Kitabı oku: «Traum oder wahres Leben», sayfa 8

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In sei­nen zor­ni­gen Blick misch­te sich lang­sam ach­tungs­vol­les Stau­nen. Ohne in sei­ner Auf­merk­sam­keit nach­zu­las­sen, schau­te er auf sein rech­tes Hand­ge­lenk. So­bald er sei­nen Arm seit­lich oder mit dem Hand­rücken nach un­ten hielt, rutsch­te der Hand- und Un­ter­arm­schutz weg, da er nur noch un­ter­halb des El­len­bo­gens ge­hal­ten wur­de. Das Hand­ge­lenk war in die­sem Au­gen­blick un­ge­schützt und die Be­we­gungs­frei­heit be­hin­dert. Schnell ka­men sei­ne nächs­ten An­grif­fe. Bei ei­nem trug ich eine klei­ne Schnitt­wun­de am Un­ter­arm da­von, bei an­de­ren wur­de mei­ne Klei­dung wie­der in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen. Doch fast je­des Mal konn­te ich einen Ge­gen­an­griff aus­füh­ren, und nach ei­ni­ger Zeit stand er in ei­ner Rüs­tung vor mir, die ihn mehr be­hin­der­te als schütz­te. Der lin­ke Schi­en­bein- und Wa­den­schutz, der nur noch un­ten be­fes­tigt war, hing lose an sei­nem Bein und brach­te ihn bei man­chen Be­we­gun­gen fast zu Fall. Die rech­te Reiss­troh­san­da­le hat­te sich ge­löst, so dass er auf der So­cke stand. Bei die­sem Schnitt hat­te er auch die ein­zi­ge Ver­let­zung da­von­tra­gen müs­sen, eine klei­ne Wun­de auf dem Ober­fuß. Der rech­te Schul­ter- und Ober­arm­schutz war nur noch vorn be­fes­tigt und schlug in be­stimm­ten Si­tua­tio­nen vor sein Ge­sicht.

Als er sich noch ein­mal eine Blö­ße auf der rech­ten Sei­te gab, konn­te ich die un­te­re Ver­schnü­rung des Kü­rass durch­tren­nen. Den ef­fek­tivs­ten Scha­den rich­te­te aber mein letz­ter Ge­gen­an­griff an. Es war mir ge­lun­gen, die Schnur zu durch­tren­nen, mit der der Helm un­ter dem Kinn be­fes­tig­te war, so dass er nur noch von dem Haar­zopf ge­hal­ten wur­de, der durch das Loch in der Mit­te des Helms ge­zo­gen war. Er rutsch­te im­mer wie­der ins Ge­sicht, und die Halb­mas­ke ver­deck­te die Au­gen. Wenn er die nicht ge­tra­gen hät­te, hät­te ich die­sen Schnitt nicht ge­wagt, denn eine Ver­let­zung des Ge­sich­tes woll­te ich auf kei­nen Fall pro­vo­zie­ren. Doch da die Schnur über die Halb­mas­ke ge­zo­gen war, hat­te ich nur auf die­ser einen star­ken Krat­zer hin­ter­las­sen.

Schwer at­mend stand er vor mir. Ihm war mit Si­cher­heit klar, dass er aus die­sem Du­ell nicht mehr sieg­reich her­vor­ge­hen konn­te, aber ein­ge­ste­hen woll­te er es nicht. Um ihm die Ent­schei­dung ab­zu­neh­men, trat ich drei Schrit­te zu­rück, senk­te das Schwert und neig­te den Kopf.

Es war für ihn ein Di­lem­ma, denn er hat­te mich züch­ti­gen wol­len, weil ich es ihm ge­gen­über an Re­spekt hat­te feh­len las­sen und nun war ihm die nächs­te Schmach zu­ge­fügt wor­den. Er, ein Meis­ter des Schwert­kamp­fes, muss­te sich ein­ge­ste­hen, dass mei­ne An­grif­fe auch an­de­re Fol­gen hät­ten ha­ben kön­nen. Wenn er sich jetzt ge­schla­gen gab, war sei­ne Ehre noch mehr be­fleckt.

Doch nun tat Date Ma­sa­mu­ne, was wir vor­her ab­ge­spro­chen hat­ten. Er wand­te sich mit der Bit­te, et­was sa­gen zu dür­fen, an den Sho­gun. Nach­dem er die Er­laub­nis er­hal­ten hat­te, stand er auf, trat an Sa­na­da Ma­sa­no­ri he­r­an und sag­te so laut, dass alle es hö­ren konn­ten:

›Met­su­ke Sa­na­da Ma­sa­no­ri, es ist kei­ne Schan­de, die­sem Mann un­ter­le­gen zu sein. Er ist ein Groß­meis­ter der chi­ne­si­schen Ya­ma­bus­hi und in vie­len Kampf­ar­ten be­wan­dert. Er hat mir und mei­nen Die­nern das Le­ben ge­ret­tet, und ich bin ihm ver­pflich­tet, wes­halb ich ihn in un­ser Land ein­lud. Lei­der ha­ben ich und auch Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga ver­sagt, denn wir ha­ben ihn nicht ge­nü­gend mit un­se­ren Sit­ten und Ge­bräu­chen ver­traut ge­macht. Also trifft uns die Schuld an sei­nem un­höf­li­chen Ver­hal­ten. Wir müss­ten dir Ge­nug­tu­ung ge­ben, doch das ver­wei­ger­te er uns. Bei ei­nem Ge­spräch vor die­sem Kampf teil­te er mir mit, wie sehr er sein Fehl­ver­hal­ten be­dau­ert und dass er nichts sehn­li­cher wünscht, als die­se Schmach zu til­gen.‹

Er wand­te sich kurz mir zu und gab mir da­mit ein ver­ab­re­de­tes Zei­chen.

›Wenn­gleich es sei­ne Ehre nicht zu­lässt, sich schwä­cher zu zei­gen, als er ist, wird er sich dei­ner Gna­de oder Un­gna­de un­ter­wer­fen.‹

Bei die­sen Wor­ten hat­te ich mich auf mein lin­kes Knie her­ab­ge­las­sen, das Schwert ne­ben mein an­ge­win­kel­tes rech­tes Bein auf den Bo­den ge­legt und mei­nen Kopf ge­senkt. In die­ser Stel­lung war­te­te ich auf sei­ne Ent­schei­dung, denn der Dai­myo mein­te, er kön­ne nichts an­de­res mehr tun, als die Sa­che fried­lich bei­zu­le­gen. Da der Fürst in­des nichts dem Zu­fall über­las­sen woll­te, hat­te er noch ein paar Fä­den ge­zo­gen.

Die Ent­schei­dung fiel dem Met­su­ke nicht leicht, denn er emp­fand es als be­schä­mend, ei­nem wie mir so of­fen­sicht­lich un­ter­le­gen zu sein. Auf der an­de­ren Sei­te wäre es nicht mehr eh­ren­voll ge­we­sen, mich in die­ser Si­tua­ti­on zu züch­ti­gen. Die Zeit ver­rann, und un­schlüs­sig schau­te er auf mich her­ab. Aus den Au­gen­win­keln konn­te ich se­hen, dass sich To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da zu sei­nem Sohn hin­über­beug­te und ihm et­was zu­raun­te. Un­wil­lig sah der Sho­gun sei­nen Va­ter an, er­hob sich je­doch und for­der­te die Auf­merk­sam­keit al­ler An­we­sen­den.

Es wa­ren nur we­ni­ge Sät­ze, die er sprach, doch in sei­ner Stim­me lag et­was Be­stim­men­des. Als er ge­en­det hat­te, schau­te er fra­gend zu dem Met­su­ke. Der ver­neig­te sich tief vor ihm, dreh­te sich um, kam auf mich zu und for­der­te mich mit ei­ner Ges­te zum Auf­ste­hen auf. Als ich mich lang­sam, das Schwert lie­gen­las­send, er­ho­ben hat­te, schau­te er sich kurz um und rief Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga he­r­an, mit dem er ein paar Wor­te wech­sel­te, die Shi­ge­na­ga über­setz­te:

›Sa­na­da Ma­sa­no­ri hat mich ge­fragt, ob du ver­stan­den hast, was der Sho­gun ge­sagt hat?‹

›Nein.‹

›Das sag­te ich ihm auch schon, da du erst ei­ni­ge we­ni­ge Wor­te un­se­rer Spra­che ver­stehst. Des­halb soll ich dir das Ge­sag­te über­set­zen.‹

Er mach­te eine kur­ze Pau­se und ver­neig­te sich leicht in Rich­tung des Sho­gun.

›To­ku­ga­wa Ie­mit­su hat den Met­su­ke auf­ge­for­dert, die Strei­tig­kei­ten mit dir bei­zu­le­gen. Er sag­te, für ihn sehe es so aus, als wür­de dei­ne ver­meint­li­che Un­höf­lich­keit auf zwei Miss­ver­ständ­nis­sen be­ru­hen. Zum einen, weil Sa­na­da Ma­sa­no­ri an­nahm, dass du mit un­se­ren Um­gangs­for­men ver­traut seist, und zum an­de­ren, weil du nach dei­nem äu­ße­ren Er­schei­nungs­bild an­schei­nend im Rang weit un­ter ihm stehst. Na­tür­lich schützt Un­wis­sen­heit nicht vor Stra­fe. Da du aber ein Gast von Date Ma­sa­mu­ne bist und er die Ver­ant­wor­tung über­nom­men hat, wünscht er eine fried­li­che Bei­le­gung des Kon­flikts. Au­ßer­dem wur­de ihm be­rich­tet, du seist so et­was wie ein Ge­ne­ral.‹

Er­staunt zog ich die Brau­en hoch, doch Shi­ge­na­ga gab mir mit den Au­gen einen Wink und fuhr fort:

›Was ja be­deu­ten wür­de, dass ihr bei­de in etwa den glei­chen Rang habt, wes­halb die Höf­lich­keits­for­men dei­ner­seits gar nicht so hät­ten aus­fal­len müs­sen, wie er es er­war­tet hat­te.‹

Er deu­te­te nun auf mei­nen Geg­ner und über­setz­te, was die­ser dazu ge­sagt hat­te.

›Sa­na­da Ma­sa­no­ri hat er­kannt, dass du ein großer Bus­hi bist, und er ist sehr be­ein­druckt von dei­nen Fä­hig­kei­ten. Aus die­sem Grund und na­tür­lich weil der Sho­gun es so wünscht, wird er da­mit die­se un­glück­li­che Be­geg­nung als ver­ges­sen be­trach­ten. Doch er stellt eine Be­din­gung!‹

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga hol­te tief Luft und sah mir un­si­cher in die Au­gen.

›Er möch­te mehr über dei­ne Art zu kämp­fen er­fah­ren. Aus die­sem Grund wünscht er, dass wei­te­re Tref­fen statt­fin­den, in de­nen du ihn un­ter­weist.‹

Das ge­fiel mir nicht so sehr, denn ich wuss­te ja nicht, was dar­aus ent­ste­hen wür­de. An­de­rer­seits war es in die­sem Mo­ment kaum mög­lich, ab­zu­leh­nen, ohne ihn schon wie­der zu be­lei­di­gen. Des­halb ver­such­te ich es mit ei­nem Kom­pro­miss.

›Ich wer­de sei­nem Wunsch na­tür­lich nach­kom­men, doch der Met­su­ke soll­te eins be­den­ken. Um den Stand der Kampf­fer­tig­kei­ten zu er­rei­chen, den ich jetzt habe, muss­te ich acht Jah­re lang täg­lich von mor­gens bis abends trai­nie­ren. Es gab in die­ser Zeit nur we­ni­ge Tage, an de­nen das Trai­ning aus­fiel, und vie­le an­de­re er­rei­chen die­sen Stand nie oder erst nach vie­len Jah­ren.‹

Shi­ge­na­ga über­setz­te syn­chron, was ich ge­sagt hat­te, und ich konn­te be­ob­ach­ten, wie sich die Mie­ne von Ma­sa­no­ri wan­del­te, erst ins Är­ger­li­che, dann ins In­ter­es­sier­te und schließ­lich in ein Lä­cheln.

›Ich mer­ke schon, es gibt viel zu er­fah­ren und zu ler­nen, auch wenn ich Ihre Kampf­fer­tig­keit viel­leicht nie­mals er­lan­ge.‹

In sei­ner Mie­ne war der Schalk nicht zu über­se­hen, also hat­te er mei­ne Tak­tik durch­schaut.

›Ich freue mich auf die Tref­fen mit ... Oh, ich ken­ne ja noch nicht ein­mal den Na­men mei­nes neu­en Freun­des. Wie darf ich Sie denn nen­nen?‹

›In Shao­lin nann­te man mich Gü Man und spä­ter als Meis­ter Xu Shen Po.‹

Er lach­te kurz auf, bück­te sich, hob das chi­ne­si­sche Schwert auf und prüf­te die Klin­ge.

›Nun denn, Xu Shen Po! Denn der an­de­re Name wäre eine Be­lei­di­gung.‹

Bei die­sen Wor­ten hielt er mir das Schwert mit Heft ent­ge­gen, doch als ich zu­grei­fen woll­te, zog er es wie­der et­was zu­rück.

›Aber bit­te vor­sich­tig, denn aus Er­fah­rung weiß ich, dass die Schnei­de recht scharf ist.‹

Ich nahm es ent­ge­gen und stell­te es mit der Spit­ze auf den Bo­den.

›Ich wünsch­te, es wäre nie ge­sche­hen‹, da­bei neig­te ich leicht den Kopf.

›Oh, nein, nein. Es ist gut so, denn ich mer­ke, dass die­se Be­geg­nung eine Be­rei­che­rung für mich sein wird. Es wäre nur bes­ser, wenn auch alle an­de­ren Sie als das er­ken­nen könn­ten, was Sie sind, und Sie nicht we­gen ih­res Äu­ße­ren für einen Cho­nin hal­ten.‹

Jetzt misch­te sich Date Ma­sa­mu­ne, der im­mer noch ne­ben uns stand, ins Ge­spräch.

›Das soll auch ge­sche­hen, doch lei­der geht es nicht so schnell, wie ich es wünsch­te. Zum einen möch­te ich, da er ja kein Ein­hei­mi­scher ist, die Er­laub­nis un­se­res Herrn ein­ho­len‹, er nick­te mit dem Kopf in Rich­tung Sho­gun. ›Und es ist auch noch zu klä­ren, wel­che Fa­mi­lie ihn auf­nimmt. Ich habe zwar schon ei­ni­ge in der en­ge­ren Wahl, doch ich muss erst mit de­ren Fa­mi­li­eno­ber­häup­tern spre­chen.‹

Als Shi­ge­na­ga das über­setz­te, horch­te ich auf und schau­te ihn ver­blüfft an.

›Nicht jetzt. Der Fürst woll­te und wird es dir er­klä­ren. Er ....‹

To­ku­ga­wa Ie­mit­su un­ter­brach un­ser Ge­spräch und for­der­te den Dai­myo auf, ihm zu fol­gen. Date Ma­sa­mu­ne kam der Auf­for­de­rung so­fort nach, denn der Sho­gun hat­te sich schon er­ho­ben. To­ku­ga­wa Hi­de­ta­da und zwei wei­te­re hohe Be­am­te schlos­sen sich an. Kaum wa­ren die ho­hen Her­ren un­se­ren Bli­cken ent­schwun­den, wur­den wir auch schon auf­ge­for­dert, das Burg­ge­län­de zu ver­las­sen. Mir war es nur recht, hoff­te ich doch, noch ein­mal glimpf­lich aus die­ser Si­tua­ti­on he­r­aus­ge­kom­men zu sein. Zu­sam­men mit Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga ging ich zu­rück zum fürst­li­chen An­we­sen. Un­ter­wegs er­klär­te mir mein Dol­met­scher al­les, was ich nicht ver­stan­den hat­te. Da­bei wur­de mir be­wusst, dass ich die Spra­che so schnell wie mög­lich er­ler­nen muss­te, um nicht noch ein­mal in der­lei Schwie­rig­kei­ten zu ge­ra­ten.«

Nin­ja und Ka­zu­ko

»Die nächs­ten Tage ver­lie­fen recht ru­hig, und ich füll­te sie mit Trai­ning und Me­di­ta­ti­on. Date Ma­sa­mu­ne wirk­te auch sehr zu­frie­den, denn das letz­te Ge­spräch mit dem Sho­gun war sei­nen Wün­schen ent­spre­chend ver­lau­fen. Es hat­te kei­ner­lei Kri­tik mehr we­gen der Rei­se nach Shao­lin ge­ge­ben. Im Ge­gen­teil, er wur­de so­gar für die­se Ent­schei­dung ge­lobt und soll­te, wenn neue Er­kennt­nis­se be­kannt wur­den, so­fort mit dem Sho­gun Kon­takt auf­neh­men. Auch die Ent­schei­dung, mich in ei­ner der Sa­mu­rai-Fa­mi­li­en zu in­te­grie­ren, wur­de in die­sem Zu­sam­men­hang gut­ge­hei­ßen. Aber erst nach ei­nem län­ge­ren Ge­spräch mit dem Fürs­ten ver­stand ich, was und warum dies ge­sche­hen soll­te.

Ein dem Dai­myo treu er­ge­be­ner Clan soll­te mich ad­op­tie­ren. Da­durch wäre ich nach gel­ten­dem Recht kein Aus­län­der mehr und könn­te auch in den Krie­gera­del auf­stei­gen. Das wie­der­um wür­de mir das Recht ge­ben, Schwer­ter zu tra­gen und einen un­ge­zwun­ge­nen Kon­takt zu den an­de­ren Sa­mu­rai zu pfle­gen, die stän­dig mit Date Ma­sa­mu­ne zu tun hat­ten.

Zum Leid­we­sen des Fürs­ten konn­te dies erst in Sen­dai ge­sche­hen, da das Cla­no­ber­haupt der ad­op­tie­ren­den Fa­mi­lie zu­stim­men muss­te. Weil sich kei­ner der in Fra­ge kom­men­den Män­ner in Edo auf­hielt, muss­te Ma­sa­mu­ne war­ten, bis er wie­der in sein Le­hen rei­sen konn­te. Der Sho­gun hat­te die Er­laub­nis noch nicht er­teilt, aber an­ge­deu­tet, dass dies bald ge­sche­hen wür­de. In den nächs­ten Ta­gen soll­ten noch ei­ni­ge Ge­sprä­che im Bei­sein wich­ti­ger Rat­ge­ber ge­führt und das wei­te­re Ver­hal­ten zu Chi­na fest­ge­legt wer­den. Date Ma­sa­mu­ne muss­te, da sei­ne Rei­se nach Chi­na vie­le wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen er­bracht hat­te, dar­an teil­neh­men. Er be­auf­trag­te Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga, mich in der Zwi­schen­zeit über al­les zu in­for­mie­ren, was eine Ad­op­ti­on mit sich brach­te. In die­sem Zu­sam­men­hang er­fuhr ich viel über das Land.

Er klär­te mich über die Rech­te und Pflich­ten ei­nes Sa­mu­rai auf und er­wähn­te im Ver­lauf des Ge­sprä­ches wie­der ein­mal einen Eu­ro­pä­er.

›Die meis­ten Pflich­ten, die ein ein­fa­cher Bus­hi sei­nem Herrn ge­gen­über hat, wer­den für dich nicht in Fra­ge kom­men, denn Date Ma­sa­mu­ne will dich zu ei­nem sei­ner Ha­ta­mo­to ma­chen.‹

Da­bei schau­te er mich an, als er­war­te er eine be­son­de­re Re­ak­ti­on von mir, wes­halb ich ihn frag­te:

›Was ist ein Ha­ta­mo­to?‹

Er nick­te ver­ständ­nis­voll.

›Es ist eine große Ehre für dich, denn ein Ha­ta­mo­to ist ein Ban­ner­trä­ger, ein per­sön­li­cher Ver­trau­ter sei­nes Herrn. Die­se Män­ner neh­men eine be­son­de­re Stel­lung ein und sind nur ih­rem Herrn ver­pflich­tet. Das be­deu­tet, wenn du die­se Stel­lung hast, habe ich dir nichts mehr zu sa­gen. Du stehst dann im Rang so­gar über mir. Wel­che Auf­ga­be du ha­ben wirst, ist dir ja be­kannt, und da­für wirst du vom Fürs­ten ent­lohnt.‹

Ich schau­te nach­denk­lich auf mei­ne Hän­de und schwieg. Bei mei­ner Ein­wil­li­gung, den Dai­myo zu be­glei­ten, hat­te ich kei­ne di­rek­te Vor­stel­lung von mei­nem wei­te­ren Le­ben ge­habt. Nun soll­te ich ein Sa­mu­rai und Ha­ta­mo­to des Fürs­ten wer­den. Das war für mich eine un­ge­wöhn­li­che Zu­kunfts­vor­stel­lung. An­de­rer­seits war ich wie­der vor eine Auf­ga­be ge­stellt, was ja mei­nen Wün­schen ent­sprach. Aber es gab so vie­le Re­geln und Zwän­ge, dass mir doch et­was Angst wur­de, dem Gan­zen ge­wach­sen zu sein.

Shi­ge­na­ga, der ein gu­ter Be­ob­ach­ter war, hat­te mei­ne Ge­dan­ken er­ra­ten.

›Du brauchst dir kei­ne Sor­gen zu ma­chen, dass der Fürst von dir Din­ge er­war­tet, die du nicht er­fül­len kannst. Du hast ihm in den letz­ten Ta­gen schon sehr hilf­rei­che Ratschlä­ge ge­ge­ben, und an­de­res er­war­tet er vor­läu­fig nicht von dir. Wich­tig ist, dass du un­se­re Spra­che so schnell wie mög­lich er­l­ernst, aber da bist du ja schon auf dem bes­ten Wege‹, er lach­te kurz auf. ›Auch an­de­re Aus­län­der ha­ben es ge­schafft, in so eine Po­si­ti­on zu kom­men, und das so­gar sehr er­folg­reich beim Sho­gun.‹

›Es gibt noch an­de­re Aus­län­der, die Sa­mu­rai wur­den?‹

›Nun, gab, müss­te ich sa­gen, denn die­ser ist vor vier Jah­ren ge­stor­ben. Mi­ura Anjin war ein Ha­ta­mo­to vom Sho­gun To­ku­ga­wa Ieya­su und hat ...‹, Shi­ge­na­ga ver­zog das Ge­sicht leicht. ›Na ja, sa­gen wir, er hat eine zwie­späl­ti­ge Rol­le ge­spielt.‹

›Der Name klingt aber nicht sehr eu­ro­pä­isch?‹

›Es soll­te dir ei­gent­lich klar sein, dass er als Sa­mu­rai un­mög­lich sei­nen al­ten Na­men be­hal­ten konn­te. Da er ein Günst­ling des Sho­guns war, muss­te ihn kei­ne Fa­mi­lie ad­op­tie­ren. To­ku­ga­wa Ieya­su hat ihn ein­fach zum Sa­mu­rai ge­macht und ihm den Na­men ver­lie­hen.‹

›Und wie­so hat er eine zwie­späl­ti­ge Rol­le ge­spielt?‹

›Weil wir es zu ei­nem Groß­teil die­sem Mann zu ver­dan­ken ha­ben, dass die To­ku­ga­wa Sho­gu­ne den Aus­län­dern und be­son­ders den Chris­ten so ab­leh­nend ge­gen­über­ste­hen. Mi­ura Anjin war Eng­län­der und hat­te kein gu­tes Ver­hält­nis zu den Por­tu­gie­sen. Die­se wa­ren schon vor sei­ner An­kunft hier ge­we­sen, und ei­ni­ge der Je­sui­ten-Pries­ter hat­ten im­mer wie­der Är­ger mit Mi­ura Anjin oder er mit ih­nen, das weiß kei­ner so ge­nau. Aus dem, was er dem Sho­gun über Por­tu­gal, Spa­ni­en und den Papst be­rich­te­te, ent­stand der Ein­druck, als woll­ten die­se bei­den Na­tio­nen un­ser Land zu ih­rer Ko­lo­nie ma­chen. Die Je­sui­ten-Pa­ter ha­ben das be­stä­tigt, in­dem sie sich im­mer wie­der in ja­pa­ni­sche An­ge­le­gen­hei­ten ein­misch­ten. Aus die­sem Grun­de muss­ten sie das Land ver­las­sen und das Chris­ten­tum wur­de ver­bo­ten.‹

Er senk­te den Blick und schüt­tel­te den Kopf.

›Date Ma­sa­mu­ne und auch ich hal­ten das nicht für den rich­ti­gen Weg, doch wir dür­fen das nie­mals of­fen zu­ge­ben, wenn wir uns und un­se­re Fa­mi­li­en nicht ge­fähr­den wol­len. Zu­mal die Be­rich­te von Ha­se­ku­ra Ts­une­n­a­ga mit zu die­sen Ent­schei­dun­gen ge­führt ha­ben. Als er von sei­ner großen Rei­se, die ihn auch nach Spa­ni­en ge­führt hat­te, zu­rück­ge­kehrt war, hat er vie­les be­stä­tigt. Zu­gleich wur­de auch klar, dass die Hei­mat von Mi­ura Anjin nicht viel bes­ser ist, und nun möch­te der Sho­gun un­ser Land vor al­len äu­ße­ren Ein­flüs­sen be­wah­ren.‹

Er schau­te wie­der hoch und mir in die Au­gen.

›Wir kön­nen froh sein, dass du für ihn ein Chi­ne­se bist. Auch wenn du kein ty­pi­sches Aus­se­hen ei­nes sol­chen hast, hin­ter­fragt er dei­ne Her­kunft nicht wei­ter. Chi­ne­sen und die Hol­län­der sind die Ein­zi­gen, die bis zu ei­nem ge­wis­sen Gra­de ak­zep­tiert wer­den.‹

Et­was ver­le­gen füg­te er lei­se hin­zu:

›Date Ma­sa­mu­ne hat mir bei un­se­rem letz­ten Ge­spräch ge­sagt, dass er dich nie­mals ein­ge­la­den hät­te, wenn ihm zu die­sem Zeit­punkt schon be­kannt ge­we­sen wäre, wie schlimm es jetzt in die­ser Hin­sicht bei uns steht.‹

›Egal, es ist, wie es ist, und wir soll­ten das Bes­te dar­aus ma­chen. Das heißt, ich wer­de so schnell wie mög­lich al­les ler­nen, was ich wis­sen muss, um der neu­en Auf­ga­be ge­wach­sen zu sein. Zu­nächst muss ich un­be­dingt wis­sen, was es be­deu­tet, wenn ich von ei­ner Sa­mu­rai-Fa­mi­lie ad­op­tiert wer­de. Habe ich dann Ver­pflich­tun­gen ihr ge­gen­über?‹

›Nor­ma­ler­wei­se schon, doch der Fürst hat es so ge­plant, dass die­se Ver­pflich­tun­gen mög­lichst ge­ring ge­hal­ten wer­den kön­nen. Au­ßer­dem bil­det dei­ne Stel­lung als Ha­ta­mo­to eine Art Ge­gen­ge­wicht. In­so­fern kannst du auch nicht in sei­ne oder mei­ne Fa­mi­lie auf­ge­nom­men wer­den, das wür­de zu vie­le Kom­pli­ka­tio­nen mit sich brin­gen.‹

Shi­ge­na­gas Toch­ter brach­te uns Tee, füll­te je­dem sei­ne Scha­le und ver­ließ uns wie­der. Mein Gast­ge­ber über­leg­te kurz, wo er ste­hen ge­blie­ben war, und teil­te mir dann mit, dass der Dai­myo mit Is­hi­ka­wa Mu­nehi­ro we­gen der Auf­nah­me in des­sen Clan ver­han­deln wol­le. Die­ser Clan stand sich gut mit der Fa­mi­lie des Sho­gun, er war au­ßer­dem in meh­re­re Ne­ben­clans zer­split­tert, und nur ei­ner weil­te im Le­hen von Date Ma­sa­mu­ne. Nach An­sicht des Fürs­ten wa­ren das sehr gute Vor­aus­set­zun­gen für die Ad­op­ti­on.

Un­ser Ge­spräch dreh­te sich noch eine Wei­le um die­ses The­ma, doch dann gin­gen wir lang­sam zum Sprach­un­ter­richt über. Am Abend wur­den wir zum Fürs­ten ein­ge­la­den, der uns mit­teil­te, dass der Met­su­ke ein Tref­fen mit mir wünsch­te. Ma­sa­mu­ne hat­te ihn dar­auf­hin in sein An­we­sen ein­ge­la­den, was be­stimmt nicht in Sa­na­da Ma­sa­no­ris Sin­ne lag. Doch da al­les über Bo­ten ge­lau­fen war, hat­te er zu­ge­stimmt, am nächs­ten Tag der Ein­la­dung zu fol­gen. Die­ser Be­such drück­te auf die Stim­mung mei­ner neu­en Freun­de. Sie mach­ten sich er­heb­li­che Sor­gen, und wie­sen mich mehr­fach dar­auf­hin, die­sen Mann nicht zu un­ter­schät­zen.

Da die ge­naue An­kunfts­zeit des Met­su­ke nicht be­kannt war, be­gann ich den nächs­ten Mor­gen mit Tai-Chi-Übun­gen, wor­an sich ein Kraft­trai­ning an­schloss, das ohne die Hilfs­mit­tel, die ich in Shao­lin zur Ver­fü­gung hat­te, gar nicht so ein­fach war. Ich war noch nicht fer­tig, als der Met­su­ke ein­traf. Ich bat dar­um, mir den Schweiß ab­wa­schen zu dür­fen, um ihm ge­rei­nigt ge­gen­über­zu­tre­ten. Doch Ma­sa­no­ri ließ mir durch Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga mit­tei­len, dass er ger­ne mehr von mei­nen Kampf­küns­ten se­hen wür­de und ich des­halb mit dem Trai­ning fort­fah­ren sol­le. Da mir das lie­ber war als ein Aus­hor­chen, ging ich ger­ne dar­auf ein.

Ich be­gann die Übun­gen zu­nächst ohne Waf­fen, dann mit Stock und schließ­lich mit dem Schwert. Der Met­su­ke schau­te ge­dul­dig und in­ter­es­siert zu. Nach ei­ni­ger Zeit ließ er mich durch Shi­ge­na­ga fra­gen, ob wir im­mer al­lein üb­ten. Ich ver­nein­te, gab aber zu be­den­ken, dass ich hier kei­nen Trai­nings­part­ner hät­te. Dar­auf­hin rief er einen sei­ner Be­glei­ter zu sich. Die­ser war wie ein ein­fa­cher Ashi­ga­ru ge­klei­det, trug aber ein Schwert­paar, das dazu nicht so recht zu pas­sen schi­en. Shi­ge­na­ga hat­te mir er­klärt, dass die ein­fa­chen Fuß­sol­da­ten nicht zu den Sa­mu­rai zähl­ten. Doch die Klei­dung die­ses Man­nes war nicht die ein­zi­ge Auf­fäl­lig­keit an ihm. Sei­ne Aus­strah­lung und sein Auf­tre­ten wa­ren au­ßer­ge­wöhn­lich. Ich hat­te ihn bis zu die­sem Zeit­punkt gar nicht wahr­ge­nom­men, denn er hat­te es ver­stan­den, sich im­mer so im Hin­ter­grund zu hal­ten, dass er nicht auf­fiel. Als er von Sa­na­da Ma­sa­no­ri nach vorn ge­ru­fen wur­de, schi­en er wie aus dem Nichts auf­zut­au­chen. Die Ruhe und Ge­las­sen­heit, die er aus­strahl­te, war be­mer­kens­wert. Und ob­wohl ich ihn mir ge­nau an­ge­schaut hat­te, war ich am Abend nicht mehr in der Lage, sei­ne Ge­sichts­zü­ge zu be­schrei­ben. Ein­zig die Au­gen, die al­les zu durch­drin­gen schie­nen, blie­ben mir im Ge­dächt­nis.

Ma­sa­no­ri ließ mir mit­tei­len, die­ser Mann sei auch ein Ya­ma­bus­hi und be­herr­sche eine Kampf­tech­nik, die der mei­nen äh­nel­te. Ein Übungs­kampf mit ihm wäre si­cher für alle in­ter­essant.

Es war of­fen­sicht­lich, dass er mich auf die­se Wei­se tes­ten woll­te, doch ich sah kei­ne Mög­lich­keit, das ab­zu­leh­nen. Au­ßer­dem nahm ich an, dass es nicht viel an­ders wer­den wür­de wie bei dem Kampf, den ich ge­gen ihn ge­führt hat­te.

Ich stimm­te also zu, und der Ya­ma­bus­hi leg­te sei­ne Schwer­ter ab. An­schlie­ßend stell­te er sich mir ge­gen­über auf, neig­te zur Be­grü­ßung kurz sei­nen Ober­kör­per und griff mich dann so­fort mit ei­ner schnel­len Schlag-Tritt-Kom­bi­na­ti­on an. Die­ser An­griff kam so un­ver­mu­tet, dass ich es fast nicht schaff­te, ihn ab­zu­weh­ren. Nur mit Mühe ent­ging ich ei­nem kräf­ti­gen Tritt, der mein rech­tes Schlüs­sel­bein hät­te bre­chen kön­nen. Zwei­fel­los über­schritt das den Rah­men ei­nes Trai­nings­kamp­fes. Mein Geg­ner brems­te kei­nen Tritt und kei­nen Schlag recht­zei­tig ab, die An­grif­fe er­folg­ten ge­zielt und mit vol­ler Kraft. Nach dem zwei­ten An­griff mach­te Date Ma­sa­mu­ne An­stal­ten, den Kampf ab­zu­bre­chen. Bei ei­nem kur­zen Blick­kon­takt schüt­tel­te ich aber den Kopf, und er sank in sei­ne teil­nahms­lo­se Hal­tung zu­rück.

Nach­dem mir klar ge­wor­den war, wie sehr ich die­sen Kämp­fer un­ter­schätzt hat­te, be­müh­te ich mich um höchs­te Kon­zen­tra­ti­on. Wie im­mer in sol­chen Mo­men­ten überg­ab ich die Füh­rung an mein Chi, ver­such­te aber auch, die Ge­dan­ken mei­nes Geg­ners zu er­ken­nen. Das Er­geb­nis brach­te mich bei­na­he wie­der aus der Fas­sung, denn ich be­merk­te, dass er das Glei­che tat oder zu­min­dest ver­such­te. Ich konn­te nicht in ihn ein­drin­gen, und wie Han Li­ang Tian es mich ge­lehrt hat­te, ver­schloss ich mei­nen Geist, da­mit es ihm auch nicht bei mir ge­lang.

Wir hat­ten in die­sem Au­gen­blick bei­de die glei­chen Vor­aus­set­zun­gen, da kei­ner von uns auf die­se Art einen Vor­teil für sich er­rin­gen konn­te. Sei­ne nächs­ten An­grif­fe zeig­ten, dass sei­ne Tech­nik der von Shao­lin äh­nel­te. Sie war zwar et­was ru­hi­ger, aber ihr durch­aus eben­bür­tig. Ich ging also da­von aus, dass ich nur einen Vor­teil er­rin­gen konn­te, wenn ich die Mi­schung aus Shao­lin- und Wu­dang-Tech­nik ein­setz­te, was sich beim nächs­ten An­griff be­stä­tig­te.

Er täusch­te einen Schlag mit sei­ner Rech­ten an, doch ich be­merk­te, dass er sei­nen lin­ken Fuß ein we­nig ent­las­tet hat­te. Wie ich in die­sem Au­gen­blick ver­mu­te­te, schnell­te sein Bein nach oben, um einen Tritt auf mei­nen un­ge­schütz­ten rech­ten Rip­pen­an­satz aus­zu­füh­ren. Mit ei­ner leich­ten Dre­hung schlug ich mit mei­nem rech­ten Arm sein Bein nach oben weg, brach­te da­bei mei­nen Ober­kör­per aus dem Ge­fah­ren­be­reich, dreh­te mich wei­ter und schlug ihm mei­nen lin­ken El­len­bo­gen hart in die Sei­te. Das raub­te ihm den Stand, und er schlug hin­ten­über. Doch blitz­schnell war er mit ei­ner Rol­le wie­der auf den Bei­nen. Ohne eine er­kenn­ba­re Re­ak­ti­on zu zei­gen, kam er wie­der auf mich zu. Da­bei fi­xier­te er mich und ver­such­te, eine Lücke in mei­ner Ver­tei­di­gung zu fin­den. Nur we­ni­ge Au­gen­bli­cke spä­ter er­folg­te ein völ­lig un­er­war­te­ter An­griff. Mit sei­ner Rech­ten täusch­te er einen Schlag an, und als mein Arm zur Ab­wehr nach oben schnell­te, griff er mit sei­ner lin­ken Hand nach ihm und zog mich über sein plat­zier­tes Bein. Ich konn­te mich ge­ra­de noch ab­fan­gen und auf den Rücken rol­len, als er schon zu ei­nem Tritt auf mei­ne Brust an­setz­te. Im letz­ten Au­gen­blick warf ich mich he­r­um, stieß mich mit den Hän­den ab, voll­führ­te eine Dre­hung und trat ihm in die Knie­keh­le des Stand­beins. Er lag nun eben­falls am Bo­den, und ich hat­te Zeit, wie­der auf die Bei­ne zu kom­men.

Was war denn das ge­we­sen? Es er­schi­en mir wie eine Mi­schung aus Judo und Ka­ra­te. Mir war es nicht mehr mög­lich, die Art sei­ner An­grif­fe ein­zu­schät­zen, und eine Zeit lang be­schränk­te ich mich auf rei­ne Ver­tei­di­gung. Nach ei­ner Wei­le er­kann­te ich ein be­stimm­tes Mus­ter in sei­nen An­grif­fen und konn­te eine ent­stan­de­ne Schwach­stel­le aus­nut­zen. Wie­der ein­mal hat­te er mei­nen rech­ten Arm ge­grif­fen und woll­te mich über sein Bein wer­fen, doch da ich die­sen An­griff er­war­tet hat­te, hol­te ich mit mei­nem noch frei­en lin­ken Arm Schwung, warf mich zu Bo­den und zog ihn hin­ter­her. Das lin­ke Knie hat­te ich hoch­ge­zo­gen und ramm­te es ihm in den Bauch. Ge­räusch­voll ent­wich die Luft aus sei­ner Lun­ge. Ohne große An­stren­gung ge­lang es mir, ihn auf den Rücken zu be­för­dern. Ein Knie auf sei­nen Arm, das an­de­re auf sei­ner Brust, die Fin­ger­knö­chel mei­ner Rech­ten an sei­nem Kehl­kopf, so en­de­te der Kampf. Einen Wim­pern­schlag lang konn­te ich maß­lo­ses Er­stau­nen in sei­nen Au­gen se­hen, dann wa­ren sie ge­schlos­sen. Es war die ein­zi­ge Ge­fühls­re­gung, die ich in die­ser gan­zen Zeit an ihm wahr­nahm, und sie war so kurz, dass ich mir nicht ein­mal si­cher war, ob ich mich nicht ge­täuscht hat­te.

Ich stand auf und bot ihm die Hand als Hil­fe, doch er er­hob sich erst, nach­dem der Met­su­ke ei­ni­ge bar­sche Wor­te an ihn ge­rich­tet hat­te. Ohne auf mei­ne Ges­te ein­zu­ge­hen, ging er zu sei­nen Schwer­tern. Nach­dem er sie auf­ge­nom­men hat­te, ge­sell­te er sich zu den an­de­ren Leib­wäch­tern von Sa­na­da Ma­sa­no­ri.

›Sehr be­ein­dru­ckend! Sie sind der Ers­te, der aus ei­nem Kampf mit ihm sieg­reich her­vor­ge­gan­gen ist. Jetzt kann ich so­gar mei­ne Nie­der­la­ge bei un­se­rem Schwert­kampf hin­neh­men.‹

Ka­ta­ku­ra Shi­ge­na­ga über­setz­te flie­send, was der Met­su­ke sag­te, doch ich konn­te mich kaum auf das fol­gen­de Ge­spräch kon­zen­trie­ren, weil mich mein Geg­ner zu sehr be­schäf­tig­te.

›Es ging mir nicht dar­um, die­sen Kampf zu ge­win­nen. Es soll­te nur ein Trai­ning sein, aber die An­grif­fe wa­ren an­ders, als ich es ge­wohnt bin‹, ant­wor­te­te ich leicht ab­we­send.

›Hmm, das liegt si­cher an der Art der Übun­gen. Man­che ge­hen eben här­ter mit­ein­an­der um als an­de­re.‹

Er ver­such­te mir ein­zu­re­den, dass das Trai­ning bei ih­nen auf die­se Art durch­ge­führt wür­de, was ich kaum glau­ben konn­te, denn dann wä­ren Kno­chen­brü­che und an­de­re schwe­re Ver­let­zun­gen an der Ta­ges­ord­nung. Wahr­schein­lich woll­te er mich mit die­sem Mann tes­ten und de­mü­ti­gen.

›Nun, ich zie­he un­se­re Art des Trai­nings vor, weil ich dann weiß, dass mir mein Trai­nings­part­ner auch am nächs­ten Tag wie­der zur Sei­te steht.‹

Er lach­te kurz auf.

›Aber es gab doch si­cher­lich nicht nur einen oder zwei, mit de­nen sie in Shao­lin trai­nier­ten?‹

Ahh, dar­auf lief es hi­n­aus, auf In­for­ma­tio­nen über Shao­lin. Ich muss­te wirk­lich auf der Hut sein und mei­ne Wor­te ge­nau wäh­len.

›Ge­wiss gab es mehr als einen, doch das Kämp­fen mit- und ge­gen­ein­an­der stand nicht im Vor­der­grund. An­de­res nahm mehr Übungs­zeit in An­spruch.‹

Grrr, was war bloß mit mir los!? Der zwei­te Satz hät­te nicht sein müs­sen. Ir­gend­was lenk­te mich ab. Was be­schäf­tig­te mich nur so sehr, dass ich mich kaum kon­zen­trie­ren konn­te?

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