Kitabı oku: «K.E.E. Ein bisschen Apokalypse»
Kee, ein bisschen Apokalypse
1 Masturbation im Archiv
2 Stromausfall
3 Die Suche nach dem Unbekannten
4 Mysteriöse Erscheinung
5 Nachforschungen
6 Die Wohngemeinschaft
7 Wandas Problem
8 Ein erstes Mal
9 Die Suche nach weiteren Informationen
10 Vorbereitungen zum Aufstieg
11 Der Aufstieg
12 Der erste Tag
13 Zurück an der Oberfläche
14 Begegnung
15 Die Besucher
16 Zusammenleben im Bunker
17 Erneute Rückkehr
18 Die Jäger
19 Das Verhör
20 Festung Dorste
21 Neue Gäste und ein alter Bekannter
22 In der Festung
23 Die Schlacht
24 Eine kleine Überraschung
25 Eingeforderte Schuld
26 Zweifel und Ängste
27 Die Siedlung
28 Die Sauerlandgrenze
29 Der Hinterhalt
30 Die Vergeltung
31 Justins Leid
32 Alltag
33 Eine neue Unbekannte
34 Mira fügt sich ein
35 Rettungsmission
36 Verletzt
37 Eine andere Welt
38 Maximilian und Mira
39 Manuels Therapeutin
40 Ein weiterer Abend mit Mira
41 Überraschende Veränderungen
42 Miras Rückkehr in die Zone
43 Festung Dorste
44 Maximilians neue Geliebte
45 Sida will die Flucht
46 Justin bringt Licht ins Dunkel
47 Eine Fuhre Köpfe
48 Gestörtes Liebesspiel
49 Die Schlacht
50 Das Finale
51 EPILOG
Impressum neobooks
Kee, ein bisschen Apokalypse
1 Masturbation im Archiv
Maximilian hielt seinen Blick auf den Monitor seines Arbeitsplatzes gerichtet. Umgeben von blassgrünen Sichtblenden, die ihn vor mehr als dreißig Jahren vor den Blicken seiner Kollegen geschützt hatten, fläzt er sich in den bequemen Bürostuhl seines ehemaligen Schichtleiters hinein. Genüsslich schob er dabei seine Hand unter den Bund seiner Trainingshose und freute sich auf die willkommene Abwechslung.
In dem geöffneten Browserfenster auf dem Bildschirm seines Arbeitscomputers tauchte eine üppige Blondine auf, die völlig unbekleidet mit zielstrebigen Schritten ein sehr luxuriös eingerichtetes Wohnzimmer betrat. Die junge Frau blickte sich suchend um und näherte sich einem riesigen Sofa, auf dem es sich eine dralle Brünette bequem gemacht hatte. Unscheinbar und mädchenhaft wirkend, besaß diese Frau deutlich weniger Sexappeal als ihre Freundin, die neben einen kurvenreichen, sportlichen Körper auch ein sehr gleichmäßiges und attraktives Gesicht besaß.
Dennoch interessierte sich Maximilian ausschließlich für das braunhaarige Mädchen, folgte ihrer Überraschung und weidete sich an ihrer Freude, als die Blondine sich mit nassen Haaren über die Lehne des Sitzmöbels beugte. Die Frauen begannen sich leidenschaftlich zu küssen und hielten sich dabei in den Armen. Max spürte eine tiefgreifende Erregung in sich, während er die beiden beobachtete, vor allem in dem Augenblick, als das Mauerblümchen unter der Hand ihrer Freundin aufstöhnte, die ihre linke Brust zu kneten begann.
Mit zittrigen Fingern suchte er sein Glied, richtete dessen halberrigierten Schaft auf und strich mit den Fingerspitzen die Vorhaut zurück. Wie war es damals gewesen, als er das letzte Mal mit Mara geschlafen hatte? Wie hatte es sich für ihn angefühlt, als er sich zwischen ihre Schenkel hineingedrängt hatte, um die Enge ihrer Scheide zu spüren?
Die Blondine kam um das Sofa herum, legte sich an die Seite ihrer Freundin und öffnete ungeniert deren Hose. Die beobachte sie dabei mit einem Blick, der deutlich widerspiegelte, dass dieses Zusammentreffen kein erstes war und sie genau darüber Bescheid wusste, was ihre Freundin mit ihr vor hatte. So hob sie ihren Oberkörper an, um sie zu küssen, stützte sich dabei mit ihrer linken Hand auf dem Sofa ab, um mit der Rechten über die Wange ihrer Liebsten zu streicheln. Sie wirkte devot und passiv, im Gegensatz zu ihrer Spielgefährtin, doch war es gerade dieser Zug an ihr, der Maximilian besonders gefiel.
Schließlich half die Blonde ihrer Partnerin aus der Kleidung heraus, drückte sie anschließend mit einer wirschen Geste auf die Liegefläche zurück, um sich dann rittlings, auf deren Gesicht zu setzten.
Ein heiseres Stöhnen dang aus ihren Mund heraus und es fiel Maximilian nicht schwer, sich vorzustellen, auf welche Weise die Frau mit den kurzen, braunen Haaren ihrer Freundin zu Diensten war.
Wie sehr diese Darstellerin seiner früheren Freundin glich. Wie oft sie ihm schon geholfen hatte, seine Erinnerungen an diese Liebe zu erneuern. Manchmal, vielleicht auch heute, tauchten Details aus der Vergangenheit auf, kurze Momente, in denen er die Gegenwart seiner lieben Mara zu spüren glaubte.
Jetzt kam die Stelle, in der sich die Blondine ihren großen birnenförmigen Brüsten widmete, sie zu massieren begann und schließlich ihren Unterleib anhob, um ihrer Partnerin Luft zukommen zu lassen. Im Anschluss drückte sie die üppigen Schenkel ihrer Spielpartnerin auseinander und versenkte ihr Gesicht in deren Schoß.
Maximilian keuchte auf, als seine Bewegungen immer hektischer wurden. Seine Hand zur Faust geformt, hielt er darin sein Glied gefangen, drückte es zusammen, rieb es und schenkte sich damit einen intensiven geilen Reiz. In seiner Vorstellung war es aber diese Brünette, die ihm zu Diensten war oder aber Mara, seine Freundin.
Sein Verstand schien regelrecht über diese Frage zu stolpern und alte Ängste drängten die Lust zurück, die er sich krampfhaft zu bewahren suchte. Dreißig Jahre!
Von jetzt auf gleich hatten die beiden Frauen ihre Bedeutung für ihn verloren. Sie waren tot, vernichtet, wie alles andere auch dort oben über ihm. Tränen bildeten sich in seinen Augen, der kurze Moment der Entspannung, er war nun endgültig für ihn vorbei. Stattdessen waren es seine Sorgen, Nöte und Ängste, sowie die Scham noch immer nicht den Mut zu besitzen seinem kläglichen Leben ein Ende zu setzen, die von ihm in diesen Moment Besitz ergriffen.
2 Stromausfall
Frustriert warf er einen letzten flüchtigen Blick auf den Monitor, sah der Blondine dabei zu, wie sie die Schamlippen ihrer Partnerin mit ihren Fingerspitzen auseinanderzog, und führte den Mauszeiger kurzentschlossen an den oberen rechten Rand des Fensters, um es zu schließen. Der kurze Moment des Glücks war, wie schon so oft zuvor, für ihn verloren gegangen.
Maximilian stand aus dem bequemen Sessel auf, verließ seine Kabine und suchte seinen Weg durch die Gänge des Großraumbüros. Zweihundert Angestellte hatten hier einst die Großrechenanlage kontrolliert und gewartet, mit Daten gefüttert und auf den aktuellen Stand gehalten. Im Vorübergehen warf er einen Blick in die Kabine Elsas. Eine um zehn Jahre ältere Kollegin, die ihm durch seine Anfängerzeit hindurch geholfen hatte und ihm dabei zur Freundin geworden war. Fotos ihrer Familie hingen noch an den Trennwänden ihrer Kabine, genauso wie die bunten Papierblumen, die eine ihrer Töchter in der Kita gebastelt hatte. So wie diese kleine Parzelle, erzählten auch alle anderen eine Geschichte von seinen früheren Kollegen und Maximilian hatte ihnen über die Jahre hinweg dabei geholfen, diese zu bewahren. Es war eine von seinen vielen Arbeiten, die ihn durch seinen trostlosen Tag hindurch retteten.
Trat man aus dem Büro hinaus auf den Hauptgang, konnte man auf seiner gegenüberliegenden Seite, direkt in die Toilettenräume gelangen. Ging man ihn links hinunter, kam man zur Schleuse, Zugangsaufsicht und dem Aufzugsschacht, ging man ihn rechts entlang, fand man die Serverhalle A und die Datensicherungsabteilung, sowie den Abschnitt B mit dem Areal des Bundesnachrichtendienstes. Letzterem hatte er es zu verdanken, dass er noch lebte, denn der Dienst hatte sich in diesem Bunkersystem einen Rückzugsort geschaffen, der seinen Mitarbeitern in einem Notfall für viele Monate Schutz und Obdach geboten hätte. Ironie, wie Maximilian heute befand.
Im Abschnitt B lag auch die kleine Kantine, in der es am Morgen ein Frühstück und mittags eine warme Mahlzeit gegeben hatte. Alles was man benötigte, um sich ein warmes Essen zu kochen, befand sich dort. So bereitete sich Max Konserven zu, die auch jetzt noch, nach mehr als dreißig Jahren für ihn genießbar geblieben waren.
Er brauchte nicht nach den Dosenöffner suchen, es gab mehrere und so hatte er sich bisher nie in dieser Richtung Sorgen machen müssen. Zum Glück für ihn gab es fast alles mehrfach und so konnte er selbst im Schadensfall seine Verluste bisher in für ihn erträgliche Grenzen halten.
Mandarinen?! Er hielt die Dose in den Schein des Deckenlichts und untersuchte ihre Hülle umsichtig. Die Wandung schien in Ordnung zu sein, nirgends war Rost oder eine Schadstelle zu erkennen. Er drehte sie noch einmal in seiner Hand, schüttelte sie und öffnete sie schließlich vorsichtig. Der fruchtige Duft, der in seine Nase stieg, weckte wieder seine Lebensgeister und so holte er sich eine Schüssel, um die Früchte hinein zu geben. Was würde er morgen essen? Vielleicht sich eine EPA aufmachen? Diese Armeerationen schmeckten nur mäßig, deckten aber seinen Bedarf zuverlässig. Auch sie hatten sich als sehr haltbar erwiesen und bisher hatte er keine Mangelerscheinung, geschweige denn Erkrankung an sich beobachten können.
In dem Moment, in dem er den Löffel in den tiefen Teller tauchte und nach dem ersten Fruchtstück fischte, begann das Deckenlicht zu flackern, erlosch für einen kurzen Augenblick ganz und wurde kurz darauf wieder hell. Es war nicht nur eine der Röhren gewesen, sie alle waren gleichzeitig ausgegangen, auch die draußen im Gang. Ungewöhnlich, denn beide Beleuchtungssysteme wurden durch verschiedene Sicherungen von einander getrennt.
Maximilian verfiel in eine Art Schockstarre, aus der er sich nur mit Mühe wieder herauslösen konnte. In all den Jahren hatten zwar vereinzelte Leuchtmittel immer wieder einmal schlapp gemacht, aber einen Totalausfall wie diesen, hatte es bisher nicht gegeben.
Vergessen war das Essen, trotz seines Appetits, trotz des Hungers, der gerade noch sein ganzes Denken und Handeln beherrscht hatte. Es stimmte etwas nicht! Hektisch stand er vom Tisch auf und eilte hinaus auf den Gang. In der Serverhalle gab es ein Steuerungsterminal, über das die Daten aus allen Umweltsensoren und Systemüberwachungsmodulen des Bunkers zusammenliefen. Es würde ihm offenbaren, wo das Problem lag, auch wenn er wenig tun konnte, um es gegebenenfalls zu beheben.
Kaum das er die Halle betreten und sie mit eiligen Schritten durchquert hatte, blieb er erschrocken vor dem Pult, mit dem Dutzend in der Konsole eingelassenen Monitoren, stehen. Das konnte doch nicht wahr sein! Langsam näherte er sich dieser Kontroll- und Schaltzentrale, so als ob sie es war, von der eine Gefahr hätte ausgehen können. Monitor sieben, acht und neun zeigten ein Bild! Maximilian wollte seinen Augen nicht trauen. War heute denn alles verrückt geworden? Erst das Licht, jetzt die Monitore?
Die Batterie! Sie zeigte neunundneunzig Prozent. Auch das war zuvor noch nie da gewesen. Stromschwankungen ja, auch einen kurzen Kraftwerksausfall, doch noch nie eine Situation, die ein Hundertstel der Batteriekapazität gekostet hätte.
Sorge machte sich in ihm breit, begleitet von einer tiefen Unruhe. Es musste etwas passiert sein und er hatte keinerlei Vorstellung davon, was das gewesen sein könnte.
Er warf einen genaueren Blick auf die drei sonst inaktiven Displays. Sie zeigten ihm Räume an, die er zuvor noch nie gesehen hatte! Auf den ersten beiden konnte man einen Laborbereich erkennen und der dritte zeigte einen Operationstisch, den es hier, in seinem ihm bekannten Teil des Bunkers, gar nicht gab.
In seinen Kopf begann es zu arbeiten. Warum gab es dort Überwachungskameras? Und warum waren sie ausgerechnet zu einem Zeitpunkt aktiviert worden, in dem es einen Stromausfall gegeben hatte? Maximilian blickte hinauf zur Decke. Licht! Sollte es vergehen, hätte sein Leben damit ein Ende gefunden. Sein Blick blieb an dem Monitor haften, der neben vielen anderen Werten auch die Energiereserven aufzeigte. Neunundneunzig Prozent, unverändert. Fingen sie nicht praktisch sofort an, wenn nicht genügend Energie produziert wurde, um die Akkumulatoren zu laden? Schon bei dem kleinsten Verbrauch an Kapazität?
Das Kraftwerk arbeitete normal, es würde sicher den verloren gegangen Strom ersetzen. Doch was war der Auslöser für den Totalausfall gewesen? Das ganze System hatte sich heruntergefahren und war dann wieder kontrolliert gestartet. Alle Notfallsysteme hatten gegriffen.
Ein OP-Tisch. Maximilian überlegte fieberhaft und suchte verzweifelt nach einem Zusammenhang. Was konnte dieser mit dem Archiv oder dem Geheimdienst zu tun haben? Vielleicht als medizinische Notfalleinrichtung? Aber warum wurde er dann im Verborgenen gehalten? Und wo war der Zugang zu ihm?
3 Die Suche nach dem Unbekannten
Zum ersten Mal seit vielen Jahren kam ihm so etwas wie ein Hoffnungsschimmer in den Sinn. Wenn diese Räume nicht über die ihm bekannte Schleuse betreten worden sind, gab es vielleicht noch einen zweiten Aufzug zu dem Bunkersystem. Diese Möglichkeit schien ihm plausibel, denn soweit er wusste, hatte es zwei Schächte gegeben, als das Bergwerk noch im Betrieb gewesen war. Vielleicht war er es gewesen, der die zusätzliche Energie verbraucht hatte? Vielleicht war jemand auf dem Weg zu ihm? Maximilian wusste nicht, ob er sich über diese Möglichkeit freuen oder nicht doch eher fürchten sollte. Über ihm war alles zerstört worden und vielleicht gab es jetzt Überlebende, die sich in das Gebiet zurückgewagt hatten, um es zu plündern?
Er trat auf den Gang hinaus und ging ihn links entlang in den ehemaligen Speerbereich des Geheimdienstes. Damals war man nur mit einer entsprechenden Zugangskarte hineingelassen worden, gelb für die Geheimdienstler, weiß für die Mitarbeiter des Archivs. Lager, Büro, Verwaltung und die gemeinsame Kantine lagen hier. Es war ihm damals wie ein Wunder vorgekommen, dass er alles in diesem Bereich für sich hatte nutzen und verwerten können.
Maximilian blickte sich suchend um. Nichts deutete auf eine Veränderung hin und dennoch fühlte er sich bedroht. Warum war das so? Nur wegen diesen Anomalien in seinem sonst so tristen und sich ständig wiederholenden Leben? Es gab Waffen, er brauchte sich nur welche zu holen. Er hatte mit ihnen geübt und konnte mittlerweile sowohl mit der Pistole, als auch Mpi und Sturmgewehr umgehen.
Waren diese Übungen eher aus der Langeweile heraus erfolgt, fühlte er sich in diesem Moment wirklich sicherer, wenn er sich eine der Waffen holen ging. Also lief er zurück ins Lager, schloss einen der dort befindlichen Stahlschränke auf und nahm sich eine damals sehr moderne Maschinenpistole, nebst drei Magazinen. Die kompakte Waffe war völlig ausreichend und würde ihn nicht weiter bei seiner Suche behindern.
Er musste diese Räume finden. Irgendwo gab es eine verborgene Tür oder bewegliche Wand. Sorgsam maß er die Räume mit seinen Schritten aus, machte sich eine Skizze und stellte seine Überlegungen an. Er hatte die Gabe, sich auf etwas zu konzentrieren und sich nicht von einem Vorhaben ablenken zu lassen. Umso frustrierender war jetzt für ihn das ausbleibende Ergebnis. Egal wie er es drehte oder wendete, der Bunker gab ihm sein Geheimnis nicht preis.
In der Verwaltung des Nachrichtendienstes setzte er sich an einem der Arbeitsplätze. Auch hier funktionierte noch alles, nur hatte er keine Zugangsberechtigung. Selbst mit einem Hacktool war es ihm bisher nicht gelungen, die Verschlüsselung des Systems auszuhebeln. Wäre vielleicht auf dem Rechner vor ihm eine Erklärung zu finden?
Maximilian rieb sich die Augen. Er hatte eigentlich schon vor Stunden zu Bett gehen wollen. Sollte er aufgeben? Wut stieg in ihm auf, das Ganze ließ ihm einfach keine Ruhe mehr! Was war hier los? Warum war nicht alles so geblieben wie in all den Jahren zuvor? Noch einmal strich er mit seiner Hand über den kalten Putz. Und wenn es Hohlräume dahinter gab? Er brauchte nur ein geeignetes Werkzeug, um nach ihnen zu suchen. Es gab ein wenig davon im Lager, auch ein mittelgroßer Hammer war darunter. Vielleicht reichte er aus, um etwas hinter den Wänden auszumachen?
Er holte ihn, zog sich seinen Pullover vom Oberkörper und stellte sich an der östlichen Verwaltungsbürowand in Position. Er würde jetzt wohl ordentlich ins Schwitzen kommen, denn harte körperliche Arbeit war er nicht gewohnt. So holte er aus und ließ den Hammerkopf ein erstes Mal gegen die Wand krachen. Eine halbe Stunde später schien sein Körper tatsächlich wie in Schweiß gebadet worden zu sein. Maximilians Haare hingen klitschnass in seine Stirn hinunter, und auch sein Unterhemd war fleckig und feucht geworden. Sein Handgelenk schmerzte wie verrückt und so gab er fürs erste seine Forschungsarbeit auf, nachdem er jetzt die ganze Ostseite des Bunkertrakts abgeklopft hatte. Überall hatte sich der Beton dumpf angehört, ohne sich dabei auch nur ein einziges Mal im Widerklang geändert zu haben. Es gab dahinter anscheinend wirklich nur Fels und Erde, sein Hoffen war vergebens gewesen.
„Zeit für´s Bett.“ Sprach er sich selbst zu. Manchmal halfen ihm Selbstgespräche, um sich zu beruhigen.
Kurz überlegte er, ob er noch einmal an seinen Arbeitsplatz zurückkehren und sich die brünette Pornodarstellerin ansehen sollte. Vielleicht klappte es jetzt? Erregung stieg in ihm auf, es war ja nicht so, dass er es nicht nötig gehabt hätte.
In dem Moment, in dem er sich zurück in den Gang begeben wollte, hörte er etwas hinter sich, leise und dumpf aus der Mauer herausklingen. Es war kaum hörbar gewesen, vielleicht bildete er sich das alles nur ein? Er erstarrte, zitterte vor Aufregung am ganzen Körper und drehte sich wieder zur Mauer um.
Nichts! Er trat näher an sie heran, drückte die linke Seite seines Kopfes gegen die Wand und lauschte.
DA! Er konnte es wieder hören! Ein dumpfer Schlag, gefolgt von einem Kratzen. Suchte man ihn vielleicht zu befreien? Vielleicht hatten sich die Verhältnisse an der Oberfläche inzwischen geklärt? Was für eine Illusion! Als ob es hier um ihn selbst ging. Nein. Es musste das Archiv sein! Schließlich wurde hier das gesamte, weltweit verfügbare Internet gebackupt. Ein gewaltiger Datensatz von unschätzbaren Wert.
Noch weitere vier oder fünf Stöße, dann wurde es wieder ruhig. Gab man auf? Das durfte nicht sein! Es war seine Chance auf Befreiung! Er hob den Hammer an die Wand, holte aus und schlug kraftvoll zu. Vergessen waren die vorangegangenen Anstrengungen und so ließ er den Kopf seines Werkzeuges viermal hintereinander kraftvoll gegen die Wand krachen. Dann lauschte er angestrengt, sein rechtes Ohr an die Wand pressend.
Er konnte sie hören, die Schläge. Sie waren wieder da und auch das Kratzen wurden jetzt merklich lauter. Es drang in einem kürzeren Intervall als zuvor aus der Wand heraus, man hatte ihn also gehört.
Wie weit mochten seine Retter entfernt sein? Eine Frage, die er nur schwer beantworten konnte. Stein absorbierte normalerweise jedes Geräusch, dass es dennoch an sein Ohr drang, konnte nur auf ein kraftvolles Werkzeug, oder eben eine kurze Distanz hindeuten.
„KOMMT! BITTE! GEBT NICHT AUF!“ Schrie er. Auf der anderen Wandseite wurde es still.
Die Schläge, sie hatten aufgehört. Hatte man ihn rufen gehört?
„HALLO!? HÖREN SIE MICH?“
Ein dumpfer Stoß, gefolgt von einem lauten Rieselgeräusch. Maximilian lauschte gebannt nach jeder noch so kleinen Veränderung. Sie konnten nicht mehr weit sein. Eine halbe Stunde später, er traute kaum seinen Augen, bröselte Putz von der Wand herunter. Zusätzlich bekam sie Risse, die sich mit jedem weiteren, lautstarken Stoß zu vergrößern schienen. Maximilian standen die Tränen in den Augen. FREIHEIT!
„HALLO? KÖNNEN SIE MICH HÖREN?“
Die Schläge verstummten und die alte Unsicherheit kehrte sofort in Maximilians Empfinden zurück.
„WER SIND SIE?“ Fragte er erneut.
Keine Antwort. Oder doch eine? Maximilian blickte auf die Waffe herunter, die neben ihm auf den Boden lag. Hektisch zog er sie an ihrem Riemen zu sich heran und überlegte, ob er sich nicht doch lieber noch mehr Munition holen sollte. Was wenn man ihn gar nicht befreien wollte? Vielleicht ging es ja um etwas ganz anderes?
4 Mysteriöse Erscheinung
„Hallo!?“
Maximilian schrak zusammen. Eine fremde Stimme! Noch dazu eine Weibliche! Er hatte sie genau gehört, wenn auch sehr leise.
„ICH KANN SIE VERSTEHEN!“ Schrie Maximilian wie wahnsinnig auf.
„Seien sie nicht so laut! Ihre Stimme tut mir in meinen Ohren weh.“ Kam es leise zurück.
Hatte er die Frau wirklich richtig verstanden?
„ABER ICH VERSTEHE SIE KAUM. KÖNNEN SIE VIELLEICHT LAUTER SPRECHEN?“
Die Frau am anderen Ende der Wandseite antwortete erst nach einem langen Moment. Auch sie schien sich zu wundern.
„VERSTEHEN SIE MICH JETZT BESSER? KÖNNEN SIE BITTE LEISER SPRECHEN, DAS WÄRE HERZALLERLIEBST.“
Maximilian glaubte nicht, seinen Ohren trauen zu können. Hatte diese Frau wirklich herzallerliebst zu ihm gesagt?
„KÖNNEN SIE MIR VIELLEICHT HELFEN? DANN WÜRDE ES SCHNELLER GEHEN.“ Fragte ihn die Fremde.
„Aber ich habe kein passendes Werkzeug. Die Wand ist viel zu hart.“ Erwiderte Maximilian frustriert.
„UND WARUM GEHT ES DANN AUF MEINER SEITE?“
Maximilian Bauch krampfte und Übelkeit breitete sich in seinem Unterleib aus. Tausend Fragen wollte er dieser Frau stellen, die kam um ihn zu befreien und dennoch musste er sich gedulden, bis sie sich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden.
„ICH BIN HIER GANZ ALLEIN, WISSEN SIE? ICH HABE KEINE HILFE!“ Stellte Maximilian seine Situation dar.
„SIE SOLLEN DOCH NICHT SO SCHREIEN, IHRE STIMME TUT MIR IN MEINEN OHREN WEH.“
Maximilian fasste sich an seine Stirn. Er stieß nach der Apokalypse und dreißig langen Jahren auf die erste Frau und schon wurde er von der Situation überfordert. Er zog es vor nichts mehr zu sagen und einfach abzuwarten. Lange konnte es nicht mehr dauern, bis ...
Er schrak von der Wand zurück, als eine silbrigmetallen glänzende Kralle durch den Putz hindurchdrang. Spitz zulaufend und wie ein verlängerter Fingernagel wirkend, schien sie keinerlei Schaden genommen zu haben, als sie von ihrem Besitzer durch den Stein hindurchgedrückt worden war.
Um das kleine Loch herum bröckelte es, dann wurden zwei weitere Fingerspitzen sichtbar. Auch sie besaßen diese Bewährung und wirkten überhaupt überdimensioniert und seltsam mechanisch auf Maximilian. Sie schienen nicht menschlich zu sein, waren von einem wabenförmigen glänzenden Material umhüllt und an den Gelenken und Fingerrücken mit Verstrebungen und Protektoren geschützt, ähnlich denen eines Polizeihandschuhs.
„Hallo! Ich bin die Wanda. Schön sie kennenzulernen.“
Drang die Stimme der Frau jetzt klar und deutlich an Maximilians Ohr.
„Was sind sie?“ Er konnte seine Unsicherheit vor dieser seltsamen Erscheinung nicht verbergen und hielt die Maschinenwaffe hinter seinem Rücken verborgen.
„Wie bitte?“ Fragte die Fremde mit verwunderter Miene zurück.
„Sind sie ein Mensch?“ Stotterte der Bunkerbewohner, ängstlich Abstand zu diesem seltsamen Gebilde suchend.
„Na das hoffe ich doch. Sie auch?“ Ein heiteres Lachen drang in Maximilians Ohr. „Wollen sie mir nicht ihren Namen sagen? Dann wäre schon mal ein Stück vom Eis gebrochen.“ Schlug sie ihm vor.
Maximilian zeigte sich völlig überfordert mit dieser Situation. Nach dreißig Jahren traf er auf Leben und dieses plauderte mit ihm, als hätte man sich gerade in der Kneipe kennengelernt.
„Kommen sie, um mich zu befreien?“ Fragte er die Fremde.
Hinter dem Wanddurchbruch wurde jetzt ein bildhübsches Frauengesicht sichtbar. Blaue Augen mit langen schwarzen Wimpern, feingliedrige Augenbrauen, Stupsnase und hohen Wangenknochen. Dabei wurde es von einem üppigen Kussmund abgerundet und stellte damit eine der schönsten Erscheinungen dieser Art da, die Maximilian bisher in seinem Leben zu Gesicht bekommen hatte.
„Ich befreie sie?“ Kam von ihr die Gegenfrage.
Die Züge der jungen Frau wirkten in diesem Moment unsicher.
„Sie schob jetzt ihren ganzen Arm durch das Loch, schien es ohne Mühe dabei zu vergrößern und bog mit ihrer linken Hand ein paar Stahlstreben zur Seite, so als ob es sich bei diesen um Blumendraht handeln würde.
Maximilian konnte nicht begreifen, was er da sah. Ängstlich wich er vor dem Loch zurück und wäre am liebsten weggelaufen. Das Wesen dort, dass sich in diesem Augenblick durch den Spalt zwängte, konnte kein Mensch sein. Es glich viel eher einem Roboter, oder Droiden aus einem Sciencefictionfilm. Die gesamte Haut, bis hinauf zum Hals bildete dieser schwarze, in kleinen Poren aufgegliederte Stoff, den er schon an ihrer Hand bemerkt hatte. Wie schon bei den Fingern, wurde auch er an allen wichtigen Körperteilen und Glieder durch mattschwarze Beschläge, Einfassungen und Protektoren geschützt. Dabei schien es sich um ein regelrechtes Exoskelett zu handeln. Die Figur einer Frau blieb dabei nicht nur erhalten, nein, der weibliche Körper wurde übertrieben und nur auf eine sexuelle Wirkung hin dargestellt. Riesige Brüste, eine viel zu schmale Taille und ein sehr breites Becken spiegelte die idealisierte Vorstellung einer fruchtbaren Frau wieder. Dabei wurden Bauchmuskeln und Oberschenkel durch Beschläge definiert, genauso wie auch Schulter und Wadenmuskulatur. So wirkte diese Gestalt einerseits wie ein Maschinenmensch auf Maximilian und anderseits wie ein nacktes Busenwunder. Sogar die Scham war durch einem metallenen Schild nachgebildet worden.
„Was starren sie mich denn so entgeistert an? Es wäre schön, wenn sie mir aufhelfen würden, wie es sich für einen Mann mit guter Erziehung gebührt.“ Jammerte die Fremde, nachdem sie auf ihre Knie heruntersank. Sie schien Probleme mit der Koordination ihrer Bewegungen zu haben.
Maximilian konnte gar nicht anders als ihren Wunsch nachzukommen. Dabei kam er sich wie ein kleiner Junge vor, der seiner Mutter aufhalf. Denn dieses seltsame Wesen war riesengroß!
Auch die Frau schien überrascht, blickte fragend auf ihn herunter und druckste herum.
„Ich möchte ja nicht beleidigend auf sie wirken, aber sind sie ein Kleinwüchsiger?
Maximilian starrte sie entgeistert an.
„Was? Ich? Nein!“
Er blickte an sich herunter und anschließend wieder zu ihr auf. Sie überragte ihn um zwei Köpfe!
„Ich bin ein Meter vierundachtzig groß.“ Stellte er entgeistert fest.
„Jetzt reden sie mal keinen Unsinn. Ich bin gerade mal ein Meter vierundsechzig, wie können sie da ...“
Maximlian deutete mit seinem rechten Zeigefinger auf die Decke über ihnen. Die Frau trug ein schwarzes Barett und dieses scheuerte bereits am Mauerwerk.
„Das kann doch nicht wahr sein!“ Ungläubig hob sie ihre rechte Hand an die Betondecke, strich mit ihren Zeigefinger über den Stein und blickte anschließend vor sich und wäre dabei beinah gestürzt. Sie wirkte unbeholfen und wackelig auf ihren Beinen.
Maximilian spürte, dass ihre Aufregung nicht gespielt war. Sie erweckte bei ihm den Anschein, dass sie mit sich selbst noch weniger anfangen konnte, als er und schien zu begreifen, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmte.
„Meinen sie, ich könnte mich hier irgendwo umziehen?“ Fragte sie ihn schließlich.
Der Bewohner des Archivs kratze sich nachdenklich an seinem Hinterkopf.
„Es gibt hier Toiletten- und Duschräume. Aber was wollen sie anziehen?“
Die Frau wirkte in diesem Moment verschämt.
„Ich würde mich erst einmal nur gerne ausziehen, verstehen sie?“
Sie zeigte sich erst verlegen und dann ganz offen ihre Verunsicherung.
„Das klingt jetzt irgendwie seltsam ich weiß.“
Maximilians Blick blieb an ihrem riesigen Dekolette hängen. Was für eine Größe würde es ausmachen? G? Vielleicht auch H?
„Starren sie mich nicht so an! Das ist mir unangenehm.“
Maximilian erschrak und Röte stieg in sein Gesicht.
„Kommen sie! Ich zeige ihnen alles.“ Versuchte er, von diesem peinlichen Moment abzulenken.
Die Riesin wankte und setzte langsam und seltsam andächtig einen Fuß vor den anderen. Fast wäre sie dabei gestolpert und der Länge nach hingeschlagen. Ihr Gang glich dem eines behinderten Menschen oder Betrunkenen in diesem Moment.
„Sind sie verletzt?“ Fragte Maximilian besorgt.
Das seltsame Wesen verneinte und stützte sich auf einem der Schreibtische ab, so, als ob sie sich auf dem Deck eines Schiffes im Sturm bewegen würde.
„Nein, aber meine Nerven scheinen verrückt zu spielen. Ich versuche meine Beine ganz behutsam zu bewegen, und sie schlagen regelrecht aus dabei. Bei meinen Armen und Fingern ist es ähnlich, so als ob ich meine Kraft nicht mehr richtig dosieren kann.“
Ihr lief eine Träne aus dem rechten Auge, die sie sich, peinlich berührt, mit ihrem linken Unterarm wegzuwischen suchte. Dabei führte sie diese Bewegung so heftig aus, dass sie sich selbst mit voller Wucht ins Gesicht schlug.
Ein geller Aufschrei wurde laut, dann krachte ihr massiger Körper auf den Boden herunter.
„Aua!“
Maximilian sprang ihr bei, wollte ihr Gesicht und ihren Kopf untersuchen, fand beides aber völlig unbeschadet. Im Anschluss wollte er ihr das Barrett abnehmen, doch es ließ sich keinen Millimeter bewegen.
„Helfen sie mir bitte. Ich will das ausziehen.“
Sie weinte und es tat Maximilian weh, sie so zu sehen. Er streichelte vorsichtig über ihre Wange und wunderte sich wie glatt und hart sich dabei ihre Porenhaut anfühlte.
„Das heißt, sie sahen vorher anders aus?“
Sie blickte ihn erschrocken an.
„Wie meinen sie das?“
Maximilian suchte sie nicht zu überfordern und fragte anders.
„Woran erinnern sie sich denn als Letztes? Ich meine, als alles noch für sie in gewohnten Bahnen gelaufen ist.
„Ich habe im letzten Monat ein Vorstellungsgespräch gehabt und sollte im Sekretariat des U-Turms anfangen. Das Letzte, woran ich mich erinnern kann, ist der medizinische Eignungstest. Ich sollte mich auf eine Behandlungsliege legen und ein paar Fragen beantworten. Danach wäre dann mein Körper an die Reihe gewesen. Es war von der Berufsgenossenschaft die Rede oder so ähnlich ...“
„Und dann?“
„Ich bin in diesem Operationssaal aufgewacht. Ich konnte mich nicht bewegen, weil meine Arme und Beine von diesen Klammern gehalten wurden. Ich habe gerufen und um Hilfe geschrien, doch es war niemand da, der mich hätte hören können.“
„Sie lagen die ganze Zeit gefesselt auf diesem Tisch?“
Die Frau blickte ihn seltsam an.
„Was meinen sie mit ‚ganze Zeit‘?“
Maximilian stütze ihren mächtigen Körper so gut es ging und half ihr beim Aufstehen.
„Welches Datum haben wir?“ Fragte er sie mit gebrochener Stimme.
Sie lächelte mitleidig, so als ob sie an seinen Verstand zweifeln würde.
„Ich weiß natürlich nicht, ob ich ein paar Tage verschlafen habe, aber es müsste der 20. Dezember sein, denke ich.“
„Und welches Jahr?“
Die Frau erstarrte.
„Was soll diese komische Frage denn? Zweitausendundsiebzehn, selbstverständlich.“
Maximilian dachte nach. Diese Frau lebte also in ihrer Vorstellung noch in der Zeit vor der nuklearen Katastrophe. Und sie sah sich als eine normale Person, ihr ganzes Verhalten und auch der bisherige Dialog sprachen dafür.
„Kommen Sie! Wir gehen jetzt der Sache auf den Grund.“
Er führte sie so gut es ging, versuchte ihr Gewicht zu tragen und gab ihr die Zeit, die sie brauchte, um einen Fuß vor den anderen zu setzen. Es ging jetzt etwas besser als zuvor und nach ein paar Minuten erreichten sie die sanitären Einrichtungen des Bunkerkomplexes.
„Wir sind da, sie müssen dort hinein.“
Er deutete auf die Tür der Damentoilette.
„Kommen sie denn nicht mit?! Ich weiß nicht, ob ich mich alleine ausziehen kann.“ Fragte sie ihn sehr direkt.
Maximilian erinnerte sich daran, wie sich die Frau selbst ins Gesicht geschlagen hatte. Ähnlich einem Spastiker schien sie nicht dazu in der Lage zu sein, ihre Muskeln zu steuern.
„Sie wollen, dass ich sie ...?“ Fragte er verblüfft.
Sie lächelte.
„Es geht ja nicht anders, oder? Sie machen einen vernünftigen Eindruck auf mich und werden sicher auch schon mal eine nackte Frau gesehen haben, oder etwa nicht? Sie können mir ja gleich helfen und meine Blöße bedecken. Haben sie vielleicht ein paar Handtücher da?“
Er bejahte ihre Frage in einem unsicheren Ton, half ihr dabei sich auf eine schmale Holzbank zu setzen, die unter dem Gewicht ihres schweren Körpers ächzte und verließ im Anschluss den Raum. Er kochte seine Wäsche in dem Kessel der Kantine aus und hängte sie dort auch zum Trocknen auf. Dafür hatte er Kabel durch die ganze Küche gespannt und seine Hosen, Shirts und Tücher darüber gehängt. Alles Bestände der Bundeswehr, die er im Lagerinventar des Geheimdienstes gefunden hatte.
„Reichen die? Sie sind eigentlich zu klein für ihre Größe.“ Fragte er seine neue Bekannte, nachdem er das Gefragte geholt hatte.
Ihre blauen Augen strahlten ihn an in diesem Moment und zeigten ihm ihre Dankbarkeit.
„Sie sind lieb, wissen sie das? Ich verstehe das alles nicht. Ich war eher klein, wissen sie? Und jetzt bin ich solch ein Elefantenbaby?“
Sie hielt sich eines der Tücher vor ihr mächtiges Dekolleté und tatsächlich bedeckte es nur die Hälfte davon.
„Wie kann ich ihnen jetzt helfen?“ Fragte er sie unsicher.
Sie blickte ihn erstaunt an. Sie wusste es ja selbst nicht genau.
„Sehen sie vielleicht einen Reißverschluss oder irgendwelche Knöpfe?“
Maximilian untersuchte ihren Körper genau, fand aber nichts dergleichen. Stattdessen berauschte er sich an ihren Duft, der blumig und markant auf ihn wirkte.
„Sie riechen gut, wissen sie das? Haben sie das Parfüm irgendwo gefunden?“
„Ich nehme gar keins.“ Sie roch an ihrem Handgelenk und blickte ihn skeptisch an. „Ehrlich nicht.“
Langsam hörte er auf, sich über etwas zu wundern.
„Also ich sehe nichts, was auf einen Mechanismus hindeutet. Und wenn ich mir den Übergang an ihren Hals ansehe ..., zur Gesichtshaut meine ich.“
Ihre Porenhaut schien nahtlos in die ihres Gesichtes überzuwechseln.
„Aber das kann doch nicht sein. Helfen sie mir aus dem Ding heraus, bitte!“ Sie flehte ihn an und ihre Tränen flossen in Strömen ihre Wangen herunter.
„Wanda! Beruhigen sie sich. Wir klären das alles, einverstanden?“
Er fasste sie an ihren Unterarm und streichelte vorsichtig über diese seltsame Porenhaut hinweg.
Sie schrak auf und entzog sie ihm dabei so energisch, dass sie beinahe von der Bank heruntergerutscht wäre.
„Entschuldigen sie, ich wollte ihnen nicht ...“ Versuchte Maximilian, sich bei ihr zu entschuldigen.
Ihre hellblauen, stark geröteten Augen starrten ihn entgeistert an.
„Ich fühle sie!“
Maximilian stutzte.
„Wie meinen sie das?
„Wenn sie mich anfassen! Das ist mir vorher gar nicht so bewusst geworden, aber ich spüre ihre Berührungen sehr intensiv.“
Sie blickte sich suchend um.
„Gibt es hier einen Spiegel, in dem ich mich sehen kann?“
Maximilians Blick wanderte zu den kleinen Spiegeln hinüber, die sich über den Waschbecken auf der anderen Seite des Raums befanden. Tatsächlich waren sie aber um einiges zu niedrig angebracht worden, als das sich Wanda in ihnen ungehindert hätte betrachten können.
„Nein, einen für sie Geeigneten leider nicht. Aber ich habe eine Idee, wie sie sich dennoch in Augenschein nehmen können.“
Wanda blickte ihn schweigend an, hob betont vorsichtig ihren Unterarm zu ihrem Gesicht hinauf und wischte sich, wie in Zeitlupe, über die Augen. Ihre Tränen liefen unentwegt, während sie selbst mit aller Anstrengung ihre Fassung zu bewahren suchte. Wenigstens schlug sie sich dieses Mal nicht dabei.
„Kommen sie mit. Vielleicht wird ihnen leichter, wenn sie sich im Ganzen sehen können.“
Sie atmete tief durch und nickte ihm zu. Selbst jetzt im Sitzen, war sie fast genauso groß wie er.
„An ihre Größe werde ich mich erst noch gewöhnen müssen. Geht´s?“ Fragte er sie.
Sie stand vorsichtig auf, ließ sich von Maximilian helfen und hielt ihn weiter an seiner Hand fest. Es sah jetzt vollends so aus, als ob ein kleiner Junge neben seiner Mutter herlaufen würde.
„Ihre Hand fühlt sich überhaupt nicht kalt an. Eigentlich sogar sehr warm.“
Wanda schien von seinen Feststellungen nichts mehr hören zu wollen.
„Bitte, können wir erst einmal nicht mehr davon sprechen?“
Maximilian versprach es ihr und führte sie in einen kleinen Raum hinein, der vor der Katastrophe als Konferenzraum gedient hatte. Er bat sie vor einer Leinwand stehen zu bleiben, holte einen Laptop aus dem Großraumbüro, verband es mit einer Stromsteckdose und klappte es auf. Er richtete dabei die kleine Webcam auf Wanda und hoffte, dass ihre Qualität zu diesem Zweck ausreichte.
„Noch einen kleinen Moment dauert es, dann können sie sich betrachten.“
Sie antwortete ihm nicht, zeigte ihm aber durch ein Nicken an, dass sie ihn verstanden hatte.
Langsam heizte sich die Projektorlampe des Beamers auf, dann warf er einen erst sehr matten, dann zusehens helleren Schein an die Wand. Sein Lüfter sprang an und ließ ein weiches Rauschen hören. Schon wurden blasse Schemen eines Frauenkörpers erkennbar, dann erste klare Konturen.
„Wer hat mir das angetan?“ Fragte Wanda verstört.
Maximilian hatte jede ihrer Reaktionen genau beobachtet. Erst hatte sie schockiert ihr Abbild angestarrt, dann sich angewidert davon abgewendet.
„Ich weiß es nicht. Aber vielleicht finden wir es noch heraus?“
Wanda zögerte, dann drehte sie sich noch einmal zu ihrem Spiegelbild an der Wand um.
„Mein Gesicht, es sieht ganz gut aus, oder?“ Ihre Stimme klang versöhnlicher.
„Es ist sehr hübsch, ja.“ Stellte Maximilian fest.
Vorsichtig hob sie ihre Hand an die Stirn und strich sich über die Augenbrauen.
„Ich kann alles fühlen und spüren. Dieses Ding dort, das bin tatsächlich ich.“
Sie kam mit dieser Erkenntnis nur sehr schwer zurecht.
„Finden sie meinen Körper anziehend?“
Maximilian blickte sie überrascht an.
„Warum fragen sie mich das?“
„Na ja, sie haben mir vorhin auf meine Brüste gestarrt und ...“
Er druckste herum und wusste nicht, was er ihr zur Antwort geben sollte. Schließlich rang er sich doch dazu durch, bei der Wahrheit zu bleiben.
„Sie entsprechen so ziemlich dem Ideal, ja.“
Wanda nahm es hin, drehte ihren Oberkörper ein wenig seitlich ein und strich sich über ihre ausladende Hüfte.
„Ich war eher ein wenig mollig, wissen sie? Nicht viel, aber vielleicht hätte ich mir gewünscht, ein wenig so auszusehen wie jetzt.“
Sie zog einen der Stühle vom Konferenztisch weg, ließ sich darauf nieder, doch gab dieser sofort mit lautem Krachen nach. Wieder stürzte sie und blieb verdutzt auf den Boden sitzen.
„Das gibt es doch nicht!“
Maximilian half ihr erneut auf und schlug vor, sich auf den massiven Tisch zu setzen. Wanda weinte und hielt sich beide Hände vor das Gesicht.
„Ich halte das nicht aus. Ich wünschte, ich wäre tot.“ Ihre Stimme klang gebrochen und weinerlich.
Maximilian konnte sie gut verstehen. Wie oft in den letzten Jahren hatte er sich ähnlich gefühlt, wie sie in diesem Augenblick. Überfordert von den Umständen, die er erst langsam mit der Zeit gelernt hatte für sich zu akzeptieren.
„Sie haben mir heute viel Hoffnung und Glück geschenkt, wissen sie das eigentlich?“
Sie senkte ihre Hände und blickte über sie hinweg zu ihm rüber.
„Wie das denn?“
„Sie sind seit dreißig Jahren der erste Mensch, mit dem ich mich unterhalten kann.“
„Dreißig Jahre?“ Die Riesin sah ihn an, als ob sie an seinen Verstand zweifeln würde.
„Wanda, ich möchte sie nicht weiter quälen, von daher ...“
„Sagen sie schon! Was ist passiert?“ Bat sie ihn schließlich.
„Es hat einen Atomkrieg gegeben, mehr weiß ich selbst nicht.“
„Ich kann das nicht glauben, ich meine wie ...“
Maximilian unterbrach sie und erzählte ihr kurz zusammengefasst von der Weihnachtsfeier seines Betriebes. All seine Kollegen waren oben geblieben, um im alten Vereinshaus miteinander zu feiern und es sich gut gehen zu lassen. Er allein war zurückgeblieben, mit dem Versprechen seiner engsten Freunde ihn zwei Stunden später abzulösen. Auch zwei Mitarbeiter vom Geheimdienst teilten sein Schicksal, doch nachdem von oben keine Nachricht mehr eingegangen war, sind sie mit dem Fahrstuhl hochgefahren, um nachzusehen. Sie ließen ihn zurück, weil sie mit einem Terroranschlag gerechnet hatten und er keinerlei militärische Erfahrung besaß.
Mit zittriger Stimmer berichtete er Wanda von dem Schlüsselmoment.
„Kaum das sich die Schleusentür hinter ihnen geschlossen hatte, habe ich die Nachricht von den Umweltsensoren bekommen. Innerhalb kurzer Zeit hatte es fünf riesige Temperaturausschläge gegeben, so heiß wie die Oberfläche der Sonne. Ab diesen Zeitpunkt gab es kein Anzeichen dafür, dass über mir noch etwas am Leben war.
„Wir sind hier unter der Erde?“ Fragte Wanda schockiert und blickte sich instinktiv nach Fenstern um. „Haben sie nicht versucht, wieder hinaufzugelangen?“ Ihre Stimme überschlug sich.
Maximilian verneinte.
„Nein. Der Weg zur Schleuse ist blockiert. Die Türen gehen nicht mehr auf.“
„Kann es nicht sein, dass diese Sensoren ...“
Maximilian schüttelte seinen Kopf. Diese Fragen kannte er alle schon. Er hatte sie sich selbst oft genug gestellt.
„Ich fürchte nicht. Es gibt keine Verbindungen mehr nach außen, trotz vierfacher Redundanz. Keine Zwischenstelle antwortet mehr, auch keiner der Netzknoten.“
5 Nachforschungen
Er betrachtete die Maschinenfrau nachdenklich.
„Wanda? Wollen wir uns den Bereich, aus dem sie gekommen sind, vielleicht näher ansehen? Ich denke wir finden dort Antworten auf Fragen, die sie betreffen.“
Sie wirkte wie erschlagen auf ihn und antwortete erst nach einigen Minuten auf seinen Vorschlag. Regungslos starrte sie vor sich auf den Boden, richtete dann ihren Blick auf ihn und bat ihn um ein wenig Ruhe. Später wollte sie ihm dann gerne folgen.
Natürlich gab er ihr die Zeit und räumte ihr auch die Möglichkeit ein, diese Nachricht ohne seine Anwesenheit zu verarbeiten. Doch Wanda wollte nicht allein bleiben und so wartete er geduldig ab, bis sie sich einigermaßen gefangen hatte. Sie weinte während dieser Zeit ungehemmt und gerade dieser emotionale Ausbruch war es, der Maximilian beruhigte. Auch wenn ihr Körper eher der Fantasie eines Filmemachers entsprungen schien, spiegelte ihr Gesicht deutlich ihre Gefühle wieder.
Zwei Stunden später, gingen sie zurück in den Bereich des Nachrichtendienstes und blieben dort vor dem engen Mauerloch stehen.
„Ich mache es für sie größer, warten sie.“ Bat ihn Wanda und beugte sich etwas vor, um ihre rechte Hand an dem Mauerspalt anzusetzen.
Ohne sichtlich Anstrengung brach sie Stücke aus der Wand heraus und schien keinerlei Vorstellungen davon zu haben, was sie dort eigentlich tat.
„Kommt ihnen das nicht seltsam vor?“ Fragte er sie schließlich, nachdem er sie voller Staunen bei der Arbeit beobachtet hatte.
Wanda hielt inne und drehte sich zu ihm um.
„Was sollte mir seltsam vorkommen?“
„Diese Kraft? Ich meine, sie reißen gerade eine Bunkerwand ein.“
„Bunkerwand? Ich dachte, das wäre so etwas wie Rigips hier.“
Erschrocken blickte sie auf ihre Fingerspitzen mit den monströsen Fingernägeln herunter. Sie waren über und über mit weißen Staub bedeckt.
„Das ist beeindruckend. Wirklich.“ Gab ihr Maximilian sein Erstaunen preis.
Wanda schien sich selbst wesentlich nüchterner zu sehen.
„Schön, dass sie sich wenigstens für meine Situation begeistern können.“ Stellte sie gefrustet fest.
„Sehen sie es mir bitte nach! Aber ich habe so etwas wie sie noch nie zuvor gesehen.“
„Etwas?“ Fragte sie ihn mürrisch.
„Entschuldigen sie, ich, ich ...“ Er ahnte, was er mit seinen Worten bei ihr angerichtet hatte.
Sie winkte ab und ging nicht weiter darauf ein. Machte den Weg für ihn frei und ließ ihn dann an sich vorbei, in die Maueröffnung treten. Er selbst hatte nicht einmal ein Krümel aus der Mauerwand herausschlagen können und für Wanda schien sie ähnlich einem Vorhang zu sein, den man einfach beiseitezog.
„Die Wand ist drei Meter dick!“ Er blickte zurück und konnte diese Feststellung kaum verarbeiten. Dieses Wesen musste unglaubliche Kräfte entfalten können.
„Ich habe sie klopfen gehört. Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie erleichtert ich in diesem Moment gewesen bin.“ Erwiderte Wanda und presste dabei ihren massiven Körper durch den Mauerspalt. Brocken lösten sich dabei aus dem Beton- und Stahlgemisch.
„Wissen sie, warum man sie an den Tisch gefesselt hat?“ Fragte Maximilian seine Begleiterin schließlich.
Sie verneinte, berichtete ihm aber, dass sie über eine Vielzahl von Leitungen mit einem großen Apparat verbunden worden war. Sie hatte diese abgezogen, in dem Moment wo sich die Klammern geöffnet und sie sich vom Tisch abgerollt hatte. Maximilian mutmaßte, dass Wanda dem Stromausfall ihre Befreiung zu verdanken hatte, anders konnte es eigentlich nicht sein.
„Auf jeden Fall ist das ein wissenschaftlicher Bereich, von dem weder ich, noch einer meiner Kollegen, etwas geahnt hatte.“ Er blickte sich in dem großen Labor um, in dem eine Vielzahl von Instrumenten, Behälter und Gefäßen untergebracht worden war. Auch gab es eine große Anzahl an Computer und Apparaturen, deren Funktion er nicht einmal im Ansatz erahnen konnte.
„Ich werde das gleich näher in Augenschein nehmen, sehen wir uns erst einmal die anderen Räume an!“
„Kennen sie sich denn aus?“ Fragte Wanda voller Hoffnung.
„Mit Computern schon etwas, ja.“
Die große Frau nickte und stolperte ihm hinterher. Trotz ihrer unbeholfen wirkenden Bewegungen, schien sie jetzt ein wenig leichter mit ihrem Körper zurechtzukommen.
Der nächste Raum ähnelte eher einer Werkstatt, denn einem Labor. Ähnlich groß wie der Vorherige, war er mit vielen Gerätschaften und Präzisionsinstrumenten versehen worden. Vom Schweißgerät, über Fräsen, Sägen und Drehmaschinen, bis hin zum Industrie-3D-Drucker schien alles vorhanden zu sein.
„Der Computer dort!“
Er zeigte in eine bestimmte Richtung und stürzte auf das Gerät zu.
„Was ist damit?“ Wollte Wanda wissen und stolperte ihm hinterher.
„Die Diode! Sie brennt!“
Tatsächlich schien das Gerät aktiv zu sein.
Maximilian konnte sein Glück kaum in Worte fassen. Das Gerät war nicht gesperrt worden. Egal wer hier gearbeitet hatte, er hatte sich nicht mehr um irgendwelche Sicherheitsrichtlinien scheren wollen.
Er bewegte hektisch die Maus und suchte den Dateiexplorer. Hastig verschaffte er sich einen groben Überblick, dann hatte er auch schon etwas gefunden, was ihn interessierte. Ein Text tauchte vor ihm auf und hastig überflog er dessen Zeilen.
„Ach du Scheiße!“ Stellte er fest.
Wanda hatte einen großen Glaskolben in die Hand nehmen wollen, zerdrückte ihn aber bei dem Versuch ihn zu greifen. Maximilian fuhr herum, er erschrak furchtbar durch das grelle Klirren des Glases.
„Was? Machen sie es nicht so spannend.“ Wanda überging ihr Malheur, kam zu ihm rüber und wollte sich auf seiner Schulter abstützen, doch brach Maximilian regelrecht unter ihrer Last zusammen.
„Entschuldigen sie bitte! Ich komme mir langsam vor, wie ein Elefant im Porzellanladen.“
Er stöhnte und hatte Mühe damit sich wieder aufzurichten.
„Ich mag in ihren Augen zwergenwüchsig sein, sie aber sind dann ziemlich übergewichtig meine Werteste.“
Tatsächlich zeigte Wanda ihre Zähne und ein damit verbundenes Lächeln.
„Man wollte, dass wir das hier lesen. Im Gegensatz zum Archiv und dem Bereich des BND war dieser Betrieb hier besetzt. Anscheinend hatte man hier genauso wenig eine Ahnung, dass wir existent sind, wie in umgekehrter Richtung. Jedenfalls haben sich die Leute hier schon kurz nach dem Angriff auf den Weg an die Oberfläche gemacht, sie wären ansonsten verhungert.“
„Und der Computer hat so lange funktioniert?“
Maximilian kam das selbst unwahrscheinlich vor.
„Anscheinend. Vielleicht war die Hardware in dieser Richtung ausgelegt worden? Auch im Archiv habe ich bisher kaum Ausfälle gehabt in dieser Richtung.“
Er schloss die Datei und machte sich daran weitere Informationen zu suchen.
„Sehen sie bitte nach, ob sie einen Aufzug oder dergleichen finden können. Wenn nicht, werden sie uns wohl einen Weg nach oben buddeln müssen.“ Lachte er.
Wanda zögerte. Sie wollte alleine nirgendwo hingehen.
„Können wir das später zusammen machen? Bitte!“
Maximilian nickte, verbarg aber seine Enttäuschung vor ihr.
„Na schön. Geben sie mir nur bitte ein wenig Zeit, damit ich das hier durchgehen kann.“
Wanda beobachtete den Mann dabei, wie er es sich an dem Computerarbeitsplatz bequem machte, sich Notizen zurechtlegte und erst einmal das Gerät an sich untersuchte. Er wollte keine Überraschungen erleben und ihm wichtig scheinende Datensätze erst einmal auf einem USB-Stick sichern. Trotz seines Alters gefiel dieser Mann Wanda sehr. Er hatte eine schlanke, sportliche Figur, graue Haaransätze und ein reifes, ernstes Gesicht, dass eine gewisse Stärke ausstrahlte. Dreißig Jahre allein in dieser Höhle? Man musste stark sein, um dabei klaren Verstandes zu bleiben.
„Wie alt sind sie, Maximilian?“
Er löste sich widerwillig von dem Inhalt eines PDF´s, das er gerade geöffnet hatte und blickte zu ihr auf.
„Ich bin vor zwei Wochen zweiundfünfzig Jahre alt geworden.“
„Alles Gute nachträglich.“ Wanda rang sich ein Lächeln für ihn ab.
Der Mann nickte ihr zu, schob sich den Stuhl zurecht und kratzte sich verlegen an seinem Hinterkopf. Er wollte gerade weiterlesen, als sie ihm die nächste Frage stellte.
„Haben sie Frau und Kinder?“
Er seufzte und wandte sich ihr ein weiteres Mal zu.
„Wanda, ich wollte ...“
„Nur diese eine Frage noch. Bitte!“
„Ich hatte eine Freundin.“
Die Riesin lächelte, zeigte er ihr gegenüber doch deutlich seine Verlegenheit.
„Wie heißt sie denn?“ Schob sie ihre nächste Frage nach.
„Warum fragen sie mich das alles ausgerechnet jetzt?“
Sie legte ihm ihre schwere Hand auf die rechte Schulter ab und schien ihn mit dieser Geste besänftigen zu wollen.
„Man möchte einfach wissen, mit wem man es zu tun hat. Schließlich werden wir künftig einiges an Zeit miteinander verbringen.“
Maximilian sah erstaunt zu ihr auf. Er hatte sich die Tragweite ihres Zusammentreffens noch gar nicht vor Augen geführt.
„Sie hieß Mara.“ Beantwortete er ihre Frage. „Und jetzt geben sie mir bitte etwas Zeit, Wanda. Sie sind doch selbst auch neugierig, oder?“
Ihre blauen Augen zeigten auf einmal Unsicherheit und für einen kurzen Moment blickten sie über ihn hinweg, bevor sie sich wieder auf ihn richteten.
„Ich habe Angst vor dem, was sie da über mich in Erfahrung bringen. Können sie das verstehen?“
Tatsächlich konnte er das nachvollziehen. Wanda war, so sah es zumindest für ihn aus, alles andere als freiwillig in diese Rolle hineingeraten. Er legte seine linke Hand über die ihre und störte sich in diesem Moment nicht an der Last, die sie ihm damit aufgebürdet hatte. Überhaupt schien sie von ihren körperlichen Dimensionen keine konkrete Vorstellung zu haben.
„Ich bin bei ihnen.“
Sie seufzte und deutete auf den Bildschirm.
„Ich versuche, jetzt ruhig zu bleiben. Versprochen.“
In den nächsten sechs Stunden versank Maximilian in einem Wust aus Berichten, Anträgen und Plänen. Ein gewaltiges Werk war hier geschaffen worden und das mit dem ambitionierten Ziel, die Menschheit vor sich selbst und ihren Auswüchsen zu schützen. Wichtige Entscheidungsträger der Republik hatten über zehn Jahre hinweg gewaltige Summen in dieses Projekt gesteckt und ein sogenanntes K.E.E. geschaffen. Maximilian brauchte nicht lange Rätsel raten, bis er die Gewissheit darüber gewonnen hatte, dass es sich dabei um Wanda handeln musste. 47 Milliarden Euro! Eine unvorstellbare Summe. Und das allein für ihre Herstellung und Entwicklung.
„Und? Können sie schon etwas sagen?“ Fragte sie schließlich. Vielleicht hatte sie seinen erstaunten Gesichtsausdruck bemerkt.
Maximilian nickte, schob den Stuhl zurück und drehte ihn so, dass er ihr gegenüber saß.
„Man hat ihnen Unrecht angetan, Wanda. Auch wenn ich dabei den Tätern zugutehalten muss, dass die Absichten dahinter nicht die Schlechtesten gewesen waren.“
„Was meinen sie damit?“
Er dachte darüber nach, wie er sich ihr erklären konnte, und suchte angestrengt nach den passenden Worten.
„Sie haben mir erzählt, dass sie sich an eine Befragung erinnern, haben sie eine Vorstellung davon, wie lange diese gedauert haben könnte?“
Wanda wirkte unsicher in diesen Moment und hob schließlich ihre Schultern. „Zwei, vielleicht auch drei Stunden?“
„Vier Wochen. Und sie wurden nicht befragt, sondern verhört und dabei unglaublichen Stress ausgesetzt. Im Grunde genommen hat man sie gequält.“
Wanda blickte den Mann vor sich erschrocken an. Sie konnte sich nicht an solch eine Situation erinnern.
„Aber warum? Ich habe doch niemanden etwas getan. Man wollte mich doch nur als Schreibkraft beschäftigen.“
„Sie haben niemanden etwas getan, Wanda. Genau das ist der Grund, weshalb man sie ausgesucht hatte.“
„Wofür ausgesucht? Ich verstehe das alles nicht, Maximilian. Können sie nicht endlich mal auf den Punkt kommen?“
„K.E.E. ist ein Programm zur Lösung geopolitischer Konflikte, Wanda. Ausgeschrieben heißt es dann auch Konflikt-Entscheidungs-Einheit.
Wanda blickte ihn aufmerksam an, begriff aber immer noch nicht.
Ein Kee ist eine Symbiose aus anorganischen und organischen Materialien. Ein künstlicher Organismus, der geschaffen wurde, um unvorstellbare Leistungen und Fähigkeiten zu entfalten. Es sollte im Ausland eingesetzt werden, vor allem in Ländern, die von autokratischen Gesellschaftssystemen, sprich Diktaturen beherrscht werden. Dabei sammelt es Beweise von Verbrechen, gewinnt Kenntnisse über die Strukturen des Regimes, das diese begeht und macht sich dann daran dieses aufzulösen.
„Sie wollen sagen, dass ich ...“
„Sie sind Kee, Wanda. Genau. Sie sind das Ergebnis eines 47 Milliarden Euro schweren Programms zur Schaffung eines Racheengels.“
„Das kann nicht sein, lieber Maximilian. Ich bin ein friedlicher Mensch, ich kann ja nicht einmal eine Fliege töten. Wirklich nicht. Ich habe in meinem ganzen Leben nie etwas verletzt, geschweige denn Schlimmeres angetan.“
„Und genau das ist der Grund, warum ihr Gehirn in dieses System eingebettet worden ist. Es stellt eine Art von Sicherung des Ganzen da, verstehen sie? Erst wenn sie zu der Überzeugung gekommen sind, dass ein Verbrechen verhindert werden muss, koste es, was es wolle, tritt Kee in Erscheinung.“
Wanda starrte ihn verblüfft an.
„Sie wollen sagen, dass in diesem Ding nicht nur mein Kopf steckt?“
Maximilian blickte sie betrübt an.
„Wenn sie mit Kopf ihr Gehirn meinen, dann ja.“
Die Riesin sackte förmlich in sich zusammen und wirkte in diesem Moment wie ein Häufchen Elend. Wanda schien regelrecht überwältigt worden zu sein, von dem, was Maximilian ihr gerade erklärt hatte.
„Kann ich ihnen irgendwie helfen?“
Sie blickte auf ihn herunter und nickte schließlich.
„Sie haben von einem Grund gesprochen. Erzählen sie mir davon.“
Maximilian hatte Mühe ihren Gedanken zu folgen.
„Sie meinen für das Programm?“
Wanda nickte.
„Nun, daran ist vor allem die Nato schuld. Unser Land wurde dazu verpflichtet gewaltig aufzurüsten und einen erheblichen Teil seines Staatsvermögens in die Streitkräfte zu stecken. Diese Aufrüstung hätte es aber in einen direkten Konflikt mit anderen Ländern gebracht, was man aufgrund der Erfahrung mit der eigenen Vergangenheit unbedingt vermeiden wollte. Dazu kam noch die besorgniserregende politische Entwicklung in anderen Ländern, man suchte ihr etwas entgegenzusetzen, ohne dabei selbst in Erscheinung treten zu müssen.“
Maximilian stand auf und breitete weiter seine Gedanken vor ihr aus.
„Verstehen sie, was das Kee bedeutet hätte? Dieses System hätte Verbrecher beseitigt, ohne das diese einen Zusammenhang mit westlicher Außenpolitik hätten herstellen können. Es wäre Detektiv, Richter und Henker in einem gewesen.“
„Sie klingen ziemlich begeistert.“ Erwiderte die Frau schockiert.
Maximilian blickte sie überrascht an. Klang er wirklich so? Sicher konnte er nachvollziehen, wo ihre Bedenken lagen, aber sah nicht auch sie die Möglichkeiten, die sich damit für die Welt geboten hätten?
„Es wäre vielleicht die Lösung gewesen, die unser Planet gebraucht hätte.“
Wanda schien da ganz andere Meinung zu sein.
„Es wäre die Lösung von Männern gewesen, meinen sie. Frauen neigen nicht zu solchen Mitteln und vielleicht hätte es in der Weltpolitik nur ein paar Entscheidungsträger mehr von meinem Geschlecht geben müssen.“
Maximilian wollte sich nicht streiten. Für ihn gab es in diesen Punkt zwischen den Geschlechtern keinen Unterschied. Wie hieß es in dem Sprichwort? Gelegenheit macht Diebe und der Crux war der Mensch an sich.
„Sie haben vorhin von Fähigkeiten gesprochen, welche sind das genau?“ Wollte Wanda wissen und blickte dabei über ihr mächtiges Dekolletee hinweg an ihren neuen Körper herunter.
Maximilian wandte sich zu dem Computer um und fasste zusammen, was er herausgefunden hatte.
Ihr ganzer Organismus ist biomechanischer Natur, voll regenerierbar und extrem kraftvoll. Sie sind um den Faktor dreißig stärker als der Olympiagewinner im Kraftdreikampf 2016. Unvorstellbar, oder? Ihr Körper ist von seiner Konstruktion her dem eines Insekts nachempfunden worden, wenn er auch nicht danach aussieht. Ihre ganze Haut zum Beispiel ist neben einem Exoskelett auch ein einziges Facettenauge. Jede dieser Poren ...“ Er nahm ihre Hand und deutete auf einen der kleinen Punkte. „... ist dazu in der Lage seine Umgebung zu beobachten, sie zu riechen, sie zu schmecken und zu fühlen. Sie nehmen Wellen auf jeglicher Frequenz wahr, Licht, Energie ...“
Er drehte ihre Hand so um, dass er ihr den Handrücken zeigen konnte.
„Dazu kann ihre Haut ein elektrisches Feld erzeugen, ähnlich dem eines Zitterals. Das dient nicht nur der Verteidigung, sondern auch als EMP für umliegende elektrische Gerätschaften.“
Wanda beobachtete den Mann vor sich angespannt. Er schien sich an ihren Möglichkeiten regelrecht zu berauschen.
„Der absolute Knaller aber ist ...“
Er blickte sie mit leuchtenden Augen an.
„... sie können sich perfekt tarnen. So als ob sie unsichtbar wären, verstehen sie?“
Wanda starrte ihn an, als ob er geisteskrank geworden wäre.
„Unsichtbar?“ Fragte sie dann auch zweifelnd.“
Maximilian nickte.
„Jede Pore ihrer Haut, kann Bildinformation an eine, auf der gegenüberliegende Körperseite befindliche senden. Diese passt dann ihre Farbe entsprechend an und schon verschmilzt Kee mit seiner Umgebung.
„Aha.“ Stellte sie gefrustet fest, unfähig seine Begeisterung zu teilen.
„Wanda! Sie haben mich gefragt, oder etwa nicht?“
„Ja, das habe ich. Sie haben ja Recht. Gibt es sonst noch etwas, was ich wissen sollte?“
„Sie können in jeden Wellenbereich des Lichts sehen, selbst bei absoluter Dunkelheit. Für sie macht es keinen Unterschied, ob hier das Licht brennt oder nicht. Sie könnten auch dann noch lesen, wenn ich bereits glaube erblindet zu sein.“
Er hob ihre Hand an und drehte sie jetzt zurück auf den Rücken. Eine Art Buckel befand sich oberhalb ihres Handgelenks am auslaufenden Unterarm, mit zwei darin eingelassenen Schlitzen.
„Und was ist das jetzt?“ Fragte sie ihn.
„Das sind zwei verborgene Klingen, die bei einem Angriff zum Einsatz kommen würden. Da hat jemand wohl zu viele Wolverinecomics gelesen in der Entwicklungsabteilung.“
Wanda schwieg. Maximilians Enthusiasmus war gleichzeitig eine Erklärung für sie, warum man sie zu diesem Ding gemacht hatte. Sie war das Ergebnis von bizarren Männerfantasien geworden.
„Dabei hätten eigentlich ihre Krallen doch schon ausgereicht, was?“ Stellte Maximilian amüsiert fest.
„Stehen sie bitte auf und drehen sie sich um. Ich will ihnen zeigen, was ich mit unsichtbar meine.“
Sie erhob sich langsam und verriet dabei deutlich ihre Anspannung.
„Wir sind gleich fertig, Wanda, nur noch das.“
Er ging um ihren massigen Körper herum und tastete dessen Rückseite ab.
„Ich habe es gefunden!“ Drang es triumphierend aus seinem Mund heraus.
Sie fragte nicht mehr nach. Hatte kein Interesse mehr daran, eine weitere Monstrosität an sich entdecken zu müssen.
„Das ist das Gaussgewehr! Man sieht es nicht, kann es aber ganz deutlich fühlen. Der Wahnsinn. Ich habe gehört, dass sie an so etwas gearbeitet haben, aber dass es fertig entwickelt worden ist ...“
„Hören sie jetzt auf damit, ich habe genug davon.“
Widerwillig ließ er von ihr ab.
„Es tut mir leid, ich habe nicht daran gedacht, wie schwer das alles für sie sein muss.“
Wandas blaue Augen blieben auf den Bildschirm gerichtet, ohne sich jedoch dafür zu interessieren. Sie schwieg und schien kein Interesse mehr daran zu haben, ihrer Verwandlung weiter zu erforschen.
Maximilian setzte sich wieder an den Arbeitsplatz und stöberte weiter in dem Datenmaterial. Vielleicht gab es ja neben weiteren Erkenntnisse über das Kee auch Informationen über einen möglichen Fluchtweg? Ihm schien jetzt alles möglich zu sein.
Zwei Meter und achtundfünzig Zentimeter maß Wanda in der Höhe, wog fast eine halbe Tonne und schien gegen alle möglichen äußeren Gewaltanwendungen bestmöglich geschützt worden zu sein. Nur an ihrer Psyche schien man bei ihrer Konzeptionierung nicht gedacht zu haben.
„Ich hätte nie geglaubt, dass man solche Möglichkeiten hat. Es fühlt sich alles ein wenig an wie in einem Superheldenfilm, aber schaut man genauer hin, wird alles plausibel. Man hatte einfach unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung und viele kluge Köpfe, die das Unmögliche möglich gemacht haben.“
Er spürte, dass Wanda seinen Kommentar nicht im Raum stehen lassen konnte. Aber sollte er denn lügen? All diese Errungenschaften imponierten ihm.
„Ich bin doch nur ein Spielzeug, nichts weiter. Das Ergebnis von gestörten Männern mit riesigen Komplexen.“
Ihm ging ihre Mutmaßung zu weit. Schließlich hatte man ein klares Ziel vor Augen gehabt, als man das Kee geschaffen hatte. Man wollte, dass es jemanden gab, der die Menschheit vor sich selbst rettete und Wanda wäre die Einzige dafür in Frage kommende Lösung gewesen.
„Sie glauben mir nicht, oder?“
Er blickte sie seltsam an und zögerte seine Antwort hinaus.
„Geben sie mir ihre Hand!“ Forderte sie ihn auf.
Sie streckte ihre gewaltige Hand aus, die dennoch feingliedrig und weiblich wirkte.
„Was haben sie mit ihr vor?“ Fragte Maximilian verstört.
„Bitte! Es ist wichtig, damit sie meinen Standpunkt verstehen können.“
Unsicher legte er seine Hand in die von Wanda und schrak zusammen, als sich ihre Finger um sie herum schlossen. Diese Geste wirkte so endgültig in diesen Moment, fühlte sich doch Maximilian dieser gewaltigen Kraft ausgeliefert, die dieser Frau innewohnte. Doch die dosierte ihre Energie dieses Mal sehr präzise und tat ihm nicht weh dabei.
„Machen sie ihre Augen zu.“
„Aber warum muss ich ...“
„Bitte, Maximilian! Ich fange sonst gleich wieder das Heulen an.“
Er seufzte, gab aber nach. Er stand auf, schloss seine Augen und ließ sich von ihr führen.
Wanda zog seine Hand an ihren Körper heran, führte sie zwischen ihren Schenkel hinein und drückte sie gegen die Protektorplatte, die ihrer Scham stilisierte.
Für Maximilian fühlte es sich so an, als ob er eine Schale durchgedrückt hätte und seine Hand in einem warmen, von der Konsistenz her sehr dickflüssigen, zähen Dotter eintauchte.
„Warum eine Vagina?“ Fragte Wanda ihn schließlich zynisch.
Der Mann riss seine Augen auf, blickte zu seiner Hand herunter und zog sie hektisch zwischen ihren Beinen heraus. Entsetzt blickte er zu ihr auf, unfähig das gerade Erlebte zu verarbeiten.
„Weshalb haben sie das getan?“ Fragte er sie verstört.
Wanda schüttelte ihren Kopf. Sie hatte keine Lust sich vor ihm zu rechtfertigen.
„Beantworten sie mir meine Frage, Max. Warum habe ich eine Vagina? Wozu braucht eine Killermaschine Genitalien? Können sie mir das erklären? Die Männer die mich geschaffen haben waren Perverse und ich möchte mir nicht einmal vorstellen, was man mir alles angetan hat, während ich dort wehrlos auf der Liege lag.“
Der Mann antwortete ihr nicht und schaute immer noch ungläubig auf seine Faust herunter. Er musste Wanda recht geben, das alles war wirklich schwer zu durchschauen.
„Vielleicht brauchen sie Körperöffnungen zum Ausscheiden von Abfallprodukten?“
Wanda wandte sich genervt von ihm ab.
„Die hätte man auch funktionaler gestalten können, oder? Ich habe sogar Nippel, wollen sie sie fühlen? Glauben sie mir jetzt, oder suchen sie immer noch nach einer wissenschaftlichen Erklärung?“
Er blickte zu ihr rüber und betrachtete nachdenklich ihre massiven, überdimensioniert wirkenden Brüste.
„Sie können sie ruhig anfassen, wenn sie mir nicht glauben, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an. Meine Eigenen sind ja tot.“
Maximilian verzichtete. Wanda hatte Recht, von diesen Details hatte nichts in der Präsentation gestanden.
Er schwieg, sah nachdenklich zu ihr rüber und wusste nicht, was er ihr gegenüber noch entgegnen sollte. Er schämte sich in diesem Moment dafür, ein Mann zu sein. Hätte man dieses hübsche Gesicht gebraucht? Oder diese extremen Kurven? Prominente Frauen hatten sich unter das Messer gelegt, um wenigstens im Ansatz so auszusehen wie Wanda.
Betretenes Schweigen auf beiden Seiten. Wanda spielte nervös mit ihren Krallen, bis in sie hinein, schien aber zu begreifen, dass diese nicht nachgeben würden. Maximilian wandte sich wieder dem Computer zu und suchte nach weiteren Informationen, die ihnen vielleicht helfen konnten.
Tatsächlich waren nur Männer an dem Projekt beteiligt gewesen. Wanda schien also Recht zu haben. Frauen hätten wahrscheinlich gegen solch eine sexistische Umsetzung des Projektziels protestiert.
Maximilian las weiter, öffnete verschiedene Abhandlungen und Einsatztheorien und fand immer extremere Auswüchse, die dieses Wesen ausmachen sollten. Neben Wandas Bewusstsein gab es auch noch Kee´s Unterbewusstsein. Beide beeinflussten das Handeln dieser künstlichen Lebensform stark abgegrenzt und doch in Abhängigkeit voneinander. Wanda war so etwas wie die Richterin, Kee Häscher und Henkerin. Dabei wurden dem Kee alles an Kampftechniken, Einsatztaktiken und Verhörmethoden mitgegeben, die man hatte in Erfahrung bringen können. Es gab Ablaufpläne und Wahrscheinlichkeitsmodelle von Fern- und Nahkämpfen, zu erwartende Reaktionen von Gegnern, Fahndungs- und Suchmuster, welche Kee zum Einsatz bringen konnte, aber diese auch vorhersah, wenn man sie gegen sie selbst zu richten suchte. Jedes noch so kleine Detail war umgesetzt, jede noch so abstrakte Idee realisiert worden.
6 Die Wohngemeinschaft
„Haben sie Hunger?“
Maximilian war erleichtert, dass Wanda wieder ein paar Worte an ihn richten wollte.
„Im Moment nicht, aber sie vielleicht?“
Die große Frau verneinte, legte ihren Kopf schief und nagte nervös an ihrer fülligen Unterlippe herum.
„Dürfte ich etwas für sie kochen? Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Ich kann mich dabei entspannen, wissen sie?“
„Na klar können sie das. Nach all den Jahren ist das doch ein echtes Highlight für mich. Nur meine Vorräte werden nicht all zu viel hergeben, fürchte ich. Kommen sie! Ich zeige ihnen die Kantine und das, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann.“
Wanda folgte ihm vorsichtig, stützte sich an Tischen und Wänden ab, kam aber jetzt deutlich besser mit ihren Bewegungen zurecht, als zuvor.
So gingen sie den Hauptgang entlang und betraten zum ersten Mal gemeinsam die Kantine.
„Ach her je, wie sieht es denn hier aus?“
Wanda wischte mit ihren Finger über die Theke und hinterließ dabei mit ihrem Fingernägeln tiefe Riefen.
„Tut mir leid! Ach, Mensch, worauf habe ich denn noch alles zu achten?“
Sie fuhr herum und blickte Maximilian böse an.
„Haben sie nicht mal darüber nachgedacht, hier ab und an Staub zu wischen?“
Maximilian sah rüber zur Theke und tatsächlich befand sich eine Millimeter dicke Staubschicht darauf.
„Ich habe hier genug zu putzen und sorgen tue ich mich vor allem um die technischen Einrichtungen. Dabei hatte die Küche keine all zu hohe Priorität. Ich konzentriere mich da eher auf den Arbeitsbereich.“
Wanda schien seine Sicht nicht teilen zu wollen und sondierte erst einmal die Schränke.
„Hier ist ja so gut wie nichts mehr da!“
Maximilian verdrehte seine Augen.
„Tut mir leid, der Supermarkt um die Ecke hat schon um acht Uhr zu gemacht.“
Die Frau in der martialischen Rüstung warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Im Gegensatz zu ihnen hatte ich keine dreißig Jahre Zeit, um mich hier anzupassen.“
Er gab sich einsichtig, wollte sie aber auch auf seine eigene Situation aufmerksam machen. Er erzählte ihr, wie seltsam es sich für ihn anfühlte auf einmal Gesellschaft zu haben. Er war oft depressiv gewesen, hatte mit den Gedanken gespielt sich das Leben zu nehmen und fühlte sich jetzt, ab dem Augenblick wo sie in sein Leben getreten war, zum ersten Mal wieder lebendig.
„Es tut mir ja leid, wenn ich sie angeschnauzt habe. Ich kann eine ziemliche Ziege sein.“ Wanda gab sich versöhnlicher und legte ihm im Vorübergehen ihre Hand auf die Schulter.“
Sie ließ sich von ihm zeigen, was er an Nahrungsmitteln hatte, suchte ein paar Konserven und zwei Packungen Epa daraus aus und versuchte sie ein wenig anzurichten. Notverpflegungen! Alles war vakuumversiegelt und in Konserven eingeschlossen. Maximilian beobachtete Wanda dabei, wie sie Kekse einweichte, den Brei mit Schokolade überzog und diesen dann in den Ofen stellte. Dazu gab es noch eine Brühe, Ragout vom Reh, ein paar Erbsen und Kartoffelbrei.
„Wollen sie denn gar nichts essen?“ Fragte er sie, erstaunt darüber, dass sie nur für eine Person deckte.
„Ich habe zwar Appetit, aber keinen Hunger.“ Wieder liefen Tränen ihre Wangen herunter und Maximilian begriff jetzt, worauf ihre Bemerkung abzielte.
„Sie essen nicht?“
Sie hob ihre Schultern.
„Ich habe zwar eine Muschi, aber so wie es aussieht keinen Magen.“ Stellte sie zynisch fest. Dann hob sie den Löffel an ihre Nase und roch daran.“
„Aber ich kann zumindest schmecken, wenigstens das.“
Sie deutete auf einen der Stühle und bat ihn darauf Platz zu nehmen. Sie selbst setzte sich auf den Nachbartisch und sah ihm beim Essen zu.
„Danke, dass sie das alles hier für mich gezaubert haben.“
Wanda nickte und schien sich zu freuen, dass es ihm schmeckte. Sie hatte etwas möglich gemacht, was er selbst über die Jahre nicht zustande gebracht hatte, die Notration schmeckte ihm auf einmal.
„Kann ich duschen gehen? Ich würde gerne herausfinden, wie sich das für mich anfühlt.“ Fragte ihn Wanda, nachdem er aufgegessen hatte.
„Aber sicher doch. Sie wissen ja, wo die Toilettenräume sind. Die Handtücher liegen noch da.“
Er streckte sich und gähnte. Seine Körper fühlte sich von jetzt auf gleich bleischwer an und er sehnte sich nach seinem Bett.
„Sie sind müde. Gehen sie schlafen, mein Lieber!“ Schlug ihm Wanda auf halben Weg zum Gang vor.
Maximilian gab ihr Recht. Er fühlte sich satt, zufrieden, aber eben auch erschöpft von all den ungewohnten Anstrengungen und Eindrücken der vergangenen Stunden.
„Im Archivbüro gibt es zwei Betten für die Nachtschicht. Ich nehme die Matratze von dem einen Bettgestell herunter und lege sie für sie auf den Boden.“
Wanda wandte sich an der Tür noch einmal zu ihm um.
„Und die ist dann für mich?“
Er bestätigte ihre Vermutung.
„Und warum darf ich nicht im Bett liegen?“
„Sie wiegen 485 Kilogramm, das hält das Gestell nicht aus.“
Die Riesin ließ seine Erklärung unkommentiert und ging rüber zu den Toiletten. Maximilian räumte in der Zwischenzeit das Geschirr ab, spülte es und sortierte es in die Schränke ein. Im Anschluss ging er auf die Herrentoilette, wusch sich gründlich Gesicht und Oberkörper und putzte sich mit den Fingerspitzen seine Zähne. Letzteres dauerte fast zehn Minuten, er wollte unbedingt eine Zahnerkrankung vermeiden.
Unter der alten ausgewaschen Bundeswehrdecke verkrochen, hörte er sie im Einschlafen kommen. Sie versuchte, leise zu sein, doch ihre unbeholfenen Schritte und Bewegungen waren unschwer zu überhören.
„Entschuldigung.“ Flüsterte sie und legte sich umsichtig auf die Matratze, die unter ihrem enormen Gewicht sofort nachgab. Auch sie war keinesfalls dazu geeignet, ihre gewaltige Masse zu betten.
„Maximilian?“
Er hatte es geahnt, wollte ihr aber wegen der erneuten Störung nicht böse sein. Diese Frau hatte zu viel durchgemacht, um einfach so einschlafen zu können.
„Ja?“
„Darf ich sie Max nennen?“
Er lächelte. Tatsächlich war das gewöhnlich sein Rufname gewesen.
„Natürlich dürfen sie das. Sie können mich auch duzen, wenn ihnen das lieber ist.“
Gerne nahm sie sein Angebot an. Was hätte das auch für einen Sinn gemacht, in ihrer Situation weiterhin förmlich zu bleiben?
„Max?“
Er kämpfte wirklich mit seiner Müdigkeit, machte ihr aber auch noch dieses Zugeständnis.
„Ja, Wanda?“
Sie zögerte mit dem Stellen ihrer Frage, und schien sich für sie zu genieren.
„Würdest du dich ein wenig zu mir legen? Ich gebe zu, dass ich ein wenig ängstlich bin, wenn ich hier alleine bleibe. “
Maximilians Sinne wurden noch einmal wach. Auf der anderen Seite des Raumes lag das teuerste und mächtigste Waffensystem der Welt und hatte Angst?
„Du sagst ‚Nein‘, oder?“ Flüsterte sie leise.
Maximilian winkte ab.
„Warum sollte ich das? Ich kann dich gut verstehen.“
Er stieg aus dem Bett heraus, kam zu ihr und legte sich auf den schmalen Rand, den sie ihm freigeräumt hatte. Für Wanda bedeutete das allerdings, dass die Hälfte ihres Körpers auf dem nackten Boden zum Liegen kam.
„Darf ich in deinen Arm?“ Die hübschen blauen Augen der Maschinenfrau, blickten ihn flehentlich an.
„Es tut mir leid, aber das ist keine gute Idee.“
Er erinnerte sie daran, dass ihr Kopf um die sechzig Kilo wiegen musste.“
Sie sah es ein, doch schon gab es einen neuen Grund für sie, um ihre Tränen fließen zu lassen. Ein tiefes Schluchzen drang aus ihrem Kussmund heraus, dann schloss sie ihre Augen. Wanda hatte Recht gehabt mit ihrer Vermutung. An ihrer Schöpfung mussten sich wirklich Männer berauscht haben.
„Ich kann mich in deinen legen, wenn das für dich in Ordnung ist.“ Schlug er ihr schließlich vor.
Natürlich war sie einverstanden. Hauptsache er war ihr nahe. So bettete er seinen Kopf auf ihren ausgestreckten rechten Oberarm, legte seinen Arm unterhalb ihrer Brust auf ihrem Bauch ab und fühlte sich einen Moment lang versucht darüber hinweg zu streichen. Auch hier waren die Panzerplatten Bauchmuskeln nachgeformt worden und liefen dabei schmaler werdend, zur Scham hin aus.
„Du fühlst dich sehr weich an, Wanda. Das ist seltsam.“
„Ich kann entspannen, wenn du bei mir bist. Vielleicht liegt es daran?“ Ihre linke Hand strich vorsichtig über seine Brust, dann legte sie sie auf ihren Oberschenkel ab.
„Wenn ich dir als zu sentimental erscheine, verzeih mir das bitte. Ich bin schon immer eine ziemliche Heulsuse gewesen, ich kann nichts dafür.“
„Du bist einfach sehr sensibel, daran ist nichts Verkehrtes. Und jetzt schlaf schön!“
„Danke, du auch.“
Maximilian schloss seine Augen und genoss den Luxus von Gesellschaft und Geborgenheit. Er war gerade dabei, sich aus seinem Bewusstsein zu verabschieden, als ihre Stimme erneut in sein Ohr drang.
„Max?“
„Wanda, sei mir bitte nicht böse, aber ich ...“
„... wir haben jetzt gar nicht nach den Fahrstuhl gesucht.“
Maximilian fiel es wie Schuppen von den Augen. Sie hatte Recht! Er war so begeistert von ihrer Konstruktion und ihren damit verbundenen Fähigkeiten gewesen, dass er gar nicht mehr daran gedacht hatte.
„Wir können später danach suchen. Bevor wir an die Oberfläche zurückkehren, sollten wir uns erst einmal entsprechend vorbereiten.“
„Was glaubst du, was wir dort finden werden?“
Das war eine Frage, die er sich selbst schon oft gestellt hatte.
„Ich weiß es wirklich nicht. Wollen wir morgen ...“
„Ich bin ruhig, ich bin ruhig. Versprochen!“ Versicherte sie ihm.
Es dauerte nur wenige Sekunden und Maximilian war in einen tiefen Erschöpfungsschlaf gefallen. Ein leises Schnarchen drang zwischen seinen Lippen heraus, gefolgt von einem tiefen Atemzug.
Die Riesin lächelte. Für sie war das in diesem Moment eine reine Entspannungsmusik. Sie betrachtete den kleineren Mann in ihren Arm eingehend und fühlte sich immer stärker zu ihm hingezogen. Ihr wurde warm zwischen den Schenkeln und auch in ihren Brüsten spürte sie ein elektrisierendes, fast unangenehm intensives Kribbeln. Vorsichtig schob sie die Finger der linken Hand zwischen ihre Schenkel und fühlte sofort einen Schwall an Feuchte, der zwischen ihren Beinen herausquoll. Sie hob ihren Kopf an, betrachtete ihre feucht glänzenden Fingerspitzen voller Staunen und weigerte sich in diesem Augenblick, sich ihre Lust einzugestehen.
Maximilian fand nur mit Mühe aus seinem Schlaf heraus. Erst als sein Verstand langsam wieder zu arbeiten begann, kehrten mit ihm auch die Erinnerungen an die vergangenen Stunden zurück. Er lag auf der Matratze, die er gestern auf den Boden ausgelegt hatte und fand seinen Kopf auf einer zusammengerollten Decke gebettet, während er seinen Körper mit einer zweiten sorgsam zugedeckt fand.
Es war kein Traum gewesen! Er war wirklich nicht mehr allein hier unten eingeschlossen. Fast hätte er bei diesem Gedanken lachen müssen. Nein, jetzt waren sie zu zweit hier unten eingeschlossen. Er selbst und ein Ding, das eine Mixtur aus Mensch und Maschine darstellte. Er ärgerte sich über seine Gedanken. Wanda war ein Mensch vom Fühlen und Handeln her. So wollte er sie auch als einen Solchen sehen. Spätestens, wenn das Besondere an ihr, für ihn zur Normalität geworden war.
Er richtete stöhnend seinen Oberkörper auf, suchte sich zu strecken und blickte sich verschlafen um. Wanda war nirgends zu sehen. Er brauchte noch ein wenig Zeit, um sich zu sammeln, stand schließlich auf und tapste aus dem Büro heraus, hinein in die große Halle, mit ihren fast zweihundert Arbeitsplätzen. Wo sie wohl steckte? Vielleicht war sie noch einmal duschen gegangen? Die Brause schien ihr gestern gutgetan zu haben.
Er fand die roboterartig wirkende Frau in der Kantine. Sorgsam wischte sie über die Platten der Tische und schien nicht weiter überrascht zu sein, als er hinter ihr auftauchte.“
„Guten Morgen! Warum bist du denn schon aufgestanden?“ Fragte er sie mit heiserer Stimme.
Sie zeigte ihm ihr hübsches Gesicht, das ähnlich gefrustet dreinschaute wie am gestrigen Tag.
„Ich konnte nicht schlafen, da habe ich hier ein wenig aufgeräumt.“
Maximilian sah sich um und fand alles sorgsam geputzt vor. Nur ein Tisch lag in Trümmern, dessen Reste er sorgsam in eine Ecke abgelegt fand.
Sie folgte seinen Blick und entschuldigte sich.
„Ich habe mich zu sehr auf ihn abgestützt.“
Ihm war es egal, der Tisch hatte keine weitere Bedeutung für ihn, Wandas Zustand aber schon. Sie schien, ähnlich wie gestern auch schon, sehr unruhig und bedrückt zu sein. Er näherte sich ihr, wollte ihr seine Hand auf die linke Schulter legen, als sie ihm auch schon auswich und Abstand zu ihm suchte.
„Ich kann das im Moment nicht. Entschuldige.“
„Habe ich etwas falsch gemacht?“ Fragte er sie besorgt.
Wanda verneinte und suchte nach den nächsten Einsatzort für ihren Wischlappen.
„Wenn es zwischen uns Probleme gibt, sollten wir darüber sprechen, wir sind schließlich aufeinander angewiesen.“ Meinte er schließlich, nachdem er sie eine Weile bei ihrer Arbeit beobachtet hatte.
Sie warf ihm einen genervten Blick zu, wollte aber nichts erwidern.
„Bitte, Wanda! Sag mir, was mit dir los ist.“
„Dort hinten ist dein Frühstück, du brauchst es nur in die Mikrowelle zu stellen.“
Maximilian wunderte sich. Wanda hatte sich zwei Handtücher um ihre mächtigen Oberschenkel gebunden.
„Haben die eine besondere Aufgabe?“
Die Riesin blickte überrascht an sich herunter und bekam einen roten Kopf.
„Lass mich bitte in Ruhe!“
Sie wandte sich ab und verließ hastig den Raum. Maximilian blickte ihr nach, überlegte einen Moment lang, ob er ihr folgen wollte, unterließ es dann aber. Vielleicht musste sie sich erst einmal wieder beruhigen. Fragen würde er ihr in der nächsten Zeit keine mehr stellen, es schien dabei nichts Gescheites herauszukommen. Frauen! Er war schon damals bei Mara immer wieder vor eine Wand gelaufen, ohne diese vorher bemerkt zu haben.
Wanda hatte ihm mit viel Liebe Brote geschmiert, Eipulver und Trockenmilch zu Rührei verkocht und sogar ein Papierhandtuch zur Serviette gefaltet. Dass sie sich in einer solch schlechten Stimmung befand, konnte also nicht mit ihm in Zusammenhang stehen.
Trotzdem befand er es für besser sie fürs erste in Ruhe zu lassen. Er hatte heute viel vor und würde sich genau überlegen müssen, was er davon als erstes in Angriff nehmen wollte. Eigentlich hatte er die Absicht gehabt, sich mit Wanda aufzumachen, um nach dem zweiten Schacht zu suchen, doch nun verschob er dieses Vorhaben nach hinten, um weiter den riesigen Datenschatz des Kees zu sichten.
So nahm er sich ein Glas Wasser mit, ging rüber in den bisher vor ihm verborgenen Wissenschaftstrakt des Bunkers und setzte sich dort, wie schon am gestrigen Tag an den Rechner. Sollte er noch einmal nach Wanda sehen, bevor er begann? Der Wunsch in ihm war da, doch zögert er und wusste nicht, was richtig war in diesen Moment. Schließlich entschied er sich dafür, eine der Dateien zu öffnen und in ihr zu lesen.
Dieser Dr. Mikimoto schien ein Workaholic gewesen zu sein. Nach seinen Aufzeichnungen zu urteilen, hatte er bis zu zwanzig Stunden am Tag mit dem Projekt verbracht und an dem neuronalen Logikgatter des Kees gearbeitet. Dabei ging es um nichts Geringeres als die künstliche Intelligenz des Kampfsystems und seine Anbindung an Wandas menschliches Gehirn. Beide schienen eine enge Koexistenz miteinander zu führen, da Wandas Gehirn allein gar nicht dazu in der Lage gewesen wäre, all die Informationen und Steuerbefehle zu verarbeiten, die einen Einsatz mit ihrem künstlichen Körper mit sich gebracht hätte. Und auch wenn Wandas Geist recht einfach auf ihn wirkte, war diese Frau die Einzige gewesen, die den Eignungstest bestanden hatte. Nur eben nicht freiwillig. War es nicht im Grunde genommen ein Verbrechen gewesen, das man Wanda angetan hatte? Oder kam es doch eher einem Geschenk gleich?
Maximilian konnte nicht glauben, was er hier las. Zehntausende waren untersucht worden, Soldaten der Bundeswehr, genauso wie Beamte und Angestellte des Staatsdienstes. Doch keines ihrer Gehirne schien zu diesem Wesen kompatibel gewesen zu sein, abgesehen von dem der Schreibkraft.
Ein Dr. Helm schien die Leitung des Projekts innegehabt zu haben und er war es auch gewesen, der sich bis zuletzt gegen einen Einsatz des Kees ausgesprochen hatte. Der Wissenschaftler schien sich bis zum Schluss nicht darüber im Klaren gewesen zu sein, inwieweit sich beide Nervenzentren gegenseitig beeinflussen und welche Auswirkungen das auf den Einsatz des Kee haben konnte. Er schien Dr. Mikimoto nicht zu glauben, dass es Wanda war, die den künstlichen Organismus steuerte und nicht das ihr assistierende Kee.
Mikimoto war es auch gewesen, der das Verhalten und die Bedürfnisse der KI programmiert und damit entscheidend geprägt hatte. Er wollte es unbedingt eingesetzt sehen und hatte seinem deutschen Vorgesetzten diesbezüglich immer wieder bedrängt. Der Computer des Japaners war es, den Maximilian jetzt benutzte und so fand er auch einige persönliche Dokumente des Forschers im Speicher, verfasst in dessen Muttersprache.
Die Befürchtungen Helms konnte Maximilian nachvollziehen. Es steckte eine mächtige Recheneinheit in Kees Kopf basierend auf biologische Zellstrukturen und Schaltkreisen, zehntausend Mal leistungsfähiger als der Multiprozessor des Großrechners im Archiv. Wie diese die eingehenden Informationen verarbeiten und werten würde und wie zuverlässig diese mit dem Verhaltenskodex und Moralempfinden Wandas harmonisierte, war anscheinend kaum abwägbar für das Forscherteam gewesen. Auf jeden Fall ging die Mehrzahl der Wissenschaftler davon aus, dass es zu früh war, um sich wirklich sicher sein zu können, dass das Kee die ihm anvertraute Macht nicht missbrauchen würde.
Maximilian überkam ein ungutes Gefühl. Warum war die Kee letzten Endes dennoch gestartet worden? Und vor allem von wem? Er hatte Mikimoto in Verdacht, der wahrscheinlich vor dem Verlassen des Bunkers, seinem Projekt Leben einzuhauchen suchte.
Ging es Wanda deshalb so schlecht? Weil sie die ganze Zeit gegen das Kee ankämpfen musste und sich ihm nicht ergeben wollte? Oder war ihr Verhalten wirklich nur der Überforderung geschuldet, solch ein makaberes Schicksal annehmen zu müssen?
Der Informatiker schloss seine Augen und lehnte sich in dem einfachen Bürostuhl zurück. Wenn Wanda die Kontrolle über das System verlor, war es eh aus mit ihm. Was sollte er sich also darüber Gedanken machen?
„Hast du Neuigkeiten?“
Er schrak auf und fuhr herum.
Wanda stand einen halben Meter hinter ihm und blickte über seinen Kopf hinweg auf den Bildschirm herunter. Er hatte sie weder gehört, noch gespürt.
„Ein wenig noch, ja.“
Wanda schien nervös zu sein. Wahrscheinlich war sie sich nicht sicher, ob sie das wirklich hören wollte, was er ihr zu sagen hatte.
„Willst du mir davon erzählen?“
Maximilian zögerte.
„Ich möchte dich nicht anlügen, Wanda. Aber ich glaube, im Moment wäre das zu viel für dich.“
Die Riesin schien sich widererwarten damit zufriedenzugeben.
„Kann ich mich ein wenig zu dir setzen? Ich störe dich auch nicht weiter.“
Er war einverstanden und deutete auf den Tisch neben sich, wo sie schon am gestrigen Tag gesessen hatte. Sie hatte immer noch die Handtücher um ihre Oberschenkel gewickelt und Maximilian vermochte sich einfach nicht vorzustellen, was der Grund für dieses merkwürdige Verhalten sein konnte.
„Ist etwas bei dir kaputt? Vielleicht sollte ich mal einen Blick darauf werfen?“
Ihre Reaktion war merkwürdig harsch.
„NEIN! Da ist nichts weiter. Lass es bitte einfach so wie es ist.“
„Gut, wenn dir das lieber ist.“ Erwiderte Maximilian eingeschüchtert.
Sie rang sich ein Lächeln für ihn ab und ließ ihre mächtigen Hände ineinandergreifen, ohne das es zu einer Kollision mit ihren Krallen kam. Maximilian fiel diese Entwicklung auf und und so lobte er sie dafür.
„Du stellst dich immer geschickter an, ich glaube es dauert nicht mehr lange und du wirst dich ohne große Komplikationen fortbewegen können.“
Sie hob ihre Schulter, antwortete ihm aber nicht.
„Wenn wir nach oben gehen ..., was werden wir dort machen?“
Maximilian erinnerte sich daran, dass Wanda ihn schon gestern danach gefragt hatte.
„Ich glaube, wir sollten uns erst einmal einrichten und später dann nach Überlebenden suchen. Vielleicht finden wir dann auch eine Aufgabe, der wir nachgehen können?“
„Welche Aufgaben könnten das sein?“ Wollte Wanda wissen.
„Keine Ahnung. Wir werden schon herausfinden, wo und wie man uns braucht.“
Wanda sah nachdenklich auf ihn herunter und in dem Moment wo sich ihre Blicke trafen, wandte sie sich von ihm ab.
„Du bleibst bei mir, oder?“ Fragte sie ihn leise.
„Wenn du mir das erlaubst, ja.“
Sie nickte und dennoch überkam Maximilian das Gefühl, dass sie ein Problem damit haben könnte.
Und wenn dieses Verhalten doch auf das Kee zurückzuführen war? Es vielleicht ihn für all die Verbrechen verantwortlich zu machen suchte, die diese „Wissenschaftler“ Wanda angetan hatten?
„Darf ich dich etwas fragen?“
Sie sah ihn an, gespannt darauf was er von ihr wollen könnte.
„Bist du irgendwie sauer auf mich?“
Sie senkte ihren Blick und zappelte seltsam mit ihren massiven Beinen herum. Auch jetzt musste sie sich mit ihnen abstützen, denn ansonsten hätte der Tisch ihr Gewicht gar nicht zu tragen vermocht.
„Wir sollten offen miteinander reden, Wanda. In unserer Situation machen wir uns doch zusätzlich das Leben schwer, wenn etwas zwischen uns steht.“ Wiederholte er ein zweites Mal sein Argument.
Wanda zögerte noch immer damit, ihm eine Antwort zu geben. War das nicht im Grunde genommen schon eine Bestätigung für ihn?
„Wanda! Was ist los mit dir! Lass mich dir endlich helfen!“ Seine Stimme überschlug sich.
Ihre Miene verfinsterte sich in diesen Augenblick und ihre Augen funkelten ihn an.
„Gut! Wenn du das willst.“
7 Wandas Problem
Sie holte tief Luft, streckte ihren Körper durch und nahm dann wieder ihre vorherige Sitzposition ein.
„Ich habe gestern eine Vermutung aufgestellt, erinnerst du dich?“
Natürlich tat er das und wenn er an das gerade Gelesene dachte ...
„Ja und ich gebe dir mittlerweile recht, es sieht wirklich danach aus.“
Sie überging seine Zustimmung und wirkte in diesem Augenblick noch niedergeschlagener als zuvor.
„Ich war mit achtundzwanzig Jahren immer noch Jungfrau und hatte Mühe damit, mir meine Lust gegenüber einen Mann einzugestehen.“
Maximilian verstand den Zusammenhang nicht und wollte sie unterbrechen, aber sie sprach einfach weiter und gab ihm somit keine Gelegenheit dazu.
„Es lag gar nicht so sehr daran, dass sie mir nicht gefallen hätten, aber ich hatte riesige Komplexe ihnen gegenüber. Nicht unbedingt deshalb weil ich nicht die Hübscheste war, oder ein paar Kilo zuviel auf den Knochen gehabt habe, sondern aus Angst, dass ich von ihnen verletzt werden könnte. Mir taten die Menschen oft weh, weil sie wussten, dass ich ihnen nicht lange böse sein konnte. Ich war das geborene Opfer für sie.“
„Und genau wegen dieser Eigenschaft hat man dich ausgesucht, Wanda. Du bist ein guter Mensch, einer den man bereit war diese Macht anzuvertrauen.“
Die Riesin lachte heiser auf. Es klang bitterböse und voller Aggression in diesen Moment. Maximilian gestand sich ein, dass er in dieser Situation Angst vor ihr hatte.
„Ich bin geil auf dich! Verstehst du, was ich sage? Ich würde dir am liebsten Gewalt antun, um mir deinen Schwanz einzuverleiben. Das bin nicht ich, verstehen du, Max? Deshalb die Handtücher! Es ist mir peinlich, dass ich vor Geilheit auslaufe, wenn wir aufeinandertreffen.“
Maximilian starrte sie an, als ob er von einem Schlag getroffen worden war. Er hatte mit vielem gerechnet, aber das es solch einen Grund geben könnte, darauf wäre er nie gekommen.
Er erinnerte sich daran, was Mikimoto über das Kee geschrieben hatte. Ihre körperliche Präsenz sollte dazu dienen den Feind zu verwirren und dessen tiefste Instinkte dazu zu bringen, im entscheidenden Augenblick gegenüber der Konfliktentscheidungseinheit zu zögern. Deshalb auch der von ihr verströmte Duft, die ausgesonderten Pheromone verstärkten ihre optischen Reize noch zusätzlich. Aber warum hatte sie selbst ein Bedürfnis nach Nähe und Sexualität? Und weshalb verband sie diese ausgerechnet mit ihm?
„Ich bin früher schon bei einem Kuss zusammengezuckt und hatte Angst vor meinem ersten Mal. Und wie ist es jetzt? Ich fühle mich wie eine notgeile Schlampe dir gegenüber und wenn man das an mir geändert hat, dann frage ich mich, was noch innerhalb meines Schädels kaputt gemacht worden ist.“
Sie schüttelte den Kopf, biss sich auf die Lippen und drückte beide Hände in ihren Schoß hinein. Dabei beugte sie sich nach vorne über, so als ob sie einen Schmerzkrampf im Bauchraum durchleiden musste.
Beide kämpften auf ihre Weise mit dem Ausgesprochenen. Wanda suchte ihren Trieb vor ihm zu bändigen und zurück in die Normalität zu finden, er nach einer Möglichkeit damit umzugehen. Es war ja nicht so, dass er nicht gerne mit ihr schlafen würde! Als Mann hätte er sich ihren Bedürfnissen nur all zu gerne angenommen, nur ob ihm das bekam und vor allem ihr, dessen war er sich nicht sicher. Und Mara? Das war alles so absurd. Er trauerte ihr seit dreißig Jahren nach!
„Ich gehe duschen. Dann halte ich es wieder für eine Weile aus.“ Stöhnte sie und stand mühsam auf.
Maximilian hob seinen Arm, als Zeichen dafür, dass er sie verstanden hatte. Sie verließ indessen den Raum, wankend und mit holprigen Schritten. Die von ihre zuvor gezeigten Behändigkeit, schien sie von jetzt auf gleich wieder eingebüßt zu haben.
Den Rest des Tages gingen sie sich aus dem Weg und die zwischen ihnen zustande gekommene Partnerschaft schien schweren Schaden genommen zu haben. Klar, sie redeten noch miteinander, aber sie suchten auch beide einen gewissen Abstand, um die Intensität ihrer Gefühle dadurch zu lindern. Erst gegen Abend, er saß wieder im Labor des Japaners, hörte er ihre Schritte auf dem Gang.
„Max! Ich habe die Tür aufbekommen!“ Klang es triumphierend vom Eingang her.
Er blickte von dem Monitor auf und wandte sich zu ihr um.
„Was für eine Tür meinst du?“
„Sie ist hier gleich den Gang runter. Komm, ich bringe dich zu ihr!“
Wanda zeigte deutlich ihre Aufregung, sprang von einem Fuß auf den anderen und hätte beinahe nach seiner Hand gegriffen, um ihn hinter sich herzuziehen.
„Wollten wir das nicht zusammen machen?“ Fragte er sie, während sie den Gang entlang eilten.
„Ich tue dir nicht gut, wenn ich hierbleibe, das fühle ich.“
„Wanda! Warum sagst du so etwas? Sollte ich das nicht mitentscheiden? Ich brauche dich. Mein Leben hat doch endlich wieder einen Sinn bekommen durch dich.“
Sie blieb stehen und verharrte für ein paar Sekunden auf der Stelle.
„Ich bringe dich nach oben und wenn wir dort jemanden finden, bei dem du in Sicherheit bist, dann brauchst du mich nicht mehr.“
Maximilian runzelte seine Stirn. Er schien ganz anderer Ansicht zu sein.
„Wanda! Jetzt beruhige dich doch bitte! Ich kann dir helfen mit deinem neuen Leben zurechtzukommen. Als Einziger vielleicht. Gib mir diese Möglichkeit!“ Er blickte sie eindringlich an. „Nein gib sie uns! Außerdem wissen wir nichts über die Verhältnisse dort oben! Sieh dich an! Du bist doch völlig unbeholfen, trotz deiner Stärke und den Möglichkeiten, die dir das Kee gibt.“
Wanda ging auf ihre Knie herunter, ließ sich nach vorne fallen und presste ihre Fäuste gegen ihren Unterleib. Wieder schien sie starke Schmerzen zu haben. Diese Schockstarre schien sie nur mit äußerster Anstrengung zu überwinden und so dauerte es eine Weile, bis sie sich erneut ihm zuwenden konnte.
„Komm mit!“ Ächzte sie mühsam. „Ich will es dir zeigen.“
Er folgte ihr, gespannt auf das, was sie entdeckt hatte. Im Grunde genommen kam ihre Ankündigung für ihn einer Sensation gleich.
Wanda hatte eine Schottür aufgebrochen und die Schiebetüren der Schleuse mit Gewalt aufgezogen. Man konnte die Rillen sehen, die ihre Krallen auf den Oberflächen der Türen hinterlassen hatten. Sie mussten einen Zentimeter tief sein und das im gehärteten Stahl! Maximilian schaltete seine Taschenlampe ein, deren Kegel den dunklen Gang vor ihnen in einen hellen Schein tauchte. Die Wandungen des Tunnels waren intakt, nur die Beleuchtung schien in diesen Teil des Bunkers komplett ausgefallen zu sein. Vielleicht brachte er die Lichtanlage wieder zum Laufen? Er würde sie sich bei der nächsten Gelegenheit einmal ansehen.
„Dort vorne ist er!“ Wanda zeigte mit ihrem ausgestreckten Arm auf das Ende des Flurs. Wie er es am gestrigen Tag schon gelesen hatte, schien sie sich ohne Probleme in der Dunkelheit orientieren zu können.
Maximilian sah den zur Personenkabine ausgebauten Förderkorb. Er steckte schräg verkantet in der Führung fest und die drei Kabel, die ihn gehalten hatten, waren gerissen. Egal wer in ihm auf den Weg nach oben gewesen war, weit ist er nicht gekommen.
„Siehst du! Dort liegen sie.“
Ein heftiger Schreck jagte durch Maximilians Körper. Keine vier Meter neben ihm lagen mehrere Körper regungslos auf den Boden. Allesamt zeigten sie starke Zersetzungsspuren und man konnte kaum noch etwas Menschliches an ihnen entdecken.
„Die Wissenschaftler?“
Wanda wusste es genauso wenig wie er selbst. Zumal es sehr feucht im Schacht war und sich so auch die Kleidung der Toten völlig zersetzt hatte.
„Kannst du etwas sehen? Meine Taschenlampe reicht nicht weit genug.“
Wanda blickte nach oben in den Schacht hinein und verneinte schließlich.
„Nein! Ich glaube nicht.“
„Hältst du es für möglich, die Führungsschienen hinauf zu klettern?“
Wanda drehte sich zu ihm um.
„Ich weiß es nicht. Im Moment fühle ich mich sehr unsicher.“
„Gut! Wir müssen uns eh erst für einen Aufstieg vorbereiten. Wenn wir hochklettern, dürfen wir hier nichts zurückgelassen haben, was wir vielleicht später noch gebrauchen können. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es uns noch einmal hierherziehen wird.“
Wanda schien kein großes Interesse an seinen Ausführungen zu haben und wendete sich ab.
„Ich gehe duschen, ja? Wir sehen uns beim Abendessen. Ich mache dir gerne etwas Schönes, wenn du das möchtest.“
Sie schien ihn mit ihren Vorschlag gütlich stimmen zu wollen.
„Einverstanden. Ich freue mich darauf.“
Wanda zögerte noch einen Moment lang, dann drehte sie sich um und ließ ihn allein in der Dunkelheit zurück. Maximilian blickte ihr nach, wollte aber dann, für sich allein, noch einmal den Schacht absuchen. Vielleicht gab es ja Hinweise oder Spuren, die über die Jahrzehnte hinweg noch nicht verrottet waren?
Das Abendessen verlief zwischen ihnen ziemlich kurzangebunden und Wanda hielt zu ihm ständig ein paar Meter Abstand. Ganz allein wollte sie aber auch nicht bleiben, dazu sehnte sie sich zu sehr nach Gesellschaft.
„Warst du lange mit deiner Freundin zusammen?“ Fragte sie ihn schließlich.
Maximilian blickte von seinem Teller auf und sah überrascht zu seiner neuen Mitbewohnerin rüber, die sich gegen einen der Nachbartische gelehnt hatte. Er wunderte sich über ihre Neugierde, war aber auf der anderen Seite froh darüber, endlich mit ihr ein Gesprächsthema gefunden zu haben.
„Sieben Monate ungefähr. Sie war ein wenig schüchtern, ähnlich wie du auch. Ich habe sie zu allem überreden müssen.“
„Wie meinst du das? Ich meine überreden?“ Fragte sie ihn mit einem misstrauischen Unterton.
„Ich habe sie begehrt und ihr gezeigt wie sehr ich sie mochte. Wie gerne ich mit ihr zusammen gewesen bin und wie schön ich es fand, etwas mit ihr zu unternehmen. Wenn ich sie berühren durfte, war das wie ein Geschenk für mich und erst recht der Moment, in dem ich spürte, dass sie es auch für sich wünschte. Sie musste immer erst ihr Glück zulassen und wenn sie das dann erst einmal geschafft hatte, dann war das wie ein kleiner Sieg für uns beide.“
„Weißt du, warum sie so zurückhaltend war?“
Maximilian war sich dessen nie wirklich sicher gewesen. Aber es hatte wohl mit Martas Vater zu tun gehabt, der eine sehr dominante und auch ungerechte Person seiner Tochter gegenüber gewesen war. Es litt die ganze Familie unter seinem Regiment, vor allem aber Martas Mutter. Er erzählte Wanda von seiner Vermutung.
„Ich hatte eigentlich ganz liebe Eltern.“ Erinnerte sich Wanda. „Sie haben oft miteinander gestritten, aber sich danach auch immer wieder zuverlässig versöhnt. Darüber das diese Versöhnung ausbleiben könnte, wie bei so vielen anderen Paaren, musste ich mir bei ihnen nie Sorgen machen.“ Sie lächelte und schien sich an etwas erinnern zu müssen. „Einmal habe ich sie sogar erwischt, als ich ins Badezimmer wollte. Ein Schock sage ich dir! Sie waren beiden schon weit über fünfzig damals.“
„Hast du Geschwister?“ Wurde sie von Maximilian gefragt.
„Ja, zwei Brüder.“ Wandas Stimme klang in diesem Moment sehr traurig.
„Sie haben sich eine WG am Wall geteilt. In der Innenstadt.“
Maximilian richtete seine Augen auf die Decke. Ob es vielleicht doch noch jemand aus seiner Vergangenheit dort oben gab? Oder waren sie wirklich alle vernichtet worden?
„Weißt du, warum es Krieg gegeben hat?“ Fragte ihn Wanda.
„Ja, eine Vermutung habe ich da schon. Vor allem nach dem, was ich gestern und auch heute auf Mikimotos Rechner darüber gefunden habe.“
Aus seiner Stimme klang deutlich sein Groll heraus.
„Kannst du dich an den Virus erinnern, der in Südamerika zu missgestalteten Babys geführt hat?“
„Ja, du meinst das Zirka-Virus. Es war während der Olympiade ein Thema, kann ich mich erinnern.“
„Eigentlich heißt es Zika, aber Respekt, du hast recht.“
Er machte eine Pause und suchte seine Gedanken zu sortieren.
„Mikimoto war einer der Wissenschaftler, der an dir gearbeitet hat. Viele seiner Dokumente wurden von ihm in seiner Muttersprache verfasst, aber einige wenige Einträge auch in der englischen Sprache. Er spekulierte darüber, dass ein paar Länder der Nato absichtlich eine Pandemie mit einer modifizierten Form des Virus in Afrika und Asien herbeigeführt haben. Sie wollten damit der Bevölkerungsexplosion in diesen Ländern entgegenwirken. Ein neuer Holocaust aus der Ferne sozusagen.“
„Glaubst du, dass er recht hatte?“
Maximilian wusste es nicht. Zumindest konnte er sich nicht daran erinnern in den Medien etwas darüber gelesen zu haben.
„Auf jeden Fall hat man deinen Einsatz immer weiter hinausgezögert und vielleicht liegt ja auch hier der Grund dafür. Man stand auf der falschen Seite.“
„Du meinst, sie hatten Angst, dass ich sie als Verbrecher sehen könnte?“
„Ja, ich fürchte schon.“
„Glaubst du, es hat jemand die Bomben überlebt?“
„Das habe ich mich auch schon gefragt, Wanda, mehr als einmal. Ja, ich denke, es wird Überlebende gegeben haben, wenn auch sehr wenige. Es ist ja nicht nur die Bombe und danach die Strahlung, auch der nukleare Winter wird vielen das Leben gekostet haben.“
„Nuklearer Winter?“
„Das ist die Zeit in der sich die Atmosphäre durch den aufgewirbelten Staub der Explosionen verdunkelt, ähnlich wie bei einem Vulkanausbruch. Das Sonnenlicht wird in diesem Zeitraum reflektiert und nur wenig davon kann die Erde erreichen. Es müssen erst einige Jahre vergehen, bevor dieser Effekt nachlässt.“
Maximilian gähnte und streckte sich.
„Ich bin schon wieder müde. Zeit fürs Bett.“
Wanda sagte nichts, blieb auf Abstand und wartete darauf, dass er die Kantine verlassen würde. Im Gegensatz zu gestern, machte sie keine Anstalten ihm zu folgen und weiterhin seine Gesellschaft zu suchen. Er nahm es hin, ging sich waschen und zog sich dann in das Archivbüro zurück. So dauerte es nicht lange und er fand den Schlaf des Gerechten.
Erst konnte er nicht unterscheiden, ob er das was er hörte träumte, doch dann gebot ihm sein Bewusstsein, genauer hinzuhören. Wanda weinte wieder und auch wenn sie tapfer Abstand zu ihm hielt, vermochte sie es nicht, ihm ganz fern zu bleiben. So konnte er sie laut und deutlich hören, wie sie an ihrer Situation immer mehr verzweifelte und einen Kampf gegen sich selbst führte.
„Wanda! Das geht so nicht weiter. Komm her zu mir!“
Sie machte keine Anstalten, wischte sich mit ihren Unterarmen die Tränen aus den Augen und verneinte schließlich.
„Schlaf weiter, Max. Entschuldige, ich wollte dich nicht stören.“
Er machte ein paar Schritte auf sie zu, während sie sich hastig von dem Tisch, an dem sie sich angelehnt hatte, entfernte. Sie versuchte ihm gegenüber auf Distanz zu bleiben und wollte einen Körperkontakt zwischen ihnen unbedingt vermeiden.
„Bleib weg, bitte! Ich möchte nicht, dass du mich so siehst. Die ganze Zeit heule ich nur rum. Eigentlich erstaunlich menschlich, was? Neben einer Muschi hat man mir anscheinend auch noch ein paar Tränendrüsen zum Flennen verpasst. Vielleicht, um Mitleid bei denen zu erregen, die ich töten soll? Kann doch sein.“ Ihr Zynismus half weder ihm, noch ihr selbst.
Maximilian überwand seine Angst, näherte sich ihr weiter und trieb sie schließlich in eine Ecke hinein. Sie wollte ihm nicht wehtun und verzichtete daher auf jede Reaktion, die ihn gefährdet hätte.
„Lass mich, Max. Bitte!“
8 Ein erstes Mal
Er hob seine Hand an ihr hübsches Gesicht, wischte behutsam ihre Tränen weg und drückte dann seinen Körper gegen den ihren. Sein Kopf reichte gerade mal bis zu ihren mächtigen Brüsten hinauf und so schmiegte er sich an sie an und streichelte mit seinen beiden Händen vorsichtig über sie hinweg.
„Was machst du da?“ Flüsterte sie erschrocken.
Er blickte zu ihr auf und las in ihrem Gesicht die darin deutlich erkennbare Unsicherheit.
„Dich verführen. Ich habe es ähnlich nötig, wie du auch.“
Wanda stöhnte auf und spürte, wie sich ihr Widerstand langsam verflüchtigte. Seine Fingerspitzen hinterließen auf ihren Brüsten einen warmen Schweif, der kribbelte und auf angenehme Art und Weise sie zu kitzeln begann, während aus ihrem Schritt erneut das Sekret herausquoll.
„Lass es einfach zu!“ Forderte er von ihr, lächelte, blickte zu ihr auf und küsste dann den Raum zwischen ihren Halbrunden.
Ihr Gesichtszüge zeigten ihre Anspannung, doch hob sie schließlich vorsichtig ihre mächtige Hand und streichelte mit einer ihrer Krallen über seine Wange.
„Soll ich mich hinlegen?“ Fragte sie ihn schüchtern, unschlüssig ob sie das wirklich zulassen wollte, was er mit ihr vorhatte.
„Ja, drüben auf unsere Matratze.“
Sie nickte ihm zu und freute sich. Max hatte von „unserer“ Matratze gesprochen.
„Ich weiß nicht, ob das gut ist, was wir hier machen.“ Gab sie noch einmal ihrer Unsicherheit ihm gegenüber nach.
„Aber ich weiß es und es wird dir gefallen.“
Kaum das sie mit ihrem Rücken auf der Matratze zum liegen gekommen war, kletterte er ihr schon nach, drängte mit seiner rechten Hand zwischen ihre Beine hinein, ließ sie über ihre Oberschenkel hinweggleiten und näherte sich dann mit seinem Gesicht ihrem Schoß.
Auf der Innenseite ihrer Schenkel gab es keine Panzerung nur diese schwarze Porenhaut, die wie derbes Leder aussah. Er küsste die Stelle, an der eine Frau normalerweise ihre Vagina besaß und tatsächlich konnte er eine Spalte und die seitlichen Erhebungen von Schamlippen fühlen. Vorsichtig glitte er mit seiner Zunge an deren Rand entlang und hörte wie Wanda über ihm vor Erregung aufkeuchte. Ein Schwall an Sekret schoß ihm entgegen, benetzte sein ganzes Gesicht, doch ließ er sich davon nicht beirren, forschte mit seiner Zungenspitze weiter in ihrer Lustgrotte herum und fand schließlich auch so etwas wie eine Perle, die es nun zu stimulieren galt.
In Wandas Körper kam Bewegung, ihre Hände legten sich auf seinen Hinterkopf und drückten ihn sanft in ihren Schoß hinein, während sich ihre mächtigen Beine um seinen Rumpf schlossen. Sie tat ihm nicht weh und dennoch war es ihm so, als ob ihr Körper ihn gefangen nahm und nicht mehr loslassen wollte.
Wanda fühlte sich wie in Trance. In ihrem Gehirn entfaltete sich ein ungeahntes Glück, ein Gefühl zwischen purer Geilheit, Schmerz und elektrisierendem Kitzel. Ein Gefühl, das süchtig machte und alle Ängste, alle Befürchtungen und Trauer aus ihrem Denken herausdrängte. Konnte etwas auf der Welt schöner sein, als das, was sie hier gerade erlebte?
Maximilians Hand klopfte gegen ihre Oberschenkelaußenseite und sofort ließ sie ihn ein Stück weit frei, aus Angst ihm wehgetan zu haben. So kam er zu ihr hoch, kletterte über ihre Brüste hinweg und küsste sie zum ersten Mal auf den Mund. Dabei spürte sie den Druck seines Gliedes oberhalb ihrer Scham und wünschte sich nichts sehnlicher in diesem Moment, als es endlich in ihrem Körper spüren zu dürfen.
Maximilians Zunge drängte zwischen ihre Lippen hinein, forschte nach ihrer Kollegin und begann einen wilden Tanz mit ihr. Beide gaben sich diesem Gefühl des gemeinsamen Glücks hin, doch wurde der Druck ihrer Lust stetig stärker, bis Wanda es nicht mehr aushalten wollte und ihn anflehte, sein Glied bei ihr endlich zum Einsatz zu bringen. So ließ er sich nicht zweimal bitten, rutsche wieder etwas runter und drückte seinen Unterleib zwischen ihre Beine hinein.
Wanda hatte noch nie in ihrem Leben einen ähnlich intensiven Reiz gefühlt wie jetzt, in diesem Augenblick. Sie fühlte sich vom Leben um die Chance betrogen, schon früher solch ein Glück erfahren zu haben. Wovor hatte sie Angst gehabt? Warum war sie immer vor solch einer Art von Nähe zurückgeschreckt? Egal! Vorbei! Was sollte sie mit der Vergangenheit hadern? Sie hatte jetzt einen Mann und der tat ihr so gut, wie kein anderer Mensch bisher. Trotz seiner, im Vergleich zu ihr selbst, kleinen Körperabmessungen und dem geringen Umfang seines Gliedes, füllte er sie dennoch komplett aus und bereitete ihr bei jedem Stoß neben Lust auch einen geilen, prägnanten Schmerz. Es war ein intensiver Mix aus Empfindungen, unglaublich stimulierend, so als ob eine Welle des Glücks in ihren Körper hinein drängte, in jede noch so kleine Faser drang, wieder verebbte und mit dem neuen Stoß noch einmal ein Stück geiler für sie spürbar wurde. Sie fühlte sich jetzt auf eine Art und Weise frei, die sie zuvor nicht gekannt hatte.
Maximilian tauchte regelrecht in Wandas Körper ein. Er spürte die Enge ihrer Scheide, fühlte, wie ihr weiches Liebesfleisch sein Glied regelrecht in sich aufsaugte, sich darum verengte und es aufzuhalten suchte, als er es ihr wieder entzog. Dabei tauchte er seinen Kopf in ihre mächtigen, für ihn so weich und bequemen anfühlenden Brüste ein und roch diesen angenehmen Duft, der ihn betörte und schier um den Verstand zu bringen schien. Hatte sich der Sex mit Mara so für ihn angefühlt? Nicht einmal im Ansatz. Das hier war ...
Wanda bäumte sich auf, drückte noch stärker mit ihren Schenkeln gegen seinen Körper und presste mit ihren Händen seinen Po noch enger an ihren Schoß. Sie drückte ihren Rücken durch, sog röchelnd Luft in ihren Körper und schrie in einem dumpfen, tiefen Grollen ihre Lust heraus. Nicht wie ein Mensch, sondern eher wie ein wildes Tier. War das wirklich noch Wanda? Maximilian hielt inne, doch das Saugen ihrer Spalte holte ihn wieder zurück in den Akt. Dieses Wesen schien noch lange nicht genug von ihm zu haben und gierte nach allem was er ihm geben konnte.
Zehn Minuten später ergoss er sich in ihrem Geschlecht, entzog sich ihr gegen ihren Widerstand und legte sich erschöpft in ihren Arm hinein. Wanda aber standen schon wieder die Tränen in den Augen.
„War das schön für dich?“ Fragte er sie unsicher.
Die Riesin schloss ihre hübschen blauen Augen, öffnete sie wieder und legte ihm dann vorsichtig ihre Pranke auf den Brustkorb.
„Das war das Schönste, was man auf der Welt erleben kann. Das war unbeschreiblich. Danke! Danke, lieber Max! Ich pass auf dich auf, ich gehöre jetzt dir, ich ...“
Die Tränen flossen ungehemmt über ihre Wangen und so wandte sie sich ihm zu, drückte ihm ihre so großen und dennoch sinnlichen Lippen auf seinen Mund und ließ ihre riesige Zunge in ihn hineingleiten. Max würde sich daran gewöhnen müssen, dass zwischen ihnen alles ein wenig anders war.
„Und er ist dir nicht zu klein?“ Fragte er aus einen Moment der Unsicherheit heraus. Dass er ihr so viel Lust bereiten konnte, kam ihm bei diesem körperlichen Missverhältnis unwahrscheinlich vor.
„Er tat mir sogar ein wenig weh. Aber eine schöne Art von Schmerz, schwer zu beschreiben.“
Sie ließ eine ihrer Krallen über seine Brust hinweggleiten, sanft und voller Gefühl. Dann küsste sie ihn erneut.
„Können wir das öfter haben? Ich mag das sehr.“ Bat sie ihn.
Max lächelte. Das sollte sich ohne weiteres einrichten lassen, schließlich hatten sie Zeit genug für ihr Liebesspiel.
„Ich bin dabei, nur muss ich zwischendurch eine Pause bekommen, um nachzuladen.“
Wanda nickte und schien seine Worte ernst zu nehmen.
„Dauert das sehr lange, bis du wieder kannst?“
Er tröstete sie, bat sie aber um ein wenig Geduld. Er richtete sein erschlafftes Glied auf, um es ihr zu zeigen.
„Ich weiß nicht, was du da unten hast, aber das Teil hat ihn regelrecht ausgewrungen. Davon muss er sich schon ein wenig erholen.“
Wanda machte sich sofort Sorgen um ihn.
„Ich wollte dir nicht weh tun. Verzeih mir! Ich passe auf beim nächsten Mal, versprochen. Dir wird nie ein Leid geschehen, dafür sorge ich.“ Aus ihrer Stimme klang Angst heraus.
Er streichelte mit seiner Hand über ihr Gesicht hinweg und Wanda küsste sie, in dem Augenblick, in dem sie über ihren Mund strich. Es war schön mit dieser Frau, trotz dessen sie fast gänzlich ein synthetisches Wesen war.
9 Die Suche nach weiteren Informationen
Maximilians Gesicht wurde ernst. Seine Gedanken bekamen eine neue Richtung. War das ein Zufall? Warum sollte ein Wesen, das die Konflikte der Welt lösen sollte, einem Menschen auf diese intensive Art und Weise Glück bereiten und vor allem selbst dabei empfinden? Wandas Gedanken von gestern kamen ihm in den Sinn. Was, wenn wirklich eine Absicht dahinter steckte? Dr. Helm hatte relativ nüchtern von dem Projekt gesprochen und seine Arbeit zwar mit Herzblut aber sachbezogen ausgeübt. Ganz anders als Mikimoto, der immer voller Begeisterung, ja gerade zu verliebt von seinem Kee geschrieben hatte.
Mikimoto! Er schien eine wichtige Rolle zu spielen in diesem Programm. Sehr viel mehr als es eigentlich den Anschein hatte. Er war für das Denken und Handeln der künstlichen Intelligenz verantwortlich und auch für die Koexistenz mit Wandas Gehirn.
„Warum bist du so schweigsam? Bist du mir böse?“
Wanda schien ihm gegenüber voller Unsicherheit zu sein. Sie sah in ihm jetzt einen Schatz, den es unbedingt für sich zu behüten galt.
„Ich denke nach. Ich will dieses Rätsel um das Kee lösen, unbedingt.“
Wanda schien dieser Gedanke nicht zu gefallen.
„Und wenn du etwas an mir entdeckst, das du nicht magst?“
Er umarmte ihren mächtigen Oberkörper und konnte ihn nicht einmal zur Hälfte umfassen.
„Keine Angst. Es geht eher um die Hintergründe des Projekts und nicht um dich selbst.“
Sie hob ihren rechten Arm und schien ihm etwas zeigen zu wollen.
„Weißt du, was seltsam ist?“ Er folgte ihrer Bewegung, fand aber nichts Besonderes daran.
„Ich kann die Messer herausdrücken, von denen du mir gestern erzählt hast.“
Verblüfft sah er die beiden mächtigen Klingen aus den Wulst oberhalb ihres Unterarms austreten. Glänzendes Metall, das kalt und bedrohlich auf ihn wirkte.
Ihre blauen Augen betrachteten verwundert diese Waffen ihres Körpers, dann blickte sie erstaunt zu ihm rüber.
„Das konnte ich vorher nicht.“
Sie bat ihn darum, sich aufzusetzen, und zog ihren rechten Arm hinter seinen Rücken heraus. Dann stand sie auf und machte ein paar vorsichtige Schritte. Sie konnte sich auf einmal fast spielerisch bewegen und nichts deutete auf die Unbeholfenheit hin, die sie ihm gegenüber, noch vor nicht einmal eine Stunde, gezeigt hatte.
„Liegt das am Sex?“
Sie blickte auf ihn herunter und las in seinem Gesicht das Erstaunen über diese Wandlung.
„Ich weiß es wirklich nicht, Wanda. Aber wenn, dann bin ich sehr gespannt, was du als Nächstes an dir entdecken wirst.“
Sie zwinkerte ihm zu, ließ die Klingen wieder in ihren Unterarm verschwinden und setzte sich wieder zu ihm. Der Boden zitterte, als sie sich die letzten Zentimeter auf die Matratze fallen ließ.
„Komm wieder her zu mir! Es ist schön, wenn du bei mir liegst.“ Bat sie ihn.
Sie zog ihn wie ein Spielzeug an ihren Körper heran, drückte ihn gegen ihren Busen und schloss ihre mächtigen Arme um seinen Oberkörper. Für Maximilian eine seltsame Situation, aber nach dreißig Jahren Einsamkeit, war sie ihm eine sehr willkommene Kur.
Zwei Tage schon saß Maximilian vor Mikimotos PC und versuchte, alles an Informationen zusammenzutragen, was ihm nur möglich war. Doch die Unterlagen, die er lesen konnte, waren in einem sehr fachlichen und komplexen Englisch geschrieben, dass er nur im Ansatz verstehen konnte. So fand er heraus, dass sich der Japaner vor allem mit Bedürfnisbildung künstlicher Intelligenzen beschäftigt hatte und ihnen ein System von Notwendigkeiten zu vermitteln suchte, dass den von Lebewesen nicht unähnlich war. Über diese Bedürfnisse wollte er Maschinen steuern, sie dabei aber möglichst von Menschen unabhängig agieren lassen.
„Kann ich noch mal die Gänseküken sehen? Ich finde sie zu niedlich.“
Maximilian hatte kein Problem damit, machte Wanda Platz und sah ihr dabei zu, wie sie neben ihm auf die Knie ging und vorsichtig die Maus zwischen Daumen und Mittelfinger ihrer rechten Hand nahm.
Vögel! Für den Japaner schienen sie besonderes interessant gewesen zu sein. Vielleicht war er so etwas wie ein Hobbyornithologe gewesen? Hunderte von Fotos zeigten Wildgänse, Papageien, Sittiche, Pinguine und viele andere Vogelarten, die er nicht benennen konnte. Auf einigen der Bilder war der Mann auch selbst zu sehen, fröhlich in die Kamera winkend, ein paar Graugänse im Hintergrund.
„Ich finde ihn sympathisch. Er war sicher ein sehr netter Mann.“
Wanda nahm ein Foto vom Schreibtisch und betrachtete es eingehend. Neben dem Neurologen waren auch eine ältere Dame und ein älterer Herr darauf abgebildet. Vielleicht seine Eltern?
„Ich bin mir da ehrlich gesagt nicht so sicher. Er hatte Helm anscheinend regelrecht gehasst. Wenn ich ihre Emailkorrespondenz lese, alter Schwede.“
Wanda wandte sich zu ihm um, legte vorsichtig ihre linke Hand auf seinen rechten Oberschenkel ab und streichelte sanft über ihn hinweg. Maximilian konnte ihr ansehen, dass sie längst wieder Lust auf ihn hatte.
„Was hast du denn gelesen?“
„Mikimoto wollte die Freigabe von Helm für das Kee. Er wollte sie aktivieren, um mit ihrer Hilfe an die Oberfläche zu gelangen.“
„Weshalb war Helm dagegen?“
„Das habe ich mich auch gefragt. Es gab keine Begründung seinerseits, nur das er ihren Einsatz strikt ablehnte.“
Wanda schien nachzudenken. Ihre blauen Augen ruhten nachdenklich auf dem Bild des Monitors, während einer ihrer krallenartigen Fingernägel über seine Haut kraulte. Es war angenehm, so wie fast alles, was er mit ihr verband. Wie oft hatten sie bisher miteinander geschlafen? Sieben oder acht mal? Und das in zwei Tagen! Sie war zum Nimmersatt geworden und hoffte ständig auf einen Nachschlag, wie sie sich ausdrückte.
„Was ist mit den anderen Wissenschaftlern? In welchem Verhältnis standen sie zu ihm?“
Maximilian stutzte. Er hatte bisher nur die Korrespondenz zwischen Helm und Mikimoto gelesen. Er sah nach und überflog die letzten Emails. Tatsächlich hatte der Japaner versucht, seine Kollegen von einer Aktivierung des Kees zu überzeugen, doch auch sie standen dieser ablehnend gegenüber. Anscheinend war Helms Einfluss auf sie größer gewesen, als der des Japaners.
„Ich verstehe das nicht. Die haben gehungert. Sie hatten nichts mehr zu essen und du wärst vielleicht ihre einzige Chance gewesen sich in Sicherheit zu bringen. Du bist eine 47 Milliarden Euro schwere Lebensversicherung.“
Wanda grinste, beugte sich vor und küsste ihn auf seinen Mund.
„Die du abgeschlossen hast.“
Maximilian lächelte. Das hatte er wohl, stimmt.
„Zahlst du mir deine Rate?“ Fragte sie ihn zweideutig, während ihr Körper merkwürdig zapplig wurde.
„Lass uns rübergehen!“ Erwiderte er mit einem Augenzwinkern.
Es brauchte nicht viel, um sich an ihr zu berauschen. Wenn er nur an das Gefühl dachte, mit dem sie ihn regelrecht in ihr Geschlecht einsaugte und mit ihrem Körper verschlang, explodierte er regelrecht vor Geilheit.
„Warum rübergehen?“
Sie drehte sich zu Mikimotos Schreibtisch um, stützte sich mit ihren Händen darauf ab und reckte ihm ihr gewaltiges Hinterteil entgegen, mit dem sie nervös hin und her wackelte.
Maximilian stellte sich hinter sie, streifte seine Trainingshose nach unten ab und richtete sein Glied auf die Stelle aus, an der er ihre Scheide vermutete. Er konnte sie nur ansatzweise sehen, aber dafür umso intensiver fühlen.
Egal ob er sanft oder hart zustieß, Wanda schäumte regelrecht vor Wollust. Sie befand sich in eine Art Trance, stöhnte und keuchte, jammerte vor Schmerz und Lust auf und zitterte, als ob er sie unter Strom setzen würde. Bei jedem, seiner Stöße kam sie ihm mit ihrem Hinterteil entgegen, ließ ihre prallen Pobacken gegen seine Hüfte klatschen und schrie schließlich in einem solchen Moment ihren Orgasmus heraus. Es war der pure Wahnsinn, nur wenige Sekunden darauf erreichte auch Maximilian seinen Höhepunkt und pumpte ihr seinen Liebessaft in ihre Grotte hinein.
Wanda drehte sich zu ihm um, schloss ihn sanft in ihre Arme und drückte seinen Kopf liebevoll zwischen ihre mächtigen Brüste. Zärtlich streichelte sie über seinen Hinterkopf und schloss ihn damit regelrecht in ihren gewaltigen Körper ein.
„Warum sollten wir von hier weggehen, Max? Wir haben doch alles.“ Flüsterte sie schließlich.
Maximilian zeigte sich erstaunt über ihren Vorschlag und löste sich von ihr. Sie ließ es zu, traurig darüber, dass er auf ihre Idee hin so abweisend reagierte.
„Wanda! Das geht nicht. Wir müssen nachsehen, ob man uns braucht. Vor allem du hast eine Aufgabe und vielleicht kannst du dem Guten dort über uns wirklich noch eine Chance geben.“
Ihre blauen Augen zeigten ihm in diesen Moment deutlich ihren Frust. Sie schien ganz anderer Meinung zu sein als er.
„In dem ich die Bösen töte? Man hat mich nie gefragt, ob ich das auch möchte. Man hat mich missbraucht und meinen Körper vernichtet, ist dir das denn gar nicht bewusst geworden? Ich weiß nicht mehr, was ich bin und wohin ich gehöre, kann keine Kinder mehr bekommen, mir keine Kleider anziehen oder mir meine Haare zurechtmachen. Das Schlimmste für mich aber ist, dass neben mir noch jemand anderes in diesem Ding hier steckt.“
„Wie meinst du das?“
„Ist dir das nicht aufgefallen? Erst seit dem wir Verkehr miteinander haben, bekomme ich langsam die Kontrolle über mich und nur, wenn ich in deiner Nähe sein darf, fühle ich mich wirklich wohl. Verstehe mich jetzt nicht falsch, das ist ein schönes Gefühl, aber dennoch werde ich manipuliert und das ist ein entsetzlicher Gedanke für mich.“
„Du meinst Kee?“
Wanda drehte sich zu dem Monitor um.
„Der Japaner hat doch in dieser Richtung gearbeitet, oder etwa nicht?“
„Du meinst also, dass Kee dafür Sorge trägt, dass du dich zu mir hingezogen fühlst?“
Aus seiner Stimme klang deutlich seine Enttäuschung heraus.
„Max! Ich mag dich sehr, es bräuchte dieses Ding doch gar nicht. Aber es ist da und es stört mich, dass es Gewalt über mich hat.“
„Gut, du kannst dich jetzt besser bewegen als zuvor, aber kann es nicht sein, dass du dich einfach erst an deinen neuen Körper gewöhnen mußtest?“
Wanda schüttelte ihren Kopf. Max war so süß, wenn er seine Denkermiene aufsetzte.
„Mein Körper, die Klingen die aus meinen Unterarmen austreten, das Gefühl alles zu hören, zu sehen und spüren zu können ..., ich kann sogar auf einmal ganz leise sein.“
Sie führte es ihm vor und tatsächlich bewegte sie sich auf einmal ohne jegliches Geräusch fort. Eine halbe Tonne schwer, schien sie wie eine Schlange über den Boden hinweg zu gleiten, ohne dabei auch nur das geringste Geräusch von sich zu geben. Maximilian horchte, doch Wanda schien von jetzt auf gleich zu einem Indianer geworden zu sein, der durch das Präriegras schlich.
„Wanda?“ Sie blieb stehen und sah sich zu ihm um.
„Ja?“
„Du beginnst damit dich zu tarnen. Schleich weiter!“
Sie blickte verdutzt an sich herunter und tatsächlich konnte sie ihre eigenen Konturen nur noch unscharf erkennen. Sie schlich weiter, so leise wie es ihr irgendmöglich war und schließlich, sie glaubte, ihren Augen nicht trauen zu können, war es ihr möglich durch ihren Arm, wie durch eine unscharfe Brille hindurchsehen.
„Kannst du mich noch erkennen?“ Fragte sie ihn erstaunt.
Maximilians Stimme klang auf einmal hohl.
„Nur noch weil ich weiß, dass du da stehst. Du wirkst wie ein Hitzeflimmern, weißt du, was ich meine?“
„Du meinst wie bei einem Lagerfeuer?“
„Genau.“
„Und wie werde ich jetzt wieder sichtbar?“
„In dem du dich wieder normal bewegst, denke ich.“
Ihm fiel etwas ein.
„Wenn du auf den Rücken liegst, spürst du da irgendetwas?“
Wanda kam auf ihn zu und tatsächlich wurde ihr Körper wieder langsam wahrnehmbar, mit jedem locker gesetzten Schritt, mit dem sie sich auf ihn zubewegte, ein wenig mehr.
„Ja, meinen Rücken.“
Max seufzte.
„Ich meine etwas Besonderes.“
Wanda blickte ihn seltsam an, kniete sich dann auf den nackten Betonboden und streckte sich darauf aus.
„Okay, ich bin bereit, du kannst.“
Sie lachte, drehte sich auf ihren Rücken und spreizte demonstrativ ihre Beine für ihn.
„Du Nimmersatt!“ Er schüttelte amüsiert seinen Kopf.
„Nein, im Ernst. Ich konnte deutlich die Mündung deines Gewehrs fühlen.“
Wanda trieb weiter ihren Schabernack mit ihm und streckte ihre Arme nach ihm aus.
„So wie ich deins?“
Maximilian bat seine Gefährtin darum, ernst zu bleiben. Dreh dich um, ich will mal nachsehen. Er tastete ihren Rücken ab und konnte deutlich eine große Mündungsbremse fühlen. Sie ragte zwischen ihren Schulterblätter hervor und der Rest der dazugehörenden Waffe musste in ihrem Rücken eingebettet worden sein.
„Und du kommst nicht an sie heran?“
Wanda versuchte, hinter sich zu greifen, aber da ihre Gelenke dem eines Menschen nachempfunden waren, hatte sie diesbezüglich keine Chance. Dabei drehte sie sich im Kreis, versuchte mit Unterstützung des linken Arm, den rechten soweit nach hinten zu drücken, bis sie mit ihrer Hand die Mündung zu fassen bekam, doch blieb es vergebliche Mühe.
„Lassen wir das bitte, Max. Ich mag da auch gar nicht neugierig sein.“
Er zeigte ihr deutlich seine Enttäuschung. Er hätte sich dieses Teil gerne einmal genauer angesehen.
„Hoffen wir, dass wir es nie brauchen werden.“ Gab er sich schließlich zufrieden.
„Können wir einen Deal machen?“ Fragte ihn Wanda schüchtern.
Maximilian blickte sie nachdenklich an. Er dachte immer noch darüber nach, was es mit diesem Gaußgewehr auf ihrem Rücken auf sich haben könnte und wie es funktionierte.
„Wir müssen doch keine Deals miteinander machen.“ Er blickte verwundert zu ihr rüber.
„Dann wünsche ich es mir von dir, okay?“
Max näherte sich ihr und griff nach ihrer Hand.
„Was ist los?“
Wanda sah auf ihre Füße herunter und schien nach den richtigen Worten erst suchen zu müssen.
„Sieh mich bitte als Wanda, einverstanden? Nicht als das Ding, das man hier zusammengeschraubt hat. Von mir ist kaum noch etwas übrig, also hilf mir dabei das Wenige zu bewahren, ja? Und ich würde mir wünschen, dass es das ist, was du an mir leiden kannst.“
Er dachte über ihre Worte nach und stimmte ihr zu. Mit seinem Interesse an das Kee, hatte er sie anscheinend stark verunsichert.
„Entschuldige. Du hast Recht.“ Er überlegte, wie er seine Partnerin auf andere Gedanken bringen konnte. „Weißt du was? Machen wir einen Kontrollgang, noch brauchen wir das alles hier.“
Maximilian dachte an den Stromausfall. Er konnte sich immer noch nicht erklären, warum es ihn gegeben hatte. So war sein erstes Ziel das Kontrollpult des Bunkers, wo er Wanda die dort angezeigten Werte erklären wollte. Sie hörte ihm zu, schien aber nur oberflächlich daran interessiert zu sein.
So las er seiner Begleiterin die Daten vor, notierte sie sich in einem großen Buch, dass er über all die Informationen führte und war erst einmal beruhigt. Das Grundwasserkraftwerk lief ruhig vor sich hin und auch die Batterie war zwischenzeitlich wieder bei ihrer vollen Kapazität angelangt.
Maximilian gab Wanda eine Führung durch die einzelnen Abteilungen des Archivs. Dabei geleitete er sie auch durch die langen Reihen der Kabinen, in denen früher seine Kollegen gearbeitet hatten und zeigte ihr bei dieser Gelegenheit auch seinen eigenen Platz, an dem sich in den letzten dreißig Jahren so gut wie nichts verändert hatte.
„Du mochtest deine Kollegen sehr, oder?“
Maximilian blieb stehen und drehte sich zu ihr um.
„Die meisten schon. Einige weniger, zwei oder drei gar nicht. Bei solcher Masse an Menschen eigentlich ein ganz akzeptabler Schnitt. Von den meisten weiß ich noch die Namen und kann mich sogar noch grob daran erinnern, wie sie ausgesehen haben. Ich bin täglich durch ihre Kabinen gegangen, habe mir versucht, sie in Erinnerung zu rufen und zu ihnen ‚Hallo‘ gesagt, so als ob sie noch da gewesen wären.“
Er deutet auf den Eingang zur Nachbarkabine.
„Das war Elsas. Sie hat mir anfangs sehr geholfen mich hier zurechtzufinden und einzuleben. Sie war die Häuslichkeit in Person, hat mir immer von sich zuhause Mittagessen mitgebracht und mir von ihren vier Kindern berichtet und Mike, ihrem Mann. Der Typ hatte echt Schwein gehabt mit ihr, denn sie war wirklich eine Klasse für sich.
„Auch von ihrem Aussehen her?“
Maximilian lächelte.
„Schwarze lange Haare, eine schlanke und sportliche Figur, ein hübsches Gesicht und dunkle braune Augen. Sie hat mir sehr gefallen, wenn ich ehrlich bin.“
Wanda schien die Beschreibung seiner Kollegin nicht zu gefallen.
„Toll, du stehst also auf Südländerinnen.“
Er lachte und suchte sie zu beruhigen.
„Ich habe immer auf ganz unterschiedliche Frauen gestanden. Eine war rothaarig, die andere brünett, und Mara vom Typ her nicht die Schlankeste. Geliebt habe ich sie aber trotzdem.“
„Auch jetzt noch?“ Fragte Wanda besorgt.
„Ja, natürlich. Aber eben weil sie ein total lieber Mensch war.“
„Du hast jetzt mich. Du brauchst keine andere Frau mehr.“
Maximilian lächelte und streichelte mit seiner rechten Hand über ihren massiven Rücken. Wanda nahm das als Bestätigung, drehte sich zu ihm um und umarmte ihn. Kurz darauf trafen sich auch schon ihre Münder und so dauerte es nicht lange, bis sie sich erneut ihrer Leidenschaft hingaben. Wanda gab sich dabei sanft und umsichtig, wollte sie doch unbedingt auf ihm sitzen. Vorsichtig kletterte sie auf seinen, um so vieles kleineren Körper, hob ihr Becken an und führte sein Glied an ihre Scheide. Sie mochte das Reiben der Eichel an ihren Schamlippen, massierte sich damit ein wenig ihre Perle, ließ dann aber seinen Penis in ihren Körper hineingleiten, der es sich wie von selbst einzuverleiben schien.
Eine halbe Stunde später fühlte sich Maximilian regelrecht ausgesaugt. Wanda hatte dieses Mal nicht von ihm abgelassen, als er gekommen war, hatte sein Glied in ihrer Scham gefangen gehalten und es weiter gemolken, bis es sich noch ein weiteres Mal in ihrer Scheide ergossen hatte. Das war äußerst unangenehm für Maximilian gewesen und sie hatte ihm dabei weh getan.
„Was sollte das denn jetzt?“ Herrschte er sie wütend an.
Endlich durfte er sich aus ihr zurückziehen, rutschte ein Stück weit von ihr weg und warf ihr dabei einen vorwurfsvollen Blick zu.
Wanda aber sah erschrocken auf ihn herunter und schien nicht zu verstehen, wo sein Problem lag.
„Hab ich etwas falsch gemacht?“
„Ja! Ich war längst fertig. Du hast mir beim zweiten Mal sehr weh getan.“
Die große Frau zeigte ein reumütiges Gesicht.
„Max, es tut mir leid. Ich wollte das nicht. Aber du hast mir so gutgetan, ich wollte das so lange spüren, wie es nur irgend geht.“
„Dann frage mich doch! Gib mir wenigstens eine kleine Pause dabei. Scheiße! Mein Schwanz fühlt sich an, als ob er mit heißen Zinn übergossen worden wäre.“
Er presste seine beiden Händen in seinen Schoß hinein und fragte sich, ob man am Penis Blutergüsse bekommen konnte. Was war mit ihr los? Erst so sanft und vorsichtig und dann schmiss sie irgendwo in ihrem Körper einen Kompressor an?
„Sei mir nicht mehr böse! Das kommt nicht noch einmal vor. Das verspreche ich dir.“
Wanda setzte sich an seine Seite und näherte sich ihm dabei wieder ein Stück weit an. Sie wusste ja selbst nicht, was mit ihr los gewesen war. Aber sie wurde langsam regelrecht süchtig nach dem Gefühl, dass er ihr beim Vögeln schenken konnte.
„Ist wieder alles gut mit uns?“ Fragte sie ihn nach einigen Minuten voller Sorge.
Maximilian warf ihr einen flüchtigen Blick zu, zögerte noch einen Moment lang, dann nickte er.
„Gibst du mir einen Kuss, damit ich weiß, dass du es auch so meinst?“
„Nicht jetzt.“
Wanda kamen sofort wieder die Tränen.
„Tut mir leid, ich mache das wieder gut, ja?“
Sie wollte ihm ihre Hand auf die Schulter legen, doch er beugte sich ein Stück vor, um ihr auszuweichen.
„Gib mir fünf Minuten, Wanda. Bitte!“
Die Riesin blickte ihn enttäuscht an, stand schließlich auf und verließ das Büroleiterzimmer. Maximilian blickte ihr nach, wollte sie aber in diesen Moment nicht aufhalten. Wanda musste unbedingt lernen, dass sie es bei ihm nicht übertreiben durfte.
10 Vorbereitungen zum Aufstieg
Am nächsten Tag war der kleine Zwischenfall wieder vergessen. Noch einmal hatten Maximilian und Wanda den Wissenschaftstrakt auf Informationen hin untersucht, doch nichts gefunden, was sie hätten für sich verwerten können. So schlossen sie damit fürs erste ab und machten sich daran den Aufstieg in den Schacht vorzubereiten.
Wanda gefiel der Gedanke nicht, in eine Welt hinauf zu steigen, die nicht mehr die ihre war. Freunde und Verwandte waren ausgelöscht worden und ihr Zuhause, ein kleines Häuschen mit einem wunderschönen Garten, war für immer für sie verloren gegangen.
Maximilian hatte ihr erklärt, dass ein einziger Standardsprengkopf einer nuklearen Interkontinentalrakete Russlands, gezündet über der Dortmunder Innenstadt, bis zur Bochumer Stadtgrenze gewirkt hätte und innerhalb der ersten 24 Stunden schon 320 000 Menschen an den Folgen dieser Explosion ums Leben gekommen wären. Die Sensoren haben aber fünf Hitzeausschläge gemessen, was auf dieselbe Anzahl Einschläge in der Umgebung hingedeutet hatte.
„Menschen sind Ungeheuer und hätten nicht auf die Erde gehört.“
Maximilian machte gerade Inventur von den im Lager vorhandenen Beständen und blickte erstaunt zu ihr auf.
„Wie kommst du jetzt darauf?“
Die Riesin hob ihre Schultern und lehnte sich gegen die Bunkerwand.
„Ich habe darüber nachgedacht, was wir dort oben finden werden und vielleicht hat sich ja, mit etwas Glück, unsere Gattung selbst aus der Welt geschafft?“
„Und was ist mit all den Menschen, die nichts für diese Entwicklung konnten? Du kennst sie auch, sie waren doch überall um uns herum. Liebe Leute, die ähnlich getickt haben wie du und ich.“
Wanda schüttelte ihren Kopf.
„Ich hätte uns auch dazugezählt, Max. Wie oft haben wir gegen Atombomben protestiert, oder gegen den Hunger auf der Welt, oder das Artensterben?“
Maximilian wurde bleich. Wenn man es so sah ...
„Und dieser Stahl und Mikimoto ...“
„Helm, Wanda.“
Sie blickte ihn fragend an und wusste nicht, was er meinte.
„Der Mann heißt Helm, nicht Stahl.“
Sie verdrehte die Augen und verschränkte ihre Arme ineinander.
„Sie waren kein deut besser, als die Wissenschaftler, die nach der ersten Atombombe geforscht haben. Hast du mal daran gedacht, wofür ich in unserer Zeit Pate gestanden hätte? Andere Länder hätten sich ebenfalls daran gemacht solche Dinger zu bauen, wie ich eines bin.“
Maximilian stand auf, legte seine Liste auf einen Tisch ab und kam zu ihr rüber. Er umarmte sie unterhalb ihrer Brust und drückte seinen Körper gegen den ihren. Er konnte damit ziemlich gut ihre Gefühlslage bestimmen, denn ihre Haut glich einem Panzer, wenn sie aufgewühlt war, so wie eben jetzt und dann wieder fast menschlich, wenn sie dabei war sich zu entspannen.
Er streichelte über ihre Oberarme, schmiegte sich an ihr einladendes Dekolleté und suchte sie damit in eine andere Stimmung zu versetzen. Normalerweise hatte er damit leichtes Spiel, denn kaum dass er sie berührte, versetzte er sie auch schon in Erregung. Doch dieses Mal war es anders und Wanda drückte ihn sanft, aber dennoch bestimmt von ihrem Körper weg.
„Als du in den Unterlagen des Japaners gelesen hast, stand da etwas darüber drin, wie alt ich werde?“
Maximilian zeigte ihr für einen Moment lang seine Verwirrung. Tatsächlich konnte er sich nicht daran erinnern, etwas in dieser Richtung gelesen zu haben.
„Ich glaube nicht, nein. Du meinst aber dein Gehirn, oder?“
„Nein, eigentlich alles. Ich bin ein Ding, oder etwa nicht? Die gehen doch mit der Zeit kaputt.“
„Du bist regenerativ, von daher unwahrscheinlich, dass das so schnell passieren wird. Wie das genau funktioniert, das sprengt allerdings meine geistigen Kapazitäten.“
Er näherte sich ihr wieder und wollte sie wenigstens berühren. So stellte er sich an ihre Seite und umfasste ihre Hüfte. Sie ließ es zu, hing aber weiter ihren eigenen Gedanken nach.
„Was mache ich, wenn du nicht mehr da bist?“
„Wanda! Bis dahin hat sich unser Leben weiterentwickelt. Du wirst es wissen, wenn es soweit ist. Wir haben noch viele Jahre Zeit.“
„In einer radioaktiv verstrahlten Welt? Glaubst du das wirklich?“
„Ich glaube nicht, dass es ander Oberfläche noch gefährliche Strahlung gibt. Meine Ernährung und das Trinkwasser bereiten mir da mehr Kopfzerbrechen.“
„Warum esse ich eigentlich nichts? Ich habe nur Durst und das Bedürfnis regelmäßig zu duschen.“
Maximilian wusste darauf keine Antwort. In seinen Gedanken hatte er sich schon vorzustellen versucht, woher ihre Energie kam, doch das Rätsel gelöst hatte er nicht. Auch in Mikimotos Unterlagen und in den wenigen Helms, hatte er diesbezüglich nichts finden können.
„Wanda?“
Ihr Gesicht wandte sich ihm zu und ihre klaren blauen Augen blickten auf ihn herunter. Ihr Glanz verriet ihm, dass sie wieder kurz vor einem Tränenausbruch standen.
„Wir suchen uns dort oben ein Zuhause, einverstanden? Irgendwo auf der Welt.“
„Wir beide?“ Fragte Wanda hoffnungsvoll.
„Wir beide!“ Stellte Maximilian fest.
„Ist das dann unser Ziel?“
„Ja! Genau das.“
„Und wenn du irgendwann nicht mehr da sein wirst?“
„Dann wird es anderes Leben um dich herum geben, dass dir Trost schenken wird. Versprochen.“
Seine Worte schienen ihr keinen rechten Halt geben zu können, also wartete er einfach ab, in der Hoffnung, dass sich ihre Stimmung wieder bessern würde. Solche Momente wie diesen jetzt empfand er als anstrengend, aber dann versetzte er sich in Wandas Situation und gab sich zufrieden.
„Wie lange wird das reichen?“
Wanda deutete auf die Regale mit den Konserven.
„Hier unten würde ich es noch ein paar Jahre aushalten können, aber oben? Es würde viel zu viel Zeit kosten, dass alles hinauf zu schaffen. Zumal wir ja noch gar nicht wissen, ob wir überhaupt dazu in der Lage sind.“
„Und wenn du jetzt das Nötigste zusammenpackst und wir das einfach mal versuchen?“
Maximilian blickte sie mit großen Augen an.
„Du meinst jetzt?“
Wanda wirkte auf einmal entschlossen.
„Ja! Warum nicht?“
„Na ja, das kommt ein wenig plötzlich. Ich meine, wir wissen gar nicht, wie lange der Aufstieg dauert.“
Wanda blickte sich suchend um.
„Ich bräuchte einen Rucksack oder so etwas ähnliches, dann könnten wir das Nötigste schon mal mit nach oben nehmen.“
„Es gibt große Transportnetze für den Förderkorb, daraus lässt sich bestimmt etwas machen.“ Schlug Maximilian vor, begeistert von ihrem plötzlichen Aktionismus.
Wanda zeigte sich weniger enthusiastisch und folgte ihm den Gang entlang Richtung Schacht Eins. Dort gab es einen kleinen Verschlag mit großen Kisten, in denen die Transportvorrichtungen gelagert worden waren, um sie im Bedarfsfall schnell zur Hand zu haben. In einer der Kisten war Grundwasser eingesickert und hatte die Kabelbänder des Geflechts rosten lassen, aber mit dem Inhalt der Zweiten schien alles in Ordnung zu sein. Maximilian zog das Netz mit einiger Anstrengung heraus, um es auf dem nackten, rissigen Betonboden auszubreiten. Es war entsetzlich schwer und für ihn kaum zu bewegen.
Seine Begleiterin hatte diesbezüglich keine Probleme und untersuchte sie eingehend, als ob es sich bei dem schweren Metallgeschirr um eine Bluse aus der Boutique handeln würde. Sie hob eines der Netze mit beiden Händen auf, spannte es, in dem sie ihre Arme ausstreckte und schien zu überlegen, wie sie es am besten tragen könnte.
„Ich glaube, wir müssen es ein wenig abändern, in dem wir ein Stück hier heraustrennen. Ich habe früher Taschen genäht, die man auf den Rücken tragen konnte. So Beutel, erinnerst du dich? Die waren richtig modern damals.“
Maximilian hatte nur eine vage Ahnung davon, was sie meinen könnte und sah ihr erstaunt dabei zu, wie sie ein paar der Maschen auflöste.
„Gib mir bis morgen Zeit, dann habe ich etwas gebastelt.“ Stellte sie schließlich fest und blickte zu ihm rüber.
„Brauchst du etwas dafür?“ Fragte er sie voller Staunen.
Sie verneinte und deutete auf das zweite Netz.
„Das was ich brauche, trenn ich aus dem anderen einfach heraus.“
Maximilian schüttelte seinen Kopf. Wer einmal Stacheldraht mit einem Seitenschneider zerschnitten hatte, konnte sich ungefähr vorstellen, was Wanda da zu zerlegen dachte.
„Gehen wir zurück ins Lager, dort können wir gemeinsam überlegen, was du mit nach oben nehmen möchtest.“
„Warum bist du auf einmal selbst so erpicht darauf nach oben zu gelangen?“ Fragte er sie schließlich, als sie in dem großen Vorratsraum angelangt waren.
Wanda war gerade dabei sich auf den Boden zu setzen und eines der Stahlnetze auf ihren Schoß zu ziehen.
„Ich will wissen, woran wir sind. Keine Spekulationen mehr, keine Befürchtungen, keine Ängste. Wir werden ja sehen was passiert.“
Maximilian teilte ihre Ansicht, schaute ihr eine Weile bei der Arbeit zu und ging dann in die Regalgänge hinein, um sich dort das herauszunehmen, von dem er glaubte, dass man es an der Oberfläche gebrauchen könnte.
Es vergingen Stunden, bis sie beide die nötigen Vorbereitungen getroffen hatten und nachdem Wanda Maximilian etwas zu Essen gekocht hatte, forderte sie von ihm die ersehnte Belohnung ein. Manchmal stellte sie sich sogar vor, dass ihre Scheide vor Erregung schmatzen könnte, so sehr gierte diese nach Max seinem Freudenspender.
„Wow! Zerpflücke mich jetzt ja nicht wie das Netz vorhin.“
Maximilian bat Wanda um Vorsicht, als diese ihm ungeduldig seine Kleidung vom Körper zog. Sein Glied war noch nicht ganz steif, da drückte seine Freundin ihn auch schon auf die Matratze herunter, stieg ihm nach und setzte sich auf seinen Schoß. Diese Haltung war zu ihrer Lieblingsstellung geworden, konnte sie doch selbst dabei bestimmen, wie intensiv sie ihn dabei spüren wollte.
Wie geil sich das für sie anfühlte, wenn er in ihr war und sie komplett ausfüllte. Wie stark der Kontrast für sie war, wenn sie ihren Unterleib anhob und sich dann wieder auf seinem Schoß niederließ. Nur aufpassen musste sie diesmal, unbedingt. Sie konnte sich nicht mit ihren Händen auf seiner Brust abstützen, oder sich mit vollem Gewicht auf seinen Schoß setzen.
Sie fühlte sein kühles Ejakulat in ihrem Körper und das Pochen, mit dem es sein Penis in sie hinein pumpte. War es wirklich schon wieder vorbei? Gerade jetzt wo sie sich hatte komplett fallenlassen können? Das Vögeln schien für sie zur Sucht zu werden und es fiel ihr schwer sich wieder von seinem Körper zu lösen. Doch sie wollte ihn nicht noch einmal überfordern, er durfte auf keinen Fall die Lust ihr gegenüber verlieren.
„Stehst du auf?!“
Er klapste sanft mit seinen Händen auf ihre so kraftvoll wirkenden Oberschenkel. Sie besann sich, beugte sich vor zu einem abschließenden Kuss und legte sich an seine Seite. Er sah ihr an, dass sie gerne noch mehr von ihm gewollt hätte und tröstete sie.
„Ich bin gleich wieder soweit.“
Sie lächelte, streichelte sein Gesicht und nahm es zwischen ihre Hände.
„Darf ich dann auf dir?“ Fragte er sie.
„Ja, natürlich. Hauptsache ich bekomme eine Zugabe von dir.“
Maximilian wirkte auf einmal abwesend. Wanda konnte seiner Miene förmlich ansehen, als seine Gedanken schließlich wieder zu ihr zurückkehrten.
„Kannst du dich noch daran erinnern, als du früher erregt warst? Ich meine in deinem menschlichen Körper? Hat sich das ähnlich für dich angefühlt damals?“
Sie versuchte, sich zu erinnern, vermochte es aber nicht wirklich. Vielleicht war das ja auch schon eine Antwort auf seine Frage? Sie verzehrte sich förmlich nach ihm und in dem Moment, in dem er ihr das gab, was sie sich von ihm wünschte, wirkte sie zum Teil wie eine Abhängige auf ihn, die endlich ihren Stoff bekam.
„Also es gab schon Momente, glaube ich, aber so intensiv, wie jetzt mit dir? Es tut mir weh, wenn ich dich nicht regelmäßig bei mir habe.“
„Du meinst, wie bei einem Entzug?“
„Ich habe nie getrunken, geraucht oder irgendetwas in dieser Art. Nur Schokolade mochte ich sehr gerne und wenn ich auf sie verzichten musste ..., stimmt, das hat sich für mich ähnlich angefühlt.“
Sie streichelte mit ihrer rechten Hand über seine Brust und seinem Bauch. Es war schön für ihn, wenn er ihr auch ansah, dass ihre eigentliche Aufmerksamkeit seinem Glied galt.
„Dieser Japaner steckt dahinter, oder? Er wollte an deiner Stelle sein und deshalb das Kee aktivieren.“
Maximilian blickte sie entgeistert an. War es das? Wollte dieser Mann aus dem Milliardenprojekt, das der Welt Frieden bringen sollte eine Leibgardistin machen, die ihn schütze, aber auch gleichzeitig zu Diensten war und sich um seine Bedürfnisse kümmerte?
„Ich habe darüber nachgedacht, warum er so viele Bilder von Vögel auf seinem PC gespeichert hat. Das sind alles Arten gewesen, die sich bis zu ihrem Tod treu geblieben sind.“
Er blickte seine Freundin fassungslos an. Er hatte in viele Richtungen gedacht, aber das hier schien die einzige Theorie zu sein, die sich wirklich halten ließ. Der Japaner hatte die Möglichkeiten dazu und auch das Verlangen das Kee nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu formen und eifersüchtig darüber gewacht. Vielleicht hatte er sich in das Projekt wirklich verliebt? Oder sich ganz rational daran gemacht es sich gefügig zu machen? Vielleicht lag im Letzteren auch der Grund verborgen, warum Helm und seine Kollegen eine Aktivierung so strikt abgelehnt hatten. Vielleicht haben sie geahnt, in welche Richtung die Arbeit des Japaners eigentlich gezielt hatte.
„Ich muss irgendwie damit klarkommen, dass dieses Vieh in meinem Kopf ist.“ Ihre Stimme klang in diesem Moment eher aggressiv als verzweifelt.
„Du meinst das Kee?“
Wanda nickte.
„Max, ich hätte mich auch so in dich verliebt, da bin ich mir sicher. Aber es wäre nicht so schnell gegangen und so triebgesteuert, wie ich jetzt bin ...“
„Entschuldige, dass ich dich unterbreche, aber das alles spielt keine Rolle mehr. Wir gehen nach oben und werden genug finden, worüber wir unsere Köpfe zerbrechen müssen. Das hier unten, sollte ab jetzt wirklich eine Geschichte zwischen uns bleiben, weil wir an dem, was wir geworden sind, eh nichts mehr ändern können.“
Ihr blauen Augen blieben auf ihn gerichtet, dann griff ihre große Hand nach der seinen.
„Du hast wahrscheinlich Recht. Ich muss mit ihr auskommen, aber sie auch mit mir.“
Ihr Blick wanderte auf seinen Schoß herab und schon machten sich ihre Finger auf den Weg seinem Glied aufzuhelfen. Max stöhnte auf, als ihre Fingerspitzen seine Vorhaut zurückstreiften und ergab sich dem Gefühl, das sie ihm mit ihrem sanften Reiben schenkte. Dann sah er ihr dabei zu, wie sie ihren Oberkörper aufrichtete, diesen über seinem Körper schob und schließlich ihren Kopf auf seinen Schoß absenkte. Kühl und feucht spürte er ihre Lippen, als diese sein Glied umschlossen, ihre Zunge, die es umschmeichelte und das latente Saugen, das seinen Schwanz so steif werden ließ, dass es ihm schon weh tat.
Maximilian wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, schaute sich verwirrt um, fand aber keine Wanda mehr neben sich. Im Grunde nichts Ungewöhnliches, denn sie schlief nicht und beschäftigte sich meist in seiner Nähe mit etwas und wartete darauf, dass er, nach ein paar Stunden Schlaf wieder aufwachen würde.
Er streckte sich, setzte sich auf den Rand seines Bettes und lauschte. Nichts! Wenn Wanda nicht leise sein wollte, war sie normalerweise kaum zu überhören. Doch jetzt?
„Wanda!“ Keine Reaktion.
„WANDA!“ Versuchte er es lauter.
Er seufzte, stand auf und ging sie suchen. Im Büro war sie nicht, auch nicht in der Kantine, also versuchte er es beim Geheimdienst. Doch weder dort, noch im Wissenschaftstrakt, in dem er als Nächstes suchte, konnte er sie finden. Ihm wurde auf einmal schlecht. War es das Gespräch zwischen ihnen, während ihres Techtelmechtel? Die gewonnene Erkenntnis, dass sie noch viel weniger Herr ihrer selbst war, als sie es eigentlich angenommen hatte?
„WANDA! LASS MICH NICHT ALLEIN!“
Er ging zurück in das Lager und holte sich die Taschenlampe. Vielleicht war sie noch einmal in den Gang und von dort aus in den Schacht vorgestoßen? Immerhin wollten sie über ihn den Aufstieg wagen.
Ihm wurde regelrecht schlecht vor Aufregung, als er das Licht des Bunkers hinter sich ließ und tiefer in den völlig finsteren Gang hinein eilte. Hörte er etwas? Nein, da war nichts. Nur Stille. Wanda! Was tust du mir da an?
„WANDAAAAA!“ Schrie er jetzt in den Gang hinein.
Ein Poltern wurde laut, gefolgt von einem dumpfen Grollen. Steine, Betonstücke und Schutt stürzten den Schacht herunter, schlugen mit einem Höllenlärm auf dessen Boden auf und verursachten eine riesige Staubwolke, die Maximilian entgegen drang und schließlich verschluckte. Schützend hielt er sich seinen rechten Arm vor das Gesicht, wartete, bis sich die Staubwolke wieder lichtete und eilte dann in den Schacht hinein, um nachzusehen, was der Auslöser für diesen Erdrutsch gewesen war.
„WANDA!“ Voller Sorge brüllte er den Namen seiner Freundin in den Schacht hinauf.
„DU SOLLST NICHT SCHREIEN!“ Kam es klagend von oben zurück. „WEIßT DU EIGENTLICH, WIE SEHR ICH MICH ERSCHROCKEN HABE?“
„Kommst du bitte wieder runter?“
„JA, GIB MIR EINE SEKUNDE!“
Maximilian sah im Leuchtkegel seiner Lampe nur den nach oben hin enger werdenden Schacht. Von Wanda war immer noch nichts zu sehen.
„PASS AUF!“
Wieder kam eine kleine Lawine aus Geröll und Schutt aus dem Schacht heruntergestürzt und prasselte mit ohrenbetäubenden Lärm vor Maximilians Füße.
„Bist du okay?“ Fragte Wanda mit sorgenvoller Stimme.
Wanda hangelte sich wie ein Profikletterer von einem Loch in der Betonwand zum nächsten. Hatte sie diese dort hineingetrieben? Maximilian hielt sie für durchaus in der Lage dazu. Er konnte sich noch gut daran zurückerinnern, wie sie die Bunkerwand eingerissen hatte. Die letzten vier Meter ließ sie sich einfach fallen, setzte kaum hörbar einen Meter vor ihm auf und blieb einen Moment lang in einer Hocke, bis sie sich schließlich aufrichtete. Sie machte dabei ein wenig auf Show, wie er glaubte.
„Das ist fantastisch, sage ich dir. Ich habe keine fünf Minuten gebraucht und ich war in den Stollen über uns. Es ist so leicht! Ich komme mir auf einmal vor wie eine Extremsportlerin. Ich ziehe meinen Körper einfach so an der Wand hoch, kann sogar springen und finde überall Halt. Nur einmal gab sie nach, aber das war nicht so schlimm.“
Die Worte der Begeisterung sprudelten einfach so aus ihren Mund heraus.
„Ich bin früher nicht einmal die Leiter hochgeklettert ohne Angst und jetzt das? Max! Das ist das erste Mal, dass ich es toll finde in diesem Ding hier zu stecken. Das war einfach toll gerade, sag ich dir.“
„Stollen über uns?“
Wanda nickte.
„Ja. Er ist ausgebaut und es gibt sogar Schienen dort. Kommst du mit? Dann kannst du es dir ansehen.“
Max blickte unsicher auf die Wand.
„Zwar hatte er keine Höhenangst wie die alte Wanda, aber Klettern war schon eine Hausnummer und er selbst nie sonderlich gut in dieser Disziplin gewesen.“
Wanda spürte seine Unsicherheit und fragte nach.
„Ist dir bange? Ich habe dir Löcher gemacht und kann dir gerne helfen. Wenn wir so etwas wie ein Seil finden, könnten wir ...“
Maximilian konnte abgesehen von dem hellen Lichtfleck seiner Taschenlampe nichts sehen und wenn diese dann auch noch unterwegs ausgehen sollte, was nicht das erste Mal wäre, würde das dann wohl seinen Absturz und damit verbundenen Tod zur Folge haben.
„Meinst du, ich kann auf deinen Rücken?“
Wanda legte ihren Kopf schief, trat an ihn heran und griff mit ihren Händen unter seine Achseln. Sie hob ihn hoch, wog sein Gewicht und lächelte, ihn dabei weiterhin unter seinen Achseln haltend.
„Du hast zugenommen, oder? Bist ja schon richtig schwer geworden, kleiner Mann.“
Maximilian verdrehte seine Augen.
„Okay, war vielleicht eine dumme Frage. Meinst du, du kannst das Netz entsprechend anpassen?“
Wanda sah kein Problem darin. Es war für ihn die sicherste Art nach oben zu kommen und auch die schnellste.
„Gehen wir noch ein wenig Ausrüstung holen! Und dann sehen wir einmal nach, was du dort oben entdeckt hast.“
„Was ist mit Strahlung? Meinst du nicht, sie kann dir schaden?“
Maximilian verneinte. Er hatte viel darüber im Archiv gelesen und glaubte, die Lage über ihnen ganz gut einschätzen zu können.
„Atombomben strahlen zwar stark, aber nur sehr kurz. Von daher müsste es an der Oberfläche für mich einigermaßen sicher sein. Nur Nahrungsmittel werden wir für mich mitnehmen müssen und Wasser, am besten einen großzügig bemessenen Vorrat.“
Wanda war zu allem entschlossen. Sie fühlte sich lebendig wie nie zuvor in diesen Moment.
„Komm! Fangen wir an, damit wir schnell loskönnen.“ Drängte sie ihn.
Maximilian wollte sich von ihr nicht treiben lassen. In Ruhe trug er das zusammen, was er für ihre erste Exkursion mit nach oben nehmen wollte. Zwei Taschenlampen, Kabel die als Seil dienen sollten, Messer und Zange, um diese zurechtzuschneiden, Handschuhe, und die Armeekleidung, die er im Lager des Nachrichtendienstes gefunden hatte.
„Wenn es das hier alles nicht gegeben hätte, wäre ich schon längst Geschichte.“ Erklärte er Wanda, die ihn bei seinen Vorbereitungen beobachtete. Sie hielt das Netz in ihren Händen und trennte es an mehreren Stellen auf, an denen Platz für seine Arme und Beine geschaffen werden sollten.
„Kann ich mir vorstellen. Nur deine Stiefel, sie wirken ein wenig zu groß, oder etwa nicht?“
Wanda hatte Recht. Doch was blieb ihm anderes übrig? In den Spinden und Schränken seiner Kollegen hatte er zwar Schuhwerk gefunden, aber dieses war vielleicht für die Gänge und Räume des Bunkers anpassbar gewesen, aber sicher nicht für einen Erkundungsgang unter Tage.
„Es muss gehen. Hauptsache wir gewinnen Gewissheit.“
Wanda schien auf einmal nicht mehr mit der Vorstellung zu hadern, an die Oberfläche zu klettern und sich der Welt dort oben zu stellen. Ganz im Gegenteil, sie wirkte unternehmungslustig und getrieben in diesen Moment.
„Was bist du auf einmal so euphorisch? Vor nicht all zu langer Zeit wärst du doch am liebsten mit mir zusammen hier unten geblieben.“
„Max! Du kannst dir nicht vorstellen, wie sich das für mich anfühlt. Ich kann mich ohne Angst fortbewegen, ohne Anstrengung. Es ist alles so spielend leicht für mich. Du wirst es sehen, wenn ich mit dir hochklettere, das ist einfach nur fantastisch.“
Sie schien es selbst noch nicht recht glauben zu können.
„Und wenn wir dort oben wirklich Leben finden und eine Aufgabe bei der ich helfen kann, dann ...“ Sie suchte nach den richtigen Worten. „... ich wäre das erste Mal in meinem Leben wirklich glücklich, nicht nur zufrieden wie bisher.“
Wanda legte das Netz zur Seite und trat an seine Seite.
„Vor allem weil ich ja auch jetzt dich habe.“ Ergänzte sie, den Blick auf die Umhängetasche gerichtet, die er mitzunehmen gedachte.
„Warum nimmst du diese Pistole mit?“ Fragte sie erstaunt.
„Maximilian warf einen flüchtigen Blick darauf und schloss dann den Reißverschluss zu.“
„Ich weiß es nicht, aber sollten wir auf etwas Unerwartetes stoßen, möchte ich mich wehren können.“
Wanda zeigte ihm in aller Deutlichkeit, wie wenig sie seine Auffassung zu teilen bereit war.
„Du bist kein Soldat oder Polizist, Maximilian. Und jede Waffe, die du bei dir trägst, kann auch gegen dich selbst gerichtet werden.“
„Ich glaube, dass die Vorteile überwiegen, Wanda. Komm, lass uns aufbrechen.“
Die große Frau dachte nicht daran und verharrte auf der Stelle.
„Ich bin deine Waffe, schon vergessen? Es ist meine Aufgabe dich zu schützen.“
Maximilian seufzte. Er hatte geahnt, dass es bei dieser Angelegenheit nicht bei wenigen Worten bleiben würde.
„Und was wenn wir getrennt werden? Ich fühle mich sicherer so. Das musst du doch einsehen. Die Verhältnisse da oben, sind doch jetzt völlig andere. Wer weiß, auf was oder wen wir alles stoßen werden.“
Wanda verschränkte ihre Arme vor der Brust und warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Ist es, weil ich eine Frau bin? Musst du deshalb einen auf Macho machen?“
Maximilian blickte sie erstaunt an. Er verstand nicht, worauf sie hinaus wollte.
„Wie meinst du das?“
„Ich bin größer und stärker als du. Das sind normalerweise Domänen von euch Männern, oder etwa nicht? Vielleicht hast du unterbewusst ein Problem damit?“
„Wanda! Ich will mit dir da hoch und uns Optionen für unsere Zukunft schaffen. Diese Waffe hier dient einzig und allein zu meiner Sicherheit.“
Die Riesin schüttelte ihren Kopf.
„So wie die Atombomben zu unserer Sicherheit beigetragen haben?“
Maximilian fasste sich an seine Stirn.
„Was haben Atombomben mit dieser Waffe hier zu tun?“
„Das sie Leben auslöschen?“
„Wanda! Bestehe bitte nicht darauf! Ich möchte nicht mit dir streiten. Du must doch gemerkt haben, dass ich durchaus in der Lage bin, die Situationen in die wir uns begeben abzuwägen. Das gilt auch für einen Einsatz dieser Waffe.“
„Du lässt sie in deinen Beutel!“ Bestand sie.
Maximilians Magen zog sich in diesen Moment zusammen. Er spürte Wut in sich aufsteigen.
„Bitte, sagt man. Aber ja, meinethalben.“
Sie war wütend auf ihn, doch auch er empfand sie in diesen Moment als anstrengend. Würde das eine Situation zwischen ihnen sein, die sich noch öfter wiederholen würde? Hoffentlich nicht.
Wortlos gingen sie den Gang zum Schacht 2 entlang und begaben sich in Position für ihren Aufstieg. Wanda wies Maximilian an, in das Netz zu steigen, dann nahm sie es auf und hob es vorsichtig auf ihren Rücken. Sie hatte große Schnallen für ihre Schultern gemacht und tatsächlich passten sie genau. Nur für ihr menschliches Gepäckstück war die Lage alles andere als bequem.
„Boah, ist das eng. Ich habe das Gefühl zerquetscht zu werden.“
Wanda blickte über ihre Schulter, ohne ihn jedoch sehen zu können.
„Wird es gehen?“
Maximilian atmete tief durch.
„Ja, ich glaube schon.“
„Okey-dokey, dann halte dich gut fest!“
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