Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 64
Die Armesünderbank
Die Armesünderbank, morgens
1. Akt: Berliner Kleinbürgerwohnung. – Er hat sich schon einschränken müssen, nur mehr die Reste des Kapitals zehrt er auf, und sie langen nicht mehr weit. Es ist Vormittag, das Zimmer noch nicht aufgebettet und aufgeräumt. Er hat keine Lust, ins Freie zu gehn. Sitzt an einem Tisch mit kleinen Reißbrettern, Zeichen- und Schreibzeug. Sie räumt auf und redet ihm zu, auszugehn. Er ist Ingenieur und Dr. phil. Hat halb erfunden den Wasserschuh, die automatische Torpedosteuerung, den Sehapparat für U-Boote, die Abwurfvorrichtung für Flugzeuge und irgendeine kleine alltägliche Erfindung. War jetzt am Semmering, Gewohnheit aus dem Elternhaus, hat Graf X und Fürst Y gesehn. Spricht von ihnen, wie es innere Gleichheit ergibt. Unter den Zeichnungen auch Modeblätter. Spricht wie ein Kenner von Frauenwäsche usw. Sie: legt Patiencen, ob er bald viel Geld haben wird. Träumt von Tieck und dergleichen Er wird bald Geld haben. Ein Graf wird kommen. Er sagt ihr, sie soll (ernst) Seherin werden usw. Sie sagen sich du. Warum? Sie hat Leuten Sie gesagt und mit ihnen geschlafen. Sie will ihr Vergnügen. Er läßt sich von ihr erzählen. Hält sie bei der Hand.
Mittags, 2. Akt: Sie hat alle seine Papiere genommen – während einer kurzen Abwesenheit – und zum Agenten getragen. Photograph, Erfindungsbüro, Geldverleiher, Schieber. Mehrere Semester Technik, Schmisse. Interessiert sich von allem nur für die kleine Erfindung, von der verspricht er sich etwas. Knüpft mit dem Mädel an, das fliegenden Atems vom Genie erzählt hat. Führt sie zur Vernunft der Vergnügungen zurück. Schließlich, sie ist keine Jungfrau und es fällt ihr nicht so schwer, sich zu opfern. – Der Graf kommt, braucht Geld. Die Erfindung wird ihm angehängt, so wie Zigarren oder Sekt. Zum Schluß das Mädel im Nebenzimmer angeboten. Hereingerufen um zu erklären. Setzt mit einiger Mühe an; Genie will nicht so recht über die Lippen, bricht auf den ersten Wink ab (Vorwand: muß mich fertig machen). Den Grafen interessiert sie natürlich gar nicht. Schwein, meint der Agent. Was er spürt, ist: rasch einen Menschen weitergeben. Graf muß die Erfindung mitnehmen.
Spätnachmittag, 3. Akt: Wie 1. Die Glocken kommen ins Zimmer, die wilden Tiere. Das Mädchen kommt zurück. Ihm ist es jetzt furchtbar peinlich, realisieren zu sollen … Daß etwas wirklich wird ist erdrückend, obgleich im selben Augenblick eine Phantasie lockt, wenn etwas wirklich wäre … daß sich das Mädchen für ihn geopfert hat, sieht er ganz natürlich, es wird ihr schon auch ein Vergnügen bereitet haben (was sie braucht, ist aber Ehe, Wechsel auf lange Sicht, Lebenskredit) – – Er will von ihr nichts wissen.
Vormittag, 4. Akt: Am Kanal. Dura necessitas. Kein Geld. Die letzte Zigarette, die er sich dreht, bläst ihm der Wind weg. Die Glocken kommen nicht mehr Die Armesünderbank, eiserne Beine, eiserne Seitenlehne. Aus Erzgängen herausgerissen, technisches Sklavengebilde. Bösartig gegen Menschen. Liebespaare, Selbstmörder, schwangere Damen, Strolche. Dirnen. Auch die zwei sitzen dort. Was ist der Unterschied zwischen einer Hure und einer Dame? fühlt sie. Er bettelt Vorübergehende an. Sie geht ins Wasser. Richtig ist sie hineingesprungen. Retter, Schutzleute. Er fängt an zu krakehlen. Anarchistisch. Wird arretiert. Der Agent kommt an, atemlos. Jemand Einflußreiches interessiert sich für eine der größeren Erfindungen, nur von weitem, das genügt ihm. Er hört Halbes. Weiß nicht recht: arretiert oder auch tot? Gott, es kommt ja nicht auf den Menschen an, die Erfindung, die Leistung lebt, der Fortschritt). Nebenhandlung?
Nebenhandlung:
Das Mädchen 23, die Mutter 42. Der andere Zimmerherr. Pensionierter Schiffer oder Beamter. Möchte die Mutter heiraten, die Tochter muß aber aus dem Haus und versorgt sein. Er möchte die Mutter in aller Ordnung heiraten, ohne viel Faxen.
I. Nachdem aufgeräumt und der Zimmerherr weg ist, kommt die Mutter ins Zimmer und der andre Zimmerherr ihr nach. Hier schimpft er über den unsicheren Kerl, der das Mädel nur abhält, ohne selbst an etwas denken zu können und zu denken.
II. Den Agenten hat das Mädel schon gekannt. Der Zimmerherr weiß, daß sie zu ihm gehn wird. Geht ihr so nach mit unbestimmter Erwartung. Als sie lange ausbleibt, geht er mit lebendigeren Gedanken hinauf. Als Zukunftsvater. Die Situation, an der eigentlich nicht viel zu sehen ist, gibt ihm eine Intuition. Er versucht erst, dann sagt er dem Agenten das Vorgefallene ins Gesicht. Müsse heiraten. Der schmeißt ihn hinaus und darauf (auch mit Zorn) macht er dem Grafen das Angebot.
III. Der Zimmerherr greift in die Tasche und gibt eine Einladung. Solid, zum Zeichen, was er kann. Kaffee. Der Junge – es ist Unsinn und Wegwurf, solche Konkurrenz – trotzdem auch. Für das letzte Geld kauft er Wein und Kuchen und lädt das Mädel und einen Freund, der nicht kommt, ein. Die Gäste sind – um Gottesbarmherzigkeit! – die Glocken und die Tiere. Das Mädel wird wild. Sie sind vielleicht etwas angetrunken. Als er weg ist, prügelt der Alte das Mädchen. Wirft sie hin, natürlich. Wegen ihrer Liederlichkeit. Auf einmal sind es Männchen und Weibchen. Ich werde dir die Röcke hochheben, ich werde dir die Hosen stramm ziehen. Raufen. Die Alte kommt, unterbricht. Er – ein wenig betrunken? – küßt sie, will die Junge küssen. Sie muß aus dem Haus, sie ist so hübsch, daß sie heiraten muß. …
IV. Nach der Arretierung kommen die zwei Alten. Sie sind es, mit denen der Agent spricht.
Die Mutter
Sie mißhandelt den Mann, mißachtet ihn. Aber sorgt eifersüchtig für sein Wohl. Wobei sie ihm schadet: Er schuldbewußt und dankbeladen. Das Minerl, das alles für ihn macht. Er ist der Eingesperrte ihres Machtbedürfnisses auf dem Gebiet des Guten.
I. Der Sohn kommt zurück von irgend einer Ferne. Sein altes Zimmer neben dem Wohnzimmer. Julie, die ihm zu Ehren bedient. Gugelhupf und Überfülle von Gutem. Er soll ein Bad nehmen. Er hat aber gestern eines genommen. Erste Kontroverse. Der Vater; vor der Operation. Der Sohn will irgend etwas anders, hat recht, die Ärzte stimmen ihm zu. Der Vater bestimmte ihn zur Abreise unter einer falschen Angabe. Die Freunde kommen am Abend.
III. Nach der Operation. Der Sohn gekommen, ohne sich zu zeigen. Trifft mit der Mutter in der Wohnung zusammen, um zu sagen: Ich war heimlich hier. Wenn er gestorben wäre: Ihr hättet mir nicht einmal Gelegenheit gegeben, ihn noch einmal zu sehn. – Er hat nicht wollen; es hätte ihn zu sehr aufgeregt. – Du sprichst nicht die Wahrheit, er tut, was du willst. Du: machthungrig usw. Sie: Hat die Welt je einen so undankbaren Sohn gesehn usw. Er: (heiter) Du Marktweib! Du … Ich sage das, der das und das geleistet hat. Sie: mit den Nägeln auf ihn los. Er: heiter abwehrend. Geht, kehrt um und erwürgt sie. Angewidert von dieser Menschenvariation. Nach der Tat gerührt von ihrem Zwang. Sieht ein Madelbild von ihr, holt einen Madelbrief von ihr aus dem Schreibtisch hervor.
IV. Es ist nichts aufgekommen. Sohn und Vater. Der Schlag hat den Vater in der Rekonvaleszenz nicht gestört. Es ist doch eine Befreiung von ihr, ein Aufatmen; er ist viel kälter gegen den Gedanken an sie (im Unterschied von den Freunden) als man erwartet hätte. Aber auch ganz gleichgültig gegen den Sohn. Alt und herzlos. Auf seine Freuden bedacht. Dem Sohn vielleicht irgend ein Menschheitswerk unterlegen, das er dann nicht mehr zuendeführen kann, zum Beispiel Schaffung einer großen christlichen Partei. Sie zwingt andre Leute zu ihrem Glück; tut ihnen gut, ob es ihnen gut oder schlecht tut. Analogie mit Glaubensverfolgungen.
Muß sich füttern lassen, obgleich er Hände ja gebrauchen kann.
1094 Kronen monatlich. 14 000, sagt Heinrich, alles in allem. Über das Sprißl schau ich immer herüber.
Er macht sich immer etwas vor. Von … bis … studiert …
Mit Mill auf den Freintag gegangen, die Ziegeleianlage „studiert“. Dasselbe macht er in trautem Familienkreis. Sie entzieht sich dem immer und behandelt ihn herzlich kühl. Ist die Überlegene, die ihn immer überzeugt, recht zu haben. Ist sechs Wochen bei ihrer Mutter und empfängt ihn am Bahnhof mit dem Bruder und schläft mit der Mutter, während er beim Schwager schläft oder dergleichen. Als er krank wird und sie ihn – aus Pflicht – pflegt, tut sie zum erstenmal wirklich etwas für ihn, und das rührt ihn so.
Das müssen sonderbare Menschen sein, die Koberischen, führen so ein Räuberleben (weil sie täglich im Kaffeehaus – die ganze Familie – sitzen, stricken und nähen). Künstlernaturen! Ja, Künstlernaturen, sie trinken gern, sind immer lustig …
Er hat mich auf den Knien gebeten, ich soll dich nicht verständigen. Es war mir so schwer. Und alle haben das auch anerkannt. Alle haben gesagt, wir bewundern sie so, das ist so schwer … Er hat selbst mir gesagt: Am liebsten wäre mir, du wärst nicht hier.
Red nix – red nix! Du regst ja den Papa auf (Saure Milch).
Krach, weil nur Speisen à 10 Kronen da sind. Einen Kalbsschlegel aber reserviert. Wird im Ärger nicht bestellt. Geschäftsführer sagt es dann entschuldigend. 1. Ja, im Ärger hab ich’s vergessen, und er hat dann nichts mehr gesagt. 2. Über dem Besuch hat ich’s vergessen. 3. Er hätte erinnern sollen. Ich habe noch gesagt: Anton, ich bin Tag und Nacht im Spital, das ist nicht schön, jetzt, wo ich Kraft brauch …
Der kleine Napoleon
Panama
1. Fassung
Eingangsszene
Zimmer des Chefs der Operations-Kanzlei. Aneinandergeschobene, mit Karten bedeckte Tische. An den Wänden eine Karte der Monarchie mit den Etappeneinrichtungen (Grenze zwischen engerem und weiterem Kriegsgebiet, Etappenraum, Hinterland, Kurierverbindungen, Eisenbahnkommanden, Krankenabschub, Verbotszonen usw.). Und eine Karte in größerem Maßstab von der eigenen Kriegsgebietszone und dem zugehörigen Etappengebiet. Neben einer Balkontür mittelgroßer Schreibtisch. Stehkalender. Ein Stoß Akten. Der Chef der Operations-Kanzlei arbeitet an einem Akt, Brief an einen Bischof oder dergleichen. Feilt mit Genuß.
Der Generalstabs-Hauptmann mit der Hiobspost kommt. Das Bataillon 49 am Cauriol abgeschnitten, 60% Verluste. – „Lieber H., ich habe dir ein für allemal gesagt, daß ich das nicht vertrage. Diese Marathonläuferatemlosigkeit. Wer mich erschreckt und deprimiert, das ist kein Mitarbeiter für mich. xte ID und 15. Gebirgsjäger-Bataillon, Landsturm-Infanterie-Bataillon 169 ist von A nach B zu verschieben. 2 Kompanien IV. Infanterie-Regiment 14 treffen morgen abend in B ein. Nach Eintreffen ist Bataillon 49 abzulösen und hat sich in A zu retablieren. Was glaubst du, die braven Burschen, die da gefallen oder in Gefangenschaft geraten sind, sind zu bedauern, aber ist es eine Affäre? Und selbst wenn das ganze Bataillon zum Teufel gegangen wäre.“
Es klopft. Schager tritt ein. Mit Genuß wird der Brief besprochen. Becher zündet sich die weggelegte Zigarre dazu an. Gibt Maximen von sich. Erziehungsgrundsätze anknüpfend an die Behandlung Hubitzkys. „Übrigens wäre ich lieber Theaterdirektor geworden oder Hotelier.“ Große Politik wird gestreift. Der Rapport indessen erledigt.
Der Chef der technischen Gruppe kommt mit dem Rapport. Unterschreibt, unterschreibt; hie und da Zwischenfragen. Der Chef der Material-Gruppe kommt etwas nachsehn, ebenso der Chef der Nachrichten-Abteilung. Man plaudert zwischendurch. Familienangelegenheiten. Der Telefon-Chef kommt zwischendurch und der der Detail-Abteilung „nur noch mit einem dringenden Akt“ – Becher stöhnt. Ein Frontstabs-Offizier kommt etwas sich richten. Ein General macht Antrittsvisite. Einen Moment allein. Sieht auf der Karte nach. Der Rapportstoß ist riesig angewachsen. Schreibt eilig. Hat einen Generalstabs-Hauptmann rufen lassen, fragt kurz etwas.
Es klopft, Marietta tritt ein. Erstaunen. „Der Feldgendarm hat mich erkannt und durchgelassen.“ „Ich werde den Kerl einsperren lassen.“ „Nein, Maxl, das wirst du nicht tun.“ „Das ist diese verfluchte Nachgiebigkeit bei uns“ – reflektiert über Volkscharakter usw. „Aber du mußt wenigstens gleich wieder gehn, was willst du?“ „Also der alte Esel der – – hat mir nicht den Gärtner geschickt, und den (Burschen) Franz will er einsperren, weil …“ „Ja, da hat er recht, da kann ich nichts machen. Aber .. das .. – da hat er auch nicht unrecht.“ „Aber den Gärtner hat er mir nicht geschickt, er hat dem Franz gesagt: …“ „So? Warum sagst du das nicht zuerst?“ – Telefon. Oberst X. – „Das wäre übel, wenn ich vielleicht nicht einmal einen Weg in meine Wohnung haben sollte, wo ich so oft mitten in der Nacht – Ja, Oberst X.? Herr Oberleutnant: wo ist der Herr Oberst – – Aber der Herr Oberst muß doch zu erreichen sein – Also schicken Sie sofort! Der Herr Oberst soll sofort zu mir kommen.“ – „Dem werde ich schon den Kopf zurechtsetzen. Aber jetzt geh ich, muß zum Alten.“ (Das Telefon läutet.) „Hier Becher. Ja, gut.“ „Geh schnell, der alte X. stürmt schon die Treppe herauf zum Gericht. Geh anders herum, da da – damit du ihm nicht begegnest.“ (ab.) (Oder. Versteckt sie hinter einer Doppeltür, damit sie zuhört.) – Läutet der Ordonnanz. Gibt den Rapport in die Ledertasche. – Oberst X. tritt ein: „Du hast mich herbefohlen, lieber Becher?“ – „Ja, Herr Oberst. Ich wollte mit dir sprechen. Warum bist du gegen mich so grausam?“ „Ich grausam? Ah, da scherzt du wohl?“ – „Du willst mir meinen Diener einkerkern, damit ich ungeputzte Stiefel habe?“ – „Nein nein, ich wollte ihn nur schrecken.“ – „Nein nein, bitte, wenn du glaubst, tue es selbstverständlich.“ – „Aber nein – nicht der geringste Anlaß. Ja und dann …“ „Ja – da – Vorschrift – Hm? Und was meinst du: bezweckt die Vorschrift, daß der Chef der Operations-Abteilung den Fuß brechen soll?“ – „Nein, natürlich nicht.“ – „Oder hast du ein anderes Quartier für mich vielleicht vorbereitet, in das ich heute abend fix und fertig einziehen kann?“ – „Aber gewiß nicht, so war es nicht gemeint, bloß die Vorschrift …“ „Gut, ich werde dir etwas sagen, verehrter Herr Oberst. Du kennst mich. Ich bin der erste, dem jedes Packeln mit der Vorschrift zuwider ist und der jedes Panama unterdrückt. Aber ich bin der Meinung, daß Befehle sinngemäß befolgt werden müssen und daß ein Platzkommandant es sich nicht bequem machen darf – verstehst du, ich sage bequem – indem er sich an die Buchstaben des Erlasses wie an einem Geländer hält – sondern daß er ihn in Einklang mit den Bedürfnissen zu bringen hat.“ – „Aber ich bitte, selbstverständlich, wenn du befiehlst, Herr Oberstleutnant.“ – „Ich befehle gar nicht. Ich bin nicht dazu da, jeden Quark zu befehlen. Ich verlange von Platzkommandanten, daß ich daran gar nicht zu denken brauche. Herr Oberst, mein Kompliment, ich muß zum Generalstabs-Chef.“ –
Oberst verbeugt sich ratlos, in der Türe macht er in seiner Verwirrung einem Landsturm-Oberleutnant Platz – Dieser trägt den Kronenorden. – Oberst ab.
„Herr Oberstleutnant“ – „Ah – ah!“ – „Ich melde gehorsamst mein Einrücken zum Kommando.“ „Ah, Doktorovich! Servus, lieber Alter. Na, es hat etwas Mühe gekostet. Also wir plauschen dann. Ich muß jetzt zum Chef. Nimm Platz. Es wird etwas dauern. Zigarren stehn dort.“ (ab.)
Der Front-Oberleutnant stellt sich zum Fenster. Coitkovic als Proviant-Offizier tritt ein. Stellt sich jovial nachlässig vor. Spricht ein paar Worte, ziemlich respektlos über Becher – Es kommen jetzt der Reihe nach: die Ordonnanz-Offiziere Graf A., Baron B., der Jude Rittmeister von Safarovic. Wieder der Chef der Nachrichten-Abteilung, Brigadier S. – Der Chef der Detail-Abteilung. – Es entspinnt sich eine allgemeine Konversation. Panamistisch – Gegensatz gegen die Front. Vorher sieht ein Oberleutnant durch die offene Tür, daß Becher nicht da ist, bittet Coitkovic um eine Gefälligkeit. Ausgeschlossen!
Endlich kommt Becher zurück. Übler Laune. Haucht den Chef der Detail-Abteilung an. Liebenswürdig gegen die Ordonnanz-Offiziere, die sich verabschieden. Coitkovic muß einen Augenblick bleiben. Will das gleiche von ihm, das der Oberleutnant wollte. Erhält es selbstverständlich.
„Also, Gott sei Dank, eine Viertelstunde früher fertig. Wir gehn vor dem Essen in den Hotelpark.“ „Deine Frau?“ „Kommt – Nachmittag mußt du zu meiner Frau ..“ Der Oberleutnant macht irgend eine Feststellung über Front und Kommando – berührt nicht angenehm. Generalstabs-Hauptmann H. kommt mit einer kleinen neuen Hiobspost – diesmal getreu der Unterweisung schon forciert optimistisch („Ach, Herr Oberstleutnant, ich bitte, nur ein Augenblick, eine interessante Nachricht ..“)( ab.)
Kinsky mit seinen Besserungsvorschlägen.
Oberleutnant Schmidt, Präfekt am Theresianum. „Ein Herr in Ihrer Stellung, Exzellenz …“ Marietta: „Mich werden die Engländer nicht so leicht aushungern!“
I.
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
(ein Telegramm in der Hand.) Herr Oberstleutnant, leider eine sehr unangenehme Nachricht! Das Bataillon 53 am Cauriol – –
BECHER:
Was? In der Tat, eine sehr unangenehme Nachricht! Das 12te Korps-Kommando gefangen? Die Front durchbrochen? Zwei Divisionen aufgerieben? Die Gegner im Anmarsch? Oder was?!
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Das nicht, Herr Oberstleutnant, aber die 15. ID meldet, daß das II/53. Bataillon abgefangen und der Cauriolgipfel verloren ist. 230 Mann tot, der Rest verwundet oder gefangen.
BECHER:
Schlimm.
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Das 12. Korps setzt hinzu: „Infolge Ausbleibens der erbetenen Verstärkungen“.
BECHER:
(läßt sich die Depesche reichen, verfinstert sich noch mehr.)
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Aber ein Zufall! 3 Volltreffer in die Kavernen haben die Reserven außer Gefecht gesetzt.
BECHER:
Wirklich schlimm. „Infolge Ausbleibens der erbetenen Verstärkungen“! In der Tat, wirklich schlimm! Und 230 Mann tot? Oder hast du gar 320 gesagt?!
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
230.
BECHER:
Wirklich 230 Mann? Mein lieber ….., liest du zuweilen die Situationsmeldungen von der Front?
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Bitte, Herr Oberstleutnant, – ich verstehe nicht – – ?
BECHER:
Kannst du mir sagen, wieviel Tote, Verwundete und Gefangene wir an ruhigen Tagen an unsrer Front haben?
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Tausend etwa.
BECHER:
Und an Großkampftagen?
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
8 – 10 000, und darüber.
BECHER:
Und dazwischen liegt – irgendwo? – 230? Dünkt mich!
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Ich verstehe, Herr Oberstleutnant.
BECHER:
Ja? Verstehst du wirklich? Aber du mußt schon entschuldigen, ich bin etwas nervös geworden, du hast mich erschreckt. Du hast mich geradezu entsetzt, mein lieber …. Was ist wichtiger: 230 Tote oder die richtige Bereitstellung einer Reservedivision?
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Die Division!
BECHER:
Und was ist wichtiger: 230 Tote oder die Frage, ob der Generalstabs-Chef des 12. Korps zu belassen oder fortzuschicken sei?
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Jawohl, Herr Oberstleutnant!
BECHER:
Jawolll! Davon hängen mehr als 320 Tote ab, und mit dieser Frage hatte ich mich eben schon beschäftigt, bevor du mit deiner Hiobsbotschaft kamst. Und ich sage dir: ob die 40 000 Gasmasken oder auch nur die Züge mit den angeforderten Kälteschutzmitteln, die wir erst im November brauchen, richtig eintreffen: auch das ist wichtiger! 230 Tote mehr, das ist nur eine kleine Manometerschwankung. Ja, ich sage dir, dieser Brief hier, den ich eben an einen Bischof schreibe, in dessen Diözese nicht genug von den Kanzeln herab zum Patriotismus gemahnt wird, ist wichtiger! Jedes Wort darin, das nicht zu scharf und nicht zu lind sein darf, ist wichtiger!! Das sind die Grundlagen, auf denen die Schlacht ruht, die Wurzeln, mein lieber …., die sich durch das ganze Reich spannen und aus denen der Sieg wächst. (Das Telefon hat geklingelt.)
BECHER:
Ja, hier Becher. Was? Wen? Hier Oberstleutnant im Generalstab Becher, Heeresgruppenkommando, Stellvertreter des Generalstabs-Chefs! Hofzug Ser Hoheit? Küchenchef? Aber das wird ein Irrtum sein … Bitte mitzuteilen: wem? Wer wird kommen? .. Personaladjutant Major Fürst Kinsky? … Hat gebeten, bei mir die Meldung für ihn zu hinterlegen? … Wann? .. Jeden Augenblick? Also, in Gottes Namen (nimmt Papier und Bleistift.) Los: Potage à la? à la Zarewitsch. Riso à la Milanese mit? Mit Sauce à Princesse de Montenegro? … negro. Filet de boeuf mit ……. Poularde .. (schreibt eifrig.) Wie heißt die Mehlspeis .. à la King George V.? .. Ja. Kann ich sonst noch dienen, nein? Aber ein andermal bitte vielleicht lieber den Chef der Detail-Abteilung, das ist ein Major zugeteilt dem Generalstab, ich glaube, daß seine militärische Vorbildung genügen wird …. Ja? Also, das soll so bald als möglich Sr Hoheit gemeldet werden .. Ja .. Schon gut. Bitte. (wirft gemächlich den Bleistift aufs Papier.)
BECHER:
Du hast verstanden? Na! … Also, den 230 Toten mein Bedauern! Aber sie bedeuten nicht mehr als eine Millimeterschwankung am Pegel unsrer Tätigkeit. Eine Millimeterschwankung …! Und nun schreib auf: 2 Bataillone der 62. ID sind der 15. zuzuschieben. (Sieht auf einer Karte nach.) Eins in den Raum von … als Reserve der 15. ID, das andre in den Raum von .. als Korpsreserve, nein: bleibt vorläufig zur Verfügung des Heeresgruppenkommandos. Das bringst du mir ausgeführt in (sieht nach der Uhr) 5 Minuten. Und merk dir: wenn ich damit dann beim Generalstabs-Chef eintrete, so sage ich schon an der Tür: Wie recht Exzellenz doch hatten, dieser Cauriolstellung zu mißtraun und dem Armeeoberkommando gegenüber auf der Reservedivison zu bestehn. Dazu lächle ich und mache nicht ein Gesicht wie einer, der mit knapper Mühe einem Unglück entronnen ist. Dann weiß er auch, daß mit dem Cauriol etwas passiert sein wird, aber hat schon die Sicherheit, daß ich einen Ausweg weiß und die Befriedigung, daß wir es vorausgesehn haben. Ist widerstandsfähig und ganz anders elastisch für die erforderlichen Dispositionen, als wenn man dem Vorgesetzten wie du gleich beim Eintreten mit einem Prügel über den Kopf schlägt. Verstehst du: es ist ein Verbrechen, einen Vorgesetzten zu irritieren oder gar zu erschrecken! Merk dir das bitte, wenn wir weiter zusammenarbeiten sollen. Ein Generalstäbler darf sich durch nichts aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Und bring mir die Depeschen mit, wo das Armeeoberkommando mitteilt, daß die Division erst später eintreffen kann. Und die zwei, wo das 12. Korps die Verstärkung urgiert. Erinnerst du dich, ja? Also in zehn Minuten. Danke.
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
(ab.)