Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 53
Sagt das nicht jede, wenn sie sich verlassen glaubt?
Regine
Ich habe andere Demütigungen ertragen. Hast du dir diese lang überlegt?
Anselm
Was heißt das?
Regine
Hast du vielleicht unser kleines gelbes Buch wieder aus dem Koffer genommen und für Josef liegen lassen?
Anselm
Du weißt es also? Woher? Ich könnte es abstreiten, denn du läßt ja alles liegen. Aber: ja! Ich hab’ es getan: Weil ich schon wußte, was mir mit dir bevorsteht. Du bist mir zu nahe gekommen. Du willst mir nicht mehr aus dem Weg gehn! Ich bin nicht so stark, daß ich dich auch retten könnte; gerade dich nicht. Deine verfluchten Schwächen haben alle Kerker in mir aufgewiegelt!!
Regine
Und Josef gibst du dich preis? Diese herrlichen Menschen scheinen jetzt starken Einfluß auf dich zu haben. Dir war es doch sonst unerträglich, wenn jemand auch nur das geringste über dich wußte, als wärst du dann schon in seiner Macht. Du hast doch lieber etwas Böses über dich erlogen als etwas Gutes zugegeben, wenn es wirklich wahr war.
Anselm
Bis Josef es versteht, wollte ich weiß Gott wo sein. Ich wechsle den Namen und fange noch einmal an. Ich will noch einmal anfangen, verstehst du! Ich muß noch einmal anfangen! Du wirst mich nicht festhalten!
Regine
Also du wolltest wieder ein neues Leben beginnen. Und das war an dem Tag, als du dich mit der Faust ins Gesicht geschlagen und fast geweint hast. (Sie äfft ihn mystisch nach) »Es ist ein Wunder, daß ich dich gefunden habe! Es hat mich niedergeschlagen wie ein Wunder. – Ich möchte mich töten, um es nicht überleben zu müssen.«
Anselm
Ja, das war der Tag! Ich fühlte, ich muß mich retten. Wir waren so unbegreiflich eins. Mein Leben war so wiederholt in dir. Noch einmal ich, bist du an meinem Weg gestanden, und es war eine flatternde Stille um uns und ein so plötzliches Hinausgleiten in diesen Ozean in uns und um uns, daß ich fühlte: Wenn das Schiffbruch wird, kommt nur einer von uns beiden wieder ans Ufer … Wie schal klingt das heute schon. Wie schmählich sind diese vergeblichen Versuche.
Regine
Oh, es hat sich mir jedes Wort eingeprägt und ich konnte es dem Detektiv wiederholen, so daß es heute noch Thomas und Josef genau wissen werden.
Anselm
Was heißt das? Du fieberst?
Regine
Es war ein Mann da; gerade bevor du kamst. Ein Detektiv, ein ehemaliger Diener. Der war einmal mein Geliebter; er hat mich verlassen, wohl auch weil ein Mann höhere Interessen hat! Der weiß alles über mich; viel mehr, als nötig ist, um Josef zu bewaffnen; er hat es in einer dicken Mappe gesammelt, und den Rest habe ich ihm gesagt. Aber er weiß auch von dir viel mehr als du Josef preisgeben wolltest, um mich ihm auszuliefern. Er hat Briefe an deine Frau, in denen du beichtest. Er kennt dein ganzes Leben. Und was er noch nicht wußte, habe ich ihm auch gesagt.
Anselm
Du warst nicht bei Verstand. Da muß doch sofort etwas geschehn, um den Mann zum Schweigen zu bringen. Wo ist er hin?!
Regine
Nein! Josef soll es nur erfahren!
Anselm
Was heißt, nein?! Willst du, daß wir hier vor Thomas und Maria daliegen wie ein Krötenpaar?
Regine
Ja!
Anselm
Wegen einer blöden Eifersuchtsgeschichte! Einer Liebesgeschichte, pfui Teufel! Hast du überhaupt eine Vorstellung von dem, was du anstellst?? Alle diese Sinnlosigkeiten, die nur im Dunkel zwischen zwei Menschen möglich waren, sollen nun – erschöpft, wie sie sind – an den Tag kommen?!
Regine
Anselm, du leugnest. Du hast nicht mich, du hast uns Josef preisgegeben! Weil du damals Mut hattest. Es war der Ausbruch aus dem Kerker der Vernunft! Oh, gleich als du kamst! Dein erstes Wort war, als ich dich fragte, wie dein Leben ausgefallen ist: Es ist eine einzige Demütigung gewesen. Und aus dem brünstigen Gewölk der Erinnerungen, aus dieser Bocksherde, deren stinkendes Gewimmel mir den Himmel verhüllt hatte, fuhr der Blitz: Demütigungen erleiden – das sind wir!
Anselm
Sag nicht: wir! Du sollst dich nicht an mich pressen, als wäre ich du! Ich hasse deine Demütigungen! – Ja, ja, ich weiß, du hast mir diese Geschichte von Johannes erzählt und ich habe dich darin bestärkt.
Regine
Und du hast ebensowenig daran geglaubt wie ich.
Anselm
Und es ergriff mich unsagbar! Dieses Gespenst, das immer zusehn muß, wenn du dich andren hingibst, war unser Gespenst. Die Angst vor dem Alleinbleiben.
Regine
Und die Angst vor dem Nichtalleinbleiben. Vor dem Beglotztwerden. Dem Beschleimtwerden! Bist du nicht lebenslang zitternd auf der Lauer gelegen und zugestoßen auf sie wie ein Hecht, um ihnen ein Stück des ihren aus dem Fleisch zu reißen, bevor sie dich fassen können? Schüchterner, du, Gescheuchter. Jeder Mensch kommt grausig zu seinem Bruder wie ein Fisch zur Leiche. Und jeder trägt ein Meer um sich!
Anselm
Du hattest mich angesteckt mit diesen Einbildungen! Ich sah nur noch so. Als ob alle Sympathie, alle ursprüngliche Natur nur Angst und Verderben wäre!
Regine
Dir drückt doch nur die Angst vor Thomas und Maria jetzt das Herz ab. Und die Scham über alles, was du getan hast. Bestie, du! Anselm! Wir sind nichts Wirkliches! Ob wir lügen oder nicht, gut sind oder uns wegwerfen: es ist etwas mit uns gemeint, das wir niemals richtig auslegen können. Das hast du gewußt und hast all unser Wirkliches dahingegeben. In dem einzigen Augenblick, wo du Mut hattest!
Anselm
Ich kann es nicht mehr hören. Man kann etwas, das der Vernunft dermaßen widerstrebt, nicht ewig aufrechterhalten. Das ist heute so unerträglich verlogen und unnatürlich. Wo ist der Mann?!
Regine (sieht auf die Uhr)
Ich weiß nicht, wo er ist.
Anselm
Ah, du bist nichts als eine eiternde Wunde, die sich nicht schließen will!
Regine
Einmal hattest du den Mut. Sollen wir wieder zurücksinken? Laß uns lieber jede Erniedrigung auf uns nehmen. Wenn man nicht mehr die Kraft hat, etwas andres zu sein, als man tut, ist man kein Mensch mehr!
Anselm
Wo der Mann ist, will ich wissen?!!
Regine
Das Tuch, Anselm! Du hast dich ja für das Tuch zu interessieren. Du mußt Maria das Schultertuch bringen!
Anselm
Wo der Mann ist, will ich wissen!!!
Regine (sieht nochmals zur Uhr)
So, jetzt ist es zu spät. Josefs Zug fährt ein, und der Mann steht am Bahnhof und übergibt ihm die Mappe. (Sie wird schwach und beginnt zu weinen)
(Vorhang)
Zweiter Aufzug
(Die Szene stellt Thomas’ Studierzimmer dar. Die Wände vom seltsamen Muster der Buchrücken bedeckt. Im Hintergrund schräg ein großes geöffnetes Fenster. Park. Sich vertiefendes Dunkel. Anfangs brennt nur eine kleine Lampe.
Von der Darstellung dieser Szene gilt das gleiche wie im ersten Akt. Nur sind die Möbel spärlich und wuchtend; seelisch übergewichtig. Über und an manchen Stellen sogar zwischen den Büchern Sternennacht)
Anselm (kommt vom offenen Fenster)
Wie die Bäume rauschen. Man weiß nicht, ist es das Meer?
Maria
Wir warten vergeblich, Thomas muß aufgehalten worden sein.
Anselm
Weshalb in Wahrheit ist er in die Stadt gefahren?
Maria
Er hat es nicht gesagt. Kurz nach dem Gespräch mit Josef ist er weggefahren.
Anselm
Der Empfang war kläglich, das Fest! Josef hätte vom Eingang des Parks bis zu seinem Zimmer durch eine Allee der Desillusionierung wandern sollen! Allee des vergleichenden Jahrhunderts! Warum hat Thomas dann nicht Grammophone aufgestellt, die aus den Büschen Liebesschwüre in ausgestorbenen Sprachen hauchten?! Attrappen schöner Frauen, die zu Knochenstaub zerfallen, sobald man sie ansieht?! Seine Frösche und Mäuse ausgelassen?! Ins Beratungszimmer ein Röntgenbild der schönen Regine gehängt?! Gedärme um die Äste gerankt!!
Maria
Abscheulich! Sie wühlen immer wieder in solchen Vorstellungen!
Anselm
Weil ich voll Zorn bin! Wenn ich so denken wollte wie Thomas, nicht an den unsterblichen Teil glauben: ich könnte es viel besser. Ich könnte endlos Schmutz ausbrechen! (Er geht wieder zum Fenster)
Maria
Es sah auch so unsinnig genug aus. Und war doch nichts, das fühlte er selbst; er war nicht bei der Sache. Sie sind schuld, Anselm! Sie hatten versprochen, vorher zu ihm zu gehen.
Anselm (kehrt unterwegs um)
Und Josef hat überhaupt nicht davon Kenntnis genommen, hat es gar nicht bemerkt, sagen Sie?
Maria
Er sagte sofort: Ich habe dir Mitteilungen zu machen, die deine Haltung ändern werden. Man hatte den Eindruck, er sah und hörte nichts zuvor.
Anselm
»Wichtige« Mitteilungen, sagte er?
Maria
Nun ja, wahrscheinlich doch?
Anselm
Er hätte ja auch gesagt haben können: schreckliche. Oder: abscheuliche …?
Maria
Quälen Sie doch nicht wieder! Was soll es heißen, daß Sie selbst mir einreden, in dieser Mappe stehn unwürdige Dinge. Ich habe fast das Gefühl – Sie wollen mich vorbereiten.
Anselm
Und dann schaltete Sie Thomas aus? Das hätten Sie nicht zulassen dürfen!
Maria
Hetzen Sie nicht; Josef wollte mit ihm sprechen.
Anselm
Von einem Detektiv stammt die Mappe? Thomas hätte Ihnen den Inhalt mitteilen müssen, bevor er in die Stadt fuhr, um Stichproben auf die Richtigkeit zu machen!
Maria
Aber wer sagt, daß er das tut?! Ich finde diese Voraussetzung unvernünftig und unwürdig!
Anselm (geringschätzig)
Er ist eifersüchtig!
Maria
Er fürchtet mehr als Grund ist.
Anselm
Er ist auf meine Ideen eifersüchtig. Und möchte mich von der Moral her vernichten wie ein Spießbürger!
Maria
Bloß weil Sie heimlich tun.
Anselm
Geben Sie mir die Mappe!
Maria
Ich habe doch kein Recht dazu.
Anselm
Ist sie hier im Schreibtisch?
Maria
Ja. Aber den Schlüssel der Lade hat Thomas.
Anselm
Öffnen Sie die Lade!
Maria
Unaufrichtig, ohne mit ihm gesprochen zu haben, tue ich nichts. (Sie steht unwillig auf und geht zum offenen Fenster)
Anselm (beim Schreibtisch)
Tue ich nichts, tue ich nichts! Wir sind im Dunkel, in einer namenlosen Katastrophe: Folgen Sie mir!
Maria
Ich will nicht mitschuldig werden!
Anselm
Man muß den Mut zu Abkürzungen haben. Gerade so werden Sie sich schuldig machen.
Maria
Das wäre Diebstahl!
Anselm
Sie glauben, es müsse immer alles, was man tut, aussprechbar und benennbar sein; das ist das Verhängnis Thomas’! Aber man muß so handeln, daß man es nicht sagen, nicht denken, nicht einmal begreifen kann, sondern nur tun! Kein Mensch versteht ja heute zu handeln.
Maria (wendet sich ab, dann rasch wieder zurück)
Wo ist Regine?
Anselm (verstockt)
Ich weiß nicht … Nein, ich weiß: Sie hat sich in ihrem Zimmer eingeschlossen.
Maria
Noch immer? Weint und schreit? Läßt niemand ein?
Anselm
Vermutlich.
Maria
Horchen Sie! …? Ich glaube, ich habe schon vorhin schreien gehört. (Verstört vom Fenster fort) Ich halte das nicht aus; noch immer rauschen die Bäume so sinnlos.
Anselm
Wie Wasser!
Maria
Nein, der Wind läuft durch die Bäume; wie mit Füßen; läuft, läuft. Es ist so sinnlos.
Anselm
Und geschieht? So viele Dinge in der Welt geschehen. Als ob lauter Uhren im Raum hingen und gingen und jede andere Zeit zeigte.
Maria
Läuft, läuft ohne Atem zu holen, hören Sie! Es ist zum Fürchten.
Anselm
Es ist auch zum Fürchten! Warum fiel dieses Blatt jetzt am Fenster vorbei? Bilden Sie sich nicht ein, daß irgend jemand es weiß. Überall zwei, drei Schritte weit Antwort, dann Nebel. In jeder Sekunde gleiten Forderungen an Sie heran, Tatsachen mit roten, grünen, gelben Augen und Nebelhornrufen. Drohen Entscheidungen und entgleiten im Nebel. (Er hat seinen Kopf mit beiden Händen gefaßt) Mein Leben, Gott, wenn ich über mein Leben nachdenken wollte, es ist voll solcher Lichter!
Maria
Was für ein Anfall ist das bei Regine?
Anselm
Kleinmut. Nerven … Wilde Ohnmacht!
Maria
Aber das wäre doch geradezu Hysterie!
Anselm
Oder Zügellosigkeit. Ich mag nicht daran denken!
Maria
Und Sie wissen bestimmt: Nur diese Aufzeichnungen sind schuld daran?
Anselm
Sie müssen ihr entwendet worden sein; sie stellen sie bloß.
Maria
Und was steht darin?
Anselm
Ich habe sie ja nicht gelesen.
Maria
Und über Sie? Über Sie – steht gar nichts darin?
Anselm
Nur Belangloses könnte. Oder Lügen, die ich nicht kenne.
Maria
Und in dieser Lade sollen sie sein?
Anselm
Ich habe Ihnen ja schon alles gesagt.
(Maria versucht mit einem Schlüsselbund die Lade zu öffnen. Es ist dunkel geworden und Anselm dreht, damit sie sieht, die volle Zimmerbeleuchtung auf)
Maria (hält ein)
Lassen Sie mich mit ihm sprechen.
Anselm (heftig)
Nein! … Sie müssen etwas Heimliches tun. Fortkommen. Einen Entschluß müssen Sie fassen. Das ist kein Gedanke, Maria. Fassen: wie wenn Sie im wesenlosesten Dunkel Ihre herrliche Hand schließen würden und plötzlich darin etwas eines unerwarteten, wundervollen Körpers fühlten!
Maria
Das ist alles so unnatürlich. (Sie unterbricht sich wieder) Selbst wenn Sie sagen würden, wir werden zusammenleben wie Mann und Frau: ich könnte mit Thomas sprechen. Aber so ist es nichts und doch etwas Fürchterliches … Können wir denn nicht bloß Freunde sein?
Anselm
Ich will ja nichts für mich! Als Knabe, verstehen Sie, als ahnungsloses Kind, empfing ich, sobald ich Sie sah, ein überall im ganzen Körper ausgebreitetes Glücksempfinden, vor dem ich mich durch nichts zu retten wußte. Um wieviel stärker ist das als – bei einem Mann, wo es sich wie ein Abszeß lokalisiert und aufbricht!
Maria (bewegt)
Ich werde die Ahnung nicht los: all das soll bloß geschehn, weil Sie für irgend etwas Rache an ihm nehmen wollen …!
Anselm
Glauben Sie mir: ich bin nicht deshalb in sein Haus gekommen. Wenn jemals mich ein Mensch, noch so weit draußen, wie ein Leuchtfeuer Heimat träumen ließ, war er es. Wenn jemand ein Menschenantlitz aller Menschenantlitze Kraft in sich schloß … Aber Haß? Ja; vielleicht trotzdem Haß! Vielleicht deshalb Haß? Ich glaube manchmal, man darf Böses nur einem antun, den man liebt; sonst ist das Böse so schmutzig wie die Liebe, die ein Mann ins Bordell trägt!
Maria
Sie sollten nicht Liebe sagen, solange Sie Zorn, Schmutz und Böses mitfühlen müssen!
Anselm (verzweifelt)
Aber wie denn?? Wie soll ich es nennen?! Menschen brauchen! Wer ein Mensch ist, kann doch nicht nur so in seinem eignen Gedankennetz hängen wie Thomas! Muß gewinnen, geliebt werden, ermuntert! Aufschwingen gemeinsam! Das ist doch quälendes Bedürfnis?! Nicht allein sein, Maria!! Allein sein heißt: nicht wissen, wohin. In dem unerträglichen Wirrsal von Wahrheiten, Wünschen, Gefühlen! Haben Sie Mitleid mit jeder Täuschung, Bösem, Lüge, die dazu gedient haben, eine unbeschreibliche Angst zu beschwichtigen, die Sie nicht kennen.
Maria
Still! Oh, horchen Sie lieber; hat sie nicht wieder geschrien?
Anselm
Sie schreit ohne Unterlaß, aber man hört es bloß manchmal.
Maria
Aber man muß ihr helfen; warum helfen Sie ihr nicht?!
Anselm
Warum helfen Sie nicht? …
Maria
Wozu verleiten Sie mich? Sie sind ganz verändert! Sie ziehen mich auch schon hinein; ich habe ihm gesagt, daß Sie sein Freund sind.
Anselm
Ich erscheine mir manchmal wie ein Entsprungener, ohne Halt abwärts Gehetzter. Aber bedenken Sie nur, wieviel Leid es in jedem Augenblick in der Welt gibt; welchen Ozean von Leid und Ungewißheit, in dem wir alle mit dem Ertrinken kämpfen: sollte es darauf ankommen, ob man diese eine Sache roh oder sanft beendet? Es kommt nur darauf an, wie man sie ins Ganze stellt.
Maria
Und Sie meinen, daß Reginens Zustand nicht schlechter wird, wenn wir zu dritt reisen?
Anselm
Nein; die Mappe muß aus der Welt geschafft werden. Dann werden diese Übertriebenheiten einschlafen. Die Loslösung wird sich allmählich vollziehen; wie eine Aufrichtung, ich verspreche es Ihnen!
Maria
Horchen Sie! Schon wieder!
Anselm (faßt wild ihre Hand)
Sie fühlen ja auch, wie sie leidet! Wie sie sich festklammert; wie eine kleine Katze, die ertränkt werden soll! (Sie gehen gemeinsam zum Fenster)
Maria
Regine wird sich noch etwas antun.
Anselm (preßt ihre Hand)
Glauben Sie?! Ah, ich verlasse sie! Und fühle ihr eingebildetes Recht auf mich, als flatterte ihr Herz nach einem Ausweg suchend in meinem.
(Sie horchen)
Maria
Was schreit sie?
Anselm
Johannes.
Maria
Diese Wahnidee.
Anselm
Es ist keine Wahnidee. Sie ruft mich. Alle rief sie Johannes. Es war ihre Ausrede. Oh, ihre von der Wahrheit gehetzte Aus-Flucht! (Man scheint jetzt nichts mehr zu hören. Maria hat sich losgemacht und ist wieder zum Schreibtisch zurück gegangen) Sie hat ihn zum Selbstmord getrieben, das wissen Sie ja; weil er an sich verzweifelte: sie wollte ihn nur wie eine Schwester gern haben.
Maria (wieder das Schloß versuchend)
Regine wie eine Schwester lieben?! Glauben Sie das wirklich?
Anselm
Ja; damals war sie so. Und er war überaus empfindlich, er war viel zarter als Regine.
Maria
Ich denke, Regine war überhaupt nie zart; wie hätte sie sonst dieses Leben ertragen können, von dem Sie mir erzählt haben. (Unwillig) Es paßt kein Schlüssel.
Anselm
Versuchen Sie diesen. (Er reicht ihr einen von sich)
Maria
Nein, nein. Ich will nicht mehr.
Anselm (nachdem er den Schlüssel vergeblich selbst angesetzt hat)
Ich werde es mit dem Messer versuchen. (Er öffnet sein Taschenmesser)
Maria
Lassen wir es lieber.
Anselm (sie zur Seite schiebend)
Nein; ich will! (Er versucht das Schloß aufzusprengen)
Maria (sucht ihn zu hindern)
Lassen Sie es, ich will nicht mehr! (Sie zuckt wie vor einem wilden Schrei zusammen) Schon wieder! … (Sie horchen) … Nein, das war eine Tür. Thomas? Schrecklich. Gehn Sie! Hören Sie: Schritte.
(Anselm steckt rasch das Messer ein)
Fräulein Mertens (stürzt ins Zimmer)
Gott! Ich komme von Frau Regine; sie läßt mich nicht ein! Horchen Sie doch!
Maria
Ach, bin ich erschrocken …! Ja, wir haben es ja auch gehört, aber was soll man tun? Den Arzt holen?
Fräulein Mertens
Nein, sie will keinen Arzt.
Anselm
Natürlich nicht; das muß man auslaufen lassen.
Fräulein Mertens (ist zum Fenster gegangen)
Wirklich, man hört es. (Sie wendet sich scharf zu Anselm) Doktor Anselm? Ich frage Sie: hören nur Sie nicht, wie Regine weint?
Anselm (aufgerissen von Schmerz und Selbstironie, völlig ohne Fassung)
Sie singt ja. Es war nicht Lüge, Schmutz singt sie! Nicht Erniedrigung vor Schweinen, Mannstollheit. Nicht Schwäche, gekünstelte Ausrede, Aberglaube; Kranksein, Schlechtsein. Das kann man nur singen. In gewöhnlicher Sprache ist es das gewesen!
Fräulein Mertens (vor Empörung und Überraschung fast wortlos)
Doktor Anselm …???
Anselm
Die Männer haben ihr nie auch nur das geringste bedeutet, oh, gewiß, ich weiß! Sie hat Johannes sterben lassen, sie hat Josef geheiratet, wie man einen Verwalter anstellt. Aber irgendwann begann sie zu glauben, daß sie an Johannes etwas gutmachen müsse, indem sie andren Männern hinwerfe, was sie ihm verweigert hat. Nach dem Tod ist ja schon mancher heilig gesprochen worden, und der Wunsch soll nicht selten der Vater eines Gedankens sein.
Maria
Aber schweigen Sie doch!
Fräulein Mertens
Sie mißbrauchen die Einbildungen eines überzarten Frauengewissens!
Anselm
Sie lieben sie doch? Also werden Sie wohl das verstehn: Schon als Kind verkroch sie sich im Garten, während wir andren sprachen, unter irgendeinen Busch und nahm Erde in den Mund oder Steinchen, nahm Würmer in den Mund, bohrte in der Nase, kostete die Ausscheidungen ihrer Augen und Ohren. Und dachte: Einmal wird plötzlich etwas ganz Wunderbares daraus entstehn! Was haben Sie? Ist Ihnen übel? Sie lieben doch Ihre Heilige. Ihre Sankt Potiphar?! Männer, das ist ja nichts andres, das ist doch auch nur – das Geheimnis, das man in den Leib nimmt.
Fräulein Mertens
Sie verleumden!
Anselm (in nervöser Verzweiflung)
Aber quälen Sie mich nicht! Glauben Sie denn, ich möchte ihr nicht helfen?! Wenn ich nur selbst wüßte – wie zu helfen ist!
Fräulein Mertens
Ich werde mich vor ihre Türe legen, wenn sie mich nicht einläßt! – Und ich konnte glauben, nie ein so zartes Bild erotischer Delikatesse gesehen zu haben! (Ab)
Maria
Wie konnten Sie mit solcher Roheit sprechen!
Anselm (geht erregt hin und her)
Die hat genug. Die kommt nicht noch einmal mit; sollte sie noch so Regine geliebt haben. Gibt es etwas Unappetitlicheres als die Tugend?!
Maria
Aber niemals durften Sie Regine so preisgeben!
Anselm
Warum macht sie solches Aufsehn! Mit der ganzen Reise hierher!
Maria
Ist es denn besser, wenn man etwas heimlich tut?!
Anselm
Ja! Zum hundertsten Male: Ja! Ich werde immer vorziehn, im geheimen Unrecht zu tun, statt ein ungewöhnliches Recht öffentlich zu vertreten; es ist würdiger. Thomas tut alles öffentlich. Verstandesmenschen sind immer offen. Aber ich vermag zu lügen nur aus dem einen Grund, weil mir vor der Befriedigung eines fremden Menschen graut, der mich aufmerksam zu verstehen glaubt. Das klebt ärger als eine brünstige Frau; das ist, als wäre man versehentlich in so ein Gehirn hineingetreten!
Maria (schaudernd vor der Erinnerung)
Es ist das Widerlichste auf der Welt, ein Weib, das sich so vergißt.
Anselm (umschlagend)
Oh, nicht so einfach; so einfach ist es ja auch nicht. Als Johannes tot war, aß Regine wochenlang fast nichts; ein paar Keks täglich war alles. Sie magerte ab, sie wollte eine überirdische Gemeinsamkeit mit ihm erzwingen. Das war sehr schön, sehr stark. Glühender Zustand der Güte. Sie liebte gar nicht ihn, sondern sie liebte. Leuchtete! Aber dann kam die Wirklichkeit, die – Thomas triumphiert ja darüber! – immer recht behält; alle die tausend Stunden, die irgendwie zugebracht werden müssen und werden. Und jede hinterläßt nur eine ganz kleine Blatternspur von: siehst du, es ist gegangen. Und mit einemmal hat das ganze Gesicht davon den zwinkernden Ausdruck fertiger Mensch. Sie ahnen nicht, wie viele Menschen daran zugrunde gehn, daß sie es fertig bringen zu leben! Aber wir verlieren Zeit, Sie wollten doch die Lade zu öffnen versuchen.
Maria
Sprechen Sie zu Ende, ich will Ihnen dann antworten.
Anselm (sieht sie einen Augenblick lang mißtrauisch prüfend an)
Ja! Ich kann es verstehn! … Ich wußte, daß Sie darauf warten. Ich kann verstehn, daß ihr dann jede Untreue, die sie in diesem Leben beging, wie eine Treue gegen das andre erschienen ist. Jede äußere Erniedrigung wie eine innere Erhöhung. Sie schmückte sich mit Schmutz wie eine andre mit Farben. Ist das nicht auch schön?
Maria
Nein!! (Sie starrt ihn ungläubig prüfend an und wirft dann ihren Schlüsselbund weit fort) Ich tue es nicht mehr!
Anselm (entschlossen)
Ja, dann lassen Sie es mich tun. (Er spitzt wieder sein Messer)
Maria
Nein, ich dulde es nicht! Es ist etwas Geheimes in Ihnen, das Sie mir nicht gestehn wollen; das Sie mit Regine verbindet! (Sie verbirgt sich im Stuhl am Schreibtisch)
Anselm (geht vor ihr auf und ab und bleibt zeitweilig erregt stehn)
Was glauben Sie, soll es sein? Haben Sie es denn gehört, sie hat wieder begonnen? … Ganz allein im Sternenmeer, im Sternengebirge sitzt sie und kann nicht sprechen. Sie kann nur häßliche Gesichter schneiden, kleine böse Regine … Auch eine Fratze ist von innen eine Welt, ohne Nachbarschaft mit ihrer Sphärenmusik allein in die Unendlichkeit gebreitet … Sie konnte mit dem Käfer nicht sprechen und steckte ihn in den Mund; sie vermochte mit sich selbst nicht zu sprechen und aß sich. Sie konnte auch mit den Menschen nie sprechen und fühlte doch – dieses entsetzliche Verlangen, sich mit ihnen allen zu vereinen!
Maria
Nein, nein, nein, nein!! Das ist die Lüge!
Anselm
Aber Lügen sind zwischen fremden Gesetzen verfliegendes Heimatsgefühl von traumhaft nahen Ländern, verstehen Sie das nicht?! Sind seelennäher. Vielleicht ehrlicher. Lügen sind nicht wahr, aber sonst sind sie alles!
Maria
Aber sie ist ja so widerlich verlogen, diese Ausrede mit Johannes!
Anselm
Sie glaubt ja auch nicht daran. Nein, Maria, sie glaubt nicht daran. Sie glaubt auch nicht, daß es einen Sinn hat, zu schrein. Sie tut es bloß. Und fühlt dabei, daß sie Geheimnis ist, das sich nicht verständlich machen kann. Es ist der letzte, zufällige, falsche Ausdruck dafür, der ihr geblieben ist. Eine ungeheure menschliche Not liegt darin; vielleicht unser aller Not!
Maria (springt auf)
Ich kann es nicht mehr anhören! (Es bleibt ungewiß, ob Anselms Reden oder die Schreie Reginens, die man wieder zu hören scheint) Entsetzlich diese Sinnlichkeit! (Sie wollte zum Fenster, aber Anselm steht ihr im Weg, und sie hält sich mit beiden Händen an ihm fest) Gehn Sie doch mit ihr fort!!
Anselm
Nein. Ich kann nicht. Mitkommen, eine Weile noch, dürfte sie. Geben Sie mir jetzt die Schlüssel.
Maria
Ich habe Sie jetzt zum erstenmal berührt und soll mit ihnen fliehn; es ist ja zu lächerlich!
Anselm
Vertraun Sie mir die Schlüssel an.
Maria
Nein … Ich kann Ihnen nicht vertraun!
(Er will die Schlüssel aufheben, Maria verwehrt es und nimmt sie selbst; sie stehn einen Augenblick lang kämpfend aneinandergepreßt)
Anselm (faßt ihre Hand und setzt sich die Nägel an Hals, Lippen und Augen)
Berühren Sie mich! Tun Sie mir weh! Hier! Hier! Nehmen Sie ein Messer, schneiden Sie Zeichen in mich wie in einen Baum! Wenn Sie mir nicht glauben! Quälen Sie mich, bis ich bewußtlos werde und Sie mit mir beginnen können, was Sie wollen.
Maria (reißt sich los)
Sie sind wie ein böser kleiner Junge und ich soll Sie verführen, das verlangen Sie.
Anselm (wirft sich in ihren Stuhl)
Ich verlange nichts für mich … Als die Erlaubnis, Ihre Schuhe vor die Türe tragen zu dürfen. Ihre Röcke auszubürsten. Die Luft zu atmen, die in Ihrer Brust war. Das Bett zu sein, das Ihren Abdruck bewahren darf. Mich für Sie hingeben zu dürfen! Alle andre Wirklichkeit wird davor ungewiß.
Maria (abwehrend und begütigend)
Solange wir uns kennen, haben wir voneinander nicht mehr gesehn als Gesicht und Hände.
Anselm
Aber als ich mich an Sie lehnte, war mir, als ob mein Leben fern von allem, was geschieht, ohne Arme, ohne Hände, das Ihre halten und berühren könnte. (Er greift wieder nach ihrer Hand)
Maria (unsicher)
Wir sind ja keine jungen Menschen mehr.
Anselm
Das heißt nur: Thomas hat Sie mutlos gemacht. Man hält es schon für unnatürlich, wenn der Weg der menschlichen Annäherung einmal nicht durch etwas führen soll, das von der Art wie Essen und Verdauen ist. Ich will Ihr Leben besitzen. Der Gnade Ihres Seins teilhaftig werden!
Maria
Aber warum müßte es dann eine Frau sein?!
Anselm
Weil Sie eine Frau sind. Weil es unsagbar verwirrend ist, daß Sie zu allem auch noch eine Frau sind. Daß Ihre Röcke eine Glocke von Unsichtbarem über den Fußboden wandern lassen!! (Er vergräbt den Kopf in den Armen)
Maria
Nein, nein, das sind Ausreden, Anselm …
Anselm
Mehr weiß ich nicht zu sagen, liefern Sie mich Thomas aus!
Maria (berührt seine Hand, damit er aufsieht. Er tut es nicht. Sie setzt sich auf die Lehne)
Anselm, es ist alles so beängstigend unnatürlich, was Sie sagen. Abgetane Kindereien. Vergrabene.
Anselm (den Kopf halb hebend)
Aber so ungeheuer gleichgültig ist Ihnen ja doch alles »Wertvolle«, »Wichtige«, was Sie jetzt tun.
Maria
Nein, nein! … Ja. – Aber ich will nicht!!
Anselm (richtet sich auf)
Es ist etwas in Ihnen, dem das gar nichts gibt, und Sie haben nicht den Mut gehabt, dafür zu leben! Ein Leben, wie Sie es jetzt führen, hätten Sie früher verachtet.
Maria
Damals waren einem zwei Stunden, zuviel geschlafen, als etwas erschienen, das man nie wieder einholen kann, das noch nach Tagen plötzlich schmerzend als Verlust zu Bewußtsein kommt; darin haben Sie recht. Wir fühlten, wir sind. Wir aßen wenig, gönnten dem Körper nicht zuviel Raum. Manchmal hielt ich den Atem zurück, solang ich konnte. Aber in Wirklichkeit war das doch ganz resultatlos. (Sie hat es mit Kritzeleien auf einen Blatt Papier begleitet)
Anselm
Ist das resultatlos? Fünf Minuten vor dreiviertel neun Uhr des Morgens pflegten Sie in den Park zu kommen. Ich sehe diese Zeigerstellung in meinem Zimmer noch vor mir. Ich nahm eins meiner Bücher, in das Sie Ihren schönen Namen geschrieben hatten, und zog ihn nach: Aus der Hand durch den Raum genau den Weg gehend, den Ihre Hand gegangen sein mußte. Dann lief ich Ihnen nach.
Maria (steht abstreifend auf)
Das sind Kindereien, das hat mit uns doch nichts mehr zu tun.
Anselm (aufspringend)
Das waren Taten! Unausdrückbare Formen der Freundschaft. Handlungen sind ja das Freieste, was es gibt. Das einzige, mit dem man machen kann, was man will, wie mit Puppen. Wunschwelt, unbegreiflich räumlich gewordene! (Wieder wie von Erinnerungen erschreckt) Es ist ja alles, was mit uns geschieht, nicht zu verstehn, und nur wenn wir selbst etwas tun, sind wir geborgen, mitten drin im Unbegreiflichen selbst.
Maria
Erkennen Sie das noch? (Sie zeigt ihm ihre Zeichnung)
Anselm (unterbrochen, fast ärgerlich)
Ein Zuckerhut? Ein Engel?
Maria
Schließen Sie das Fenster. Ich habe immerzu das Gefühl, es kommt jemand durchs Fenster herein.
Anselm (einen Vorteil witternd)
Sagen Sie mir zuvor, was das ist.
Maria
Das war auch damals. Ich hatte Ihr Gesicht aus dem Gedächtnis gezeichnet, es sah nicht schöner aus als das, und wollte Ihnen zum Trost etwas Liebes tun und zeichnete mich im Nachthemd dazu.
(Anselm schlägt rasch das Fenster zu, um die Situation auszubeuten. In dem Augenblick, wo das Fenster geschlossen ist, hört man aber ganz nah eine Tür)
Maria (wie ertappt)
Das ist Thomas! Gehen Sie! (Sie löscht sinnlos das Licht aus) Gehn Sie fort, ich ertrage das nicht! Nein, bleiben Sie, drehn Sie das Licht auf, ich habe es schon zerrissen. Er kennt diese Zeichnung, ich habe es ihm einmal erzählt. So drehn Sie doch das Licht auf!!
Anselm (verwirrt)
Ich finde das Licht nicht …
(Thomas tritt in das dunkle Zimmer. Nur in der Nähe des Fensters ist noch etwas Helligkeit. Dort bewegt er sich hin und her. In der dunkelsten Zimmerecke vermutet er Anselm und Maria)
Thomas
Ist jemand hier?
Anselm
Ich, Thomas; guten Abend.
Thomas
Bist du allein da?
Anselm
Nein, wir haben auf dich gewartet, Maria ist hier. (Gezwungen leicht) Wir haben uns verplaudert und können jetzt das Licht nicht finden. (Er tastet an der Wand)
Thomas
Wozu auch; es ist ja ganz schön im Dunkel.
(Pause)
Thomas
Aber warum unterhaltet ihr euch nicht weiter? Störe ich wieder? … Aber unterhaltet euch doch um Himmels willen weiter; wovon habt ihr gesprochen? Darf ich es nicht wissen?
Maria
Es war nicht so schön; Regine ist nicht wohl.
Thomas
Und Anselm hat hier auf mich gewartet, um damit zu erklären, warum er nicht zu mir gekommen ist.
Maria
Ich werde Licht machen.
Thomas
Ich bitte dich, laß es dunkel. Das ist ja wahrhaftig eine merkwürdigere Sache, als du glaubst, zwei Männer im Dunkel. Kann uns dein Auge unterscheiden: nein. Du hörst bloß noch nicht: einer sagt auch genau das gleiche wie der andre. Ich versichere dir aber: so ist es. Denkt das gleiche. Fühlt das gleiche. Will das gleiche. Der eine früher, der andre später, der eine denkt es, der andre tut es, der eine wird gestreift, der andre ergriffen. Aber ob man der Detektiv ist oder der Verfolgte, der Brennende oder der Löschende, wahr oder lügt: Wenn man überhaupt einer ist, ist es immer das gleiche Spiel Karten, nur anders gemischt und ausgespielt.