Kitabı oku: «Traum oder wahres Leben», sayfa 7

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Um die Si­tua­ti­on zu ent­schär­fen, ant­wor­te­te ich schnell.

›Wenn ich ihm als So­hei oder Ya­ma­bus­hi vor­ge­stellt wer­de, was ja, wenn ich rich­tig ver­stan­den habe, Krie­ger­mön­che sind, wird er dann den Kampf im­mer noch ab­leh­nen?‹

›Das sind zwar al­les kei­ne Sa­mu­rai, wenn er aber Lust auf ein Du­ell ha­ben soll­te, könn­te es viel­leicht klap­pen.‹

Ich lä­chel­te et­was zwei­deu­tig.

›Viel­leicht könn­te man ihm den Ge­dan­ken ein­ge­ben, der Sho­gun wol­le die­sen Kampf gern se­hen, um die Kampf­fä­hig­keit des So­hei zu tes­ten.‹

Date Ma­sa­mu­ne schnaub­te leicht und ver­zog den Mund zu ei­nem Grin­sen.

›Schon wie­der der Di­plo­mat! Ja, ich den­ke, das könn­te man, und es könn­te auch funk­tio­nie­ren. Aber dann ha­ben wir schon das nächs­te Pro­blem. Da Sie kein Sa­mu­rai sind, be­sit­zen Sie kei­ne Schwer­ter und kei­ne Rüs­tung. Es kann Ih­nen auch kei­ner sein Schwert ge­ben, denn das Schwert ge­hört zum Sa­mu­rai und sein Ver­lust wäre der Ver­lust sei­ner Ehre. Au­ßer­dem dür­fen nur Sa­mu­rai Schwer­ter tra­gen.‹

›Was be­nut­zen denn die So­hei für Waf­fen? Viel­leicht ... Oder Mo­ment, noch bes­ser, Date Ma­sa­mu­ne hat doch die Waf­fen der chi­ne­si­schen An­grei­fer als Tro­phä­en mit­ge­nom­men?! Hat er sie hier? Da wa­ren Schwer­ter da­bei, mit de­nen ich schon ge­übt habe und die ich gut be­herr­sche.‹

Der Fürst be­stä­tig­te, dass sich die Schwer­ter im An­we­sen be­fan­den, und ließ so­fort ei­ni­ge ho­len.

Ich wähl­te eins mit ei­ner Klin­gen­län­ge von etwa sech­zig bis fünf­und­sech­zig Zen­ti­me­tern, das gut in der Hand lag und scharf ge­schlif­fen war.

Der Dai­myo for­der­te einen an­de­ren Sa­mu­rai auf, ihm das Schwert zu brin­gen, und be­trach­te­te es ein­ge­hend. Er schwang es ei­ni­ge Male prü­fend und schüt­tel­te dann den Kopf.

›Hm, es mag für einen Kampf in Chi­na mit gleich­wer­ti­gen Schwer­tern tau­gen, doch hier ist es eine un­ter­le­ge­ne Waf­fe.‹

Er ließ es mir durch den Sa­mu­rai zu­rück­brin­gen und fuhr fort:

›Ich habe schon ei­ni­ge Kämp­fe von Sa­na­da Ma­sa­no­ri mit­er­lebt, bei de­nen er fast im­mer ein lan­ges Ta­chi be­nutz­te. Des­sen Klin­ge ist be­stimmt sie­ben Sun län­ger als die­ses chi­ne­si­sche Schwert und hat des­halb eine viel grö­ße­re Reich­wei­te. Da­mit sind Sie ihm un­ter­le­gen.‹

›Ta­chi, Sun?‹, frag­te ich.

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga ver­stand, dass ich mit die­sen Be­grif­fen noch nichts an­fan­gen konn­te, und hol­te sich beim Fürs­ten die Er­laub­nis, mir sein Ta­chi zu zei­gen. Die­se Waf­fe war in der Zwi­schen­zeit mit der Rüs­tung, die sich in ei­ner großen Kis­te be­fand, her­ge­bracht wor­den. Dann entließ der Fürst alle an­de­ren mit der Be­grün­dung, der Platz wer­de für die Übun­gen ge­braucht. Ei­ni­ge ver­lie­ßen den Raum mit ver­stimm­ter Mie­ne, doch Ma­sa­mu­ne at­me­te er­leich­tert auf, als wir nur noch zu dritt im Raum wa­ren. Er war­te­te, bis alle au­ßer Hör­wei­te wa­ren, und sag­te dann:

›Es ist er­mü­dend, im­mer die­se Zwän­ge und die­ser äu­ße­re Schein‹, bei die­sen Wor­ten stand er auf und setz­te sich ne­ben uns. Nach­dem er kurz mit Shi­ge­na­ga ge­spro­chen und die­ser mehr­fach ge­nickt hat­te, wand­te er sich schließ­lich an mich.

›Date Ma­sa­mu­ne hat mich dar­an er­in­nert, dass ich die Eti­ket­te wah­ren muss, so­bald an­de­re an­we­send sind, was na­tür­lich auch für dich gilt. So­bald wir aber un­ter uns sind, möch­te er, dass wir zwang­los mit­ein­an­der um­ge­hen. Er wird dich des­halb, wenn du da­mit ein­ver­stan­den bist, in Zu­kunft mit du an­spre­chen.‹

Ich nick­te er­freut.

›Gut, der Ein­fach­heit hal­ber wer­de ich es in Zu­kunft im­mer so über­set­zen, au­ßer ich weiß, dass ei­ner die chi­ne­si­sche Spra­che be­herrscht.‹

›Ich füh­le mich ge­ehrt!‹

Ma­sa­mu­ne wink­te ab.

›Lass den Un­sinn, in Chi­na war es auch nicht nö­tig, und ich emp­fin­de es seit ei­ni­gen Jah­ren als be­las­tend! Frü­her wa­ren mir sol­che Din­ge sehr wich­tig, doch jetzt den­ke ich an­ders dar­über. Au­ßer­dem bist du mein Le­bens­ret­ter, und ich ste­he in dei­ner Schuld!‹

Jetzt war ich es, der ab­wink­te, doch er fuhr schon fort, und sein Ge­sicht nahm einen be­sorg­ten Aus­druck an.

›Im ers­ten Au­gen­blick war ich sehr an­ge­tan von dei­nem Vor­schlag, doch nun meh­ren sich mei­ne Be­den­ken. Ich fürch­te, dass es für dich nicht gut aus­ge­hen wird, und das möch­te ich ver­hin­dern. Viel­leicht fin­den wir doch noch eine an­de­re Mög­lich­keit, um den Met­su­ke zu be­sänf­ti­gen.‹

›Nein, zum einen ste­he ich zu mei­nem Wort, und zum an­de­ren habe ich kei­ne Angst. Seit ei­ni­gen Jah­ren, habe ich fast täg­lich Kamp­f­übun­gen ab­sol­viert, und die Shao­lin ha­ben mich in den Meis­ter­stand er­ho­ben, was doch zu ir­gend­was gut ge­we­sen sein muss. Ich möch­te auch nicht mehr dar­über re­den, denn wir ha­ben Wich­ti­ge­res zu tun.‹

Ich sah Shi­ge­na­ga an und frag­te:

›Woll­test du mir nicht er­klä­ren, was Ta­chi und Sun ist?‹

Er nick­te, stand auf und hol­te sein Schwert, zog es aus der Schei­de und leg­te es ne­ben das chi­ne­si­sche, das ich aus­ge­wählt hat­te.

›Ein sol­ches Schwert nennt man Ta­chi. Es wird mit zwei Hän­den ge­führt, ob­wohl es ei­ni­ge Meis­ter gibt, die es ein­hän­dig be­nut­zen.‹

Er deu­te­te auf die Schwer­ter, die er so ge­legt hat­te, dass das Stich­blatt sei­nes Schwer­tes auf glei­cher Höhe mit der Pa­rier­stan­ge des chi­ne­si­schen war.

›Mein Ta­chi ist vier­und­zwan­zig Sun lang und über­ragt dei­nes um eine Hand­breit. Das von Sa­na­da Ma­sa­no­ri ist, nach dem, was der Fürst sagt, etwa acht­und­zwan­zig Sun lang. Er hat also eine viel grö­ße­re Reich­wei­te, da­her dürf­te es dir schwer­fal­len, mit die­sem kür­ze­ren Schwert an ihn he­r­an­zu­kom­men.‹

›Hmmm, es kommt im­mer dar­auf an, wie man kämpft. Ich habe nicht vor, es auf die glei­che Art wie der Met­su­ke zu tun, da ich die­se nicht be­herr­sche. Aber ich kann recht gut, was ich in Shao­lin und Wu­dang ge­lernt habe. Wür­dest du jetzt bit­te die Rüs­tung an­le­gen und mir ei­ni­ges von eu­rer Schwert­kampf­tech­nik zei­gen, da­mit ich mir ein Bild ma­chen kann.‹

Er nick­te, und ein Die­ner, der vor der Tür ge­war­tet hat­te, wur­de he­r­ein­ge­ru­fen. Die­ser half beim An­le­gen der Rüs­tung, und ich be­ob­ach­te­te ge­nau, wie die ein­zel­nen Tei­le mit­ein­an­der ver­bun­den wur­den.

Von je­dem Teil der Rüs­tung nann­te mir Shi­ge­na­ga den Na­men und die Funk­ti­on. Es war gleich­zei­tig wie­der Sprach­un­ter­richt, und mir wur­de zum ers­ten Mal be­wusst, dass es mir dies­mal leich­ter fiel als beim chi­ne­si­schen. Da ich sei­ne Ge­dan­ken­bil­der wahr­nahm, konn­te ich mir die Be­grif­fe viel bes­ser ein­prä­gen. Das Er­ler­nen der laut­lo­sen Spra­che, wie sie Wang Lee im­mer ge­nannt hat­te, war also noch bei an­de­ren Din­gen hilf­reich.

›Das, was ich jetzt an­le­ge, ist eine do-maru-Rüs­tung. Sie wird im Feld kaum noch ver­wen­det, denn sie bie­tet kei­nen aus­rei­chen­den Schutz vor Feu­er­waf­fen. Bei ei­nem Du­ell hin­ge­gen wird sie der mo­der­nen to­sei-gu­so­ku-Rüs­tung vor­ge­zo­gen, da sie leich­ter ist und der Kämp­fer in ihr mehr Be­we­gungs­frei­heit hat.‹

Er be­nann­te je­des ein­zel­ne Teil, und mir fiel auf, dass die­se Rüs­tung Schwach­stel­len hat­te, die ich aus­zu­nut­zen ge­dach­te. Als er fer­tig war, soll­te ich eine gleich­ar­ti­ge Rüs­tung aus Ma­sa­mu­nes Be­sitz an­le­gen, doch ich wehr­te ab.

›Nein, ich wer­de ohne Rüs­tung in mei­ner Shao­lin-Klei­dung ge­gen ihn an­tre­ten.‹

Sie sa­hen mich an, als hät­te ich den Ver­stand ver­lo­ren. Dann woll­ten sie mich so­fort vom Ge­gen­teil über­zeu­gen.

›Ohne Schutz kann er dir mit ei­nem ein­zi­gen Hieb den Schä­del spal­ten oder den Arm ab­tren­nen! Du hast ...‹

Hier un­ter­brach ich sie:

›Er hat den Vor­teil der grö­ße­ren Schwer­treich­wei­te und des bes­se­ren Schut­zes durch die Rüs­tung, doch ich bin ohne Rüs­tung viel be­weg­li­cher. Ich habe ein kür­ze­res Schwert und noch nie in ei­ner sol­chen Rüs­tung ge­kämpft, wäre also noch mehr be­hin­dert, weil ich an Be­weg­lich­keit ver­lie­re. Ihr habt mir ge­sagt, dass die­ses Ta­chi zweihän­dig ge­führt wird und ich mit mei­nem Schwert nicht di­rekt pa­rie­ren darf, da ein gu­tes Ta­chi die­ses zer­schla­gen könn­te. Wenn ich die­sen Kampf über­le­ben will, bleibt mir also nur eine Art des Kamp­fes, die mein Geg­ner nicht kennt und ein­schät­zen kann. Ich habe vor, ihn mit Schnel­lig­keit und List zu schla­gen.‹

›Nein, du ver­stehst im­mer noch nicht. Die­ser Kampf kann in we­ni­gen Au­gen­bli­cken vor­bei sein, denn dein Geg­ner baut wie du auf Schnel­lig­keit und die si­che­re Füh­rung sei­nes Ta­chi. Oft ste­hen sich die Kämp­fer lan­ge ge­gen­über, be­ob­ach­ten und um­krei­sen ein­an­der. Sie su­chen nach ei­ner Schwach­stel­le in der Ver­tei­di­gung oder sind dar­auf aus, sich ge­gen­sei­tig ein­zu­schüch­tern. In man­chen Du­el­len wird nur ein ein­zi­ger schnel­ler Hieb aus­ge­führt, der al­les ent­schei­det. Des­halb ist eine gute Rüs­tung so wich­tig, sie ret­tet dir un­ter Um­stän­den das Le­ben.‹

Bei die­sen Er­läu­te­run­gen wur­de ich un­si­cher. Ich hat­te eine ganz an­de­re Vor­stel­lung von so ei­nem Schwert­kampf ge­habt. In mei­nen Er­in­ne­run­gen, die vor al­lem auf Fil­men ba­sier­ten, hat­ten sich die Sa­mu­rai aus­dau­ern­de Schwert­kämp­fe ge­lie­fert. Ähn­lich wie bei ei­nem Fecht­kampf in Eu­ro­pa hat­ten sich ihre Klin­gen oft ge­kreuzt. Doch nun wur­de ich von Shi­ge­na­ga ei­nes Bes­se­ren be­lehrt, und ich muss­te um­den­ken.

›Ohh, gut, dann muss ich eine an­de­re Tak­tik an­wen­den. Aber trotz­dem wer­de ich es erst ein­mal ohne Rüs­tung ver­su­chen.‹

Bei­de schüt­tel­ten den Kopf und woll­ten wie­der auf mich ein­re­den, aber ich bat sie um eine Pro­be. Na­tür­lich soll­te da­bei das Schwert in der Schei­de blei­ben, denn so si­cher wie vor­her war ich mir nicht mehr.

Wi­der­wil­lig stell­te sich mein Dol­met­scher in Po­si­ti­on. Mein Schwert wur­de eben­falls mit ei­nem Schutz ver­se­hen, und wir stan­den uns fi­xie­rend ge­gen­über. Lang­sam be­gann Shi­ge­na­ga mich zu um­krei­sen und wech­sel­te da­bei im­mer wie­der die Po­si­ti­on sei­nes Ta­chi. Ein­mal hat­te er es hoch er­ho­ben, so dass er mit ei­nem star­ken zweihän­di­gen Hieb von oben be­gin­nen konn­te. Dann wie­der hielt er es mehr seit­lich, mal rechts, mal links, und er fi­xier­te mich da­bei ge­nau. Der An­griff er­folg­te so plötz­lich, dass ich kaum noch aus­wei­chen konn­te. Das Ende der Schwert­schei­de streif­te noch mei­nen Hals, und ohne den Schutz hät­te ich be­stimmt eine kräf­ti­ge Schnitt­wun­de da­von­ge­tra­gen. Ich war nicht we­nig er­schro­cken, doch ich ließ mir nichts an­mer­ken. Das jah­re­lan­ge Trai­ning hat­te mich ge­lehrt, mit sol­chen Si­tua­tio­nen um­zu­ge­hen. Aber ich merk­te auch, dass der Trai­nings­aus­fall, den ich durch un­se­re Rei­se ge­habt hat­te, nicht leicht zu kom­pen­sie­ren war.

Der Fürst und Shi­ge­na­ga ver­such­ten noch ein­mal, mich zum An­le­gen der Rüs­tung zu über­re­den, doch ich bat sie um eine klei­ne Pau­se. Kopf­schüt­telnd be­ob­ach­te­ten sie, wie ich mich in Me­di­ta­ti­on ver­senk­te. Nun ließ ich mich voll­kom­men fal­len und überg­ab al­les an mein Chi. Es soll­te mich füh­ren und alle mei­ne Re­ak­tio­nen über­neh­men. Des wei­te­ren ge­dach­te ich, zum ers­ten Mal auch mei­ne an­de­ren Fä­hig­kei­ten mit ein­zu­be­zie­hen, was ich in Chi­na im­mer ver­mie­den hat­te.

Nach kur­zer Zeit stand ich wie­der auf, und Shi­ge­na­ga be­gann mich er­neut zu um­krei­sen. Ich hat­te die Au­gen auf mei­nen Geg­ner ge­rich­tet und nahm die Bil­der doch nicht di­rekt war. Mein Chi ver­ar­bei­te­te all die­se In­for­ma­tio­nen. Alle un­wich­ti­gen Ge­dan­ken wa­ren aus­ge­blen­det, und mein Geist kon­zen­trier­te sich auf das, was in Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­gas Kopf vor­ging. Wie­der er­folg­te nach kur­zer Zeit ein ra­scher An­griff. Dies­mal ziel­te der Schlag von oben auf mei­ne rech­te Schul­ter, doch ich nahm die Be­we­gung wahr, be­vor sie aus­führt wur­de. Mit ei­ner schnel­len Dre­hung wich ich im glei­chen Mo­ment zur Sei­te aus und ließ den Schlag ins Lee­re lau­fen. Da­mit hat­te mein Trai­nings­part­ner nicht ge­rech­net, so dass er von dem Schwung des Hie­bes nach vorn ge­ris­sen wur­de. Ich ver­zich­te­te auf eine Ge­gen­wehr, da ich erst noch ei­ni­ges he­r­aus­fin­den woll­te. Ver­blüfft schau­ten mich die bei­den an, aber ich woll­te kei­ne Pau­se ent­ste­hen las­sen und bat Shi­ge­na­ga, gleich wei­ter­zu­ma­chen.

Wir trai­nier­ten die hal­be Nacht, und am Ende hat­ten bei­de kei­ne Ein­wän­de mehr ge­gen das Du­ell.

Der Fürst woll­te am nächs­ten Mor­gen alle not­wen­di­gen Schrit­te ein­lei­ten, da­mit der Kampf nach un­se­ren Wün­schen statt­fin­den konn­te. Mein Schwert soll­te noch ein­mal ge­schlif­fen wer­den, um eine mög­lichst hohe Schär­fe der Schwert­spit­ze zu er­rei­chen, denn das war der Schlüs­sel zu mei­nem Plan. Wir trenn­ten uns, und ich fiel in mei­nem Quar­tier in einen ru­hi­gen kur­zen Schlaf.

Den nächs­ten Mor­gen be­gann ich mit Tai-Chi-Übun­gen. Gleich zu Be­ginn stell­ten sich Shi­ge­na­ga und, wie ich spä­ter er­fuhr, auch Mit­glie­der der Date Fa­mi­lie ein, von de­nen kei­ner es wag­te, mich zu stö­ren. Sie stan­den oder sa­ßen still am Ran­de des gut ge­pfleg­ten Zier­gar­tens und be­ob­ach­te­ten ge­nau, was ich tat. Zwei jun­ge Frau­en, die nicht un­ter­schied­li­cher sein konn­ten, fie­len mir be­son­ders auf. Die zwei Schrit­te vor­an­ge­hen­de Frau trug einen hell­gel­ben eng an­lie­gen­den, mit schö­nen Mus­tern ver­se­he­nen und von ei­nem Stoff­gür­tel zu­sam­men­ge­hal­te­nen Ki­mo­no. Er war so straff bis in Brust­hö­he ge­wi­ckelt, dass man von ih­ren Kör­per­for­men kaum et­was wahr­neh­men konn­te. Im Rücken war ein Pols­ter mit ei­ner großen Schlei­fe be­fes­tigt. An den nack­ten Fü­ßen trug sie Holz­san­da­len, und durch den en­gen Ki­mo­no konn­te sie nur sehr klei­ne Schrit­te ma­chen. Die rech­te Hand hielt einen bun­ten Son­nen­schirm, und in der lin­ken hat­te sie einen ge­öff­ne­ten Fä­cher. Ihr tief­schwar­zes hoch­ge­steck­tes Haar wur­de von ei­ner bun­ten Span­ge zu­sam­men­ge­hal­ten. Zwei Blu­men­blü­ten­ar­ran­ge­ments ver­voll­stän­dig­ten ihre Fri­sur. Doch am auf­fäl­ligs­ten war ihr stark ge­schmink­tes Ge­sicht. Von der nor­ma­len Haut­far­be konn­te man nur am Hals ein Stück se­hen.

Die zwei­te Frau, die seit­lich hin­ter der ers­ten lief, war das gan­ze Ge­gen­teil. Ihr Äu­ße­res war we­ni­ger he­r­aus­ge­putzt. Auch sie trug einen Ki­mo­no, der aber weit ge­schnit­ten war, da­mit die Bei­ne mehr Be­we­gungs­frei­heit hat­ten. Ob­wohl we­ni­ger auf­fäl­lig ge­mus­tert, wirk­te er den­noch edel. Ein schma­ler, nicht ganz so eng ge­wi­ckel­ter Stoff­gür­tel hielt ihn zu­sam­men. Das Rücken­pols­ter fehl­te ganz, und statt des Son­nen­schir­mes trug sie in der rech­ten Hand einen Stab, auf den sie sich beim Ge­hen stütz­te. Ihr Haar war ähn­lich ar­ran­giert, aber nur we­ni­ge Blü­ten und eine klei­ne Span­ge zier­ten die Pracht. In dem de­zent ge­schmink­ten Ge­sicht war die hell­brau­ne Haut gut zu er­ken­nen. Am auf­fäl­ligs­ten war aber ihr wie­gen­der Gang. Es sah so aus, als müss­te sie ein Bein im­mer mit et­was Schwung nach vorn set­zen und sich dann wie­gend nach oben drücken. Um das zu ge­währ­leis­ten, steck­ten ihre Füße in fest ge­schnür­ten Reiss­troh­san­da­len und nicht in zier­li­chen Holz­san­da­len.

Was mich aber bei mei­nen Übun­gen fast ein we­nig aus dem Gleich­ge­wicht brach­te, war ihre Aus­strah­lung. Ob­wohl die ers­te Frau ohne Ma­kel und äu­ßer­lich schö­ner zu sein schi­en, hat­te die hin­ter ihr ge­hen­de eine in­ne­re Schön­heit, die viel­leicht nur ei­nem un­vor­ein­ge­nom­me­nen Be­ob­ach­ter auf­fiel. Das Ge­sicht war nicht ganz so voll wie bei der an­de­ren Frau, und ein schma­ler Mund wur­de von zwei schalk­haf­ten Grüb­chen be­grenzt. Die nicht zu klei­ne Nase gab dem Ge­sicht eine an­ge­neh­me Form und mach­te es wett, dass die Au­gen in all­zu fla­chen Au­gen­höh­len la­gen. Aber die­se Au­gen hat­ten es in sich. Sie wa­ren leb­haft, und ein zu­frie­de­ner Glanz ging von ih­nen aus. Ihr gan­zes We­sen strahl­te große in­ne­re Zu­frie­den­heit aus, was bei der kör­per­li­chen Be­hin­de­rung er­staun­lich er­schi­en.

Als ich be­merk­te, dass sich un­se­re Bli­cke tra­fen, schlug ich be­schämt mei­ne Au­gen nie­der. Ich woll­te nie­man­den be­gaf­fen, denn was dar­aus ent­ste­hen konn­te, wuss­te ich ja. In die­sem Fall konn­te es zu­dem ver­let­zend sein, was ich auf kei­nen Fall be­ab­sich­tig­te.

Ich rich­te­te mei­nen Blick wie­der nach in­nen und kon­zen­trier­te mich auf mein Tai Chi. Nach ei­ni­ger Zeit ging ich zum Shao­lin-Bo­xen über. Bes­ser ge­sagt, ich trai­nier­te eine Mi­schung aus Shao­lin- und Wu­dang-Stil, die ich mir in Chi­na an­ge­eig­net hat­te. Da­bei blen­de­te ich die Be­ob­ach­ter voll­kom­men aus, um mich gut auf den Kampf vor­zu­be­rei­ten.

Als ich nach meh­re­ren Stun­den auf­hör­te, war nur noch Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga an­we­send. Er kam zu mir und sag­te:

›Jetzt weiß ich, was uns in Shao­lin vor­ent­hal­ten wur­de. Be­herr­schen das alle Mön­che so?‹

Ich schüt­tel­te den Kopf.

›Nein, der Stil, den ich hier trai­niert habe, wird nur von we­ni­gen ver­wen­det, doch auch der nor­ma­le Shao­lin-Stil hat sei­ne Vor­zü­ge, nur dass er viel kraft­auf­wen­di­ger und of­fen­si­ver ist. Was ich be­vor­zu­ge, ist mehr auf Ver­tei­di­gung aus­ge­rich­tet, wo­mit ich mich auch gut ge­gen un­se­ren Groß­meis­ter be­haup­ten konn­te.‹

Jetzt erst be­merk­te ich das chi­ne­si­sche Schwert in sei­ner Hand.

›Oh, ist es das, das ich aus­ge­wählt hat­te?‹

›Ja, der Schwert­schlei­fer hat es ge­ra­de zu­rück­ge­bracht, du bist mit sei­ner Ar­beit be­stimmt zu­frie­den.‹

Er reich­te es mir, und ich be­gut­ach­te­te die Klin­ge. Dann schwang ich es leicht mit der Spit­ze durch das Gras zu un­se­ren Fü­ßen. Mehr als zu­frie­den blick­te ich auf die lie­gen ge­blie­be­nen Hal­me.

›Sehr gut, doch ich muss acht­ge­ben und den Ab­stand ge­nau ein­schät­zen. Das Bes­te wird sein, wenn ich noch ein we­nig mit die­sen Schwert trai­nie­re, da­mit ich beim Kampf kei­ne Feh­ler ma­che.‹

›Wie du meinst, doch ich glau­be nicht, dass das Du­ell schon heu­te statt­fin­det.‹

›Umso bes­ser, da ich viel nach­ho­len muss. Schon zu lan­ge habe ich nicht mehr rich­tig trai­niert.‹

›Wird dir dann nicht die Kraft im Kampf feh­len?‹

Ich lach­te auf.

›Wo denkst du hin?! Wir ha­ben im Klos­ter von früh bis zur Däm­me­rung trai­niert und die Übun­gen nur für eine Mahl­zeit mit an­schlie­ßen­der Ge­bets- und Me­di­ta­ti­ons­pau­se un­ter­bro­chen.‹

Er mach­te große Au­gen.

›Ich glau­be, un­se­re In­for­man­ten am chi­ne­si­schen Kai­ser­hof ha­ben weit un­ter­trie­ben.‹

Schmun­zelnd wink­te ich ab und woll­te mich schon um­dre­hen, als mir die wei­te­ren Be­ob­ach­ter ein­fie­len.

›Wer wa­ren denn die an­de­ren, die vor­hin hier stan­den?‹

›Date Ma­sa­mu­nes äl­tes­te Toch­ter, Iro­ha­hi­me. Sie ist die Frau von Mat­su­dai­ra Ta­da­te­ru, was lei­der kei­ne Emp­feh­lung mehr ist, da ihr Mann ver­bannt wur­de. Ihr steht es aber frei, den Ver­ban­nungs­ort zu ver­las­sen. Zur Zeit weilt sie hier, um ih­ren Va­ter zu be­su­chen.‹

›Und die an­de­ren?‹

›Ach, das wa­ren nur zwei ih­rer Leib­wäch­ter und Die­ner.‹

›Die an­de­re Frau war auch eine Die­ne­rin?‹

›Ka­zu­ko, nein, das ist kei­ne Die­ne­rin. Es ist ihre Halb­schwes­ter, doch das zählt nicht, ob­wohl sie einen ge­wis­sen Son­der­sta­tus hat. Aber es steht mir nicht zu, dar­über zu spre­chen.‹

O weh, nun hat­te ich auch noch an ein Fa­mi­li­en­ge­heim­nis ge­rührt. Ich muss­te un­be­dingt vor­sich­ti­ger wer­den, denn in die­ser Ge­sell­schaft gab es mehr Ge­heim­nis­se und Re­geln, als ich mir hat­te träu­men las­sen. Um ab­zu­len­ken, sag­te ich Shi­ge­na­ga, dass ich wei­ter­trai­nie­ren wol­le, wor­auf­hin er mich ver­ließ.

Am Nach­mit­tag saß ich me­di­tie­rend un­ter ei­nem Baum, der ne­ben Shi­ge­na­gas Haus stand. Nach ei­ner Wei­le hat­te ich das Ge­fühl, be­ob­ach­tet zu wer­den, und öff­ne­te die Au­gen.

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga stand vor mir, hat­te es aber nicht ge­wagt, mich zu un­ter­bre­chen. Al­lem An­schein nach woll­te er mich spre­chen. Ich mach­te eine ein­la­den­de Ges­te und deu­te­te auf einen Platz ne­ben mir, doch er wink­te ab.

›Ich möch­te dich nicht wei­ter stö­ren. Der Fürst hat mich be­auf­tragt, dir mit­zu­tei­len, dass al­les nach un­se­ren Wün­schen zu ver­lau­fen scheint. Wie du an­ge­regt hast, wur­de dem Met­su­ke der Ein­druck ver­mit­telt, dass der Sho­gun ger­ne ein Kräf­te­mes­sen zwi­schen dir, dem frem­den Ya­ma­bus­hi, und ei­nem gu­ten Bus­hi se­hen möch­te. Dar­auf­hin hat er selbst dem Sho­gun an­ge­bo­ten, ein Du­ell, das zu sei­ner Ge­nug­tu­ung statt­fin­den soll, da­für zu nut­zen. To­ku­ga­wa Ie­mit­su war hoch er­freut und ver­füg­te, dass der Kampf mor­gen, wenn die Son­ne am höchs­ten steht, in ei­nem der Burg­vor­hö­fe statt­fin­den soll. Sein Va­ter und ei­ni­ge an­de­re hohe Wür­den­trä­ger wer­den an­we­send sein.‹

›Date Ma­sa­mu­ne doch auch, oder?‹

›Ja, er wur­de auf­ge­for­dert zu er­schei­nen, schließ­lich bist du sein Gast. Auch ich soll mit­kom­men, weil zur Zeit kein an­de­rer ver­füg­bar ist, der chi­ne­sisch spricht.‹

›Gut, ich hof­fe der Fürst ist zu­frie­den?‹

›Sehr so­gar. Aus die­sem Grund soll­te ich es dir auch so­fort mit­tei­len.‹

Wir ver­ab­schie­de­ten uns, denn ich woll­te mich, so gut es ging, auf den kom­men­den Tag vor­be­rei­ten.

Am nächs­ten Tag, eine gan­ze Wei­le vor der fest­ge­leg­ten Zeit, be­tra­ten wir den Vor­hof. Ein Be­am­ter des Sho­gun teil­te mir die Ver­hal­tens­re­geln mit. Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga über­setz­te ge­wis­sen­haft alle An­wei­sun­gen und er­mahn­te mich mehr­fach, al­les ge­nau ein­zu­hal­ten.

Der Sho­gun wur­de an­ge­kün­digt, und wir war­fen uns auf die Knie. Den Kopf ge­senkt und auf un­se­re Hän­de bli­ckend, war­te­ten wir, bis die Er­laub­nis zum Si­cher­he­ben kam.

Mir war es un­ter An­dro­hung des To­des ver­bo­ten, den Sho­gun an­zu­bli­cken. Des­halb fi­xier­te ich den Bo­den vor mir, doch aus den Au­gen­win­keln konn­te ich das wei­te­re Ge­sche­hen ver­fol­gen. Für den Sho­gun war un­ter ei­nem Bal­da­chin ein mit Pols­tern ver­se­he­ner Stuhl be­reit­ge­stellt. Rechts da­ne­ben, aber nicht mehr un­ter dem Bal­da­chin, stand eine Sitz­ge­le­gen­heit ohne Rücken­leh­ne, über die eine reich­ver­zier­te De­cke ge­brei­tet war. Un­mit­tel­bar nach­dem der Sho­gun Platz ge­nom­men hat­te, ließ sich ein Mann auf die­ser nie­der, der viel Ähn­lich­keit mit ihm hat­te. Spä­ter be­stä­tig­te sich mei­ne Ver­mu­tung, dass es der Va­ter des am­tie­ren­den Sho­gun sei. Date Ma­sa­mu­ne er­hielt die Ge­neh­mi­gung, nach vorn zu kom­men und in ei­ni­gem Ab­stand seit­lich vom Sho­gun auf ei­nem Kis­sen Platz zu neh­men. Eine Ehre, die auch ei­ni­gen wei­te­ren ho­hen Per­sön­lich­kei­ten zu­teil wur­de.

Als alle ih­ren Platz ge­fun­den hat­ten, wur­de der Met­su­ke nach vorn ge­ru­fen. Vor dem Sho­gun kni­end, sprach er kurz mit ihm. Da­nach be­gab er sich zu Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga, der ne­ben mir den Bo­den an­starr­te. Nach­dem Sa­na­da Ma­sa­no­ri ei­ni­ge Wor­te an ihn ge­rich­tet hat­te, er­hob er sich und for­der­te auch mich dazu auf. Wie mir ein­dring­lich mit­ge­teilt wor­den war, soll­te ich mög­lichtst nicht di­rekt zum Sho­gun schau­en. Ich dreh­te mich also et­was seit­lich und hielt den Kopf leicht ge­senkt, konn­te da­bei aber se­hen, dass mein Geg­ner schon in vol­ler Rüs­tung war. Er trug, wie mei­ne neu­en Freun­de ver­mu­tet hat­ten, eine do-maru-Rüs­tung. Sie äh­nel­te der von Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga, nur ein De­tail war an­ders, doch das er­schi­en mir eher noch hilf­reich zu sein. Zu­sätz­lich zum Helm trug er eine Halb­mas­ke, die Stirn und Wan­gen schüt­ze. Die­ser Typ von Ge­sichts­mas­ke, Hap­pu­ri ge­nannt, hat­te an den Wan­gen Ösen, durch die Schnü­re lie­fen, die den Helm hiel­ten. Die Wahr­schein­lich­keit, dass ich mit der Stra­te­gie, die ich mir zu­recht­ge­legt hat­te, er­folg­reich sein wür­de, er­schi­en mir nun sehr hoch. Ich war froh, dass mir an je­nem Abend so viel über die Rüs­tun­gen und ihre ein­zel­nen Tei­le er­klärt wor­den war.

Der Met­su­ke sprach mich an, und Shi­ge­na­ga über­setz­te al­les ohne Um­schwei­fe.

›Sa­na­da Ma­sa­no­ri möch­te wis­sen ob du be­reit bist, für die Schmach, die du ihm an­ge­tan hast, ein­zu­ste­hen?‹

›Ja, das bin ich!‹, mein Dol­met­scher über­setz­te al­les laut und deut­lich, da­mit es je­der der An­we­sen­den ver­ste­hen konn­te.

›Dann wird er dich jetzt auf dem Kampf­feld in der Mit­te des Ho­fes er­war­ten. Du sollst dei­ne Rüs­tung an­le­gen und mit dei­nem Schwert dort er­schei­nen.‹

Ich ver­beug­te mich vor dem Met­su­ke, deu­te­te auf mei­ne Shao­lin-Klei­dung und sag­te:

›Ich wer­de kei­ne Rüs­tung an­le­gen, denn ich bin es ge­wohnt, in die­ser Klei­dung zu kämp­fen.‹

Alle au­ßer de­nen, die es schon wuss­ten, sa­hen mich an, als hät­te ich den Ver­stand ver­lo­ren. Doch Ma­sa­no­ri brach­te es auf den Punkt.

›Willst du mich be­lei­di­gen, oder bist du ein­fach nur le­bens­mü­de?‹

Bei die­sen Wor­ten mach­te er ein mehr als wü­ten­des Ge­sicht.

›We­der das eine noch das an­de­re. Ich kom­me aus ei­nem an­de­ren Land, bin es nicht ge­wohnt, in ei­ner sol­chen Rüs­tung zu kämp­fen, und habe auch kein Ta­chi. Mei­ne Waf­fe ist ein ein­fa­ches chi­ne­si­sches Schwert, und ich habe bis­her im­mer ohne Rüs­tung ge­kämpft. Von ei­ner Be­lei­di­gung kann also kei­ne Rede sein, da es mei­ne tra­di­tio­nel­le Klei­dung ist, und ob ich le­bens­mü­de bin, mag der Kampf ent­schei­den.‹

Sa­na­da Ma­sa­no­ri mach­te eine weg­wer­fen­de Hand­be­we­gung, ging in die Mit­te des Ho­fes und schnaub­te ei­ni­ge mür­ri­sche Wor­te vor sich hin.

›Das ist kei­ne Ehre für mich‹, über­setz­te Shi­ge­na­ga, doch ich hat­te den Ein­druck, dass es nicht al­les war, was der Met­su­ke ge­sagt hat­te.

Mein chi­ne­si­sches Schwert wur­de mir ge­bracht, und ich folg­te mei­nem Geg­ner. Bei die­sen Schrit­ten ließ ich mich voll­kom­men fal­len und überg­ab al­les an mein Chi. Das Schwert in mei­ner Hand wur­de eins mit mei­nem Kör­per. Die Um­ge­bungs­ge­räusche re­du­zier­ten sich auf das We­sent­li­che, und al­les um mich he­r­um wur­de von mei­nem Chi prä­zi­se aus­ge­wer­tet. Jede Be­we­gung ei­nes Schat­tens, je­der Luft­hauch, durch eine Be­we­gung ver­ur­sacht, wur­de ge­wer­tet und al­les aus­ge­blen­det, was nicht un­mit­tel­bar wich­tig war für mei­nen Kampf.

Ich stand vor Ma­sa­no­ri, ver­neig­te mich leicht und nahm eine voll­kom­men ent­spann­te Hal­tung ein. Der Met­su­ke ant­wor­te­te sei­ner­seits mit ei­nem leich­ten Ni­cken und be­gann mich fi­xie­rend zu um­krei­sen. Wie ich es schon bei mei­nem nächt­li­chen Trai­ning mit Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga er­lebt hat­te, wech­sel­te auch er stän­dig die Schwert­po­si­ti­on. Nach we­ni­gen Se­kun­den hät­te ich die Au­gen schlie­ßen kön­nen, denn sei­ne Ge­dan­ken wa­ren so stark auf sei­ne Schwert­füh­rung kon­zen­triert, dass ich jede Po­si­ti­ons­än­de­rung schon vor der Aus­füh­rung wahr­nahm. Ich pass­te mei­ne Be­we­gun­gen den sei­nen an, was ihn sicht­lich ir­ri­tier­te. Aus die­sem Grun­de dau­er­te es eine gan­ze Wei­le, bis er sei­nen ers­ten An­griff star­te­te.

Er täusch­te einen Po­si­ti­ons­wech­sel des Schwer­tes von rechts nach links an. Doch als er mit sei­nem Ta­chi nur ein klein we­nig am Kopf vor­bei war hol­te er Schwung und ziel­te mit ei­ner zie­hen­den, schnei­den­den Be­we­gung auf mei­nen rech­ten Ober­arm. Mein Vor­teil war, dass ich in sei­nen Ge­dan­ken schon ge­se­hen hat­te, was er be­ab­sich­tig­te. Im sel­ben Mo­ment, wie sein An­griff be­gann, er­folg­ten mei­ne Aus­weich­be­we­gung und so­gleich auch mein Ge­gen­an­griff. Mit ei­ner Rechts­dre­hung um mei­ne Ach­se und drei kur­zen Schrit­ten ver­hin­der­te ich, dass er ef­fek­tiv dar­auf re­agie­ren konn­te. Dann nutz­te ich die Blö­ße, die er sich durch die er­ho­be­nen Arme ge­ge­ben hat­te. Ein schnel­ler Schnitt und sein Obi war durch­trennt.

Als wirk­lich gu­ter Schwert­kämp­fer re­agier­te er so­fort auf mei­ne Be­we­gung. Da er we­gen des Über­ra­schungs­ef­fek­tes nur we­nig Schwung ho­len konn­te, ge­lang es ihm, dem Ta­chi eine neue Rich­tung zu ge­ben. Um nicht doch noch ge­trof­fen zu wer­den, muss­te ich den Schwung mei­ner Dre­hung nut­zen. Der Ab­wärts­be­we­gung, die ich mach­te, um den Gür­tel zu durch­tren­nen, folg­te ich mit mei­nem gan­zen Ober­kör­per. Als mein Ge­sicht und die Hän­de nur we­ni­ge Zen­ti­me­ter über dem Bo­den wa­ren, schwang sein Ta­chi über mei­nen Rücken und hin­ter­ließ einen Schnitt in mei­nem Ober­ge­wand. Ich stand nur auf dem rech­ten Bein, hol­te mit dem lin­ken Schwung und wir­bel­te mich durch die ge­sam­mel­te Ener­gie aus Dre­hung und Bein­schwung in einen si­che­ren Stand au­ßer­halb sei­ner Reich­wei­te. Aber das wäre gar nicht not­wen­dig ge­we­sen, denn er war auf Grund des durch­trenn­ten Obi in sei­nen Be­we­gun­gen ein­ge­schränkt.

Wie mir Shi­ge­na­ga er­klärt hat­te, ver­la­ger­te ein gut ge­bun­de­ner Obi einen Teil der Rüs­tungs­last auf die Hüf­ten, wäh­rend bei ihm jetzt die gan­ze Last auf den Schul­tern lag. Die konn­te er nach die­sem Ge­gen­an­griff nicht mehr so gut he­ben und die Ober­ar­me auch nicht mehr ef­fek­tiv dre­hen. Er war mit sei­nem Schwert­streich mei­ner Dre­hung ge­folgt und be­müh­te sich wie­der um einen si­che­ren Stand. Sein Ta­chi hat­te er er­neut in An­griffs­po­si­ti­on er­ho­ben, und sei­ne Au­gen fun­kel­ten mich wü­tend an.

Das Gan­ze hat­te nur we­ni­ge Au­gen­bli­cke ge­dau­ert. Ein kaum wahr­nehm­ba­res Rau­nen war zu hö­ren ge­we­sen, doch ich konn­te kei­nen Blick zur Sei­te wa­gen, denn schon um­kreis­te er mich wie­der, und nur kur­ze Zeit spä­ter er­folg­te der nächs­te An­griff. Er schwang sein Schwert von rechts nach links, wie­der in ei­ner zie­hen­den, schnei­den­den Be­we­gung. Doch auch dies­mal ge­lang es mir, gleich­zei­tig mit sei­ner At­ta­cke mei­ne Aus­weich­be­we­gung zu star­ten. Glück­li­cher­wei­se hat­te ich durch mei­ne gu­ten Lehr­meis­ter in Shao­lin mei­ne Be­weg­lich­keit so ver­bes­sert, dass es mir mög­lich war, mei­nen Ober­kör­per nach hin­ten fast in die Waa­ge­rech­te zu drücken. In die­ser Po­si­ti­on führ­te ich eine leicht dre­hen­de Be­we­gung aus, zog da­bei das Schwert über mei­nen Bauch hin­weg und führ­te es dann zie­hend nach oben. Ich war sei­nen Hän­den ge­folgt und hat­te das Be­fes­ti­gungs­band, das nur we­ni­ge Zen­ti­me­ter ober­halb des Hand­ge­lenks den Hand- und Un­ter­arm­schutz am rech­ten Arm hielt, durch­trennt. An­schlie­ßend schwang ich den Ober­kör­per wie­der nach oben, nahm eine Ab­wehr­hal­tung ein und schau­te mei­nem Geg­ner in die Au­gen.

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