Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 62

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Dreißig Jahre

A. Wie alt sind Sie?

B. Dreißig Jahre.

C. Aber wieso? es fehlen ihnen doch noch zwei Jahre!

B. Nun ja, aber schließlich ist das ja doch nur eine Frage der Zeit.

Ehe

Der Herr: Johanna, Sie haben heute wieder einen Knopf zertrümmert.

(Das Mädchen lächelt entschuldigend)

Der Herr: Nun ja, Sie lächeln ihr süßestes Lächeln, aber davon wird er nicht ganz.

Die Frau – später –: Wie kannst Du mit dem Mädchen so sprechen!

Der Herr: Es war doch ironisch gemeint.

Die Frau: Du weißt sehr gut, daß sie das nicht versteht und es doch zum Teil als eine Schmeichelei nimmt. Das wolltest Du auch.

Der Herr: Nun ja, sei nicht bös.

Ehe:

Er: Wenn Du Schnupfen hast oder Nasenbluten, nimmst Du immer meine Taschentücher!

Eine Szene muß für sich selbst sprechen

Ein Mann von sechzig Jahren ordnet Liebesbriefe. Er wohnt noch immer in einem möblierten Zimmer.

Eine Greisin mit „schönem Gesicht“, dunklen Augenhöhlen, Habichtsnase, die noch Erotik braucht. Sie sagt ihrer Dienerin: Ich habe noch heute in den Spiegel gesehn, mein Körper hat einen eigenen streng linearen Reiz. Sie geht, weil sie nichts anderes findet, auf die Straße und wird verprügelt.

Eine Szene muß für sich selbst sprechen, Umriß haben und dergleichen. Aus solchem bloßen Vorsatz heraus ist natürlich noch keine Szene zu finden. Wohl aber gibt es auch in der Situation Banalitäten, wie mein Warten auf Josef, eine Situation, die jedem, der davon hört, gleichgültig bleiben oder ihn langweilen würde. Die zu vermeiden, muß einem diese Regel gelten. Es findet sich dann wohl schon Besseres.

Im Höhepunkt eines Stücks

Im Höhepunkt eines Stücks muß sich der Held rasieren lassen –

Au, geben Sie doch acht – mildes Einseifen. Stimmungsumschlag –

Sie essen – mit dem Essen wächst der Appetit – behaglich volle sinnliche Stimmung.

Inkongruenz

Inkongruenz: Die Personen sagen etwas, das an und für sich ganz richtig ist, aber momentan deplaziert; durch die Situation widerlegt wird.

Schildert die Steifheit englischer Sitten. Daß man einen anderen vorstellt, um sich durch ihn vorstellen zu lassen. Macht zugleich den alten Trick, daß zwei alte Spießgesellen miteinander von Ahnungslosen offiziell bekannt gemacht werden. Lenkt dadurch die Aufmerksamkeit von 2) ab, während ein deutscher Lustspieldichter 2) mit Blicken und Winken unterstreichen würde.

Drei Dialoge

Drei inhaltsreiche und formschöne Gespräche über Hauptprobleme des philosophischen, religiösen und sittlichen Denkens. Die Unterredner sind der greise Theologos und der jugendkräftige Kosmophilos, beide edle, sympathische Gestalten, die im Faust ihre Vorbilder suchen. Was ist Philosophie? Was ist das Wesen der Religion? Das sind die Fragen des ersten Dialogs, über die sich die beiden in edler Toleranz einigen … Ins Gebiet des Sittlichen führt der zweite Dialog. „Den Ewigkeitswillen durchzusetzen gegen die Augenblicksbegierden ist Pflicht.“ So Kosmophilos. Da erscheint Panthea, sich ihm zu vermählen, nachdem er ihr den Schwur geleistet, daß in ihm dieser heilige Wille lebe. Gott, Lebens- und Weltanschauung sind die Gegenstände des dritten Dialogs, dessen Höhe des Kosmophilos’ Preis des Optimismus und der Persönlichkeit bildet. Ein kurzes Schlußbild zeigt den Bund des Kosmophilos und der Panthea gesegnet mit einem Kind „fruchtbarer Zukunft“. Kosmotheos Theologos wird der Pate des Kindes, das in der Religion seiner Eltern der „Religion des Alls“ getauft wird. Ihren Sieg, ihre Bedeutung feiert das Ganze.

Narrenschiff

Arbeitsschule. Begabungsschule. Stufenschule? – Typenschule. Das Freundinnenpaar und der Sekretär.

Eva: Oh, wenn ich Gott wäre, ich hätte den Plan bis ins Kleinste. (Mit ein wenig Selbstironie, aber doch mit dem Willen zur Rücksichtslosigkeit.)

Er: macht Einwände eigentlich immer vom Unberechenbaren her. Das logisch Starre ist ihm schrecklich. Aber es könnte doch auch irgendwie anders kommen

Als er weg ist, die Bewundernde: Merkwürdig, wie wenig großzügig Männer doch denken.

Revue. Großmütterchen schläft

1. Bild. Ohrenstuhl. Großmütterchen schläft. Enkelin Zehenspitzen. Küßt auf Stirn. Ein süßes Menuett wird gespielt. Erwachen, nimmt Brille ab. Puderquaste, Lippenstift, Spiegel. Steht auf, schüttelt das rabenschwarze Haar. Eine Frau in den besten Jahren. Zeitgemäße Musik. Mutter glückwünschend hereinstürzend: Liebe Mama. Sie küssen sich alle drei. Sie richten sich alle drei her. Die Musik spielt: Auf dem Berge Ida …

2. Bild. Es ziehen die Männer ein, in Kinderuniform.

Österreichisches Reisebüro

Taubenstrasse. Kein Andrang, das Büro ist völlig leer. Eine Dame verlangt Einzelprospekte von den Sommerfrischen in der Umgebung Innsbrucks. Man gibt ihr etwa sechs Zettelanzeigen, von denen einige nicht einmal Preisangaben enthalten; von anderen bekannten und wichtigen Sommerfrischen fehlen die Prospekte am Büro. Als Ersatz wird der Dame ein Reiseführer durch Tirol angeboten, Preis M. 1,80. Die Dame lehnt ab, da ihr damit nicht gedient ist, und nimmt die sechs kleinen Anzeigen. Auch eine Broschüre über Innsbruck und Umgebung lehnt die Dame ab. Man berechnet ihr 40 Pfennig für die unzureichende Auskunft. Die Dame sieht erstaunt aus.

Auskunftsherr: Nirgends werden Prospekte gratis abgegeben.

Die Dame (zahlend:) Nach meiner Erfahrung ist das österreichische das einzige Reisebüro in Berlin, wo man für solche Anzeigen zahlen muss.

Der Herr: Also, Sie wollen sagen, dass ich lüge?!

Die Dame: Nein, das will ich nicht sagen; aber ich will sagen, dass ich noch gestern in anderen Reisebüros verschiedene Prospekte, darunter grosse, gratis erhalten habe.

Der Herr (zu einem in der Nähe stehenden zweiten:) Sagen doch Sie der Dame, dass wir diese Vorschrift erhalten haben!

Der zweite Herr: Bis vor etwa vierzehn Tagen haben auch wir für Prospekte nichts berechnet; aber jetzt ist es nirgends mehr erlaubt, nirgends!

Ein dritter Herr: (Stürzt aus dem Hintergrund aufgeregt hervor, wird kurz informiert und fängt an zu schreien:) Das ist doch unerhört! Unerhört! Was fällt Ihnen ein?! Das ist ja unglaublich!! (Er gestikuliert mit erhobenen Fäusten über den Ladentisch hinweg der Dame ins Gesicht.)

Die Dame: Wie können Sie sich erlauben, so zu schreien!

Der dritte Herr: (schreit:) Ich kann mir erlauben, was ich will! Ich benehme mich hier, wie ich will!

Die Dame: Ich werde mich beschweren!

Der dritte Herr: Beschweren Sie sich bei wem sie wollen!

Die Schildkröte

Der Ältere und der Jüngere

Bibliothek (der Ältere schickt die Bücher immer nach Hause) Lampe – der Vorhang geht auf. Der Jüngere sitzt vor dem Bild, legt eben ein Buch weg und sieht zum Bild auf – durch die Tür tritt im selben Augenblick der Ältere ein – bemerkt die Situation des Jüngeren –.

„Sag, hat sie das wirklich selbst gemacht?“

„Soviel Schmerz usw.“

Der Ältere schickt den Jüngeren schlafen, dann kommt sie. – Sie sprechen vom Haus und von Martha. Der Ältere sagt, wie es mit Martha ist. – Dann kommt die Szene zwischen Martha und ihm –. Ich liebe dich nicht, aber ich liebe deine Erniedrigungen, ich liebe das Leben in dir. – Er will sie schlecht haben. – Er macht sie sehnsüchtig nach dem Jüngeren und zugleich geil nach sich. Die Pointe ist bloß ein durch die Tür gehen oder ein auf die entblößte Schulter küssen und dergleichen. Aber alle Perversitäten müssen darin anklingen. Der Ältere fühlt wieder diese weit vorausdämmernde Stimmung eines Illusionen Suchenden, ohne sie begreifen, sich begrifflich entscheiden zu können, wie den tiefsten Ton jenes Lebens.

Er fühlt das Veränderliche durch die Zeit, weil das Genie für den Jüngeren zu etwas ganz anderem wird.

Warum bist du so heftig; sie braucht Ruhe um mit dir sprechen zu können.

Natürlich.

Dann kommt sie, ißt aber nicht mehr mit.

Und was sagte sie von Martin?

Das von der Ruhe –

Und das von dir darum …

Das sagte sie nicht.

Das dachtest du dir? So! (Später erst, bei einer Bemerkung über das Bild) assoziativ durch ihre Worte –

Du bist noch immer so heftig, zuschlagend –

Ach nein …

Die Wirtschafterin kommt: Herr X und Herr Y haben angeklingelt, daß sie zum Abendbrot kommen …

Stimmung des Wartens …

X und Y kommen. Martha fehlt … man ißt –.

Die drei, vier Menschen, die sie verschieden sehen (Martin Gorm – sehen nichts).

Ein Schmerz muß einen wie in Stein fassen … Aber ich meine es gar nicht so … ich meine gerade, diese Steigerung, wie wenn einer mit einer Violine am Rand des Lebens sitzt. (Verzeihe, ich bin so unruhig … weil in mir so viel zur Ruhe will und noch das Lager sucht …) Und ich meine … nicht.

Die ersten Notizen zu den Schwärmern

Er hat sie in irgend einem Pathos gesehen – der Leidenschaft, des Schrecks oder dergleichen – und moquiert sich analysirend über sie.

Der Freund, der Bruder – Beratung. – Götz schlug sie – „er“ stand ihr zufällig bei, ein Duell wird nötig sein. Warum tat ich das, wo doch der Augenblick sie so häßlich machte?

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Es gibt Menschen, die von einer Art Aasgeruch in der Liebe angezogen werden. Sie fühlen sich von Prostituierten gereizt und ihr Schicksal ist, daß sie sich nach einiger Zeit wieder in Frauen verlieben, mit denen sie schon einmal fertig wurden. Das Wiederauftauchen einer ehemals Geliebten reizt sie in einer ganz eigentümlichen Weise – wie ein morbider Duft.

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Das erstemal war man ganz spontan, ganz eingehüllt; von sich benommen. Man lokalisierte sein Inneres nach außen – auf das Weib. Man verstand die weltkluge Frage nicht: was findest du an ihr so Besonderes? Und hinterdrein sah man erst ein, daß man merkwürdigerweise gar nicht weiß, mit wem man diesen tiefsten Sturm seines Lebens durchgemacht hat. Das zweitemal paßt man auf; man ist selbst weltklug. In dem Gewebe der Illusionen von einst sieht man jetzt die Fäden. Wenn Miss Greevish beiläufig sagt: wenn es ihnen angenehm ist, so kommen sie bei mir vor – so weiß man, sie wartete daß man selbst darum bitten werde, aber, da man es nicht tat, öffnet sie einem selbst den Weg, sobald nur die Situation halbwegs so ist, daß sie sich dadurch nichts vergiebt; für den, der das weiß, ist es aber geradeso, als ob sie sich einem anböte. Man analysiert sofort: hier ist die Ungeduld des schon überreifen Mädchens und ein „verliebtes“ Temperament. Hier ist πασχω – (dieses πασχω ist es übrigens vielleicht, was den Glauben an die Unreinheit und Sündhaftigkeit des Weibes gezeitigt hat. Der Mann ist eben so sinnlich, falsch usw. – aber er weiß es jedesmal und will es. Das Weib in den vielen Fällen – will es aber nicht und muß es doch. So wird es wohl die Sexualpsychologie des Volkes erfaßt haben. – Beispiel dafür, daß das „Gute“ schlecht ist) – denn andrerseits ist sie ein gutes Kind – merkwürdig wie Valerie und Miss Greevish hierin übereinstimmen – und sie würde sicher bei der Mutter über die Unvorsichtigkeiten weinen, denen sie nicht entgehen kann. Dadurch gewinnt auch jede Avance, die sie macht, die gewisse Bedeutung einer Vergewaltigung (wie das Dienstmädchen, das wimmert und dabei die Beine öffnet). –

Auf dieser kühlen, schändlichen Analyse und auf dem „Aasgeruch“ baut sich dann das zweite Verhältnis auf, beziehungsweise seine eigentümliche Seelenlage.

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Sie hat den Kleinen gern und dem Großen kann sie sich nicht versagen.

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Vorgeschichte: Götz – Maler. Farbenmensch, geschieden. Faschingsbekanntschaft. Verfolgt Valerie. Bekam sie bis in sein Atelier, aber nicht weiter. Wirkung der Brutalität: sie gibt sich ihm nicht hin, weil sie Angst vor ihm hat, kann aber auch nicht ganz von ihm los. – (Warum nicht?) Dann kam jener Sommer. – (Dann verliert er durch Kokain die Libido, und sie wird libidinös.)

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Das Buch des Bruders. Szenen: am Kies vor dem Hause in der Nacht. Brand: – ich will noch einmal ihr Zappeln sehen, bevor sie Gott wird?

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In dem Augenblick, wo er sein Ziel erreicht, die Skala durchlaufen hat, ist er fertig. Die Produktivität die ein Verhältnis erfordert, jeden Tag neu zu machen, und die nur die Liebe geben kann, da sie das einzige ist, was den Schlüssel zu gewissen seltenen Kammern der Seele hat – vermag Valerie in ihm nicht auszulösen. Jetzt erst schenkt er der Liebe seines Bruders Beachtung und wird ihm diese zum Problem. (Dies wäre vielleicht der Beginn des zweiten Aktes, während der erste von dem dumpfen Aneinandertreiben erfüllt ist).

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Unter den Händen des Jüngeren gewinnt alles Form, unter denen des älteren zerfällt es. – Dies fühlte er bei der unmittelbar vorangegangenen Heimkehr in das Landhaus.

… Es liegen nur zwölf Jahre zwischen uns; und doch glaubte ich zu bemerken, daß da eine uns fremde Generation heranwächst. Da und dort. Kleine Mäderln von merkwürdiger Sicherheit, Knaben wie der kleine Tino, die unter all dem nicht leiden, was uns keine Ruhe läßt. Die sich nackt bewegen können, wie der kleine Tino, wenn er sagt … o, ich liebe die Nelken.

Es wäre möglich, daß diese Generation das, worum wir kämpfen, schon mitbekommen hat, es kann aber auch eine bloße Laune der so periodischen Natur sein.

Dies ist seine Liebe zu dem jüngeren Bruder. Er trägt natürlich vieles in ihn hinein, viel von seinen feinen Erfahrungen, die dieser nicht versteht, aber sie sich in der eigentümlichen, persönlichen Weise zu eigen macht, die die Frauen auszeichnet (die seelisch-intellektuell auch fast immer nur für den einen etwas bedeuten).

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Sie spricht immer von Anfang und Höhepunkt, er vom Ende ihrer Liebe.

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Auch das spielt eine Rolle, daß der Ältere drei Wochen lang – seit seiner Rückkehr kein Weib besaß und daher dumpf ist, während der Jüngere noch unberührt ist (oder nahezu).

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Der Jüngere hat so eine Art, die dem Älteren, der sein ganzes Wesen im Kopf trägt, fremd ist. Der Jüngere lächelt zu irgend einer Bemerkung seines Bruders – man weiß nicht was er meint, es kann auch bloßer Reflex, Geste sein – man kann aber auch eine Reserve hineindeuten, die überlegen zusieht. Diese Spannung, dieses Ringen des Älteren, Analytischen ist schon Ausgangssituation.

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Du solltest ein weißes Kleid tragen – sagt ihr der Jüngere – aber kein dünnes aus Musselin oder sonst wie die jungen Mädchen, die so alt sind wie ich, sondern eines aus weißer Wolle.

Überhaupt ist so etwas wie Alleschs Neigung gerade zu älteren Frauen hier zu analysieren. Man liebt dieses Langsame an ihnen, – ihre Leidenschaft ist nicht wie eine glühende Spitze sondern wie eine warme Masse.

Gerade wenn sie – ohne daß er es weiß – von seinem Bruder kommt und das gewisse Demütige vom Unterliegen her hat, liebt er sie so.

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Ich möchte nicht Pistole. So ganz dem Ungewissen möchte ich mich dieser Sache halber doch nicht überantworten. Säbel beherrsche ich noch von meinem Della Pietro her ziemlich sicher. Am liebsten wäre mir Degen, – es ist zwar hier nicht üblich, aber er lebte doch eine Zeit lang in Paris; vielleicht akzeptiert er? Man hat da sein Schicksal doch so ziemlich noch am meisten in der Hand. Sie können ihm übrigens auch sagen, daß ich ihn mit meinen Schlägen nicht beleidigen wollte, sie hatten nur den Zweck ihn von seinen Absichten abzuhalten. Vielleicht genügt ihm diese Erklärung. (Kontrast gegen den ehemaligen Haß.)

Im übrigen wird er sich bemühen, das zu empfinden, was man an feinen Raubtiersensationen bei solchen Gelegenheiten zu empfinden vorgeben muß, wenn man ein feiner Mensch sein will. – (Welches Fernsein noch von der Welt!)

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Er hat eine breite, gepflegte Hand und in seinen Gesten etwas Trauriges.

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Ich bin mir längst darüber klargeworden, daß ich an Deiner Statt Dein Bild liebte. Du gabst ihm nur das Warme, Sexuale.

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Womit er nicht gerechnet hat: Für sie war es nicht aus, als es für ihn aus war. Er wirkte nach. Nun erfährt er es wie etwas ganz Neues, daß er bestimmend wirkte, wo er gar nicht mehr daran dachte.

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Das war Götz! So, ist das der, den ich seinerzeit so haßte? – So etwas kann den Übergang bilden, das analysierende Wiedererleben der Liebe naherücken. Denn nun wird man sich mit einem Menschen schlagen, den man seinerzeit gehaßt hat. Man wird sich vielleicht zu freuen versuchen, als ob man noch der von einst wäre.

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Man muß manchmal gemein sein. Zum Beispiel einer der zu leicht freundschaftlichen Anteil an Frauenschicksalen nimmt, muß einmal eine auch „betrügen“, nur um sich die nötige Motion zu schaffen. Vielleicht ist es Valerie gegenüber so.

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Sie sind Halbbrüder. Der Jüngere von einer jüngeren Frau; daher neue Generation. –

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Das Leben schafft nur indifferentes Rohmaterial zum Beispiel Frauen. Es schafft nichts, das Stil hat. Geformt wird es erst durch Menschen. Oder so ähnlich – Wildes Gedankengang – das Auftauchen der präraffaelitischen Gesichter. Hier möchten zwei formen. Am selben Material. Etwas Gegensätzliches. Das ist eben das sonderbarerweise Mögliche.

Das noch nie Dagewesene möchte der Jüngere formen. Das ist nur scheinbar ein bloß negativer Begriff.

Zufällig – in einer Wagnervorstellung – kam ihm plötzlich die Idee, den gewissen Menschen, der ihm gerade in einer Loge gegenübersaß, zu vergiften. Der Einfall kam ihm, weil ihm die Existenz dieses Menschen eine peinliche Erinnerung war; – vielleicht ermöglichte nur der Hochdruck der Musik, daß er einen Augenblick lang Boden fassen konnte. In diesem Augenblick wurde ihm aber – und von da aus immer mehr – die große Bedeutung fühlbar, die so eine Tat für ihn hätte.

Er fürchtete das Todsein und war in letzten Dingen unsicher. Diese Tat würde aber sofort alle diese Unannehmlichkeiten beheben. Sie würde seinem Leben einen Halt geben und mit so einer Tat am Gewissen kann man leicht sterben.

Nicht weil man in einer heroischen Linie gelebt hat oder dergleichen – sondern weil es einfach so ist, weil einfach von dieser Vorstellung eine Beruhigung ausgeht.

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Wie viele Frauen habe ich verführt! Es waren darunter welche, die waren schwanger. Andere stillten. Andere wieder ließen für mich ihr kleines Kind, das ganz mit Amuletten behangen war.

Und wenn das Kind weinend kam, wandte seine Mutter die obere Hälfte ihres Leibes ihm zu, aber die andere Hälfte blieb unbewegt unter mir.

Imr El Kais

Dieses Erlebnis sucht er bei ihr.

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Er darf nicht von vornherein der erlebnissüchtige Moderne sein, da dadurch die Wirkung der Ereignisse geschwächt würde. Eine gewisse Lauterkeit muß ihm geblieben sein. Sie äußert sich ja auch in der Sehnsucht nach der Lebensart des Jüngeren.

Erst, daß Götz ihn in seiner Skepsis unterstützt, bringt ihn zum Rasen. So will er nicht sein! Anderes glaubt er aber nicht mehr zu können. Also Gewaltakt.

Es muß aber auch irgend etwas in Umgebung und Stimmung liegen, das die hemmenden, bürgerlichen Faktoren ausschaltet. Etwa schon das Nachdenken über das Leben fern vom Leben. Dieses Landhaus, wenn die Türe geht, wenn ein grüner Fensterflügel zurückgeschlagen wird – das hat alles so selbständige Bedeutung als gäbe es sonst keine Welt. Die Menschen wandeln wie auf erhöhter Bühne.

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Beim Brand: Da – da hinein – da ist das Vieh … brave Bauern … Bleibt allein zurück – geht an ein Fenster oder steigt auf den Baum …

Die Vergangenheit: Was haben die davon …

Man leistet weil man Überschüsse hat – aber das Innerste ist schon tot.

Der Freund, der bewundern kann und dabei gewinnt.

Man muß dort anfangen, wo sonst aufgehört wird. Zum Beispiel mit einer Tragik einsetzen, der aber diese Menschen ganz spielend leicht begegnen. Das ist für solche Menschen noch gar keine Tragik. (Ansatz füranderer Zustand)

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Das Gut liegt zwischen weiten Wäldern, an einem großen See, in einer Natur, die heimliche Gewalttaten aufreizt.

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Statt des Duells: sie ist mit Götz verheiratet, der ältere Bruder soll sie vor ihrem Mann schützen, man denkt an Duell usw. zum Schluß liefert er sie aus.

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Eventuell: der Ältere kam mit Anna zurück, sie hat ihn unterwegs um Asyl gebeten.

Die Schildkröte

Bunzel, ein reicher Kaufmann

Mutter, seine Frau

Wolfgang, sein Sohn

Anna, die Schwester seiner Frau

Ignatz

Georgine

Schwertner

Die Schildkröte

Ein Knecht.

Spielt am Land, in einer waldigen Gegend, die an einen Industriebezirk grenzt. Besitzung Bunzels.

I. hinter dem Herrenhaus.

II. – darinnen.

Revolutionszeit.

I.

Hinter dem Herrenhaus. Anstoßend an dieses Wirtschaftsgebäude, Schuppen, Holzkammer und dergleichen. Herumliegende Geräte, ein Block zum Holzspalten, Säge. In der Mitte des Hauses führen einige Stufen herunter.

An die Wand gerückt, nah der Ecke ein Tisch. Improvisierte Sitzgelegenheiten und herausgestellte Stühle.

Alles macht den Eindruck der Verlassenheit und eines kopflos gewählten Behelfs. Das bunte Geschirr zwischen den Wirtschaftsgeräten gibt einen sonderbaren Eindruck.

1.

Schildkröte steht mit einem Geschirrbrett unschlüssig zwischen Tisch und Treppe. Bunzel oben auf den Stufen. Ein Knecht im Hof.

Bunzel: (mit unwirscher Gebärde) So stell es doch endlich hin!

(Schildkröte tut es).

(bald zum Knecht, bald zu Schildkröte – Stumme, devote Antwort): Ist keiner zurückgekehrt? Der Kutscher? Die Stallmagd? Der Herr Chauffeur? Schweinebande! Das Telefon abgeschnitten, der Wagen unbrauchbar!

Kann nicht jemand aus der Umgebung helfen?

Verstehst Du Dich auf Kühe? Auf Pferde?

Schildkröte, verstehst Du Dich auf Pferde?!

Wir werden sie mit den Kursen füttern; sie sind ohnedies vier Tage alt und zu nichts zu brauchen.

2.

Ignatz: (um die Ecke) Die Pfunde werden fallen.

Bunzel: Das meine ich! Hast Du gehört? Alle fort. Das Telefon abgeschnitten. Fahren können wir auch nicht.

Ignatz: (freundlich) Wir sitzen fest, mein Lieber. Ringsum schießen sie. Sie werden vielleicht finden, daß Du eine schöne reife Frucht bist, und suchen einen Baum dazu. Vielleicht nehmen sie Dir aber bloß alles weg.

Bunzel: Aber verstehst Du, was es bedeutet, daß ich gerade jetzt tagelang ohne Verbindung mit der Börse bin?! Sollen sie sonst machen, was sie wollen.

Ignatz: Das Telefon? (Gebärde des Durchzwickens).

Bunzel: Irgend so ein Hund.

Ignatz: Wer konnte es auch voraus sehn, daß das gerade jetzt und gerade hier kommen würde.

Bunzel: Auf den Nachbargütern haben sie Militär. Wir können nicht einmal eins rufen.

Ignatz: Die stehn mit der Behörde besser als Du, der adelige Grundbesitz. Und die Dienstleute sind fort? (Anna kommt).

3.

Ignatz: (zu Anna) Die Einheimischen sind fort. Der Chauffeur ist fort. Das Telefon hat einer durchschnitten. Sie schießen ringsum. Dein Schwager will den Kühen einen Scheck ausstellen, aber sie geben keine Milch dafür. Er verspricht dem Wagen 100 Pfund, aber der läuft nicht. Es ist ein Schicksal, das uns hier vereint hat!

Bunzel: Schweig lieber, als daß Du jetzt Unsinn redest! Wir müssen uns entschließen. (Fährt Schildkröte an) Was stehst Du denn da! Trag das Geschirr hinein, hab ich Dir gesagt.

4.

Mutter: (sehr aufgeregt auf der Treppe) Nein hier, sie soll es hier lassen, hier sind vier Mauern davor! (Schildkröte trägt das Geschirr hinein, ohne sich viel um Mutter zu kümmern, die sie aufhalten will).

Bunzel: Sie soll es meinetwegen in den Keller tragen, wenn Du Angst um das Geschirr hast. Ich habe aber keine Lust hier im Stall zu frühstücken.

5.

(Georgine kommt, eine Zigarette rauchend)

Mutter: Ich habe Angst um Dich.

Georgine: Wir werden erschlagen werden?

Ignatz: Was gibst Du mir, wenn ich mich auf ein Nachbargut oder in die Stadt durchschlage und Militär hole?

Bunzel: Was heißt, was ich Dir gebe? Es ist Dein Interesse so gut wie meines.

Ignatz: Es macht mir sogar Vergnügen, während es Dir Furcht machen würde. Ich bin heute schon ausgeritten; auf Kundschaft durch den Wald.

Anna: Ignatz!

(In diesem Augenblick schreit Mutter, die sich ein wenig aus dem Schutz des Hauses begeben hat, auf).

Mutter: Es hat hier eingeschlagen! Etwas hat hier eingeschlagen! Es hat gepfiffen und ist in der Erde verschwunden. (Sie flüchtet in höchster Erregung hinter Bunzel):

Georgine: Eine Maus.

Ignatz: (untersucht einen kleinen Erdaufwurf) Nein, ein Weitgänger. (Er bleibt am Platz stehn):

Anna: Du kommst sofort zurück! Zu mir kommst Du!! Ignatz!!!

Ignatz: So komm doch zu mir, mein Kind.

Anna: Schändlich; es ist schändlich, wie Du mich quälst (Sie weint bei der Gruppe Bunzel-Mutter).

Georgine: (zu Anna) Wenn Sie nichts dagegen haben, möchte ich mich einen Augenblick zu Ihrem Bräutigam stellen.

Ignatz: Bitte bleiben sie, sie würden sich einem Abenteuer auszusetzen glauben, das gar nicht existiert. Überlegt doch nur, (Er lehnt während des Folgenden, sich mit ausgebreiteten Armen sonnend, an einer beschienenen Wand. Es erinnert allerdings ein wenig an die Haltung eines Gekreuzigten. Auf der Treppe ist Schildkröte erschienen, starrt immer wieder gespannt auf das Bild und wiederholt es mit unwillkürlichen Bewegungen) daß dieser Schuß ein Zufall war, ein Irrgänger, der sich nicht wiederholt.

Anna: Aber er kann sich wiederholen!

Ignatz: Komm zu mir, Anna. Ich gebe zu, daß eine um ganz wenig erhöhte Wahrscheinlichkeit zu sterben da ist. So wie wenn man sich abends in einem Schlafwagen niederlegt. Man ist in Gottes Hand – und arbeitet sich ein ganz klein wenig gegen die Fingerspitzen hin –

Bunzel: Also was hast Du damit gemeint, daß ich Dir etwas geben soll?

Ignatz: Dein halbes Vermögen.

Bunzel: Unsinn.

(Man hört plötzlich Maschinengewehrfeuer. Alle flüchten gegen das Haus. Auch Ignatz verläßt langsam seinen Platz, Anna stürzt zu ihm).

Bunzel: Ihr könntet auch so heiraten.

Ignatz: Ich will Anna etwas bieten.

Bunzel: Ich mag Deine Scherze nicht. Wenn Du nicht ernstlich willst, reite ich selbst um Hilfe.

6.

(Maschinengewehrfeuer. Alle ins Haus. Nur Georgine bleibt, als ob man sie vergessen hätte. Sie lehnt sich plötzlich gegen die Mauer und weint in ihr Taschentuch. Ignatz tritt wieder aus dem Haus, betrachtet sie. Ganz nahes Maschinengewehrfeuer; berührt beide nicht. Ignatz berührt ihr Haar und ihre Schulter, und sie fährt hochatmend zusammen).

Ignatz: Georgine, ich will mit Dir sprechen; es könnte wirklich ein böses Ende nehmen, ehe wir uns recht wiedergesehn haben. Der Kerl schläft? (Georgine nickt). Du tust mir leid, wenn ich eigentlich auch kein Recht dazu habe. (Maschinengewehrfeuer weiter entfernt.) Das Gewitter scheint diesmal noch abzuziehn. Es ist mir so sonderbar, daß sie sich um die Ordnung der Welt streiten und totschießen, als ob ich mitten darin in einer kleinen Nußschale ruderte.

Man sollte Stellung nehmen. Man muß Stellung nehmen. Aber man ist in der Nußschale geboren. Sag: Du nimmst auch manchmal Kokain?

(Georgine nickt.)

Ignatz: (streichelt sie) Du tust mir so leid, das ist so feig. Hast Du gar nichts in dir, was Dich von dem Kerl befreit?

Georgine: Hast du noch den Arzt gekannt? Der mich heiraten wollte? Von Zeit zu Zeit befreit er mich von ihm, bringt mich in eine Anstalt; er rettet mich davor, ganz Schwertner zu verfallen.

Ignatz: Weshalb hast Du ihn nie geheiratet?

Georgine: Ich mag ihn nicht. Er ist so gut; ich habe vor ihm mehr Angst als vor dem andern.

Ignatz: Schwertner ist ein Mordskerl. Trotz allem.

Georgine: (heftig) Ich mag ihn nicht! Ich hasse ihn!

(Ignatz Gebärde, die solche Reaktion leicht nimmt).

Georgine: Sein Körper ist ein vergifteter Berg von Fett – (Berg von Fett und Gift); er ekelt mich. Aber er war damals da, als Du fortgingst, und blieb immer da, und ich werde ihn niemals los werden. (Pause). Er hat sich meiner bemächtigt. Ich habe keinen Willen mehr.

Ignatz: Ich habe niemals an einem Menschen ein solches Bedürfnis angetroffen, mich zu töten, wie bei ihm; als ich den Unsinn verweigerte, mich Deinetwegen zu duellieren, machte er den Versuch, mich auf der Straße niederzuschießen. Mittelalterlich. Oder bäurisch. Aber es ist schade um ihn.

Georgine: Ich warne Dich vor ihm! Nimm Dich auch jetzt in Acht!

Ignatz: Weshalb warnst Du? Du liebst mich noch immer?

Georgine: (Zögern) Ja. Oder nenn es, wie Du willst. Es ist –

Ignatz: Die Einbildung, daß du ein andres Leben hättest leben – sollen –

Georgine: Ja. (Sie bricht in Weinen aus). Meines ist so entsetzlich verdorben worden.

Ignatz: (befehlend:) Komm! (Er hat den Arm um sie gelegt und führt sie zum Haus).

Georgine: (in dem Wort liegt ebensoviel Anständigkeit wie Fraueneifersucht). Anna …?!

Ignatz: (weicht dem Haus aus und führt sie zu einem der Wirtschaftsgebäude. Ruhig).

Anna: Das ist nicht in einem Wort zu sagen. Aber auch ich habe mit jenen Leben zu tun, die man eigentlich leben müßte. In einem andern Sinn als Du. Komm! Es ist nicht sicher, ob wir morgen noch leben! (Beide ab).

7.

Während die beiden im Schuppen sind, kommt Anna suchend aus dem Haus. Man sieht, daß sie die Gefahr fühlt.

Ihr folgt Schildkröte. Sieht den Schuppen an, als ob sie ihn durchbohren könnte, nimmt eine Strickarbeit und setzt sich an die Wand des Hauses. Kurz nach den beiden Wolfgang. Er scheint irgendwie die Situation zu verstehn. Im Folgenden spricht er demonstrativ vor Schildkröte.

Wolfgang: Ich wette, sie stecken hier irgendwo.

Anna: Schweig; das geht Dich gar nichts an!

Wolfgang: Der Dicke ist auch schon unruhig.

Anna: Sag nicht, der Dicke; er ist ein unglücklicher Mensch.

Wolfgang: Georgine ist eine alte Schachtel.

Anna: (verweisend) Sie ist 32 Jahre.

Wolfgang: Du bist auch nicht mehr die Jüngste. Wie lang willst Du das eigentlich so fortgehn lassen? Hast Du gewußt, daß es so kommen wird?

(Anna setzt sich – schwermütig schön – in einer Feuerbachpose. Wolfgang schlingt den Arm um ihre Schulter.)

Wolfgang: Schwester, Schwester! Macht Ihr Euch Schwierigkeiten! Ihr könnt Euch nicht heiraten, weil Ihr Euch zu sehr lieben wollt: habe ich nicht recht?

Heute morgens ist Ignatz schon ausgeritten; gegen das Feuer zu. Durch die Blätter säuselte von Zeit zu Zeit ein verirrtes Geschoß. Wie ein Troubadour.

Hat das einen Sinn?

Ihr seid sonderbare Geschöpfe, Ihr Alten. Wißt nicht, was Ihr mit Euch anfangen sollt. Macht Euch Schwierigkeiten und Gefahren, wo keine sind. Nebenan wird geschossen, wird gestohlen, geschändet, geplündert: und ihr steht wie unter einem Regenschirm. Solange Eure Seele sich nicht meldet, ist das nichts? Und wenn sie sich gemeldet hat, wißt Ihr wieder nicht ein, noch aus.

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Yaş sınırı:
18+
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10 haziran 2026
Hacim:
5257 s. 13 illüstrasyon
ISBN:
9782377871742
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