waren aber indessen die Gefühle des Predigers, der langsam durch den schattig-dunklen Wald dahinritt? Weit genug von dem Haus entfernt, damit er von dort aus nicht mehr gesehen werden konnte, stieg er von seinem Pferd, nahm es am Zügel und schritt ernst und in tiefen Gedanken versunken auf der schmalen Straße hin, die sich durch den Wald schlängelte. Endlich blieb er stehen und sagte halblaut vor sich hinmurmelnd:

»Es wird mir fast zu heiß hier in Arkansas – der Teufel kann einmal seine Hand im Spiel haben und durch irgendeinen Zufall Dinge an das Licht bringen, die meinem guten Ruf in dieser Gegend gerade nicht förderlich sein würden. Ich muß fort – und das sobald als möglich – Atkins mag sehen, wie er seine Farm verkauft, ich will mich nicht hier fesseln, daß ich nachher, wenn alle anderen ihren Rücken gedeckt haben, allein der Rache jener kläffenden Hunde preisgegeben bin. Nein! – Zwar ist der Indianer verschwunden«, fuhr er nach einer Weile fort, »und ohne den möcht’ es ihnen doch schwer werden, irgend etwas – ich weiß wirklich nicht einmal, wie es mit dessen Hilfe möglich ist – das Federmesser…«

Das Pferd spitzte die Ohren, und plötzlich trat der Indianer aus dem Dickicht und schritt leise grüßend an ihm vorüber.

»Assowaum!« rief Rowson erschrocken, »Assowaum – wo – wo waret Ihr so lange? – Wir haben Euch in der Ansiedlung vermißt.«

»Der blasse Mann ist ja ebenfalls fern gewesen«, erwiderte der Indianer, den Prediger fest ansehend, »Assowaum kehrt zu dem Grabe seines Weibes zurück.«

»Und hast du noch nichts von dem Mörder entdeckt?«

»Nein!« antwortete der Indianer mit tonloser Stimme, »noch nicht – der Große Geist hat dem heiligen Vogel gewehrt, mir den Namen des Verräters in das Ohr zu flüstern. Assowaum hat deshalb mit dem Geiste seines Volkes an einer Stelle gesprochen, die noch von keines Weißen Fuß entweiht wurde. Er harrt jetzt der Stimme seines Manitu.«

»Möge er dir günstig sein«, sagte der Prediger, ganz seinen früheren Abscheu gegen den Götzendienst des Indianers vergessend. Dieser aber schritt grüßend weiter, Rowson schwang sich in seinen Sattel und ritt eilig, als ihn eine Biegung der Straße den Augen des Indianers verbarg, seinem Pony die Hacken in die Seiten bohrend den Weg entlang, daß seine langen braunen Haare in dem frischen Abendwind flatterten, und das Roß, solcher Behandlung ungewöhnt, schäumte und schnaubte, als es mit seinem ungeduldigen Reiter durch das flache Talland dahinbrauste.

21. Wilsons Geständnis – Die Wäscherin

Roberts hatte noch nicht lange Harpers Hütte verlassen, als sich Brown ebenfalls rüstete, zu Bowitt hinaufzureiten, vor dessen Haus am nächsten Morgen die Versammlung der Regulatoren stattfinden sollte. Cook begleitete ihn ein Stück Weges, ritt jedoch dann links weiter, um in seinem eigenen Hause zu übernachten und mit Tagesanbruch nachzufolgen, während Bahrens bei dem Rekonvaleszenten zu bleiben versprach. Harper schwor übrigens hoch und heilig, daß das der letzte Tag gewesen sein sollte, den er sich habe in dem verwünschten Hause einsperren lassen.

»Ich muß wieder einmal Laub und Moos unter den Füßen fühlen«, rief er aus, »muß wieder einmal das grüne Blätterdach über mir sehen, eher werde ich nicht gesund.« Es wurde also verabredet, daß er am nächsten Tage mit zu Bahrens reiten und dort eine Woche zubringen solle. Da der Weg aber für einen durch Fieber Geschwächten auf einmal zu weit wäre, so wollten die Männer die erste Nacht bei Roberts übernachten, der sie schon lange eingeladen hatte.

Brown trabte indessen auf seinem feurigen kleinen Pony den schmalen, im Laub kaum erkennbaren und nur durch abgeschälte Stücke Baumrinde bezeichneten Pfad entlang und erreichte in etwa anderthalb Stunden die kleine Farm von Wilson, der ebenfalls gerade im Begriff war sein Pferd zu besteigen.

»Hallo, Wilson – wohin soll die Reise gehen? Auch zur Regulatorenversammlung?« rief Brown ihm freundlich entgegen.

»Ja!« sagte der junge Mann, wurde aber merklich verlegen und schnallte mit verzweifeltem Eifer am Sattelgurt. Der war indessen schon angespannt und veranlaßte nur das Pferd, einige ungeduldige Bewegungen zu machen, während es mehrere Male nach Luft schnappte.

»Was macht Ihr denn, Wilson?« fragte ihn Brown lachend, »Ihr schnürt ja dem armen Tier die Seele aus dem Leibe. Wollt Ihr denn an einem Wettrennen teilnehmen, daß Ihr so nach diesem Zeuge seht?«

»Nein, das gerade nicht«, murmelte der andere, »welchen Weg reitet Ihr?«

»Ich wollte zu Euch – und Ihr?«

»Ich? – Ich gedachte zu Atkins…«

»Nun, das ist schön, dann komm’ ich ein andermal zu Euch und reite heute abend mit zu Atkins. Ich habe überdies dort eine Bestellung von Roberts auszurichten.«

Wilson wollte noch etwas einwenden, Brown achtete aber nicht darauf oder mußte es überhört haben, denn er rief dem Freund nur flüchtig zu, aufzusitzen, und lenkte dann sein Pferd dem neu bestimmten Lagerplatze zu.

Wilson war bald an seiner Seite und fragte endlich, wahrscheinlich nur, um das Schweigen zu brechen:

»Ihr habt also einen Auftrag von Roberts – wohl für Rowson? Der will ja Atkins Farm kaufen, wie man sagt wenn Atkins nämlich wirklich fortzieht.«

»Ist denn das noch nicht bestimmt?«

»Wer weiß es? Der alte Bursche ist finster und verschlossen wie das Grab. Mir sagt er’s schon gar nicht.«

»Warum denn Euch nicht ebensogut wie jedem andern?« fragte Brown lächelnd, während Wilson auf einmal ganz unerwartet ein Lied zu pfeifen anfing und mit der Reitgerte, die er sich von einem Busche gebrochen, seine Leggins klopfte. Auch schien er eine Weile die Antwort auf diese Frage schuldig bleiben zu wollen, bis sie Brown wiederholte, dann aber zügelte er sein Pferd, streckte dem jungen Mann sie Hand herüber und sagte mit herzlichem Ton:

»Ihr sollt meine Geschichte erfahren, Brown, mit ein paar Worten ist sie gesagt, und – Ihr meint es gut – vielleicht könnt Ihr mir einen Rat geben.«

»Nun, laßt hören«, entgegnete der Freund, »vielleicht, vielleicht auch nicht; es ist nicht oft, daß ich um Rat gefragt werde, und noch dazu in – Herzensangelegenheiten.« Er lächelte zu Wilson hinüber, als er sah, wie diesem das Blut in Wangen und Schläfe stieg.

»Ja – Ihr habt recht«, flüsterte dieser endlich, »es ist eine Herzensangelegenheit, doch – keine glückliche. Seid Ihr in Atkins Haus bekannt?«

»Ich war nie dort.«

»Er hat ein Kind – eine angenommene Waise – ein Mädchen – ach, Ihr würdet mich auslachen, wenn ich von ihr reden wollte, wie’s mir ums Herz ist. Ja, ich weiß wohl, wenn Ihr auch schon mir zuliebe an Euch hieltet, inwendig machtet Ihr Euch doch über mich lustig. Nun, ich will Euch die Beschreibung erlassen; ich liebe das Mädchen schon seit einem Jahr, als sie mit Atkins an den Fourche la fave zog; aber der Vater will sie mir nicht geben. Er ist zwar nur ihr Pflegevater, hat sie aber erzogen und eine wackere Dirne aus ihr gemacht. Jetzt jedoch will er ihr einen Mann aufdrängen, den sie nicht mag und den sie unter keiner Bedingung nehmen will, aber – er quält sie doch.«

»Das ist freilich schlimm«, sagte Brown, »wie alt ist sie?«

»Ach, leider erst siebzehn Jahre«, seufzte Wilson, »wäre sie einundzwanzig, so brauchten wir den Alten nicht zu fragen.«

»Hat sie Euch denn recht von Herzen lieb?«

»Sie hat es mir mehr als tausendmal gestanden.«

»Nun, worin besteht denn da eigentlich die große Not? Das Herz der Eltern wird sich doch wohl noch mit der Zeit erweichen lassen«, tröstete ihn Brown.

»Ja, wenn es nur Zeit hätte!« rief Wilson ungeduldig aus; »Rowson hält morgen Hochzeit, und da soll Ellen hinüberkommen und den jungen Leuten die Wirtschaft führen helfen.«

»Morgen?’ flüsterte Brown erbleichend.

»Ja – am Nachmittag«, fuhr Wilson, ohne es zu bemerken, fort. »Hat Atkins dann verkauft, so will er nach Texas und – das Mädchen muß mit.«

»Nun, so geht Ihr mit ihm«, sagte Brown, der kaum noch hörte, was der andere sprach.

»Das ist nicht möglich«, erwiderte dieser, »ich habe meine alte Mutter in Tennessee, nicht weit von Memphis, und die müßt’ ich auf jeden Fall erst holen. Sie lebt jetzt bei fremden Leuten, und dort soll sie mir einmal nicht sterben.«

»Da werd ich freilich wenig für Euch tun können«, seufzte Brown etwas zerstreut, »ich kenne Atkins gar nicht, habe ihn erst einmal gesehen, und es ist doch höchst unwahrscheinlich, daß er auf meine Fürsprache auch nur das geringste Gewicht legen würde.«

»Das sollt Ihr auch nicht bei Atkins versuchen, sondern bei jemand ganz anderem.«

»Und bei wem?«

»Bei Mrs. Rowson. – Ihr seid mit Roberts gut bekannt, und Marion hält viel auf Euch, das weiß ich. Wenn Ihr sie recht schön für mich bitten wolltet, sie tät es Euch sicherlich zu Gefallen.«

»Mrs. Rowson«, sagte Brown leise und wie in tiefen Gedanken, »Mrs. Rowson – kann sie helfen?«

»Oh, sie gilt sehr viel bei Atkins«, beteuerte Wilson. »Als Atkins’ Frau im letzten Sommer so lange und gefährlich krank lag, hat sie ganze Wochen lang mit Ellen an ihrem Bette gewacht. Ihr tun sie alles zuliebe, sie ist ein gar so gutes Mädchen.«

»Ja – ja!« seufzte Brown tief auf.

»Nicht wahr, das glaubt Ihr auch?«

»Was?«

»Daß sie ihr alles zu Gefallen tun werden.«

»Guter Wilson«, sagte Brown, sich halb von seinem Begleiter abwendend, »Ihr hättet Euch in dieser Sache sicherlich an einen besseren wenden können als an mich. Rowson selbst würde da vielleicht ein nützlicherer Fürsprecher sein.«

»Ja«, sagte Wilson halb ärgerlich, »das weiß ich; aber verdammt will ich sein, wenn ich den Mann leiden kann. Die ganze Nachbarschaft hat ihn gern, die Frauen wenigstens, die ganz versessen auf ihn sind, doch ich, ich weiß nicht, mir wird’s immer unbehaglich, wenn ich mit ihm freundlich tun soll. Sonderbar müssen auch seine Verhältnisse sein. Vor einem Jahr kommt er hierher, sagt selbst, daß er arm ist, arbeitet nicht das mindeste, predigt nur und bekommt von keinem Menschen einen Cent dafür, hat aber immer Geld, treibt sich auf solche Art zwölf Monate im ganzen County umher und heiratet auf einmal das schönste Mädchen am Fourche la fave (Ellen ausgenommen, denn, ich weiß nicht, die gefällt mir doch noch besser). Ich selbst habe weiter nichts gegen Rowson, kann nichts gegen ihn einwenden, als daß er feig ist, nun, was kümmert das mich, aber – um eine Gefälligkeit möcht’ ich ihn nicht bitten, und wenn mein ganzes Lebensglück auf dem Spiele stünde.«

»Habt Geduld, Wilson«, tröstete ihn Brown, »wenn Euch das Mädchen liebt und der andere Mann ihr Wort noch nicht hat, so wird sich auch alles noch einrichten lassen. Ihr habt viele Freunde hier und seid jung und fleißig – was wollt Ihr mehr?«

»Das Mädchen will ich, Brown«, sagte Wilson treuherzig, »und wenn Ihr auch noch so schön predigt, so seht Ihr mir doch ebenfalls aus, als wenn Ihr den entsetzlichsten Kummer auf der Welt hättet und keinem Menschen ein Wort davon anvertrauen könntet. Nein, so halt’ ich’s nicht aus. Bis Atkins fortgeht, muß sich mein Schicksal entscheiden, und will oder kann mir bis dahin keiner von Euch helfen, daß ich das Mädchen im guten bekomme, nun so hol mich der Teufel, wenn ich sie nicht entführe – und mit geht sie, das weiß ich.«

»Habt Ihr denn schon bei Atkins um sie angehalten?«

»Ja, und sie – die Alte – ein bitterböses Weib, hat mir gedroht, mich zur Tür hinauszuwerfen, wenn ich dort noch einmal hinkäme.«

»Und jetzt wollt Ihr hin?«

»Allerdings – aber nicht ins Haus«, sagte Wilson verschmitzt lächelnd, »so auf den Kopf gefallen bin ich nicht. Nein, Ellen wäscht heute unten am Bach, ein paar hundert Schritt vom Haus entfernt, im Busch drin, und da das fast die einzige Zeit ist, wo ich ungestört ein Wörtchen mit ihr plaudern kann, so wollt’ ich die Minuten wenigstens nutzen. Nachher, wenn sie ihre Arbeit beendet hat, reit’ ich noch zu Bowitts hinüber; das Wetter ist ja warm und schön.«

»Kann ich denn Euer Liebchen nicht einmal zu sehen bekommen, daß ich doch wenigstens weiß, welchen Geschmack Ihr habt?« fragte Brown lächelnd.

»Warum nicht?« rief freudig Wilson, »sie wird Euch gefallen, und ich brauche mich ihrer nicht zu schämen; aber kommt, wir sind nicht mehr weit von dem Platz entfernt und müssen hier rechts abbiegen, sonst sehen sie uns vom Haus aus. – Halt! Hier laßt Euer Pferd, denn durch die Slew können wir nicht reiten. Mein Pony nehme ich übrigens hinunter in das Schilfdickicht – da ist sein gewöhnlicher Platz.

So«, sagte er, als er schnell wieder zurückgesprungen kam und dem Freund über die schmale Brücke voranlief, »so – dort ist sie, aber leise, wir wollen sie überraschen.«

Die Männer schlichen auf den Zehen einem kleinen offenen Fleck im Wald, gerade in der Biegung des Baches zu, der seine Wasser dem nicht weit entfernten Fourche la fave in vielen Krümmungen entgegenführt, und blieben hier, von dem lieblichen Schauspiel, das sich ihnen bot, überrascht, stehen. Wilson warf dem Freund einen triumphierenden Blick zu, als ob er hätte fragen wollen: Siehst du, daß ich recht habe? Ist das ein Wesen für Texas, und soll ich mir dieses Mädchen nehmen lassen?

Neben dem kiesigen Bachufer, von zwei niederen Holzgabeln gestützt, hing über einem kleinen knisternden Feuer ein mächtiger schwarzer Kessel; mehrere kleine Bänke standen in einem Halbkreis umher und trugen in einzelnen Abteilungen die verschiedenen Wäschearten, farbige und weiße, und vor einem tischähnlich befestigten Brett stand Ellen, schlug mit dem breiten Waschholz die einzelnen Stücke Weißzeug und begleitete mit ihrer hellen Stimme die regelmäßigen Schläge des Klöppels. Dicht neben dem Waschbrett, zwischen zwei schlanken Hickorystämmen befestigt, hing, von dem leichten Südwind geschaukelt, eine Hängematte, in der ein rotbäckiges Kind bis jetzt still und friedlich geschlummert hatte. Nun aber schlug es die großen dunklen Augen auf, tat einen Blick in die Höhe und verzog dann das kleine Gesicht zu einer so entsetzlich sauren Miene, daß alle Anzeichen eines nahenden Wehgeschreis zu fürchten waren. Ellen hatte den kleinen Schläfer aber nicht außer acht gelassen und bemerkte kaum das Erwachen des Kleinen, als sie auch ihren Klöppel schnell fallenließ, die Hängematte in etwas lebhaftere Bewegung versetzte und dem durch ihre Gegenwart sogleich beruhigten Kinde mit leiser, schmeichelnder Stimme ein Wiegenlied vorträllerte.

Plötzlich fuhr sie erschrocken auf, als Wilson, der leise an sie herangetreten war, seine Hand um ihre Hüfte legte. »Ach, du böser Mensch, wie du mich erschreckt hast!«

»Sei nicht böse darüber«, flüsterte Wilson, einen Kuß auf die Lippen der sich nur schwach Sträubenden pressend, »aber sieh, hier hab ich dir einen Freund mitgebracht.«

Ellen wandte sich rasch um. Als ihre Blicke denen des freundlich lächelnden jungen Fremden begegneten, wollte sie eilends fortlaufen. Wilson aber faßte noch rechtzeitig ihre Hand und bat flehend:

»Ellen – er ist ja ein guter Freund, und er weiß, daß wir uns liebhaben; überdies«, fuhr er noch neckend fort, »darf das kleine Fräulein auch gar nicht fortlaufen und den ihr anvertrauten Schutzbefohlenen zurücklassen. Hab’ ich recht oder unrecht?«

»Unrecht«, flüsterte lächelnd das Mädchen, indem sie sich, immer noch verlegen, vor dem Fremden verneigte, »unrecht, du weißt, daß du immer unrecht haben mußt.«

»Schöne Gesetze«, sagte Wilson mit ernst-komischer Miene zu Brown, »sehr schöne Gesetze. Da sind unsere Regulatoren noch gar nichts dagegen.«

»Die häßlichen Regulatoren…« rief Ellen.

»Halt!« unterbrach sie lachend Wilson, »nicht so voreilig, Miß – hier stehen zwei.«

»Du ein…«

»Stop – hier ist unser Hauptmann, und ich…«

»Oh, Sie sind kein Regulator, nicht wahr?« fragte halb ängstlich, halb schmeichelnd das Mädchen Brown, »das glaube ich nicht.«

»Haben Sie einen so fürchterlichen Begriff von diesen Menschen?« Brown lächelte.

»Ach ja – Mutter und Vater haben mir entsetzliche Dinge von ihnen erzählt: Wie sie die unschuldigen Männer nachts aus ihren Betten holen, nur wenn einer von ihnen auf jemand böse ist, und sie dann an einen Baum binden und so lange peitschen, bis sie sterben. Vater hat geschworen, jeden totzuschießen, der nachts in feindlicher Absicht über seine Schwelle käme.«

»Sie sind nicht so schlimm, wie es Ihr Vater wohl glaubt«, meinte Brown, »und wenn auch…«

»Nun bitt’ ich aber ebenfalls darum, ein Wort mit einlegen zu dürfen«, rief Wilson. »Ich bin denn doch wahrhaftig nicht hierhergekommen, einer Abhandlung über die Regulatoren zuzuhören. Ellen, hast du noch einmal mit deiner Mutter gesprochen?«

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
540 s. 1 illüstrasyon
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