Kitabı oku: «Robert Musil: Gesammelte Werke», sayfa 67
KINSKY:
Sehr richtig.
HARRACH:
Wie?
KINSKY:
Sehr richtig, sehr.
HARRACH:
„.. bändigen und von den Väterrechten das zu erhalten, was gut und nach innen zeitgemäß war. Er stand, wenn auch nach einigen Konzessionen an den Willen der Völker auf Kosten seiner unumschränkten Macht, zum Schlusse doch als Sieger da –“
KINSKY:
Sehr wichtig.
HARRACH:
„.. noch dazu als gnädiger und huldreicher, der die Verfehlungen seiner Untertanen verzeiht und ihnen selbst die Hand zu einem auch für sie ehrenvollen Frieden bietet.“
KINSKY:
Sehr schön; diese Stelle ist besonders schön.
HARRACH:
„Die Verfassung und die andern Freiheiten waren zwar von ihm zur Erhaltung des Friedens unter dem Drucke der Ereignisse verliehen worden, immerhin waren sie ein freier Willensakt desselben, die Frucht seiner Weisheit und seines Erbarmens.“
KINSKY:
Vielleicht ein bißchen zu stark ausgedrückt.
HARRACH:
„Die Völker selbst blieben ihm dankbar dafür – bis zu seinem Tode, wenn auch zeitweise radikale Einflüsse bei einzelnen derselben dieses schöne Verhältnis zu trüben versuchten.“
MAJOR:
Wirklich schön gefühlt.
OBERLEUTNANT SCHMIDT:
Aber Exzellenz, die schöne Stelle über seinen Nachfolger noch einmal bitte – bitte.
HARRACH:
„Unter dem Donner der Geschütze, dem Heulen der Geschosse, dem Ächzen der Sterbenden, den Schmerzensschreien der Verwundeten, beleuchtet von brennenden Städten und Dörfern, besteigt Kaiser .. den Thron seiner Ahnen. Das blutdampfende Schwert in seiner Rechten …“ Hast du das gemeint?
OBERLEUTNANT SCHMIDT:
Ja, Exzellenz. Da ist so viel Kraft, so viel Erhebung darinnen! Ich weiß wirklich nicht, warum das nicht überhaupt alle Zeitungen bringen sollten. (Allgemeines verlegen andächtiges Schweigen. Nur Doktorovich kramt weiter.)
COITKOVIC:
Ja aber Doktorovich! Du paßt ja gar nicht auf.
DOKTOROVICH:
(verstört, mit angelaufenem Gesicht:) Wie? Was? Hat mich wer was gefragt? (Allgemeines „Halloh!“ Doktorovich verliert den Kopf.) Ach, sucht ihr den Akt. Wenn Becher kommt und ihn nicht findet, ist der Teufel los. Da heißt es natürlich gleich: Schlamperei. Ihr habt leicht übermütig sein, setzt ihr euch an meine Stelle. Natürlich, der Herr Oberleutnant sieht zum Fenster hinaus, statt suchen zu helfen.
OBERLEUTNANT:
Aber der dumme Akt findet sich jetzt ja doch nicht.
COITKOVIC:
Und später kommt er von selbst, das tun alle Akte.
So nicht, so findet er sich nicht, wie ihn der Herr Oberleutnant sucht. (Der zuckt mürrisch die Schultern.) Die Herren Ordonnanz-Offiziere haben leicht, übermütig zu sein. Aber du, aktiver Oberleutnant, solltest die Erfahrungen eines alten Kameraden nicht so von dir weisen. Wenn du nicht in die Kriegsschule kommst – und so kommst du es nie – wirst du noch manches tun müssen, was dir nicht paßt.
OBERLEUTNANT:
Ach, Herr Major, ich passe dazu nicht. Ich habe kein Talent dazu. In ein paar Wochen hoffe ich, an der Front zu sein.
DOKTOROVICH:
Das haben wir alle einmal gehofft … Jawohl, das hoffen wir alle Tage. (ab mit Gefolgschaft.)
(Gelächter, Witzeln, Durcheinander.)
(Gruppe Kinsky, Harrach, Graf A.:)
HARRACH:
Aber sag nur: der Festetics …?
KINSKY:
Mein Gott, in seinem Alter, und man muß sagen: er hat nicht gewöhnliche Interessen. Er mag nicht einfach den ganzen Tag Karten spielen.
A.:
Nein, das kann ich auch nicht verstehn, wie man den ganzen Tag Karten spielen kann; das strengt ja den Kopf ganz übermäßig an.
HARRACH:
Oh, er hat einen ausgezeichneten Kopf, einen ganz ausgezeichneten Kopf.
KINSKY:
Ja, ein sehr gescheiter Mensch. Spielt ausgezeichnet Whist und l’Hombre. Überhaupt habe ich noch niemand gesehn, der ein neues Spiel so rasch erlernt hätte wie er. Eine ganz eminente Auffassungsgabe hat er!
A.:
Hast du eigentlich Nachricht, was mit seinen Vettern in der englischen Armee ist?
HARRACH:
Seine Mutter steht in Korrespondenz mit ihnen.
A.:
Werden sie nicht mal herüber kommen?
KINSKY:
Oder er hinüber. In Mission. Er ist ja Diplomat. Vielleicht.
(Becher tritt ein.)
Weitere Konzepte
I.
Das Stück fängt an vor Beginn eines großen Angriffs, in den noch III. fällt. Wonne, unter einer zusammengestürzten Kaverne begraben zu liegen. Vorher Gespräch – um die Zeit totzuschlagen, fragt der Hauptmann jeden einzelnen, was er in Zivil macht. Lebensinhaltslosigkeiten enthüllen sich. In I. Hocheles beim Rapport. Hier sieht man, wie mit den Verwundeten obenhin disponiert wird, während man sie in III. selbst sieht. In IV. Gespräche von Ordonnanzen. Schiebungen. Hinterland. Witwen rücksichtslos zeichnen das Tragische schon in der Lebensunmöglichkeit.
„Hat jeder Mann Handgranaten?“ Chor: „Ja.“
1. Akt Kommando
2. Akt eventuell Privatvilla
3. Akt dieser
4. Kriegsministerium
Marietta = Peppina; eigentlich heißt sie Peppi; im Krieg erhöhte sie sich. Maitresse eines Grafen und eines Reichl. In II. Hof bei ihr. Antichambrieren von Offiziersdamen, Ordonnanz-Offizieren, adligen Front-Offizieren. Hochmann behandelt sie; eventuell eine Potipharszene zwischen ihr und dem Oberleutnant. Sie ist Schulkameradin seiner Frau, will sich bloß rächen. Er weist sie zurück, nicht aus Treue, sondern aus Ekel. Es ist schwierig, ihn zu halten. „Weißt du“, sagt Peppina zu Maxl, „du solltest doch nicht tun, was du nicht ganz verantworten kannst.“ Festetics setzt Peppina auseinander, welchen Einfluß noch immer der Adel hat, um sie für sich zu gewinnen.
II. Ordonnanz-Offiziere
Die Vorzimmerszene auf alle 3 Akte strecken. Eventuell: alle 3 oder 4 Akte Operationszimmer bzw. Vorzimmer. Marietta unter verschiedenen Vorwänden da. Kann sich auch mit Festetics einsperren; sie wird es schon motivieren. Tötet sich da. Währenddessen immer stärkere Steigerung der Kampfepisode. Becher in ganzer Größe. Marietta gegen Anwesenheit andrer Frauen. Festetics kommt noch – Coitkovic (zu Doktorovich:) „Wahrscheinlich hast du das Kuvert links hingelegt statt rechts.“ Ordonnanz-Offizier (zu Becher:) „Gehst du hin?“ „Na ja, einen Besuch hab ich gemacht.“ Volksheer. Becher fand nicht die Mühe wert, ihn zu verständigen.
III. Übertrag
Bischofsakt wird in Gegenwart des Oberleutnants erledigt. Gelegenheit, sich vor ihm in voller, auch ziviler Wichtigkeit zu zeigen. Andrerseits kann man vor ihm – wie Becher zu Schager sagt – alles besprechen.
Szene mit Oberleutnant: Becher sucht eine Einteilung für ihn. „Ordonnanz-Offizier?“ „Das wäre eine neue Idee. Aber ich mache das Kommando unmöglich.“ „Du bist nicht adelig? Vielleicht Fabrikant? Ist deine Frau die Tochter eines ..? Dann geht es nicht. Wir dürfen uns nicht so exponieren.“
Doktorovich? – Da will der Oberleutnant nicht, der das Aktensuchen gesehn hat.
(Kinsky-Becher in II. Eventuell auch Schager-Becher. Kontrast Staatsmacht und Hörner. Man muß den Festetics benützen. Diese Torys ausnützen. Während seine Frau sie bewundert.)
B: = Jäger
III. Der Oberleutnant übernimmt die Kompanie. Dreckigste Situation – dabei zu sein ohne Einteilung. Der Hauptmann erzählt – 3½ Jahre, 4 Mal auf Urlaub, zu Hause das und das ..
II. Oberleutnant spricht zu Marietta davon, wie sehr sich Maxl verändert hat. „Hat sich nicht die Welt verändert?“ „Die Woge hat ihn hinaufgetragen, und er behauptet den Platz.“
Marietta fordert ihn direkt auf, sie zu küssen, nicht, weil sie ihn liebt, sondern, weil sie Macht hat – setzt sie ihm auseinander, entfaltet sie vor ihm. „Wie Edelsteine ausschütten“, sagt er ..
III. Wenn man der Front nahe kommt, die Geschütze hört, das andre Leben fängt an. Es gibt kein Hinaus zu Kommandanten und Etappe und Hinterland. Zwischen eisernen Greifflächen ist es festgehalten, und doch sind schon die Geschütze wie Musik. „Infanterist möchte ich sein, nicht Offizier, der Niedrigste und Verantwortungsloseste. Und den Geheimnissen der Menschexistenz Nächste.“
Doktorovich kommt atemlos, hat den Akt nicht gefunden. Hält dem verwundeten Oberleutnant einen Vortrag über Aktenbehandlung. Der meint, der Akt wird sich schon finden. Die andren Offiziere witzeln. Doktorovich bricht aus, wie leicht sie übermütig sein können. Die Herrn Ordonnanz-Offiziere: „Aber du, ein aktiver Oberleutnant, solltest nicht die Ermahnungen eines alten Kameraden“, usw. „Wenn du nicht in den Generalstab kommst, so ..“ „Ich hoffe, in ein paar Wochen an der Front zu sein.“ – „Das haben wir alle einmal gewollt“, usw.
Marietta, während sie wartet und sich mit Akten unterhält, findet den Akt. Becher: „Was für ein Wunder du doch bist! Den hat ein aktiver Major mit 6 Offizieren vergeblich gesucht, und du hast ihn gleich ..“
Marietta: „Ja, ich sehe auch jedes 4blättrige Kleeblatt.“
Marietta will den Tischler für den Hühnerstall. Hochmann hat ihr ein Huhn geschenkt, das er für eine Zivilbehandlung erhalten hat – „Das ist doch nett, nicht?“
Das kann Becher aber nicht verlangen. Also beschimpft er den Oberst wegen etwas andrem, und dann, in der Versöhnung, hängt er den Hühnerstall an.
Der Oberleutnant ist dabei, Becher zeigt sich vor ihm in seiner Macht. Fragt: „Oberste, kannst du so ..?“ Becher: „Generäle“, usw. Erklärt ihm das Wesen des Referenten, der anonymen Gefechtsführung, der Unmöglichkeit Napoleons. Oberleutnant findet (eventuell später bei Schager) große staatliche Verantwortung darin. Wird stolz beantwortet mit elektiver Erziehung des Generalstäblers.
Menage-Offizier einer ID schickt Koch an die Front – wegen schlechter Wirtschaft; General läßt ihn noch in der Nacht zurückholen.
„Nein, ich kann auch nicht verstehn, wie man den ganzen Tag Karten spielen kann, das strengt den Kopf so an.“
„Ein sehr gescheiter Mensch, spielt ausgezeichnet Whist und l’Hombre. Überhaupt, der versteht so schnell (ein neues Spiel) .. – eine Auffassungsgabe!“ [Gespräche der Ordonnanz-Offiziere.] Vettern in der fremden Armee – Percy, Bob, Bibi.
IV. 4 Akte
3 Phasen der Schlacht. … bei Marietta. Vielleicht der Zusammenbruch. Die Geschehnisse sind wirklich wichtiger als Mariettas Tod. Darin hat Becher recht. Nur weil er recht hat, wird auch das zweifelhaft.
I. Festetics – Marietta in medias res.
II. ‚Festetics – Marietta‘ ante portas – halbe Hingabe. Richtiges Sich-Zeigen Mariettas. Von Oberleutnant überrascht.
III. Bei Marietta Frauen, Festetics und Oberleutnant.
IV. Marietta – Oberleutnant. Mord.
I. Ein Feldgendarm will Marietta nicht einlassen. Festetics übernimmt schließlich die Verantwortung. Frech – frech. „Wenn Exzellenz mich sieht, melde ich mich bei Exzellenz“ (dienstlich.) (Alle zugelassenen Damen sind etwas bei rotem, blauem, grünem Kreuz.) „Hier dürfen Sie mich küssen!“ Zu leidenschaftlich. Die einzige, welche „explodieren“ will, ohne alle Ausreden. Und Maxl, der Schauspieler, das sind die Gründe des Kriegs. Maxl fahrt sie an. Zornig. Gebieterisch. Sie geduckt, man sieht, sie wickelt ihn. Schwebende Figuren.
V. Marietta
Marietta: Von Festetics schließlich gezwungen, sich hinzugeben, statt nur zu spielen, um Maxl zu seiner durch Festetics verschafften Position zu behaupten, wächst nun groß und tigerinnenhaft an. Tut es, aber rächt Maxl an Festetics – oder mehr noch sich, weil sie nicht verträgt, in der Falle zu sitzen. Festetics ist so unritterlich, weil er sich sonst blöd vorkäme.
Fragt erst Salkind, der auch da ist, ob man jemand mit Lues infizieren kann – denn Festetics hat große Angst davor. Sie gar keine. Ein Bruder von ihr hatte es; es ist lang nicht so viel daran als man macht. Salkind – erst entsetzt – gibt Auskunft. Das befriedigt sie aber nicht. Sie fragt nach einem unmerkbaren Gift. Jetzt geht Salkind zum Gegenangriff über – sagt ihr, daß er mit so etwas nichts zu tun haben will. Äußert Moral. Sie fährt ihn an. Er bleibt steif, steht aber zur Entschuldigung stramm. Sie höhnt ihn deshalb und sagt: „Weil Sie ein Schuft sind, traun Sie sich nicht, so etwas zu tun!“
Die Nachrichten vom Zusammenbruch berühren sie gar nicht in ihrer Aufregung. Ein ungeheures Chaos soll sein. Sie verlangt von Maxl ein Auto, um im Trüben zu fischen. (?) „Jetzt machen wir unser Hotel.“
Das Doppel-Ich
Student, angehender Gelehrter, Stundengeben. Sein Freund noch weniger: Dichter.
Wintergewitter.
Schlechte Ehe (im Gegensatz zur neuen Liebe im 3. Akt).
die Hand zu reichen, der nicht zur guten geistigen Gesellschaft gehört, und dabei nicht einmal imstande sei … Mehr noch: Ich wurde von der Erinnerung überwältigt, daß ich erst vor wenigen Tagen einen Schnupfen überwunden hatte. Es wurde mir plötzlich lebendig, daß das eine Invasion fremder Lebewesen in meinen Körper bedeutete, einen Kampf … Mir fiel ein, daß ich mich mit Hilfe von Darmbakterien ernähre usw. Und schließlich, daß jeder von uns ein Zellenstaat ist. Dazu las ich diese alten Schwänke. Und endlich diese psychologischen Abhandlungen (Marbe usw.) Der Fabrikant: Ich mache nur Serienware. Kampf ums Dasein ein jüdisches Prinzip. Die Hauptperson läßt sich tot erklären, kehrt wieder, wird von seiner Frau wiedergeliebt, als ein anderer, nach anderen Eigenschaften. Die Frau ganz Kultur, modern.
3.
Die Hauptperson verfällt dann eventuell wirklich in einen Zustand der Persönlichkeitsspaltung. Man könnte ihn von einem befreundeten Arzt für krank erklären lassen. Im 1. Akt ist Bios als Leichenagent überall dabei (um der Hauptperson zu berichten). Die Frau zur Hauptperson: Heute habe ich auf der Straße jemanden gesehn, der mich frappant an meinen verstorbenen Mann erinnerte.
Die Hauptperson gibt sich als Freund des Verstorbenen aus.
Sah er nicht aus wie ich?
Aber nein.
Es wäre mir nämlich schrecklich, wenn du eine der Empfindungen, die du für mich besitzt, schon für einen andern gehabt hättest.
Sie gesteht ihm unter dem neuen Hochdruck alle ihre früheren Verfehlungen gegen den ersten Mann.
Er spielt ihr eine Karte in die Hände, die er einstens an eine andere Frau schrieb.
Das Doppel-Ich oder Der Verlust der Persönlichkeit oder Das Erlebnis eines Zigarrenhändlers
1. Akt. Berlin, Cigarrenladen. Heiliger Abend. Dreckwetter. Der Händler spricht mit solchen Freunden, wie sie immer herumsitzen, über den schlechten Geschäftsgang, daß der Kaufmann doch eigentlich der Pionier und der Tragende Deutschlands sei (nachdem der Offizier da war, aber ohne Auflehnung, es fällt ihm nur eben – eine unterbewußte Aufrichtung – ein), daß man die Franzen wieder prügeln würde, wenn es dazu käme, daß die Österreicher Schlappschwänze seien, daß die Juden, na dazu schweigt man besser – und dergleichen – Licht brennt. Spärliche Kunden kommen. Ein Neffe, der für den Anfang und die Aktion dichtet, wird verhöhnt, mit guten Gründen, dessen, der für Deutschland etwas tut, während der andre (was er selbst schmerzlich empfindet) für Deutschland nichts leisten kann. Die Frau bringt aus der Hintertür Kaffee. Ein Kunde kommt. Wissen Sie, wer das war? Der …, der in der …straße die Villa hat, Teestubentrust oder so (oder bedruckt die Hinterseite von Straßenfahrscheinen), wird mit Respekt behandelt, aber mit dem Gefühl, das gleiche kann ich vielleicht auch erreichen. Ein Schutzmann kommt und beanstandet ein Plakat; der Händler duckt sich. – Der liebe Gott kommt (vorher entwickelt der Händler seine Psychologie nach dem Aussehn des Kunden. Wissense fein, fein; man merkts nich so gleich, es gehörtn Auge dazu. Bloß n weicher Hut. Kein Cylinder, nich so’n Monocle wie’n Leutnant. Bloß n weicher Hut, aber wie der Bug läuft, vorn eingedrückt, der Prinz … trägt ihn jetzt so, das ist jetzt feiner als wie vom Kaiser. Und dergleichen.
Der liebe Gott, großen in den Mantel gesteckten Bart, aufgeschlagenen Kragen. Weicher Hut. Er vertritt sich ein wenig die Füße vor Feuchtigkeit. Der Händler lächelt dem Freund zu: Er verdient’s nicht, aber wir wollen ihn höflich empfangen. Der liebe Gott grüßt – der Händler sagt sofort überlegen n’Abend. (Das ist nichts Feines.) Der liebe Gott spricht höflich und leise. – Der Händler: Wie? Was? Ik versteh sie nich? Der liebe Gott sagt: Ich suche eine Zigarette. Der Händler: Weihnachtsoccasion, breitet aus Manoli, Batschari, Waldorf Astoria … 15, 12, 10, 8 – gewissermaßen in Gönnerlaune, um den Kunden zu ehren. Der liebe Gott sagt: Ich suche eine bestimmte Zigarette. Vielleicht haben sie sie: Novelta.
Wie?
Novelta.
Ne, führen wir nich.
Ich habe sie durch Zufall in München geraucht und man sagte mir, daß sie aus Berlin stamme. Ich habe schon in 25 Geschäften gefragt, niemand kennt sie.
Wie heißt sie?
Novelta.
Nee.
Ich möchte wenigstens wissen, wo ich sie bekommen kann.
Was soll sie denn kosten? 100 Stück 90.
Nee, lieber Herr, so ne nich mal n Pfennig Cigarette wern Sie hier im ganzen Westen nich bekommen. So wat geht hier nich. Für so wat billiges hätten wir hier im feinen Westen kene Kundschaft.
Aber wie könnte ich denn wenigstens die Fabrik erfragen? Die können se überhaupt nich erfragen (er lacht seinen Freund an) Det wird sone kleene Kiste im Osten oder Norden sein, ken Mensch kennt se. Die machen so was. Wir führen auch Russen – da, von 3 Pfennig aufwärts. Schmeißt ihm ein paar geöffnete Schachteln hin und bedienert einen Leutnant mit aufgeschlagenem roten Kragen, der eben eingetreten ist).
Abend.
Was steht zu Diensten? Was befehlen?
Geben Sie mir mal – na? – 5 Zigarren. Haben sie wat?
(Geschmeichelt protestierend) Ah … Import? Henry Clay, feinste Marken, von 50 Pfennig bis 2 Mark?
Nee.
Bock? Juhl? Weihnachtsfreude zu 25 Pfennig – eine vorzügliche, sehr beliebte Sorte? Juhl: Generalmajor zu 20, 15, 10, 8 Pfennig? Carsten & Co.: Tropenpflanzer zu 30 und 25? Hamburger Sortiment: von 7 bis 22 das Stück?
Was ihm aber doch auch eine Idealhandlung war.
Geben sie mir 5 Generalmajor zu 10 Pfennig.
Jawolll. (packt ein) Sonst noch was gefällig – Cigaretten? Tipp-Topp –, mit Goldmundstück, sehr beliebt bei den Herrn Offizieren?
Ne. (Der Verkäufer überreicht die Tüte, kommt hinter dem Ladentisch hervor, begleitet bis zur Tür) Sagen sie mal, wie komme ich von hier zur Gedächtniskirche? Hier rechts und dann nur gradeaus. Gradeaus nich zu verfehlen, bitte? (Er öffnet ihm die Tür. Kommt zurück, streicht das Geld ein, ärgert sich, daß seine Seele ihn zwang, so viel Aufwand um eine so kleine Einnahme zu machen, sieht den lieben Gott), macht eine Bemerkung zum Freund: Nu? Haben Sie sich entschlossen?
Nein, ich mag eigentlich gar keine Russen, nur gerade diese eine Sorte gefiel mir. Könnten Sie sie nicht kommen lassen?
Nee.
Könnten sie mir nicht doch sagen, wo ich sie suchen soll.
Nee, mein Herr.
Es kommt doch eigentlich nicht auf den Preis an, sondern auf die Güte der Waare. Wenn es gelingt, etwas wirklich Gutes so außerordentlich billig herzustellen, so bewundere ich das.
Das meinen Sie.
Ich würde mich dafür interessieren.
Ich nich.
Sagen Sie, Sie sind doch nicht nur da, um so stupid Dinge zu verkaufen, die man Ihnen ein für allemal fertig zu einem fertigen Preis hinstellt, sondern usw. (Der liebe Gott sucht seine Seele zu wecken, die schließlich auch vom Beruf des Zigarrenhändlers aus zur Welt gelangen könnte. Der Händler hat sich ärgerlich über das schlechte Geschäft an den Ofen gesetzt und gibt grobe Antworten.)
Sind Sie ein Agent von diese Kiste? Was wollen Sie nu eigentlich? Stehn da und erzähln mir Sachen, um die Sie niemand fragt.
Ach Quatsch.
Herr, gehn Sie lieber und kaufen Sie Ihrer Frau wat Warmes unter de Nase. Oder wenn Sie kein Geld haben, so stehlen Sie einem andern die Zeit und kaufen sich ihre Ruhe dafor. Herr, lassen Sie mich in Ruhe. Lassen Sie mich in Ruhe, verstehn Sie. – Räumen Sie sich mal da hinweg. – Zum Teufel, wenn Sie nich gehn, ruf ich nen Schutzmann. Wissen Sie, was n königlich preussischer Schutzmann is?
Der Liebe Gott bekommt Angst davor und schlägt klirrend die Tür zu. Donnerschlag, grelles Blitzlicht (Choc), der andre war halb eingeduselt und fährt toterschrocken auf. Bios ist da.
Später bei Rückkehr ist ein andrer Zigarrenhändler da. Als Gatte. Im Doppelicht führt er das Leben eines waghalsigen Kreditschwindlers. Alles kann man hier so erreichen. Der eine romantische Schwäche für das Dasein eines kleinen Zigarrenhändlers hat. Im zweiten Akt die neue Existenz. Hall eines Hotels de grand luxe. Er wohnt dort mit Sekretär, Maitresse und großer Suite. Er lädt täglich alle möglichen Aristokraten ein. Alles ohne Geld auf Kredit. Nach ganz kurzer Zeit sitzt er so in der Kreide, daß die Gesellschaft ihn halten muß. Er wartet in der Hall. Gespräch mit dem Sekretär über Bedrohlichkeit der Situation, da in der Kasse seines Unternehmens keine zweihundert Mark darin sind. – Der Hoteldirektor erhebt Vorstellungen wegen Bezahlung. Das Automobil wartet. Ein Riesenbuket kommt; er läßt es an der Kasse bezahlen. Im gleichen Hotel wohnt für einige Tage – während seine Wohnung gerichtet wird – der Präsident des Aufsichtsrats einer der größten Banken. Verbindung wurde irgendwie eingefädelt. Vor dem Weggehn läßt sich der Direktor sprechen. Er brauchte sich bloß nach dem Menschen im Hotel zu erkundigen, aber er ist zu stolz dazu, traut seiner Menschenkenntnis zuviel zu. Der Depersonalisierte entwickelt nun sein Riesenzigarrenprojekt. Er käme aus Rußland, hätte dort große Güter und Mittel und dergleichen. Der andre wird – da der zu frech lügt – stutzig; er braucht bloß zu prüfen, aber was tut es: Der Mann kann ein wenig lügen, sei es auch nicht wahr, wenn er mir nur gefällt, die Nase, das ist es die Nase.
Vorher ein Literat (Der Freund des Neffen) stutzt einen Augenblick, schöpft dann Mut aus der Ähnlichkeit. Sie erinnern mich so angenehm an einen alten – das heißt, an den Onkel eines alten Freunds von mir. – Natürlich nicht wirklich – son kleiner Zigarrenhändler. Verschwand übrigens spurlos – seltsame Sache – glauben Sie nicht, daß in das Begreifliche sich andre Welten schieben. Diese Kultur bloßer Gelehrsamkeit, Frohndienst der Tatsachen … usw. Die Hauptperson ist bei der Erwähnung des Zigarrenhändlers auffallend freundlich und weich geworden, bei dem literarischen Excurs verhärtet er sich aber sofort stolz zum business. – Also was wollen sie eigentlich. Projekt: Hotelzeitschrift – die durch Annoncen Gedichte möglich machen soll. Die Hauptperson läßt ihn mittendrin warten als der Generaldirektor kommt. Erfreut über den glücklichen Ausgang. – Der Gewaltige hat ihm mit plötzlichem Schwung die Hand gereicht, dann korrigierend an den Hut getippt – sagt er zu dem Dichter: Keine besondre Sache. Aber wir wollen mal sehn. Wissen Sie was, Sie gefallen mir, ich will mir mal überlegen. Aber natürlich ohne Gedichte, bloß die Annoncen.
3. Akt. Zigarrenladen. Langer Vorsommerabend. Vor Pfingsten. Die Geschäfte sind länger offen. Die Frau ist allein. Die Hauptperson tritt ein. Die Frau erschrickt. Konstatiert dann rasch die Unähnlichkeit. Die Hauptperson wohnt in einer andern, neuen eleganten Gegend. Sagt: hat aber eine merkwürdige Vorliebe für diese. Es wird ihm so schummerig, schwupprig, beinahe dichterisch, wenn er so langsam durch diese Straßen treibt. Und besonders dieser Laden. Er ist von zuhaus fortgegangen, es wurde ihm plötzlich zu viel, er weiß nicht warum. Das heißt, er glaubt: Überlastung, er will einmal ein paar Stunden ganz frei sein. Abends ist große Gesellschaft, er braucht für ein paar tausend Mark feinste Zigarren. Wollte am Nollendorfplatz ein Auto nehmen und in die Stadt fahren. Wie er den Laden sieht, bleibt er hängen. Er erscheint sich müde. Die Frau kann es ihm ja telephonisch besorgen. Sie ist ein bißchen mißtrauisch und ängstlich wegen der Größe der Bestellung, mit der sie sitzen bleiben könnte, so trifft es sich gut, daß er da bleiben zu wollen erklärt. Er läßt sie telephonisch sein Auto für später herbestellen. Er erkundigt sich nach Geschäftssachen und zeigt sich sehr versiert. Er fragt nach ihrem Mann. Der ist um die Ecke gegangen, ein bischen pipeln. Das soll ein guter Geschäftsmann nicht um die Zeit. Gott die Männer. Der Selige – das heißt, ach Gott man weiß ja nicht … Die Hauptperson sagt, daß er früher mal da war und sich unklar erinnere. – Ja son großer, ein bißchen schlapp. Und jetzt kommt das Gespräch über Untreue, Liebe, Eheelend usw. Die Hauptperson macht ihr ein wenig den Hof. Zwischendurch kommt der Neffe mit dem Freund. Wieder Stutzen, wieder rasches sich beruhigen. Die Hauptperson sagt: Ich habe mir die Sache überlegt. Wir wollen sie machen. Aber natürlich können Sie nicht Redakteur werden, das geht nicht. – Was verdienen Sie jetzt? – Zögernd: bald das, bald das – Nun gut, ich will Sie mit 200 Mark ins Büro nehmen. Ich hab mit … gesprochen von der Neuen Gastwirtszeitung – der wird Redakteur – ein bedeutender Schriftsteller. Der Mann hat einen Namen, hat schon was geleistet usw. – Der Junge protestiert – Nu, was würden denn sie nen bedeutenden Schriftsteller nennen? – Heinrich Mann, Wedekind. … – Auch, auch …
Er ist inzwischen Schwiegersohn des großen Finanzmanns geworden. Der Arzt leistet ihm die ganze Zeit Gesellschaft, erklärt ihm seine Symptome und sucht sie ihm auszureden.
4. Akt. Privatbüro der Hauptperson. Die Rückfallstendenzen in das frühere Leben bis zur Krisis verstärkt. Er erinnert sich. Er eröffnet sich. Der Aufsichtsrat glaubt ihm nicht. Er weist Papiere vor. Mein Lieber, ich glaube fast, Sie haben einen kleinen Tick, Sie sollten, wenn das jetzt vorbei ist, drei Wochen ins Gebirge gehn. – Weiter: Ich lasse Sie in eine Irrenanstalt stecken, wenn Sie nur ein Wort öffentlich äußern. Die Gesellschaft steht vor einer wichtigen Transaktion. Die Frau kommt, mit dem Mann. Auch sie wehrt sich natürlich gegen dieses Wiederaufleben und versucht instinktiv das Überzeugendste gegen diese Idee. Der Mann weiß aber, ein Muttermal oder dergleichen. Trotzdem. Der neue Mann wird eifersüchtig.
Er hat einen Arzt bestellt. Der erklärt ihm seinen Fall als Anflug von Depersonalisation infolge nervöser Übermüdung. Rät Erholung. Einmal zwischendurch stürzt die Hauptperson ans Fenster. Es ging wer vorbei – der liebe Gott, schien ihm. War wohl Täuschung. Zum Schluß Glück der Entpersönlichung.