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Kitabı oku: «Deportiert auf Lebenszeit», sayfa 19
Drittes Capitel.
Die Geschichte von zwei Raubvögeln
Der Leser der vorhergehenden Capitel hat sich gewiß schon gefragt: »Welches Band mag John Rex und Sara Purfoy vereinigen?«
Im Jahre 1825 lebte in St. Heliers auf Jersey ein Uhrmacher, Namens Urban Purfoy. Er war ein hart arbeitender Mann, und hatte etwas Geld erspart, das hinreichte, um seiner Enkelin eine Erziehung zu geben, welche in jenen Tagen über das Gewöhnliche hinausging. Mit sechzehn Jahren war Sara Purfoy ein hohlköpfiges, eigensinniges Mädchen mit großen, braunen Augen und sehr entwickelten – Formen. Sie hatte eine schlechte Meinung von ihrem eigenen Geschlecht und eine ungeheure Meinung von dem andern, wenn es jung und hübsch war. Die Nachbarn sagten, daß sie sich zu hoch hielt für ihre Stellung im Leben. Ihr Großvater sagte, sie sei eine Schönheit und ihrer armen Mutter sehr ähnlich. Sie selbst dachte ziemlich gering von ihren persönlichen Eigenschaften und ziemlich hoch von ihren geistigen. Sie war voller Leben und Leidenschaft, und hatte wenig religiöses Gefühl. Sie hatte keine große Achtung vor moralischem Mute, denn sie verstand ihn nicht, bewunderte aber auf‘s Aeßerste persönliche Tapferkeit. Ihre Verachtung des alltäglichen Lebens zeigte sie durch Rebellion gegen alle Gebräuche. Sie wollte ausfallen durch besondere Kleidung und war nie glücklicher, als wenn man sie mißverstand. Sie war solch ein Mädchen, von dein die Frauen sagen: »Wie schade, daß sie keine Mutter hat; und die Männer: »wie schade, daß sie keinen Mann bekommt« und das zu sich selbst sagt: »Wann werde ich einen Liebhaber haben?« Es war gerade kein Mangel von dieser letzteren Klasse unter den Offizieren der Garnison von Fort Henry; aber die weibliche Bevölkerung der Insel war zahlreich und von ziemlich freien Sitten und so wurde in ein Ueberfluß Sara übersehen. Obgleich sie das Militair anbetete, war ihr erster Liebhaber doch ein Civilist. Eines Tages spazierte sie am Strande und traf einen jungen Mann. Er war groß, hübsch und gut gekleidet. Sein Name war Lemoine. Er war der Sohn eines wohlhabenden Einwohners der Insel und war von London gekommen, um seine Familie zu sehen und seine Gesundheit wieder herzustellen. Sara war seine Erscheinung aufgefallen und sie sah sich nach ihm um. Er folgte ihr und sprach sie an – machte irgend eine gleichgültige Bemerkung über Wind und Wetter und sie hielt seine Stimme für himmlisch. Sie plauderten weiter, über die Aussicht, einsame Spaziergänge, und die Langeweile von St. Heliers. »Ob sie oft dort spazieren ginge?« »Zuweilen.« »Ob sie morgen wieder da sein würde?« »Sie könnte.« Mr. Lemoine zog seinen Hut und ging zu seinem Mittagessen ziemlich vergnügt nach Hause.
Sie trafen sich den nächsten Tag und den Tag nachher wieder. Lemoine war kein Gentleman, aber er hatte unter solchen gelebt und hatte ihre Manieren einigermaßen angenommen. Er sagte, daß Tugend nur ein Name sei und die Reichen und Mächtigen mehr in der Welt geachtet seien, als die Armen und Rechtschaffenen. Sara stimmte ihm bei. Ihr Großvater war arm und rechtschaffen und Niemand bewies ihm Hochachtung, wenigstens nicht solche, an der ihr gelegen war.
Außer diesem Talent zu argumentiren war Lemoine auch hübsch und hatte Geld, das heißt, er zeigte ihr einer Tages eine Hand voll Banknoten. Er erzählte ihr von London und den großen Damen dort und deutete an, daß sie nicht immer tugendhaft seien und reckte sich mit einer Miene, als wenn er sagen wollte, daß er unglücklicher Weise oft die Veranlassung gewesen, daß sie den Weg der Tugend verlassen. Darüber wunderte sich Sara nicht im Geringsten. Wenn sie eine große Dame wäre, würde sie es eben so machen. Sie fing an, mit dem verführerischen Menschen zu kokettieren und ließ ihn merken, daß sie zu viel Weltkenntnis habe, um einen eingebildeten Werth aus Tugend zu setzen. Er hielt ihre Schlauheit für Unschuld und glaubte eine Eroberung gemacht zu haben. Uebrigens war das Mädchen hübsch und wenn sie passend gekleidet war, so konnte sie sehr gut aussehen. Es stand nur ein Hinderniß ihrer unerlaubten Liebe im Wege. Der unordentliche junge Mann hatte kein Geld. Er hatte in London über seine Mittel gelebt und sein Vater war nicht geneigt, ihm weitere Mittel zu gewähren.
Sara mochte ihn lieber leiden, als irgend Jemand, aber es waren bei der Sache doch zwei Seiten. Sara mußte nach London gehen. Vergebens seufzte und schwur ihr Liebhaber. Wenn er nicht versprach, sie mit nach London zu nehmen, blieb sie keusch wie Diana. Je tugendhafter sie wurde, desto lasterhafter wurde er. Sein Wunsch, sie zu besitzen wuchs in dem Maße, als sie ihm widerstand und endlich borgte er zweihundert Pfund von dem ersten Buchhalter seines Vaters (die Lemoine’s waren Kaufleute) und gab ihren Wünschen nach. Auf keiner Seite war Liebe; Eitelkeit war die Haupttriebfeder ihrer Handlungen. Lemoine wollte nicht zurückgewiesen werden und Sara verkaufte sich für eine Reise nach England und eine Einführung in die große Welt.
Wir brauchen ihre Laufbahn in dieser Zeit nicht genau zu verfolgen. Genug, sie entdeckte, daß das Laster nicht immer mit Glück in dieser Welt verbunden ist, und daß es nicht immer belohnt wird, wenn es auch mit allem Eifer ausgeübt wird. Uebersättigt und enttäuscht, mit müdem Körper und verderbter Seele wurde sie bald dieses Lebens überdrüssig und sehnte sich, aus diesem wüsten Treiben loszukommen In dieser Zeit verliebte sie sich.
Der Gegenstand ihrer Neigung war ein Herr Leopold Crofton. Crofton war groß, wohlgebaut und von einschmeichelnden Manieren. Seine Züge waren zu stark, um schön zu sein. Seine Augen waren der beste Theil seines Gesichtes und eben so wie sein Haar waren sie kohlschwarz. Er hatte breite Schultern, sehnige Glieder und kleine Hände und Füße. Sein Kopf war rund und anscheinend wohl gebildet, stand aber über den Ohren etwas zu weit vor und diese, welche auffallend klein waren, lagen dicht am Kopfe an. In diesem Mann, der kaum vier Jahre älter war, als sie selbst, verliebte sich Sara, siebzehn Jahre alt, aus das Heftigste. Dies war um so merkwürdiger, als er, obgleich er sie liebte, keine Launen duldete, eine unbezähmbare Heftigkeit besaß und dieser jetzt oft in Flächen, ja in Schlägen Luft machte. Er schien keinen Stand oder kein Geschäft zu haben und obgleich er in guter Gegend lebte, so war er doch noch weniger ein Gentleman, als Lemoine. Doch Sara, von einer ganz wunderbaren Sympathie zu ihm hingezogen, wie sie öfter in dem Leben solcher Frauen vorkommt, war ihm sehr ergeben. Von ihrer Zuneigung gerührt, und ihren Verstand und ihre Gewissenlosigkeit nach Gebühr schätzend, sagte er ihr, wer er sei. Er war ein Schwindler, ein Fälscher und ein Dieb. – Sein Name war John Rex. Als sie dies hörte, empfand sie eine Art von finsterer Freude. Er erzählte ihr von seinen Plänen, seinen Streichen, seinem Entkommen, seinen Schurkereien und als sie erfuhr, wie dieser junge Mann seit Jahren die Welt betrogen und beschwindelt hatte, die sie verließ und verleugnete, da schlug ihr Herz ihm entgegen. »Ich bin froh, daß Du mich gefunden hast. sagte sie. »Zwei Köpfe sind besser als Einer. Wir wollen zusammen arbeiten.«
John Rex, der unter seinen nächsten Freunden unter dem Namen Dandy Jack bekannt war, war der vermeintliche Sohn eines Mannes, der Jahre lang Diener bei Lord: Bellasis gewesen und der den Dienst es ausschweifenden Herren mit einer Frau und einer Summe Geldes verlassen hatte. John Rex wurde in eine sehr gute Schule geschickt und mit sechzehn Jahren erhielt er durch seiner Mutter Empfehlung bei seines Vaters altem Herren, eine Stelle als Clerk in einer Bank. Rex Senior sprach oft und gern von »Gentleman« und vornehmer Gesellschaft. Mrs. Rex liebte ihren Sohn zärtlich und flößte ihm den Wunsch ein, in aristokratischen Kreisen zu glänzen. Er war ein kluger Mensch, ohne Grundsatze, der ohne Erröthen log und so oft stahl, als er es sicher und ohne Sorge vor Entdeckung thun konnte. Er war vorsichtig, erwerbsgierig, lebhafter Einbildung, selbstbewußt und besaß den Zerstörungssinn in hohem Grade. Er hatte viel Beobachtungsgabe, Erfindung und Gewandtheit, aber ihm ging jeder Sinn für Moral ab. Er fand, daß seine Gefährten in der Bank nicht von der Sorte waren, deren Umgang seine Mutter für ihn erwünschte und verachtete sie deshalb. Er wäre wohl gern in die Armee eingetreten, denn er war athletisch und zeichnete sich in allen Uebungen aus, zu denen Muskelkraft erforderlich war. Den ganzen Tag an ein Schreibpult geschmiedet zu sein, war nicht zu ertragen. Aber Rex Senior rieth ihm, abzuwarten, wie sich Alles für ihn gestalten würde. Das that er, aber gewöhnte sich an späte Stunden, gerieth in schlechte Gesellschaft und fälschte den Namen eines Kunden der Bank auf einer Anweisung von zwanzig Pfund. Die Fälschung war sehr ungeschickt und wurde nach vier und zwanzig Stunden entdeckt. Fälschungen der Clerks pflegen eicht entdeckt zu werden, aber den Credit eines Bankhauses nicht zu erhöhen und so wurde John Rex nicht angeklagt, sondern einfach von dem Bankier entlassen. Der frühere Diener, der seinen legitimierten Sohn niemals geliebt hatte, wollte ihn zuerst aus dem Hause werfen, aber auf Bitten seiner Frau, brachte er ihn in einer Modewaaren Handlung unter. Diese Stellung gefiel ihm nicht und John Rex faßte den Plan, sie zu verlassen. Er wohnte zu Hause er hatte sein Gehalt – dreißig Schillinge wöchentlich als Taschengeld. Obgleich er ziemlich geschickt beim Billardspiel war und ziemlich häufig gewann und zwar für Jemand in seiner Stellung recht beträchtliche Summen, so überstiegen seine Ausgaben doch seine Einnahmen. Ueberall wo er konnte, hatte er schon geborgt, war aber wieder in Schwierigkeiten gerathen. Doch hatte ihm sein genaues Entkommen eine gute Lehre gegeben und er beschloß, Alles seiner Mutter zu eichten und künftig vorsichtiger zu sein. Da gerade ereignete sich einer jener Vorfälle, wie sie so manches Leben für immer verderben. Der Laden-Aufseher starb und die Herren Baffaty u. Co. machten den eleganten Rex auf einige Tage dazu. Die Aufseher haben viel mehr Gelegenheit, wie Andre, zum Stehlen und am Abend des dritten Tages schon ging Rex mit einem Päckchen Spitzen nach Hause. Unglücklicher Weise war er mehr schuldig, als dieser kleine Diebstahl werth war und er war genöthigt, wieder zu stehlen. Dies Mal wurde er entdeckt. Gerade, als er ein Stück Seide verbergen wollte, um es zum Mitnehmen bereit zu haben, ertappte ihn Einer der andern Angestellten und rief: »Halb Part!«
Rex spielte den tugendhaft Entrüsteten, doch sah er bald, daß solch Vorgeben unnütz war, sein Kamerad zu schlau und gewiegt, um sich so abspeisen zu lassen. »Ich sah, wie Du es nahmst und wenn Du mir nicht die Hälfte gibst, sage ich es dem alten Baffaty. Dies Argument war unwiderstehlich und sie theilten. So waren sie gute Freunde geworden und der neue Theilhaber an Johns Geschäft half ihm, den Raub unterzubringen und führte ihn bei einem Käufer ein. Der Käufer verletzte alle Regeln der Hehlerei, denn er war kein Jude, sondern ein sehr rechtgläubiger Christ. Er hatte ein Geschäft mit getragenen Kleidern und man glaubte, daß er Zweiggeschäfte über ganz London habe.
Mr. Blicks kaufte das gestohlene Gut zu einem Drittel seines Werthes. Er schien erstaunt über die Erscheinung von Rex. »Ich hielt Sie für einen feinen Mann,« sagte er. Dies war eine große Schmeichelei, da sie von einem so erfahrenen Manne kam. Durch den Erfolg ermuthigt bemächtigten sich Rex und sein Gefährte noch andrer Waaren von Werth. John Rex bezahlte seine Schulden und fühlte sich ganz wie ein Gentleman. Gerade, als er sich in diesem angenehmen Zustand befand, entdeckte Baffaty die Plünderung. Da er nichts von der Bankgeschichte wußte, fiel sein Argwohn nicht auf Rex, der solch anständiger, junger Mann war, sondern da er schon immer Argwohn auf dessen Theilnehmer gehabt hatte, der gemein aussah und schielte, so ließ er ihn kommen. Derselbe leugnete standhaft und der alte Baffaty, der gütigen Sinnes war und ohne sich zu ruinieren, fünfzig Pfund verlieren konnte, ließ ihm Bedenkzeit. Er Elle sich bis zum nächsten Morgen besinnen, wohin die Waaren gekommen wären, wenn nicht, dann müsse ein Constabler gerufen werden. Der junge Mann, Thränen in seinen unschuldigen Augen kam zu Rex und sagte ihm, daß Alles verloren sei. Er wollte natürlich nicht bekennen, weil er seinen Freund Rex dann auch beschuldigen müsse, doch wenn er nicht bekannte, wurde er eingesteckt. Flucht war unmöglich, denn Keiner von ihnen hatte Geld. In diesem Dilemma, erinnerte sich John Rex an des alten Blick Schmeichelei und brannte, dieselbe zu verdienen. Wenn er sich zurück ziehen mußte, so wollte er vorher noch des Feindes Land verwüsten. Sein Auszug sollte dem der Israeliten gleichen, – er wollte die Egypter verderben.
John Rex hatte eine halbe Stunde des Mittags frei, um Zum Frühstück zu gehen. Er nahm ein Cab und fuhr zu Blick. Dieser würdige Mann empfing ihn sehr herzlich, denn er sah wohl, daß Rex große Dinge vor hatte.
John Rex legte ihm seinen Plan vor. Die Thüren- der Waarenlager wurden von innen durch Federn befestigt. John Rex wollte zurückbleiben Abends und sie auf Zeichen öffnen. Ein leichter Wagen oder ein Cab sollte an er Querstraße hinter dem Hause halten und drei Männer konnten den Wagen in kurzer Zeit mit den werthvollsten Waaren füllen. Konnte Blick drei solche Männer herbeischaffen? Blicks eines Auge blitzte. Ja, er glaubte wohl. Um halb zwölf Uhr sollten sie da sein. Ob das Alles sei? Mr. John Rex wollte natürlich solche gute Sache nicht umsonst thun. Die Beute war wenigstens fünf tausend Pfund werth. Er mußte hundert Pfund bar ausgezahlt bekommen, wenn der Wagen an Blicks Thür hielt. Blick verweigerte das entschieden. Die Summe sollte getheilt werden, denn er wolle keine Katze im Sack kaufen. Doch war Rex fest, es war die einzige Aussicht, die er hatte und sie einigten sich endlich über achtzig Pfund. In derselben Nacht wurde, was die Londoner Polizei-Annalen den großen »Seidendiebstahl« nannten, ausgeführt und zwei Tage nachher saßen Rex und sein Gefährte behaglich in Birmingham beim Mittagessen und lasen einen Bericht über den Diebstahl, der natürlich ganz falsch war, in einer Londoner Zeitung.
John Rex hatte nun aller Achtbarkeit entsagt, hatte seiner Heimath den Rücken gewandt und fing an, seiner Mutter Wünschen nachzuleben. Er war in seiner Art ein Gentleman. So lange die achtzig Pfund vorhielten, lebte er fast in Luxus und als sie ausgegeben waren, hatte er sich in seiner Profession ganz festgesetzt. Diese Profession war eine sehr unerträgliche. Es war die eines Schwindlers. Mit einer hübschen Persönlichkeit, leichter Manier, ziemlichem Witz hatte er sich dazu eine gewisse Geschicklichkeit beim Billard erworben, einige Kenntnis von Spielerstreichen und das sehr nützliche Bewußtsein, daß er entweder betrügen müsse oder sich betrügen lasse. John Rex war kein gewöhnlicher Schwindler. Sein Naturell bewahrte ihn vor gemeinen Irrthümern. Er begriff, daß man, um die Menschen zu beschwindeln, nicht nur verhältnißmäßig, sondern absolut schlau und erfinderisch sein müsse. Derjenige, welcher damit zufrieden ist, klüger zu sein als die Majorität, wird zuletzt doch überlistet werden, und wenn dies ein Mal nur geschehen, so ist ein Schwindler ruiniert. Wenn er die Erzählungen von entdeckten Diebereien u.s.w. durchging, so, sah er, daß bei allen Betrügereien und Diebereien immer irgend ein Glücklicher den Vortheil davon gehabt, auf Kosten der Helfershelfer. Das brachte ihn auf einen Gedanken. Wenn er nun nicht allein sein eigenes Talent verwerthete, sondern auch das Andrer sich nützlich machte!
Die Verbrecher stufen sich außerordentlich ab. Er wollte auf der Höhe sein! Warum sollte er die Menschen verachten, die niedriger standen. Seine Beschäftigung war Schwindeln, Kartenspielen, Billardspielen, Geldborgen und Waaren entnehmen. Er hatte aber nie mehr als zwei bis drei große Unternehmungen jährlich vor. Aber Andre plünderten Häuser, stahlen Armbänder, Uhren, Diamanten, – verdienten in einer Nacht so viel, wie er in sechs Monaten, – nur war ihre Beschäftigung viel gefährlicher. – Die Frage war – warum gefährlicher? Weil diese Männer bloße Klötze waren, kühn genug, geschickt in ihrer Art, aber keine ebenbürtigen Gegner des Gesetzes mit seinen Argus-Augen und Dornensünden.
Sie waren gut genug für die gröbere Arbeit: sie erbrachen Thüren, machten Schlösser auf und betrogen die Constabler, aber in der feineren Kunst des Planes, des Angriffes und des Entkommens waren sie wenig bewandert. Gut. Diese Männer sollten seine Gehilfen sein, er wollte das Haupt sein. Er wollte die Räubereien planen, – sie sollten sie ausführen.
So in vielen Kanälen arbeitend und nie sich weigernd, einem Gefährten in der Noth beizustehen, wurde John Rex in wenigen Jahren das Haupt einer ausgedehnten Bande von Schurken. Er ging mit eleganten jungen Clerks um, mit unbedachten jungen Leuten aus der Mittelklasse und hörte von ihnen, wenn die Häuser schlecht bewacht und die Laden nicht genügend gesichert waren. Dann stellte er Blicks Männer an und ließ sie die gefährliche Arbeit thun. In seinen verschiedenen Verkleidungen unter falschem Namen, den er oft wechselte, fand er auch Eingang in die oberen Kreise der modischen Gesellschaft, in der Thiere zu Vögeln werden, wo ein Wolf eine Krähe wird und ein Lamm eine Taube. Reiche Verschwender, welche gern Männergesellschaft um sich sahen, luden ihn zu ihren Mittagessen ein und Mr. Anthony Crostonbury, Kapitain James Craven und Mr. Leopold Crofton waren Namen, die mit Vergnügen, aber viel öfter von ruinierten Leuten mit Verdruß wiederholt wurden. Doch hatte John Rex eine Eigenschaft, welche für Leute seiner Art unschätzbar ist, – er war vorsichtig und wußte sich zu beherrschen. Wenn er einen guten Erfolg gehabt, oder eine Sendung Edelsteine erwischt, die an seine »Gemahlin« nach Gloucestershire gesandt wurden, – wenn er eine gute Summe von Blicks herausgepreßt oder einen spielenden Jüngling wie Lemoine gerupft, so verschwand er eine Zeit lang. Er liebte Behaglichkeit und vor Allem Sicherheit und Ansehen. So hatte er drei Jahre lang gelebt, als er Sara Purfoy begegnete und so beabsichtigte er, noch recht lange zu leben. Mit dieser Frau als Gehilfin, dachte er gewiß, dem Gesetze Trotz bieten zu können. Sie sollte das Netz sein, das er seinen »Tauben« aufstellte; sie war die fein gekleidete Dame, welche Waaren in London bestellte – für ihren Gatten in Canterbury und den halben Preis dafür einzahlte, – wozu »sein Brief sie unterrichtete.« Einer weniger schlauen und weniger schönen Frau wäre das nicht gelungen. Ihr Mann sah sein Glück vor sich und meinte, daß mit gewöhnlicher Klugheit er sein einträgliches Geschäft als »Gentleman« fortsetzen könne, bis es ihm gefiel, es aufzugeben. – Ach, – wie groß ist die menschliche Schwäche! Er that eines Tages etwas Thörichtes und das Gesetz, das er so erfolgreich umgangen, faßte ihn auf die einfachste Weise. Unter dem Namen Mr. und Mrs. Skinner, lebten Sara Purfoy und John Rex in einigen ruhigen Zimmern in der Nachbarschaft von Bloomsbury. Ihre Wirthin war eine achtbare, arme Frau, deren Sohn Constabler war. Dieser Sohn war etwas redseliger Natur und eines Abends erzählte er seiner Mutter, daß in der nächsten Nacht ein Angriff aus eine Falschmünzerbande in Old Street gemacht werden solle. Die Mutter träumte die ganze Nacht von allen möglichen Schrecken und ging am nächsten Tage zu Mrs. Skinner auf deren Zimmer und erzählte ihr unter dein Siegel der Verschwiegenheit von der schrecklichen Expedition, die ihr Sohn vor hatte.
John Rex war mit Lord Bellasis zu einem Tauben-Wettflug ausgegangen und als er um neun Uhr zurückkehrte, erzählte ihm Sara, was sie gehört.
Nun war Nummer 4. Bankplatz in der Old Street die Wohnung eines gewissen Green, der seit einiger Zeit das einträgliche, aber gefährliche Geschäft der Falschmünzerei betrieben hatte. Dieser Mann war Einer der kühnsten jener Bande, deren Hauptschatzmeister Blick war und seine Freiheit war für Alle werthvoll. John Rex war sehr aufgeregt bei seinem Mittagessen und überlegte, was zu thun sei. Er glaubte, es sei recht, Green von der Gefahr zu unterrichten. Nicht, daß er sich persönlich um Green bemühte, aber es wäre schlechte Politik gewesen, einem solchen Kameraden nicht zu helfen und überdies konnte Green ja plaudern, wenn er gefaßt wurde. Aber was sollte er thun? Wenn er zu Blicks ging, war es zu spät. Er wollte selbst gehen. So ging er und wurde festgenommen. Als Sara das hörte, machte sie sich an’s Werk um zu helfen. Sie raffte alles Geld und alle Juwelen zusammen, bezahlte Mrs. Skinners Miethe, besuchte John und sorgte für seine Vertheidigung. Blicks war voller Hoffnung, aber Green, der nahe am Hängen stand, bekannte, daß der Mann sein Genosse sei und da der Staatsanwalt in strenger Laune war, wurde John Rex zu sieben Jahren Deportation verurtheilt.
Sara Purfoy schwor, sie wolle ihm folgen. Sie wollte als Passagier, als Auswanderer als irgend etwas sich einschiffen. Da erblickte sie die Anzeige von Mrs Vickers, welche ein Mädchen suchte und meldete sich. Merkwürdiger Weise wurde John Rex im Malabar weggeschickt und Sara, welche dies erfuhr, ehe der Malabar eine Woche auf See war, faßte den kühnen Plan der Meuterei, um ihren Geliebten zu befreien. Wirr kennen das Ende dieses Unternehmens und die Geschichte der Flucht dieses Schurken von Macquarie Harbour.
