Kitabı oku: «Pucki», sayfa 9
»Du hast ja so wenig«, tadelte Paul, »da wirst du nicht viel verdienen.«
»Ich verkaufe sie sehr teuer. Die Gärtnersfrau hat gesagt, sie muss die Blumen teuer kaufen.«
In Rahnsburg hatte der Kutscher mancherlei zu erledigen. Pucki führte die Knaben nach der Gärtnerei. Paul und Walter trugen den Sack mit den gequetschten Blumen. Sie gingen nicht gerade sanft damit um, so dass Hedi unmutig sagte:
»Ihr werdet die Blümchen zerbrechen. Blümchen wollen nicht in den finsteren Sack.«
In Rahnsburg war die Kleine nicht unbekannt. Ein Ehepaar, das des Weges kam, sprach Hedi an.
»Was machst du denn hier, Hedi? Wie geht es der Mutti? – Was hast du da für schöne Blümchen?«
»Die verkaufe ich.«
»So? – An wen denn?«
»An Sie«, rief Paul. »Wollen Sie welche haben!«
»Du verkaufst die Blumen?«
»Ja«, sagte Pucki ernsthaft, »der Vati hat doch kein Geld mehr, und meine Schuhe, die kaputt sind, müssen heil gemacht werden. Da will ich dafür Geld bekommen.«
Die beiden lachten belustigt. »Was willst du denn für die Vergissmeinnicht haben?«
Hedi zuckte die Schultern. »Ich muss soviel Geld haben, dass der Vati das kleine Schwesterchen bezahlen kann und dass er meine Schuhe machen lässt.«
Lachend nahm die Spaziergängerin zwei Zehnpfennigstücke aus der Börse und reichte sie dem Kinde.
»Du wirst dir sicherlich Bonbons dafür kaufen?«
Hedi strahlte. »Nein, das Geld bekommt der Vati, weil er doch keins hat.«
Inzwischen hatte Paul den Sack auf die Straße gelegt, griff mit beiden Händen hinein und hielt dem Ehepaar mehrere Blumen hin.
»Mir können Sie auch welche abkaufen.«
»Wie sehen denn die Blumen aus, mein Junge. – Sieh mal, diese hier haben ja kaum noch Blätter. Solche Blumen kaufe ich nicht.«
Grimmig warf Paul die Blumen zurück in den Sack und hob ihn auf die Schulter. »Na, dann nicht!«
Diese kleine Szene war von der Bäckersfrau beobachtet worden, deren Laden sich gerade an der Straßenecke befand.
»Kleine Hedi, willst du mir auch Blümchen verkaufen? Ich schenke dir ein Stück Kuchen.«
Sofort lief Pucki in den Laden und stellte das Körbchen auf den Tisch.
»Such dir welche aus!«
Die Bäckersfrau nahm Stiefmütterchen heraus und reichte der Kleinen ein Stück Kuchen.
Das Kind wartete ein Weilchen, dann sagte es mit leiser Bitte in der Stimme: »Du musst mir aber noch ein bisschen Geld für den Vati geben.«
Zu den zwanzig Pfennigen, die Pucki bereits hatte, wurde ein drittes Zehnpfennigstück gelegt. – Strahlend eilte das Kind zurück zu den Freunden und zeigte ihnen den verdienten Betrag.
»Wird sich der Vati aber freuen – nu haben wir viel Geld!«
Schließlich ging es zur Gärtnerei. Paul errechnete für seine Blumen eine stattliche Summe, er wollte mindestens sieben Mark einnehmen, denn sieben Mark kostete die Eisenbahn, die beim Kaufmann Römer im Fenster stand.
»Und ich kaufe mir einen Roller«, sagte Walter.
»Und ich das Ding vom Fleischer, das sich immerzu dreht und soviel Wind macht.«
Die Kinder kamen in die Gärtnerei. Pucki stellte artig das Körbchen mit den restlichen Blumen vor die Gärtnersfrau.
»Jetzt bringen wir dir viele Blumen, weil du doch für die Hochzeit welche brauchst. Die musst du uns abkaufen und uns viel Geld dafür geben, denn mein Vati hat kein Geld.«
»Hier hast du einen ganzen Sack voll Blumen – ich will sieben Mark haben!«
Mit diesen Worten schüttete Paul den Inhalt des Sackes vor die Gärtnersfrau hin. Wie sahen die armen Blümchen aus! Die meisten waren von den Stängeln abgebrochen, die anderen welk und zerzaust. Pucki blickte erschrocken darauf nieder.
»Oh, ihr armen, lieben Blümchen!«
»Was fällt euch denn ein, so mit den lieben Blumen umzugehen«, sagte die Gärtnersfrau erregt. »Wisst ihr nicht, dass alle Blumen der himmlische Vater zur Freude der Menschen wachsen lässt, dass man sie gut behandeln muss? Dieses zerdrückte Zeug kann ich nicht brauchen. – Haben eure Eltern gesehen, dass ihr die Blumen in den Sack stecktet?«
Paul schob die Unterlippe vor, während Walter und Fritz beschämt daneben standen. Sie hatten nicht geahnt, dass die Blumen durch eine derartige Behandlung verdorben würden.
»Da lobe ich mir dein Körbchen, Kleine. Deine Blumen will ich schon nehmen, obgleich ich sie auch nicht recht brauchen kann. Vergissmeinnicht und Stiefmütterchen habe ich selbst ausreichend.«
»Du hast doch gesagt, dass du Blumen brauchst?«
»Das verstehst du noch nicht, Pucki, dazu bist du noch viel zu klein, um zu wissen, welche Blumen ich brauchen kann und welche nicht. – Haben dir die Eltern gesagt, dass du mir die Blumen bringen sollst?«
»Nein, ich wollte dem Vati Geld besorgen, weil er keins hat.«
»Das ist sehr schön von dir, Pucki, doch in Zukunft wird es besser sein, wenn du daheim erst fragst. Nun hast du im Garten all die Vergissmeinnicht abgepflückt, die die gute Mutti so lieb hat. Es wird ihr gewiss nicht recht sein, dass du sie mir bringst.«
»Aber der Großmutti wird es recht sein und dem Vati.«
»Komm, Pucki, wir wollen fort!« rief Paul. Er stopfte die Blumen zurück in den Sack, zum größten Leidwesen Hedis, die noch manches Blümchen hervorzog und in ihr Körbchen legte.
»Wenn wir sie in Wasser stellen, werden ihre Augen wieder ganz hell«, meinte sie.
»Was soll ich dir nun für die Blumen geben, Pucki?«
»Ganz toll viel Geld!«
»Willst du es vernaschen?«
»Nein, dem Vati bringen.«
Die Gärtnersfrau gab Hedi fünf Fünfpfennigstücke, die das Kind sorgsam in die Schürzentasche steckte. Es glaubte sich nun sehr reich und konnte kaum die Freude des Vaters erwarten, die er haben würde, wenn sie ihm das viele Geld brachte.
Vor der Gärtnerei stellte Paul den Sack mit den Blumen in die Ecke, um ihn dort stehen zu lassen. Er hatte gar keine Lust, die Last zurück zum Wagen zu tragen und daheim noch Schelte zu bekommen, weil er so viele Blumen nutzlos abgerissen hatte.
Schließlich ging es heim. Die drei Buben waren sehr missmutig, weil sie von dem Verkauf gar nichts ernteten. Paul jammerte um seine Eisenbahn und wollte von Hedi einen Teil ihres Geldes haben. Doch die Kleine hielt ihre Geldstücke fest.
»Das ist doch für den Vati. Wenn er mal wieder viel Geld hat, sage ich ihm, dass er dir die Eisenbahn kaufen soll.«
Inzwischen hatte man im Forsthause das Verschwinden des Kindes bemerkt. Allzu unruhig war man darüber nicht, da die Sonne noch hoch am Himmel stand.
»Vielleicht ist sie im Wald beim Vater«, sagte die Mutter. »Hedi war in der letzten Zeit sehr brav, sie weiß, dass sie nicht fortlaufen darf.«
Eine halbe Stunde später kam das Kind. Die Augen strahlten, die Bäckchen glühten vor Freude.
»Wo warst du denn?«
»Ach, Mutti – wenn der Vati doch erst wieder hier wäre! Ich habe ihm so 'ne Freude gemacht wie noch nie. – Mutti, bist du traurig, dass ich die Vergissmeinnicht aus dem Garten verkauft habe?«
»Was hast du gemacht?«
»Lieber Gott, der Vati ist so ein armer Mann, weil ich meine Schuhe kaputt gemacht habe, und nun habe ich Geld verdient. – Großmutter, du hast doch gesagt, der Vati hat kein Geld. – Sieh mal her!«
Voller Stolz legte die Kleine die acht Geldstücke auf den Tisch. Ihr Stimmchen schnappte vor Jubel fast über, als sie rief:
»Das habe ich dem Vati eingesammelt – wie wird er sich freuen!«
Anfangs wollte die Mutter tadelnde Worte sagen, sie sah jedoch, wie glücklich ihr Kind in dem Gedanken war, dem Vater helfen zu können.
»Nicht wahr, Mutti, nu hat er wieder viel Geld, nu braucht er nicht traurig zu sein. Alle Leute haben mir Geld für die Blümchen gegeben. Weißt du, wenn der Vati wieder mal für ein Kindchen was bezahlen muss, gehe ich wieder nach Rahnsburg – dann gehe ich in jedes Haus und bringe Blumen.«
Frau Sandler nahm die Kleine und drückte sie zärtlich an sich. Was Hedi heute getan hatte, war aus gutem Herzen gekommen, und dafür durfte sie das Kind nicht schelten. Später musste sie Hedi freilich sagen, dass sie auf diese Weise kein Geld verdienen durfte.
Abends kam der Vater heim. Ehe er die Seinen begrüßen konnte, hing Pucki an seinem Halse.
»Vati, ich bin kein Pucki mehr, es geht auch nicht schlimm aus! Ich habe dir Geld gebracht, viel Geld. – Vati, jetzt bist du nicht mehr arm.«
Auch der Förster brachte es nicht fertig, seiner Tochter einen Vorwurf zu machen. Nur tadelte er, dass Hedi vorher nichts davon gesagt hatte.
»Du sollst nicht nach der Stadt gehen, ohne dass wir es wissen. Doch dieses Mal will ich nicht schelten, da ich weiß, dass du mir eine Freude bereiten wolltest.«
»Von jetzt an mache ich dir jeden Tag 'ne Freude, Vati.«
Während Hedi sehr glücklich war in dem Gedanken, dem Vater geholfen zu haben, gab es bei Niepels wieder einmal strenge Strafe. Mit Tränen in den Augen sahen die drei Knaben, wie die schöne Johannisbeerspeise von anderen gegessen wurde. Ihre Teller blieben leer.
10. Kapitel: Pucki und Harras verhüten ein Unglück
So glücklich und zufrieden wie heute war Hedi lange nicht mehr gewesen. Die Mutti durfte endlich das Bett verlassen und schien gesund zu sein. Die Kleine war jedoch ein wenig enttäuscht, als ihr der Vater sagte, dass die Mutti noch lange nicht mit in den Wald gehen könnte, weil sie noch viel zu schwach wäre.
So kam es, dass das kleine Mädchen mit forschenden Blicken die Mutter betrachtete, die allmählich wieder ihrer gewohnten Arbeit nachging.
»Koch mal lieber nicht«, meinte das Kind, »du bist zu schwach, wir können ja Johannisbeeren essen.«
»Mutti ist froh, wenn sie wieder arbeiten kann.«
Als Frau Sandler eines Tages einen Stuhl anhob, um ihn an einen anderen Platz zu stellen, eilte Pucki herbei und stellte sich der Mutter in den Weg.
»Vati sagt, du bist eine schwache Frau. Ich bin viel stärker als du. – Gib her, ich kann den Stuhl allein schleppen.«
Die Großmutter, die das beobachtete, rief Pucki zu sich und küsste sie zärtlich auf die Stirn.
»So war es brav, Pucki! Immer der Mutti helfen, denn die Mutti ist wirklich noch sehr schwach. Du musst gut auf sie aufpassen, sie darf noch nicht viel Arbeit und Mühe haben, damit sie nicht wieder krank wird.«
»Aber viel Freude darf sie haben, Großmutter!«
»Freude kann sie immer brauchen.«
An einem Nachmittag ging die Großmutter mit Förster Sandler nach Rahnsburg, um Einkäufe zu machen. Beim Abschiednehmen hielt sie Puckis Händchen lange fest. »Wirst du auch nicht zu laut sein, mein Kleines, und die Mutti nicht ärgern? Ich will hoffen, dass du auch heute wieder ein liebes Mädchen bist.«
»Bin ich, Großmutter!«
»Gib auch gut auf die Mutti acht, damit sie sich nicht anstrengt. Lass dir von ihr eine Geschichte erzählen, sie soll im großen Lehnstuhl sitzenbleiben und nicht so viel umherlaufen. Es ist draußen unfreundliches Wetter, so dass ihr nicht in den Garten könnt.«
»Geh mal ruhig in die Stadt, Großmutter, ich passe schon auf die Mutti auf und auf das kleine Schwesterchen.«
»So ist es brav, Pucki.«
Der Förster war mit seiner Schwiegermutter davongegangen. Pucki stand in der Küche an der Seite der Mutter und trat voller Ungeduld von einem Fuss auf den anderen. Frau Sandler schloss die Reste des Mittagessens fort und gab Minna Anweisungen fürs Abendessen. Als Minna noch eine Frage stellte, zog Hedi die Stirn kraus und sagte, indem es den Tonfall des Vaters nachahmte:
»Lass das viele Fragen sein – Kinder brauchen nicht alles zu wissen. Wir sollen die Mutti schonen – die Mutti muss nun in dem großen Lehnstuhl sitzen.«
»Ich komme gleich, Pucki.«
»Na, komm lieber gleich mit«, sagte die Kleine und zerrte die Mutter am Rock. »Wenn du so viel stehst, dann fängt die Lunge wieder an zu husten, und du musst wieder ins Bett.«
Lächelnd fügte sich die Försterin. Sie ließ sich in dem großen Lehnstuhl am Fenster nieder. Pucki eilte herbei und schob ihr einen Schemel unter die Füße.
»Sitzt du nu weich? – Brauchst du nicht zu husten?«
»Nein, mein Kleinchen, es ist alles sehr schön. – Und nun reiche mir noch den Stopfbeutel her.«
»Nein, Mutti!«
»Warum nicht? – Mutti möchte Strümpfe stopfen.«
»Nein, Mutti, Großmutter hat gesagt, es macht dir keine Freude, wenn ich die Strümpfe zerreiße, die du dann stopfen musst. Heute soll ich dir aber nur Freude machen und gut auf dich aufpassen.«
»Aber Pucki, Mutti muss doch etwas tun; sie kann unmöglich im Stuhl sitzen und faulenzen.«
Die Augen des Kindes ruhten auf der Mutter. Pucki wusste, dass sich der Mutter Hände immer fleißig regten, denn niemals saß sie untätig da. – Womit konnte sie ihr wohl eine Freude bereiten?
»Nun, Pucki, willst du mir endlich den Stopfbeutel holen?«
»Mutti, erzähl mir lieber eine schöne Geschichte.«
Pucki setzte sich auf den Schoß der Mutter, legte die Arme um deren Hals und lauschte dem Märchen, das Frau Sandler erzählte. – Plötzlich ertönte aus dem Schlafzimmer das Weinen der kleinen Schwester. Frau Sandler machte Miene aufzustehen, doch Pucki schüttelte unwillig das Köpfchen.
»Immer muss es losschreien, wenn es so schön ist. Bleib doch hier, Mutti, ich werde es herumtragen. Es wird schon wieder still werden.«
»Nein, Pucki, das macht die Mutti.«
Das Kind ging mit der Mutter zum Wagen, in dem das Kindchen lag. Pucki drohte dem Schreihals mit dem Finger:
»Hat dir die Großmutter nicht auch gesagt, dass wir die Mutti lieb haben müssen und dass sie nicht viel arbeiten soll?«
Kaum war der Säugling beruhigt, als Pucki erneut darauf drang, dass sich die Mutter wieder in den Lehnstuhl setzte.
»Mutti, mach es doch«, drängte Hedi, »ich soll doch auf dich aufpassen. Wenn du es nicht machst, geht alles wieder schlimm aus und Pucki ist schuld daran.«
Die rührende Fürsorge des Kindes tat der Försterin wohl. Sie sah daraus, wie liebevoll und umsichtig ihr vierjähriges Töchterchen schon war. Seitdem Pucki nicht mehr täglich mit den drei wilden Knaben von Niepels spielte, war sie ruhiger und sanfter. Wenn erst das Schwesterchen größer war, würden die beiden Kinder sich gemeinsam beschäftigen können und würden nicht die tollen Streiche der Drillinge mehr mitmachen.
Bei Rückkehr der Großmutter konnte Frau Sandler mitteilen, dass Hedi die ihr übertragene Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit erfüllt hätte.
»Wenn du auch weiterhin so lieb und brav bist, kleine Hedi, darfst du dir von der Großmutter etwas wünschen.«
»Oh, ich weiß schon was!«
»Nun?«
»Klotzpantinen!«
»Was willst du nur mit den Klotzpantinen?«
»Großmutter, es klappert so wunderschön!«
»Mutti ist noch nicht ganz gesund, das Klappern würde sie stören.«
»Aber wenn sie wieder ganz gesund ist, Großmutter, kriege ich dann die Klotzpantinen?«
»Nur wenn du sehr artig bist«, lachte die Gefragte und nahm sich vor, dem Enkelkinde schon in den nächsten Tagen seinen Herzenswunsch zu erfüllen.
Die Besserung Frau Sandlers machte von nun an schnelle Fortschritte. Nicht mehr lange, da konnte die Förstersfrau in dem schönen grünen Wald spazierengehen. Man plante sogar für die nächsten Tage eine Fußwanderung nach Rahnsburg. Frau Sandler wollte mit der Mutter den Arzt besuchen.
Es war ein drückend heißer Junitag, als sich die beiden Frauen zum Fortgehen rüsteten. Der Förster war bereits in den Wald gegangen, und Minna machte sich auch fertig, um mit dem Säugling ein wenig spazieren zu fahren. Hedi sollte Minna begleiten.
»Kann ich nicht lieber hierbleiben, Mutti? Ich spiele auch sehr artig mit meiner Diana und dem Harras.«
»Nein, Hedi, du sollst nicht allein im Haus bleiben, begleite Minna.«
»Na, meinetwegen!«
Frau Sandler mit ihrer Mutter waren nach Rahnsburg gegangen; Hedi schritt artig neben dem Kinderwagen einher.
»Wollen wir nicht wieder nach Hause gehen, Minna. Ich möchte zum Harras, der ganz allein ist. – Ach, der arme liebe Hund!«
Schließlich ließ sich Minna erbitten. Als man am Forsthause angekommen war, kam gerade das Niepelsche Fuhrwerk, auf dem außer dem Kutscher Minnas Freundin Ella saß. Erst schwatzten die beiden zusammen, dann schritt Minna neben dem langsam weiterfahrenden Wagen ein Stück Weges dahin, nachdem sie Hedi eingeschärft hatte, brav bei dem Schwesterchen zu bleiben.
Die Kleine spielte vergnügt mit der Puppe und Harras, dem Jagdhund, bis plötzlich das Tier leise zu knurren und schließlich laut zu bellen begann. Immer wieder hob es den Kopf hoch, bellte lauter und immer lauter, setzte schließlich in großem Bogen über den Gartenzaun und lief in den Wald hinein. Diesmal hörte er nicht auf das laute Rufen des Kindes. Harras kam nicht zurück.
»Harras – Harras, wir sollen artig sein! Du darfst doch nicht allein in den Wald. Der Vati nimmt immer die Leine. – O je, ich darf dich doch nicht allein in den Wald gehen lassen!«
Im Hausflur hing die Hundeleine. Als Harras noch immer nicht zurückkehrte, als sein Bellen zum Heulen wurde, lief Pucki erregt davon, um den Hund zu holen.
Da kam er ihr auch schon entgegengesprungen. Er ließ sich ruhig an der Leine festmachen, zerrte jedoch das Kind weiter nach der Stelle, von der er gekommen war.
»Was hast du denn, Harras? Jaule doch nicht so sehr, oder tut dir was weh?«
Noch ein kleiner Seitenweg, dann sah Pucki, was den Hund ängstigte. Mitten zwischen den Tannen stieg Rauch empor, kleine Flämmchen hüpften am Boden entlang, krochen hin zu den dürren Zweigen und entzündeten sie.
»O je, es brennt im Wald!«
Hedi wurde vor Schreck blass. Ein Waldbrand war dem Kinde ganz etwas Neues, aber oft schon hatte der Vater davon erzählt, was das für ein Unglück sei, und dass ein einziges Streichholz viele hundert Bäume kaputt machen könnte. So war in Hedis Gedanken das Feuer im Walde etwas Furchtbares.
Auch Harras schien zu wissen, wie furchtbar ein Waldbrand werden konnte. Dabei war das Forsthaus nicht weit ab. Einmal war ein ganzes Forsthaus durch solch einen Brand aufgefressen worden. Wenn die Flammen nun auch bis ans Forsthaus kamen? Das kleine Mädchen im Wagen verbrannte und die guten Kleider von der Mutti!
»Harras – Harras, was machen mir denn?«
Im ersten Augenblick wusste Pucki keinen Rat. Der Vati war weit fort, Mutti und Großmutter in der Stadt. Minna war auch fortgegangen.
»Kommt schnell ihr Leute, kommt schnell, im Walde ist Feuer!«
Obwohl sich Pucki anstrengte, laut zu rufen, so verhallte ihr Stimmchen doch ungehört. Die Holzschläger waren nicht mehr in jener Gegend beschäftigt. Das vierjährige Mädchen stand allein neben dem treuen Hund und sah mit angstgeweiteten Augen, wie die Flämmchen immer lustiger nach allen Seiten auseinander hüpften.
Pucki lief nach dem Forsthaus zurück. Sollte sie nach Rahnsburg laufen? – Doch der Weg war weit bis dorthin. In Vaters Zimmer stand das Telefon. Der Vati steckte den Finger in die Drehscheibe und drehte dann ein paarmal herum. Dann sprach gleich jemand.
Pucki wusste nicht, wie der Apparat zu handhaben war. Sie hatte nur immer zugeschaut, wenn die Eltern sprachen. Kurz entschlossen nahm sie den Hörer ab, steckte das Fingerchen in die Scheibe und rief, während sie immer wieder irgendwelche Zahlen drehte:
»Der Wald brennt – der Wald brennt!«
Die Nummer, die Pucki in ihrer Erregung ganz zufällig zusammengestellt hatte, gehörte dem Spediteur Runge, der die angstvolle Stimme des Kindes vernahm.
»Wer ist denn dort, was ist los?«
»Kommt schnell ihr Leute, im Walde ist das Feuer, und der Vati ist fort.«
»Wer bist du denn?«
»Ich bin Pucki, die Hedi aus dem Forsthause. Der Vati ist ein Förster und die Mutti ist krank gewesen. – Kommt doch schnell, die Flämmchen hüpfen immer weiter!«
»Brennt es in der Nähe des Forsthauses? Du bist doch die Hedi Sandler?«
»Ja, der Harras bellt immerzu, der sieht das Feuer. Oh, ich hab' solche Angst, wenn der Wald brennt.«
Spediteur Runge war ein energischer Mann, der sofort die nötigen Schritte einleitete. Rasch war die Rahnsburger Feuerwehr alarmiert, und kaum drei Minuten später fuhr die Motorspritze nach dem Forsthause ab. Pucki lief zwischen dem Forsthaus und der Brandstätte ängstlich hin und her. Endlich kam auch Minna zurück; kurz hinter ihr hörte man das Klingeln der näherkommenden Feuerwehr.
»Minna, es brennt im Walde, aber der Harras paßt gut auf!«
»Was du immer hast!«
Aber schon bemerkte Minna den Brandgeruch. Sie sah zwischen den Bäumen dicken Qualm hervorkommen und schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
»Lieber Gott, der Wald brennt, und der Förster ist nicht da!«
Da war die Feuerwehr auch schon zur Stelle. Man brauchte nicht erst nach der Brandstelle zu suchen. Das Feuer hatte sich in den letzten Minuten beträchtlich ausgedehnt, und ein rasches und energisches Eingreifen war notwendig, um die drohende Gefahr zu beseitigen. Man hatte Mühe, das erregte kleine Mädchen zurückzuhalten. Hedi wollte durchaus helfen, damit sich die schönen Bäume nicht vom Feuer fressen ließen.
»Geh aus dem Wege«, sagte einer der Feuerwehrmänner, als Hedi immer wieder auftauchte, »es kann dir was passieren.«
Und wirklich, schon im nächsten Augenblick ging ein Sprühregen von Funken nieder und fiel auf das blonde Köpfchen des Kindes. Glücklicherweise war sofort einer der Männer neben ihr, er riss Pucki an sich, drückte den Kopf des Kindes fest an seine Brust und löschte somit die Funken.
Pucki war sehr erschrocken; sie wusste nicht, was mit ihr geschehen war.
»Marsch heim!« rief der Mann, »oder ich bespritze dich mit Wasser.«
Das ließ sich die Kleine nicht zweimal sagen. Mit schnellen Schritten eilte sie zurück zum Forsthaus. Dort stand Minna.
»Um des Himmels willen, Pucki, wie siehst du denn aus? Kind, Kind, was ist geschehen?«
Pucki wusste nicht, dass ihre goldenen Locken von den Feuerfunken abgesengt waren. Wenn der Feuerwehrmann das Unglück nicht sogleich bemerkt hätte, wäre das Kind nicht ohne beträchtlichen Schaden davongekommen.
»Was hast du denn gemacht? Sieh dich doch mal im Spiegel an.«
Als das geschah, wurde Puckis Herzchen recht schwer. Sie wollte doch ein recht artiges Mädchen sein – Wie sah sie nun aus?
»Minna – ist es schlimm?« fragte die Kleine ängstlich, nachdem sie sich lange im Spiegel angeschaut hatte.
Gar zu gern wäre das Kind trotzdem wieder in den Wald zur Brandstelle gelaufen, um zu sehen, was die Feuerwehrleute machten. Aber es war auch vom Forsthaus aus viel zu sehen. Dicker Rauch stieg kerzengerade zum Himmel empor.
Ganz plötzlich hörte Pucki die Stimme des Vaters. Er war im Laufschritt angekommen, denn auch er hatte die dicken Rauchwolken schon von weitem bemerkt. Mutter und Großmutter kehrten gleichfalls sehr bald aus Rahnsburg zurück, und mit ihnen kamen noch viele andere Männer, Frauen und Kinder, die der Waldbrand herbeigelockt hatte.
»Gelöscht«, sagte der Brandmeister endlich. »Die Gefahr ist beseitigt. Es hätte schlimm ausgehen können, wenn der Brand nicht rechtzeitig bemerkt worden wäre. Ich glaube, Herr Sandler, Ihr Haus wäre auch nicht verschont geblieben.«
Frau Sandler hielt geängstigt Pucki in den Armen.
»Wer hat den Brand zuerst entdeckt?«
»Uns hat Spediteur Runge herausgeschickt. Es wurde ihm gemeldet.«
Spediteur Runge war auch zur Brandstelle gekommen. Förster Sandler wandte sich fragend an ihn.
»Warum gerade mir der Brand von Ihrem Töchterchen gemeldet wurde, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat sich die Kleine sehr beherzt gezeigt.«
»Du, Pucki? Du hast Onkel Runge angerufen?«
»Es hat ein bisschen gebrannt, Vati, der Harras hat so sehr geheult. Ihm war so angst – und mir auch. Es war keiner da, da habe ich eben an deinem Apparat so'n bisschen gedreht, bis eine Stimme kam.«
»Das hast du sehr gut gemacht, Pucki. Du hast dich heute als ein guter Engel des Waldes gezeigt. Du bist keine schlimme Pucki, sondern eine sehr brave Pucki gewesen.«
»Guck mal, Vati, nu hab' ich keine Haare mehr!«
Förster Sandler drückte sein Kind, das der Gefahr glücklich entronnen war, voller Inbrunst ans Herz.
»Wir haben allen Grund, dem lieben Gott zu danken, Pucki, denn er hat dich und unseren lieben Wald vor einer großen Gefahr bewahrt. Bleibe immer ein so tapferes Mädchen, so brav und klug, wie du dich heute gezeigt hast.«
»Vati – vielleicht hat der schlimme Pucki im Walde gesessen und hat das Feuer angemacht. – Vati, wenn er nun verbrannt ist?«
»Dann ist eben nur meine gute Pucki geblieben.«
»Ja, unsere brave Pucki aus dem Forsthause«, fiel Spediteur Runge ein. »Dem Onkel Oberförster werde ich erzählen, was du für ein tüchtiges Försterkind bist. Er wird sich sehr über dich freuen.«
Bereits am nächsten Tage kam Onkel Oberförster zu Pucki. Er brachte dem Kind eine schöne Puppe mit und sagte ihm, dass er sich sehr über ihr tapferes Verhalten gefreut hätte.
Es kamen noch viele, die Hedi herzliche Worte der Anerkennung sagten. Auch Onkel Niepel und die Drillinge stellten sich ein. Sie hörten das Lob des kleinen Mädchens überall, und Paul meinte:
»Wenn's weiter nichts ist – das hätte ich auch getan.«
Mehr Freude als alle anerkennenden Worte wurde ihr zuteil, als die Großmutter am anderen Tage ihrem Enkelkind ein Paket in den Arm drückte.
»Das ist der Lohn für dein beherztes Tun, meine liebe kleine Pucki.«
Hedi hielt gerade die schöne Puppe des Oberförsters im Arm, als die Großmutter ihr das Paket gab. Sie wickelte es auf – ein Jubelschrei tönte durchs Wohnzimmer.
»Klotzpantinen!«
Es waren ganz einfache Holzpantoffeln, doch war es die Erfüllung eines Herzenswunsches. Achtlos wurde die Puppe zur Seite gelegt; Hedi vergaß auch, von dem schönen Konfekt zu essen, das ihr Spediteur Runge gebracht hatte. Sie lief glücklich durchs Haus, durch Hof und Garten, sie hielt Harras die Klotzpantinen vor die Nase und lachte.
»Guck, weil ich das Feuer nicht hab' weitergehen lassen, habe ich Klotzpantinen bekommen. – Was hast du denn bekommen, Harras?«
Der Hund rieb seinen Kopf an Hedis Röckchen.
»Hast du nichts bekommen? – Du hast doch zuerst gebellt!«
Klappernd stürmte Pucki ins Wohnzimmer. »Großmutter, was bekommt der Harras? Der Harras hat gebellt und gejault! Großmutter, der Harras muss auch was haben, sonst gefallen mir die Klotzpantinen nicht so sehr.«
»Hast recht, Pucki, der Harras bekommt natürlich auch eine Belohnung, ich werde es dem Vati sagen.«
»Vati«, bat Pucki am Abend, als der Förster heimkam, »ich habe so schöne Klotzpantinen bekommen, der Harras muss auch was bekommen. Dem Harras sagen die Leute gar nichts, und er hat das Feuer zuerst gerochen.«
»Hast recht, Hedi, es ist sehr lieb von dir, an den treuen Harras zu denken. – Natürlich, der Harras soll auch eine Belohnung haben.«
Aus dem Rauchfang wurde eine kleine Wurst geholt.
»Hier, Hedi, gib sie dem Harras, er hat sie verdient. Aber er darf nur die Hälfte fressen, sonst wird er krank.«
Pucki rief den Hund, legte sich lang auf die Erde, die Wurst in der Hand, griff mit der Linken in das Fell des Tieres und sagte weich und zärtlich:
»Nu riech' mal, Harras, das riecht doch viel besser als der stinkige Wald. – So, nu beiß mal ab!«
Der Hund schnappte nach der Wurst.
»Das ist deine Belohnung, du liebes Tierchen! – Harras, wir beide sind tüchtige Leute. Wir hätten kein Haus mehr, wenn du nicht gebellt hättest.«
Dann ließ Pucki den Hund erneut ein Stück von der Wurst abbeißen, den Rest brachte sie zur Mutter.
Als sich im Laufe der nächsten Tage noch verschiedene Rahnsburger einstellten, die Pucki belobten, rief die Kleine jedes Mal nach Harras, dem treuen Hunde, und sagte zärtlich:
»Der Harras hat zuerst gebellt, nun müsst ihr auch den Harras streicheln. Der ist so klug, viel klüger als Pucki.«
Und Harras duldete es gern, dass man ihm den Kopf kraulte. Er sah mit seinen treuen Augen zu seiner kleinen Herrin auf und dachte in seinem Hundesinn: Wir beiden, du und ich, wir haben es gut gemacht!