Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 58
Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer
[Rowohlt Verlag, Berlin 1924]
Personen
Alpha
Bärli, Grosskaufmann
Der Gelehrte
Der Musiker
Der Politiker
Der Reformer
Ein junger Mann
Die Freundin
Dr. Apulejus-Halm
Vinzenz
Erster Akt
Nächtliches Zimmer. Von einer Strassenlampe zum Teil schwach erhellt. Hinten, etwas erhöht, durch einen halb zurückgezogenen grossen Vorhang abgetrennt, ein alkovenartiger zweiter Raum, in welchem ganz abgedämpft eine Ampel brennt. Man unterscheidet im Vorderzimmer eine Ottomane, sonst nur unbestimmt ragende dunkle Gegenstände. Etwa drei Uhr morgens. Durch die Seitenwand treten Alpha und Bärli ein. Beide Gesellschaftskleid und Theatermantel darüber. Alpha dreht die Lampe eines Spiegeltischchens im Vordergrund auf; Stehschirme daneben, sodass nur der nächste Umkreis bestrahlt wird. Alpha beschäftigt sich vor dem Spiegel; Bärli steht neben ihr.
Bärli
Das muss ein Ende haben!
Alpha
Sagen Sie mir, warum muss es ein Ende haben? Sehen Sie diese Bürste an: sie hat zwei Enden. Nein, sie hat überhaupt so viel Enden wie Haare. Zählen Sie ihre Enden. Ich möchte wahrhaftig einmal erfahren, woher man solche Gewissheiten nimmt!
Bärli
Sie müssen mich heiraten!
Alpha
Ihr Kopf ist phantasieloser als meine Kopfbürste.
Bärli
Mein Kopf ist in dieser Richtung ganz phantasielos. Aber ich habe schon Männer vor mir auf den Knien gesehn, die um Schonung ihres Geschäfts und ihrer Familie baten, –
Alpha
Und –?
Bärli
Ich habe sie ihnen niemals gewährt.
Alpha
Ich glaube, das ist etwas, was mir an Ihnen gefällt.
Bärli
Ich habe Frauen hinausweisen lassen, die für ihre Männer baten –
Alpha
Waren es stolze Frauen?
Bärli
Ja, es mögen schöne Frauen darunter gewesen sein, und auch weinende Mütter.
Alpha
Ich glaube, das gefällt mir sehr an Ihnen. Ich bin auch so. Mich würde auch eine weinende Frau nicht rühren.
Bärli
Ich darf sagen, dass ich mit meinen Unternehmungen ein wirtschaftlicher Faktor im Staat bin, und ich habe mehr als einmal diese ganze Macht auf eine einzige Karte gesetzt, bloss um sie in die Luft zu werfen und wieder zu gewinnen. In dieser Richtung habe ich Phantasie, Alpha, eine genügend wilde Phantasie!
Alpha
Und?
Bärli (verzweifelt)
Aber wozu, wozu tue ich es?! Alpha, es hat keinen Sinn mehr für mich! Ich habe gemacht, um zu machen. Sie fühlen, dass ich etwas andres in den Armen habe als diese schwätzenden Krüppel, die Sie umgeben; ich kann, was ich will: Aber was will ich denn, um Gotteswillen, was will ich denn?!! Sie haben das unsicher in mir gemacht. Sie müssen mich heiraten.
Alpha
In dieser Richtung, habe ich Ihnen schon gesagt, hat meine Kopfbürste mehr Phantasie.
(Bärli macht eine verzweifelte Gebärde)
Alpha
Nun?
Bärli
Glauben Sie nicht, dass ich mir von einer Frau diesen Widerstand gefallen lassen werde.
Alpha
Aber was wollen Sie tun?
Bärli
Ich werde Sie und mich töten!
Alpha
Ah, ah! Sie sind unverschämt! Sie sind so schrecklich unverschämt! Und veraltet!
Bärli
Wollen Sie mich heiraten?!
Alpha
Töten –?
Bärli
Ja.
Alpha
So sehr verehren Sie mich?
Bärli
Ich weiss nur noch die zwei Möglichkeiten: entweder Sie heiraten mich oder ich töte uns.
Alpha
Sagen Sie das schöner.
Bärli
Wie?
Alpha
Sie möchten doch am liebsten sagen: »Entweder im Leben vereint oder im Tode«?
Bärli
Spielen Sie nicht damit!
Alpha (aufstehend)
Aber das ist ja entsetzlich geschmacklos. Ihre Beschäftigung mit dem Handel, Ihre literarische Unbildung erlauben Ihnen wie ein Familienblattroman zu fühlen!
(Bärli stürzt sich auf sie. Das Lämpchen verlischt. Kurzes schattenhaftes Ringen. Alpha kommt zu Fall, Bärli fesselt sie mit einem Strick, den er unter dem Mantel hervorzieht, an Händen und Füssen und trägt sie auf die vom Alkoven her beschienene Ottomane)
Alpha
Ah, ah! Sie sind unverschämt! Sie sind so schrecklich unverschämt! Und veraltert!
Bärli
Wollen Sie mich heiraten?!
Alpha
Nein!
Bärli
Willst Du mich heiraten?!
Alpha
Es ist entsetzlich geschmacklos, Du zu sagen, bloss weil Sie vorgeben, an den Tod zu denken. Äh! (Sie streckt ihm die Zunge heraus.) Sie haben sich damit das letzte bei mir verscherzt! (Sie dreht sich um, mit dem Rücken zu ihm)
Bärli
Ich habe meinen Wagen nur zum Schein fortgeschickt, er wartet unten. Ich habe Benzin für drei Tage mit. Sie schreiben einen Brief an unsre Freunde, mit irgend einem Vorwand, weshalb Sie plötzlich verreisen mussten, und wir fliehn auf meine Besitzung im Gebirge.
Alpha (über die Schulter)
Warum muss ich denn zu diesem Zweck einen Brief schreiben?
Bärli
Ich habe es mir so ausgedacht.
Alpha
Und dann?
Bärli
Ich habe angeordnet, dass man dort den Pfarrer verständigt, weil wir sofort heiraten werden. Ich entführe Sie, ich reisse Sie an mich!
Alpha
Und dann? Sie können mich doch nicht zeitlebens entführen und unausgesetzt an sich reissen: was wird also dann sein?
(Pause)
Bärli (etwas kleinlaut)
Wir werden namenlos glücklich sein.
Alpha
Namenlos?
Bärli
Sicher! Wir werden namenlos glücklich sein!
Alpha
Sie haben sich das etwas ungenau ausgedacht: Es fehlen Ihnen schon wieder die Namen.
Bärli
Ja, Alpha: mir fehlen die Namen. Mir haben immer die Namen gefehlt, wenn ich etwas gewollt habe. Darum nehme ich es mir! Darum rede ich nicht, wie die andern, sondern nehme es mir!
Ich werde Sie auf Händen tragen. Ich werde alle Steine aus Ihrem Weg räumen. Ich werde Sie anbeten. Wir werden uns lieben. Sie werden über meinen ganzen Reichtum verfügen, ohne dass ich mich darum kümmere –
Alpha
Das ist das erste nicht banale Wort, das Sie bis jetzt gesprochen haben.
Bärli
Etwas zu besitzen, das nicht von Ihnen besessen wird, – nein, besessen ist! – so wie ich es bin, – hat keinen Wert mehr für mich. Ich habe einen Haufen Lehm erworben. Mein Besitz lacht mich aus. (Beide Fäuste gegen die Schläfen gepresst) Seit Sie behaupten, dass ich ein Dummkopf sei, habe ich zum erstenmal über mich nachgedacht.
Sagen Sie es nur ruhig, es kommt nicht darauf an; es kommt darauf an, dass ich über mich nachdenke. Und ich kann nicht über mich nachdenken! Ich habe es nie gelernt. Oder ich habe es verlernt.
Darum lebe ich hilflos wie ein Tier.
Aber wenn ich sie Ihnen Stück für Stück reichen kann, fühle ich, dass ich die ganze Welt noch einmal erschaffen werde!
Alpha
Sie sind eigentlich sehr nett, wenn Sie so reden; Sie werden dann geradezu bedeutend.
Bärli
Soll ich Sie entfesseln?
Alpha
Nein, noch nicht.
(Pause)
Küssen Sie mich!
(Wilde Umarmung, bis Alpha den Atem verliert)
Alpha (nachdenklich)
Aber Sie haben mir noch nicht sagen können, was nachher werden soll? Ich kann doch nicht zeitlebens auf Ihrem Schloss sitzen, wie ein Stein in seinem Ring?
Bärli
Selbst Ihre scharfe kleine Zunge ist mir ja nicht mehr entbehrlich. Ich fühle: Sie schmilzt mich wie eine spitze Stichflamme den Eisenblock. Sie quält mich, ich mache mich lächerlich, ich rase und stosse dabei – zum erstenmal an Dinge, von denen ich merke, dass sie da sind.
Alpha
Das ist sicher richtig, aber ich könnte schliesslich nicht mehr in den Spiegel schaun, ohne dass Sie neben meinem Bild da sind.
Bärli
Ich trage Sie jetzt hinunter, ich werde den Strick im Auto lösen.
Alpha
Nein, es geht nicht, machen Sie keine Dummheiten, Bärli, heute ist mein Namenstag, es kommen bald die andren.
Bärli (mild)
Die verdienen Sie nicht!
Alpha
Warum?
Bärli
Das kann ich eben nicht sagen. Sie gehören zu mir, aber ich kann nicht sagen, warum! Genug, ich hebe Sie jetzt auf.
Alpha (wehrt sich)
Nein! Ich will nicht! Ich werde schrein! Ich schreie so, dass das ganze Haus zusammenläuft! (Sie stösst eine Vase um, Wasser fliesst aus, Bärli ernüchtert sich augenblicklich und lässt ab. Seine Stimmung wechselt)
Bärli
Gut. Sie missachten mich. Ich habe keine Lust, mich noch weiter vor Ihnen zu demütigen. So geschieht nun das andre.
Alpha
Was?
Bärli
Haben Sie irgendwelche letzte Verfügungen mir zu diktieren?
Alpha (ängstlich)
Warum schaun Sie mich denn so ernst an?
Bärli (zieht eine Pistole aus der Tasche)
Weil ich jetzt schiesse. Sie können sicher sein, dass ich mich sofort nach Ihnen töte.
Alpha (versucht Überlegenheit zu posieren)
Wenn Sie ein Kavalier sind, werden Sie wissen, dass Sie zuerst sich töten müssen. (Von Angst überwältigt) Tun Sie’s fort! …
Bärli (schüttelt traurig lächelnd das Haupt)
Nein, Alpha, ich scherze nicht; jetzt nehme ich Sie mit mir. (Er sieht sie lange an und hebt wieder langsam die Pistole)
Alpha (schreiend)
Zu Hilfe!
Bärli
Es hilft nichts.
Alpha
Vinzenz!! … Zu Hilfe! … Vinzenz! Vinzenz!!
(Dieses unerwartete und nie gehörte Wort Vinzenz macht Bärli die Pistole senken. Er sieht sich um, sieht Alpha fragend an, merkt, dass noch jemand im Raum ist)
Bärli
Was? Was bedeutet das?! (Er macht ein paar Schritte ins Dunkel und dreht die volle Beleuchtung auf. Hinter einem fernen Stuhl entdeckt, erhebt sich – lang und mager – Vinzenz. Er ist ei n Mann Ende dreissig, nicht ohne Vornehmheit, aber bescheiden gekleidet. Er lächelt verlegen)
Alpha (dreht sich ihm zu)
Feigling! Verräter! Feigling!
Bärli (mit der Pistole, wütend, bedrohlich)
Was treiben Sie hier??
Vinzenz (hebt die Arme, halb abwehrend, halb »Hände hoch«. Rasch)
Gut Freund! Gut Freund! Ich wollte die Katastrophe nicht vergrössern. Sie hätten doch wahrscheinlich sofort auch auf mich geschossen. Ich bin aber vor einer Stunde zum erstenmal hierhergekommen. Ich habe gar nichts damit zu tun.
Alpha (kurz)
Er ist der Jugendfreund.
Vinzenz
Alpha wollte mit mir in Ruhe plaudern.
Bärli (geringschätzig musternd)
Der? …!
Alpha
Ja. Schiessen Sie ihn nieder! Der Feigling hätte sich nicht gerührt!
Vinzenz
Ich denke, die Stimmung ist doch vorläufig gestört. Sonst würde ich mich aber auch noch zurückziehn, falls Sie es wünschen …?
Bärli (noch einmal)
Der! … (Wirft die Pistole auf den Tisch) Sie brauchen keine Angst zu haben.
Vinzenz (zu beiden)
Ich war doch noch viel zu wenig vertraut mit Ihren Privatangelegenheiten, um mich in einem solchen Augenblick hineinmischen zu dürfen. –
Übrigens werden Sie wohl jetzt nichts mehr dagegen haben, wenn ich Alpha die Fesseln löse? (Er tut es)
Alpha (jedes Wort ruhig und sachlich betonend, während sie sich von Vinzenz die eingeschnürten Stellen reiben lässt)
Feigling! Verräter! Egoist!
Vinzenz (sorgfältig reibend)
Sie hätten ebensogut von mir verlangen können, dass ich auf einen in voller Fahrt befindlichen Eisenbahnzug aufspringen solle.
Alpha (steht auf und geht zu Bärli)
Wir sind fertig miteinander! (Bärli nickt geistesabwesend)
Ich will mich zur Ruhe legen; ich vertrage nicht mehr Ihre Nähe; gehn Sie! Gehn Sie beide!
Bärli (verriegelt die Pistole und legt sie wieder hin)
Legen Sie sich zur Ruhe, Alpha. Aber erlauben Sie, dass ich still hier sitze, und während Sie nebenan schlafen, einige Abschiedsbriefe schreibe.
Alpha
Vinzenz! Führen Sie den Herrn hinaus! Und gehn Sie mit ihm!
Vinzenz
Nein, Alpha, wie soll ich das denn tun? Darin bin ich nun auf Seite des Herrn. Sie müssen ihm Zeit geben. Können Sie nicht den Vorhang zuziehn, während er seine Gedanken ein wenig ordnet?
Alpha (reicht Bärli die Hand)
Sie haben mir sehr gut gefallen! Aber Sie gehn in einer Stunde fort, und nachdem ich erwacht bin, werde ich Sie – nie – mehr – sehn. (Sie geht hinter den Vorhang, den sie zuzieht. Noch einmal den Kopf herausstreckend)
Vinzenz! Die Besuche schicken Sie fort! (Man sieht einige Auskleidebewegungen. Dann kommt noch einmal der Kopf vor)
Nein, die Herren sollen warten. Aber ich will nicht geweckt sein. (Noch einmal das gleiche) Sie jedoch können sich unbeengt unterhalten, meine Herrn. Es beruhigt mich, Ihre Stimmen zu hören. (Ab)
Vinzenz
Haben Sie Ihre Pistole verriegelt? (Bärli sieht nach) Würden Sie etwas dagegen haben, wenn ich sie der grösseren Sicherheit halber hier in diesen eisernen Schrank legte?
Bärli (reicht sie ihm)
Behalten Sie das feige Ding. Es hat gemeutert, sich auf einen »Unschuldigen« anschlagen zu lassen, als Sie unerwartet dastanden. Das war schwach. Ich benütze diese Pistole nie mehr wieder! So etwas muss aus einem Guss sein.
Vinzenz
Ich verstehe und ehre Ihre Auffassung.
Bärli
Sie haben alles mit angehört, und ich habe mich lächerlich blossgestellt vor Ihnen! Wer sind Sie denn nun eigentlich? (Sie setzen sich)
Vinzenz
In welcher Hinsicht meinen Sie?
Bärli
Rund heraus lässt sich das bei Ihnen nicht sagen?
Ich war – vor dem verfluchten Tag, wo ich diese Person kennen lernte, – Kaufmann; von vorn bis hinten. Ich bin hinaufgekommen wie ein Fleischer. Es war nicht immer appetitlich. Aber ich habe bis zu den Schultern hineingegriffen. Und das ist schon etwas!
Da sagt sie mir mit einemmal: – Aber wie lange kennen Sie schon Alpha?
Vinzenz
Es mögen sechzehn Jahre sein … Sie war damals siebzehn.
Bärli
Und Sie lieben sie noch immer?
Vinzenz
Gott bewahre mich!
Bärli
Gott bewahre mich? Auch ein Standpunkt. – Aber warum sind Sie denn zu einer so ungewöhnlichen Stunde gekommen, wenn Sie sie nicht lieben?
Vinzenz
Ungewöhnlich die Stunde?
Bärli
Nicht ungewöhnlich? Drei Uhr morgens? Eine Zeit, wo man ausnahmsweise arbeitet, gewöhnlich schläft, oder sich höchstens mit einem Mensch herumzieht? Ja, was haben Sie denn für einen Beruf?
Vinzenz
Wortemacher.
Bärli
Wo–? Schriftsteller?
Vinzenz
Nein; weniger. Wortemacher, Namenmacher. Darf ich Ihnen das später erklären? Ich möchte so ungern Ihre Erzählung unterbrechen.
Bärli
Sie dürfen nicht glauben, Herr –?! Sie dürfen nicht glauben, weil ich mich so mit Ihnen unterhalte?! Ich warte auf das Abgehn des Zugs. Er wird abgehn! Aber man spricht. Man ist zugänglich. Weil es gar keinen Sinn hat, diese letzten abgerissenen Viertelstunden noch auszunützen.
Vinzenz
Ich bin hier: – man sperrt ab – kennen Sie das? – und kehrt auf der halben Treppe um, nachzusehn, ob man wirklich abgesperrt hat, und kehrt noch einmal um …? Nennen Sie es eine Pedanterie immerhin, ich wollte ein vor zehn Jahren nicht zu Ende gekommenes Gespräch endlich zu Ende führen. Alpha behauptete, nur um ein Uhr nachts Zeit zu haben. Ich habe dann eine Stunde warten müssen, bis Sie kamen. Und jetzt weiss ich wieder nicht, wann ich zu meinem Gespräch komme.
Bärli
Sie werden nicht mehr dazu kommen. Auch ich hatte nur diese eine Stunde nach dem Ball. Es wird gleich Besuch kommen, und dann alle halben Stunden ein neuer. Mit dem Morgengraun werden Sie hier eine Gesellschaft von fünf Herrn versammelt sehn, darunter fünf ausgesuchte Laffen, die sich Wunder weiss was einbilden, weil sie um diese Stunde zu Alphas Namenstag kommen.
Wenn Sie Alpha solange kennen, wird sie Ihnen auch schon einmal gesagt haben: Sie machen es ja ganz falsch.
Vinzenz (klopft ihm leise lachend aufs Knie)
Bärli
Was?
Vinzenz
Kolibri!
Bärli
Was?
Vinzenz
Später! Weiter! Lassen Sie sich nur jetzt nicht stören!
Bärli
Sie hat es Ihnen also auch schon gesagt. Jedem sagt sie das, merken Sie wohl, das weiss ich sehr gut; jedem, dem Professor genau so wie dem Musiker oder mir. Und sie sagte also zu mir: Sie machen es falsch. Weder Ihre Tätigkeit, noch Ihre Erfolge befriedigen Sie im Grunde. Ja, sie sagt: Worauf Sie stolz sind und wofür Sie Ihr Leben hingeben, ist blöd. Aber ich bin doch aus einem etwas andren Holz als diese Kunden. Ich durchschaue es; jedoch merke sofort: sie hat recht. Sie hat recht!
Vinzenz (für sich)
Kolibri.
Bärli
Sehen Sie, man denkt nicht darüber nach. Wenn man kein Tagdieb ist, sondern ein Mann, der etwas zu tun hat, hat man kein Interesse am Philosophieren. Aber man braucht Philosophie und dergleichen, das ist nicht zu leugnen, so wie man früher Religion gebraucht hat. Und wenn Alpha sagt: drei Uhr nachts, und nicht wie Mann und Frau, (und natürlich ein bisschen doch wie Mann und Frau), verstehen Sie, wenn sie so das Leben verdreht, und man spricht dann über sein Leben –: haben Sie schon einmal zwischen Ihren Beinen durchgesehn? So mit verkehrtem Kopf? So, genau so ist es! Alles sieht ganz anders aus und wie neu! Man merkt erst, dass man lebt; oder dass man nicht gelebt hat!
Vinzenz
Kolibri!
Bärli
Aber zum Teufel, was heisst denn Ihr »Kolibri«?
Vinzenz
Die gebratenen Worte.
Bärli
Herr, Sie reden Unsinn!
Vinzenz
Ja, aber das Leben fügt ihn zusammen: Alpha hat die gebratenen Worte. Ich muss Ihnen etwas raten, etwas raten! Kolibri, das sind die heissfarbigen Worte, die in der flammenden Urwaldsonne herumfliegen.
Bärli
Wa–?
Vinzenz
Falsch, aber es hört sich wunderbar an. Die wörtliche Zusammengehörigkeit des Unzusammengehörigen.
Bärli
Herr?!
Vinzenz
Man kann nicht zusammengehörige Stücke so zusammenfügen, bloss mit Worten, dass es kein Mensch merkt.
Bärli (steht auf)
Ich bin Kaufmann geworden, ich weiss nicht wie. Ich hätte besonders dumm sein müssen, um nicht gute Geschäfte zu machen, und ich habe bessere Geschäfte gemacht als andre, weil ich ein starker Kerl bin. Sie dürfen es auch nicht unterschätzen: man kann viel mehr mit Geld machen, als Sie zu ahnen vermögen. Beinahe alles. Jede Frau nimmt mich mit Handkuss. Ich lasse mir das nicht gefallen.
Vinzenz
Aber, Herr, ja! Sie sind mir so sympathisch! Lassen Sie sich raten!
Bärli
Ich brauche Ihre Ratschläge nicht. Die Dummköpfe, welche kommen, werden lachen, weil Alpha die Stirn besitzt, mich vor ihnen lächerlich zu machen. Mich, der ich in einem Finger mehr Kraft habe als die in allen Knochen! Ich muss ihr einen Denkzettel geben, das ist es!
(Es läutet, sie stutzen)
Bärli (brummig)
Wollen Sie die Freundlichkeit haben, nachzusehn?
Vinzenz
Aber Sie müssen noch mit mir reden. (Während Vinzenz im Vorzimmer ist, hebt Bärli die Vorhänge, sieht Alpha nachdenklich an, geht zum eisernen Schrank, kann ihn aber nicht öffnen)
Vinzenz (zurückkehrend)
Sie sind mit den Gewohnheiten des Hauses besser vertraut: der Herr hier behauptet Alphas Gatte und für diese Stunde eingeladen zu sein.
(Dr. Apulejus-Halm tritt hinter ihm ein)
Bärli (hochmütig)
Ich bin erstaunt, Sie zu sehen.
Halm (liebenswürdig)
Ich bin aufrichtig erstaunt, Alpha nicht in Ihrer Gesellschaft zu finden.
Vinzenz (den vornehmen Ton parodierend)
Sie fühlte sich leider etwas angegriffen und hat sich zur Ruhe begeben. Sie gab aber Auftrag, zum Warten einzuladen, bis alle Gäste versammelt sein würden. (Er nimmt Halm einen grossen, schönen Blumenstrauss ab und steckt ihn in eine Vase)
Halm
Sie hat mich dringend gebeten, bei der Feier ihres Namenstages nicht zu fehlen.
(Bärli nimmt den Strauss und wirft ihn in eine Ecke. Vinzenz hebt ihn auf, streicht Bärli vorsichtig begütigend den Rücken und steckt den Strauss wieder in die Vase. Er fordert auf, Platz zu nehmen; er und Halm setzen sich. Pause)
Halm (unsicher zu Vinzenz)
Ich bin erstaunt, Sie zu sehen.
Vinzenz
Es ist ja auch viele Jahre her; ich hatte Sie im Dunkel nicht erkannt. Sie waren damals wohliger, dicker sahen Sie aus, sozusagen. Aber wir dürfen uns wohl einen Kaffee bereiten. (Er findet eine Maschine und zündet sie an)
Halm (preziös)
Wenn die Schläferin der Geruch der Schlaflosigkeit nicht stört!
Bärli (rauh)
Lassen Sie mich! Ich bin keine Gesellschaft heute. Ich schreibe jetzt meine Briefe. (Ins Nebenzimmer ab)
Halm (verändert)
Nun? Also?
Vinzenz
Er hat sie auf der Stelle totschiessen wollen, wenn sie ihn nicht heiratet; so eilig hatte er es, dass er sich gar nicht Zeit nahm, erst Ihre Ehe zu brechen, bevor er seine schliesst.
Halm
Ich sehe seinen Wagen seit einer Stunde unten stehn. Versuchen Sie nicht, mich dumm zu machen, mein Lieber.
Vinzenz
Ich kann Ihnen nicht mehr sagen. Er ist übrigens ein sympathischer Mann, finden Sie nicht auch? Ich will jetzt nichts mehr mit der Sache zu tun haben.
Halm
Aber das Geld, das ich Ihnen dafür gegeben habe, haben Sie anstandslos genommen?!
Vinzenz
Pst? Machen Sie keine solchen Wortspiele wie »anstandslos«. Wenn Sie mich noch einmal zu beleidigen versuchen, rufe ich Herrn Bärli, und er bricht Ihnen zweifellos alle Knochen.
Halm (zischend)
Sie sind ein Schurke!
Vinzenz
So! Noch etwas leiser, verliert es viel von seiner Tragweite.
Halm
Schurke!
Vinzenz
Jetzt klang es schon fast so zärtlich, als ob Sie zu mir Putzi gesagt hätten. Sie wissen ja, dass sich Liebende in der Umarmung auch Schimpfworte zuflüstern; es hat einen eigenen Reiz.
Halm (kleinlaut)
Warum haben Sie mich verraten …?! Sie hätten doch noch viel mehr Geld von mir bekommen … (Eifersüchtig). Aber sicherlich hat Ihnen auch Alpha Geld gegeben? Sie hatte immer eine unbegreifliche Schwäche für Sie.
Vinzenz
Hören Sie, Doktor: Ich habe Alpha nach vielen Jahren wiedergesehn. Sie bieten mir Geld, wenn ich die Zusammenkunft benütze, um Ihnen Grundlagen für eine Ehebruchsklage zu liefern, sei es sozusagen aus eigenem, sei es durch Beobachtung der Vorgänge, wenn jener honette Mann Alpha nachhause bringt. Sie haben sich jedoch in mir geirrt, ich habe Ihr Geld nicht genommen –
Halm
Aber was erzählen Sie da?!
Vinzenz
Ich habe Ihr Geld nicht genommen, sondern ich habe es mir geben lassen: das ist ein grosser Unterschied. Ich hatte nämlich in der Eile keinen Grund gefunden, es zurückzuweisen. Und man muss hinzunehmen wissen als Mensch. Ausserdem hatte ich dadurch bis zum letzten Augenblick die Wahl, entweder Ihr Vertrauen zu missbrauchen oder das Alphas, und das war mir äusserst angenehm, denn es sicherte mir eine gewisse Selbständigkeit; Sie wissen ja, dass ich eine kleine Schwäche für Alpha habe. Aber warum handeln Sie nach so vielen Jahren der Ehe so abscheulich?
Halm
Ich muss es Ihnen sagen, ich werde es Ihnen sagen; nun ist es ja wieder misslungen: ich halte es nicht mehr aus, es in mich hineinzufressen, ich bin so unglücklich …! (Er ist ein schwächlicher Mann und weint. Trocknet sein Ziegenbärtchen.) Ich mache mir wenig aus Alpha, wie Sie wissen. Ich mache mir überhaupt nicht viel aus Frauen; sie bestehen aus zuviel Fett und zuviel Ansprüchen. Aber Alpha hätte darin grossartig zu mir gepasst, die sich aus Männern nichts macht und das grosse weibische Getu mit der Liebe nicht leiden mag.
Vinzenz
Pst …! (Warnt ihn mit einer Gebärde zu stören)
Halm
Aber sie schläft ja so fest, wenn sie einmal schläft; sie hat etwas wunderbar Knabenhaftes; wir könnten ja so glücklich miteinander sein. Und dann bin ich ja doch, wie Sie wissen, Kunstschriftsteller –
Vinzenz
Ich habe Ihnen damals den Rat gegeben, sich mehr mit dem Kunsthandel zu befassen?
Halm
Ich kann nur hoffen, dass Sie niemals einen Rat so wenig nötig hatten wie ich den Ihren. – Ich kaufte, wofür ich kritisch einzutreten vermochte, und also vermochte ich kritisch einzutreten für das, was ich gekauft hatte. Mein Wohlstand hat sich im Einklang mit meinen Überzeugungen entwickelt. Ich bin durchaus nicht das Nichts geworden, als das Sie mich einstmals hinzustellen beliebten.
Vinzenz
Gott! Es war eben doch vielleicht nichts als eine gewisse Rivalität. Man hat unwillkürlich eine Neigung zur Ungerechtigkeit gegen die Gatten der Frauen, von denen man sich geliebt glaubt. (Er setzt Kaffee vor)
Halm
Sehen Sie, das ist es! Alpha ist die eitelste Person der Welt, und ich mache mir aus den Männern, die sie lieben, mehr als sie.
Aber sie muss alles haben. Solange sie einen Mann nicht besitzt, sagt sie ihm entzückende Dinge, weil sie wie ein Kind mit den neuen Worten und dem aparten Parfüm seines Berufs spielt. Sie hat eine Sammlung der hervorragendsten Berufsgerüche.
Und diese Idioten fühlen sich geschmeichelt! Da, dem Geschäftselefanten spricht sie von der Musik, den Musiker fragt sie nach der Seeschlacht von Abukir, und dem Historiker liest sie den Kurszettel vor. So macht sie es allen; sie streichelt auf der einen Seite jeden durch ihre Wissbegierde, gibt ihm das Gefühl, dass er ganz einzig ist, und hält ihn auf der andern Seite in Hörigkeit, indem sie ihm das vorwirft, was er nicht ist.
Vinzenz
Sie sagt dem Gelehrten, sie sind kein Geschäftsmann, dem Musiker, sie sind kein Gelehrter, dem Geschäftsmann, sie sind kein Musiker, kurz allen zusammen und jedem: sie sind kein Mensch? Und jeder merkt plötzlich, dass sein Leben blöd ist? Denn das Leben ist blöd.
Halm
Ich sage mit Absicht, Idioten! Diese Atmosphäre von Kunst, welche solche Menschen der Geschäfte, der Tatsachen, der Wissenschaft so auflecken wie der Affe den Schnaps, liefere heimlich ich, der geschiedene Kunstschriftsteller! Ich mache die unerwarteten, zarten und tiefen Äusserungen über Liebe und Leben, die alle etwas aufreizend Kaltes in ihrer Wärme haben. Ich liefere echt weiblichen Reiz des Geistes und die unbestimmten Gedanken, welche soviel umfassender sind als die der Männer. Ich habe seit Jahren alle aparten Einfälle künstlerischer Kleidung und Gewohnheiten geliefert. Alpha hat ja nicht einen eigenen Gedanken! Ich also liefere allen Geist, alle Phantasie, alle berauschende Kühle, verkehre hier im Haus, und diese Idioten, glauben Sie, dass einer mich entzückend findet? Unentbehrlich? Bedeutend? Anerkennt mich einer?!
Mit den Beziehungen dieser Leute vermöchte ich einer der anerkanntesten Männer meiner Zeit zu sein: aber nur die Aufmachung wirkt; wie in der Welt so in der Liebe! Verstehen Sie jetzt, was ich an der Seite dieses Weibes leide?! Ich bin ein denkender Mann, was ich sage, kann ich mit den Autoren belegen, von denen ich es habe; aber Alpha hat es bloss von mir, zwitschert es hinaus, und die Aufmachung mit einem Busen, breiterem Gesäss und so weiter sichert ihr die Aufnahme. Dabei – und das ist das Ärgste! – reizt sie noch durch das Maskuline, das hinter ihrer jungenhaften Weiblichkeit steckt, aber ich bin doch immerhin noch um einiges maskuliner als sie und muss das echte Verdienst hinter seiner Verwässerung und Verfettung zurücktreten sehn!
Das lässt am Wert der Welt verzweifeln und es ist einfach unerträglich, neben ihr zu leben!
Verstehen Sie jetzt, dass ich mich endlich rächen will? Bin ich der Lieferant, so will ich sie wenigstens verkaufen. Der Elefant drin will sie heiraten, wie alle, aber er ist der einzige, wo sie es täte, weil er phantastisch viel Geld hat. Er soll sie mir bezahlen. Er soll sie mir aufwiegen! Er soll nämlich meine Leistung anerkennen!
Vinzenz
Und ein wenig, denken Sie sich, ist eine solche Erpressung auch der leichteste Verdienst der Welt? Man hat ausgesorgt?
Halm
Ich weiss nicht, ob ich das auch denke. Vielleicht denke ich das auch. Man ist wehrlos gegen Nebengedanken.
Vinzenz
Sie sind auch ganz belanglos neben der tieferen Bedeutung. (Es läutet ziemlich heftig)
Das sind die Freier. Öffnen Sie; Sie sind mit den Verhältnissen hier im Haus besser vertraut als ich.
(Halm geht öffnen. Vinzenz tritt unterdessen mit einer Tasse Kaffee bei Bärli ein. Halm kommt mit den Besuchern zurück)
Halm (mit dem Gesäss voraus, ins Dunkel des Vorzimmers dirigierend)
Pst …! Wir wollen ihr hier den Festtisch aufbaun.
(Er rückt einen Tisch zurecht. Die Herren, höflich sich in der Tür wegen des Vortritts umeinander drehend, treten ein)
Der Politiker
Das Schloss unten muss verdorben sein, ich konnte nicht öffnen. Oh, meine Herrn, sonst wäre ich wohl doch schon längst vor Ihnen hier gesessen; man hat Vorrechte als ältester und erprobtester Freund! (Er hält triumphierend einen Doseschlüssel hoch)
Der junge Mann
Wie? Das Schloss? Es kann aber nur am Schlüssel liegen, denn meiner hat ohne Anstand gesperrt. (Er weist den gleichen Schlüssel vor)
Der Politiker
Wi–? Ja, wie? Wie kommen Sie zu dem Schlüssel??
(Dreht ihn, ihn von allen Seiten betrachtend und die Identität konstatierend, in der Hand)
Der junge Mann (zu einem dritten)
Wie, Sie hätten keinen?
Der Politiker (zum jungen Mann)
Aber welche Verdienste? Was im Leben geleistet? Junger Herr, welchen Anspruch haben Sie auf diesen Schlüssel?
Der junge Mann
Aber meine Herrn – ich bin neu – ich weiss nicht – Sie alle sind vor dem Tor gestanden – ich habe mich Ihnen auf der Treppe doch vorgestellt – – –?
(Alle haben inzwischen den gleichen Schlüssel hervorgezogen und halten seine Exemplare vergleichend aneinander. Der eine trug ihn an einer Kette um den Hals, der andre in der Hosentasche, ein dritter in einem Etui)
Musiker (zum Politiker)
Sie standen schon vor dem Tor, als ich kam – ich wusste nicht, dass Sie auch einen Schlüssel haben – – –
Gelehrter (zu beiden)
Ich sah zwei Herren stehn, – es war nicht mein Tag – – –
Reformer
Ja, wenn ich gewusst hätte; aber Sie standen allesamt frierend vor dem Tor, als ich kam – – –!
Politiker
Mein Schlüssel hat eben nicht gesperrt!
Alle
Und wir wussten nicht –!
Der junge Mann
Und ich dachte mir gar nichts dabei. Ich kam als letzter und schloss auf, weil man mir tags vorher zu diesem Zweck einen Schlüssel gegeben hatte.
Politiker
Wie? Sie haben aufgeschlossen?
Der junge Mann
Ja, wer denn?
Alle
Es war mit einemmal offen. Ich dachte – – – Dachten Sie etwas? – – – Nein, es kam mir ganz natürlich vor – – – Schliesslich, ich gab mir keine Rechenschaft, ich dachte wohl schliesslich, ich hätte selbst geöffnet! (Einer zum andern) Aber sagen Sie, wie lange haben Sie schon den Schlüssel?
Halm (ist, gegen den Lärm protestierend, hinzugetreten)
Aber, meine Herrn, Sie wecken Alpha auf, bevor wir fertig sind! Was ist denn dabei?! Jeder will einmal im vollen Zauber der Einsamkeit plaudern, und dazu gehört doch eine Einteilung und ein Schlüssel, weil sonst die Leute im Haus Übles denken würden.
Musiker (für sich)
Aber es muss doch ein Missverständnis sein. (Sondert sich ab)
Politiker (zu Halm)
Nun wenigstens Sie haben doch bestimmt keinen Schlüssel?!
Der junge Mann
Ich glaube, ich kenne den Herrn noch gar nicht. Mein Name ist Marek –
Halm (herablassend)
Apulejus-Halm.
Politiker
Er gehört nämlich nicht in unsern Kreis, er ist der Gatte, ho, ho …
Halm
Pst! Pst! Lärmen Sie nicht so …
Politiker
Ernstlich, er gehört nicht zu den Freunden seiner Frau. Es ist ihr unangenehm, wenn sie an ihn nur erinnert wird. Sie leben getrennt. Wirklich: wie kommen Sie gerade heute her?
Halm
Es ist nicht halb so schlimm, wie Sie machen, Herr Nationalrat. (Ablenkend) Sehen Sie!
(Er weist auf den Musiker, der auf den Festtisch eine Partitur geöffnet hingelegt hat und eben mit einem Bleistift noch etwas hineinschreiben will)
Politiker
Ich finde einen Musiker immer etwas lächerlich.
Gelehrter
Eigentlich eine völlig untatsächliche Existenz.
Alle
Können Sie eigentlich verstehn, wie ein Mensch Musiker sein kann?
Musiker (währenddessen, einsam, vergessend)
Im Grunde ist die Welt Musik. Es ist das Höchste. Ich danke Dir, Herr, dass die andren nicht wissen, dass Du die Seele Deines Engels Alpha nur mir geschenkt hast.