Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 43

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Sollen wir …

Willst du K Machen oder Buddha’n – Sie hielt … heimelten sie an. Daß sie diese Worte je in einem andern Zusammenhang gehört hatte, kam ihr nicht in den Sinn. Seine Zungenspitze … Klangverknüpfung. Sie sagte: das mit Kung.

Ziehst du K vor oder magst du lieber W…

Liebst du –

Findest du angenehmer …

Der Vorstadtgasthof.

Um zwölf Uhr, ohne Unterschied der Nacht, wurde das schwere Holztor der Einfahrt geschlossen, und zwei armbreite Eisenstangen wurden dahintergelegt; bis dahin erwartete eine verschlafene, bäurisch aussehende Magd verspätete Gäste. Nach einer Viertelstunde führte sein langsamer, weiter Rundgang einen Schutzmann vorbei, der die Sperrstunde der Wirtschaften überwachte. Um ein Uhr tauchte aus dem Nebel der aufschwellende Dreischritt einer Patrouille auf, die von der nahegelegenen Trosskaserne kam, hallte vorbei und wurde wieder kleiner. Dann war lange Zeit nichts als das kalte, feuchte Schweigen dieser Novembernächte. Erst um drei Uhr kamen die ersten Wagen vom Land herein. Mit schwerem Lärm brachen sie über das Pflaster; in ihre Tücher gewickelt, taub von Geprassel und Morgenkälte schwankten die Leichname der Kutscher hinter den Pferden. In einer solchen Nacht war kurz vor der zwölften Stunde das Paar gekommen und hatte ein Zimmer verlangt. Die Magd schien den Herrn zu kennen, sie schloß vorerst ohne alle Eile das hohe Tor, legte die schweren Riegel vor, und ging dann ohne weiteres zu fragen voraus. Es kam erst eine steinerne Treppe, dann ein langer, fensterloser Gang, kurz und unerwartet zwei Ecken, eine Treppe mit fünf, von vielen Füßen ausgemuldeten Steinstufen, und wieder ein Gang, dessen gelockerte Fliesen unter den Sohlen schwankten. An seinem Ende führte, ohne dass dies die Besucher befremdete, eine Steige von wenigen Sprossen zu einer kleinen Diele empor, in welche drei Türen mündeten; sie standen nieder und braun um das Loch im Boden. „Sind diese hier besetzt?“, fragte der Herr, auf die anderen Türen deutend. Die Alte schüttelte den Kopf, während sie, sich mit der Kerze leuchtend, eines der Zimmer aufschloß; dann stand sie mit hochgehobenem Licht und ließ die Gäste eintreten. Es war ihr noch nicht oft vorgekommen, daß sie hier seidene Unterröcke rauschen hörte, und das Trippeln hoher Absätze, die erschreckt jedem Schatten auf den Fliesen auswichen. „Oh, wie schauerlich! Huh, wie romantisch!“, hatte die Dame mehr als einmal ausgerufen, und die Alte, mißtrauisch gegen die Seidene, hatte das wohl als einen Tadel verstanden. Störrisch und stumpf sah sie der Dame, die jetzt an ihr vorbeimußte, geradaus ins Gesicht. Die nickte ihr in der Verlegenheit herablassend zu und mochte wohl vierzig Jahre alt sein oder einiges darüber. „Jeder war einmal jung,“ – dachte die Magd – „oder mit dem eigenen Mann in Gottes Namen noch, wenn’s nun einmal so ist; aber da geht so eine auf Abenteuer aus!“ Dann nahm sie das Geld für das Zimmer, löschte im Hausflur das letzte Licht aus und legte sich in ihre Kammer. Kurz danach war im ganzen Haus kein Laut. Das Licht der Kerze hatte noch nicht Zeit gefunden, in alle Winkel des elenden Zimmers zu kriechen. Der fremde Herr stand wie ein flacher Schatten am Fenster, und die Dame hatte sich, das Ungewisse erwartend, auf dem Bettrand niedergelassen. Sie mußte quälend lange warten; der Fremde rührte sich nicht auf seinem Platz. War es bis dahin schnell gegangen, wie ein Traum anhebt, so stak jetzt jede Bewegung in zähem Widerstand, der kein Glied losließ. Er fühlte, diese Frau erwartete etwas von ihm. Ihr Mieder öffnen: das wäre, wie man die Tür eines Zimmers aufschließt. Da stand in der Mitte ein Tisch. Um den saßen der Mann, der Sohn. Er beobachtete es geheimnisvoll, feindselig, ängstlich und voll Überhebung. Er hätte eine Granate hineinwerfen mögen oder die Tapete in Fetzen herunterreißen. Mit äußerster Anstrengung gelang es ihm endlich, dem zähen Widerstand wenigstens einen Satz abzuringen. „Hattest Du mich denn gleich bemerkt, als ich Dich ansah?“ Ach, es gelang. Sie konnte ihre Ungeduld nicht mehr bemeistern. Sie hatte sich verleiten lassen, man sollte aber nicht glauben, daß sie schlecht sei. So mußte sie ihn, zur Rettung ihrer Ehre, noch immer zauberhaft finden. Das Blut, das sich ihr vor Angst und Unwillen in den Hals hob, stürzte nun kopfüber in die Hüften. Er fühlte in diesem Augenblick, dass es ganz unmöglich sei, einen Vogel in die Hand zu nehmen, und diese nackte Haut sollte sich an seine nackte und ungeschützte Haut pressen? Seine Brust sich aus ihrer mit Wärme füllen? Er suchte es mit Witzen zu verzögern. Sie waren gequält und ängstlich. Er sagte: „Nicht wahr, starke Frauen schnüren ihre Füße? Mit den Schuhen. Und oben am Bund quillt dann das Fleisch etwas über, und dort sitzt ein kleiner unnachahmlicher Geruch. Ein kleiner Geruch, den es sonst nirgends in der Welt gibt?“ Sie antwortete sich: er muß ein Dichter sein, nun verstehe ich das sonderbare Benehmen. Später werde ich die Wirkung der distinguierten Frau auf ihn ausüben. – Sie begann sich entschlossen auszukleiden, sie war es ihrer Ehre schuldig. Nun bekam er Angst; er wußte jetzt sicher: Niemals kann ich diesen Sprung in einen andren Menschen hinüber machen, mich in sein wildfremdes Leben einlassen. Auch in ihr stieg Mißmut auf; auch in ihr Angst. Wie, wenn sie einem Unverschämten zum Opfer gefallen wäre? Sie kannte ihn nicht. Die Dame, die ihren Namen verschwiegen hatte, begann zu bereun. Sie hielt inne mit den Kleidern, da er sich noch immer nicht regte. Aber eine Mahnung sagte ihr, es wird besser werden, wenn wir erst weiter sind. Das fühlte er alles. Ihn quälte die Vorstellung: Aufmachen! Wie ein Kinderspielzeug. Da steht immer wieder eine neue fensterlose Mauer der Enttäuschung, bis man erzürnt das Ganze zerschlägt. Und die zweite Qual war: Sie verfolgt mich. Sie rollt so aus sich heraus. Immerzu knapp vor mir her. Was redet sie unaufhörlich? Ich muß mich wie ein Hund auf den runden rollenden Ball ihres Lebens stürzen. – Seine Augen gingen wie Hunde an einer Kette hin und her. Und sie fühlte, daß sie ihm Unrecht tat; mußte er ihr nicht mißtrauen, da er sonst nichts von ihr wußte, als daß sie ihm gefolgt war? Sie wollte ihm sagen, daß eine plötzliche übermütige Laune – oder daß Leopold zwar ein guter Mensch sei … Da hörte er sich den sinnlosen Satz sagen: Jung ist, wer liebt. Im gleichen Augenblick hingen ihre Arme um seinen Hals. „Geliebter, Geliebter! Laß Deine Augen, Du siehst so leidend und edel aus!“ Da hob er mit der Kraft der Verzweiflung die Last hoch und hörte sich fragen: Willst Du Musil? Musil-musil? Oder magst Du lieber Walzel …? (Ein wenig bekannter Dichter und ein bekannter Literarhistoriker.) Sie hielt das für Fachausdrücke aus einer Herrengesellschaft. Sie wollte sich keine Blöße geben. Sie heimelten sie an. Seine Zungenspitze berührte ihre Lippen. Dieses alte Menschenverständigungsmittel, welche Stirnen immer über solchen Lippen sitzen, war ihr bekannt. Sie machte langsam ihre Zunge breit und schob sie vor. Dann zog sie sich rasch zurück und lächelte schalkhaft; ihr schalkhaftes Lächeln, wußte er da, war schon berühmt, als sie noch ein Kind war. Und sie sagte aufs geratewohl, vielleicht von irgend einer Klangverknüpfung bestimmt: „… Lieber walzeln. Mein Mann bleibt acht Tage verreist.“ In diesem Augenblick biß er ihr die Zunge ab. Es schien ihm lange zu dauern, bis die Zähne ganz durch kamen. Dann fühlte er sie dick im Munde. Der Sturm einer großen Tat wirbelte ihn empor; die unglückliche arme Frau war derweilen eine weiße, blutende, in einer Zimmerecke um sich schlagende, um einen hohen, heiser kreischenden Ton, um den taumelnden Rumpf eines Lauts kreiselnde Masse. Es ist wohl nicht nötig zu sagen, daß dies kein wahres Erlebnis ist, sondern ein Traum, denn in wachem Zustand denkt so etwas kein anständiger Mensch. Der Ort dieses Traums lag an einer der radial vom Kern ausstrahlenden Hauptverkehrsadern Wiens. Trotzdem Wien, seit der Zeit, wo Weltstädte voll ganz großer Raserei entstanden, nur noch eine Großstadt blieb, füllte der Verkehr diesen Straßenschlauch in den Stunden des Anschwellens mit jenem berauschenden Lebensstrom, den man nicht ohne Vorteil für die Lebendigkeit des Denkens mit einem Schweinetrank vergleicht. In einer nicht mehr durchsichtigen Flüssigkeit von Stimmen der Menschen, Metalle, Luft, Steine, Hölzer, in einem angenehm säuerlichen Geruch der Eile, durch das stehende Gewimmel bei tausend Geschäftsöffnungen ein- und auslaufender Interessen schob sich der schwere Brei der Fußgänger und schossen die dunklen Brocken der Autos dahin. Etwa fünfzig Autos mit dreißig Kilometer Stundengeschwindigkeit kamen an dem Ort dieses Traums in der Minute vorbei, und vielleicht sechshundert Fußgänger. Der Blick läuft auf einem Streifen von ungefähr zwanzig Metern Breite unaufhörlich bald mit der Geschwindigkeit eines Kraftwagens, bald mit der doppelten – um den nächsten festzustellen und den ersten noch einzuholen – hin und her, und muß außerdem inzwischen noch ungefähr zehn Fußgänger in der Sekunde beachten. Man rechne Geruch, Gehör, gereizte Erinnerungen, Begehren, Unbehagen und alle andren seelischen Vorgänge hinzu, die sich an diese fliegenden Eindrücke hingen, so hat man den tollen Universalfilm, in dem ein an dieser Straße wohnender Mensch hauste. Der Ort lag aber nicht selbst an diesem Film, sondern nur sein Gartengitter. Wenn man an diesem Gitter vorbeitrieb, so lag dahinter ein gepflegter Garten, man sah zwischen Bäumen eine geschorene Wiese; und an ihrem Ende durch die offenen Fenster eines weißen, breitflügeligen kleinen Hauses in die vornehme Stille der Bücherwände einer Gelehrtenwohnung. Zwischen ihr und der Natur vor dem Gitter war die Unnatur von Bäumen, Schalldämpfung und reiner Luft eingeschaltet, wie magst Du – und er nannte noch einen Namen. Sie verstand: machst Du?

Oft versuchsweise dagewesen bei warzigem Zimmer …

Die Magd kannte ihn.

… Ich habe hier auch oft auf Dich gewartet …

Gestörte Hemmungen: blöd stürmende Sexualität

Den Traum so erzählen: … war er gekommen … tat er … So wie sich einer mit Anstrengung erinnern will, ob er es war und warum er das getan hat.

Das mit dem Geruch erinnert an Wachträume (die sich im späteren Verhältnis mit Agathe fortsetzen). Das Ganze an seine Liebschaften.

Ein Kandidat der Philosophie

Sträßchen – Birken, Lachen, wassergefüllte Radspuren. Land mit flach gestrichenen Hügeln. Hie und da ein Vorwerk. Abseits vom Weg da und dort ein Dorf. An den Zweigen hängen noch rote und gelbe Blätter. Die Äcker? Aufgebrochen. Es ging gegen das Dunkelwerden eines Spätoktobertags. Die Luft reizte die Wangen; die Hitze des warmen Tags war von der rasch aufsteigenden Abendkälte jäh abgeschreckt worden (in dieser Jahreszeit). Die Blätter hatten etwas farbig Nasses. Der Mann, der diesen Gutsweg ritt, war ein Kandidat der Philosophie. Er hatte ein Felleisen und einen Mantelsack auf den Mietsgaul geschnallt, was etwas wunderlich breit aussah; aber er hatte, als er die Post verließ, um den Seitenweg einzuschlagen, keinen Wagen bekommen können und nicht warten wollen, denn er wünschte noch vor Nacht sein Ziel zu erreichen. Dieser Mann war jung und einer jener vielen Kandidaten der Philosophie., die Professoren oder Dichter werden wollen und damals als Hauslehrer begannen, wenn sie kein Geld hatten. Er hatte sich, als er seine Mähre mietete, genau den Weg beschreiben lassen, der ihn zum Gut der Grafen … führen sollte, wohin er sich durch Vermittlung eines seiner Lehrer für ein halbes Jahr verdingt hatte, und hatte so gut er es vermochte auf die Beschreibung geachtet, aber nun kam ihm schon eine völlige Weile sein Weg nicht ganz geheuer vor. Die Hügel von – er hatte den Namen vergessen; aber diese Hügel sollten zu seiner rechten Hand liegen, und da war nichts und kam nichts, während zur Linken immerhin eine in beträchtlicher Entfernung die Aussicht sperrende Bodenwelle für Hügel gelten mochte. Auch trat nirgends ein Kirchturm über einem Wald hervor, bei dessen Anblick der Weg sich teilen sollte. Allerdings legte sich nun vorne ein Wald querüber, aber die elende kleine Straße fuhr stracks hinein und von einer Weggabel war auch nicht die Andeutung da. Der Kandidat vertraute jedoch der Schlechtigkeit seines Gedächtnisses und nachdem er sich auf seinem Chronometer versichert hatte, daß die Zeit einigermaßen stimmte, setzte er nicht ohne Mühe seinen Gaul in Trott und hoffte, daß er nach Durchqueren des Waldes noch vor Einbruch der Dunkelheit des gräflichen Gutes ansichtig würde. Er mußte aber sein Pferd wiederholt von neuem aufrütteln, und des ungefügen Aufklopfens der tolpischen Hufe auf Steine und Wurzeln des Waldwegs wurde so wenig ein Ende wie des Waldes selbst. Den Reiter, der dieser Bewegung überdies ungewohnt war, überkam im Zwielicht Ermattung und Gleichgültigkeit. Er hinderte zuletzt das Pferd nicht mehr, in Schritt zu fallen, mit dem Licht verließ ihn die Vorstellung, das Tier zu lenken, eher fühlte er sich von dem warmen Körper geführt, auf dem er saß. Die spärlichen Vogelrufe waren verstummt, und der Gaul, den sein Herr beim Aufsitzen schändlich aussehen gefunden hatte, war unter ihm geradezu unsichtbar geworden. Als sie den Wald verließen, änderte sich nichts daran, denn die Nacht war eingefallen und die langsam wiegende Bewegung des schreitenden Vorwärtskommens dauerte fort. (Sie hätten längst schon am Ziel sein müssen.) Kandidat … beschränkte seine menschliche Intelligenz darauf, acht zu haben, daß sie in der alles ungewiß machenden Schwärze der lichtlosen Nacht zu keiner Seite an etwas vorbeikämen, dessen Schatten für einen Park- oder Gutseingang gelten könne; und als er rechts von sich ein Licht gewahrte, lenkte er ein.

Er fand einen Einlaß in einer Hecke, die Hufe traten Gartenerde, ein Gebilde, das für das Schloß gelten konnte, trat aus der Dunkelheit, und aus Gesindefenstern fiel Licht. Hunde schlugen an und eilten so unfreundlich herbei, daß es der Philosoph vorzog, nicht vom Pferde zu steigen und dieses vor die erleuchteten Fenster zu lenken, wo er sich bei den Bewohnern durch halblauten Anruf und Gebell der Hunde artig bemerkbar zu machen hoffte. Er konnte nicht wahrnehmen, daß man von ihm Kenntnis nahm, aber trotzdem erschien nach einer Weile anderswoher ein Mann mit einer Laterne und fragte nach seinem Verlangen. … stellte die Frage, ob er sich auf dem Gute des Grafen … befinde, und der Knecht antwortete ihm, das sei das Gut … Der Alte machte einen mundfaulen Eindruck, und …, der vom Pferd kommen wollte, begnügte sich mit der Antwort. Er sei der Hauslehrer, den der Herr Graf angeworben habe, erklärte er.

Hier werde kein Hauslehrer erwartet, erwiderte der Alte.

Doch! Er möge nur hineingehen und fragen. Der Herr Graf sei doch anwesend und schlafe doch noch nicht?

Ja, der Herr Baron sei noch wach, aber kein Hauslehrer werde erwartet.

Dann geh er doch, zum Teufel, und frage endlich!

Der Knecht stellte die Laterne auf die Erde und ging mürrisch ins Haus. Das Pferd hatte die Vorderbeine breit gestellt, ließ den Kopf hängen und schien während der Verhandlungen eingeschlafen zu sein. Mähne und Ohren hingen im Licht. Die Hunde hatten sich zurückgezogen, stacken aber sicherlich nicht weit weg im Dunkel. … bemerkte jetzt, daß im Stockwerk ein paar Fenster schwach beleuchtet waren. Es war ihm wohl aufgefallen, daß der Knecht seinen Herrn nicht Graf, sondern Baron genannt hatte, aber als er ihn gleich darauf, erbost über sein Widerstreben angeherrscht hatte, war ihm das gleich wieder entfallen und ging bloß mit allerhand anderen undeutlichen Eindrücken zu einem Gefühl zusammen, daß etwas nicht stimme.

Aber der Knecht kam verändert zurück und bat den Herrn abzusteigen. Er erfuhr, daß der Herr Baron heute nicht mehr in der Lage sei, ihn persönlich zu empfangen, aber der Knecht hatte Auftrag, das Pferd zu versorgen und von ihm herbeigerufen erschien auch eine ältere Frauensperson, die mit einem flackernden Licht im Tor stehen blieb. Trotzdem schien seine Ankunft nicht erwartet worden zu sein; man führte ihn in ein Zimmer, das bis auf Ofen, Wandspiegel und einen Stuhl noch völlig kahl war; Tisch, Bett, Weißzeug, Licht und notdürftiges Waschgerät schleppten die beiden Hausbewohner nicht ohne allerhand Schwierigkeiten erst der Reihe nach herbei und trugen auch ohne Form einen einfachen Abendimbiß auf, der eher dem Gesindetisch entsprach als der Herrentafel. Aber es war darüber spät geworden, und …, zu müde um Fragen zu stellen, nahm bloß ein paar Bissen Fleisch und Brot zu sich und legte sich, kaum die beiden andern gegangen waren, halb entkleidet in das halbfertige Bett, aus seinem Gepäck bloß eine Pistole hervorholend, was irgendwie eine durch seine Schlaftrunkenheit ohne jede Überlegung hervorgeholte Antwort auf die Eindrücke war, die ihm seine neue Umgebung machte.

Er durchschlief die Nacht und wurde nur gegen Morgen, kurz bevor er erwachte, durch einige sonderbare Geräusche beunruhigt, die vor seiner Tür andauerten und aus einem Kratzen, Scharren und sonderbar jaulenden Stimmlauten bestanden, deren Herkunft er sich nicht erklären konnte.

Die Unfreundlichkeit der Bedienung bleibt sich gleich. (Er ruft den Knecht herauf zum Kleider reinigen), aber Schokolade in silberner Tasse wird ihm nun zum Frühstück serviert, was sehr gegen das Servieren am vorangegangenen Abend abstach.

II. Ich ‚bitte‘ Sie, zu bleiben. Beschreibung des Barons. Flüchtig der Baronin. Des Hauses von damals. Des Kandidaten. (Eine Zeit der Übertreibung. Ein edler Mann! Oh, edler Mann! Briefe zeigen, usw., das gleiche wie Fichte usw. Sie müssen eins so wenig ganz geglaubt haben wie das andere.)

Der Unterricht kann nicht beginnen; Eberhard ist noch nicht da; machen Sie sich einstweilen mit Jürgen vertraut, er ist ein guter Junge.

III. Es muß viel geregnet haben. Herbstfäule. Unterhaltung mit Jürgen. Sonderbar; aber da der Begriff Idiot nicht klar ist (Wunschahnung kommender Naturwissenschaft!), wird der Fall nicht klar. Jürgen liebt Musik und da der Kandidat schwärmt, kann er sich mit dem „wunderlichen“ Jürgen ganz gut eins fühlen. (Güte und Idiotie in damaliger Fassung.) Der Geiz des Barons. Kandidat belauscht Streit mit Dienstboten.

IV. Eberhard trifft ein. Die Sache ist nun brenzlig. Gründe, warum Kandidat bleibt. Flüchtige Begegnungen mit Jutta.

Menschenfresser

Die Sonne stand kaum erst über der Steppe. Rund und rot. Es war die berauschende Viertelstunde, wo die Kälte der Nacht verraucht und die Hitze des Tags noch nicht steil ansteigt. Der Dichter … ging spazieren. Die Haut an seinen Schläfen durch die Sonne senkrecht von der Seite beschienen, war fest und punziert wie das junge Leder eines Klubfauteuils oder der gute saftige Rücken eines schweren Folianten. Über seine Schultern lief das Licht wie Samenöl der Kakaobohne. Seine Hände aber, wenn er sie im Selbstgespräch hob, waren in dieser penetranten Morgenstunde fast transparent und ihre polierte Innenseite schimmerte in den zartesten Übergängen von grau und rosa wie ein geschliffener … Stein. In der breiten Allee zwischen den zwei Hüttenreihen der Vorstadt grüßten die Kinder die Priesterbinde auf seinem Kopf. Seine Glieder waren von kunstvoll geschmiedeten Ringen bedeckt. Seine Gedanken waren durch ein Distichon beschäftigt, in dem es noch galt, durch die Stellung eines Worts, einen leisen Überklang von geisterhaftem Schauer zu gewinnen. Hätte ihn … der Sklavenhändler nicht angesprochen, er hätte seinen Gruß nicht gemerkt. … willst du nichts kaufen, Herr, rief der muntere … blieb stehen. Er war ein Liebhaber des zarten von den Schauern der Mystik trotz aller Gewohnheit immer noch ein wenig umgebenen Menschenfleisches. Und auch sein Beruf als Priester, der ihn nach Gebeten und Eingebungen seines Innern, die Schlachttage festzustellen auferlegte, band sein Interesse daran. Später … sagte er, komme ich zu dir. Was hast du für Leute. … Krieger vom oberen Nil. Oh ihr Fleisch ist zu fest, sie sind kriegerisch, muskulös und ohne Nuance. Wenn sie Männer und erwachsen sind, Herr. Aber die Knaben, wenn man sie von Kind auf mästet und auch die Weiber, wenn sie nicht arbeiten wie zuhause und fett werden, haben ein unnachahmliches Aroma von Kraft und Zartheit; von rauque et douce. … ging weiter und dachte an sein Distichon und an die großen Mythen seines Volks, die er bewahrte, und die weisen und heiteren Sprüche, die er manchmal um einen vermehrte. Am Rückweg sprach er bei … dem Kupferschmied vor und bei … dem Töpfer. Er ließ sich ihre neuen Arbeiten zeigen und sie sprachen über die raffinierten Kombinationen zwischen Begrifflichkeit des Ornaments und Flächenwirkung, um die es sich handelte.

Die Gefangenen, die er ansieht, sind heiter. Man hält sie bei Laune, damit sie nicht vom Fleisch fallen. Er nimmt ein paar zu sich, darunter die bewußte Sklavin. Sein Verhältnis zu ihr ist ohne Erotik. Diese sentimentale europäische Nuance kennt man in … nicht. Wohl im Frühjahr, wenn man seitlich des Jagdpfads manchmal die Löwin in andren Tönen hört und wenn die Schakale längs der großen Handelsstraßen unruhig sind, fährt auch so etwas in die Menschen. Aber man tut es ab in Einklang mit diesen Geschöpfen, ohne eine menschliche Besonderheit darin zu suchen. Die Seele des Mannes gehört außer Krieg und Jagd den großen Mythen, den Schauern des Zauberwaldes und dem Hintergrund, den sie dort für ihr Leben gewinnt. … nimmt diese Sklavin für sich, aber er hat überhaupt die Mastsklaven der Stadt unter sich. Die man nicht braucht, werden in das Innere weitergesandt. Es ist eine sanfte Beschäftigung. Sie erfordert Menschenkenntnis. Die Mastsklaven müssen leichte Feld- und Hausarbeit verrichten, um nicht nachdenklich zu werden und man hält sie zu Saitenspiel, Gesängen und Tanz an, damit sie ein zartes Fleisch bekommen. Nur Widerspenstige werden geschoppt, aber auch da sucht man bald sie seelisch zu beeinflussen, um wieder zu milderen Methoden zu kommen. Ihre Wartung ist eine nachdenkliche Beschäftigung und … liebt sie sehr. Man gewinnt Schäferweisheit. Die Männer dürfen mit Frauen der Stadt Geschlechtsverkehr haben, denn das Kind geht nach dem Vater und bleibt Mastsklave. Es gehen viele Spottgesänge um, daß die Frauen diese fetten Besteiger – besonders die schon in der Sklaverei geborenen – lieben. Solcher Ehebruch gilt nicht als Sünde; er reicht an die Ehre des Freien nicht heran und das corpus delicti wird samt seinen Folgen gefressen. Oft lebt so ein Sklave jahrelang in der Stadt.

Man hat genug, es ist nicht alltägliche Nahrung und man nuanciert; je nach der Gelegenheit braucht man Fleisch eines Soundsojährigen. Sie laufen nicht fort. Erstens kann ein Einzelner und Unbewaffneter selbst auf den großen Handelsstraßen wegen der wilden Tiere nicht weit kommen, und zweitens würde er doch nur einem andern Stamm in die Hände fallen. Sie bewegen sich also ganz frei, nur durch die Zwecklosigkeit einer Flucht gefesselt. Sie verkehren auch zwanglos und kameradschaftlich mit den Männern des Stammes. Sie leben für deren Behagen, aber es ist eigentlich nicht viel anders, wie wenn ein Fabrikherr jovial mit seinen Arbeitern spricht. Irgendwann, ohne daß sie im geringsten den Zeitpunkt ahnen – denn man handelt geheim und mit List, um ihrem Fleisch nicht zu schaden –, erhalten sie plötzlich einen Schlag ins Genick. Nur manche, die man bei Zeremonien braucht, werden mit ihrem Wissen getötet. Im ersten Fall ist der Unterschied gegen unser Leben eigentlich nur der, daß unser Schicksal nicht bürgerlich personifiziert ist und daß wir keinen persönlichen Verkehr mit ihm haben. (Natürlich auch, daß wir etwas länger leben; aber etwa die Situation eines Lungenkranken). Diesem rein ideellen und eigentlich recht belanglosen Minus steht als großes Plus eine Zartheit des Verkehrs gegenüber, die aus den Bedingungen einer Mastkur folgt. … ist tatsächlich von einer unglaublichen Zartheit im Verkehr mit seinen Sklaven und Sklavinnen. Es ist ein priesterlicher Beruf. Er hat oft Gelegenheit, über diese Dinge nachzudenken und zu sprechen, im Verkehr mit arabischen Händlern, die sie perhorreszieren, aber als gute Kaufleute in der Diskussion nicht zu hartnäckig sind. Interessant ist ihm die Willenlosigkeit der Sklaven. Auch die bei Festen geschlachtet werden, lassen sich ohne Widerstand führen. Es ist eine Willensstumpfheit, eine Atrophie des Willens durch das vorangegangene Leben, vielleicht aber auch ein gar nicht zum Widerstand kommen, weil alles sich so zivilisiert und gewohnt vollzieht. Man sieht die bekannten Gesichter, es ist ein angenehmer Morgen, der Gedanke, daß einem etwas geschehen wird, kann nicht recht Wurzel fassen, bleibt abstrakt. – Eventuell: Träumereien eines Physikers, oder -in

In einem Sanatorium der Schweiz, dem Hochland des common sense.

Journal der Ärzte: Exitus

Sachbehandlung durch die Ärzte. Tochter eines Fabrikanten?

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
10 haziran 2026
Hacim:
5257 s. 13 illüstrasyon
ISBN:
9782377871742
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