Kitabı oku: «Traum oder wahres Leben», sayfa 8
In seinen zornigen Blick mischte sich langsam achtungsvolles Staunen. Ohne in seiner Aufmerksamkeit nachzulassen, schaute er auf sein rechtes Handgelenk. Sobald er seinen Arm seitlich oder mit dem Handrücken nach unten hielt, rutschte der Hand- und Unterarmschutz weg, da er nur noch unterhalb des Ellenbogens gehalten wurde. Das Handgelenk war in diesem Augenblick ungeschützt und die Bewegungsfreiheit behindert. Schnell kamen seine nächsten Angriffe. Bei einem trug ich eine kleine Schnittwunde am Unterarm davon, bei anderen wurde meine Kleidung wieder in Mitleidenschaft gezogen. Doch fast jedes Mal konnte ich einen Gegenangriff ausführen, und nach einiger Zeit stand er in einer Rüstung vor mir, die ihn mehr behinderte als schützte. Der linke Schienbein- und Wadenschutz, der nur noch unten befestigt war, hing lose an seinem Bein und brachte ihn bei manchen Bewegungen fast zu Fall. Die rechte Reisstrohsandale hatte sich gelöst, so dass er auf der Socke stand. Bei diesem Schnitt hatte er auch die einzige Verletzung davontragen müssen, eine kleine Wunde auf dem Oberfuß. Der rechte Schulter- und Oberarmschutz war nur noch vorn befestigt und schlug in bestimmten Situationen vor sein Gesicht.
Als er sich noch einmal eine Blöße auf der rechten Seite gab, konnte ich die untere Verschnürung des Kürass durchtrennen. Den effektivsten Schaden richtete aber mein letzter Gegenangriff an. Es war mir gelungen, die Schnur zu durchtrennen, mit der der Helm unter dem Kinn befestigte war, so dass er nur noch von dem Haarzopf gehalten wurde, der durch das Loch in der Mitte des Helms gezogen war. Er rutschte immer wieder ins Gesicht, und die Halbmaske verdeckte die Augen. Wenn er die nicht getragen hätte, hätte ich diesen Schnitt nicht gewagt, denn eine Verletzung des Gesichtes wollte ich auf keinen Fall provozieren. Doch da die Schnur über die Halbmaske gezogen war, hatte ich nur auf dieser einen starken Kratzer hinterlassen.
Schwer atmend stand er vor mir. Ihm war mit Sicherheit klar, dass er aus diesem Duell nicht mehr siegreich hervorgehen konnte, aber eingestehen wollte er es nicht. Um ihm die Entscheidung abzunehmen, trat ich drei Schritte zurück, senkte das Schwert und neigte den Kopf.
Es war für ihn ein Dilemma, denn er hatte mich züchtigen wollen, weil ich es ihm gegenüber an Respekt hatte fehlen lassen und nun war ihm die nächste Schmach zugefügt worden. Er, ein Meister des Schwertkampfes, musste sich eingestehen, dass meine Angriffe auch andere Folgen hätten haben können. Wenn er sich jetzt geschlagen gab, war seine Ehre noch mehr befleckt.
Doch nun tat Date Masamune, was wir vorher abgesprochen hatten. Er wandte sich mit der Bitte, etwas sagen zu dürfen, an den Shogun. Nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, stand er auf, trat an Sanada Masanori heran und sagte so laut, dass alle es hören konnten:
›Metsuke Sanada Masanori, es ist keine Schande, diesem Mann unterlegen zu sein. Er ist ein Großmeister der chinesischen Yamabushi und in vielen Kampfarten bewandert. Er hat mir und meinen Dienern das Leben gerettet, und ich bin ihm verpflichtet, weshalb ich ihn in unser Land einlud. Leider haben ich und auch Katakura Shigenaga versagt, denn wir haben ihn nicht genügend mit unseren Sitten und Gebräuchen vertraut gemacht. Also trifft uns die Schuld an seinem unhöflichen Verhalten. Wir müssten dir Genugtuung geben, doch das verweigerte er uns. Bei einem Gespräch vor diesem Kampf teilte er mir mit, wie sehr er sein Fehlverhalten bedauert und dass er nichts sehnlicher wünscht, als diese Schmach zu tilgen.‹
Er wandte sich kurz mir zu und gab mir damit ein verabredetes Zeichen.
›Wenngleich es seine Ehre nicht zulässt, sich schwächer zu zeigen, als er ist, wird er sich deiner Gnade oder Ungnade unterwerfen.‹
Bei diesen Worten hatte ich mich auf mein linkes Knie herabgelassen, das Schwert neben mein angewinkeltes rechtes Bein auf den Boden gelegt und meinen Kopf gesenkt. In dieser Stellung wartete ich auf seine Entscheidung, denn der Daimyo meinte, er könne nichts anderes mehr tun, als die Sache friedlich beizulegen. Da der Fürst indes nichts dem Zufall überlassen wollte, hatte er noch ein paar Fäden gezogen.
Die Entscheidung fiel dem Metsuke nicht leicht, denn er empfand es als beschämend, einem wie mir so offensichtlich unterlegen zu sein. Auf der anderen Seite wäre es nicht mehr ehrenvoll gewesen, mich in dieser Situation zu züchtigen. Die Zeit verrann, und unschlüssig schaute er auf mich herab. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, dass sich Tokugawa Hidetada zu seinem Sohn hinüberbeugte und ihm etwas zuraunte. Unwillig sah der Shogun seinen Vater an, erhob sich jedoch und forderte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden.
Es waren nur wenige Sätze, die er sprach, doch in seiner Stimme lag etwas Bestimmendes. Als er geendet hatte, schaute er fragend zu dem Metsuke. Der verneigte sich tief vor ihm, drehte sich um, kam auf mich zu und forderte mich mit einer Geste zum Aufstehen auf. Als ich mich langsam, das Schwert liegenlassend, erhoben hatte, schaute er sich kurz um und rief Katakura Shigenaga heran, mit dem er ein paar Worte wechselte, die Shigenaga übersetzte:
›Sanada Masanori hat mich gefragt, ob du verstanden hast, was der Shogun gesagt hat?‹
›Nein.‹
›Das sagte ich ihm auch schon, da du erst einige wenige Worte unserer Sprache verstehst. Deshalb soll ich dir das Gesagte übersetzen.‹
Er machte eine kurze Pause und verneigte sich leicht in Richtung des Shogun.
›Tokugawa Iemitsu hat den Metsuke aufgefordert, die Streitigkeiten mit dir beizulegen. Er sagte, für ihn sehe es so aus, als würde deine vermeintliche Unhöflichkeit auf zwei Missverständnissen beruhen. Zum einen, weil Sanada Masanori annahm, dass du mit unseren Umgangsformen vertraut seist, und zum anderen, weil du nach deinem äußeren Erscheinungsbild anscheinend im Rang weit unter ihm stehst. Natürlich schützt Unwissenheit nicht vor Strafe. Da du aber ein Gast von Date Masamune bist und er die Verantwortung übernommen hat, wünscht er eine friedliche Beilegung des Konflikts. Außerdem wurde ihm berichtet, du seist so etwas wie ein General.‹
Erstaunt zog ich die Brauen hoch, doch Shigenaga gab mir mit den Augen einen Wink und fuhr fort:
›Was ja bedeuten würde, dass ihr beide in etwa den gleichen Rang habt, weshalb die Höflichkeitsformen deinerseits gar nicht so hätten ausfallen müssen, wie er es erwartet hatte.‹
Er deutete nun auf meinen Gegner und übersetzte, was dieser dazu gesagt hatte.
›Sanada Masanori hat erkannt, dass du ein großer Bushi bist, und er ist sehr beeindruckt von deinen Fähigkeiten. Aus diesem Grund und natürlich weil der Shogun es so wünscht, wird er damit diese unglückliche Begegnung als vergessen betrachten. Doch er stellt eine Bedingung!‹
Katakura Shigenaga holte tief Luft und sah mir unsicher in die Augen.
›Er möchte mehr über deine Art zu kämpfen erfahren. Aus diesem Grund wünscht er, dass weitere Treffen stattfinden, in denen du ihn unterweist.‹
Das gefiel mir nicht so sehr, denn ich wusste ja nicht, was daraus entstehen würde. Andererseits war es in diesem Moment kaum möglich, abzulehnen, ohne ihn schon wieder zu beleidigen. Deshalb versuchte ich es mit einem Kompromiss.
›Ich werde seinem Wunsch natürlich nachkommen, doch der Metsuke sollte eins bedenken. Um den Stand der Kampffertigkeiten zu erreichen, den ich jetzt habe, musste ich acht Jahre lang täglich von morgens bis abends trainieren. Es gab in dieser Zeit nur wenige Tage, an denen das Training ausfiel, und viele andere erreichen diesen Stand nie oder erst nach vielen Jahren.‹
Shigenaga übersetzte synchron, was ich gesagt hatte, und ich konnte beobachten, wie sich die Miene von Masanori wandelte, erst ins Ärgerliche, dann ins Interessierte und schließlich in ein Lächeln.
›Ich merke schon, es gibt viel zu erfahren und zu lernen, auch wenn ich Ihre Kampffertigkeit vielleicht niemals erlange.‹
In seiner Miene war der Schalk nicht zu übersehen, also hatte er meine Taktik durchschaut.
›Ich freue mich auf die Treffen mit ... Oh, ich kenne ja noch nicht einmal den Namen meines neuen Freundes. Wie darf ich Sie denn nennen?‹
›In Shaolin nannte man mich Gü Man und später als Meister Xu Shen Po.‹
Er lachte kurz auf, bückte sich, hob das chinesische Schwert auf und prüfte die Klinge.
›Nun denn, Xu Shen Po! Denn der andere Name wäre eine Beleidigung.‹
Bei diesen Worten hielt er mir das Schwert mit Heft entgegen, doch als ich zugreifen wollte, zog er es wieder etwas zurück.
›Aber bitte vorsichtig, denn aus Erfahrung weiß ich, dass die Schneide recht scharf ist.‹
Ich nahm es entgegen und stellte es mit der Spitze auf den Boden.
›Ich wünschte, es wäre nie geschehen‹, dabei neigte ich leicht den Kopf.
›Oh, nein, nein. Es ist gut so, denn ich merke, dass diese Begegnung eine Bereicherung für mich sein wird. Es wäre nur besser, wenn auch alle anderen Sie als das erkennen könnten, was Sie sind, und Sie nicht wegen ihres Äußeren für einen Chonin halten.‹
Jetzt mischte sich Date Masamune, der immer noch neben uns stand, ins Gespräch.
›Das soll auch geschehen, doch leider geht es nicht so schnell, wie ich es wünschte. Zum einen möchte ich, da er ja kein Einheimischer ist, die Erlaubnis unseres Herrn einholen‹, er nickte mit dem Kopf in Richtung Shogun. ›Und es ist auch noch zu klären, welche Familie ihn aufnimmt. Ich habe zwar schon einige in der engeren Wahl, doch ich muss erst mit deren Familienoberhäuptern sprechen.‹
Als Shigenaga das übersetzte, horchte ich auf und schaute ihn verblüfft an.
›Nicht jetzt. Der Fürst wollte und wird es dir erklären. Er ....‹
Tokugawa Iemitsu unterbrach unser Gespräch und forderte den Daimyo auf, ihm zu folgen. Date Masamune kam der Aufforderung sofort nach, denn der Shogun hatte sich schon erhoben. Tokugawa Hidetada und zwei weitere hohe Beamte schlossen sich an. Kaum waren die hohen Herren unseren Blicken entschwunden, wurden wir auch schon aufgefordert, das Burggelände zu verlassen. Mir war es nur recht, hoffte ich doch, noch einmal glimpflich aus dieser Situation herausgekommen zu sein. Zusammen mit Katakura Shigenaga ging ich zurück zum fürstlichen Anwesen. Unterwegs erklärte mir mein Dolmetscher alles, was ich nicht verstanden hatte. Dabei wurde mir bewusst, dass ich die Sprache so schnell wie möglich erlernen musste, um nicht noch einmal in derlei Schwierigkeiten zu geraten.«
Ninja und Kazuko
»Die nächsten Tage verliefen recht ruhig, und ich füllte sie mit Training und Meditation. Date Masamune wirkte auch sehr zufrieden, denn das letzte Gespräch mit dem Shogun war seinen Wünschen entsprechend verlaufen. Es hatte keinerlei Kritik mehr wegen der Reise nach Shaolin gegeben. Im Gegenteil, er wurde sogar für diese Entscheidung gelobt und sollte, wenn neue Erkenntnisse bekannt wurden, sofort mit dem Shogun Kontakt aufnehmen. Auch die Entscheidung, mich in einer der Samurai-Familien zu integrieren, wurde in diesem Zusammenhang gutgeheißen. Aber erst nach einem längeren Gespräch mit dem Fürsten verstand ich, was und warum dies geschehen sollte.
Ein dem Daimyo treu ergebener Clan sollte mich adoptieren. Dadurch wäre ich nach geltendem Recht kein Ausländer mehr und könnte auch in den Kriegeradel aufsteigen. Das wiederum würde mir das Recht geben, Schwerter zu tragen und einen ungezwungenen Kontakt zu den anderen Samurai zu pflegen, die ständig mit Date Masamune zu tun hatten.
Zum Leidwesen des Fürsten konnte dies erst in Sendai geschehen, da das Clanoberhaupt der adoptierenden Familie zustimmen musste. Weil sich keiner der in Frage kommenden Männer in Edo aufhielt, musste Masamune warten, bis er wieder in sein Lehen reisen konnte. Der Shogun hatte die Erlaubnis noch nicht erteilt, aber angedeutet, dass dies bald geschehen würde. In den nächsten Tagen sollten noch einige Gespräche im Beisein wichtiger Ratgeber geführt und das weitere Verhalten zu China festgelegt werden. Date Masamune musste, da seine Reise nach China viele wichtige Informationen erbracht hatte, daran teilnehmen. Er beauftragte Katakura Shigenaga, mich in der Zwischenzeit über alles zu informieren, was eine Adoption mit sich brachte. In diesem Zusammenhang erfuhr ich viel über das Land.
Er klärte mich über die Rechte und Pflichten eines Samurai auf und erwähnte im Verlauf des Gespräches wieder einmal einen Europäer.
›Die meisten Pflichten, die ein einfacher Bushi seinem Herrn gegenüber hat, werden für dich nicht in Frage kommen, denn Date Masamune will dich zu einem seiner Hatamoto machen.‹
Dabei schaute er mich an, als erwarte er eine besondere Reaktion von mir, weshalb ich ihn fragte:
›Was ist ein Hatamoto?‹
Er nickte verständnisvoll.
›Es ist eine große Ehre für dich, denn ein Hatamoto ist ein Bannerträger, ein persönlicher Vertrauter seines Herrn. Diese Männer nehmen eine besondere Stellung ein und sind nur ihrem Herrn verpflichtet. Das bedeutet, wenn du diese Stellung hast, habe ich dir nichts mehr zu sagen. Du stehst dann im Rang sogar über mir. Welche Aufgabe du haben wirst, ist dir ja bekannt, und dafür wirst du vom Fürsten entlohnt.‹
Ich schaute nachdenklich auf meine Hände und schwieg. Bei meiner Einwilligung, den Daimyo zu begleiten, hatte ich keine direkte Vorstellung von meinem weiteren Leben gehabt. Nun sollte ich ein Samurai und Hatamoto des Fürsten werden. Das war für mich eine ungewöhnliche Zukunftsvorstellung. Andererseits war ich wieder vor eine Aufgabe gestellt, was ja meinen Wünschen entsprach. Aber es gab so viele Regeln und Zwänge, dass mir doch etwas Angst wurde, dem Ganzen gewachsen zu sein.
Shigenaga, der ein guter Beobachter war, hatte meine Gedanken erraten.
›Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, dass der Fürst von dir Dinge erwartet, die du nicht erfüllen kannst. Du hast ihm in den letzten Tagen schon sehr hilfreiche Ratschläge gegeben, und anderes erwartet er vorläufig nicht von dir. Wichtig ist, dass du unsere Sprache so schnell wie möglich erlernst, aber da bist du ja schon auf dem besten Wege‹, er lachte kurz auf. ›Auch andere Ausländer haben es geschafft, in so eine Position zu kommen, und das sogar sehr erfolgreich beim Shogun.‹
›Es gibt noch andere Ausländer, die Samurai wurden?‹
›Nun, gab, müsste ich sagen, denn dieser ist vor vier Jahren gestorben. Miura Anjin war ein Hatamoto vom Shogun Tokugawa Ieyasu und hat ...‹, Shigenaga verzog das Gesicht leicht. ›Na ja, sagen wir, er hat eine zwiespältige Rolle gespielt.‹
›Der Name klingt aber nicht sehr europäisch?‹
›Es sollte dir eigentlich klar sein, dass er als Samurai unmöglich seinen alten Namen behalten konnte. Da er ein Günstling des Shoguns war, musste ihn keine Familie adoptieren. Tokugawa Ieyasu hat ihn einfach zum Samurai gemacht und ihm den Namen verliehen.‹
›Und wieso hat er eine zwiespältige Rolle gespielt?‹
›Weil wir es zu einem Großteil diesem Mann zu verdanken haben, dass die Tokugawa Shogune den Ausländern und besonders den Christen so ablehnend gegenüberstehen. Miura Anjin war Engländer und hatte kein gutes Verhältnis zu den Portugiesen. Diese waren schon vor seiner Ankunft hier gewesen, und einige der Jesuiten-Priester hatten immer wieder Ärger mit Miura Anjin oder er mit ihnen, das weiß keiner so genau. Aus dem, was er dem Shogun über Portugal, Spanien und den Papst berichtete, entstand der Eindruck, als wollten diese beiden Nationen unser Land zu ihrer Kolonie machen. Die Jesuiten-Pater haben das bestätigt, indem sie sich immer wieder in japanische Angelegenheiten einmischten. Aus diesem Grunde mussten sie das Land verlassen und das Christentum wurde verboten.‹
Er senkte den Blick und schüttelte den Kopf.
›Date Masamune und auch ich halten das nicht für den richtigen Weg, doch wir dürfen das niemals offen zugeben, wenn wir uns und unsere Familien nicht gefährden wollen. Zumal die Berichte von Hasekura Tsunenaga mit zu diesen Entscheidungen geführt haben. Als er von seiner großen Reise, die ihn auch nach Spanien geführt hatte, zurückgekehrt war, hat er vieles bestätigt. Zugleich wurde auch klar, dass die Heimat von Miura Anjin nicht viel besser ist, und nun möchte der Shogun unser Land vor allen äußeren Einflüssen bewahren.‹
Er schaute wieder hoch und mir in die Augen.
›Wir können froh sein, dass du für ihn ein Chinese bist. Auch wenn du kein typisches Aussehen eines solchen hast, hinterfragt er deine Herkunft nicht weiter. Chinesen und die Holländer sind die Einzigen, die bis zu einem gewissen Grade akzeptiert werden.‹
Etwas verlegen fügte er leise hinzu:
›Date Masamune hat mir bei unserem letzten Gespräch gesagt, dass er dich niemals eingeladen hätte, wenn ihm zu diesem Zeitpunkt schon bekannt gewesen wäre, wie schlimm es jetzt in dieser Hinsicht bei uns steht.‹
›Egal, es ist, wie es ist, und wir sollten das Beste daraus machen. Das heißt, ich werde so schnell wie möglich alles lernen, was ich wissen muss, um der neuen Aufgabe gewachsen zu sein. Zunächst muss ich unbedingt wissen, was es bedeutet, wenn ich von einer Samurai-Familie adoptiert werde. Habe ich dann Verpflichtungen ihr gegenüber?‹
›Normalerweise schon, doch der Fürst hat es so geplant, dass diese Verpflichtungen möglichst gering gehalten werden können. Außerdem bildet deine Stellung als Hatamoto eine Art Gegengewicht. Insofern kannst du auch nicht in seine oder meine Familie aufgenommen werden, das würde zu viele Komplikationen mit sich bringen.‹
Shigenagas Tochter brachte uns Tee, füllte jedem seine Schale und verließ uns wieder. Mein Gastgeber überlegte kurz, wo er stehen geblieben war, und teilte mir dann mit, dass der Daimyo mit Ishikawa Munehiro wegen der Aufnahme in dessen Clan verhandeln wolle. Dieser Clan stand sich gut mit der Familie des Shogun, er war außerdem in mehrere Nebenclans zersplittert, und nur einer weilte im Lehen von Date Masamune. Nach Ansicht des Fürsten waren das sehr gute Voraussetzungen für die Adoption.
Unser Gespräch drehte sich noch eine Weile um dieses Thema, doch dann gingen wir langsam zum Sprachunterricht über. Am Abend wurden wir zum Fürsten eingeladen, der uns mitteilte, dass der Metsuke ein Treffen mit mir wünschte. Masamune hatte ihn daraufhin in sein Anwesen eingeladen, was bestimmt nicht in Sanada Masanoris Sinne lag. Doch da alles über Boten gelaufen war, hatte er zugestimmt, am nächsten Tag der Einladung zu folgen. Dieser Besuch drückte auf die Stimmung meiner neuen Freunde. Sie machten sich erhebliche Sorgen, und wiesen mich mehrfach daraufhin, diesen Mann nicht zu unterschätzen.
Da die genaue Ankunftszeit des Metsuke nicht bekannt war, begann ich den nächsten Morgen mit Tai-Chi-Übungen, woran sich ein Krafttraining anschloss, das ohne die Hilfsmittel, die ich in Shaolin zur Verfügung hatte, gar nicht so einfach war. Ich war noch nicht fertig, als der Metsuke eintraf. Ich bat darum, mir den Schweiß abwaschen zu dürfen, um ihm gereinigt gegenüberzutreten. Doch Masanori ließ mir durch Katakura Shigenaga mitteilen, dass er gerne mehr von meinen Kampfkünsten sehen würde und ich deshalb mit dem Training fortfahren solle. Da mir das lieber war als ein Aushorchen, ging ich gerne darauf ein.
Ich begann die Übungen zunächst ohne Waffen, dann mit Stock und schließlich mit dem Schwert. Der Metsuke schaute geduldig und interessiert zu. Nach einiger Zeit ließ er mich durch Shigenaga fragen, ob wir immer allein übten. Ich verneinte, gab aber zu bedenken, dass ich hier keinen Trainingspartner hätte. Daraufhin rief er einen seiner Begleiter zu sich. Dieser war wie ein einfacher Ashigaru gekleidet, trug aber ein Schwertpaar, das dazu nicht so recht zu passen schien. Shigenaga hatte mir erklärt, dass die einfachen Fußsoldaten nicht zu den Samurai zählten. Doch die Kleidung dieses Mannes war nicht die einzige Auffälligkeit an ihm. Seine Ausstrahlung und sein Auftreten waren außergewöhnlich. Ich hatte ihn bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht wahrgenommen, denn er hatte es verstanden, sich immer so im Hintergrund zu halten, dass er nicht auffiel. Als er von Sanada Masanori nach vorn gerufen wurde, schien er wie aus dem Nichts aufzutauchen. Die Ruhe und Gelassenheit, die er ausstrahlte, war bemerkenswert. Und obwohl ich ihn mir genau angeschaut hatte, war ich am Abend nicht mehr in der Lage, seine Gesichtszüge zu beschreiben. Einzig die Augen, die alles zu durchdringen schienen, blieben mir im Gedächtnis.
Masanori ließ mir mitteilen, dieser Mann sei auch ein Yamabushi und beherrsche eine Kampftechnik, die der meinen ähnelte. Ein Übungskampf mit ihm wäre sicher für alle interessant.
Es war offensichtlich, dass er mich auf diese Weise testen wollte, doch ich sah keine Möglichkeit, das abzulehnen. Außerdem nahm ich an, dass es nicht viel anders werden würde wie bei dem Kampf, den ich gegen ihn geführt hatte.
Ich stimmte also zu, und der Yamabushi legte seine Schwerter ab. Anschließend stellte er sich mir gegenüber auf, neigte zur Begrüßung kurz seinen Oberkörper und griff mich dann sofort mit einer schnellen Schlag-Tritt-Kombination an. Dieser Angriff kam so unvermutet, dass ich es fast nicht schaffte, ihn abzuwehren. Nur mit Mühe entging ich einem kräftigen Tritt, der mein rechtes Schlüsselbein hätte brechen können. Zweifellos überschritt das den Rahmen eines Trainingskampfes. Mein Gegner bremste keinen Tritt und keinen Schlag rechtzeitig ab, die Angriffe erfolgten gezielt und mit voller Kraft. Nach dem zweiten Angriff machte Date Masamune Anstalten, den Kampf abzubrechen. Bei einem kurzen Blickkontakt schüttelte ich aber den Kopf, und er sank in seine teilnahmslose Haltung zurück.
Nachdem mir klar geworden war, wie sehr ich diesen Kämpfer unterschätzt hatte, bemühte ich mich um höchste Konzentration. Wie immer in solchen Momenten übergab ich die Führung an mein Chi, versuchte aber auch, die Gedanken meines Gegners zu erkennen. Das Ergebnis brachte mich beinahe wieder aus der Fassung, denn ich bemerkte, dass er das Gleiche tat oder zumindest versuchte. Ich konnte nicht in ihn eindringen, und wie Han Liang Tian es mich gelehrt hatte, verschloss ich meinen Geist, damit es ihm auch nicht bei mir gelang.
Wir hatten in diesem Augenblick beide die gleichen Voraussetzungen, da keiner von uns auf diese Art einen Vorteil für sich erringen konnte. Seine nächsten Angriffe zeigten, dass seine Technik der von Shaolin ähnelte. Sie war zwar etwas ruhiger, aber ihr durchaus ebenbürtig. Ich ging also davon aus, dass ich nur einen Vorteil erringen konnte, wenn ich die Mischung aus Shaolin- und Wudang-Technik einsetzte, was sich beim nächsten Angriff bestätigte.
Er täuschte einen Schlag mit seiner Rechten an, doch ich bemerkte, dass er seinen linken Fuß ein wenig entlastet hatte. Wie ich in diesem Augenblick vermutete, schnellte sein Bein nach oben, um einen Tritt auf meinen ungeschützten rechten Rippenansatz auszuführen. Mit einer leichten Drehung schlug ich mit meinem rechten Arm sein Bein nach oben weg, brachte dabei meinen Oberkörper aus dem Gefahrenbereich, drehte mich weiter und schlug ihm meinen linken Ellenbogen hart in die Seite. Das raubte ihm den Stand, und er schlug hintenüber. Doch blitzschnell war er mit einer Rolle wieder auf den Beinen. Ohne eine erkennbare Reaktion zu zeigen, kam er wieder auf mich zu. Dabei fixierte er mich und versuchte, eine Lücke in meiner Verteidigung zu finden. Nur wenige Augenblicke später erfolgte ein völlig unerwarteter Angriff. Mit seiner Rechten täuschte er einen Schlag an, und als mein Arm zur Abwehr nach oben schnellte, griff er mit seiner linken Hand nach ihm und zog mich über sein platziertes Bein. Ich konnte mich gerade noch abfangen und auf den Rücken rollen, als er schon zu einem Tritt auf meine Brust ansetzte. Im letzten Augenblick warf ich mich herum, stieß mich mit den Händen ab, vollführte eine Drehung und trat ihm in die Kniekehle des Standbeins. Er lag nun ebenfalls am Boden, und ich hatte Zeit, wieder auf die Beine zu kommen.
Was war denn das gewesen? Es erschien mir wie eine Mischung aus Judo und Karate. Mir war es nicht mehr möglich, die Art seiner Angriffe einzuschätzen, und eine Zeit lang beschränkte ich mich auf reine Verteidigung. Nach einer Weile erkannte ich ein bestimmtes Muster in seinen Angriffen und konnte eine entstandene Schwachstelle ausnutzen. Wieder einmal hatte er meinen rechten Arm gegriffen und wollte mich über sein Bein werfen, doch da ich diesen Angriff erwartet hatte, holte ich mit meinem noch freien linken Arm Schwung, warf mich zu Boden und zog ihn hinterher. Das linke Knie hatte ich hochgezogen und rammte es ihm in den Bauch. Geräuschvoll entwich die Luft aus seiner Lunge. Ohne große Anstrengung gelang es mir, ihn auf den Rücken zu befördern. Ein Knie auf seinen Arm, das andere auf seiner Brust, die Fingerknöchel meiner Rechten an seinem Kehlkopf, so endete der Kampf. Einen Wimpernschlag lang konnte ich maßloses Erstaunen in seinen Augen sehen, dann waren sie geschlossen. Es war die einzige Gefühlsregung, die ich in dieser ganzen Zeit an ihm wahrnahm, und sie war so kurz, dass ich mir nicht einmal sicher war, ob ich mich nicht getäuscht hatte.
Ich stand auf und bot ihm die Hand als Hilfe, doch er erhob sich erst, nachdem der Metsuke einige barsche Worte an ihn gerichtet hatte. Ohne auf meine Geste einzugehen, ging er zu seinen Schwertern. Nachdem er sie aufgenommen hatte, gesellte er sich zu den anderen Leibwächtern von Sanada Masanori.
›Sehr beeindruckend! Sie sind der Erste, der aus einem Kampf mit ihm siegreich hervorgegangen ist. Jetzt kann ich sogar meine Niederlage bei unserem Schwertkampf hinnehmen.‹
Katakura Shigenaga übersetzte fliesend, was der Metsuke sagte, doch ich konnte mich kaum auf das folgende Gespräch konzentrieren, weil mich mein Gegner zu sehr beschäftigte.
›Es ging mir nicht darum, diesen Kampf zu gewinnen. Es sollte nur ein Training sein, aber die Angriffe waren anders, als ich es gewohnt bin‹, antwortete ich leicht abwesend.
›Hmm, das liegt sicher an der Art der Übungen. Manche gehen eben härter miteinander um als andere.‹
Er versuchte mir einzureden, dass das Training bei ihnen auf diese Art durchgeführt würde, was ich kaum glauben konnte, denn dann wären Knochenbrüche und andere schwere Verletzungen an der Tagesordnung. Wahrscheinlich wollte er mich mit diesem Mann testen und demütigen.
›Nun, ich ziehe unsere Art des Trainings vor, weil ich dann weiß, dass mir mein Trainingspartner auch am nächsten Tag wieder zur Seite steht.‹
Er lachte kurz auf.
›Aber es gab doch sicherlich nicht nur einen oder zwei, mit denen sie in Shaolin trainierten?‹
Ahh, darauf lief es hinaus, auf Informationen über Shaolin. Ich musste wirklich auf der Hut sein und meine Worte genau wählen.
›Gewiss gab es mehr als einen, doch das Kämpfen mit- und gegeneinander stand nicht im Vordergrund. Anderes nahm mehr Übungszeit in Anspruch.‹
Grrr, was war bloß mit mir los!? Der zweite Satz hätte nicht sein müssen. Irgendwas lenkte mich ab. Was beschäftigte mich nur so sehr, dass ich mich kaum konzentrieren konnte?
Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.
