Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 61

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Vinzenz

Hätte ich nur den geringsten Defekt! Ich wäre unwiderstehlich! – Ich hätte dann eine Manie, ein Steckenpferd, eine heimliche Perversion, eine Sendung, ich wäre Künstler, Liebhaber, Gauner, Geizhals, Bürokrat, mit einem Wort irgendein bedeutender Mann und hätte den Ernst des Lebens. Aber ich bin heillos gesund. (Er betrachtet ungeniert Halm) Ich sehe doch alles ganz klar um mich, einen Stieglitz von Ernsten. Jedoch ich bin ein harmonischer Mensch, ich habe dieses Unglück; während jeder andre in einer Farbe angestrichen ist, bin ich harmonisch gesprenkelt. Und natürlich brauche ich mir nur ein wenig unter die Federn sehn zu lassen, so glaubt jeder, ich sei so angestrichen wie er.

Halm (gemessen, aus erreichter unnahbarer Höhe)

Sie sind ein Hochstapler. Das ist festgestellt.

Vinzenz

Aber höchstens wenn ich mich einsam fühle; aus sozialem Empfinden sozusagen, mache ich von meiner Mehrfarbigkeit Gebrauch und tue zuweilen, als ob ich ein Hochstapler wäre. (Zu Alpha) Meine einzige Hochstapelei besteht darin, dass ich keiner bin. (Er reicht Alpha die Hand) Sei mir nicht bös. – Und lass ihn doch nicht so lang warten.

Alpha (zuckt enttäuscht die Achseln. Sie hat nun ihren Entschluss gefasst)

Was wollen Sie mit den Blumen?

Halm (den Strauss hebend)

Unsre Freunde werden Ihnen doch wohl schon gesagt haben. Ich darf hoffen, dass nach – nach der Unzuverlässigkeit Sie die treue Anhänglichkeit eines Gatten wieder zu schätzen wissen.

Alpha (nimmt die Blumen)

Lieber Halm, ich schätze Ihr Verdienst. Ich werde Ihnen auch gleich antworten. Aber bitte, Sie müssen mich vorher noch mit jemand verbinden. Ich gebe Ihnen die Nummer. (Sie sucht im Telefonbuch)

Halm (währenddessen zu Vinzenz)

Sie sind nun erledigt. Aber kann ich Ihnen vielleicht irgendwie weiterhelfen?

Vinzenz

Ich möchte Bedienter werden: Haben Sie vielleicht eine Empfehlung?

Halm

Bedienter? Köstlich.

Vinzenz

Am liebsten würde ich es bei Ihnen; da kenne ich schon einigermassen die Verhältnisse.

Halm

Sie möchten sich wohl gar zu gerne noch jetzt lustig machen. Aber die Verhältnisse haben sich geändert!

Alpha

Hier, lieber Halm, diese Nummer rufen Sie mir bitte an.

Halm (während er verbindet)

Das ist ein sehr bedeutender Mann, dieser Baron Ur auf Usedom.

Vinzenz (misstrauisch zu Alpha)

Das ist doch nicht der, welcher einmal bei uns in der Loge sass, dieser kleine Schimpanse?

Halm

Ein unermesslich reicher und bildungsfreundlicher Mann.

Vinzenz

Am Kopf hat er einen ekelhaften Ausschlag?

Halm

Der ist in der Heilung begriffen. – Ja, hier Halm, Doktor Halm, Gatte der Frau Alpha, ja, meine Frau kommt selbst.

Alpha

Ich danke Ihnen, Halm. Hier Alpha.

… Oh? …

(Sie hört zu, ohne zu antworten. Die Männer stehn schweigend)

Alpha (unterbricht das Gespräch, deckt die Sprechmuschel mit der Hand ab und wendet sich an Vinzenz)

Du willst also wirklich gehn?

Halm

Natürlich, er muss gehn!

Alpha (nimmt das Telefongespräch wieder auf)

Also, Sie können in einer halben Stunde hier sein. Verschwenden Sie sich nicht vorher. (Sie hängt ab) Sie wissen, was es bedeutet?

Halm

Nein?

Alpha

Er hat mir vor drei Wochen einen Heiratsantrag gemacht.

Halm (schüttelt bewundernd den Kopf)

Ach, ach!

Alpha

Den ich abgewiesen habe.

Aber ich hatte ihm eins zusichern müssen: Wenn ich meinen Entschluss je bereuen sollte, es ihm auf dem kürzesten Weg mitzuteilen. (Sie lässt sich erschöpft, mit mühsam geheuchelter Gleichgiltigkeit, in einen Stuhl fallen)

Halm

Aber Alpha, eigentlich sind ja doch wir verheiratet, wir sind ja noch nie richtig geschieden worden!?

Alpha

So? (Müde) Dann laufen Sie bitte zu einem Rechtsanwalt und bringen Sie die Sache doch in Ordnung. Ich will mit solchen unpassenden Geschichten nichts mehr zu tun haben. (Zu Vinzenz) Und Sie?

Vinzenz

Du bist fabelhaft. Ich bewundere nichts so sehr wie Deine Eitelkeit; die fehlt mir; das ist Deine stärkste Eigenschaft.

Alpha

Aber es wird Ihnen doch jetzt schlecht gehn?

Vinzenz

Da mich Halm abgelehnt hat, werde ich als Bedienter bei einer Lebedame beginnen oder bei einem Börsenmann.

Alpha

Aber das ist doch nicht Dein Ernst? Wir haben wenig Zeit, Vinzenz.

Vinzenz

Es ist, was ich so meinen Ernst nenne. Findet man sein eigenes Leben nicht, so muss man hinter einem fremden dreingehn. Und da ist es das beste, es nicht aus Begeisterung zu tun, sondern gleich für Geld. Es gibt nur zwei Möglichkeiten für einen ehrgeizigen Mann: ein grosses Werk zu schaffen oder Bedienter zu werden. Für das erste bin ich zu ehrlich; für das zweite reicht es gerade noch.

Wenn Du aber vielleicht einmal Lust bekommen solltest – ich fürchte nämlich doch, Du könntest durch Deinen übereilten Schritt noch sehr unglücklich werden –

Alpha

Soll ich wohl in das gleiche Haus kommen? Du verschaffst mir, wo Du bist, eine Stelle als Dienstmädchen?

Vinzenz

Nein, wollte ich Dich bitten, in ein andres Haus zu gehn; wir sind einander vielleicht doch zu ähnlich.

ENDE

Aus dem Nachlass

Szenen und Motive (1901 – 1927)

Der Letzte

Bloß beim Klavier brennen in schweren broncenen Leuchtern zwei Kerzen. Hie und da huscht von ihnen ein Licht über die Politur. In dem Raume liegt ein feiner Duft, ein sinnlicher, abgetönter Atem. Manchmal stechen die schwarzen Umrisse eines Möbels aus dem Dunkel.

Der Diener: Soll ich Licht machen?

Der Herr: Nein – warte noch. Setzt sich an den Flügel, spielt.

Der Diener: Soll ich Licht machen?

Der Herr: Noch nicht.

Der Diener: Es ist schon sieben Uhr.

Der Herr: Warte noch – ist gedeckt?

Der Diener: Ja.

Der Herr: Der Wein gekühlt?

Der Diener: Ja.

Der Herr: Fehlt nichts?

Der Diener: Nein, Herr.

Der Herr: Und mir ist doch, als ob heute noch etwas fehlen müßte.

– (Es läutet.) – Geh – öffne. Geh – geh. – Ah – (Dreht einen Leuchter auf. Man sieht einen für zwei Personen gedeckten Tisch) – (Horcht auf die Stimmen – die Spannung seiner Züge läßt nach. Resignation.)

Der Diener: Die Zeitung, Herr.

Der Herr: Sag, wieviel Uhr ist’s (nimmt die Zeitung und blättert darin – fährt plötzlich zusammen)

Der Diener: Halb Acht.

Der Herr: (zerstreut) Halb Acht? – so – so – wieviel – Halb Acht – ja du sagtest es gerade. Halb Acht. Sie sollte schon da sein. Nein sie wird verhindert sein. Ich werde warten.

(Der Diener will sich zurückziehen)

Der Herr: Nein bleib – ich will nicht allein sein. (geht auf und ab) Da lies mir vor.

(Der Diener schickt sich an, die Zeitung zu entfalten)

Der Herr: Nein – nein – es geht nicht – laß das. (blättert hastig) Was steht da?

Der Diener: Duell: Heute vormittags fand in der Reiterkaserne ein Pistolen-Duell zwischen dem Leutnant X und dem Rechtsanwalt Y statt. Der Leutnant, welchem die Kugel die Lunge zerriß, blieb sofort am Platze.

Der Herr: Ja. – Das steht also da. (Seine Schritte werden immer hastiger. Mit einer plötzlichen Bewegung dreht er das Licht ab, so daß wieder nur die beiden Kerzen brennen)

Der Diener: Der gnädige Herr sind erregt.

Der Herr: wirft sich nach einigen Schritten in einen weiten Stuhl. – Schweigen – Was lasest Du vorhin? – Handelte es sich nicht um einen Leutnant S.?

Der Diener: Ja – vom dritten Husarenregiment.

Der Herr: Und, tot?

Der Diener: Ja. Der Herr … So – so – Wie viel Uhr – (Es schlägt Neun)

Der Diener: Wollen der Herr nicht essen?

Der Herr: Nein, ich werde noch warten. Neun Uhr – da ist es zwar nicht mehr wahrscheinlich … Du kannst auf Dein Zimmer gehen – ich öffne selbst.

(Krachen in den Möbeln, Rieseln in der Wand, einmal fällt eine Blume vom Tisch auf die Erde. Plötzlich erwacht Robert – die Kerzen sind stark herabgebrannt – sieht auf die Uhr – halb zwölf)

Es läutet. – Robert fährt zusammen.

Robert: – Unmöglich – zu spät – ich muß mich getäuscht haben. – (Geht zögernd ins Vorzimmer) Tritt wieder ein. – Täuschung – Hinter ihm ein großer, schlanker, bildhübscher Kavallerieoffizier in langem Mantel. Robert sieht im Spiegel, daß er nicht mehr allein ist, fährt jäh herum und droht zusammen zu stürzen: … Benno?! …

(Plötzliches Flackern des Lichtes. Nachdem es wieder ruhig brennt, ist nichts mehr zu sehen. Nur hie und da verdichtet sich der Schatten in irgend einer Ecke)

Der geprügelte Sokrates: Warum glauben wir, daß er dabei fein lächelte?! Warum sprechen wir von Decadence ohne decadent zu sein. Kann ein Gelähmter Pathos haben? (Pathos der Körperbewegungen.) Ein ganz starker Geist ist unreinlich.

(Bloß beim Klavier brennt eine Kerze in einem Leuchter der eine Schlange darstellt)

Ich sehe eine Landschaft – das Bild einer Gasse – und Menschen werden in mir lebendig, die nahe wohnen – ein wahnsinniges Vergnügen. – Man nennt es künstlerische Inspiration. (Bei Betrachtung eines Bildes im „Studio“.)

Theaterzettel

Der Eine …

Seine Frau …

Der Andere …

Ein Hausarzt …

Nebenpersonen.

Die Ältere und die Jüngere

1. Stimmung, in der man zu einer einst Halb-Geliebten zurückkehrt. Und vom globus intellectualis usw.

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1. Die Ältere und die Jüngere

Szene vor dem Bild (aber nicht so spät am Abend). Anklingen des Illusionismus. Anklingen der Stimmung, müd vom globus intellectualis. Anklingen des Menschen, der so ist wie ein altes Bild. Anklingen des Eheschicksals. Hie und da ein Anklingen des Rückkehrens zu einer einst Geliebten. Szene unterbrochen durch Edmund und Martin Cohn, die nacheinander sich erkundigen kommen. Die Ältere in der vornehmen Lässigkeit des Besitzenden ihnen gegenüber. (Der wieder Hand auf seinen Besitz legt.)

2. Szene zwischen Edmund, Martin Cohn und Martha. Es dämmert durch, daß ihr ihre Liebhaber etwas Ununterschiedenes sind. Es wird klar gesagt, daß sie zwar selbst einem Menschen wie der Älteren das sein kann, was er sucht, aber schon einem Menschen wie Edmund oder Martin Cohn noch nicht das, was ihn hält.

3. Szene zwischen ihr und der Jüngeren – Idyll, Vorfrühling. Er ist ihr das noch nicht verwärmte, und verschwülte und zerknitterte Leintuch, er ist Kühle, Tau, Vorfrühlingsstimmung. Sie erzählt ihm von ihrem Verhältnis zu dem Toten. Eben weil sie ein Bedürfnis hat nach den Szenen mit den Liebhabern das einem jungen Menschen zu erzählen.

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4. Szene zwischen der Älteren und ihr.

Übergehen von einer Lebensstimmung (müd und skeptisch) in eine andre Lebensstimmung, zwischendurch eine Seelenverschlingung. I, III, II

Schlemihl

I. Akt: Der Schatten. Der große Graue.

II. Akt: Die Verlobung.

III. Akt: Resignation.

Schlemihl der Mann, der sich fürchtet eine Besonderheit zu haben. Keinen Schatten. Bloß keinen Schatten, der doch eigentlich nur etwas Negatives, eine Minderung des Lichts ist. Aber diese kleinen weichen Schatten sind das gute, hausbackene, bürgerliche Glück; dieses so nette Glück. So ein kleiner Schatten gehört auch zu der Liebe zu diesen so guten, netten Mädchen, die er sich versagen muß. Und andrerseits muß man zugeben, daß einer, der keinen Schatten hat, immer schon ein wenig des Teufels ist. Schlemihls Schuld ist seine Bürgerlichkeit, sein Sich-nicht-zu-seiner-Schattenlosigkeit-bekennen-Wollen, seine Unfähigkeit, ein Genie daraus zu machen. Was könnte er nicht alles mit seinem Geld erreichen? Die beiden Prinzipien sind in den zwei Dienern verkörpert. Die freundliche, runde Tugend siegt. Das geniale Prinzip geht zugrunde. Aber Schlemihl resigniert.

Mitteldeutsche Juni-Landschaft. Vor dem Tor Stadtrat – Bürger – junge Mädchen – Volk. – Man sitzt auf dem Rasen vor der Straße – auf Steinen – unter Bäumen – steht in Gruppen umher. Gruppenweise Diskussionen – einige essen aus mitgebrachten Körbchen – ziehen Obst aus der Tasche – Kinder springen umher. Um einen Baum tanzen Kinder Ringelreihen. – Ein Schlingel oben schreit plötzlich: Er kommt, er kommt. Die Kinder stehen still – die Gruppen lösen sich auf und drängen zur Straße, alles streckt die Köpfe. – Eine Bürgersfrau: Wo hast du ihn gesehen? Der Bub: Beim Kirchdorf wirbelt Staub. – Pause – Erwartung – Mädchen und Frauen glätten die Kleider – man ordnet sich. – Ein Bursche ist auf einen Ast gestiegen: Ei, Schlingel, ein Bauernwagen ist’s! – Gelächter, Entspannung, man gruppiert sich wieder zwanglos. Ein Bürger: Herr Bürgermeister, ist es wirklich wahr, daß er ein Schloß in unserer Gegend bauen will? Bürgermeister: Es soll so sein. Bürger: Und daß der König selbst drei Wochen des Jahres bei uns wohnen wird? Bürgermeister: Die Behörde hofft es. Zweiter Bürger: Nein, sechs Wochen. Bürgermeister: Die Behörde hofft es. Dritter Bürger: Nein, neun. Bürgermeister: Die Behörde hofft es. Mehrere Bürger und Bürgerinnen treten hinzu – junge Mädchen in respektvollerem Abstand horchen. Ein zweiter Bürger: Herr Bürgermeister, ist es wirklich wahr, daß er der Lieblingssohn des Königs? Eine Bürgersfrau: Und unermeßlich reich? Dritter Bürger: Man sagt, der König selbst …? Zweite Bürgersfrau: Er soll jung sein und schön … Ein junges Mädchen: Und gut und edel … Dritte Bürgersfrau: Und noch nicht verheiratet … Vierte Bürgersfrau: Was kümmert’s dich? Die deine wird er nicht frein. Viele: Aber was führt ihn nur hieher. Bürgermeister: Fragt nicht so viel, denn es genügt, wenn nur Obrigkeit von allem weiß, – und wichtige Gegenstände wollen sekret behandelt sein. Wir haben Nachrichten aus Berlin vom Hofe – richtet Euch nur in allem nach mir. Der Bursch auf dem Baum: Der Kurier des Königs! Raskal springt vom Pferd, schiebt sich durch die Menge, auf den Bürgermeister zu. Man weicht respektvoll aus und drängt hinter ihm nach.

Rascal sagt: Herr Bürgermeister, die Hoheit seiner Person ist nahe. Bürgermeister: (mit tiefer Verbeugung) Meine Untertänigkeit, Herr Ober … Rascal: (ihm nachhelfend) Herr Oberceremonienvorreiter. Bürgermeister: Die Person seiner Hoheit geruht … Rascal: (unterbrechend) Nein, lieber Bürgermeister, die Hoheit seiner Person: So heißt es jetzt nach der letzten Hofmode. Nicht die Person seiner Hoheit naht, denn ihr dürft doch nicht glauben, daß höchst diese Person sozusagen persönlich Euch nahen und plötzlich unvermittelt unter Euch sein kann. (Steckt die Nase in die Luft, witternd.) Spürt Ihr es nicht? Die Hoheit, die wie ein linder huldvoller Wind voraus weht und Euch mit ihrem Parfüm erst würdig macht vor ihrem Träger zu bestehen … Fühlt Ihr es nicht, Bürgermeister? (Alle schweigen respektvoll, einige halten die Nase gegen den Wind.) Rascal: (sich rasch vom Bürgermeister abwendend, hält unter den Bürgern, Bürgerinnen und Mädchen Musterung wie ein General) Hier diese Schleife, liebe Frau, schön, schön, aber ein wenig mehr nach links, wenn ich bitten darf, in den Schatten dieser rosigen Hügel und in die Nähe dieses untertänigen Untertanenherzens. (Er schreitet weiter, zieht einem Bürger die Weste stramm, klopft einem jungen Mädchen auf die Backen, kommt so zur Frau Bürgermeisterin, die einen Blumenstrauß in der Hand hält.) Rascal: Eure Respektabilität wollen entschuldigen, es liegt mir natürlich fern, einer so würdeschweren Magistratsperson gegenüber auch nur die geringste Kritik laut werden zu lassen, allein Eure Magnifizenz werden gewiß nicht übel nehmen, wenn ich mir respektvoll und ehrfürchtigst den Hinweis gestatte, daß für solche offizielle Gelegenheiten von Berlin aus jetzt eine neue Mode des sozusagen persönlichen Arrangements creiert und von oben gerne gesehen wird. (Er nimmt ihr den Blumenstrauß aus der Hand, bindet ihn auf und besteckt die Bürgermeisterin mit Blumen: beiderseits im Haar, an der Taille, in den Schlaufen des Rocks, zum Schluß hinter beiden Ohren. Währenddessen Bürgerinnen und Mädchen untereinander: Wie fein er spricht, und galant; das ist doch etwas anderes als unsere Heinz und Peter … ja ja, die Luft der Hoheit (Strecken die Nasen gegen den Wind) Rascal: Schön seid Ihr, Magnifizenz und wie es sich gebührt. (Bürgermeisterin sieht verlegen lächelnd grad aus.) Ein kleines Mädchen: (zieht Rascal am Rock) Du, kommt der König bald? Rascal: Der König? … ja … gleich wird er da sein. (Zu den Übrigen) Ich höre bereits das Geräusch seines Wagens, nach der Stärke des Schalls ist er genau drei Kilometer weit. So etwas muß man nämlich zu hören verstehen als Hofkurier. Im Übrigen und à propos, liebe Leute, der König, das will heißen der Prinz, das will heißen … ja, liebe Leute, das ist noch so eine Sache, Ihr müßt nämlich wissen, man nennt das nämlich, in Berlin, sag ich, bei Hofe, nennt man es in cognito reisen. (Rund herum:) Incognito. Das heißt: Der Prinz, der sogar mal ein König sein wird, liebt es nicht, in seinem vollen Titel zu reisen, ich sage: Euch zuliebe, aus Leutseligkeit, aus Huld sozusagen liebt er es nicht. Ihr werdet verstehen, er wünscht gewissermaßen, den Abstand zwischen sich und Euch zu verringern … – (Die Bürger machen längere Gesichter. Rascal merkt es, fortfahrend) Die ungeheuerlichsten Aufschneidereien von seiner Huld und seinem Reichtum.

II. Szene – Schlemihl kommt mit Bendel – komische Verwicklungen daraus, daß Bendel den fehlenden Schatten Schlemihls zu verdecken sucht und der Magistrat und die Bürger das für ein unbekanntes Zeremoniell halten, und von Rascal angeeifert, es grotesk nachzuahmen versuchen. (Einmal geht der Graue vorbei.)

III. Szene. An der selben Stelle. Abends Gartenfest. Einige Bürger unterhalten sich zunächst über das denn doch Sonderbare dieses neumodischen Benehmens (wie in China.) Dann kommt Schlemihl. Liebesszene mit Mina. Mondszene mit erschreckt – kichernd – menschlichen anderen Mädchen, die ganz die Hoheit vergessen und nur den komischen Menschen ohne Schatten sehen.

II. Akt.

Schlemihl will sich einen Schatten malen lassen. Der Professor weigert sich. Schlemihl bricht zusammen und schüttet Bendel sein Herz aus. Erzählt ihm warum er keinen Schatten hat, erzählt nun die Geschichte vom Grauen, von Fanny, und seinen Schmerz darüber, daß ihm die Kinder und junge Mädchen ausweichen. Steht mit Mina vor der Entscheidung. Bendel warnt ihn vor Rascal. Sie erwarten den Grauen. Es dämmert. Kerzen flackern, eine Uhr rasselt, eine Blume fällt vom Tisch, eine Tür springt auf – Erwartungsspannung, aber der Graue kommt nicht. – Sie gehen endlich – jetzt kommt Rascal, stiehlt aus den Schränken Geld und Kleinodien, enthüllt irgend etwas von seinen Absichten.

2. Szene. Im Garten. Mina und Schlemihl. Mina erzählt, daß Rascal um sie angehalten hat – Schlemihl eröffnet sich ihr – Der Mond geht auf, der Schatten fehlt, der Graue ist da. Mina will, daß Schlemihl unterschreibt, Schlemihl ist zu mattherzig. – Es kommt dann der Vater und ist frech gegen Schlemihl. Rascal will den Schatten sehen.

III. Akt.

Schlemihl ist weg, schläft, träumt, der Graue versucht ihn wieder, sitzt zu seinen Häupten, philosophisches Gespräch – Schlemihl wacht auf, sieht einen Schatten, stürzt darauf, merkt an Bendel, daß der ihn nicht sieht. Bendel stürzt dem Grauen nach. Schlemihl geht in der Tarnkappe in den Garten. Mina kommt. Schlemihl ruft sie mit der Stimme der Erinnerung an. Erlebt diesen selbstquälerischen Reiz, bricht zusammen. Der Graue ist wieder da (sitzt ohne daß er ihn bemerkt, neben ihm auf der Bank Schlemihl … Schlemihl) – sie feilschen wieder, Schlemihl packt seinen Beutel und schleudert ihn ins Wasser.

IV. Akt.

Mina und Bendel führen ein Erwachseneleutegespräch.

Bendel: Du hättest es ihm doch nicht raten dürfen.

Mina: Ich seh’s ja heute ein, aber wenn man jung ist, ist man so leichtsinnig und unmoralisch. Schlemihl wacht auf. Erzählt ihnen von seinen Reisen: Ich hatte schwere Erlebnisse, aber da ließ mich meine Fee diese Stiefel finden usw. Sie schütteln die Köpfe und denken, er stehe noch unter dem Einfluß des Fiebers. Schlemihl läßt sich seine Geschichte von ihnen erzählen. Dann schreibt er den Zettel und geht weg.

Toilettezimmer

1. Akt. Toilettezimmer. Im Empfangszimmer muß der Ofen repariert werden.

1. Die Dame, der Friseur, die Zofe

2. Der Friseur (packt zusammen usw.) und die Zofe

Die Dame ist einstweilen in ein anderes Zimmer gegangen, damit aufgeräumt wird.

3. usw. Die verschiedenen Besuche werden im Toilettezimmer empfangen.

Zirkus

Vorspiel. Durch das Zimmer weht Wind. – Er macht sich fertig.

Die Negerin tritt auf, deren Handflächen scharlachrot sind, die Kunstreiterin.

1. Zirkus – „Wanderzirkus vor 100 Jahren“. Er ist mit Schwiegervater (Deutschamerikaner) und Braut. Sie wollen nach Schluß weggehen, soupieren. Er will nicht mit. Er hat Auftritt mit Schwiegervater deshalb. Bleibt. Die Nette, Kleine kommt ans Eck der Bühne. Gehört schon ihm.

2. Er hat den Wanderzirkus engagiert. Sitzt in elegantem Reiseanzug an der Kasse. Hat Szene mit ihr, die gewöhnlich wird. Die Männer bedrohn ihn. Es ist Schluß. Der Schwiegervater nimmt ihn wieder auf. Die Tochter war unglücklich, seit er fort war, er war nur exzentrisch.

3. Toiletteszene am Morgen. Mit allen Details. Gleichmaßtag, der anfängt. Ein Brief kommt, verbirgt ihn. Hinterzimmer öffnet sich – Zirkus – Er Pierrot, ein weibliches Kostüm. Daneben die Frau in Straßenkleidung. In Kostüm nur Unwirklichkeit Tragik Selbstmord – Mord und dergleichen.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
10 haziran 2026
Hacim:
5257 s. 13 illüstrasyon
ISBN:
9782377871742
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