Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 66
Becher, Generalstabs-Hauptmann, Major zugteilt dem Generalstab K.
ich von Exzellenz komme. Deine Aufgabe ist die personale Seite des Falls, darüber mußt du einen Bericht konzipieren. Vielleicht notierst du: (geht rauchend auf und ab) da die Schwierigkeiten bekannt waren, welche das Armeeoberkommando an rechtzeitiger – Nein. Sag: vorzeitiger. Nämlich: bevor es zu spät ist, kann man ja wohl auch „vorzeitig“ nennen?
GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Jawohl.
BECHER:
Und es klingt besser. Beim Armeeoberkommando sind sie ja so empfindlich. Verstehst du, K., ich gib dir nur die Direktion, du mußt das dann sehr behutsam ausdrücken; so, was ich die indirekte Rede nenne. Also: an vorzeitiger Bereitstellung einer ausreichenden, nein, sag: einer Reserve hinderten, die jeden Zwischenfall ausschließt – sozusagen einer pupillarsicheren Reserve, mit der auch eine Hoheit Korpskommandant sein könnte – wäre es Pflicht des Korps-Kommandos gewesen, beim Heeresguppenkommando rechtzeitig eine Verkürzung der Front zu beantragen. Sie haben aber im Gegenteil sogar unsre diesbezügliche Anfrage ablehnend beantwortet, angeblich, weil dadurch eigene Artillerie-Stellung ungünstig verlegt werden müßte, und haben immer nur Infanterie-Reserven verlangt, über die das Heeresgruppenkommando nicht verfügte. Was eine Schwerfälligkeit ist. Überhaupt „ließ das 12. Korps-Kommando die unbedingt erforderliche, elastische und rasche Anpassung an nicht ganz glatte Situationen in der letzten Zeit vermissen“. „Und wenn es sich auch nur um einen vom Heeresgruppenkommando im eigenen Wirkungskreis bereits ausgeglichenen Zwischenfall handelt“, so erlaubt sich das Heeresgruppenkommando doch dem Chef des Generalstabs anheimzustellen, zu erwägen, ob usw. Das Schema kennst du ja schon.
OBERSTLEUTNANT K.:
Jawohl, gewiß.
BECHER:
Du sagst ihnen also: wir wollen den Herrn Oberst Generalstabs-Chef fort haben.
K.:
Jawohl. Wenn Fehler vorgekommen sind, so hat sie der Herr Oberst begangen.
BECHER:
Aber bitte mißversteh mich nicht: wir berichten wahrheitsgemäß, klar und offen, wie es für Soldaten ziemt. Nur müssen wir – sozusagen aus schuldigem Respekt – dem Armeeoberkommando, das die Reservedivision nicht früher bereitstellen konnte, sage ich, eine goldene Brücke baun. Denn damit ist gar nicht gedient, daß man auf den Tisch haut und schreit „ich hab’s prophezeit“. Und H. wird sich erinnern, daß ich’s prophezeit hab. GENERALSTABS-HAUPTMANN:
Jawohl, Herr Oberstleutnant haben mir schon vor 8 Tagen gesagt: da sollte eigentlich eine Reserve hin, und die wär auf den Tag zurecht gekommen.
Becher, Hauptmann des Generalstabs, Oberstleutnant K.
BECHER:
Also. Auf den Tisch haun, das macht das 12. Korps. Ja, und darum schreibst du noch einen Privatbrief an den Oberst Kindermann vom Armeeoberkommando und sagst ihm – ganz so freiwillig als deine eigene Meinung – daß Exzellenz über den Zwischenfall sehr aufgebracht ist und sich schon wiederholt über die Widerstände geärgert hat, die seine Anordnungen beim Korps-Kommando finden. Sag: Exzellenz weiß eine aufrichtige Überzeugung zu schätzen. Sag auch, wir würdigen, je weiter vorn, desto deutlicher der Blick, oder laß das lieber, sonst suchen sie eine Spitze darin. Sag einfach, daß ist keine Überzeugung mehr, sondern macht den Eindruck nervöser Überreiztheit. Sag: weiß vor keiner Autorität haltzumachen. Vor keiner, damit sie merken, daß er auch sie kritisiert. Läßt daher die für seinen Posten erforderliche Anpassungsfähigkeit an die Intentionen des Heeresgruppenkommandos und Armeeoberkommandos vermissen. Sag: selbst ich, der ich immer für die hohen Qualitäten des Herrn Oberst eingetreten bin, vermöge Sr Exzellenz diese Vorfälle nur mehr als eine vorübergehende nervöse Überreiztheit zu entschuldigen. Würde also auf einem ruhigeren Posten im Hinterland seine Kriegserfahrungen zum Vorteil des Allerhöchsten Dienstes ausgezeichnet verwerten können. Du mußt sehr vorsichtig sein, als Oberst im Generalstab hat er natürlich oben seine Verbindungen. Der Oberst .. vom Armeeoberkommando ist sein Jahrgangskamerad.
K.:
Ich muß halt ungefähr ebenso schreiben wie neulich beim Oberstleutnant Y.
BECHER:
Ja. Hm. Sag eben: stets als Pflicht erachtet, bei der Wichtigkeit unsrer Front selbst bewährte, wenn aber nicht in jeder Hinsicht hervorragend entsprechende Führer auszuscheiden ..
K.:
Noch eines, Herr Oberstleutnant. Hier ist ein Belohnungsantrag, in dem sich der Korps-Kommandant geradezu begeistert über den Herrn Oberst ausspricht.
BECHER:
(sieht an.) Muß natürlich liegenbleiben! Frag in 3 Wochen wieder damit an.
K.:
Jawohl. In 20 Minuten leg ich die Konzepte vor; sie können dann noch mit zum Rapport.
BECHER:
Nein. Morgen; Exzellenz weiß ja noch gar nichts .. Das heißt, natürlich, ich muß nochmals ausführlich mit Exzellenz darüber reden. Kann auch nicht warten. Und schreib dem Kindermann: ich lasse dem Herrn Oberst meinen gehorsamsten Respekt vermelden und hätte eine sehr schöne Brigade für den Herrn Oberst frei, für die Zeit seiner Frontdienstleistung, falls er sie bei uns ableisten will. Danke. (K. ab. Hauptmann ab.)
Becher, Oberst Fürst Kinsky
Becher nimmt die Telegramme zusammen und eilt zur Tür. Unterwegs prallt er fast mit Oberst Fürst Kinsky zusammen, der – eine Ordonnanz hinter ihm – eingetreten ist. Die Ordonnanz ist ein junger kräftiger Bursche mit vielen Auszeichnungen, sie trägt dem Oberst ein großes gewichtiges Lederportefeuille. Fürst Kinsky ist ein Herr in die 50, rundlich, Kahlkopf, Husarenuniform.
BECHER:
Durchlaucht, mein ergebenstes Kompliment.
KINSKY:
Guten Morgen, lieber Becher, guten Morgen. (Sie reichen sich die Hände.) Immer in Eile, immer in Eile.
BECHER:
Du verzeihst, Durchlaucht, ich muß nur einen Augenblick zu Exzellenz; ich stehe dann ganz zur Verfügung.
KINSKY:
Ja, natürlich, natürlich. Aber vorher nur einen Augenblick, ich muß dich etwas sehr sehr Dringendes bitten. (Becher sieht nach der Uhr, Kinsky winkt die Ordonnanz heran und läßt sich das mächtige Portefeuille reichen, das er auf den Kartentisch legt und sorgfältig ausbreitet. Es hat ungezählte Fächer, sie sind alle leer. Nur im mittelsten etwas achtsam in Seidenpapier Geschlagenes, das er vorsichtig auswickelt.)
KINSKY:
Hat dir der Küchenchef des Hofzugs vielleicht schon telefoniert? Ja, ja. Ich habe mir erlaubt, ihn an dich zu weisen.
BECHER:
Hier, Durchlaucht. Aber Durchlaucht, wenn ich dich aufmerksam machen dürfte, nicht, daß es mir nicht jederzeit ein Vergnügen wäre, aber es geht schneller, wenn er ein andermal sich direkt mit dem Chef der Detail-Abteilung in Verbindung setzt. (Er nimmt seine Telegramme wieder auf.)
KINSKY:
(hat sich einen Zwicker aufgesetzt.) Detail-Abteilung sagst du? Wie heißt er?
BECHER:
Kurz.
KINSKY:
Ach, ja ja, das ist dieser Große? So ein großer Magerer, nicht wahr?
BECHER:
Ja.
KINSKY:
Ja natürlich, ja, ich erinnere mich … Aber ich vermag das wirklich nicht ganz zu lesen, was du da geschrieben hast. Was à la …?
BECHER:
Ach verzeih, Durchlaucht, ich habe ganz vergessen, es ist ja teilweise stenographiert. (Er nimmt es ihm aus der Hand und setzt sich, um es rasch abzuschreiben.)
Becher, Oberst Fürst Kinsky, Major Kurz
KINSKY:
(lacht befriedigt.) Ja, ja. Aber bemüh dich doch nicht, bemüh dich nicht, ich werde es schreiben, wenn du mir diktierst.
BECHER:
Durchlaucht, für dich kenne ich keine Mühe.
KINSKY:
Ich mache mir wirklich Vorwürfe, daß ich dich in deinen wichtigen Angelegenheiten störe. Aber du weißt ja, wie sehr Hoheit auf peinlichste Beobachtung aller Pflichten hält. Ja natürlich, ich weiß, daß sich das nicht im entferntesten mit deinem für das Vaterland bedeutungsvollen und – ich möchte sagen – genialen Pflichtenkreis vergleichen läßt, aber wenn Hoheit das Menü nicht rechtzeitig vorfindet, so schließt er daraus nicht mit Unrecht, daß, wenn im engen Kreis nicht alles tadellos funktioniert, dies unmöglich im großen der Fall sein könne.
BECHER:
Ein sehr richtiger Grundsatz, Durchlaucht! Aber nun: 5 Minuten.
KINSKY:
Ja ja ja, aber lieber Becher, das muß ja noch mit der Maschine geschrieben werden.
BECHER:
(schlägt sich an die Stirn.) Siehst du, an so etwas denkt man nicht. (stürmt zur Tür und schreit einer Ordonnanz zu:) Major von Kurz!! (zurück:) Siehst du, aus solchen Zwischenfällen lernt unsereiner immer wieder, was du vorhin gesagt hast, daß bei uns Soldaten der kleinste Pflichtenkreis ebenso wichtig ist wie der größte. Viele von uns Generalstäblern übersehen das; sie glauben, es ist schon genug, wenn sie ihren Befehl gut ausgedacht haben. Aber nimm bloß einen Kompanie-Kommandanten an, einen braven Troupier, oder meinetwegen den Kompanie-Kommandanten Schuster. Was alles hängt von ihm ab. Kann mein Kopf den seinen ersetzen? Niemals! Auf ihn kommt es genauso an wie auf mich.
KINSKY:
Ja ja das Volksheer. Das ist das moderne Volksheer.
BECHER:
Ganz richtig, Durchlaucht, aber du würdest nicht glauben, wie viele, selbst Generalstäbler, das noch nicht begriffen haben. Ich möchte es die Ehrfurcht vor der kleinen Pflicht nennen!
KINSKY:
Sehr richtig, sehr richtig. Aber wie wenige haben den Kopf, so wie du mitten in ihren eigenen Obliegenheiten an so etwas zu denken. (Major von Kurz tritt ein.)
MAJOR KURZ:
Meinen Respekt, Durchlaucht.
KINSKY:
Guten Morgen, Major von Kurz, nicht wahr? Ja, wir kennen uns ja schon, ja.
BECHER:
Lieber Kurz, hast du sofort eine Maschine frei?
MAJOR KURZ:
Jetzt vor dem Rapport werden alle sehr viel zu tun haben.
BECHER:
Ich kann dir nicht helfen, laß eine ausspannen. Das muß sofort abgeschrieben werden.
MAJOR:
(sieht es zweifelnd an.) In wieviel Exemplaren, Herr Oberstleutnant?
KINSKY:
Ja, ja, 6, 6 Mal, lieber Kurz; 4 für die Tafel, dann brauchen wir eines für den Hofzug, und eins wird immer ans Kriegsarchiv geschickt.
MAJOR:
Ja, aber auf den Karton? Natürlich, dann muß jedes extra geschrieben werden.
BECHER:
So laß sechs Maschinen ausspannen.
MAJOR:
Ja, natürlich, natürlich. Sofort.
KINSKY:
Ja, bitte, lieber Kurz, bitte.
(Kurz ab.)
BECHER:
Durchlaucht, ich hätte eine Bitte an dich.
KINSKY:
Aber gewiß, gewiß.
BECHER:
Natürlich nicht für mich, sondern für einen andren, und auch im Interesse unserer großen Sache. Du hast ja gewaltigen Einfluß beim Armeeoberkommando.
KINSKY:
Oh ..!
BECHER:
Du weißt, ich schmeichle nie, aber wenn man so hoch steht wie du, bedarf das auch keiner weiteren Begründung. Nun haben wir hier den Oberst .., Generalstabschef des 12. Korps.
KINSKY:
Ach den …, natürlich, den kenn ich ja sehr gut; ein reizender und gescheiter Mensch.
BECHER:
(stutzt einen Augenblick und wechselt den Weg.) Ja, ein lieber und – bedeutender Mensch. Ein ganz hervorragender Offizier. Und: ein Charakter!
KINSKY:
Also eine Auszeichnungsangelegenheit, nicht wahr?
BECHER:
Ja, Durchlaucht.
KINSKY:
Ich soll ein bißchen nachhelfen, bohren …?
BECHER:
Wir haben hier einen Auszeichnungsantrag für ihn liegen und würden sehr gerne sehn, wenn er oben durchginge.
BECHER:
Ja, wenn du wolltest, Durchlaucht ..! Aber ich darf dir nicht verhehlen: der Fall liegt etwas schwierig. Oberst .. ist erst vor 2 Monaten ausgezeichnet worden, und das Armeeoberkommando schickt uns den Antrag unweigerlich zurück – mit dem Auftrag, zu warten. Das ist Grundsatz.
KINSKY:
Also, was meinst du, kann man da tun?
BECHER:
Dann hat der Herr Oberst .. außerdem, wie du ja vielleicht schon weißt, gestern Malheur gehabt, die Cauriol-Stellung ist zum Teufel gegangen, ziemlich viel Verluste, und wenn er auch gar nichts dafür kann, man ist nur zu geneigt, immer den Generalstabs-Chef zum Sündenbock zu machen.
KINSKY:
Ja ja, das tut mir aber leid. Wirklich leid um den armen …
BECHER:
Ich hätte eine Idee. Aber ich verhehle nicht, daß sich zu ihr zu entschließen, eine gewisse Kühnheit erfordert.
KINSKY:
Sag nur, bitte, sag nur.
BECHER:
Du weißt, Durchlaucht, daß im Hinterland nicht alles so ist wie es sollte.
KINSKY:
Ja leider, leider ist es so.
BECHER:
Die Regierung hat nicht die nötige Festigkeit.
KINSKY:
Ja nun, das ist schwer. Rücksichten, Stimmungen ganz hoch oben.
BECHER:
Aber wir brauchen eine starke Hand.
KINSKY:
(vorsichtig:) Ja ja, das ist leider nicht so einfach.
BECHER:
Wir brauchen wenigstens jemand, der unsre Interessen mit Festigkeit bei der Regierung und ganz oben vertritt.
KINSKY:
Das ist richtig, das ist gewiß richtig.
BECHER:
Der Kriegsminister ist zu abhängig.
KINSKY:
Jawohl, der Kriegsminister ist abhängig.
BECHER:
Der Chef des Generalstabs hat andre Sorgen und auch nicht das Interesse dafür.
KINSKY:
Ja ja, wohl möglich.
BECHER:
Also?
KINSKY:
Ja, ich bin ein einfacher Privatmann und jetzt Soldat.
BECHER:
Die Hauptsache, Durchlaucht, ist die Hauptstadt. Dort sind die Arbeitermassen konzentriert, dort sammelt sich die Politik, dort sind die Zeitungen, die Regierung … Ich sage, einer der wichtigsten Posten, den wir zu vergeben haben, ist das dortige Stadtkommando. Der Stadtkommandant von … ist sozusagen der Hinterlands-Generalstabs-Chef der Armee.
KINSKY:
Eine neue, sehr interessante Auffassung.
BECHER:
Es muß natürlich mit der bisherigen Behandlung dieses Postens gebrochen werden. Da gehört kein x-beliebiger General hin, sondern eine Hoheit, und als Generalstabs-Chef gehört einer der fähigsten, bewährtesten Stäbler an seine Seite, der die Bedürfnisse des Krieges kennt, Zivilverstand hat, selbständiges Urteil und vor allem – Charakter. Ich wüßte mir keinen besseren zu denken als den X.
KINSKY:
Aber wird er denn wollen?
BECHER:
Das ist es eben. Keiner von uns Front-Offizieren will ins Hinterland. Das ist begreiflich. Aber andrerseits wird jeder von uns das Opfer bringen, wenn es zum Wohle des Allerhöchsten Dienstes gefordert wird.
KINSKY:
Hm, ja, die Idee ist ja sehr wichtig.
BECHER:
Wir machen eben die Eingabe an das Armeeoberkommando. Wenn du dein gewichtiges politisches Urteil in gleichem Sinne abgeben könntest –
KINSKY:
Wie gesagt, lieber Becher, ich bin nur ein einfacher Privatmann, aber die Idee finde ich ja eminent.
BECHER:
Und so kommt es nur darauf an, daß die neue Stellung so ausgestaltet wird, daß … die Ehrung fühlt, und das wollen wir ja.
KINSKY:
Ja, das meine ich auch. Wenn schon, denn schon.
BECHER:
Ein sehr richtiger Grundsatz, Durchlaucht. Und scheidet X. von der Front, so ist bei dieser besondren Gelegenheit natürlich auch der Anlaß gegeben, der uns erlaubt, im Auszeichnungsantrag seine Verdienste noch einmal zusammenfassend zu würdigen.
KINSKY:
Ich verstehe, verstehe. Du hast eine fabelhafte Fähigkeit, nicht das Geringste auszulassen und immer eins ans andre zu schließen.
BECHER:
Kein Verdienst, Durchlaucht, sondern mein tägliches Brot.
KINSKY:
Du solltest in so eine Stellung!
BECHER:
Zu gütig, Durchlaucht, aber ich bin zu jung und habe nicht den nötigen Rang.
KINSKY:
Ach, immer dieser Schematismus. Man sollte bei uns viel mehr, als es geschieht, die richtigen Kräfte ins richtige Licht setzen. (Major von Kurz bringt die Menükarten.)
MAJOR:
Bitte gehorsamst, Durchlaucht, hier.
KINSKY:
(setzt Zwicker auf und liest sie sorgfältig durch.)
BECHER:
Aber wenn ich bitten darf, Exzellenz gegenüber vielleicht noch nichts zu erwähnen. Exzellenz hat ja so seine Eigenheiten; liebt es, zu glauben, wenn wir Erfolg haben, daß das nur unsrem Vorschlag zu verdanken sein soll, und ich muß ihm dann immer erst allmählig beibringen, was noch dazugehört hat.
KINSKY:
Ja, immer ein wenig Idealist. Ich möchte fast sagen, ein Glück, daß er dich zum Berater hat … Ausgezeichnet. Einwandfrei. Ich danke dir vielmals, lieber Kurz, entschuldige die Störung (Hand. Kurz ab.) Und du, lieber Becher, laß dich um Gottes willen nicht mehr aufhalten, ich gehe; ich komme dann später; ich habe dir auch noch etwas zu sagen.
BECHER:
Ja, ich muß jetzt wirklich eiligst. Also, auf Wiedersehen, meinen Respekt, Durchlaucht.
KINSKY:
Auf Wiedersehen. Du kannst auf mich zählen.
Ordonnanz-Offiziere
Personen: Coitkovic als Proviant-Offizier, stellt sich jovial nachlässig vor, spricht ein paar ziemlich respektlose Worte über Becher; Graf A.; Baron ..; der Jude Rittmeister von Safarovic; zwischendurch der Chef der Nachrichten-Abteilung; der Chef der Detail-Abteilung. Allgemeine panamitische Konversation – Gegensatz gegen die Front. Oberleutnant durch offene Tür, ob Becher fort ist, bittet dann Coitkovic um Gefälligkeit. Ausgeschlossen! Oberleutnant Schmidt vom Theresianum: „Ein Herr in Ihrer Stellung, Exzellenz!“
COITKOVIC:
(zum Chef der Detail-Abteilung:) Was will „jenner“?
DETAIL-ABTEILUNG:
(zuckt geheimnisvoll die Achseln.) Becher.
COITKOVIC:
Ah, Respähkt! … Und ich hab in verderblichem Leichtsinn gesagt …
DETAIL-ABTEILUNG:
Kommst ins Trommelfeuer!
COITKOVIC:
Der Proviant-Offizier! Hast du je erlebt, daß ein Proviant-Offizier ins Trommelfeuer gekommen ist? Wo bleibeten dann die Mehlsackerln? Die nimmt er mit als Sandsackdeckung. Und der Zucker für die süße ..?
(DETAIL-ABTEILUNG:
Pssst!
COITKOVIC:
Ein Proviant-Offizier ist kugelsicher, der wird nicht erschossen. Höchstens aufgehängt.)
SAFAROVIC:
(sieht, daß sie witzeln und kommt hinzu.) Wer ist „jenner“?
DETAIL-ABTEILUNG:
Jüdelt’s doch nicht allerweil.
COITKOVIC:
Was willst du, soll jenner nicht seine Muttersprache gebrauchen dürfen?
SAFAROVIC:
(gibt ihm einen Rippenstoß.) Du bist ärger als zehn Juden. Vorgestern beim …. Tarockzählen sagt jenner plötzlich ganz aus dem Innersten: Elef.
DETAIL-ABTEILUNG:
Was?
COITKOVIC:
Elef! Elef, das Dutzend, kennst du nicht?
SAFAROVIC:
Finef, das halbe Dutzend? Das mußt du dir vom Coitkovic erklären lassen, Coitko hatte die jüdische Kommandosprache erfunden.
COITKOVIC:
Blaha!
BLAHA:
Herr Hauptmann?! (forciert Habtacht.)
COITKOVIC:
Wer ist jenner, der schon sagt: Muttersprache, Mutterlaut …
BLAHA:
(zitiert vollständig:) …..
COITKOVIC:
Danke. Abtreten.
BLAHA:
(macht forciert: „Ruht“.)
DETAIL-ABTEILUNG:
Fett ist der Blaha.
COITKOVIC:
Er sollt „Blada“ heißen.
BLAHA:
Der Soldat hat sich in allem ein Beispiel an seinen Vorgesetzten zu nehmen.
DETAIL-ABTEILUNG:
Arme hat er so dick wie eine Mamma (kneift hinein.)
BLAHA:
Alles Muskel, Herr Major!
DETAIL-ABTEILUNG:
Meiner Seel.
SAFAROVIC:
Er ist ja Turner. Wieviel stemmst du, Blaha?
BLAHA:
Neunzig Kilo mit durchgedrückten Knien.
COITKOVIC:
Neulich war er besoffen, da wollt er, daß ich ihm auf den Bauch spring.
DETAIL-ABTEILUNG:
Aber da zerspringst du, Blaha!
BLAHA:
Nicht zu machen.
COITKOVIC:
Mit 104 Kilo!
BLAHA:
Und 12 Kilo Wein extra drin.
ALLE:
Ha ha.
DETAIL-ABTEILUNG:
Was machst du eigentlich hier? Du bist ein Held, du gehörst an die Front!
COITKOVIC:
Nicht zu machen. Proviant-Offizier-Stellvertreter; Menage-Offizier.
DETAIL-ABTEILUNG:
Na, wir werden dich schon expedieren.
BLAHA:
Frontdienstuntauglich, Herr Major.
DETAIL-ABTEILUNG:
Weißt du wirklich, was dir fehlt?
BLAHA:
Gewiß. Bartflechte.
DETAIL-ABTEILUNG:
Wo?
BLAHA:
Ja, die ist momentan weg, aber sie ist chronisch.
SAFAROVIC:
Kommt und geht mit der Musterungskommission.
BLAHA:
Außerdem Hämorrhoiden.
DETAIL-ABTEILUNG:
Was bist du denn in Zivil?
COITKOVIC:
Realschulprofessor.
DETAIL-ABTEILUNG:
Ah, Gelehrter? Ja, du bist eben gescheit.
BLAHA:
Nein nein, das macht ganz fürchterliche Schmerzen, Herr Major, ich versag vollkommen.
COITKOVIC:
Sonst würde es ihn doch nicht fern von der Verteidigung des Vaterlandes dulden; er ist ein deutscher Mann!
DETAIL-ABTEILUNG:
Blaha ist ein Deutscher?
SAFAROVIC:
Sagt jenner.
COITKOVIC:
No, und wie deutschnational, du solltest ihn reden hören.
DETAIL-ABTEILUNG:
Ah ja, wo wart ihr denn gestern?
SAFAROVIC:
Im grünen Stern.
GRAF A.:
(hinzugetreten.) Bibi hat Geburtstag gehabt.
DETAIL-ABTEILUNG:
So? Gratuliere.
SAFAROVIC:
Coitko hat mir eine wunderschöne Geburtstagstorte backen lassen, einen Meter Durchmesser, mindestens.
COITKOVIC:
Taikezen Se do nix, jenner ist Chef der Detail-Abteilung.
SAFAROVIC:
Nu? War das noch Detail? Das war en gros.
DETAIL-ABTEILUNG:
Ihr seid die Wahren.
COITKOVIC:
Macht das bißchen: 400 000 jemand glücklich? Ihn hat es glücklich gemacht.
A.:
Kommst du heute abends mit uns, Herr Major?
DETAIL-ABTEILUNG:
Wo seid ihr denn?
COITKOVIC:
Ah, das läßt sich gar nicht so sagen.
DETAIL-ABTEILUNG:
Werden sehn. (Uhr.) Aber das dauert mir hier zu lang. Ich komm später wieder.
A.:
Dieses blöde Leben hier … Was ist man?: Chauffeur. Neulich hab ich in meiner Wut den Alten beinahe umgeschmissen; weißt du, was er gesagt hat? Glauben Sie, daß Sie eine Fuhre Mist kutschieren, Herr Oberleutnant?!! … Was sagt man dazu?!
COITKOVIC:
Wenn der Soldat nicht weiß, was er antworten soll, sagt er in allen Lebenslagen: ja wolll! (Sie amüsieren sich königlich über den blöden Witz.)
BLAHA:
Jawoll, Exzellenz, ja wolll.
COITKOVIC:
Schweig, Professor Blaha, Bürgerschwein, das war nur für den hohen Adel. Dir kann der Alte noch ganz andre Dinge sagen, ohne daß du mucksen darfst.
BLAHA:
So? Ich stehe unter einem Schutz, der mächtiger ist als er.
COITKOVIC:
Kenne ihn, ruht! Schüler Blaha: unentbehrlich muß man sein. Und was ist das Unentbehrlichste am Menschen?
SAFAROVIC:
Die Bartflechte.
COITKOVIC:
Mach du Witze über die Zuckerkrankheit! Wenn einer 30% Dividende von seinen Zuckerfabrikanten hat, soll Salkind nicht 3% Zucker davon in seinem Harn finden?
A.:
Salkind! Wo ist Salkind? Wo ist der Jud? Der ist doch sonst jeden Tag beim Lever.
BLAHA:
Lewi beim Lewé .. hohoho!
COITKOVIC:
Ruhe, Professor! Das Unentbehrlichste am Menschen ist am Ende des dritten Kriegsjahrs der Proviant-Offizier! Habe ich recht?!
A.:
Was sich so ein Mensch wie der Blaha eigentlich einbilden muß! Den ganzen Tag stehn da zehn Menschen und warten. Er ist schon sonderbar, der Krieg.
Exzellenz Graf Harrach, Rittmeister, tritt ein (älterer Herr usw.)
BLAHA:
Respekt, Exzellenz!
COITKOVIC:
Rehspäkt!
HARRACH:
(gibt Graf A. die Hand.) Ist der Festetics nicht da?
BLAHA:
Nein, Exzellenz, der ist jetzt nie da. (Harrach tritt zu einer Gruppe Stabs-Offiziere, die sich gebildet hat.)
SAFAROVIC:
Wo ist eigentlich der Festetics?
COITKOVIC:
Wo wird er sein? Bei jennem.
SAFAROVIC:
Aber ausgerechnet zur Befehlszeit, wo er da sein soll?
COITKOVIC:
No na, er wird hingehn, wenn Becher zu Haus ist. (Ein Generalstabs-Offizier legt Graf A. die Hand um die Schulter.)
COITKOVIC:
Keine Privatgespräche bitte, lassen Sie uns den Augenblick benutzen, um ernst zu reden, meine Herrn. A., ich brauch 10 000 Kilo Marmelade.
A.:
Bin ich denn ein Börsenjud?
Der fremde Oberleutnant hat sich inzwischen den eingetretenen Höheren vorgestellt, wenn sie ihm in die Nähe kommen. Rittmeister Graf Harrach hat dies freundlich flüchtig beantwortet.
ERSTER GENERALSTABS-MAJOR:
Sie kommen von der Front?
OBERLEUTNANT:
Nein, vom Spital.
MAJOR:
Aber gehen an die Front?
OBERLEUTNANT:
Ja.
MAJOR:
Schön, schön. Servus! (gibt ihm die Hand.)
Später:
ZWEITER GENERALSTABS-MAJOR:
Sie kommen von der Front?
OBERLEUTNANT:
Nein, vom Spital.
MAJOR:
Aber gehen an die Front?
OBERLEUTNANT:
Ja.
MAJOR:
Sie sind ein Bekannter von Becher?
OBERLEUTNANT:
Ja.
MAJOR:
Freut mich sehr, hat mich sehr gefreut, Herr Oberleutnant; servus!
Major Doktorovich, gefolgt von zwei verwundeten Oberleutnants, ist hereingeflattert und sucht mit allen Zeichen höchster Aufregung den vermißten Akt. Es entstehen 4 Gruppen. Die eine: Doktorovich mit seinen zwei unglücklichen Helfern am Schreibtisch und Kartentisch; der fremde Oberleutnant in der Nähe. Die zweite: Coitkovich, Graf A., der erste Generalstabs-Major, Graf D. (neu.) Die dritte: Exzellenz Graf Harrach, der zweite Generalstabs-Major S., Becher, Oberleutnant Schmidt. Kinsky hinzugetreten, respektvoll begrüßt. Im Hintergrund: ein Rest bürgerlicher Offiziere.
COITKOVIC:
(zu Graf A.:) Nein. Dazu hast du viel zu wenig Talent. Aber du hast eine Tante.
A.:
Ich habe viele Tanten.
MAJOR:
Das sieht man ihm an, daß er viele Tanten hat.
COITKOVIC:
(unbeirrt:) Die Baronin X.
A.:
Ja, das ist eine Schwester von meiner Mutter.
COITKOVIC:
Und die hat die größten Obstplantagen im Banat.
A.:
Ja, natürlich hat sie die.
COITKOVIC:
Also brauchen wir nur noch eine Ausfuhrbewilligung.
A.:
Was?
COITKOVIC:
Nun, du kennst doch die Schwierigkeiten, welche deinen Onkeln und Cousins – die ungarische Regierung besteht ja doch aus lauter Verwandten von dir – die Ausfuhr von Obst bereitet.
MAJOR:
Ganz ausgeschlossen. Wir haben neulich für Spitalszwecke Marmelade benötigt, und nicht einmal das haben wir erreicht.
COITKOVIC:
Respekt, Herr Major! Ihr habt natürlich einen Akt gemacht und geglaubt, daß Ihr dafür Marmelade bekommt. Aber auf einen Akt kann man zwar, wenn er gut abgefaßt ist, eine lobende Erwähnung für hervorragend tapferes Verhalten im Heeresbericht kriegen, niemals aber ungarische Marmelade. Frag jennen, welchen Weg die geht. (Er winkt S. herbei. Sie tuscheln.)
(Andre Gruppe:)
GRAF HARRACH:
Wozu haben wir diesen Juden – na, ich schimpf sonst nie auf die Juden – diesen Journalisten beim Kommando? Wozu haben wir Feldzeitungen? Solche Aufsätze sollen sie bringen. Meinst du nicht auch, Herr Major?
MAJOR:
Gewiß. Aber du mußt mit Becher sprechen.
OBERLEUTNANT SCHMIDT:
Die Idee, das Jahr 18 mit dem Jahr 48 zu vergleichen, ist ein großer Einfall, Exzellenz.
GRAF HARRACH:
Der Patriotismus läßt gewiß zu wünschen übrig. Die Kriegsmüdigkeit wächst, die Klagen schwellen an, die materiellen Sorgen fangen an, einen ungebührlichen Raum neben den Idealen zu beanspruchen.
FÜRST KINSKY:
Das ist es! Es vollzieht sich eine Wandlung in den Materialismus.
GRAF HARRACH:
Aber dem ist nur durch Wiedererweckung der Begeisterung und Betonung des idealen Charakters unseres Kampfes zu begegnen.
OBERLEUTNANT SCHMIDT:
Ich nenne es ein Glück, daß Männer in so hoher Stellung wie Ehrwürdige Exzellenz dafür so lebhaftes Verständnis haben.
GRAF HARRACH:
Aber wißt ihr, was mir neulich in Wien passiert ist? …. (Sie tuscheln.)
(Dadurch wird die Gruppe Doktorovich hörbar, in der bis jetzt nur halblaut gegeifert wurde. Doktorovich fährt umher und demonstriert an Akten und leeren Kuverts, die er aus dem Papierkorb gefischt hat, den er durchsuchte. Er schimpft namentlich auf den einen jungen, hinkenden Oberleutnant los, der ihn mürrisch anhört.)
DOKTOROVICH:
So etwas kann nicht vorkommen, wenn man die Post pflichtgemäß behandelt. Man nimmt das Kuvert und schneidet es hier auf. Nicht hier! Dir ist es natürlich immer egal, wo du es aufschneidest. Ein paar Mal hast du dich sogar soweit vergessen, es mit dem Finger aufzureißen! Hier muß man es sorgfältig aufschneiden, damit die Geschäftsnummer darauf erhalten bleibt. Die ist unsre Deckung. Verstehst du: wir haben einen Diensteid geschworen und müssen uns jederzeit ausweisen können, daß wir ja unsre Pflicht getan haben; das verlangt die Ehre. Dann nimmt man das Dienststück vorsichtig mit zwei Fingern der rechten Hand und das Kuvert mit zweien der linken und zieht den Inhalt heraus, weil man ihn sonst zerreißen könnte. Dann vergleicht man die Geschäftsnummer des Akts mit der am Dienststück angegebenen, denn es kommt vor, – ich sage dir, in meiner langen Erfahrung habe ich solche Fälle gehabt – daß sie nicht übereinstimmen! Denke dir: sie stimmen nicht überein. Ja, du mußt nachdenken über deine Tätigkeit, stell dir vor, welche Folgen daraus entstehen können .. Dann wirft man das Kuvert nicht weg, sondern legt es links von sich – so, siehst du, eins über das andere – während man die Dienststücke rechts legt. Dann trägt man die Nummern in seinem Taschenbuch ein, verstehst du, das ist nicht vorgeschrieben, aber es ist gut und sozusagen bei mir ein Produkt der Kriegserfahrung, denn jetzt, wo alles rasch rasch gehen muß, ist es angezeigt, sich doppelt so genau vorzusehn als im Frieden – –
(zu dem andern Oberleutnant, den er zwischendurch beobachtet hat:) Noch nicht gefunden? Nicht dabei? Aber das gibt es nicht! Du hast natürlich nicht so gesucht, wie ich es dir erklärt habe. Nicht so blättern! Nimm dir einen Stuhl und lege jeden Akt, den du angesehn hast, darauf und dann erst den ganzen Stoß wieder zurück. (Er fängt an, das zu praktizieren. Der erste Oberleutnant wirft indes seufzend die Umschläge in den Papierkorb zurück und schaut zum Fenster hinaus.)
(Man hört:)
COITKOVIC:
Also, verstehst du. Deiner Tante ist es doch ganz egal, wem sie dies Obst verkauft.
HARRACH:
Ja, natürlich ist ihr das ganz egal.
COITKOVIC:
Und von uns bekommt sie mehr gezahlt als von dem ungarischen Juden. Verstehst du.
A.:
Nein. Aber –
COITKOVIC:
Na ja, du bist ja auch nicht ihr Verwalter. Also, sie bekommt mehr gezahlt. Und der Marmeladefabrikant bekommt das Obst – österreichisches Obst – von uns geliefert.
A.:
Von meiner Tante ihr Obst.
COITKOVIC:
Sehr richtig. Und macht auf unsere Rechnung Marmelade daraus. Und liefert uns die ungarische Marmelade aus k. u. k. Obst, das heißt, aus österreichisch-ungarischem. Das nennt man Veredlungsverfahren, was im Sinne der ungarischen Gesetze zur Hebung der heimischen Industrie liegt. So fehlt uns nur noch die Ausfuhrbewilligung für das Obst, wenn wir schon die für die Marmelade nie kriegen.
MAJOR:
Auch die kriegst du nie.
COITKOVIC:
Die muß sich seine Tante verschaffen, damit sie das Geschäft machen kann.
MAJOR:
Ausgeschlossen.
A.:
Das möchte ich sehen. Natürlich wird sie sich diese Bewilligung verschaffen. Es handelt sich ja doch um einen patriotischen Zweck. Die Soldaten kriegen keine Marmelade, damit die Fabrikanten reich werden. Das ist direkt eine patriotische Aufgabe, dieses Gesetz zu durchbrechen.
COITKOVIC:
Deine Tante ist verwandt mit dem Tisza?
A.:
Ja natürlich, ihre Schwägerin, die Gräfin Sandor Karolyi ….
COITKOVIC:
Also, siehst du. Das vergiß nicht, das ist ebenso wichtig wie der Patriotismus. Und du bekommst 14 Tage Urlaub, um die Sache an Ort und Stelle einzurichten. Nach Budapest fahr ich mit dir.
MAJOR:
(klug:) Und eins scheinst du ganz vergessen zu haben, daß die Marmelade um die Hälfte teurer kommt als wenn ihr sie kauft und um die Ausfuhr im normalen Weg ansucht.
COITKOVIC:
Um die Hälfte teurer? Zweieinhalb Mal so teuer! Aber was ist, wenn der Aktenschimmel nicht schnell genug galoppiert und wir plötzlich zwei Wochen lang keine Marmelade am Tisch haben? Das Gesicht vom Alten schaut sich der Hauptmann Coitkovic nicht an! Und der Major Coitkovic bekäm es überhaupt nie mehr zu sehn.
(Man hört:)
GRAF HARRACH:
(vorlesend:) „Im Jahre 1848 bestieg Kaiser Franz Josef I. den Thron seiner Vorfahren, umtost von den wilden Ausbrüchen der Revolution und von dem Freiheitsdrang seiner Völker. Es war kein leichtes Beginnen, die Zügel der Regierung zu ergreifen und die erregte Volksseele in die richtigen Bahnen zu leiten. Es gelang ihm, die Freiheitswünsche zu befriedigen – durch die Erteilung der Konstitution, es gelang ihm auch, den Überschwang derselben zu bändigen.“