Kitabı oku: «Casmilda's Gewinn durch Verlust», sayfa 2

Yazı tipi:

Um die heutigen Standpunkte der Beiden zu verstehen, waren ihre Vorgeschichte und Kindheit von Bedeutung: Cornelia wuchs als wohlbehütetes Kind in einer gut situierten Familie in Deutsch-Kreuz im Burgenland auf. Sobald ihre Mutter sie im Alter von 10 oder 12 ermahnte, ihr im Haushalt zu helfen, oder mehr Engagement für die Schule aufzubringen, kam ihr Vater hinzu, um sie vor der Mutter in Schutz zu nehmen, obwohl eigentlich kein verbaler Angriff von dieser erfolgt war. Connys Mutter hatte in ihrem Leben nicht sonderlich viel erreicht, was ihren beruflichen Erfolg anbelangte, deshalb glaubte sie, eine höhere Schule würde ihrer Tochter bestimmt gut tun, da ein dementsprechender Abschluss ihr die Möglichkeiten erschießen würde, die ihr selbst verborgen geblieben waren. Sie meinte es nur gut mit Conny. Ihr Vater jedoch liebte seine Tochter über alles, und klammerte sich an sie, weil er in seiner Kindheit nicht gelernt hatte, die Liebe, die ihm sein Vater verweigert hatte, nicht erzwingen zu können. Somit sah er in allem Liebevollen einen Zwang, den man an sich band und festhalten musste, um die betreffenden Liebe nicht zu verlieren. Conny wuchs somit zu einer verwöhnten Göre heran, die bei jeder Kleinigkeit ins Wanken geriet und zu jammern begann, und jeder Mensch, der das nicht verstand, war ihres Erachtens nach unsensibel, und musste sie trösten und vergöttern wie ihr Vater. Diese Vorstellung haftete noch heute an ihr.

Nur ihre Außenwelt, sprich Connys Arbeitskollegen, ihr Chef und ihre Freundin Casmy wollten sie aus diesem verwöhnten Trott herausziehen, wenn auch nicht alle Betroffenen bewusst dieses Ziel verfolgten, da nur Casmy über Connys Vergangenheit Bescheid wusste. Sich gewissen Gegebenheiten wie Kritik oder Hilfsbereitschaft im Alltag hinzugeben fiel Cornelia immer noch schwer.

Casmilda wuchs in einem kleinen Dorf namens Wilhelmsburg an der Traisen im Bezirk St. Pölten Land auf. Sie wusste, was es hieß, selbstständig zu sein. Sie wurde nicht verwöhnt, was ihre Kindheit betraf, ganz im Gegenteil, was ihr wichtig war, musste sie sich hart erarbeiten. Ihre Noten in der Schule waren immer exzellent. Nach der 4. Klasse lernte sie selbstständig und alleine für die Schule.

Wie groß war die Enttäuschung, als sie ihr Abschlusszeugnis der Hauptschule in den Händen hielt, mit lauter Einsern, und ihren Eltern in den Ohren hing: „Mama, Papa, wir ihr schon wisst ist mein Zeugnis überdurchschnittlich gut ausgefallen! Ich würde so gerne eine höhere Schule besuchen! Danach möchte ich vielleicht Psychologie studieren, und…!“

„Vergiss es, Schätzchen“, warf ihre Mutter sachlich ein, „für derartigen Luxus haben wir kein Geld. Die ständigen Bücherkosten, die Ausflüge und dergleichen übersteigen unser monatliches Budget. Erlerne einen anständigen Beruf, Mädchen!“

Als Casmilda vorschlug, einen Nebenjob anzunehmen, um sich die Schulkosten selbst leisten zu können, wurde ihr dies verboten. „Dein Engagement in allen Ehren, Liebes, aber ich glaube, damit wirst du dich überfordern.“

Somit bewarb sie sich im Alter von 15 Jahren bei Die fliegende Schere. Sie hatte es nicht leicht mit Cornelia, die am selbigen Tag wie Casmilda ihre Lehre antrat .Conny nahm alle ihre Aussagen persönlich, hinterfragte dabei ihren eigenen Wert und war schnell beleidigt. Es dauerte eine Weile, bis die beiden einander verstehen lernten. Ihre Kolleg -und Freundschaft war jedoch nicht immer von Kompromissen übersät, weil sie abgesehen von ihren charakterlichen Unterschieden in vielen Punkten einer Meinung waren, sei dies nun gekennzeichnet durch private Dinge wie gemeinsame Hobbies oder berufliche Dinge wie dieselben Geschmäcker bei einer fachlichen Typberatung – sie fanden mehr und mehr zueinander. Tief in ihrem Inneren wussten Casmilda und Cornelia über die Wichtigkeit der Akzeptanz ihrer jeweiligen Unterschiede Bescheid, sie würden sich nicht grundsätzlich füreinander ändern, aber mehr und mehr Bereitschaft zeigen, ihr Gegenüber zu verstehen. Casmilda brachte mit ihrer Persönlichkeit im Salon eine starke Powerfrau zum Ausdruck, die mit Elan und Motivation ans Werk ging.

Cornelia trat den Kunden mit einer sehr feinfühligen Ader entgegen, die sie sehr an ihr schätzten, obwohl Ausnahmen die Regel bestätigten. Somit stellten sie an ihren guten Tagen ein fantastisches Team dar, das balanciert und richtig handelte. Misslungene Teamkonzepte konnte ein Außenstehender an Connys beleidigter Miene oder Casmildas zornigen Blicken erkennen. Selbstverständlich jedoch waren beide mit einer selbst antrainierten Schauspielergabe ausgestattet, die es ihnen ermöglichte, die „schlechten“ Tage vor den Kunden zu verbergen. Irgendwie schafften es Casmy und Conny immer wieder beide, aufeinander einzugehen, wenn sie sich gestritten hatten, egal ob aus privaten oder beruflichen Gründen. Sie konnten immerhin viel voneinander lernen, wenn die Bereitschaft dafür gegeben war.

Der Abend bei Junk-Food -Mood hatte einen Anflug von Müdigkeit über die Gemüter der Stylistinnen gezogen. Zuerst waren sie sturzbetrunken am Sonntag Morgen nachhause gekommen, hatten danach ein paar Stunden geschlafen und sich statt frischer Luft die Düfte eines Fast Food-Restaurants gegönnt.

Sie hockten abends zusammen in Connys Zimmer im Jugendwohnheim und schwiegen sich gegenseitig an, dabei wanderten ihre Blicke zwischendurch zum Fernseher, der eine kitschige Serie ausstrahlte. Seit ihrer Diskussion wegen Daniel hatten die beiden sich nicht mehr miteinander unterhalten, kein einziges Wort gewechselt. Doch Casmy tat eben nur, worum Conny sie gebeten hatte. „Lass' mich bitte zufrieden!“, hatte sie gesagt. Dabei war Casmilda vollkommen bewusst, wie wichtig Conny in solch trotzigen Momenten Worte des Mitleides waren, doch sie tat ihr diesen Gefallen nicht, weil er sich letztendlich nicht als Gefallen herausstellen würde. Sie musste lernen, Mücken Mücken sein zu lassen, anstatt sie zu Elefanten aufzublasen. Schließlich sah Casmy ihre Freundin an und grinste. In ihren Augen erkannte Conny Aufmunterung und Zuversicht. Spätestens dann wurde Cornelia klar, welche Übertreibung sie wieder einmal an den Tag gelegt hatte, ihr Schmerz galt immerhin ihrem Liebeskummer wegen Daniel, nicht der ganzen Welt um sie herum.

Nun musste auch Cornelia grinsen und schloss ihre Freundin in die Arme. Dabei merkten beide die nicht zu verleugnende Fälligkeit eines Rückentrainings, die ihr Berufsleiden hervorbrachte. Eine halbe Stunde später rüttelte Conny Casmy sanft am Arm, die bereits eingeschlafen war.

Es folgte die typische Küsschen – Verabschiedung und Conny ging zu Bett.

Auch Casmilda befand sich wenige Minuten später in ihrem kleinen Schlafgemach. Kurz, bevor sie sich selig in den Schlaf wiegen wollte kam ihr ein Gedanke. Ihre schweren Lider aufrechterhaltend beschäftigte sie Connys Verhalten dahingehend, wie wichtig sich die Liebe eines Mannes für sie selbst darstellte. Doch anstatt diesem Gedanken tiefgründige Philosophien folgen zu lassen, entdeckte sie in ihrem Inneren eine sexuelle Begierde.

Kurzerhand öffnete sie die Nachttischschublade und nutzte ihren Vibrator, sowie ihre zärtlichen Hände, um sich wenige Minuten später einem sinnlichen Orgasmus hinzugeben.

Ein Anflug leichter Reue streifte sie, während sie das Penisimitat unter das lauwarme Wasser im Badezimmer hielt. Sie wusste genau, dass sie die Möglichkeit hätte nutzen können, sich der lebendigen Fleischeslust eines Mannes im Dance for Chance vollkommen hingeben zu können, was Küsse oder sexuelle Begierden anbelangte, die sich letztendlich in einem privaten Bett ihre Bahn gebrochen hätten, somit hätte sie auf den Nutzen des Vibrators vollkommen verzichten können. Doch die Rücksichtnahme auf Conny, dessen Vorwürfe, sie hätte sie alleine in der Diskothek zurückgelassen, hatten sie davon abgehalten, ihrem erotischen Drang bereits am Samstag nachzugeben, trotz des hohen Alkoholspiegels.

„Doch ich habe Connys Unsicherheit gegenüber Männern nicht zu verantworten, obwohl sie mir diese Verantwortung in Form von Vorwürfen gerne unterbreiten möchte“, sagte sie laut in den Raum, als sie in ihrem Bett liegend die Decke anstarrte. Die Kompromisse in unserer Freundschaft sind nicht immer einfach für mich, dachte sie. Wenige Sekunden später war sie eingeschlafen.

Unterdessen dachte Conny erneut über Daniel nach. Nun, da sie alleine mit sich selbst war, und Casmilda sie nicht von ihrer uneinsichtigen Art, die Situation zu sehen, abhalten konnte, trieben in ihren Gedanken einige Hassfantasien gegen ihren Exfreund ihr Unwesen. Es war einerseits gut, sich von ihren Emotionen treiben zu lassen, denn sie entsprachen ihrer wahren Natur, die Dinge zu sehen. Andererseits wusste Cornelia tief in ihrem Inneren, wie sehr sie es in ihrem Leben befürworten würde, mehr Selbstvertrauen zuzulassen und somit ihre Wahrnehmung für die Außenwelt zu verändern. Doch Veränderung war ihr ein Gräuel, sie barg keine Sicherheit. Also würde sie sich bestimmt noch eine Zeit lang mit ihrem alten selbstzweifelnden Ich herumschlagen müssen. Wenige Minuten später fiel auch sie in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Tag wurde Casmilda bereits sehr früh am Morgen wach, als sie schlaftrunken registrierte, an ihrem arbeitsfreien Montag noch viel länger ausschlafen zu können.

Doch die Erinnerung an einen realistischen Traum hielt sie davon ab, weiterhin auszuruhen. Sie setzte sich ruckartig im Bett auf, schloss die Augen und ließ die Bilder vor ihrem geistigen Auge revue passieren: Marco und Casmy hatten die sexuelle Vereinigung der Reiterstellung genossen, wobei sie ihn mit gierigen Blicken fixiert, sowie mithilfe obszöner Worte motiviert hatte, tiefer in sie einzudringen. Schließlich erschien Conny und filmte die beiden bei ihrem Lustakt. Mit den Worten: „Das Internet wird seine Freude an dem Film haben!“, bedachte sie Casmy mit einem eiskalten Lächeln. Gefühle der Scham und des Entsetzens durchfuhren ihren nackten Körper, als sie ihre Hände verzweifelt um ihn schlang. An dieser Stelle riss sie erschrocken die Augen auf. Schnell schnappte sie sich ihr Tagebuch und begann, den Traum schriftlich zu analysieren: „ 9.3.: Ich träumte von Marco, der mich sexuell befriedigte, und Conny, die den Akt unterbrach. Sie filmte uns während ich mich auf ihm bewegte, und drohte damit, das Ganze ins Internet zu stellen. Was soll das bedeuten? Mir scheint, als hätte ich Angst, Conny würde mir dieses Gefühlshoch mit Marco nicht gönnen, das sich in meinem Traum anhand einer sexuellen Vorstellung ausdrückt. Doch wieso sollte sie das tun? Sie ist meine beste Freundin. Obwohl ich mir darüber im Klaren bin, welch übertriebenes Ausmaß Connys Neid annehmen kann, wissen sie und ich, woher seine Wurzeln rühren – sie würde bestimmt nichts unternehmen, um mir Marco abspenstig zu machen. Dennoch verarbeite ich in diesem Traum wohl auch ein gewisses Unwohlsein bezüglich ihrer Blicke, die sie mir im Dance for Chance zuwarf, als ich versuchte, mit den anwesenden Männern zu flirten. Und diese Fantasie bezüglich des Internets beschreibt meine Angst davor, die Öffentlichkeit, sprich mein Chef Larcy Biksmer könnte von der Affäre zwischen mir und Marco erfahren. Dies würde seine strenge Erinnerung an die Trennung zwischen Privat – und Berufsleben bedeuten. Doch ich muss auf den Boden der Tatsachen zurückkehren – zwischen Marco und mir läuft keine Affäre.“ Zumindest noch nicht fügte sie im Stillen hinzu.

Sie atmete tief durch, beruhigt durch ihre analysierenden Worte und legte das Tagebuch zurück in die Schreibtischschublade.

Sie machte sich Kaffee und putzte sich die Zähne. Dann aß sie, noch im Pyjama, eine Schüssel mit Sckoko-Müsli und extraleichter Milch, um schlank zu bleiben.

Casmilda duschte, rauchte nackt ein paar Zigaretten, und bekleidete sich mit einer dünnen Leinenhose sowie einem türkisen, bauchfreien Top. Nachdem sie sich nochmals die Zähne geputzt hatte, klopfte es an der Tür. Wer das wohl sein mochte um diese Zeit? fragte sie sich. Die Uhr zeigte 9:40.

Sie öffnete und ein unheimlich gut aussehender, junger Mann stand vor ihr. Er schien nicht älter als 20 zu sein. Er hatte dunkle, kurze Locken und schokoladenfarbene Augen, passend zu seinem braunen Teint, der seinen muskulösen Körper zierte.

„Ja, bitte?“

„Ich bin Florenzo, Marcos Cousin, das ist für Sie!“, brachte er mit einem Lächeln hervor, das nur dem leidenschaftlich geformten Mund eines Italieners entspringen konnte.

„Du kannst mich auch sehr gerne duzen!“, erwiderte Casmilda und streckte ihm aufgeregt ihre rechte Hand hin, die er vorsichtig drückte. Casmilda nahm eine weiße Rose entgegen, die laut Florenzos weiterer Ausführung von Marco stammte. Ihr Duft schien den gesamten Raum zu erfüllen, zumindest fühlte ihn Casmilda derart intensiv, da ihre Glückshormone ihr einen Streich spielten. Da war auch ein Kärtchen dabei: „Für eine liebe Arbeitskollegin, dein Marco“.

„Danke sehr, Florenzo, möchtest du gerne einen Kaffee mit mir trinken?“, fragte sie lächelnd, als ihre Bäckchen eine zarte rötliche Farbe annahmen.

„Nein danke, das ist lieb von dir, ich muss mich beeilen um Zeitungen auszufahren!“

Mit diesen letzten Worten verschwand er.

Was für ein Charmeur Marco doch war! Obwohl sie ihn für taktvoll und einfühlsam hielt, überraschte es die junge Dame doch, dass ihr Kollege solch einen würdevollen Schwang der Romantik an den Tag legte. Sie steckte die holde Blume zwischen den Busen in ihr Top und drehte sich vergnügt im Kreis. Wo er jetzt wohl ist, ob er an mich denkt?, fragte sie sich. Sie wollte die Rose einwässern und nahm sie vorsichtig aus ihrer provisorischen Halterung, wobei die prallen Brüste der Blume einen guten Halt verliehen hatten. Sie befüllte eine langstielige Vase mit kaltem Wasser, als sie sich die weiße Rose genauer ansah. Da bemerkte sie die ersten bräunlichen Flecken an den Blütenblättern. Wollte er mir schmeicheln oder mich in meiner Würde kränken?, dachte sie. Angeekelt verzog sie den Mund zu einer schmalen Linie und legte ihre Stirn in Falten.

Doch sie beruhigte sich wieder. Einem geschenkten Gaul schaute sie nicht ins Maul.

Doch eine andere Sorge schlich sich in ihr Bewusstsein. Sie nahm auf ihrem Bett Platz und befühlte ihren aufgeregten Herzschlag. Sie sammelte ihre Gedanken, als sie den Kopf in den Händen gestützt hielt. Marco, der aufgrund seiner femininen Mimik und Gestik die Frage aufkommen ließ, inwiefern er dem gleichen Geschlecht zugetan war, ließ ihr eine Rose überbringen. Doch warum besaß er derart viele Fotos von seinen Ex-Freundinnen, die er prahlerisch präsentierte? Oder zeigten die Fotos seine platonischen Freundinnen? Schwulen Männern war es immerhin eigen, Frauen als ihre Seelenverwandten zu betrachten.

Um sich von ihrer selbst auferlegten Verwirrung abzulenken, erfreute sie sich weiterhin an der Rose. Weiß symbolisiert die Reinheit, sagte man. Sie zündete sich eine Zigarette an und schmunzelte. Marco steckt vielleicht all seine Hoffnung in meine Jungfräulichkeit, die ich schon längst verloren habe, dachte sie und stieß den Rauch aus. Das würde auch erklären, warum er so nervös gewesen war, als er ihr die aubergine-Farben Tönung aufgetragen hatte und sie sich mit den Fingern über den Busen gestrichen hatte, um ihn sexuell anzuheizen. Sie drehte sich schmunzelnd auf den Rücken und zog genüsslich an ihrer Zigarette. Es machte ihr Vergnügen, Spekulationen über Marcos Gedanken anzustellen. Vielleicht meinte er ja, sie solle sich ein Beispiel an der Rose nehmen, weil Casmildas Sündhaftigkeit Bände sprach. „Diese Bände darfst du gerne lesen“! , rief sie euphorisch aus und verfiel einem Lachanfall, als sie kurz darauf bemerkte, wie die Asche ihrer Zigarette auf den Boden fiel, weil sie sich zu weit aus dem Bett gelehnt hatte. Sie holte einen Aschenbecher und dämpfte die Zigarette aus. Dann holte sie ihre Gedanken wieder ins Hier und Jetzt zurück.

Wenige Minuten später klopfte sie an die Tür ihrer Freundin und Nachbarin Valetta. Verschlafen öffnete sie. Sie hatte ebenfalls ihren freien Tag, und arbeitete im Kaufhaus Lipsmelker auf der Mariahilferstraße in einer Pizzeria.

„Wie spät ist es?“, fragte Valy verschlafen, ohne ein Wort des Grußes.

„Es ist zehn!“

Da wollte Valetta schon die Türe zuknallen, als Casmy den Fuß dazwischen legte, und sie flehend ansah.

Valetta ließ sie herein. „Kaffee, Tee?“

„Nein, danke!“, antwortete sie fröhlich.

In knappen Worten berichtete sie von ihrem blumenreichen Ereignis, und Valy hörte mit kaum aufgerissenen Augen zu.

„Wie kommt er auf die Idee, dir eine Blume überbringen zu lassen?“, fragte sie, als sie sich auf ihr Bett setzten.

„Ich weiß es nicht“, antwortete Casmy mit verträumtem Blick und elfengleicher Stimme, „ er verwirrt mich ein wenig. Ich frage mich einerseits ob er schwul ist, seiner Mimik und Gestik wirken ziemlich feminin, wie ich dir bereits erzählt habe, andererseits schickte er mir diese herzallerliebste Rose!“

Anschließend zeigte sie Valetta die Sms, die sie ihm gesandt hatte, und musste schmunzeln. Diese strich sich mit einer flotten Handbewegung ihr kurzes Haar aus dem Gesicht und verzog ihren Mund zu einer schmalen, nachdenklichen Linie. Was sollte sie ihrer Freundin raten? Dass sie die Finger von ihm lassen sollte? Valetta hatte ihre Bedenken über Beziehungen mit Arbeitskollegen bereits geäußert, sie davor gewarnt, Privates und Berufliches derart gedankenlos in einen Topf zu werfen. Mehr konnte sie für sie nicht tun. Casmy betrachtete ihre Freundin. Sie konnte ihre Gedanken teilweise erahnen.

Valetta war eine hübsche, 23 – jährige Blondine, naturblond, wofür sie viele ihrer Freundinnen beneideten.

Eine ihrer wenigen Schwächen bestand darin, schnell die Geduld zu verlieren, und dementsprechende Aggressionen aufkommen zu lassen. Einen Teil ihres feurigen Temperaments nutzte sie auch in diesem Moment, als sie Casmilda aufgrund ihrer Schlaftrunkenheit nach einer halben Stunde zur Tür hinausschob, ohne großartige Rechenschaften darüber abzulegen. Sie meinte nur, sie würden sich später treffen. Und sie solle auf dem Boden bleiben, denn immerhin sei eine einzige Rose kein Grund, sie zu behandeln wie einen gesamten Strauß. Casmilda lächelte ihr zu, bevor sie sich umdrehte und ging. Mit diesem Lächeln versuchte sie sich selbst und Valetta Verständnis für ihr raues Wesen entgegenzubringen, das sie des Öfteren stutzig machte.

Valetta führte ein eher solides Leben. Die attraktive Lesbierin verbrachte ihre Freizeit gerne zuhause, lackierte sich ihre Fuß – und Fingernägel mit der Nuance hottest chocolate, ever been , ihrer Lieblings- Nackellackfarbe, rauchte Kette, und lud Freunde oder Freundinnen zum Kaffee ein, auch lesbische Damen zu One – Night – Stands hatten ihre Wohnung schon des Öfteren von Innen gesehen. Valetta und Casmilda diskutierten oft, ob Homo – oder Heterosexualität in der Frauenwelt die zufriedenstellendere Variante sei, doch diese Diskussion schien ins Endlose zu führen.

Valy hatte oft dem einen oder anderen männlichen Wesen verbal und körperlich ihre Dominanz spüren lassen, weil er in der Diskothek ihre feste Freundin gefragt hatte, ob sie bereit für Sex wäre, oder ob die beiden an einem flotten Dreier interessiert waren. Auch Casmy war einmal dabei gewesen, und weil deren flotte Dreier bis jetzt immer nur mit zwei Männern stattgefunden hatten, hielt sie den Mund, obwohl in ihr die Neugier gewachsen war, wie sich Sex mit einer Frau anfühlte. Einen gewissen Sexhunger in ihrem Gefühlsverhalten konnte Casmilda nicht bestreiten. Sie schaffte das Klischee des testosterongesteuerten Mannes ab und projizierte es mit ihrer sexuellen Offenheit auf sie selbst.

Valy begab sich wieder zu Bett, genoss traumlos ihren Schlaf und stand pünktlich um 14 Uhr auf um sich für den gemeinsamen Tag vorzubereiten. Ebenso pünktlich klopfte auch Casmilda an der Tür, diesmal wurde sie von ihrer Freundin mit einer Umarmung und zwei Wangenküsschen begrüßt.

Sie nahmen die nächste U-Bahn, um zu Junk Food Mood zu gelangen, das ungesunde Fast Food schmeckte Valy, Casmy und Conny unbeschreiblich gut. Casmy öffnete das U-Bahn-Fenster, um ein wenig frischen Fahrtwind abzubekommen.

Durch das herrliche Wetter spiegelten sich in Valys Haaren glänzende Reflexionen des Sonnenlichts, die ihr wunderschönes Blond zur Geltung kommen ließen. Casmilda betrachtete die kaputten Enden und meinte: „Deine Spitzen könnten einen Schnitt vertragen, sie sehen aus, als hättest du eine Spinne in deinen Haaren fuhrwerken lassen, wobei der Spliss die Netze darstellt!“

Sie lachte über ihren eigenen Witz. Dabei rümpfte sie theatralisch die Nase, und fuhr Valetta kurz mit den Fingern durch ihre Wuschelmähne, was jene mit einem Einziehen des Kopfes als überflüssig deutete. „Ja ja, du immer mit deiner überheblichen Friseurzunge, aber gut, tob' dich aus wenn du meinst, es würde mir dann besser gehen, heute noch, wenn du willst. Ich persönlich finde, es gibt wichtigere Dinge im Leben eines Menschen als kaputte Haarspitzen.“ Sie schüttelte mit gespielter Entrüstung den Kopf und grinste.

„Das ist nun mal eine Berufskrankheit, meine Liebe!“ Casmilda war um kein Kontra verlegen.

„Berufskrankheit! Dass ich nicht lache“, entgegnete Valy mit theatralischer Miene, „deinem Prinzip nach müsste ich also jedem Gast in unserer Pizzeria davon abraten, unsere Pizzen zu essen, wenn sie ab und zu ein bisschen angebrannt sind, weil ich meinen Beruf derart ernst nehme, nicht wahr?.“ Gespielt dramatisch stemmte sich Valy die Hände in die Hüften. Casmy nahm die Herausforderung an.

„Was kann ich denn dafür, dass du ihn nicht ernst nimmst?“, bemerkte sie, und verlieh ihrer Stimme einen gespielt abwertenden Ton. Mit einem lockeren Lächeln winkte Valetta ab. Die U – Bahn rollte schließlich in der Station „Längenfeldgasse“ ein, sie stiegen um und waren wenige Minuten später an ihrem Ziel angelangt.

Sie setzten sich an einen Ecktisch im Freien. Im Fast-Food-Paradies bestellten sie je einen Happy Schmecky-Burger sowie zwei Lufti – Schoki - Erdbeermuffins. Sie orderten keine Getränke, da sie aus Sparmaßnahmen in ihren Handtaschen für je eine große Flasche mit verdünntem Fruchtsaft gesorgt hatten.

Casmilda ließ sich gerade die Mischung aus sauren Gurken, Rindfleisch und Tomaten schmecken, als sie einen hektischen Daniel bemerkte, der beinahe an ihr vorbeigelaufen wäre. Nahezu atemlos hielt er inne. Casmy blinzelte, als sie seine Anwesenheit registrierte, um auch sicherzugehen, dass er tatsächlich vor ihr stand. Sie hatte ihn nur ein einziges Mal gesehen. Nach Atem ringend kam er direkt auf sie zugesteuert.

„Weißt du, wo Conny ist?“, fragte er Casmy, ohne eine Begrüßung zu erwähnen.

Sie bemerkte seine Schweißperlen und legte angewidert ihren Burger zur Seite.

„Sie ist zuhause, wo denn sonst? Was willst du denn von ihr?“, fragte Casmy in leicht gereiztem Ton. Hat er nicht bemerkt, dass ich gerade genüsslich einen Burger verspeise? dachte sie bei sich.

„Ich will mit ihr reden, spätestens dann, wenn ich meinen Termin zum Haareschneiden bei ihr einhalte.“ Sein Keuchen war nicht zu überhören, als er den Oberkörper nach vorne gebeugt hielt, um sich mit den Händen auf seinen Knien abzustützen. Seine Stimme verriet einen leicht verzweifelten Unterton. Casmilda blickte ihn emotionslos an, nicht etwa aus Loyalität gegenüber Conny, aber weil er scheinbar keinen Funken Anstand besaß. Er hatte sie weder begrüßt, geschweige denn sich für die Störung entschuldigt, die er während ihres appetitlichen Genusses verursacht hatte.

„Woher weißt du überhaupt, dass ich hier bin?“, wollte sie wissen, und fühlte sich in diesem Moment ein klein wenig verfolgt. Beunruhigt verschränkte sie die Arme vor der Brust.

Daniel antwortete: „Das wusste ich nicht, ich habe nur gerade verspätete Mittagspause, und dachte, ich hole mir ein Menü. Warum ist Conny eigentlich nicht bei dir, ich dachte, ihr verbringt jede freie Minute miteinander?“

Seine Mimik und Gestik sprachen für die vollkommene Überzeugung, ein Recht auf die Befriedigung seiner Neugierde zu besitzen.

„Nein, dem ist nicht so, außerdem geht dich das überhaupt nichts an!“, mahnte ihn Casmy nun ihn lauter werdendem, gereiztem Ton.

Daniel war von Beruf Bäcker und hatte Tagdienst. Entweder war es die Müdigkeit, die sein Beruf mit sich brachte, oder er war aus Schüchternheit wortkarg geworden, denn von einer Minute auf die andere hielt er plötzlich den Mund.

„So ein Zufall aber auch, dass wir uns hier treffen!“, meinte Casmy sarkastisch, um die Gesprächspause zu decken.

„Zufälle gibt’s nicht!“, mischte sich Valy wütend ein, die das Gespräch mit wachsamen Elefantenohren belauschte. Sie sahen einander an und mussten grinsen. Echte Freundinnen hielten zusammen, und seien dies auch nur gekennzeichnet durch einen viel sagenden Blick des Lächelns. Sie konnten Daniel aufgrund seines taktlosen Auftrittes nicht ausstehen und machten keinen Hehl daraus, ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Das eine Mal, als Casmy ihm begegnet war, hatte er auch keine Anstalten der Höflichkeit gemacht. Grüßen wurde bei ihm klein geschrieben. Dieser desinteressierte und selbstgefällige Tonfall machten ihn auch nicht unbedingt zu einem Sympathisanten.

Daniel marschierte schnurstracks ins Restaurant, bestellte einen Zwiebel – Crunchy – Snack, einen Sugarlover als Dessert und ging - natürlich ohne ein Wort des Abschieds.

„So ein unverschämter Kerl!“, meinte Valetta und schüttelte den Kopf. „Ich weiß schon, warum mir Frauen die lieberen Beziehungs – und Gesprächspartner sind!“ Zur Beruhigung steckte sie sich eine Marlboro zwischen die blassrosa geschminkten Lippen.

„Du hast Recht. Abgesehen davon verhält sich dieser Typ glaube ich immer so. Aber apropos lesbische Beziehungen“, sagte Casmilda mit neugierigem Blick, „bist du dir sicher, dass das deine endgültige Bestimmung ist, das Lesbisch - Sein?“, fragte Casmy.

„Äh, ja!“, antwortete Valy. „Und jetzt halt’ bitte die Klappe, darüber haben wir bereits oft genug diskutiert, meine Teuerste!“ Ihr dominanter Tonfall duldete keinen Widerspruch. Casmy zuckte nur mit den Achseln.

Gemütlich saßen sie an ihrem Tisch und genossen stillschweigend das ungesunde Mahl, erfreut über Daniels Verschwinden. Nach einem kräftigen Schluck Erdbeer-Trauben -Juice verspürte Valetta einen starken Harndrang.

„Entschuldige mich bitte!“, grinste sie Casmy zu.

„Du könntest Daniel Nachhilfe in Sachen Höflichkeit geben, meine Liebe!“, lachte Casmilda zurück.

Auf der Toilette konnte Valy immer gut ihren Gedanken nachhängen und sich entspannen. Seelenruhig ließ sie sich auf dem Deckel nieder und verrichtete mit geschlossenen Augen entspannt ihr Geschäft. Wäre da nicht dieses Wimmern gewesen, das sie augenblicklich aus ihrem Tagtraum aufwachen ließ, hätte sie bestimmt noch einige weitere Augenblicke in dieser Position verharrt.

Sie öffnete die Augen und verließ den WC-Raum. Sie fragte sich nervös, ob sie diese Stimme kannte und schlug die Hände vor ihr Gesicht, als ihr eine Ahnung zu verstehen gab, wem diese gehören könnte. Das Geräusch drang aus der Toilette nebenan. Als sie genauer hinhörte, ließen sich die jammernden Töne in Worte und Sätze zusammenfassen. „Ich bin so arm, alle Welt hasst mich!“, säuselte die Stimme.

Ja, tatsächlich, kein Zweifel. Valetta kniff sich kurz in den Unterarm, obwohl sie genau wusste, welcher Albtraum ihr bevorstand.

Es war ihre Ex-Freundin Tatjana. Sie kam aus Tirol, war 27 Jahre alt, und ein richtiges Drogenwrack. Voller Wucht wurde die WC-Türe geöffnet und Tatty stürmte aus der Toilette. Sie war ebenfalls zugezogen, und wohnte in Simmering. Ihre Haare waren feuerrot getönt, aber ausgewaschen, trotz des fettigen Ansatzes. Sie stank nach Schweiß und hatte tiefe, dunkle Ringe unter den Augen.

Aber trotz ihres verdatterten Innenlebens erkannte sie Valetta.

„Hallo, Valy!“, stammelte sie mit einem abgehobenen Lächeln.

Valy unterließ es zu antworten und stand schweigend da. Mit langsamen Schritten bewegte sie sich auf das Waschbecken zu und wusch sich die Hände. Sie versuchte, ihre Erschütterung zu verbergen. Wie hatte sie sich nur mit diesem Menschen auf eine Beziehung einlassen können? Tatjana war aggressiv, anhänglich und lebte immer in ihrer eigenen Welt, die sie mithilfe diverser Drogen wie Ecstasy oder Speed betreten konnte. Trotz des Deliriums, in dem sie sich auch an diesem Tag bewegte, bemerkte sie die kühle Ignoranz ihrer Ex-Freundin und schlang wie zum Trotz ihre Arme um deren Körper. Dann begann sie zu schluchzen. Valetta stieß sie von sich, weil sie von ihrer Gestalt und ihrem Gestank angewidert war. Mit einem heftigen Knall landete Tati der Länge nach auf den hellblauen Fliesen. Sie hielt sich die Hände vors Gesicht.

Valetta drehte sich erschrocken zu ihr um und riss die Augen auf. „Entschuldige, das wollte ich nicht!“, versuchte sie sie schließlich zu beschwichtigen. Eine kleine Welle des Mitgefühls durchströmte ihr Bewusstsein. Valy kniete sich auf den Boden und versuchte vorsichtig, die Hände ihrer Ex-Freundin aus ihrem Gesicht zu wenden, während diese ihren Kummer still und leise ertrug.

Kurz bevor Valettas Hand Tatjanas Schutzbarriere berühren konnte, holte Tatti in Sekundenschnelle aus und wollte ihr einen heftigen Schlag auf die Nase verpassen.

Valettas Reflexe ließen sie jedoch in diesem Moment nicht im Stich, also wich sie geschickt aus, während Tatjanas Schlag unbeholfen in der Luft landete. Valy stand auf und blickte das Häuflein Elend am Boden mit herablassender Miene an, während sie die Arme vor der Brust verschränkt hatte, eine Rechenschaft abwartend.

„Du hast mich verlassen, genau wie alle anderen auch“, hauchte Tatjana dumpf.

„Niemand liebt mich“, stieß sie anschließend mit wütender Stimme hervor, die der Ausgeburt der Hölle gleich klang. Auf welchen Trip sie sich wohl diesmal begeben hatte?, fragte sich Valetta ungerührt.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
550 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9783738012484
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi: