Kitabı oku: «Traum oder wahres Leben», sayfa 6

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Fehl­ver­hal­ten mit Fol­gen

»Der ers­te Tag, den ich in Ja­pan zu­ge­bracht hat­te, war re­la­tiv er­eig­nis­los ver­gan­gen. Am nächs­ten Vor­mit­tag war ich noch nicht lan­ge im Ge­spräch mit Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga, als wir von ei­nem Bo­ten des Dai­myo ge­stört wur­den. Mein Gast­ge­ber wur­de zum Fürs­ten ge­ru­fen, und ich war­te­te vor dem Haus auf sei­ne Rück­kehr. In Ge­dan­ken ging ich das durch, was er mir zu­letzt bei­ge­bracht hat­te, doch es dau­er­te nicht lan­ge, bis Shi­ge­na­ga zu­rück­kam. Er steu­er­te di­rekt auf mich zu und teil­te mir mit, dass der Dai­myo wi­der Er­war­ten schon jetzt zur Be­richt­er­stat­tung bei dem al­ten Sho­gun er­schei­nen sol­le. Ihn hat­te er be­auf­tragt, das Schiff im Ha­fen auf­zu­su­chen und dem Ka­pi­tän mit­zu­tei­len, dass er ihn vor­läu­fig nicht mehr be­nö­ti­ge. Er möge zu sei­ner nächs­ten Han­dels­rei­se auf­bre­chen, so­bald das Schiff zum Aus­lau­fen be­reit sei. Wei­ter­hin soll­te Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga einen Ver­tre­ter der hol­län­di­schen De­le­ga­ti­on, die kurz nach uns in Edo ein­ge­trof­fen war, auf­su­chen und ihm wich­ti­ge Mit­tei­lun­gen des Fürs­ten über­brin­gen. Die An­we­sen­heit von Eu­ro­pä­ern in un­mit­tel­ba­rer Nähe weck­te mein In­ter­es­se, und Shi­ge­na­ga war ger­ne be­reit, mich bei die­sem Bo­ten­gang mit­zu­neh­men.

Durch die ja­pa­ni­sche Klei­dung, die ich seit der An­kunft in Edo trug, fiel ich nicht mehr gar so sehr auf, und um mei­ne frem­den Ge­sichts­zü­ge ein we­nig zu ver­ber­gen, be­kam ich einen großen Reiss­troh­hut. Da ich nicht dem Sa­mu­rai­stand an­ge­hör­te, soll­te ich seit­lich hin­ter Shi­ge­na­ga lau­fen. Es sah so aus, als wäre ich sein Die­ner. Auf­merk­sam folg­te ich sei­nen mir zu­ge­raun­ten An­wei­sun­gen. Nach­dem der Ka­pi­tän des Schif­fes un­ter­rich­tet war, woll­ten wir den Ha­fen ver­las­sen, um die Hol­län­der auf­zu­su­chen. In dem Mo­ment lief uns der Vor­ste­her der hol­län­di­schen Fak­to­rei von Hi­ra­do, den mein Be­glei­ter schon mehr­fach ge­trof­fen hat­te, über den Weg.

Nach ei­ner knap­pen Be­grü­ßung, die von hol­län­di­scher Sei­te de­mü­ti­ger aus­fiel, als ich er­war­tet hat­te, stell­te mich Shi­ge­na­ga als einen in Chi­na ge­stran­de­ten Eu­ro­pä­er vor. Mich ge­nau mus­ternd, er­kun­dig­te sich der Fak­to­rei­vor­ste­her nach mei­ner Na­tio­na­li­tät. Ich teil­te ihm mit, dass ich aus Thü­rin­gen stamm­te, und so­fort ver­such­te er es mit Hol­län­disch, Fran­zö­sisch und ei­nem Kau­der­welsch, das nach Deutsch klang. Ver­le­gen schüt­tel­te ich den Kopf und ver­such­te es mit mei­nem Deutsch. Da­bei hat­te ich aber nicht be­dacht, dass es die­se Art von Deutsch zu je­ner Zeit noch gar nicht gab, wes­we­gen er mich ver­ständ­nis­los an­sah. Da­bei war es mir nicht leicht ge­fal­len, die rich­ti­gen Wör­ter zu fin­den, denn mitt­ler­wei­le dach­te ich in Chi­ne­sisch. Glück­li­cher­wei­se er­in­ner­te er sich in die­sem Mo­ment dar­an, dass Shi­ge­na­ga mit mir chi­ne­sisch ge­spro­chen hat­te. Er wech­sel­te in die­se Spra­che, die er ganz pas­sa­bel be­herrsch­te, und stell­te sich als Cor­ne­lis van Neyen­ro­de vor.

Da wir uns nun recht gut ver­stän­di­gen konn­ten, be­gann ein re­ges Hin und Her.

Als Ers­tes woll­te er wis­sen, in was für einen selt­sa­men Dia­lekt ich geant­wor­tet hat­te. Ich ver­such­te mich da­mit he­r­aus­zu­re­den, dass es eine re­gio­nal be­grenz­te Sprach­va­ri­an­te aus dem Thü­rin­ger Wald sei, die ich je­doch durch mei­nen lan­gen Auf­ent­halt in Chi­na nicht mehr rich­tig be­herr­schen wür­de. Das ak­zep­tier­te er, er­kun­dig­te sich aber gleich nach den Um­stän­den und der Län­ge mei­nes Chi­na-Auf­ent­hal­tes. Wie schon bei mei­nen ja­pa­ni­schen Freun­den muss­te ich wie­der zu ei­ner Not­lü­ge grei­fen, die mir gar nicht ge­fiel. Auch ihm er­zähl­te ich, dass ich über die Mar­co-Polo-Rou­te Chi­na er­reicht hät­te und schließ­lich in Shao­lin ge­stran­det wäre. Van Neyen­ro­de lausch­te ge­spannt und frag­te dann:

›Und Sie ha­ben wirk­lich die letz­ten Jah­re nur in die­sem Klos­ter ge­lebt?‹

›Ja, was ist dar­an so er­staun­lich?‹

›Nun, zum einen, dass Sie sich dort so ein­ge­lebt ha­ben und an­schei­nend gar nicht mehr den Wunsch heg­ten, in Ihre Hei­mat zu­rück­zu­keh­ren. Und zum an­de­ren, dass Sie an­schei­nend gar kei­ne Vor­stel­lung da­von ha­ben, was in Ih­rer Hei­mat los ist.‹

›Nein, hab ich wirk­lich nicht. Ich weiß ja nicht ein­mal ge­nau, wel­ches Jahr wir ha­ben. Durch das Le­ben im Shao­lin-Klos­ter habe ich ir­gend­wie den Fa­den ver­lo­ren.‹

Cor­ne­lis lach­te kurz auf.

›Kaum vor­stell­bar. Doch egal. Wir schrei­ben das Jahr 1624 nach Chris­ti Ge­burt, und es gibt seit sechs Jah­ren Krieg in Eu­ro­pa, in den mitt­ler­wei­le auch Ihre Hei­mat ver­strickt ist.‹

›Krieg? Was für einen Krieg?‹

Hier zeig­te sich wie­der ein­mal, dass ich von der deut­schen Ge­schich­te nicht viel be­hal­ten hat­te.

›Nun, die ka­tho­li­sche Liga und die pro­tes­tan­ti­sche Uni­on be­kämp­fen sich we­gen ih­res Glau­bens‹, er schnaub­te ver­ächt­lich durch die Nase. ›Sa­gen sie je­den­falls, doch ei­gent­lich will der Papst sei­nen Ein­fluss nicht ver­lie­ren, und mitt­ler­wei­le hat der dä­ni­sche Kö­nig in den Krieg ein­ge­grif­fen. Doch der will si­cher nur sein Land ver­grö­ßern. Über­all wird ge­raubt und ge­brand­schatzt. Der Han­del kommt zum Er­lie­gen, und die Men­schen lei­den Hun­ger.‹

Bei ei­nem Blick in sei­ne Au­gen, konn­te ich wirk­li­ches Be­dau­ern be­mer­ken.

›Sei­en Sie froh, dass Sie nicht in Ih­rer Hei­mat sind, denn dort wä­ren Sie ent­we­der in ei­nem der Hee­re oder Sie müss­ten viel­leicht hun­gern wie vie­le der Ein­woh­ner Ih­res Lan­des.‹

1624, was für ein Krieg herrsch­te da­mals? Ich brauch­te eine gan­ze Wei­le, bis mir klar wur­de, dass es nur der Drei­ßig­jäh­ri­ge Krieg sein konn­te. Die­ser Krieg wür­de ja noch mehr als zwan­zig Jah­re dau­ern, und ich konn­te wirk­lich froh sein, dass ich mich hier be­fand.

Cor­ne­lis deu­te­te mein Schwei­gen an­ders und riss mich aus mei­nen Ge­dan­ken.

›Sie ma­chen sich wohl Sor­gen um Ihre An­ge­hö­ri­gen?‹

›Oh, nein‹, sag­te ich, ohne nach­zu­den­ken, wor­auf er mich fra­gend mus­ter­te.

›Nein, da brau­che ich mir kei­ne Sor­gen zu ma­chen, da ich von kei­nen An­ge­hö­ri­gen weiß, die jetzt dort le­ben.‹

Er hob die Au­gen­brau­en noch ein we­nig wei­ter, und ich merk­te, dass ihm die­se Er­klä­rung nicht ge­nüg­te.

›Nun, ich habe alle, die mir lieb und teu­er wa­ren, durch einen tra­gi­schen Un­fall ver­lo­ren. Aus die­sem Grund kam es auch zu die­ser Rei­se, und es gibt nichts, was mich wie­der in die Hei­mat zieht.‹

Ich fuhr mir mit der Hand übers Ge­sicht und schob den Stroh­hut ein we­nig ins Ge­nick.

›Nach die­sen Nach­rich­ten schon gar nicht. Ich den­ke, dass ich im Mo­ment hier viel bes­ser auf­ge­ho­ben bin.‹

›Na, da sind Sie sich mal nicht zu si­cher. Hier ist es für einen Aus­län­der auch nicht leicht. Die Mi­li­tär­re­gie­rung macht seit ei­ni­ger Zeit im­mer mehr Front ge­gen al­les, was nicht ja­pa­nisch ist. Be­son­ders auf die Je­sui­ten­mis­sio­na­re und auf alle, die sich of­fen zum christ­li­chen Glau­ben be­ken­nen, hat es die Re­gie­rung ab­ge­se­hen. Es wur­den auch schon vie­le hin­ge­rich­tet. Ich glau­be, Ihre Hei­mat könn­te sich viel­leicht als we­ni­ger ge­fähr­lich he­r­aus­stel­len, denn es dau­ert im­mer lan­ge, bis neue Nach­rich­ten hier ein­tref­fen. In der Zwi­schen­zeit könn­te der Krieg schon be­en­det sein.‹

›Hm, ich weiß nicht. Ich wur­de vom Dai­myo, Date Ma­sa­mu­ne, ein­ge­la­den, und Sie hal­ten sich ja auch hier auf‹, ant­wor­te­te ich und ver­schwieg mein Wis­sen über die lan­ge Kriegs­dau­er in Eu­ro­pa.

Jetzt misch­te sich Ka­ta­ku­ra wie­der in das Ge­spräch ein.

›Ja es stimmt. Mein Herr hat ihn hier­her ein­ge­la­den, und er steht als sein Gast un­ter sei­nem Schutz.‹

›Was will der Dai­myo ma­chen, wenn der Sho­gun et­was an­de­res im Sinn hat?‹

Eine fra­gen­de Ges­te be­glei­te­te die Wor­te des Nie­der­län­ders.

›Nun, so ganz ohne Ein­fluss ist mein Herr nicht‹, stolz rich­te­te sich Shi­ge­na­ga ein we­nig auf. ›Und ge­nau des­halb soll­te ich Sie auch auf­su­chen. Date Ma­sa­mu­ne hat er­fah­ren, dass Sie eine Au­di­enz beim Sho­gun er­bit­ten wol­len. Er geht da­von aus, dass Sie ge­gen die Auf­la­gen pro­tes­tie­ren wol­len, die ihre Fak­to­rei ge­trof­fen ha­ben.‹

Cor­ne­lis van Neyen­ro­de schnapp­te nach Luft.

›Wo­her weiß er das denn? Of­fi­zi­ell bin ich hier, um mei­ne Auf­war­tung zu ma­chen und die üb­li­chen Ge­schen­ke zu über­rei­chen.‹

›Ich sag­te doch, mein Herr hat mehr Ein­fluss, als Sie den­ken.‹

Der leicht ver­är­ger­te Hol­län­der woll­te et­was er­wi­dern, aber Shi­ge­na­ga schnitt ihm das Wort ab.

›Sie müss­ten doch mitt­ler­wei­le ge­merkt ha­ben, dass alle Aus­län­der schär­fer be­ob­ach­tet wer­den. Mein Fürst hat sehr gute Kon­tak­te, er er­fährt man­ches so­gar eher als der Sho­gun.‹

Er wur­de im­mer lei­ser, als er sag­te:

›Date Ma­sa­mu­ne war län­ge­re Zeit nicht im Lan­de und be­kommt jetzt nach und nach alle wich­ti­gen In­for­ma­tio­nen. Er bit­tet Sie, die Au­di­enz noch ein we­nig hi­n­aus­zu­zö­gern oder, wenn sie schon in den nächs­ten Ta­gen statt­fin­den soll­te, wirk­lich nur den An­stands­be­such bei To­ku­ga­wa Ie­mit­su zu ma­chen.‹

Wie­der schau­te sich Shi­ge­na­ga ver­stoh­len um und fuhr fast flüs­ternd fort:

›Mein Herr ist jetzt bei To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da, dem al­ten Sho­gun, und wird vor­sich­tig auch Ihre Sor­gen zur Spra­che brin­gen. Sie wis­sen si­cher, dass To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da ein nicht ganz so stren­ges Vor­ge­hen wünscht, doch auch er ist ver­är­gert we­gen der il­le­ga­len Aus­fuhr be­stimm­ter Wa­ren.‹

›Was soll denn das hei­ßen? Wol­len Sie uns des Dieb­stahls be­zich­ti­gen?‹, warf van Neyen­ro­de mit ge­spiel­ter Ent­rüs­tung ein.

›Wie könn­te ich‹, schnaub­te Shi­ge­na­ga be­lus­tigt. ›Wir wis­sen doch bei­de, dass ver­schie­de­ne Dai­myos Ge­schäf­te mit Ih­nen ma­chen, die nicht beim Han­dels­mi­nis­te­ri­um an­ge­zeigt wer­den. Und ge­nau das ver­är­gert To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da und To­ku­ga­wa Ie­mit­su. Doch viel­leicht ...‹

Ich ver­lor das In­ter­es­se an die­sem Dis­put, hier ging es um In­tri­gen, die mich nicht be­tra­fen und in die ich auch nicht ver­strickt wer­den woll­te. Da ich vor­läu­fig kei­ne Ge­le­gen­heit sah, mit dem Hol­län­der wie­der ins Ge­spräch zu kom­men, ging ich ei­ni­ge Schrit­te zur Sei­te und schau­te mir das Ha­fen­ge­tüm­mel an. Ein klei­ne­res Schiff hat­te, aus der Fluss­mün­dung kom­mend, den Ha­fen an­ge­steu­ert und wur­de ent­la­den. Ha­fen­ar­bei­ter schlepp­ten mit Reis ge­füll­te Kör­be in ein La­ger­haus, und ein Be­am­ter prüf­te, ob sie auch bis zum Rand ge­füllt wa­ren. Auf ei­ner Lis­te wur­de je­der Korb re­gis­triert, und zwei Sa­mu­rai, die die Ar­bei­ten mit über­wach­ten, trie­ben die Trä­ger im­mer wie­der an. Von der Stadt her nä­her­te sich ein of­fen­sicht­lich hoch­ran­gi­ger Sa­mu­rai. Er war gut ge­klei­det, und vor ihm scheuch­ten zwei we­ni­ger gut aus­ge­stat­te­te Krie­ger die ein­fa­chen Leu­te zur Sei­te.

Ge­bannt be­ob­ach­te­te ich die­sen Auf­zug und mus­ter­te da­bei den Sa­mu­rai ge­nau. Er hat­te hoch­mü­ti­ge Ge­sichts­zü­ge, eine klei­ne Nase, aber einen kräf­ti­gen Schnauz­bart. Ein wei­ßes Stirn­band mit ei­ner Art Wap­pen zeig­te an­schei­nend sei­nen Rang an. Sei­ne Ober­be­klei­dung be­stand aus ei­nem wei­ßen Ki­mo­no mit wei­ten, am un­te­ren Rand schwarz ge­mus­ter­ten Är­meln. Der Ki­mo­no war vorn of­fen, und man konn­te einen bunt ge­mus­ter­ten Brust- und Bauch­pan­zer se­hen. Im Obi, dem tra­di­tio­nel­len Gür­tel der Sa­mu­rai, steck­ten ein klei­nes und ein großes Schwert, so wie ich es schon von mei­nen neu­en Freun­den kann­te. In der rech­ten Hand hielt er einen ge­schlos­se­nen Fä­cher, und aus sei­nem schwar­zen Ho­sen­rock schau­ten die nack­ten Füße, die in Reiss­troh­san­da­len steck­ten. Zwei of­fen­sicht­lich nie­der­ran­gi­ge Sa­mu­rai folg­ten ihm und die ein­fa­chen Men­schen am Weges­rand ver­such­ten ent­we­der Ab­stand zu ge­win­nen, oder sie neig­ten ehr­er­bie­tig das Haupt.

Die­ser Zug kam di­rekt an uns vor­bei, und ich konn­te den Blick nicht ab­wen­den. Plötz­lich, ohne dass ich wuss­te, wie mir ge­schah, stürmt ei­ner der vor­aus­lau­fen­den Sa­mu­rai auf mich zu. Ein wü­ten­der Wort­schwall er­goss sich über mich, und er schwang sein Schwert, das noch in der Schei­de steck­te, wie einen Knüp­pel. Re­flexar­tig hob ich die Arme, um die dro­hen­den Schlä­ge ab­zu­weh­ren, doch das war nicht nö­tig. Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga war durch die Schimpf­ti­ra­de auf­merk­sam ge­wor­den und stand blitz­ar­tig zum Schutz vor mir. Al­les ging sehr schnell, und durch das, was mir Shi­ge­na­ga zu­rief, ging mir lang­sam ein Licht auf.

›Schnell, beu­ge dein Knie, und nei­ge das Haupt!‹

Auch er hat­te das Haupt ge­neigt, doch sein Schwert hielt er plötz­lich, mit der lin­ken Hand an der Schei­de, waa­ger­recht in Brust­hö­he. Die rech­te konn­te je­der­zeit das Schwert zie­hen, und sein gan­zes Auf­tre­ten mach­te nicht den Ein­druck, dass er von der Stel­le wei­chen wür­de. Aus dem Au­gen­win­kel sah ich, dass Cor­ne­lis van Neyen­ro­de mit ge­neig­tem Kopf auf das lin­ke Knie ge­sun­ken war, und ich folg­te sei­nem Bei­spiel. Ich hat­te of­fen­sicht­lich einen schwe­ren Feh­ler be­gan­gen, als ich die­sen an­schei­nend be­deu­ten­den Mann so un­ver­hoh­len an­starr­te.

Mein Be­schüt­zer lie­fer­te sich mit dem An­grei­fer ein hit­zi­ges Wort­ge­fecht, von dem ich lei­der nur ein­zel­ne Wor­te ver­stand. Ich schärf­te mei­ne Sin­ne und ver­such­te sei­ne Ge­dan­ken auf­zu­neh­men, und mir stock­te der Atem. Bil­der nah­men Ge­stalt an, die mehr als be­droh­lich wa­ren. Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga be­schäf­tig­te sich schon mit dem Ge­dan­ken, dass Schwert ge­gen die­se Män­ner zu zie­hen. Das konn­te ich nicht zu­las­sen und woll­te mich er­he­ben, als sich eine Hand auf mein Knie leg­te. Es war Cor­ne­lis, der an mei­ne Sei­te ge­rutscht war. Er hat­te mich aus dem Au­gen­win­kel be­ob­ach­tet und raun­te mir lei­se zu:

›Um Got­tes wil­len, blei­ben Sie un­ten! Un­ter­neh­men Sie auf kei­nen Fall et­was! Ihr Be­glei­ter schützt Sie mit sei­nem Le­ben und sei­ner Ehre. Wenn Sie sich jetzt ein­mi­schen, es­ka­liert die Si­tua­ti­on, und es kommt un­wei­ger­lich zum Kampf.‹

In der Zwi­schen­zeit war der hoch­ran­gi­ge Sa­mu­rai he­r­an­ge­tre­ten und fuhr Shi­ge­na­ga in bar­schem Ton­fall an. Aber auch wenn mein Be­schüt­zer ihm of­fen­sicht­lich ehr­er­bie­tig ge­gen­über­stand, schi­en er nicht be­reit, sei­nen Platz zu räu­men.

›Was ha­ben Sie nur ge­tan?‹, flüs­ter­te van Neyen­ro­de. ›Das ist der Po­li­zei­prä­fekt von Edo, und je­der, der nicht min­des­tens sei­nen Rang in­ne­hat, muss vor ihm das Haupt nei­gen. Sie ha­ben ihn be­gafft wie einen Bett­ler und wur­den zu­dem noch als Aus­län­der er­kannt. Das ist für die­sen Mann eine der schlimms­ten Be­lei­di­gun­gen, und wie Ihr Freund die Si­tua­ti­on ret­ten will, ist mir schlei­er­haft.‹

Ich zuck­te bei die­sen Wor­ten wie­der ein Stück nach oben, doch die Hand des Hol­län­ders drück­te wei­ter­hin auf mein Knie.

›Wenn Sie uns nicht alle zum Tode ver­ur­tei­len wol­len, un­ter­neh­men Sie um Him­mels wil­len nichts. Ich habe es nicht er­war­tet, aber Ihr Freund hat of­fen­sicht­lich ein paar Trümp­fe in der Hand, die nicht zu ver­ach­ten sind.‹

Die Ag­gres­si­vi­tät des Wort­wech­sels ließ lang­sam nach, und kur­ze Zeit spä­ter dreh­te sich der Prä­fekt um und setz­te sei­nen Weg fort. Nach­dem er sich ei­ni­ge Schrit­te ent­fernt hat­te, hol­te Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga tief Luft und wand­te sich uns zu. Cor­ne­lis er­hob sich, und ich folg­te sei­nem Bei­spiel. Da­bei schau­te ich in das Ge­sicht mei­nes Be­schüt­zers und er­war­te­te, Wut oder min­des­tens Ver­är­ge­rung zu se­hen. Doch das was ich nun er­leb­te, konn­te ich kaum fas­sen. Shi­ge­na­ga neig­te vor mir mit ei­nem be­stürzt-be­schäm­ten Aus­druck den Kopf.

›Es ist un­ent­schuld­bar! Ich habe kläg­lich ver­sagt! Ich kann nur hof­fen, dass du und mein Herr mir ir­gend­wann ver­ge­ben könnt.‹

›Wie, was? Ver­ge­ben? Ich ver­steh gar nichts mehr.‹

Ich starr­te, nach Auf­klä­rung su­chend, in sein Ge­sicht.

›Das ist es ja. Ich habe dich nicht rich­tig vor­be­rei­tet. Habe dir zu we­nig über un­se­re Ge­bräu­che mit­ge­teilt und hät­te dich des­halb nie­mals hier­her mit­neh­men dür­fen.‹

Be­küm­mert schüt­tel­te er den Kopf.

›Es ist al­lein mei­ne Schuld, und ich muss mich da­für ver­ant­wor­ten.‹

Er hob den Blick.

›Vor dir, vor mei­nem Herrn und vor ihm‹, da­bei nick­te er mit dem Kopf in die Rich­tung des Da­v­on­schrei­ten­den.

Sei­ne Au­gen zeig­ten einen Kum­mer, den ich nicht be­grei­fen konn­te.

›Das ver­ste­he ich nicht. Ich habe aus Un­ver­stand einen Feh­ler be­gan­gen, und für den kannst du doch un­mög­lich ver­ant­wort­lich sein.‹

›Oje, Sie ver­ste­hen noch nicht viel von dem, was die­se Ge­sell­schaft aus­macht‹, warf van Neyen­ro­de ein. ›Er hat vom Dai­myo die Ver­ant­wor­tung für Sie über­tra­gen be­kom­men. Er bürgt also mit sei­nem Le­ben für Ihre Si­cher­heit.‹

Ich schluck­te und ich blick­te in der Hoff­nung, dass all das nur ein schlech­ter Scherz sei, von ei­nem zum an­de­ren. Doch es stimm­te, und mir wa­ren in die­sem Mo­ment noch nicht ein­mal alle mög­li­chen Kon­se­quen­zen be­kannt.

›Was kann ich tun, um das Un­heil, dass ich an­ge­rich­tet habe, wie­der gutz­u­ma­chen?‹

›Du kannst und musst gar nichts un­ter­neh­men. Ich bin da­für ver­ant­wort­lich und wer­de auch da­für ge­ra­de­ste­hen.‹

›Aber ...‹, ich wur­de mit ei­ner weg­wi­schen­den Ges­te von Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga un­ter­bro­chen. ›Nicht jetzt und hier! Wir ge­hen zu­rück zum An­we­sen, und wenn der Fürst da ist, wird al­les wei­te­re be­spro­chen.‹

Er wand­te sich noch ein­mal kurz an den Hol­län­der.

›Ich den­ke, al­les Not­wen­di­ge ist ge­sagt. Soll­te es Neu­ig­kei­ten ge­ben, wer­den wir Sie in­for­mie­ren.‹

Cor­ne­lis van Neyen­ro­de nick­te zur Be­stä­ti­gung und sag­te be­drückt zu mir:

›So viel zu dem Ge­dan­ken, dass Sie hier si­che­rer sind als in Ih­rer Hei­mat. Ich hof­fe, es geht al­les gut aus und wir se­hen uns noch ein­mal wie­der.‹

Er nick­te mir zu und ent­fern­te sich.

Ich schau­te ihm hin­ter­her, und in mei­nem Kopf ging al­les wirr durch­ein­an­der. Doch Shi­ge­na­ga dräng­te zum Auf­bruch. Ich woll­te mit ihm über das Ge­sche­he­ne spre­chen, doch er wink­te nur mür­risch ab. Be­drückt folg­te ich ihm und hing, im Gäs­te­zim­mer sei­nes Hau­ses al­lein ge­las­sen, mei­nen Ge­dan­ken nach. Doch ich kam zu kei­nem Er­geb­nis. Ich ver­stand nicht ein­mal voll­stän­dig, was ei­gent­lich ge­sche­hen war. Um die­sen ziel­lo­sen Grü­beln zu ent­ge­hen, ver­senk­te ich mich in Me­di­ta­ti­on.

Es war Abend ge­wor­den, als ich von Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga ab­ge­holt wur­de. Ohne dass er sich auf ein Ge­spräch ein­ließ, führ­te er mich zum Emp­fangs­raum des Fürs­ten. Als wir den Raum be­tre­ten hat­ten, be­deu­te­te er mir, dass ich war­ten soll­te, und ging al­lein nach vorn. Dort fiel er auf die Knie und sprach in trau­ri­gem, un­ter­wür­fi­gem Ton mit Date Ma­sa­mu­ne. Des­sen Mie­ne wur­de bei je­dem Wort erns­ter, und schließ­lich scheuch­te er ihn mit ei­ner un­wir­schen Hand­be­we­gung zur Sei­te und wink­te mich he­r­an.

Nach­dem ich, wie ich es ge­lernt hat­te, nach vorn ge­kom­men war, über­setz­te Shi­ge­na­ga sei­ne Wor­te ohne mich da­bei an­zu­se­hen.

›Ich bin be­stürzt! Mein Die­ner hat kläg­lich ver­sagt, und er muss nun für sei­ne Feh­ler ge­ra­de­ste­hen! Ich bin sehr be­trübt, dass Sie we­gen die­ser Un­acht­sam­keit in Ge­fahr ge­kom­men sind. Aus die­sem Grund wer­de ich vor­läu­fig auch nicht er­lau­ben, dass Sie die­ses Ge­län­de ver­las­sen.‹

Ab­wei­send hat­te er Shi­ge­na­ga be­ob­ach­tet, bis die­ser mit der Über­set­zung fer­tig war.

›Doch nun zu ei­nem wich­ti­ge­ren The­ma.‹

Ich riss er­staunt die Au­gen auf. Was soll­te wich­ti­ger sein als das eben An­ge­spro­che­ne.

›Das Ge­spräch mit dem al­ten Sho­gun ver­lief so, wie Sie es er­war­tet ha­ben, und er war zu­frie­den mit dem Ver­lauf der Missi­on. Aber lei­der wur­de ich nach der Au­di­enz, als ich schon den Rück­weg an­tre­ten woll­te, von ei­nem Die­ner sei­nes Soh­nes ab­ge­fan­gen. To­ku­ga­wa Ie­mit­su hat­te er­fah­ren, dass ich zu­erst bei sei­nem Va­ter Be­richt er­stat­tet hat­te, und schä­um­te vor Wut. Er ließ eine an­de­re Au­di­enz ab­sa­gen, und ich muss­te so­fort bei ihm vor­spre­chen.‹

Ich folg­te Ma­sa­mu­nes Wor­ten mit im­mer grö­ße­rem Un­be­ha­gen. Dass er jetzt über sol­che Din­ge spre­chen woll­te, konn­te ich nicht ver­ste­hen. Für mich war es viel wich­ti­ger, wie die miss­li­che Lage, in die mein Be­schüt­zer durch mich ge­kom­men war, ent­schärft wer­den konn­te. Ich muss­te al­ler­dings auf die Wün­sche des Fürs­ten ein­ge­hen, denn links und rechts an den Wän­den sa­ßen an­de­re Sa­mu­rai und ver­folg­ten das Ge­sche­hen.

Ma­sa­mu­ne hat­te er­klärt, dass der am­tie­ren­de Sho­gun durch die Art des Be­rich­tes zwar be­sänf­tigt wur­de, doch das er of­fen Zwei­fel am Wahr­heits­ge­halt an­mel­de­te. Er zwei­fel­te die Kampf­taug­lich­keit der Shao­lin-Mön­che an, und das war schon fast eine Be­lei­di­gung des Dai­myo. Ir­gend­wie hat­te Ie­mit­su von mei­ner An­we­sen­heit er­fah­ren und woll­te, weil er mich für einen die­ser Mön­che hielt, eine Vor­füh­rung von mir ha­ben. Da ich aber Ma­sa­mu­nes Gast war, woll­te die­ser das nur zu­ge­ste­hen, wenn ich mich da­mit ein­ver­stan­den er­klär­te.

Ich konn­te mir gar nicht vor­stel­len, dass er eine sol­che Wahl hat­te, und frag­te des­halb:

›Kön­nen Sie denn die­sen Wunsch ab­leh­nen?‹

Kopf­schüt­telnd ant­wor­te­te er:

›Das ist kein Wunsch, das ist eine Auf­for­de­rung, der ich ei­gent­lich nach­kom­men muss. Da Sie aber mein Gast sind, bin ich nicht be­reit, es ohne Ihr Ein­ver­ständ­nis zu­zu­las­sen, egal, was für Kon­se­quen­zen es hat.‹

Na pri­ma, er sag­te, er wol­le es nicht zu­las­sen, wenn ich nicht will, und setz­te mich gleich­zei­tig un­ter Druck, in­dem er mir kund­tat, dass es Kon­se­quen­zen für ihn ha­ben wür­de. Au­ßer­dem nahm ich Bil­der aus Shi­ge­na­gas Ge­dan­ken wahr, die mich be­ängs­tig­ten. Wie ich er­kann­te, sah er sich schon in einen Schwert­kampf mit dem Po­li­zei­prä­fek­ten ver­wi­ckelt, dem er sich of­fen­kun­dig un­ter­le­gen fühl­te.

Nach­denk­lich senk­te ich den Kopf und such­te nach ei­ner Lö­sung aus die­sem Di­lem­ma. Eine Be­we­gung des Fürs­ten ver­an­lass­te mich, hoch­zu­schau­en, und ich be­merk­te sei­ne Un­ge­duld. Ich hol­te schon Luft, um mein Ein­ver­ständ­nis zu die­ser Schau­stel­lung zu ge­ben, als mir ein Ge­dan­ke kam. Ein kur­zer Blick in Shi­ge­na­gas be­drück­tes Ge­sicht, und ich wuss­te, was zu tun war.

›Wie se­hen die Fol­gen aus, die Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga we­gen mei­ner Un­acht­sam­keit zu er­war­ten hat?‹

Stil­le! Mein Be­schüt­zer wag­te es nicht, das zu über­set­zen, und schau­te mich be­stürzt an.

›Über­setz es bit­te.‹

Er schwieg im­mer noch.

›Kei­ne Sor­ge, ich den­ke, ich kann sein und un­ser Pro­blem ge­mein­sam lö­sen. Sag ihm das bit­te auch.‹

Zö­gernd kam er mei­nem Wunsch nach. Im ers­ten Mo­ment mach­te der Fürst eine zor­ni­ge Be­we­gung, doch nach­dem auch der Rest über­setzt war, schau­te er mir in die Au­gen und frag­te:

›Wie?‹

›Da­mit ich mir ganz si­cher sein kann, muss ich ver­ste­hen, was im Ha­fen ge­sche­hen ist.‹

Date Ma­sa­mu­ne for­der­te Shi­ge­na­ga auf, mei­nem Wunsch nach­zu­kom­men, und die­ser frag­te mich dar­auf­hin, was mir denn un­klar sei.

›Ich habe zwar be­grif­fen, dass ich es die­sem be­deu­ten­den Mann ge­gen­über an Re­spekt habe feh­len las­sen. Aber mir sind die Fol­gen, die die­ses Fehl­ver­hal­ten nach sich zie­hen kön­nen, nicht klar. Au­ßer­dem ver­ste­he ich nicht, wie es dir ge­lun­gen ist, die­se we­nigs­tens für den Mo­ment ab­zu­wen­den.‹

Er hol­te tief Luft.

›Die Fol­gen ei­ner sol­chen Be­lei­di­gung, denn das ist dein Ver­hal­ten für ihn ge­we­sen, wä­ren in die­sem Au­gen­blick im güns­tigs­ten Fall mit Schlä­gen ab­ge­gol­ten wor­den. Da du aber als Aus­län­der er­kannt wur­dest, hät­te es auch mit dei­nem Tod en­den kön­nen.‹

Ich schluck­te. Das hat­te ich nicht er­war­tet.

›Ich konn­te das durch mein Ein­grei­fen erst ein­mal ver­hin­dern. Der Met­su­ke, Sa­na­da Ma­sa­no­ri, will das aber nicht auf sich be­ru­hen las­sen.‹

›Met­su­ke?‹

›Der Hol­län­der Cor­ne­lis van Neyen­ro­de über­setz­te es als Po­li­zei­prä­fekt, doch bin ich mir nicht si­cher, ob das die Po­si­ti­on rich­tig um­schreibt. Die Met­su­ke ste­hen näm­lich über der Po­li­zei, also den Si­cher­heits­kräf­ten, die für die öf­fent­li­che Ord­nung zu­stän­dig sind. Sie sind für weit mehr zu­stän­dig. Selbst mein Herr muss sich ih­nen ge­gen­über vor­sich­tig ver­hal­ten und darf sie sich nicht zum Feind ma­chen.‹

Oje, das war kein Fett­napf, in den ich ge­tre­ten war, das war sie­den­des Öl. Doch es kam noch schlim­mer.

›Sa­na­da Ma­sa­no­ri ist der Met­su­ke von Edo und als ein her­vor­ra­gen­der Schwert­kämp­fer be­kannt. Ge­rüch­te be­sa­gen, dass er jede Ge­le­gen­heit zu ei­nem Zwei­kampf nutzt. Die Aus­sicht auf einen sol­chen hat ihn dann auch da­von ab­ge­hal­ten, dich zu be­stra­fen.‹

›Ein Du­ell mit dir, neh­me ich an?‹

›Ja, ich den­ke, so könn­te man es aus­drücken.‹

›Aber ich war es doch, der ihn, wenn auch aus Un­wis­sen­heit, be­lei­digt hat.‹

›Und ich bin für dei­ne Si­cher­heit ver­ant­wort­lich. Ich konn­te es nicht zu­las­sen, dass du Scha­den nimmst, und habe ihn da­von in Kennt­nis ge­setzt, dass du Gast von Date Ma­sa­mu­ne bist, dass ich für dich ver­ant­wort­lich bin und für dei­nen Feh­ler ein­ste­he. Dar­auf­hin hat er Ge­nug­tu­ung ge­for­dert und woll­te sich zu die­sem Zweck mit mei­nem Herrn in Ver­bin­dung set­zen.‹ Sei­ne Mie­ne wur­de noch be­trüb­ter. ›Der Fürst hat mir vor­hin mit­ge­teilt, dass dies be­reits ge­sche­hen ist. Ich wer­de also mit ihm kämp­fen und mein Bes­tes ge­ben.‹

Das klang über­haupt nicht zu­ver­sicht­lich. Ich sann über das wei­te­re Vor­ge­hen nach, doch Date Ma­sa­mu­ne zeig­te im­mer mehr Un­ge­duld.

›Gut, über­setz jetzt dem Dai­myo al­les ge­nau so, wie ich es sage. Frag nicht nach, und un­ter­brich mich bit­te nicht.‹

Er nick­te, und ich be­gann:

›Ich wer­de nicht zu­las­sen, dass ein an­de­rer für mei­ne Feh­ler bü­ßen muss!‹

Shi­ge­na­ga schau­te mich mit großen Au­gen an und schwieg. Erst nach­dem ich eine auf­for­dern­de Hand­be­we­gung ge­macht hat­te, be­gann er sto­ckend zu über­set­zen.

›Also, ich wer­de die­sem Mann zur Ge­nug­tu­ung zur Ver­fü­gung ste­hen.‹

Ma­sa­mu­ne setz­te zu ei­ner Ant­wort an, da­her sprach ich schnell wei­ter:

›Ich den­ke, dass wir in die­sem Zu­sam­men­hang auch das an­de­re Pro­blem lö­sen kön­nen.‹

In die­sem Mo­ment hat­te ich sei­ne vol­le Auf­merk­sam­keit.

›Der Kampf, den der Met­su­ke zur Her­stel­lung sei­ner Ehre wünscht, soll­te im Bei­sein des al­ten und des neu­en Sho­gun statt­fin­den. Date Ma­sa­mu­ne wür­de da­mit die For­de­rung des Sho­gun er­fül­len, und ich kann mei­ne Ehre ver­tei­di­gen.‹

Ich be­dien­te mich die­ses Schach­zugs, da ich be­merkt hat­te, wie hoch die Ehre ei­nes Man­nes in die­ser Ge­sell­schaft ein­ge­stuft wur­de, und der Er­folg blieb nicht aus.

›Wie­so dei­ne Ehre?‹, frag­te Shi­ge­na­ga nach, ohne vor­her zu über­set­zen.

›Denkt ihr denn, dass es eh­ren­voll für mich ist, wenn ein an­de­rer für mei­ne Feh­ler ein­ste­hen muss?‹

›Ich wuss­te nicht, dass es in dei­ner Hei­mat so ...‹

›Bit­te, über­set­ze es und dis­ku­tie­re jetzt nicht mit mir!‹

Re­si­gnie­rend kam er mei­ner Auf­for­de­rung nach.

Beim Dai­myo er­reich­te ich ge­nau das, was ich be­ab­sich­tigt hat­te. Ich schi­en in sei­ner Ach­tung zu wach­sen, ob­wohl er ei­ni­ge Be­den­ken hat­te. Er er­kun­dig­te sich so­fort, ob ich Er­fah­run­gen im ja­pa­ni­schen Schwert­kampf hät­te. Als ich das ver­nein­te, mach­te er ein be­denk­li­ches Ge­sicht, doch ich hat­te zwei Ar­gu­men­te, die ihn über­zeug­ten.

Zum Ers­ten frag­te ich ihn, ob er in Chi­na den Ein­druck ge­won­nen hät­te, dass ich mich nicht ver­tei­di­gen kön­ne. Das ver­nein­te er so­fort, und ich wies zum Zwei­ten dar­auf hin, dass der Sho­gun et­was von den Kampf­fer­tig­kei­ten der Shao­lin se­hen woll­te. Das über­zeug­te ihn, und wir be­gan­nen so­fort mit der Pla­nung.

Ich bat den Fürs­ten, mir mehr über die Re­geln und den Ver­lauf ei­nes sol­chen Kamp­fes mit­zu­tei­len. Auf­merk­sam lausch­te ich den Aus­füh­run­gen und for­der­te ihn dann auf, mir einen Übungs­part­ner zur Ver­fü­gung zu stel­len. Er be­nann­te Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga, der nach sei­ner Rüs­tung schi­cken ließ, denn ich woll­te, dass es mög­lichst rea­lis­tisch statt­fand.

Bei nä­he­rer Be­trach­tung der Um­stän­de wur­den uns ei­ni­ge Pro­ble­me be­wusst. Der Dai­myo heg­te Zwei­fel, dass es über­haupt zu ei­nem Kampf kom­men wür­de. Da ich kein Sa­mu­rai war, wür­de es der Met­su­ke ver­mut­lich für un­ter sei­ner Wür­de er­ach­ten, sich auf einen Zwei­kampf mit mir ein­zu­las­sen. Ich über­leg­te kurz und frag­te dann:

›Was bin ich denn in sei­nen Au­gen?‹

›Nun, zu­al­ler­erst ein Aus­län­der und dann viel­leicht ein Mönch. Bei­des wäre aber un­ter sei­ner Wür­de.‹

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga gab zu be­den­ken:

›Aber er ist ein kämp­fen­der Mönch. Mei­nem Sohn ge­gen­über habe ich ihn als einen So­hei aus­ge­ge­ben. Viel­leicht wür­de Ya­ma­bus­hi es noch bes­ser tref­fen.‹

Die an­de­ren Sa­mu­rai hat­ten sich bis­her an dem Ge­spräch nicht be­tei­ligt. Ver­mut­lich wur­de Shi­ge­na­ga des­halb auch zu­recht­ge­wie­sen, weil er den Fürs­ten sehr ver­trau­lich an­ge­spro­chen hat­te. Un­ter­wür­fig ver­beug­te er sich vor dem Dai­myo, über­setz­te mir aber auf des­sen Be­fehl hin sei­nen Ein­wurf.

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