Kitabı oku: «Ein glücklicher Mensch», sayfa 2
EIN GLÜCKLICHER MENSCH
Es war einmal ein König. Er war dauernd krank und wurde mit der Zeit immer trauriger. Kein Medikament konnte ihm helfen, und kein Kraut war gegen seine Krankheit gewachsen. Da rief er einmal alle Ärzte und alle Weisen aus seinem Königreich zu sich und versprach demjenigen, der ihn heilen könnte, sein halbes Königreich. Die versammelten Ärzte und Weisen dachten lange nach; sie konnten aber noch nicht einmal feststellen, an welcher Krankheit ihr König litt und deshalb auch kein passendes Medikament finden. So grübelten sie weiter, bis einer von ihnen sagte:
„Man muss einen wirklich glücklichen Menschen finden und sein Hemd dem kranken König anziehen. Ihr werdet sehen, wie schnell er wieder gesund wird und wie viele glückliche Jahre er noch erleben wird.“

Der König freute sich, als er diese Worte hörte, und schickte ohne zu zögern seine Gesandten in die weite Welt hinaus, damit sie einen glücklichen Menschen für ihn ausfindig machten.
Die Gesandten wanderten von einem Königreich zum anderen, konnten jedoch keinen glücklichen Menschen finden.
Sie sprachen mit vielen Leuten und begegneten Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen. Einer war so reich, dass er seinen Reichtum nicht einmal zählen konnte. Als sie ihn sahen, dachten sie, es gäbe keinen glücklicheren Menschen auf dieser Welt. Aber als sie ihn nach seinem Glück fragten, entgegnete er, wie unglücklich er sei. Er habe keine Kraft und sei völlig erschöpft. Als sie einen kräftigen Menschen trafen und ihn fragten, so antwortete der, er sei arm und würde in vielen Schwierigkeiten stecken. Der Vater einer großen Familie stöhnte, er habe zu wenig Brot für seine Kinder. Die kinderlosen Eltern äußerten ihre Sehnsucht nach wenigstens einem Kind. Alles war nicht so, wie es aussah. So kehrten die Gesandten zurück, ohne einen glücklichen Menschen und ohne ein Hemd ausfindig gemacht zu haben.

Als der König den Bericht seiner Gesandten hörte, wurde er noch trauriger und kränker. Keiner konnte ihm mehr helfen.
An einem späten Abend ging sein Sohn spazieren. Er war so traurig über den Bericht der Gesandten und die Krankheit seines Vaters, dass er nicht merkte, wie weit er gelaufen war. Ein einziger Gedanke beschäftigte ihn: Wie könnte er nur seinem Vater helfen! Als er an einer zerfallenen Hütte vorbeiging, hörte er plötzlich, wie ein Mann mit freudiger Stimme sagte:
„Ach, wie schön war mein heutiger Tag! Ich bin so glücklich. Ich habe alles geschafft. Mehr konnte ich nicht machen. Ich habe gegessen, getrunken und gehe jetzt getrost schlafen.“
Der Königssohn freute sich sehr, endlich einem glücklichen Menschen zu begegnen. Er ging hinein und bat den Mann um sein Hemd. Der Mann hörte aufmerksam zu und sagte dann nur: „Das ist doch mein einziges Hemd … Wie könnte ich es weggeben?“
Aber der Königssohn gab ihm so viel Gold, dass er sich ein neues Haus bauen konnte. Für das restliche Gold kaufte er sich eine gute Nähmaschine und feines Leinen, aus dem er dann mit Liebe für alle Bedürftigen bis jetzt Hemden näht, wenn er noch nicht gestorben ist.
ICH SELBST
In einem Fichtenwald kochte einmal ein Mann Teer, als plötzlich ein junger, einfältiger Teufel auftauchte.
„Hei, Menschenkind, wer hat dir erlaubt, Feuer in meinem Wald zu machen und diesen schwarzen Brei zu kochen? Der ganze Wald stinkt danach“, rief er aufgebracht.

„Nun, bist du ja ein Schlaukopf. Seit wann gehört denn dieser Wald dir? In diesen Wald gingen bereits mein Vater und mein Großvater ein und aus. Wald und Moor gehörte ihnen, und jetzt gehören sie mir. Verschwinde sofort, sonst stecke ich dich selbst in diesen Topf hinein.“
Der Mann betrachtete aufmerksam den wütenden Teufel, beschloss, diesem eine solche Lektion zu erteilen, dass er sich nie wieder hierher trauen würde, und sagte:
„Schon gut, schon gut! Ich gehe schon. Ich bereite nur meine Heilsalbe zu, dann bin ich weg. Denkst du, ich brauche deinen Wald und deinen Sumpf hier?“
„Heilsalbe? Und was ist das für eine?“, fragte der Teufel, neugierig geworden.
Es ist ja bekannt, dass Teufel allgemein sehr neugierig sind und in alles – ob das nun nötig ist oder nicht – ihre Nase stecken.
„Das ist keine einfache Salbe. Die gibt es nicht noch einmal auf der ganzen Welt. Wenn man sie in die Augen reibt, klärt sich der Blick und es gehen einem die Augen so weit auf, dass man sofort alles sehen und durchschauen kann.“
„Was? Meinst du, ich könnte sogar sehen, wie es meinen Vorfahren geht?“
„Gewiss! Alles um dich herum würde erleuchtet.“
„Nun, Menschenkind, so einfach kommst du mir nicht weg. Ich muss etwas von deiner Salbe haben. Schließlich kochst du sie in meinem Wald.“
„Kein Problem, ich kann dir etwas abgeben, aber nicht umsonst.“
„Und was willst du dafür haben?“, fragte der Teufel auf den Kochtopf starrend.
„Was kann ich schon von dir erwarten?! … Bring mir einen Sack Goldtaler und die Sache ist erledigt.“
„Gleich“, sagte der Teufel voller Vorfreude. „Sag mir nur, wie du heißt, damit ich erklären kann, für wen das Gold ist.“
Der Mann sagte, dass sein Name ‚Ich selbst‘ sei.

Im Nu drehte sich der Teufel um und verschwand im Moor.
Nach einer Weile tauchte er wieder mit einem Sack voller Goldtaler auf.
„Nimm“, sagte er. „Jetzt schmiere mir deine Heilsalbe in die Augen.“
„Soll ich auch das noch machen? Warte mal, langsam. Du kriegst deine Salbe“, sagte der Mann. „Ich muss dich nur dann an dieser Eiche festbinden.“
„Wozu das denn?“
„Damit du dich nicht bewegst und kein einziger Tropfen dieser kostbaren Salbe auf den Boden fällt.“
„Dann los“, zeigte sich der Teufel einverstanden, so sehr wollte er in den Genuss dieses Zaubermittels kommen.
Der Mann band den Teufel an der Eiche fest, schöpfte mit einer Kelle den kochend heißen Teer aus dem Topf und schüttete ihn über die Augen des Teufels, so dass sich im Nu der Geruch nach Verbranntem verbreitete. Der Teufel schrie vor Schmerz auf, sprang von der Stelle auf, zog die Eiche mit heraus und tauchte in den Sumpf ein. Nur Wasser- und Schlammspritzen stiegen in die Wolken hinauf. Er rannte stöhnend in die Höhle.
Die anderen Teufel versammelten sich voller Sorge um ihn herum, um zu erfahren, was ihm zugestoßen sei.
„Wer hat dir das nur angetan?“, fragten sie einstimmig.
„Ich selbst! Ich selbst!“, heulte der Teufel und lief vor Schmerz hin und her.
Die Teufel zuckten mit ihren Schultern und verdrehten vor Verwunderung die Augen.
„Nun, wenn du es dir selbst angetan hast, dann können wir dir nicht helfen“, dachten sie, gingen weiter ihrer Beschäftigung nach und ließen ihren Kameraden mit seinen Schmerzen allein.
DIE GESCHENKE DES KOBOLDS
Es war einmal ein reicher Gutsherr, der schritt eines Tages seine Wiesen am See ab und bemerkte eine ausgedörrte Stelle am Waldrand. Ob es ihm jemand erzählt oder ob er es von seinen Eltern gehört hatte, er wusste, dass Wiesen an den Stellen ausdörren, wo sich ein Kobold abends zum Ausruhen niederlässt.

Deshalb beschloss er, den Kobold zu finden, um ihn um Gold zu bitten.
An einem schönen, friedlichen Abend ging er zu der Stelle und sah am Waldrand einen Zigeuner sitzen.
„Ist das ein Zigeuner oder ein Kobold?“, dachte der Gutsherr und konnte sich nicht entscheiden, ob er weitergehen oder ihn ansprechen sollte.
Er überlegte und überlegte und entschied sich dann:
„Wenn das ein Zigeuner ist, was kann er mir schon antun? Ich habe doch nichts dabei. Und wenn das ein Kobold ist, dann ist er der Richtige, den ich finden wollte.“
Gedacht, getan. Er kam zu dem Zigeuner und fragte:
„Warum sitzt du hier alleine am Waldrand?“
„Setz dich dazu. Dann sind wir zu zweit“, antwortete der Zigeuner.
„Das ist kein Kobold!“, dachte der Gutsherr, ging aber trotzdem zum Zigeuner und setzte sich zu ihm.
„Wo kommst du ganz alleine her?“, fragte der Gutsherr. „Es gab hier keine Zigeuner, soviel ich weiß. Du trittst mir nur die Wiese kaputt.“
„Ich bin kein Zigeuner, sondern ein Kobold.“
Der Gutsherr erschrak, sprang von der Stelle auf und wusste nicht, ob er nun weglaufen oder bleiben sollte.
Der Kobold lächelte nur und sagte:
„Du wolltest mich doch sehen, warum erschrickst du denn plötzlich? Ich tue Menschen nichts Böses. Setz dich!“
Der Gutsherr setzte sich wieder hin, schwieg eine Weile, bis er sich beruhigt hatte. Dann fasste er Mut und fing an zu erzählen, dass er Not leide, dass er keinen roten Heller habe und Mühsal ertragen müsse. Wie viele Worte er auch gesagt hatte, alle waren gelogen.
„Was willst du denn von mir? Ich gehe doch nicht als Knecht zu dir, der für dich ackert, eggt und Wiesen mäht!“, erwiderte der Kobold.

„Ja“, sagte der Gutsherr, „aber ich habe gehört, dass du einen Menschen, der dir gefällt, mit Reichtümern überhäufst und ihm die Taschen mit Geld füllst. Ich würde dich großzügig mit Honig, Eiern und Milch belohnen. Die Menschen erzählen, dass du all das sehr magst.“
„Du hast mir erzählt, dass du ganz arm bist und alle möglichen Lasten dich bedrücken. Iss all das lieber selbst oder gib es deiner unglücklichen Familie. Ich komme auch ohne all das aus.“
„Willst du mir denn nicht helfen?“, fragte der Gutsherr. „Haben meine Vorfahren etwas Unwahres über dich erzählt? Würdest du mir nicht wenigstens eine Handvoll Gold geben?“
„Gut“, sagte der Kobold, „gib mir deine Mütze.“
Der Mann streckte seinen Arm aus und hielt dem Kobold seine Mütze hin. Der Kobold füllte sie voll mit Gold.
„Reicht das?“, fragte der Kobold.
„Was ist das denn schon? Das sind doch nur ein paar Handvoll. Hat es sich denn überhaupt gelohnt, dich zu fragen?“
„Du bist in der Tat sehr habgierig“, sagte der Kobold. „Ein anderer würde sich an deiner Stelle tausendmal bedanken, wenn er so viel von mir bekommen hätte.“
„Du hast meine Wiese mehr beschädigt, als du mich jetzt entschädigt hast“, wurde der Gutsherr immer forscher.
„Gut, halte deinen Umhang an den Zipfeln fest, und ich fülle ihn dir voll.“
Der Gutsherr hielt seinen Umhang hoch, und der Kobold füllte ihn voll mit Gold.
„Du könntest mir doch noch ein wenig dazugeben“, sagte der Gutsherr immer noch unzufrieden. „Siehst du, du könntest noch meine Taschen vollfüllen.“
„Gut, gib mir deine Taschen.“
Der Mann hielt ihm erst eine Tasche entgegen, dann die andere, und der Kobold füllte sie mit Gold.
Als der Gutsherr so viel Gold bekommen hatte, vergaß er vor lauter Freude, sich bei dem Kobold zu bedanken und sich von ihm zu verabschieden. Er rannte, so schnell er konnte, durch den Wald nach Hause. Unterwegs dachte er nur an das eine:
„Hoffentlich begegne ich niemandem. Sonst sieht jemand, wie viel Gold ich dabei habe, und raubt mich aus.“
Er lief auf Umwegen an Gärten und Ställen vorbei, bis er zu Hause ankam. Dort begab er sich sofort in seine Kammer.
Er schüttete den Umhang über sein Bett und sah, dass alles nur verfaultes Zeug war. Er steckte erst die eine Hand, dann die andere in seine Taschen, und dort war nur Mist. Er holte die Mütze aus seinem Schoß, und sie war voll mit madigen Pilzen. Der Gutsherr fluchte, weil der schlaue Kobold ihn zum Narren gehalten hatte. Aber war er nicht selbst schuld daran? Wäre er gleich mit dem zufrieden gewesen, was er in der Mütze hatte, wäre er reicher geworden. Ob er aber auch glücklich geworden wäre?
EINE GESCHWÄTZIGE FRAU
Es lebte einmal ein Mann, der eine schrecklich geschwätzige Frau hatte. Sie konnte ihren Mund nicht halten. Sobald sie etwas erfuhr, plauderte sie alles in ihrer Nachbarschaft aus. Einmal pflügte der Mann das Feld. Sein Pflug traf einen großen Stein. Der Mann hob diesen Stein auf und fand unter ihm eine vergrabene Truhe voller Goldmünzen. Dann dachte er darüber nach, was er wohl machen solle. Er fand, dass er das Geld nicht nach Hause bringen konnte, weil seine Frau es gleich allen Leuten erzählen würde, wenn sie das Gold zu sehen bekäme. Dann würde der Landesherr davon hören und – Geld ade – alles wegnehmen.
So dachte er und dachte, bis ihm etwas einfiel. Er legte die Truhe zurück, rollte den Stein darauf und ging nach Hause. Auf dem Weg kam er an einem Fluss vorbei. Dort sah er Fischernetze. Er zog sie heraus und fand in einem einen Hecht. Er nahm diesen Hecht mit und ging weiter. Dann kam er an einem Wald vorbei. Dort lagen Fangseile für Hasen und in einem fand er sogar einen Hasen. Der Mann nahm ihn heraus und steckte stattdessen den Hecht hinein. Den Hasen brachte er zurück zum Fluss und legte ihn in das Netz. Dann kam er nach Hause und sagte zu seiner Frau:
„Nun, Liebes, heize gleich den Ofen und backe so viele Kringel wie möglich.“
„Was fällt dir nur ein? Wer backt schon Kringel für die Nacht?“
„Schwätz nicht und mach das, was dir gesagt wurde. Ich habe einen Schatz gefunden. Wir wollen das Geld heute Nacht holen.“
Die Frau freute sich. Sie ging daran, den Ofen anzuheizen und die Kringel zu backen. Der Mann aß einen auf, zwei oder drei steckte er immer wieder in einen Korb, wenn seine Frau es nicht bemerkte.
„Isst du heute aber viel. Ich komme mit Backen gar nicht nach“, sagte die Frau.
„Der Weg ist weit, es gibt viel Geld, man sollte gut gegessen haben.“
Der Mann hatte nun den ganzen Korb voller Kringel und meinte, sie solle auch etwas essen.
Die Frau aß schnell, und beide gingen los. Sie gingen erst durch den Wald. Der Mann überholte seine Frau, holte die Kringel aus dem Korb und hängte sie an die Äste. Die Frau sah die Kringel an den Bäumen hängen und konnte ihren Augen nicht trauen.
„Schau dir das mal an, auf den Ästen hängen Kringel.

„Was wunderst du dich? Hast du nicht gesehen, dass vorhin die Wolken vorbeigezogen sind und die Kringel auf die Bäume herabgeregnet haben?“
„Ich habe es nicht gesehen. Dummerweise habe ich nur auf meine Füße geschaut, damit ich nicht über die Wurzeln stolpere.“
„Lass uns diesen Pfad nehmen“, sagte der Mann. „Dort habe ich meine Fangseile für die Hasen gelegt.“
Sie gingen zu den Fangseilen und fanden darin einen Hecht. Die Frau wunderte sich schon wieder.
„Wie konnte nur ein Fisch in das Fangseil geraten?“
„Wusstest du nicht, dass es Hechte gibt, die auf dem Boden laufen können?“
„Nein, noch nicht. Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte ich es nicht geglaubt.“

Dann kamen sie zum Fluss. Der Mann sagte:
„Irgendwo hier liegt mein Netz. Ich schaue nach, ob etwas drin ist.“
Er zog das Netz heraus und fand einen Hasen darin. Die Frau wunderte sich, wie der Hase da hineinkommen konnte.
„Weißt du nicht, dass es Hasen gibt, die im Wasser schwimmen?“
„Wenn ich das nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich es wirklich nicht glauben.“
Schließlich kamen die beiden zu ihrem Feld. Der Mann bewegte den Stein von der Stelle und holte die Truhe mit den Münzen heraus. Danach brachten die beiden sie nach Hause. Der Weg führte am Schloss des Fürsten vorbei. Als sie vorbeigingen, hörten sie Schafe blöken.
„Oh, wie schrecklich, was könnte das sein?“, flüsterte die Frau leise.
„Die Teufel sind gerade dabei, unseren Fürsten zu würgen. Lass uns schneller gehen, damit sie uns nicht sehen.“
Sie rannten vorbei und kamen völlig erschöpft und außer Atem nach Hause.
„Pass auf, erzähl bloß keinem von dem Schatz, sonst wird es für uns nicht gut enden.“
„Nein, was glaubst du denn? Ich schwöre, keinem etwas davon zu erzählen.“
Sie legten sich ins Bett, konnten aber nicht einschlafen, wälzten sich die ganze Nacht nur im Bett herum und standen am nächsten Morgen spät auf. Die Frau heizte den Ofen an und ging zum Brunnen Wasser holen. Die Nachbarinnen fragten, warum sie heute so spät den Ofen angemacht habe.
„Wir konnten die ganze Nacht nicht schlafen, liefen herum, und so habe ich am Morgen verschlafen.“
„Wo seid ihr denn nachts rumgelaufen?“
„Mein Mann hat einen Schatz gefunden, deshalb sind wir nachts aus dem Haus gegangen, um ihn zu holen.“
Es dauerte nicht lange und das Gerücht erreichte das Ohr des Fürsten. Der erzürnte Fürst ließ den Mann ins Schloss kommen.
„Wie wagst du es, mir zu verheimlichen, dass du einen Schatz gefunden hast?“
„Von einem Schatz habe ich weder etwas gehört noch gewusst“, versuchte der Mann, sich herauszureden.
„Lüge nicht!“, rief der Fürst. „Deine Frau hat im ganzen Dorf verkündet, dass ihr heute Nacht einen Schatz holen wart.“
„Mein Herr, sie hat doch nur wenig Verstand! Sie redet die ganze Zeit nur wirres Zeug und von Dingen, die es gar nicht gibt.“
Der Fürst ließ die Frau kommen.
„Sag mal, hat dein Mann einen Schatz gefunden?“
„Er hat ihn gefunden, mein Herr.“
„Seid ihr nachts Geld holen gegangen?“
„Wir sind gegangen, mein Herr.“

„Schildere mal alles der Reihe nach.“
„Wir gingen durch den Wald und sammelten Kringel von den Ästen.“
„Wie können denn Kringel auf Äste von Bäumen kommen?“
„Die kommen aus der Kringelwolke. Danach schauten wir uns die Fangseile für Hasen an, und da fanden wir einen zappelnden Hecht. Wir nahmen den Hecht heraus und gingen weiter. Dann kamen wir zum Fluss. Dort schauten wir nach unseren Netzen und fanden einen Hasen. Den Hasen nahmen wir auch mit. Als wir zu unserem Feld kamen, gruben wir eine Truhe unter dem Stein heraus und kehrten zurück. Am Schloss gingen wir gerade vorbei, als Eure Majestät von Teufeln gewürgt wurde.“
Auf der Stelle riss dem Fürsten der Geduldsfaden.
„Mach dich fort, du dummes Weib!“
„Habe ich nicht gesagt, dass sie kaum Verstand hat? Mein ganzes Leben muss ich mit ihr verbringen“, sagte der Mann.
„Du Ärmster, geh nach Hause“, winkte der Fürst mit seiner Hand.
Der Mann kehrte heim und führte von nun an ein Leben ohne Sorgen. Und wenn er nicht gestorben ist, so lebt er noch heute und lacht über den Fürsten.
DER BUCKLIGE
Es lebte einmal ein reicher Bauer, der hatte sechs Söhne, von denen der jüngste einen Buckel hatte und deshalb der Bucklige genannt wurde. Er war ein lieber Junge, nur seinen Brüdern konnte er es nie recht machen.
Eines Tages beschloss der Vater, seine Söhne in die weite Welt zu schicken. Jeder von ihnen sollte eine gute Stelle finden und für seine ehrliche Arbeit einen schönen Hengst bekommen. So verließen sie alle das Elternhaus. Nach einer Weile fand jeder eine Stelle bei einem Fürsten: Zwei arbeiteten im Garten, die anderen zwei in der Küche, einer in der Schmiede und der Bucklige hatte die Aufgabe, die Pferde des Fürsten zu weiden. Der Junge liebte diese Pferde, und besonders das kleine und bucklige. Er gab ihm manchmal mehr Hafer, dann füllte er ihm öfters das Wasser nach und streichelte es immer wieder im Vorbeigehen. Einmal sprach dieses Pferdchen ihn an:
„Danke schön, junger Mann. Der Fürst wird mich dir als Belohnung für deine Arbeit geben. Und ich werde dir noch nützlich sein.“
Nach einem Jahr lief die Dienstzeit der Brüder ab. Da sie ihre Arbeit rechtschaffen erledigt hatten, bekamen sie je einen prachtvollen Hengst. Nur der Bucklige bekam das kleine bucklige Pferdchen, wie es ihm dies auch schon vorhergesagt hatte. Die fünf Brüder kamen auf prachtvollen Hengsten nach Hause, nur der Bucklige auf seinem buckligen Pferdchen.

Nach einer Weile sagte der Vater zu seinen Söhnen:
„Geht in die bunte weite Welt hinaus und sucht euch eine Braut. Alle sechs müssen allerdings aus einer Familie stammen und am selben Tag geboren sein.“
Die Brüder packten ihre Sachen zusammen und ritten in die weite Welt hinaus, um eine Braut zu finden. Sie ritten Tag und Nacht, bis sie nach einem halben Jahr ein verzaubertes Schloss erreichten. Das Pferdchen sagte zu dem Buckligen:
„Wenn du zum Schloss kommst, stelle mich nicht zu den anderen Pferden in den Stall. Binde mich alleine an den Zaun.“
So kamen alle Brüder in den Hof des Schlosses. Das Schloss war aber von einer Hexe verzaubert. Diese hatte sechs Töchter, die am selben Tag geboren waren. Die Brüder erzählten, dass sie auf der Suche nach einer Braut wären. Das Begehren der Brüder passte der Hexe und sie bat sie herein. Das Pferdchen des Buckligen sagte da wieder zu seinem Herrn:
„Wenn die Frau dich und deine Brüder in ein Zimmer mit ihren Töchtern schlafen legt, tausche ihre Mützen aus. Nimm sie von den Köpfen deiner Brüder und setze sie ihren Töchtern auf.“
Die Hexe bat also die jungen Männer herein, bot ihnen reichhaltig zu essen und zu trinken an und ließ sie im Zimmer ihrer Töchter schlafen. Und der Junge machte es so, wie es sein Pferdchen ihm geraten hatte. Als es Mitternacht wurde, bebte plötzlich das ganze Schloss, ertönte in allen möglichen Tönen und die Hexe rief:
„Teufel, hei, Teufel! Bist du es? Wer eine Mütze aufhat, gehört dir, und wer ohne Mütze ist, gehört mir.“
Der Teufel drehte sich nur um und ließ alle Köpfe mit Mützen fallen. Dann brachte er sie der Hexe, um sie ihr zu zeigen. Währenddessen weckte der Bucklige seine Brüder und sagte: „Steht auf, Brüder, steht auf, wir sind bei einer Hexe. Lasst uns weglaufen, um dem Tod zu entkommen!“
Die Brüder erwachten, machten die Augen auf und sahen, dass ihre Bräute ohne Köpfe dalagen. Sie erschraken und liefen stolpernd in den Hof hinaus. Der Pferdestall war verschwunden und nur das bucklige Pferd stand am Zaun. Der Bucklige sattelte sein Pferd und nahm seine Brüder mit. So verließen sie schnellstens das verzauberte Schloss.
Der Bucklige brachte seine Brüder in ihren Heimatort, dann trennte er sich von ihnen und ging zum Fürsten, bei dem er zuvor seinen Dienst geleistet hatte. Er ritt und ritt, und plötzlich sah er einen Mädchenzopf auf dem Wege liegen. Der Zopf strahlte so leuchtend hell wie der Vollmond.

Das Pferdchen sagte zu dem Buckligen:
„Nimm diesen Zopf bloß nicht mit, sonst wird dich großes Unglück ereilen!“
Der Bucklige hörte aber nicht auf sein Pferd und nahm den Zopf mit, denn der war ihm viel zu schön, um ihn liegen zu lassen.
Bald erreichte der Bucklige das Schloss des Fürsten. Der Fürst beauftragte den Buckligen, auf seine Pferde aufzupassen. Der Bucklige weidete sie tagsüber und nachts bürstete und striegelte er sie und erledigte noch weitere Arbeiten. Die Hofangestellten beneideten ihn, weil die Pferde so gut gepflegt und so prächtig aussahen. Sogar der Fürst war neidisch, obwohl es seine eigenen Pferde waren. Dann begannen die Hofangestellten, den Buckligen auszuspionieren, denn sie wunderten sich, wie er es schaffte, nachts in der Dunkelheit die Pferde so gut zu bürsten und zu striegeln. So sahen sie, dass der Bucklige einen Mädchenzopf hatte, der wie der Mond leuchtete. Sie erzählten es dem Fürsten. Dieser rief den Buckligen zu sich und sagte:
„Bring mir diesen Zopf und zeig ihn mir!“
Was blieb dem Jungen übrig?! Er brachte dem Fürsten den Zopf und zeigte ihm diesen. Dann befahl der Fürst böse:
„Jetzt hol mir das Mädchen, dem dieser Zopf gehört!“ Dann fügte er hinzu: „Wenn du es bringst, dann bekommst du ein halbes Königreich, und wenn nicht, dann lasse ich dich hinrichten.“
Der Junge ging traurig zu seinem Pferd und weinte.
„Der Fürst befahl mir, das Mädchen, dem der Zopf gehört, zu holen, und wenn ich das nicht mache, lässt er mich hinrichten.“
Da sprach das Pferdchen zu ihm:
„Ich habe dir doch gesagt, du sollst diesen Zopf nicht mitnehmen, sonst trifft dich ein Unglück. Du hast aber nicht auf mich gehört.“
Der Bucklige tat ihm aber leid und so sagte das Pferdchen dann zu ihm:
„Nimm etwas zum Essen mit, damit es für drei Tage reicht. Dann reite nach Westen bis zum Meer. Wenn die Sonne untergeht, kommen sechs junge Mädchen zum Meer, um zu baden. Alle sind sehr schön mit langen leuchtenden Zöpfen. Nur ein Mädchen wird ohne Zopf sein. Dieses Mädchen fange!“
Der Bucklige folgte der Anweisung seines Pferdes. Er ritt nach Westen, fand das Meer und die badenden Mädchen mit langen Zöpfen. Er griff nach dem ohne Zopf und brachte es mit ins Schloss.
Als der böse Fürst die Schönheit des Mädchens sah, beschloss er, den Buckligen zu töten. Er befahl seinen Dienern, einen Kessel mit Milch aufzusetzen, und wenn die Milch koche, sollte der Bucklige darin baden.
Traurig ging der Bucklige wieder zu seinem Pferdchen und weinte.
„Der böse Fürst ließ einen Kessel mit Milch aufsetzen und ich soll darin baden. Jetzt muss ich sterben.“
„Weine nicht, mein Junge“, sprach das Pferd zu ihm. „Nimm mich zum Kessel mit, in dem die Milch kochen wird. Du selbst sollst dann nackt in den Kessel springen.“
Gesagt, getan. Der Junge brachte das Pferd zum Kessel und bereitete sich vor hineinzuspringen. Das Pferdchen stand am Kessel und zog die ganze Hitze mit seinen Nüstern aus dem Kessel. Die Milch war sofort kühl. Der Bucklige sprang in den Kessel und stieg plötzlich als ein hübscher junger Mann ohne Buckel heraus. Die Höflinge stießen vor Verwunderung laute Rufe aus. Am schlimmsten traf es den bösen Fürsten, dessen Neid noch größer wurde. Ohne zu zögern, sprang der Fürst in den Kessel, um in der Milch zu baden. Das Pferdchen sprang rasch zum Kessel und ließ die ganze Hitze aus seinen Nüstern heraus. So wurde der böse Fürst im Kessel zu Tode gekocht.
Der Junge holte seine Brüder und veranstaltete ein großes Fest. Er heiratete das Sonnenmädchen und seine Brüder heirateten dessen Schwestern. Und alle lebten statt des neidischen Fürsten vergnügt im Schloss.