Kitabı oku: «Traum oder wahres Leben», sayfa 7
Um die Situation zu entschärfen, antwortete ich schnell.
›Wenn ich ihm als Sohei oder Yamabushi vorgestellt werde, was ja, wenn ich richtig verstanden habe, Kriegermönche sind, wird er dann den Kampf immer noch ablehnen?‹
›Das sind zwar alles keine Samurai, wenn er aber Lust auf ein Duell haben sollte, könnte es vielleicht klappen.‹
Ich lächelte etwas zweideutig.
›Vielleicht könnte man ihm den Gedanken eingeben, der Shogun wolle diesen Kampf gern sehen, um die Kampffähigkeit des Sohei zu testen.‹
Date Masamune schnaubte leicht und verzog den Mund zu einem Grinsen.
›Schon wieder der Diplomat! Ja, ich denke, das könnte man, und es könnte auch funktionieren. Aber dann haben wir schon das nächste Problem. Da Sie kein Samurai sind, besitzen Sie keine Schwerter und keine Rüstung. Es kann Ihnen auch keiner sein Schwert geben, denn das Schwert gehört zum Samurai und sein Verlust wäre der Verlust seiner Ehre. Außerdem dürfen nur Samurai Schwerter tragen.‹
›Was benutzen denn die Sohei für Waffen? Vielleicht ... Oder Moment, noch besser, Date Masamune hat doch die Waffen der chinesischen Angreifer als Trophäen mitgenommen?! Hat er sie hier? Da waren Schwerter dabei, mit denen ich schon geübt habe und die ich gut beherrsche.‹
Der Fürst bestätigte, dass sich die Schwerter im Anwesen befanden, und ließ sofort einige holen.
Ich wählte eins mit einer Klingenlänge von etwa sechzig bis fünfundsechzig Zentimetern, das gut in der Hand lag und scharf geschliffen war.
Der Daimyo forderte einen anderen Samurai auf, ihm das Schwert zu bringen, und betrachtete es eingehend. Er schwang es einige Male prüfend und schüttelte dann den Kopf.
›Hm, es mag für einen Kampf in China mit gleichwertigen Schwertern taugen, doch hier ist es eine unterlegene Waffe.‹
Er ließ es mir durch den Samurai zurückbringen und fuhr fort:
›Ich habe schon einige Kämpfe von Sanada Masanori miterlebt, bei denen er fast immer ein langes Tachi benutzte. Dessen Klinge ist bestimmt sieben Sun länger als dieses chinesische Schwert und hat deshalb eine viel größere Reichweite. Damit sind Sie ihm unterlegen.‹
›Tachi, Sun?‹, fragte ich.
Katakura Shigenaga verstand, dass ich mit diesen Begriffen noch nichts anfangen konnte, und holte sich beim Fürsten die Erlaubnis, mir sein Tachi zu zeigen. Diese Waffe war in der Zwischenzeit mit der Rüstung, die sich in einer großen Kiste befand, hergebracht worden. Dann entließ der Fürst alle anderen mit der Begründung, der Platz werde für die Übungen gebraucht. Einige verließen den Raum mit verstimmter Miene, doch Masamune atmete erleichtert auf, als wir nur noch zu dritt im Raum waren. Er wartete, bis alle außer Hörweite waren, und sagte dann:
›Es ist ermüdend, immer diese Zwänge und dieser äußere Schein‹, bei diesen Worten stand er auf und setzte sich neben uns. Nachdem er kurz mit Shigenaga gesprochen und dieser mehrfach genickt hatte, wandte er sich schließlich an mich.
›Date Masamune hat mich daran erinnert, dass ich die Etikette wahren muss, sobald andere anwesend sind, was natürlich auch für dich gilt. Sobald wir aber unter uns sind, möchte er, dass wir zwanglos miteinander umgehen. Er wird dich deshalb, wenn du damit einverstanden bist, in Zukunft mit du ansprechen.‹
Ich nickte erfreut.
›Gut, der Einfachheit halber werde ich es in Zukunft immer so übersetzen, außer ich weiß, dass einer die chinesische Sprache beherrscht.‹
›Ich fühle mich geehrt!‹
Masamune winkte ab.
›Lass den Unsinn, in China war es auch nicht nötig, und ich empfinde es seit einigen Jahren als belastend! Früher waren mir solche Dinge sehr wichtig, doch jetzt denke ich anders darüber. Außerdem bist du mein Lebensretter, und ich stehe in deiner Schuld!‹
Jetzt war ich es, der abwinkte, doch er fuhr schon fort, und sein Gesicht nahm einen besorgten Ausdruck an.
›Im ersten Augenblick war ich sehr angetan von deinem Vorschlag, doch nun mehren sich meine Bedenken. Ich fürchte, dass es für dich nicht gut ausgehen wird, und das möchte ich verhindern. Vielleicht finden wir doch noch eine andere Möglichkeit, um den Metsuke zu besänftigen.‹
›Nein, zum einen stehe ich zu meinem Wort, und zum anderen habe ich keine Angst. Seit einigen Jahren, habe ich fast täglich Kampfübungen absolviert, und die Shaolin haben mich in den Meisterstand erhoben, was doch zu irgendwas gut gewesen sein muss. Ich möchte auch nicht mehr darüber reden, denn wir haben Wichtigeres zu tun.‹
Ich sah Shigenaga an und fragte:
›Wolltest du mir nicht erklären, was Tachi und Sun ist?‹
Er nickte, stand auf und holte sein Schwert, zog es aus der Scheide und legte es neben das chinesische, das ich ausgewählt hatte.
›Ein solches Schwert nennt man Tachi. Es wird mit zwei Händen geführt, obwohl es einige Meister gibt, die es einhändig benutzen.‹
Er deutete auf die Schwerter, die er so gelegt hatte, dass das Stichblatt seines Schwertes auf gleicher Höhe mit der Parierstange des chinesischen war.
›Mein Tachi ist vierundzwanzig Sun lang und überragt deines um eine Handbreit. Das von Sanada Masanori ist, nach dem, was der Fürst sagt, etwa achtundzwanzig Sun lang. Er hat also eine viel größere Reichweite, daher dürfte es dir schwerfallen, mit diesem kürzeren Schwert an ihn heranzukommen.‹
›Hmmm, es kommt immer darauf an, wie man kämpft. Ich habe nicht vor, es auf die gleiche Art wie der Metsuke zu tun, da ich diese nicht beherrsche. Aber ich kann recht gut, was ich in Shaolin und Wudang gelernt habe. Würdest du jetzt bitte die Rüstung anlegen und mir einiges von eurer Schwertkampftechnik zeigen, damit ich mir ein Bild machen kann.‹
Er nickte, und ein Diener, der vor der Tür gewartet hatte, wurde hereingerufen. Dieser half beim Anlegen der Rüstung, und ich beobachtete genau, wie die einzelnen Teile miteinander verbunden wurden.
Von jedem Teil der Rüstung nannte mir Shigenaga den Namen und die Funktion. Es war gleichzeitig wieder Sprachunterricht, und mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass es mir diesmal leichter fiel als beim chinesischen. Da ich seine Gedankenbilder wahrnahm, konnte ich mir die Begriffe viel besser einprägen. Das Erlernen der lautlosen Sprache, wie sie Wang Lee immer genannt hatte, war also noch bei anderen Dingen hilfreich.
›Das, was ich jetzt anlege, ist eine do-maru-Rüstung. Sie wird im Feld kaum noch verwendet, denn sie bietet keinen ausreichenden Schutz vor Feuerwaffen. Bei einem Duell hingegen wird sie der modernen tosei-gusoku-Rüstung vorgezogen, da sie leichter ist und der Kämpfer in ihr mehr Bewegungsfreiheit hat.‹
Er benannte jedes einzelne Teil, und mir fiel auf, dass diese Rüstung Schwachstellen hatte, die ich auszunutzen gedachte. Als er fertig war, sollte ich eine gleichartige Rüstung aus Masamunes Besitz anlegen, doch ich wehrte ab.
›Nein, ich werde ohne Rüstung in meiner Shaolin-Kleidung gegen ihn antreten.‹
Sie sahen mich an, als hätte ich den Verstand verloren. Dann wollten sie mich sofort vom Gegenteil überzeugen.
›Ohne Schutz kann er dir mit einem einzigen Hieb den Schädel spalten oder den Arm abtrennen! Du hast ...‹
Hier unterbrach ich sie:
›Er hat den Vorteil der größeren Schwertreichweite und des besseren Schutzes durch die Rüstung, doch ich bin ohne Rüstung viel beweglicher. Ich habe ein kürzeres Schwert und noch nie in einer solchen Rüstung gekämpft, wäre also noch mehr behindert, weil ich an Beweglichkeit verliere. Ihr habt mir gesagt, dass dieses Tachi zweihändig geführt wird und ich mit meinem Schwert nicht direkt parieren darf, da ein gutes Tachi dieses zerschlagen könnte. Wenn ich diesen Kampf überleben will, bleibt mir also nur eine Art des Kampfes, die mein Gegner nicht kennt und einschätzen kann. Ich habe vor, ihn mit Schnelligkeit und List zu schlagen.‹
›Nein, du verstehst immer noch nicht. Dieser Kampf kann in wenigen Augenblicken vorbei sein, denn dein Gegner baut wie du auf Schnelligkeit und die sichere Führung seines Tachi. Oft stehen sich die Kämpfer lange gegenüber, beobachten und umkreisen einander. Sie suchen nach einer Schwachstelle in der Verteidigung oder sind darauf aus, sich gegenseitig einzuschüchtern. In manchen Duellen wird nur ein einziger schneller Hieb ausgeführt, der alles entscheidet. Deshalb ist eine gute Rüstung so wichtig, sie rettet dir unter Umständen das Leben.‹
Bei diesen Erläuterungen wurde ich unsicher. Ich hatte eine ganz andere Vorstellung von so einem Schwertkampf gehabt. In meinen Erinnerungen, die vor allem auf Filmen basierten, hatten sich die Samurai ausdauernde Schwertkämpfe geliefert. Ähnlich wie bei einem Fechtkampf in Europa hatten sich ihre Klingen oft gekreuzt. Doch nun wurde ich von Shigenaga eines Besseren belehrt, und ich musste umdenken.
›Ohh, gut, dann muss ich eine andere Taktik anwenden. Aber trotzdem werde ich es erst einmal ohne Rüstung versuchen.‹
Beide schüttelten den Kopf und wollten wieder auf mich einreden, aber ich bat sie um eine Probe. Natürlich sollte dabei das Schwert in der Scheide bleiben, denn so sicher wie vorher war ich mir nicht mehr.
Widerwillig stellte sich mein Dolmetscher in Position. Mein Schwert wurde ebenfalls mit einem Schutz versehen, und wir standen uns fixierend gegenüber. Langsam begann Shigenaga mich zu umkreisen und wechselte dabei immer wieder die Position seines Tachi. Einmal hatte er es hoch erhoben, so dass er mit einem starken zweihändigen Hieb von oben beginnen konnte. Dann wieder hielt er es mehr seitlich, mal rechts, mal links, und er fixierte mich dabei genau. Der Angriff erfolgte so plötzlich, dass ich kaum noch ausweichen konnte. Das Ende der Schwertscheide streifte noch meinen Hals, und ohne den Schutz hätte ich bestimmt eine kräftige Schnittwunde davongetragen. Ich war nicht wenig erschrocken, doch ich ließ mir nichts anmerken. Das jahrelange Training hatte mich gelehrt, mit solchen Situationen umzugehen. Aber ich merkte auch, dass der Trainingsausfall, den ich durch unsere Reise gehabt hatte, nicht leicht zu kompensieren war.
Der Fürst und Shigenaga versuchten noch einmal, mich zum Anlegen der Rüstung zu überreden, doch ich bat sie um eine kleine Pause. Kopfschüttelnd beobachteten sie, wie ich mich in Meditation versenkte. Nun ließ ich mich vollkommen fallen und übergab alles an mein Chi. Es sollte mich führen und alle meine Reaktionen übernehmen. Des weiteren gedachte ich, zum ersten Mal auch meine anderen Fähigkeiten mit einzubeziehen, was ich in China immer vermieden hatte.
Nach kurzer Zeit stand ich wieder auf, und Shigenaga begann mich erneut zu umkreisen. Ich hatte die Augen auf meinen Gegner gerichtet und nahm die Bilder doch nicht direkt war. Mein Chi verarbeitete all diese Informationen. Alle unwichtigen Gedanken waren ausgeblendet, und mein Geist konzentrierte sich auf das, was in Katakura Shigenagas Kopf vorging. Wieder erfolgte nach kurzer Zeit ein rascher Angriff. Diesmal zielte der Schlag von oben auf meine rechte Schulter, doch ich nahm die Bewegung wahr, bevor sie ausführt wurde. Mit einer schnellen Drehung wich ich im gleichen Moment zur Seite aus und ließ den Schlag ins Leere laufen. Damit hatte mein Trainingspartner nicht gerechnet, so dass er von dem Schwung des Hiebes nach vorn gerissen wurde. Ich verzichtete auf eine Gegenwehr, da ich erst noch einiges herausfinden wollte. Verblüfft schauten mich die beiden an, aber ich wollte keine Pause entstehen lassen und bat Shigenaga, gleich weiterzumachen.
Wir trainierten die halbe Nacht, und am Ende hatten beide keine Einwände mehr gegen das Duell.
Der Fürst wollte am nächsten Morgen alle notwendigen Schritte einleiten, damit der Kampf nach unseren Wünschen stattfinden konnte. Mein Schwert sollte noch einmal geschliffen werden, um eine möglichst hohe Schärfe der Schwertspitze zu erreichen, denn das war der Schlüssel zu meinem Plan. Wir trennten uns, und ich fiel in meinem Quartier in einen ruhigen kurzen Schlaf.
Den nächsten Morgen begann ich mit Tai-Chi-Übungen. Gleich zu Beginn stellten sich Shigenaga und, wie ich später erfuhr, auch Mitglieder der Date Familie ein, von denen keiner es wagte, mich zu stören. Sie standen oder saßen still am Rande des gut gepflegten Ziergartens und beobachteten genau, was ich tat. Zwei junge Frauen, die nicht unterschiedlicher sein konnten, fielen mir besonders auf. Die zwei Schritte vorangehende Frau trug einen hellgelben eng anliegenden, mit schönen Mustern versehenen und von einem Stoffgürtel zusammengehaltenen Kimono. Er war so straff bis in Brusthöhe gewickelt, dass man von ihren Körperformen kaum etwas wahrnehmen konnte. Im Rücken war ein Polster mit einer großen Schleife befestigt. An den nackten Füßen trug sie Holzsandalen, und durch den engen Kimono konnte sie nur sehr kleine Schritte machen. Die rechte Hand hielt einen bunten Sonnenschirm, und in der linken hatte sie einen geöffneten Fächer. Ihr tiefschwarzes hochgestecktes Haar wurde von einer bunten Spange zusammengehalten. Zwei Blumenblütenarrangements vervollständigten ihre Frisur. Doch am auffälligsten war ihr stark geschminktes Gesicht. Von der normalen Hautfarbe konnte man nur am Hals ein Stück sehen.
Die zweite Frau, die seitlich hinter der ersten lief, war das ganze Gegenteil. Ihr Äußeres war weniger herausgeputzt. Auch sie trug einen Kimono, der aber weit geschnitten war, damit die Beine mehr Bewegungsfreiheit hatten. Obwohl weniger auffällig gemustert, wirkte er dennoch edel. Ein schmaler, nicht ganz so eng gewickelter Stoffgürtel hielt ihn zusammen. Das Rückenpolster fehlte ganz, und statt des Sonnenschirmes trug sie in der rechten Hand einen Stab, auf den sie sich beim Gehen stützte. Ihr Haar war ähnlich arrangiert, aber nur wenige Blüten und eine kleine Spange zierten die Pracht. In dem dezent geschminkten Gesicht war die hellbraune Haut gut zu erkennen. Am auffälligsten war aber ihr wiegender Gang. Es sah so aus, als müsste sie ein Bein immer mit etwas Schwung nach vorn setzen und sich dann wiegend nach oben drücken. Um das zu gewährleisten, steckten ihre Füße in fest geschnürten Reisstrohsandalen und nicht in zierlichen Holzsandalen.
Was mich aber bei meinen Übungen fast ein wenig aus dem Gleichgewicht brachte, war ihre Ausstrahlung. Obwohl die erste Frau ohne Makel und äußerlich schöner zu sein schien, hatte die hinter ihr gehende eine innere Schönheit, die vielleicht nur einem unvoreingenommenen Beobachter auffiel. Das Gesicht war nicht ganz so voll wie bei der anderen Frau, und ein schmaler Mund wurde von zwei schalkhaften Grübchen begrenzt. Die nicht zu kleine Nase gab dem Gesicht eine angenehme Form und machte es wett, dass die Augen in allzu flachen Augenhöhlen lagen. Aber diese Augen hatten es in sich. Sie waren lebhaft, und ein zufriedener Glanz ging von ihnen aus. Ihr ganzes Wesen strahlte große innere Zufriedenheit aus, was bei der körperlichen Behinderung erstaunlich erschien.
Als ich bemerkte, dass sich unsere Blicke trafen, schlug ich beschämt meine Augen nieder. Ich wollte niemanden begaffen, denn was daraus entstehen konnte, wusste ich ja. In diesem Fall konnte es zudem verletzend sein, was ich auf keinen Fall beabsichtigte.
Ich richtete meinen Blick wieder nach innen und konzentrierte mich auf mein Tai Chi. Nach einiger Zeit ging ich zum Shaolin-Boxen über. Besser gesagt, ich trainierte eine Mischung aus Shaolin- und Wudang-Stil, die ich mir in China angeeignet hatte. Dabei blendete ich die Beobachter vollkommen aus, um mich gut auf den Kampf vorzubereiten.
Als ich nach mehreren Stunden aufhörte, war nur noch Katakura Shigenaga anwesend. Er kam zu mir und sagte:
›Jetzt weiß ich, was uns in Shaolin vorenthalten wurde. Beherrschen das alle Mönche so?‹
Ich schüttelte den Kopf.
›Nein, der Stil, den ich hier trainiert habe, wird nur von wenigen verwendet, doch auch der normale Shaolin-Stil hat seine Vorzüge, nur dass er viel kraftaufwendiger und offensiver ist. Was ich bevorzuge, ist mehr auf Verteidigung ausgerichtet, womit ich mich auch gut gegen unseren Großmeister behaupten konnte.‹
Jetzt erst bemerkte ich das chinesische Schwert in seiner Hand.
›Oh, ist es das, das ich ausgewählt hatte?‹
›Ja, der Schwertschleifer hat es gerade zurückgebracht, du bist mit seiner Arbeit bestimmt zufrieden.‹
Er reichte es mir, und ich begutachtete die Klinge. Dann schwang ich es leicht mit der Spitze durch das Gras zu unseren Füßen. Mehr als zufrieden blickte ich auf die liegen gebliebenen Halme.
›Sehr gut, doch ich muss achtgeben und den Abstand genau einschätzen. Das Beste wird sein, wenn ich noch ein wenig mit diesen Schwert trainiere, damit ich beim Kampf keine Fehler mache.‹
›Wie du meinst, doch ich glaube nicht, dass das Duell schon heute stattfindet.‹
›Umso besser, da ich viel nachholen muss. Schon zu lange habe ich nicht mehr richtig trainiert.‹
›Wird dir dann nicht die Kraft im Kampf fehlen?‹
Ich lachte auf.
›Wo denkst du hin?! Wir haben im Kloster von früh bis zur Dämmerung trainiert und die Übungen nur für eine Mahlzeit mit anschließender Gebets- und Meditationspause unterbrochen.‹
Er machte große Augen.
›Ich glaube, unsere Informanten am chinesischen Kaiserhof haben weit untertrieben.‹
Schmunzelnd winkte ich ab und wollte mich schon umdrehen, als mir die weiteren Beobachter einfielen.
›Wer waren denn die anderen, die vorhin hier standen?‹
›Date Masamunes älteste Tochter, Irohahime. Sie ist die Frau von Matsudaira Tadateru, was leider keine Empfehlung mehr ist, da ihr Mann verbannt wurde. Ihr steht es aber frei, den Verbannungsort zu verlassen. Zur Zeit weilt sie hier, um ihren Vater zu besuchen.‹
›Und die anderen?‹
›Ach, das waren nur zwei ihrer Leibwächter und Diener.‹
›Die andere Frau war auch eine Dienerin?‹
›Kazuko, nein, das ist keine Dienerin. Es ist ihre Halbschwester, doch das zählt nicht, obwohl sie einen gewissen Sonderstatus hat. Aber es steht mir nicht zu, darüber zu sprechen.‹
O weh, nun hatte ich auch noch an ein Familiengeheimnis gerührt. Ich musste unbedingt vorsichtiger werden, denn in dieser Gesellschaft gab es mehr Geheimnisse und Regeln, als ich mir hatte träumen lassen. Um abzulenken, sagte ich Shigenaga, dass ich weitertrainieren wolle, woraufhin er mich verließ.
Am Nachmittag saß ich meditierend unter einem Baum, der neben Shigenagas Haus stand. Nach einer Weile hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden, und öffnete die Augen.
Katakura Shigenaga stand vor mir, hatte es aber nicht gewagt, mich zu unterbrechen. Allem Anschein nach wollte er mich sprechen. Ich machte eine einladende Geste und deutete auf einen Platz neben mir, doch er winkte ab.
›Ich möchte dich nicht weiter stören. Der Fürst hat mich beauftragt, dir mitzuteilen, dass alles nach unseren Wünschen zu verlaufen scheint. Wie du angeregt hast, wurde dem Metsuke der Eindruck vermittelt, dass der Shogun gerne ein Kräftemessen zwischen dir, dem fremden Yamabushi, und einem guten Bushi sehen möchte. Daraufhin hat er selbst dem Shogun angeboten, ein Duell, das zu seiner Genugtuung stattfinden soll, dafür zu nutzen. Tokugawa Iemitsu war hoch erfreut und verfügte, dass der Kampf morgen, wenn die Sonne am höchsten steht, in einem der Burgvorhöfe stattfinden soll. Sein Vater und einige andere hohe Würdenträger werden anwesend sein.‹
›Date Masamune doch auch, oder?‹
›Ja, er wurde aufgefordert zu erscheinen, schließlich bist du sein Gast. Auch ich soll mitkommen, weil zur Zeit kein anderer verfügbar ist, der chinesisch spricht.‹
›Gut, ich hoffe der Fürst ist zufrieden?‹
›Sehr sogar. Aus diesem Grund sollte ich es dir auch sofort mitteilen.‹
Wir verabschiedeten uns, denn ich wollte mich, so gut es ging, auf den kommenden Tag vorbereiten.
Am nächsten Tag, eine ganze Weile vor der festgelegten Zeit, betraten wir den Vorhof. Ein Beamter des Shogun teilte mir die Verhaltensregeln mit. Katakura Shigenaga übersetzte gewissenhaft alle Anweisungen und ermahnte mich mehrfach, alles genau einzuhalten.
Der Shogun wurde angekündigt, und wir warfen uns auf die Knie. Den Kopf gesenkt und auf unsere Hände blickend, warteten wir, bis die Erlaubnis zum Sicherheben kam.
Mir war es unter Androhung des Todes verboten, den Shogun anzublicken. Deshalb fixierte ich den Boden vor mir, doch aus den Augenwinkeln konnte ich das weitere Geschehen verfolgen. Für den Shogun war unter einem Baldachin ein mit Polstern versehener Stuhl bereitgestellt. Rechts daneben, aber nicht mehr unter dem Baldachin, stand eine Sitzgelegenheit ohne Rückenlehne, über die eine reichverzierte Decke gebreitet war. Unmittelbar nachdem der Shogun Platz genommen hatte, ließ sich ein Mann auf dieser nieder, der viel Ähnlichkeit mit ihm hatte. Später bestätigte sich meine Vermutung, dass es der Vater des amtierenden Shogun sei. Date Masamune erhielt die Genehmigung, nach vorn zu kommen und in einigem Abstand seitlich vom Shogun auf einem Kissen Platz zu nehmen. Eine Ehre, die auch einigen weiteren hohen Persönlichkeiten zuteil wurde.
Als alle ihren Platz gefunden hatten, wurde der Metsuke nach vorn gerufen. Vor dem Shogun kniend, sprach er kurz mit ihm. Danach begab er sich zu Katakura Shigenaga, der neben mir den Boden anstarrte. Nachdem Sanada Masanori einige Worte an ihn gerichtet hatte, erhob er sich und forderte auch mich dazu auf. Wie mir eindringlich mitgeteilt worden war, sollte ich möglichtst nicht direkt zum Shogun schauen. Ich drehte mich also etwas seitlich und hielt den Kopf leicht gesenkt, konnte dabei aber sehen, dass mein Gegner schon in voller Rüstung war. Er trug, wie meine neuen Freunde vermutet hatten, eine do-maru-Rüstung. Sie ähnelte der von Katakura Shigenaga, nur ein Detail war anders, doch das erschien mir eher noch hilfreich zu sein. Zusätzlich zum Helm trug er eine Halbmaske, die Stirn und Wangen schütze. Dieser Typ von Gesichtsmaske, Happuri genannt, hatte an den Wangen Ösen, durch die Schnüre liefen, die den Helm hielten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit der Strategie, die ich mir zurechtgelegt hatte, erfolgreich sein würde, erschien mir nun sehr hoch. Ich war froh, dass mir an jenem Abend so viel über die Rüstungen und ihre einzelnen Teile erklärt worden war.
Der Metsuke sprach mich an, und Shigenaga übersetzte alles ohne Umschweife.
›Sanada Masanori möchte wissen ob du bereit bist, für die Schmach, die du ihm angetan hast, einzustehen?‹
›Ja, das bin ich!‹, mein Dolmetscher übersetzte alles laut und deutlich, damit es jeder der Anwesenden verstehen konnte.
›Dann wird er dich jetzt auf dem Kampffeld in der Mitte des Hofes erwarten. Du sollst deine Rüstung anlegen und mit deinem Schwert dort erscheinen.‹
Ich verbeugte mich vor dem Metsuke, deutete auf meine Shaolin-Kleidung und sagte:
›Ich werde keine Rüstung anlegen, denn ich bin es gewohnt, in dieser Kleidung zu kämpfen.‹
Alle außer denen, die es schon wussten, sahen mich an, als hätte ich den Verstand verloren. Doch Masanori brachte es auf den Punkt.
›Willst du mich beleidigen, oder bist du einfach nur lebensmüde?‹
Bei diesen Worten machte er ein mehr als wütendes Gesicht.
›Weder das eine noch das andere. Ich komme aus einem anderen Land, bin es nicht gewohnt, in einer solchen Rüstung zu kämpfen, und habe auch kein Tachi. Meine Waffe ist ein einfaches chinesisches Schwert, und ich habe bisher immer ohne Rüstung gekämpft. Von einer Beleidigung kann also keine Rede sein, da es meine traditionelle Kleidung ist, und ob ich lebensmüde bin, mag der Kampf entscheiden.‹
Sanada Masanori machte eine wegwerfende Handbewegung, ging in die Mitte des Hofes und schnaubte einige mürrische Worte vor sich hin.
›Das ist keine Ehre für mich‹, übersetzte Shigenaga, doch ich hatte den Eindruck, dass es nicht alles war, was der Metsuke gesagt hatte.
Mein chinesisches Schwert wurde mir gebracht, und ich folgte meinem Gegner. Bei diesen Schritten ließ ich mich vollkommen fallen und übergab alles an mein Chi. Das Schwert in meiner Hand wurde eins mit meinem Körper. Die Umgebungsgeräusche reduzierten sich auf das Wesentliche, und alles um mich herum wurde von meinem Chi präzise ausgewertet. Jede Bewegung eines Schattens, jeder Lufthauch, durch eine Bewegung verursacht, wurde gewertet und alles ausgeblendet, was nicht unmittelbar wichtig war für meinen Kampf.
Ich stand vor Masanori, verneigte mich leicht und nahm eine vollkommen entspannte Haltung ein. Der Metsuke antwortete seinerseits mit einem leichten Nicken und begann mich fixierend zu umkreisen. Wie ich es schon bei meinem nächtlichen Training mit Katakura Shigenaga erlebt hatte, wechselte auch er ständig die Schwertposition. Nach wenigen Sekunden hätte ich die Augen schließen können, denn seine Gedanken waren so stark auf seine Schwertführung konzentriert, dass ich jede Positionsänderung schon vor der Ausführung wahrnahm. Ich passte meine Bewegungen den seinen an, was ihn sichtlich irritierte. Aus diesem Grunde dauerte es eine ganze Weile, bis er seinen ersten Angriff startete.
Er täuschte einen Positionswechsel des Schwertes von rechts nach links an. Doch als er mit seinem Tachi nur ein klein wenig am Kopf vorbei war holte er Schwung und zielte mit einer ziehenden, schneidenden Bewegung auf meinen rechten Oberarm. Mein Vorteil war, dass ich in seinen Gedanken schon gesehen hatte, was er beabsichtigte. Im selben Moment, wie sein Angriff begann, erfolgten meine Ausweichbewegung und sogleich auch mein Gegenangriff. Mit einer Rechtsdrehung um meine Achse und drei kurzen Schritten verhinderte ich, dass er effektiv darauf reagieren konnte. Dann nutzte ich die Blöße, die er sich durch die erhobenen Arme gegeben hatte. Ein schneller Schnitt und sein Obi war durchtrennt.
Als wirklich guter Schwertkämpfer reagierte er sofort auf meine Bewegung. Da er wegen des Überraschungseffektes nur wenig Schwung holen konnte, gelang es ihm, dem Tachi eine neue Richtung zu geben. Um nicht doch noch getroffen zu werden, musste ich den Schwung meiner Drehung nutzen. Der Abwärtsbewegung, die ich machte, um den Gürtel zu durchtrennen, folgte ich mit meinem ganzen Oberkörper. Als mein Gesicht und die Hände nur wenige Zentimeter über dem Boden waren, schwang sein Tachi über meinen Rücken und hinterließ einen Schnitt in meinem Obergewand. Ich stand nur auf dem rechten Bein, holte mit dem linken Schwung und wirbelte mich durch die gesammelte Energie aus Drehung und Beinschwung in einen sicheren Stand außerhalb seiner Reichweite. Aber das wäre gar nicht notwendig gewesen, denn er war auf Grund des durchtrennten Obi in seinen Bewegungen eingeschränkt.
Wie mir Shigenaga erklärt hatte, verlagerte ein gut gebundener Obi einen Teil der Rüstungslast auf die Hüften, während bei ihm jetzt die ganze Last auf den Schultern lag. Die konnte er nach diesem Gegenangriff nicht mehr so gut heben und die Oberarme auch nicht mehr effektiv drehen. Er war mit seinem Schwertstreich meiner Drehung gefolgt und bemühte sich wieder um einen sicheren Stand. Sein Tachi hatte er erneut in Angriffsposition erhoben, und seine Augen funkelten mich wütend an.
Das Ganze hatte nur wenige Augenblicke gedauert. Ein kaum wahrnehmbares Raunen war zu hören gewesen, doch ich konnte keinen Blick zur Seite wagen, denn schon umkreiste er mich wieder, und nur kurze Zeit später erfolgte der nächste Angriff. Er schwang sein Schwert von rechts nach links, wieder in einer ziehenden, schneidenden Bewegung. Doch auch diesmal gelang es mir, gleichzeitig mit seiner Attacke meine Ausweichbewegung zu starten. Glücklicherweise hatte ich durch meine guten Lehrmeister in Shaolin meine Beweglichkeit so verbessert, dass es mir möglich war, meinen Oberkörper nach hinten fast in die Waagerechte zu drücken. In dieser Position führte ich eine leicht drehende Bewegung aus, zog dabei das Schwert über meinen Bauch hinweg und führte es dann ziehend nach oben. Ich war seinen Händen gefolgt und hatte das Befestigungsband, das nur wenige Zentimeter oberhalb des Handgelenks den Hand- und Unterarmschutz am rechten Arm hielt, durchtrennt. Anschließend schwang ich den Oberkörper wieder nach oben, nahm eine Abwehrhaltung ein und schaute meinem Gegner in die Augen.
