Kitabı oku: «Tristan und Isolde», sayfa 4
V. Die Jagd.
Nun geschahs in kurzer Stunde –
Seines Oheimes Hunde,
Des Königs Mark von Cornewal,
Hatten zu demselben Mal,
Wie uns die rechte Märe sagt,
Einen zeitgen Hirsch erjagt,
Der Straße, die sie giengen, nah.
Ereilen ließ er sich allda
Und stand, so heißts, zu Bile.
Seine Kraft war am Ziele.
Der Athem war ihm gar benommen.
Nun waren auch die Jäger kommen,
Die da Hörner laut erschällten
Eh sie den Hirschen fällten.
Tristan, als er den Bil ersah,
Zu den Pilgern sprach er da
Beredt mit schlauem Munde:
»Ihr Herren, diese Hunde,
Diesen Hirsch und diese Leute,
Seht, die verlor ich heute:
Da ich sie hier wieder fand,
So bin ich nicht mehr unbekannt.
Hier bleib ich nun; gebietet mir.«
»Kind«, sprachen sie, »Gott sei mit dir,
In seinem Frieden mögst du fahren.«
»Dank; euch möge Gott bewahren!«
Sprach er mit holden Mienen.
So neigt' er sich vor ihnen
Und eilte zu der Jäger Birsch.
Da nun gefället war der Hirsch,
Der da Jagdmeisteramt besaß,
Der streckt' ihn nieder auf das Gras,
Auf alle Viere wie ein Schwein.
»Ei, Meister, wie? was soll das sein?«
Sprach da der höfsche Tristan:
»Laßt stehn, bei Gott, was fangt ihr an?
Haut man so den Hirsch in Stücke?«
Der Jägermeister trat zurücke,
Sah ihn an und sprach ihm zu:
»Wie willst du, Kind, daß ich es thu?
Die Sitte gilt hier bei der Birsch:
Wenn enthäutet ist der Hirsch,
So spaltet man ihn erst einmal
Von dem Haupt herab zu Thal,
Darnach auch in die Viere,
So daß der vier Quartiere
Keins beträchtlich größer sei
Als die übrigen drei.
Das ist Sitt in diesem Land;
Kind, ist dir andrer Brauch bekannt?«
»Ja, Meister«, sprach er wider ihn.
»Das Land, da ich erzogen bin,
Da ist ganz anders der Brauch.«
»Und wie denn? sage mir das auch.«
»Entbästet wird der Hirsch bei mir.«
»Traun, Freund, ich säh es denn von dir,
Weiß ich nicht was entbästen sei.
Wir sind der Kunde Alle frei
In diesem Königreiche hie.
So hört ich auch das Wort noch nie
Von Heimischen noch Gästen:
Lieb Kind, was ist entbästen?
Bei deiner Güte, zeige mirs;
Geh her, entbäste diesen Hirsch.«
Das Kind sprach: »Lieber Meister mein,
Mag es mit euern Hulden sein
Und kann euch Liebes dran geschehn,
So laß ich euch gar gerne sehn,
Ist es mir selber recht bekannt,
Was Brauch ist in meinem Land,
Nach eurer Frage, mit dem Bast.«
Der Meister sah den jungen Gast
Mit freundlichem Lächeln an,
Denn er war selbst ein höfscher Mann
Und kannte alle Sitte wohl,
Die ein guter Mann verstehen soll.
»Ja«, sprach er, »lieber Freund, das thu.
Wohl her! Bist du zu schwach dazu,
Ich selbst und die hier bei mir sind,
Wir helfen dir mit Händen
Ihn legen oder wenden.
Du darfst mir und den Leuten
Nur mit dem Finger deuten.«
Tristan, der entführte Knab,
Seinen Mantel zog er ab
Und legt' ihn dort auf einen Block;
Dann zog er höher seinen Rock,
Wandte vorn das Aermelpaar,
Und strich zurück das schöne Haar,
Daß es ihm auf den Ohren lag.
Nun sahn sie All bei vollem Tag,
Die da bei dem Basten waren,
Sein Gehaben, sein Gebahren.
Sie nahmens in der Augen Hut;
Und Alle däucht' es auch so gut
Und lieblich zu betrachten,
Daß sie im Herzen dachten,
Gar adlich wär sein ganzes Wesen,
Seine Kleider reich und auserlesen,
Sein Leib nach Wünschen wohlgethan.
Da traten sie zu ihm heran
Und merkten wohl auf all sein Thun.
Hin gieng der Heimatlose nun,
Der junge Meister Tristan:
Er griff den Hirsch mit Händen an
Und wollt ihn auf den Rücken legen;
Doch konnt er ihn nicht frei bewegen,
Denn er war ihm allzu schwer.
Da bat er höfisch Die umher,
Daß sie ihn legten wie er wollte,
Wenn er den Bast beginnen sollte.
Nun, das war alsbald geschehn.
Zu dem Hirsche gieng er oben stehn;
Den begann er zu entkleiden.
Zuerst den Strich zu schneiden
Von dem Geäse bis hernieder;
Dann sich zu den Bugen wieder
Kehrend, löst' er sie gewandt,
Erst das rechte, dann das linker Hand.
Die beiden Keulen nahm er nun,
Ihnen lösend auch ihr Recht zu thun;
Begann die Haut zu scheiden
Dann an den Seiten beiden
Von den Haften überall
Von oben bis herab zu Thal
Und zog die Haut dem Hirschen nieder.
Dann zu den Bugen kehrt' er wieder
Sie zu entbästen von der Brust;
Doch blieb die ganz, litt nicht Verlust.
Die Bugen legt' er noch hindann;
Von dem Rücken begann
Er erst die Brust zu scheiden
Und von den Seiten beiden;
Zu jeder Hand drei Rippen auch:
Das ist der rechte Bastgebrauch;
Die läßt jederzeit daran,
Wer die Brust recht lösen kann.
Zu den Keulen jetzt gewandt
Entbästet' er mit kluger Hand
Die beiden Hinterbeine,
Zusammen, nicht alleine.
Ihr Recht er auch den beiden ließ:
Den Braten, wo der Rücken stieß
An die Lenden mit dem Ende
In der Breite anderthalber Hände;
Was die da Ziemer nennen,
Die solche Bastkunst kennen.
Dann gieng er zu den Rippenstücken,
Die schnitt er beide von dem Rücken,
Und kam zu Magen und Gescheide.
Doch weil nicht rein dieß Eingeweide
Seinen schönen Händen wär,
Rief er: »Schnell zwei Knechte her!
Da nehmet diese Stücke fort
Und bereitet sie an andern Ort.«
So war der Hirsch entbästet,
Und seiner Haut entlästet;
Die Bugen, Seiten, Beine,
Die hatt allzumal der Kleine
Beiseit gelegt und wohl gefügt.
Hiemit so war dem Bast genügt.
Tristan der heimatlose Gast,
Sprach: »Meister, seht, dieß ist der Bast.
So ists um diese Kunst bestellt.
Nun tretet näher, wenns gefällt,
Mit eurer Massenîe
Und machet die Furkîe.« –
»Lieb Kind, Furkîe, was ist das?
Du sagst mir vor, ich weiß nicht was.
Du hast uns diesen Jägerbrauch,
Der fremd ist und zu loben auch,
So meisterlich nun laßen sehn:
So laß ihn vollends vor sich gehn,
Vollführe deine Meisterschaft;
Wir dienen dir nach unsrer Kraft.«
Alsbald sprang ins Gebüsch der Knab
Und hieb sich eine Gabel ab,
Was Die da Furke nennen
Die die Furkîe kennen;
Doch ist der Unterschied gering,
Denn Furk und Gabel ist Ein Ding.
Nun kam er mit dem Zwieselstab,
Und schnitt die Leber weg vorab,
Worauf er Netz und Lummer schied,
Und auch den Ziemer von dem Glied
Sonderte, woran er saß.
Dann setzt' er dort sich auf das Gras,
Nahm die drei Stücke in die Hand,
Die er an die Furke band,
Daß sie das Netz umfaßte;
Mit einem grünen Baste
Ward es so und so verstrickt.
»Nun seht, ihr Herrn«, sprach er geschickt,
»Dieß heißen sie Furkîe
In unsrer Jägerîe,
Und weil ichs an die Furke band,
So wird der Brauch Furkîe genannt.
Dieß, dünkt mich, stimmt wohl überein,
Denn an der Furke muß es sein.
Dieß nehm in seine Hand ein Knecht.
Nun aber laßt nach Jägerrecht
Auch folgen die Curîe.«
»Curîe? Dê benîe!«
Riefen Alle: »Was ist das?
Wir verstünden Sarazenisch baß.
Was ist Curîe, lieber Sohn?
Schweig, und sag uns nichts davon:
Was es sei, das laß geschehn,
Daß wir es selbst mit Augen sehn.
Dieß thu bei deiner Höfischheit.«
Nun, Tristan war alsbald bereit.
Den Herzrick sucht' er, jenes Ding,
Woran das Herz des Hirschen hieng;
Und schob die Hüllen dran zurück.
Vom Herzen ab das halbe Stück
Schnitt er nach dem spitzen Ende,
Nahm es dann in seine Hände
Auf daß er es halbiere,
Dann kreuzweis theil' in viere;
Warf auf die Haut die Theile nieder
Und kam zu seinem Ricke wieder.
Milz und Lungen löst' er gar,
Daß nichts mehr an dem Ricke war,
Denn auf der Haut lag Alles dort.
Dann schnitt er Rick und Gurgel fort
Von der Brust am obern Ende,
Und sonderte das Haupt behende
Mit dem Gehörne von dem Kragen;
Er befahl es zu der Brust zu tragen.
»Wohl her geschwinde!« hub er an:
»Nehmet diesen Rick hindann:
Wenn etwa arme Leute kämen,
Die ihn gerne von euch nähmen,
Gebt ihnen diesen Rick dann hin;
Sonst thut damit nach euerm Sinn.
Nun komm ich zur Curîe.«
Hin gieng die Compagnîe
Und sah wie seiner Kunst gelinge.
Erst heischte Tristan alle Dinge,
Die er zuvor bereiten laßen.
Nun lag dieß Alles solchermaßen
Gerüstet und bereitet,
Wie Er sie angeleitet.
Es lagen der Quartiere
Von dem Herzen viere
Nach jägerlichen Sitten
Auf der Haut zerschnitten
Alle vier einander nah;
Milz und Lunge schnitt er da,
Dann Magen und Gescheide gar,
Und was der Hunde Weide war,
In Stücke, so kurz und klein
Wie es füglich mochte sein.
Das Alles streut' er auf die Haut.
Darauf begann er überlaut
Und rief den Hunden: »Sa sa sa!«
Alsbald sah man sie alle da
Stehn über ihrer Speise.
»Seht«, sprach der Wortweise,
»Dieß heißen sie Curîe
Daheim in Parmenîe.
Ich will euch sagen auch warum:
Curîe heißt der Brauch darum,
Weil man auf die Cuire legt
Was den Hunden man zu geben pflegt.
So hat die Jägerîe
Diesen Namen Curîe
Von der Cuire hergenommen:
Von Cuire ist Curîe gekommen.
Und fürwahr, es ward den Hunden
Zum Frommen erfunden
Dieser Brauch, der sie erfreut;
Denn was man auf die Cuire streut
Schmeckt ihnen süß, des Blutes wegen,
Und reizt sie noch, der Jagd zu pflegen.
Schaut nun diese Bastkunst an,
Es ist kein andrer Witz daran:
Seht, wie sie euch gefalle.«
»Ach Herre«, riefen Alle,
»Was sagst du, seliges Kind?
Wir sehn wohl, diese Künste sind
Den Bracken und den Hunden
Zu großem Frommen erfunden.«
Da sprach der gute Tristan:
»Nehmt nun diese Haut hindann,
Denn meine Kunst ist hier am Ziel.
Und wißet, hätt ich bei dem Spiel
Euch beßer dienen können,
Das möcht ich euch wohl gönnen.
Nun schneide Jeder seine Wied
Und führe Jeder heim ein Glied;
Nehmt das Haupt in die Hand
Und bringet euer Prisant
Zu Hof nach höfischem Brauch:
So höfischt ihr euch selber auch.
Ohne Zweifel wißt ihr selber wohl
Wie man den Hirsch prisanten soll:
Prisantet ihn denn nach dem Rechte.«
Der Meister und all die Knechte
Hörten mit Verwundern an,
Wie der kindische Mann
So viel von Jagdgebrauch verstand
Und stäts die rechten Worte fand
Ihnen Kunde beizubringen
Von diesen fremden Dingen.
»Sieh«, sprachen sie, »vieledles Kind,
Diese Sachen, die so seltsam sind,
Die du uns lehrst und hast gelehrt,
Sie dünken uns so lernenswerth,
Wir lernten gern davon noch viel.
Was dir uns kund zu thun gefiel,
Das schlagen wir für nichts noch an.«
Da zogen sie dem jungen Mann
Ein Pferd herbei und baten ihn,
Daß er doch mit ihnen hin
Nach seiner Kunst zu Hofe ritte,
Und seines Landes Brauch und Sitte
Sie zu Ende ließe sehn.
Tristan sprach: »Das soll geschehn.
Nehmt den Hirsch und laßt uns ziehn.«
Da saß er auf und ritt dahin.
Da sie also ritten durch den Raum,
Gewarten mochten jene kaum
Der Stund und der Gelegenheit:
Jeder wollte vor der Zeit
Errathen seine Märe,
Von welchem Land er wäre
Und wie er wär ins Land gekommen
Sie hätten alle gern vernommen
Seinen Namen, seinen Stand.
Das hatte Alles bald erkannt
Der sinnreiche Tristan,
Der sinnig wiederum begann
Sein Märlein zu ersinnen.
Kindischem Beginnen
War seine Rede wenig gleich.
Er sprach an gutem Sinne reich:
»Jenseit Britannien liegt ein Land,
Das Parmenîe wird genannt.
Mein Vater ist da ein Kaufmann,
Der mit der Welt wohl leben kann
In seiner Weise schön und wohl;
Ich meine, wie ein Kaufmann soll.
Doch muß ich wohl bekennen,
Er ist nicht so reich zu nennen
Der Habe noch des Gutes
Als tugendlichen Muthes.
Der ließ mich lehren was ich kann.
Nun kam manch fremder Kaufmann,
Der aus fernen Reichen war:
Da nahm ich ihres Wesens wahr
Merkt ihre Sprach und Sitte gut
Bis mich zu ziehn begann mein Muth
Und täglich anzutreiben,
Nicht lang daheim zu bleiben;
Und weil ich gern das ferne Land
Und fremde Leute hätt erkannt,
Lebt ich vom Abend bis zum Morgen,
In den Gedanken nur und Sorgen
Bis meinem Vater ich entrann
Und mit Kaufleuten fuhr hindann;
So bin ich in dieß Land gekommen.
Ihr habt nun all mein Ding vernommen
Wie es euch nun gefalle.«
»Ach, trautes Kind«, so sprachen Alle,
»Es war an dir ein edler Muth.
Die Fremd' ist manchem Herzen gut.
Sie lernen von ihr manche Tugend.
Trauter Knabe, süße Jugend,
Gebenedeit sei doch das Land
Von Gott, wo eines Kaufmanns Hand
Zog ein so tugendreiches Kind:
Alle Könge, die da sind,
Hättens nicht so wohl erzogen.
Nun, Lieber, sag uns ungelogen,
Wie hieß dein höfscher Vater dich?«
»Tristan«, sprach er, »heiß ich.«
»Dê us adjut«, sprach Einer drauf,
»Bei Gott, den Namen gieb doch auf:
Viel besser wärest du genannt
Juvente belle et la riant:
Jugend, heißt das, schön und lachend.«
So ritten sie, sich Kurzweil machend:
Dem fiel dieß, dem jenes ein;
Doch ihre Kurzweil war allein
Mit diesem fremden Kinde.
So fragt' ihn dieß Gesinde
Ein Jeder was ihm wohlgefiel.
Nun geschahs nach kurzer Stunde Ziel,
Daß Tristan die Burg ersah.
Von einer Linde brach er da
Sich zwei Kränzlein wohlbelaubt:
Eins setzt' er selber sich aufs Haupt;
Das andere, das weiter war,
Bot er dem Jägermeister dar.
»Ei«, sprach er, » lieber Meister mein,
Wem mag die schöne Burg wohl sein?
Es ist ein königlich Castel.«
Der Meister sprach: »Tintajoel.«
»Tintajoel! ach welch Castel!
Dê te sal, Tintajoel,
Und all dein Ingesinde.«
»Nun wohl dir süßem Kinde.«
Die Gefährten sprachen so:
»Sei immer selig und froh,
Und möge dir so wohl geschehn
Als wir es Alle gern sehn.«
So kamen sie zum äußern Thor;
Tristan machte Halt davor.
»Ihr Herrn«, sprach er sie an mit Sinn,
»Ich weiß nicht, da ich fremde bin,
Wie eines Jeden Name sei;
Paart euch aber zwei und zwei
Und reiht euch ganz so wie ihr wißt,
Daß der Hirsch beschaffen ist:
Erst jene, die die Stangen tragen,
Dann folgen Brust und Kragen,
Die Rippen nach den Bügen:
So sucht es stäts zu fügen,
Daß das folgende Glied
Hinter seinem vordern zieht;
Nur Eines nehmt dabei in Acht:
Der Schluß des Zuges wird gemacht
Von Cuire und von Furkîe;
So wills die Jägerîe.
Und sei euch nicht dabei zu jach:
Reitet schön einander nach.
Mein Meister hier und ich sein Knecht
Reiten zusammen, dünkts euch recht;
Sonst thut was euch gefalle.«
»Ja, Lieber«, sprachen Alle,
»Wie du willst, so wollen wir.«
Er sprach: »Seis denn und leihet mir
Ein Horn, das mir zu Maße sei,
Und seid auch des gemahnt dabei:
Heb ich an, so horchet mir,
Und wie ich blase, blaset ihr.«
Da sprach der Meister ihm zu:
»Lieber Freund, nun blas und thu
Wie es dir gefalle:
Wir folgen dir Alle,
Ich und die hier mit dir sind.«
»A la bonne heure«, sprach das Kind,
»Laßt es nach eurer Güte sein.«
Ein kleines helles Hörnelein
Gaben sie ihm in die Hand.
»Nun hin!« sprach er, »allez avant.«
So ritten sie rottieret ein
Zu zweien, wie es sollte sein;
Und als durchs Thor die Rotte kam,
Sein helles Hörnlein Tristan nahm
Und blies darauf so schöne,
So liebliches Getöne,
Daß die Gesellen alle
Kaum erharrten bei dem Schalle
Bis sie ihm zu Hülfe kamen
Und auch ihre Hörner nahmen
Und bliesen auf dem Horne
Wie er vorblies davorne.
Vor blies er wohl zu Preise;
Sie nach in seiner Weise:
Also gieng es wie es soll;
Die Burg war des Getönes voll.
Der König und des Hofgesindes
Schar, als innen sie des Kindes
Neues Jägerlied vernahmen,
Da erschraken sie und kamen
In Sorge von dem Schalle,
Denn sie hatten es Alle
Zu Hofe nie vernommen.
Nun war die Schar gekommen
Vor des großen Saales Thür;
Viel Ingesindes hatt hinfür
Gezogen all der Hörner Schall,
Denn groß Wunder nahm sie all
Wie es so laut ertönte.
Nun war der ruhmgekrönte
Marke selbst hinausgegangen,
Der Sache Kunde zu empfangen,
Und mit ihm mancher höfsche Mann.
Als den König sah Tristan,
Er begann ihm zu gefallen:
Vor den Andern allen
Erlas sein Herz ihn aus der Schar,
Weil er von seinem Blute war;
Die Natur zog ihn dahin.
Er wandte seinen Blick auf ihn
Und begann ihn schön zu grüßen,
In fremdem Ton und süßen.
Eine andre Weise hub er an
Und blies so laut, der junge Mann,
Daß keiner der Gesellen
Sein Horn so mocht erschällen.
So lange hielt die Lust nicht an,
Der wohlgezogne Tristan
Ließ bald sein Hörnlein schweigen.
Zu dem König mit Verneigen
Sprach er jetzt aus süßem Mund,
Süß wie er es wohl verstund:
»De us sal roi et sa mehnîe.«
»Den König und die Messenîe
Erhalte Gott der Gute.«
Herr Mark der wohlgemuthe
Und all sein Ingesinde,
Die dankten dem Kinde
So höfisch und also wohl
Wie man dem Höfischen soll.
»Ah«, sprachen sie all insgemein,
Sie waren groß oder klein:
»Dê duin dûße aventüre
Si dûße creatüre.«
»Gott gebe süße Aventüre
So süßer Creatüre.«
Der König nahm des Kindes wahr,
Und zu Dem, der Jägermeister war,
Sprach er: »Sag an, wer ist dieß Kind,
Des Worte so erlesen sind?«
»Ach Herr, es ist ein Parmenois
Und ist so wundervoll curtois
Und in aller Tugend so geschickt
Wie ich noch nie ein Kind erblickt.
Er sagt, er heiße Tristan,
Sein Vater sei ein Kaufmann;
Doch kann ich es nicht glauben:
Wie mag die Zeit erlauben
Dem Kaufmann, dem unmüßigen,
Die Zeit sich abzumüßigen?
Wo nahm er wohl die Muße her,
Der mit Unmuße ringt so schwer?
Ach, Herr, er ist so tugendhaft.
Seht, diese neue Meisterschaft
Wie wir zu Hof geritten sind,
Die erlernten wir von diesem Kind.
Gar wohl ersonnen ists, denn wißt
Recht wie der Hirsch geschaffen ist,
So ward er an den Hof gebracht.
War je ein Brauch so wohl erdacht?
Seht an, zuerst die Stangen,
Dann kommt die Brust gegangen,
Dann Bug und Beine: sicher ward
Bei Hof nach schönerer Art
Nie ein Hirsch prisantet eh.
Saget selber, saht ihr je
So schöne Furkîe?
Ich vernahm von Jägerîe
Noch Künste nie gleich diesen.
Auch hat er uns gewiesen
Wie man den Hirsch entbästen soll.
Die Kunst gefällt mir so wohl,
Daß ich nimmer Hirsch noch andre Thiere
Wieder hauen will in vier Quartiere
Und sollt ich all mein Leben jagen.«
So begann er seinem Herrn zu sagen
Von Anfang an die Märe,
Wie er vollkommen wäre
In höfscher Jägerîe
Und wie er die Curîe
Bereitet für die Hunde.
Des Jägermeisters Kunde
Vernahm der König guter Dinge,
Und gebot, daß man ihn vor ihn bringe;
Den Jägern aber heim zu fahren,
Ihres Amts und ihrer Pflicht zu wahren.
Da ritten Alle bald hindann.
Der Jägermeister Tristan,
Der gab sein Hörnlein wieder
Und sprang vom Pferde nieder.
Entgegen lief dem Kinde
Das junge Hofgesinde
Und conduierts mit holdem Sinn
An den Händen vor die Krone hin.
Auch konnt er selber zierlich gehn
Und war der Leib ihm anzusehn
Wie es die Minne gebot.
Ihm war der Mund frisch rosenroth,
Licht seine Haut, die Augen klar;
Schön hellbraun war ihm sein Haar
Und gelockt am Ende;
Seine Arm und Hände
Wohlgestellt zumal und blank,
Sein Leib im rechten Maße lang;
Und was zu seiner Schönheit Scheine
Das Meiste beitrug, Arm und Beine,
So preislich standen sie und wohl
Als mans am Manne preisen soll.
Sein Gewand, das hab ich schon gesagt,
War wie es höfschem Sinn behagt
Nach seinem Leib geschnitten.
An Geberden und an Sitten
War ihm sein Recht so voll geschehn,
Daß man ihn gerne mochte sehn.
Marke sah Tristanden an,
»Freund«, sprach er, »heißest du Tristan?«
»Ja, Herr, Tristan: Dê us sal.«
»Dê us sal, bêas vassal.«
»Merzi«, sprach er, »gentil rois,
Edler König Cornwalois:
Ihr und eur Gesinde
Sollt von Gottes Kinde
Gebenedeit sein immerdar.«
Da ward ihm von der Höflingsschar
»Merzi« gerufen wunderviel.
Sie trieben nur das Eine Spiel:
»Tristan, Tristan li Parmenois
Cum est bêas et cum curtois!«
Marke sprach Tristanden an:
»Höre was du thust, Tristan.
Einer Bitte sollst du mich gewähren,
Die will ich nicht von dir entbehren.«
»Was ihr gebietet, Herre mein.«
»Du sollst mein Jägermeister sein.«
Das facht' ein groß Gelächter an.
Hinwieder sprach da Tristan:
»Herr, gebietet über mich:
Was ihr gebietet bin ich,
Euer Jäger, euer Dienstmann,
Und dien euch wie ich bestens kann.«
»Wohlan denn, Freund«, sprach Marke froh,
»Dieß ist gelobt, nun sei es so.«
VI. Das höfische Kind.
Nun, Tristan, der ist heim gekommen
Unbewust, ihr habts vernommen
Und wähnte doch hier fremd zu sein.
Der unvermeinte Oheim,
Mark, der tugendliche Mann,
That gar tugendlich daran,
Wars gleich zu sehr nicht eben Noth,
Er bat zumal und gebot
All dem Hofgesinde,
Daß es dem fremden Kinde
Gut und gnädig wäre
Und ihm mit Reden Ehre
Bot und mit Geselligkeit.
Sie waren all dazu bereit
Mit willigem Muthe.
Seht, Tristan ward, der gute,
Des Königs Ingesinde so.
Der sah ihn gern und war sein froh.
Denn Ihn zog auch sein Herz dahin.
Er blickte gern und oft auf ihn,
Denn er war zu allen Zeiten
Höfisch an seiner Seiten
Und trug sich ihm zu Diensten an,
Wo er nur Gelegenheit gewann.
Wo Marke hingieng oder war,
Sah man ihn den andern immerdar;
Auch nahm ihm Marke das für gut;
Er trug ihm immer holden Muth
Und freute sich, wenn er ihn sah.
Nun geschahs am Hofe da
In den ersten acht Tagen,
Daß Marke selbst ritt mit ihm jagen,
Und viel des Hofgesindes auch,
Zu schauen seinen Jagdgebrauch
Und wahrzunehmen seiner Kunst.
Sein Jagdpferd nahm da Mark aus Gunst
Und schenkt' es ihm mit holden Sitten:
So gut war Tristan nie beritten
Gewesen; stark wars, schön und schnell.
Dazu ein Hörnlein süß und hell
Hieß er ihm geben in die Hand
Und sprach: »Tristan, dir ist bekannt,
Daß du mein Jägermeister bist.
Nun zeig uns wie dein Jagdbrauch ist:
Nimm deine Hunde, fahr hinaus
Und stelle deine Warten aus,
Wo du denkst, sie sollten stehn.«
»Nein, Herr, so kann es nicht ergehn«,
Sprach Tristan, der höfsche Knab:
»Sendet eure Jäger ab,
Daß sie die Warte besetzen
Und die Hunde von den Seilen hetzen;
Sie kennen jeden Weg und Schlich
Und wißen beßer als ich,
Wohin der Hirsch sich ziehet
Und vor den Hunden fliehet.
Sie kennen die Gelegenheit;
Ich habe noch zu keiner Zeit
Hier gejagt und bin ein fremder Knecht.«
»Weiß Gott, Tristan, du hast Recht:
Du kannst hierauf dich nicht verstehn.
Die Jäger müßen selber gehn;
Sie mögen das beßer schlichten.«
Die Jäger giengen dieß verrichten:
Sie koppelten die Hunde
Und stellten in der Runde
Ihre Warten aus zur Birsch.
Bald hetzten sie auf einen Hirsch
Und jagten ihn im Wettestreit
Schier bis an die Abendzeit:
Da erjagten ihn die Hunde.
Nun kam zur selben Stunde
Herr Marke und sein Freund Tristan
Mit manchem höfischen Mann
Herbei, ihn abzufangen.
Die Jagdhörner klangen
In mancherlei Getöne
Und bliesen all so schöne,
Daß König Marken dieses Spiel
Und seinen Leuten wohlgefiel.
Als der Hirsch war gefällt,
Da wurde Tristan hingestellt,
Des Königs heimischer Gast,
Und gebeten, daß er sie den Bast
Nun nach der Reihe ließe sehn.
Tristan sprach: »Das soll geschehn«,
Und begann nach ihrem Wunsch zu thun.
Aber mich bedünkt es nun,
Daß es überflüßig wäre
Euch zweimal Eine Märe,
Dieselbe, vorzutragen.
Wie er beim ersten Jagen
Den Hirsch entbästet, gleichen Brauch
Hielt er bei dem zweiten auch.
Den Bast und die Furkîe,
Und die Kunst bei der Curîe,
Als sie die sahen, in der Runde
Gestanden sie aus Einem Munde,
Daß Niemand diese Dinge
Nach beßrer Art vollbringe,
Noch ihnen beßre mög erfinden.
Der König ließ zu Rosse binden
Den Hirsch und wandte sich hindann,
Er und sein Jäger Tristan.
Und all die Messenîe
Mit Stangen und Furkîe
Ritten sie darauf nach Haus.
Ein lieber Hofmann überaus
War Tristan nun in Tintajoel.
Gesind und König hielt ihn wohl
Und erbot ihm gern Geselligkeit.
Auch war er immerdar bereit
Reich und Arm zu dienen.
Hätt er Jeden nur von ihnen
Auf seinen Armen mögen tragen,
Er hätt es Keinem abgeschlagen.
Den Segen hatt ihm Gott gegeben,
Er konnt und wollte Allen leben:
Lachen, Tanzen, Singen,
Reiten, Laufen, Springen,
Bescheiden sein und Schallen,
Das konnt er wohl mit Allen.
Er lebte wie man wollte
Und wie die Jugend sollte.
Was Einer immer begann,
Das hob er gerne mit ihm an.
Nun aber trug es sich zu,
Daß Marke eines Tags der Ruh
Nach Tisch zu pflegen sitzen blieb;
Da ist ja immer Kurzweil lieb.
So horcht' er nach gewohnter Weise
Auf eines Harfenspielers Weise,
Des besten, den man kannte,
Und großen Meister nannte;
Derselbe war ein Galois.
Da kam Tristan der Parmenois
Und setzte sich zu seinen Füßen
Und nahm des Liedes und der süßen
Noten wahr mit allem Fleiß;
Und wärs ein schwerverpönt Geheiß,
Sein Gedenken bliebe nicht verschwiegen.
Das Herz begann ihm hoch zu fliegen
Und mit dem Herzen flog der Muth.
»Meister«, sprach er, »ihr harfet gut,
Ihr wißt die Saiten anzuschlagen,
Dem Erfinder würd es selbst behagen.
Dieß schöne Lied hat ein Britun
Erfunden von dem Herrn Gurun
Und dem Fräulein seiner Minne.«
Dieß nahm in seine Sinne
Der Harfner, ob es Anfangs schien
Als hätt er wenig Acht aufs ihn,
Bis er sein Spiel geendet.
Zu dem Kinde jetzt gewendet
»Was weist du«, sprach er, »liebes Kind,
Von wannen diese Noten sind?
Verstehst du etwa dieses Spiel?«
»Ach, Meister«, sprach Tristan, » nicht viel.
Einst hatt ich einge Meisterschaft;
Nun hat sie so geringe Kraft,
Daß ich vor euch zu blöde bin.«
»Nicht doch, nimm diese Harfe hin:
Laß hören, welche Leiche
Spielt man im Britenreiche.«
»Gebietet ihr es, Meister mein,
Und solls mit euern Hulden sein,
Daß ich euch spiele?« sprach Tristan.
»Ja, trauter Knabe, heb nur an.«
Als er die Harfe nahm zur Hand,
Wie wohl sie seinen Händen stand!
Sie waren, las ich, schön und fein,
Daß sie nicht schöner konnten sein.
Weich und linde, klein und schlank
Und wie ein Hermelin so blank;
Mit diesen rührt' und schlug er schöne
Grund- und schnelle Wandeltöne,
Seltsame, süße, reine.
Da dacht er auch an seine
Lieder aus der Briten Land;
Den Hammer setzt' er ein gewandt,
Zog diese Saite nieder,
Die andre höher wieder
Bis sie standen wie sie sollten stehn.
Nun, das war alsbald geschehn:
Der neue Harfenist, Tristan,
Fieng seines neuen Amtes an
Zu warten klug und weise.
Seine Noten zu der Weise,
Seine seltsamen Grüße,
Die harft' er also süße,
Und begleitete so schön
Sich selbst mit Saitengetön,
Daß Alles zu der Stelle lief,
Dieser Jenen näher rief.
Eilends lief die Höflingsschar
Herbei, die in den Kammern war
Und wähnten doch zu spät zu kommen.
Herr Mark hatt Alles wohl vernommen:
Er saß, des Spieles achtend,
Seinen Freund Tristan betrachtend,
Und verwunderte sich sehr,
Daß so höfsche Gabe der,
Und gute Kunst in seiner Brust
(Er war sich ihrer doch bewust)
Verhehlen mochte bisheran.
Nun, weiter spielte Tristan
Und wob den Leich hinein mit Sinn
Von der stolzen Freundin
Graland des Schönen:
Den ließ er süß ertönen
Und harfte so zu Preise
Die britunische Weise,
Daß da Mancher stund und saß,
Der seines Namens schier vergaß.
Da begannen Herz und Ohren
Als würden sie zu Thoren
Aus ihrer Pflicht zu wanken;
Da wurden Gedanken,
Seltsame, zu Tag gebracht;
Da ward zu manchem Mal gedacht:
»Ach, selig sei der Kaufmann,
Der so höfschen Sohn gewann!«
Seine Finger, ach, die weißen,
Wie sah man die sich fleißen
Und wühlen in den Saiten;
Sie konnten Töne spreiten,
Daß der Pallas wurde voll.
Da zahlten Augen wohl den Zoll:
Sie gaben alle Acht darauf
Und folgten seiner Hände Lauf.
Nun wars mit diesem Leich geschehn:
Einen Boten ließ der König gehn,
Der sprach, es wünschten Viele,
Daß er noch einen spiele.
»Mu voluntiers«, sprach Tristan;
Herrlich hub er wieder an
Einen Liebesleich wie eh
Von der curtoisen Thisbe
Aus dem alten Babylon:
Den harft' er in so schönem Ton
Und wandelte den Grundton auch
Nach so meisterlichem Brauch,
Daß es den Harfner Wunder nahm.
Als die Gelegenheit dann kam
Flocht der tugendliche Knabe
Zu aller Ohren Labe
Seine Chanzonen mit hinein:
Er sang die Leichnötelein,
Britunische, galoisische,
Lateinische, französische,
So süß mit seinem Munde:
Sie wusten in der Runde
Nicht, welches süßer wäre
Oder würdiger der Ehre,
Ob sein Harfen oder Singen.
Sich hub von diesen Dingen,
Von seinem Spiel, von seinem Sang
Gerede viel, Gerede lang,
Indem sie All gestanden
Sie hätten in den Landen
Das nie gehört, gesehen nie.
Der sprach dort und dieser hie.
Ach, was ist das für ein Kind!
Was ist er uns ein Ingesind!
Alle Kinder, die nun leben,
Möchte man zu Tausche geben
Für den Einen Tristan gleich.«
Als nun Tristan seinen Leich
Zu Ende brachte nach Begehr,
Herr Marke sprach: »Tristan, geh her.
Der dich das hat gelehret,
Der sei vor Gott geehret
Und du mit ihm: das hat wohl Grund.
Ich hörte gerne deinen Mund
Lieder singen vor der Nacht,
Wenn doch dein Auge gern noch wacht.
Nicht wahr, das thust du mir und dir?« –
Ja, gerne, Herr. – »Nun sage mir,
Kannst du noch ander Saitenspiel?« –
Nein, sprach er, Herr. »Zier dich nicht viel;
So lieb als ich dir bin, Tristan,
Die rechte Wahrheit sag mir an.«
Die Wahrheit sprach er da getreuer:
»Ihr braucht mich nicht so hoch und theuer
Zu mahnen, Herr: ich hätt es wohl
Schon so gesagt, da ich es soll,
Und ihr es wollet wißen.
Herr, ich war beflißen
Zu lernen jedes Saitenspiel;
Und kann von Keinem doch so viel,
Ich wüste gern davon noch mehr.
Auch hab ich es nur nebenher
Und nicht jeden Tag getrieben;
Und bin dabei geblieben
Kaum in das siebente Jahr
Oder wenig drüber, das ist wahr.
Man lehrte mich in Parmenie
Fiedelspiel und Symphonie;
Harfen und Rotten
Lehrten mich Galiotten,
Zwei Meister galoise;
Mich lehrten Britanoise
(Sie waren aus der Stadt zu Lut)
Die Leier und das Sambiut.«
Sambjut, was ist das, lieber Mann?
»Das beste Saitspiel, das ich kann.«
»Seht«, sprach das Hofgesinde,
»Gott hat diesem Kinde
Zu recht wonniglichem Leben
Seiner Gnaden viel gegeben.«
Noch fragt' ihn König Marke mehr:
»Tristan, ich hörte dich vorher
Britunnisch singen und galois,
Gut Latein und auch franzois;
Kannst du die Sprachen?« – »Herre, ja,
So ziemlich wohl.« Von fern und nah
Kam der Haufe da gedrungen,
Wer nur in fremden Zungen
Sprach aus einem Nachbarland,
Der versucht' ihn allzuhand,
Bald in dieser, bald in der;
Da fiel antworten ihm nicht schwer
Ihnen Allen in der ihren,
Norwegern oder Iren,
Allmannen, Schotten, Dänen.
Da mochte wohl sich sehnen
Manch Herz nach Tristans Gaben:
Die wollten Alle haben;
Ein Jeder wollte sein wie er,
Und rief mit herzlichem Begehr
Süß und wonniglich ihm zu:
»Ach, Tristan, wär ich doch wie du!
Tristan, du magst wohl gerne leben:
Dir sind im Übermaß gegeben
Alle Gaben, die ein Mann
Auf der Welt nur haben kann.«
Groß Wunder ward auch dorten
Von ihm gemacht mit Worten:
Hört! sprach Dieser, hört! sprach Der;
Alle Welt die höre her:
»Ein vierzehnjähriges Kind
Kann alle Künste, die nur sind.«
Da sprach Herr Marke: »Tristan höre,
An dir ist was ich nur begehre,
Alles kannst du was ich will,
Jagdkunst, Sprachen, Saitenspiel.
So wollen wir Gesellen sein,
Du mein Geselle und ich dein.
Wir wollen Tages reiten jagen:
Des Abends finden wir Behagen
An höfischen Dingen:
Harfen, Fiedeln, Singen,
Das kannst du wohl, das thu du mir.
Ich kann ein Spiel, das thu ich dir,
Das auch dein Herz dir wohl begehrt:
Schön Gewand, manch schnelles Pferd,
Und wonach noch sonst der Sinn dir zielt,
Geb Ich dir: das ist wohl gespielt.
Sieh, mein Schwert und meine Sporn,
Meine Armbrust und mein golden Horn,
Geselle, die befehl ich dir:
Die übernimm und pflege mir,
Und sei du höfisch und sei froh.«
Nun ward der Heimatlose so
Bei Hof ein lieb Gesinde.
Man sah an einem Kinde
Den Segen nie, nicht vor noch nach,
Denn was er that und was er sprach,
Das däucht und war auch also gut,
Daß alle Welt ihm holden Muth
