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Kitabı oku: «Deportiert auf Lebenszeit», sayfa 29

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Der Mann antwortete bejahend, den Besuch mit einigem Argwohn anstarrend.

»Ist sie zu Hause?«

»Nein.«

»Wissen Sie es gewiß?«

»Wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie im Hause,« war die Antwort, die in dem unhöflichen Tone eines freien Mannes gegeben wurde.

Frere führte sein Pferd durch das Thor und ging den; sauberen, breiten Fahrweg zum Hause hinauf. Ein Diener! in Livree kam aus sein Klingeln und sagte ihm, daß Mrs. Purfoy in die Stadt gegangen sei. Dann schloß er die Thür ihm vor der Nase zu. Frere, mehr erstaunt denn je über; diese äußerlichen unsichtbaren Zeichen von Unabhängigkeit, stand ärgerlich still und fühlte halb und halb die Neigung trotz der Abweisung einzutreten. Als er durch einen Durchblick zwischen den Bäumen auf die See sah; bemerkte er die Masten einer Brigg, welche an der äußersten Spitze der Landzunge, auf welcher das Haus gebaut war, vor Anker lag. Also beherrschte das Haus auch seine Verbindung zu Wasser, so wohl als zu Lande. Konnte es einen besonderen Beweggrund geben, diese Lage zu wählen, oder war es bloßer Zufall? Er war unruhig, beschloß jedoch, diese Unruhe los zu werden. Bis jetzt hatte Sara ihm Wort gehalten. Sie, hatte ein neues, achtbares Leben begonnen; warum sollte er das eingebildete Böse suchen, wo es gar kein Böses gab. Blunt war augenscheinlich ehrlich. Frauen wie Sara Purfoy kamen oft zu einem verhältnißmäßigen Reichthum; und anscheinend häuslichen Tugenden. Es war übrigens sehr wahrscheinlich, daß irgend ein reicher Kaufmann der wirkliche Eigenthümer des Hauses und Gartens, der Vergnügens Jacht und des Oellagers war. Dann hatte er weiter keine Ursache zur Furcht.

Der erfahrene Deportiertenkenner schätzte die Fähigkeiten den John Rex lange nicht hoch genug. Von dem Augenblick an, da der Deportierte sein Urtheil der lebenslänglichen Verbannung gehört hatte, beschloß er, zu entfliehen und wendete alle Kräfte seines scharfen, vor nichts zurück schreckenden Verstandes an, die beste Methode ausfindig zu machen, diesen Zweck zu erfüllen. Seine erste Sorge war, sich Geld zu verschaffen. Dies that er, indem er an Blick schrieb, aber als Meekin ihn von dem Schicksale seines Briefes unterrichtete, faßte er den Entschluß – der ihm nicht so lieb war – es sich durch Sara Purfoy zu verschaffen. Es lag in der harten undankbaren Natur dieses Mannes, daß trotz der Anhänglichkeit dieser Frau, die ihm bis in seine Verbannung gefolgt war, es zu ihrem Lebenszwecke gemacht hatte, ihn in Freiheit zu setzen, er für sie keine Neigung hatte. Ihre Schönheit hatte ihn angezogen, als er als Mr. Leopold Craven in der nächtlichen Gesellschaft London’s umherschweifte. Ihre Talente, ihre Hingebung kamen erst; i in zweiter Linie in Betracht, freilich nützlich für ihn, als Zugabe bei einer Person, die ihm gehörte, aber ohne Belang, wenn er ihrer müde wurde. Während der zwölf Jahre, die nun vergangen waren, seit seine Unbedachtsamkeit ihn in Green’s, des Falschmünzers Hause dem Gesetz in die Hände geliefert hatte, war ihm nie ein Gedanke des Bedauerns oder der Unruhe über ihr Schicksal in den Sinn gekommen. Er hatte in der That so viel gesehen und gelitten, daß das alte Leben ganz für ihn versunken zu sein schien. Ganz neue Eindrücke waren ihm geworden und zwar so bedeutender Natur, daß alle alten Beziehungen wie weggewischt waren. Als er bei seiner Rückkehr hörte, das Sara Purfoy noch in Hobart Town war, wußte er, da er eine Verbündete hatte, welche ihr Aeußerstes thun würde, um ihm zu helfen. Das hatte sie an Bord des Malabar bewiesen. Aber er war auch unruhig, denn er wußte, daß der Preis, den sie für ihre Dienste forderte, seine Liebe war und die war seit langer Zeit abgekühlt. Doch wollte er sie brauchen. Er konnte sie vielleicht wieder los werden, wenn sie ihn störte.

Seine geheuchelte Frömmigkeit hatte den Zweck erreicht, den er sich vorgezeichnet. Trotz Frere‘s Erläuterung zu seinem Kryptograph hatte er sich doch Meekin’s Vertrauen zu erwerben gewußt und er flüsterte nun in dieses würdigen Mannes Ohr eine höchst merkwürdige und traurige Geschichte. Er war der Sohn – das sagte er – eines Geistlichen der Kirche von England, dessen wahrer Name, so weit ging seine Achtung vor dem Stande, nie über seine Lippen kommen sollte. Er war einer Fälschung wegen deportiert, die er nie begangen hatte. Sara Purfoy war sein Weib, sein irrendes, verlorenes und dennoch geliebtes Weib. Sie, ein unschuldiges, vertrauendes Wesen hatte, treu dem Gelübde, das sie ihm am Altare abgelegt, beschlossen, ihm zu dem Orte seiner Verbannung zu folgen und hatte sich bei Mrs. Vickers als Mädchen vermiethet. Ach, aber das Fieber streckte ihren Gatten auf das Krankenbett und Maurice Frere, der ausschweifende Schuft hatte ihre unbeschützte Lage benutzt und sie ins Verderben gestürzt! Rex deutete an, wie der Verführer seine Macht über den hilflosen, kranken Mann als Waffe gegen die Tugend der Frau gebraucht und flößte Meekin solch Entsetzen ein, daß dieser, wenn es nicht vor so gar langer Zeit geschehen, es für nöthig gehalten hätte, mit ungünstigen Augen auf diesen prahlerischen Schwiegersohn von Major Vickers zu blicken.

»Ich bin ihm nicht mehr böse,« sagte Rex. Zuerst war ich es. Ich hätte ihn tödten können, aber als ich ihn in meiner Gewalt hatte, – da, – Sie wissen es ja, – schlug ich ihn nicht. Nein, Herr! Ich könnte keinen Mord begehen.«

»Sehr rechtschaffen,« sagte Meekin, »sehr gut,« in der That.«

»Gott wird ihn auf seine Weise strafen und zu seiner Zeit,« fuhr Rex fort. »Meine große Sorge ist die arme Frau. Sie ist in Sydney, wie ich gehört habe und lebt dort ganz achtbar. Mein Her blutet ihretwegen.« Rex stieß einen Seufzer aus, der sein Glück; auf der Kanzel gemacht hätte.

»Mein armer Freund,« sagte Meekin, »wissen Sie, wo sie ist?«

»Ja, Herr.«

»Sie könnten ja an sie schreiben.«

John Rex schien zu zögern und mit sich zu kämpfen, dann sagte er endlich entschlossen:

»Nein, Mr. Meekin, ich will nicht an sie schreiben.«

»Warum nicht?«

»Sie kennen den Befehl, Sir. Der Kommandant liest alle Briefe, welche abgesandt werden. Kann ich an meine arme Sara schreiben, was andere Augen lesen?« Er beobachtete den Prediger sehr schlau.

»Nein, nein, das können Sie nicht,« sagte Meekin endlich.

»Es ist wahr, Herr,« sagte Rex und ließ den Kopf auf die Brust sinken.

Am nächsten Tage sagte Meekin, in dem Bewußtsein erröthend, daß er Unrecht zu thun im Begriff stand, zu dein Büßenden:

»Wenn Sie mir versprechen wollen, nichts Ein schreiben, das der Kommandant nicht auch sehen könnte, Rex, so will ich den Brief an Ihre Frau schicken.«

»Der Himmel segne Sie, Herr,« sage Rex und beschäftigte sich zwei Tage lang damit, eine Epistel an Sara Purfoy zu verfassen, um ihr auseinanderzusetzen, wie sie handeln solle.

Der Brief war in gewisser Weise ein Meisterstück. Er setzte genau und klar Alles auseinander. Nicht die geringste Einzelheit, welche nöthig war, wurde ausgelassen, nicht eine Zeile, welche Mißdeutungen ausgesetzt werden konnte, blieb stehen. Sein Plan, den er während sechs Monaten ausgedacht hatte, wurde in der möglichst klaren Weise auseinandergesetzt. Er brachte seinen Brief unversiegelt zu Meekin. Meekin blickte mit etwas argwöhnischem Interesse darauf.

»Habe, ich Ihr Wort, daß nichts darin ist, das vom Kommandanten nicht gelesen werden könnte?«

John Rex war ein kühner Mann, aber bei dem Anblick des für ihn tödtlichen Papiers, das offen in der Hand des Geistlichen lag, fühlte er seine Knie beben. Doch stark in seiner Kenntnis der menschlichen Natur, verfolgte er seinen verzweifelten Plan.

»Lesen Sie es, Herr,« sagte er und wandte sein Gesicht vorwurfsvoll ab. »Ihnen kann ich trauen.«

»Nein, Rex,« sagte Meekin, ruhig in die Falle gehend. »Ich lese keine Privatbriefe.« Er wurde zugesiegelt und Rex hatte das Gefühl, als wenn ein Zündholz aus einem Pulverfasse fortgenommen wird.

Na einem Monat erhielt Mr. Meekin einen sehr schön geschriebenen Brief von »Sara Rex,« kurz den Empfang es Briefes anzeigend, indem sie hinzufügte, daß sie von seiner Güte gehört, daß der einliegende Brief für ihren Mann, sei, und daß, wenn es nicht erlaubt wäre, ihm diesen Brief zu übergeben, er ihn ungelesen zurück schicken möge.

Natürlich gab ihn Meekin an Rex, welcher am nächsten Morgen Meekin eine sehr fromme und rührende Epistel vorzeigte und ihn bat dieselbe zu lesen. Meekin that es und jeder Argwohn von seiner Seite schwand. Freilich wußte er nicht, daß der fromme Brief noch einen zweiten enthalten, der nur für das Auge von John Rex bestimmt war und den John Rex so hoch schätzte, daß er ihn nachdem er ihn sehr aufmerksam gelesen, aß.

Der Plan zur Flucht, welcher gefaßt worden, war eigentlich ein sehr einfacher. Sara Purfoy sollte sich von Blick die Gelder verschaffen, welche er, in Verwahrung hatte und diese Summe in irgend einem Geschäft anlegen, das ihr den Vorwand gab, ein Schiff zu haben, das an der Südküste von Van Diemens Land sich aufhalten konnte, ohne Verdacht zu erregen. Die Flucht sollte im Winter vor sich gehen, wenn möglich im Juni oder Juli. Das Wachtschiff sollte von einer Vertrauensperson kommandiert werden, recht häufig an der Südostküste landen und auf jede außergewöhnliche Erscheinung längs derselben Acht geben. Rex selbst mußte ohne Hilfe die Gefahr des Entkommens, gegenüber den Hunden und den Wachen, auf sich nehmen. »Dies scheint ein fast hoffnungsloser Plan zu sein, aber er ist nicht so schlimm, wie er erscheint,« schrieb Rex. »Ich habe ein Dutzend andere ausgedacht, aber alle verworfen. Dies ist der einzige Weg, bedenke es wohl. Ich habe meinen eigenen Plan zur Flucht, die leicht ist, wenn die nothwendige Hilfe zur Stelle ist. Alles hängt davon ab, eine Vertrauensperson auf dem Schiffe zu haben. Du kennst gewiß ein Dutzend solcher. Ich will achtzehn Monate warten, damit Du alle Deine Einrichtungen treffen kannst.«

Die achtzehn Monate waren beinahe vorüber und die Zeit für den verzweifelten Versuch kam herbei. Treu keiner verzweifelten Philosophie hatte John Rex sich schon Leute die ihm, durch ihre Anstrengungen, sich frei zu machen, zu seiner Rettung behilflich sein sollen.

Er hatte entdeckt, daß von den zwanzig Mann in seiner Abtheilung etwa acht entschlossen waren einen Versuch zur Flucht zu machen. Die Namen dieser acht waren Gabbett, Vetch, Bodenham, Cornelius, Greehill, Sanders der Schnüffler, Cox und Travers. Führer waren Vetch und Gabbett, welche mit viel Ehrerbietung den »Dandy« aufforderten, sich ihnen anzuschließen John Rex, argwöhnisch, wie er war, fühlte sich durch des Riesen sonderbaren Eifer zurückgestoßen, weigerte sich zuerst, ließ sich aber nach und nach in ihre Pläne hineinziehen. Er wollte diese Männer antreiben zu ihrem Unternehmen und dann die Aufregung bei ihrer Flucht benutzen und sein eigenes Entkommen bewerkstelligen.

»Wahrend die ganze Insel den acht Kerls nachläuft, werde ich die beste Gelegenheit haben, unbemerkt zu entschlüpfen.« Er wünschte übrigens sehr, einen Gefährten zu haben. Irgend ein starker Mann, der, wenn sie hart bedrängt würden, die Verfolger in Schach halten könne, würde ist sehr nützlich sein und dies Opfer hoffte er in Rufus Dawes zu finden.

Zuerst hatte ihn ein rein selbstsüchtiger Beweggrund vermocht, seinen Gefährten zur Flucht aufzufordern, dann aber fühlte sich John Rex durch etwas wie Freundschaft zu Rufus hingezogen, dessen rauhe Abweisung seines Entgegenkommens ihn fesselte. Als feiner Beobachter der menschlichen Natur erkannte der Schurke unter der rauhen Seite, unter welcher der unglückliche Mann seine Qualen verbarg, welch treuer Freund und welch glühender kühner Geist in ihm lebte. Ueberdies steckte hinter Rufus Dawes ein Geheimnis, welches John Rex zu ergründen strebte.

»hast Du keine Freunde, die Du widersehen möchtest?« fragte er eines Abends, als Rufus sich gänzlich taub gegen alle seine Aufforderungen gezeigt hatte.

»Nein« sagte Dawes düster. »Meine Freunde sind Alle todt für mich.«

»Wie – Alle?« fragte der Andere. »Die meisten Menschen haben doch Einen, den sie sehen möchten?«

Rufus Dawes stieß ein bitteres Lachen aus. »Es ist besser ich bleibe hier.«

»So bist Du zufrieden, dieses Hundeleben weiter zu leben?«

»Genug, genug,« sagte Dawes, »ich bin fest.«

»Oho, – fasse Muth,« rief Rex. Es kann uns nicht fehlen! Ich habe es seit achtzehn Monaten geplant und es kann nicht fehlschlagen.«

»Wer geht mit,’« fragte der Andre die Augen auf den Boden geheftet.

John Rex zählte die acht auf und Dawes hob das Gesicht. »Ich will nicht fliehen. Ich habe es zweimal versucht – ich will es nicht wieder versuchen. Ich möchte Dir rathen, es auch nicht zu thun.«

»Warum nicht?«

»Gabbett ist zwei Mal davon gelaufen,« sagte Rufus Dawes schaudernd bei der Erinnerung an den scheußlichen Körper, den er auf dem sonnigen Platze in der Nähe des Höllenthores gefunden hatte. »Andre gingen mit ihm, aber jedes Mal kam er allein zurück.«

»Was meinst Du?« sagte Rex betroffen von dem Ton, in dem sein Gefährte sprach.

»Was wurde aus den Anderen?«

»Sie starben, denke ich,« sagte der Dandy mit gemachtem Lachen.

»Ja aber wie? Sie waren Alle ohne Nahrung. Wie kam es, daß das überlebende Ungeheuer sechs Wochen lebte?«

John Rex wurde um einen Schatten bleicher und antwortete nicht. Er erinnerte sich der blutigen Erzählungen die über Gabbetts Entkommen herumgingen. Aber da er auch nicht beabsichtigte, die Reise in dessen Gesellschaft zu machen, so hatte er Ja keine Ursache zur Furcht. »So komm mit mir,« sagte Rex nach einer Pause, »wir wollen unser Glück zusammen versuchen.«

»Nein, ich habe mich entschlossen, ich bleibe hier.«

»Und Deine Unschuld bleibt unbewiesen?«

»Wie kann ich sie beweisen?« rief Rufus Dawes ungestüm. »Es werden Verbrechen begangen, die niemals bewiesen werden und dies ist ein solches!«

»Gut« sagte Rex, welcher des Streites müde war, »so mache es wie Du willst. Du weißt es am Besten. Die Privat-Polizei zu machen ist harte Arbeit. Ich bin selbst mal auf einer Jagd nach einer wilden Gans gewesen. Da schwebt ein Geheimniß über dem Sohn eines Schiffsbaumeisters, zu dessen Lösung ich vier Monate brauchte und dann verlor ich den Faden.«

»Eines Schiffsbaumeisters Sohn! Wer war er?«

John Rex wunderte sich über das besondere Interesse, mit welchem die Frage gestellt wurde und beeilte sich diese neue Quelle der Unterhaltung zu benutzen.

»Eine merkwürdige Geschichte! Ein sehr wohlbekannter Mann zu meiner Zeit – Sir Richard Devine. Ein geiziger alter Kerl mit einem liederlichen Sohn.«

Rufus Dawes biß sich in die Lippen, um seine Erregung nicht zu zeigen. Dies war das zweite Mal, daß der Name seines Vaters vor seinen Ohren genannt wurde.

»Ich glaube, ich weiß etwas von ihm,« sagte er mit Einer Stimme, die merkwürdig ruhig in seine eigenen Ohren klang.

»Eine sonderbare Geschichte,« sagte Rex und versenkte sich in alte Erinnerungen. »Unter anderen Dingen machte ich mir auch etwas mit Ausforschen von Privatangelegenheiten zu thun, und der alte Mann am zu mir. Er hatte einen Sohn, der auf Reisen war, einen wilden jungen Kerl auf alle Fälle – und er wünschte Nachrichten von ihm zu haben.«

»Fandest Du etwas aus?«

»In gewisser Weise. Ich folgte ihm nach Paris, von dort nach Brüssel, von Brüssel nach Antwerpen, von Antwerpen zurück nach Paris. Dort verlor ich ihn. Ein elendes Ende, nach langem, kostbarem Suchen. Ich bekam nichts in die Hände, als einen Reisesack mit vielen Briefen von seiner Mutter. Ich schickte alle die Einzelheiten dessen, was ich ausfindig gemacht, an den Schiffbauer und jedenfalls tödtete ihn diese Nachricht, denn er starb gleich nachher.«

»Und der Sohn?«

»Fand das schrecklichste Ende. Der alte Mann hatte ihm sein Vermögen hinterlassen, – ein sehr großes – glaube ich, aber er hatte Europa verlassen; wie es scheint, war er nach Indien gegangen und mit dem Hydaspes verloren. Frere war sein Vetter.«

»So.«

»Bei Gott, es ärgert mich, wenn ich daran denke,« fuhr Rex fort, der durch die aufgefrischten Erinnerungen wieder in die Zeit seiner eleganten Abenteuer sich versetzt glaubte, – es ärgert mich zu sehr, daß bei allen Hilfsmitteln, die ich hatte, ich doch nichts erreichte. Was für Tage und Nächte habe ich zugebracht nach Mr. Richard Devine zu suchen und nie bekam ich ihn zu Gesicht. Der alte Mann gab mir seines Sohnes Bild und erzählte mir alle Einzelheiten von dessen früherem Leben. Ich trug das Elfenbeinding drei Monate lang in meiner Brusttasche und zog es jede halbe Stunde heraus, um mein Gedächtniß aufzufrischen. Bei Gott, wenn der junge Herr seinem Bilde wirklich glich, so würde ich auf ihn haben schwören können, selbst wenn ich ihn in Timbuctoo getroffen hätte.

»Glaubst Du, Du würdest ihn wieder erkennen?« fragte Rufus Dawes leise, mit abgewandtem Gesicht.

Es mag etwas in der Stellung gewesen sein, in welcher der Sprecher sich befand, das die Erinnerung wach rief oder war es der eifrige Ton, den Rufus zu verstecken suchte und der in so merkwürdigem Gegensatze zu der Gleichgültigkeit des Themas stand, – genug in John Rexens Hirn wurde es plötzlich hell wie von einem Blitz. Der verlorene Sohn, die Aehnlichkeit mit dem Portrait, das Geheimniß von Dawes’ Leben! Dies waren die Glieder der galvanischen Kette. Er schloß den Ring und ein lebhafter Blitz enthüllte ihm, – den Gesuchten. – Dies war der Mann!

Der Aufseher Troke kam herein und legte seine Hand auf die Schulter von Rex. »Dawes,« sagte er, »Ihr sollt in den Hof kommen.« Dann aber seinen Irrthum bemerkend, fügte er lachend hinzu: »Verdammte Kerls, Ihr Beiden; Ihr seid einander so ähnlich, daß man Keinen vom Andern unterscheiden kann.«

Rufus Dawes ging nachdenklich davon.

John’s Gesicht wurde ganz blaß und eine wilde Hoffnung stieg in ihm auf.

»Ja, Troke. Wir sind uns sehr ähnlich.« »Ich will ihn nicht mehr drängen mit mir zu entfliehen,« sprach er leise für sich hin.

Dreiundzwanzigstes Capitel.
Spießruten laufen

Die »hübsche Marie,« ein so häßliches, schlecht riechendes Schiff, wie nur je Eins auf der Südsee segelte, hatte nun seit beinahe zwei Wochen auf der Höhe von Cap Surville gelegen. Kapitain Blunt wurde ganz müde. Er machte die größten Anstrengungen der Welt, um die Austernbänke zu finden, welche er – als Vorwand suchte, – doch kein Erfolg krönte seine Bemühungen. Vergebens nahm er ein Boot und lief in jede Bucht und in jeden Winkel zwischen Hippolyte Reef und Schontens Island ein. Vergebens legte er die »Hübsche Marie« so nahe an die Lippen, als er es ohne Gefahr thun konnte; – vergebens machte er unablässig Ausflüge an die Küste. In seinem Eifer Mrs. Purfoy zu dienen, kletterte er die Felsen hinauf und brachte einsame Stunden in Blackman’s Bai zu. Er fand niemals eine Auster. »Wenn ich in drei oder vier Tagen nichts finde,« sagte er zu seinem Steuermann, »so gehe ich zurück. Es ist gefährlich, hier zu kreuzen.«

* * *

An demselben Abende, als Kapitain Blunt diesen Entschluß faßte, sah die Wache auf dem Signalhügel die Arme des Semaphor in der Niederlassung drei Bewegungen machen. Der Semaphor oder Telegraph hatte drei bewegliche Arme, welche Einer über dem Andern befestigt waren. Der obere bedeutete die Einheiten und konnte sechs Bewegungen machen, von eins bis sechs. Der mittlere bedeutete die Zehner – zehn bis sechzig. Der Unterste bezeichnete die Hunderte, von ein hundert bis sechs hundert.

Der obere und untere Arm sprang vor. Das bedeutete drei hundert und sechs.

Eine Kugel lief nach der Spitze des Pfahles hinauf. Das bedeutete ein tausend.

Also 1306 oder in Worten:

»Gefangene entflohen!«

»Bei George, Harry,« rief Jones, der Signalwärter – »es sind welche ausgerissen.«

Der Telegraph signalisierte weitere »Nummer 1411.«

»Mit Waffen!« sagte Jones, übersetzend, indem er las. »Komm her, Harry, hier ist was los.«

Aber Harry antwortete nicht und aufblickend, sah der Wächter eine dunkle Gestalt plötzlich die Thür ausfüllen. Der berühmte Semaphor hatte dies Mal seine Schuldigkeit nicht gethan oder vielmehr zu spät. Die Ausreißer waren eben so schnell da, wie das Signal.

Der Mann sprang, nach seinem Karabiner, aber der Eindringling hatte sich desselben schon bemächtigt. »Mache keinen Lärm, Jones, es sind unsrer acht! Sei so gut und bleibe bei Deinen Signalen.«

Jones kannte die Stimme. Es war die von John Rex.

»Antworte,« sagte John Rex kalt. »Kapitain Burgeß ist eilig.« Die Arme des Semaphors in der Kolonie gaben fortwährend Zeichen und schienen wirklich in komischer Eile zu ein.

Jones nahm die Stricke in die Hand und mit dem offenen Signalbuch vor sich, wollte er antworten, als Rex ihn zurückhielt.

»Schicke diese Botschaft,« sagte er. »Nicht gesehen! Signal nach Eaglehawk geschickt.«

John hielt unentschlossen inne.

Er war selbst ein Deportierter und fürchtete die unvermeidliche Katze, welche auf diese falsche Botschaft folgen mußte. »Wenn sie es ausfindig machen,« sagte er.

Rex spannte den Karabiner, mit so entschiedener Geberde und einem Ausdruck in seinen schwarzen Augen, daß Jones – wer konnte auch bei solcher Gelegenheit tapfer sein – jedes Zögern überwand und eifrig zu Signalisieren anfing. Von unten hörte man Klirren und Murmeln.

»Was hält Dich so lange auf, Dandy?«

»Alles in Ordnung. Nehmt die Eisen ab, Jungens und dann wollen wir weiter sprechen. Ich streue nur etwas Salz auf Burgeß’ Schwanz.«

Dieser Scherz wurde mit brüllendem Gelächter aufgenommen und Jones, der einen Augenblick von seinem Fenster weg und auf die Treppe blickte, sah in dem schwachen Licht, wie die Männer sich von ihren Ringen und Ketten mit einem Hammer befreiten, den er aus dem Wachthause geholt hätten, während zwei, welche schon frei waren, einige Eimer Wasser an das zum Alarmsignal aufgehäufte Holz gossen. Die Schildwache lag gebunden in einiger Entfernung an der Erde.

»Jetzt,« rief der Anführer der Entflohenen, »signalisiere nach Woody Island.« Jones mußte der Gewalt gehorchen. »Sage: »Flucht von den Minen! Bewacht One-Tree Point! Schickt nach Eaglehawk!« Schnell, schnell.«

Jones, welcher verstand, wie dies Manöver die Aufmerksamkeit und Verfolgung zerstreuen mußte, sagte grinsend:

»Du weißt Bescheid, Dandy Jack!«

John Rex antwortete auf diese Schmeichelei, indem er den Hahn des Karabiners in Ruhe setzte. »Halte deine Hände her. – Vetch!« Ja, ja,« rief die Krähe von unten. Komm herauf und binde unsern Freund Jones. Gabbett, hast Du die Aexte?«

»Hier ist nur Eine,«sagte Gabbett fluchend. »Dann bringe sie her und alles Eßbare, das Ihr findet. Habt Ihr ihn gebunden? Nun fort!«

Und fünf Minuten nachdem der nichts ahnende Harry von zwei Gestalten gepackt worden, die aus dem Schatten der Hütte heraus, ihn plötzlich überfallen hatten, war die Station auf dem Signalhügel verlassen.

* * *

In der Kolonie wüthete Burgeß. Neun Mann hatten sich des Langbootes bemächtigt. Eine halbe Stunde Vorsprung vor dem Alarmsignal war ein unerhörtes Ereignis. Was konnte der Aufseher Troke nur gemacht haben? Der Aufseher Troke aber wurde acht Stunden später entwaffnet, geknebelt und gebunden in einem Busch gefunden. Er hatte sich keine Nachlässigkeit zu Schulden kommen lassen. Wie konnte er denken, daß auf ein vom Dandy Rex gegebenes Zeichen die neun Männer, welche er nach der Stewarts Bai mitgenommen hatte, sich auf ihn stürzen würden, um ihn, ehe er noch seine Pistole ziehen konnte, wie ein junges Huhn zu würgen. Der Schlimmste der Bande, Rufus Dawes hatte sich freiwillig zum Pfählerammen gemeldet, der gehaßtesten Arbeit, und so hatte sich Troke ganz sicher gefühlt. Wie konnte er auch denken, daß es eine Verschwörung gäbe, an welcher von allen andern Leuten Rufus Dawes nicht Theil nahm!

Constabler zu Fuß und zu Pferde wurden ausgeschickt, um den Busch rings um die Kolonie abzusuchen. Burgeß, der durch die Antwort vom Signalhügel, daß man nach Eaglehawk Istmus telegraphiert habe, sich beruhigt fühlte, war überzeugt, die Leute würden, ehe einige Stunden vergangen, schon gefaßt sein. Er ging ruhig an sein Mittagessen. Sein Diener hatte kaum die Suppe abgetragen, als die Wirkung von John Rexen’s Schlauheit bekannt wurde. Der Semaphor auf dem Signalhügel arbeitete nicht mehr. —

»Vielleicht kann der Kerl nicht mehr sehen,« sagte Burgeß. Steckt die Signalhaufen an und sattelt mein Pferd.«

Die Signale wurden angesteckt. Alles war in Ordnung in Mount Athur, Mount Communication und den Kohlenminen. Nach Westen war die Linie rein. Aber vom Signalhügel antwortete kein Feuer. Burgeß stampfte vor Wuth. »Mein Boot soll bereit gemacht werden und die Minen sollen nach Woody Island signalisieren!«

Als er auf dem Hafendamm stand, brachte ein athemloser Bote die Nachricht:

»Eine Bootsmannschaft nach One-Tree Point! Fünf Mann nach Eaglehawk geschickt, in Folge des Befehls.«

Burgeß verstand jetzt Alles. Die Burschen hatten die Eaglehawk-Wache getäuscht.

»Fort, Ihr Leute!« —

Und das Boot, in die Dunkelheit hinausschießend, nahm die Richtung nach Lonybay.

»Ich werde nicht weit hinter ihnen zurück sein,« sagte der Kommandant, – »auf jeden Fall nicht.«

* * *

Zwischen Eaglehawk und dem Signalhügel gab es aber für die Flüchtlinge andre Gefahren. Längs der vielfach eingebuchteten Küste von Port Bunche waren vier Konstabler-Stationen. Diese Stationen, – bloße Hütten, in Signal-Entfernung von einander, besetzten die Küste und um sie zu vermeiden, war es nöthig, einen großen Umweg durch den Busch zu machen.

So ungern er Zeit verlor, so sah John Rex doch ein, daß der Versuch, bei diesen vier Stationen vorüber Spießruthen zu laufen, völliges Mißlingen in sich schließen konnte. Die Sicherheit der Bande hing davon ab, den Neck u erreichen, während die dortige Wache durch die Abwesenheit einiger Männer nach der Südküste hin geschwächt war und ehe das Alarmsignal von dem Ostarm der Halbinsel gegeben war. Mit dieser Idee ließ er die Leute einzeln hinter einander gehen und den Weg nahe der Norfolk-Bai aufgebend, marschierten sie gerade aus nach dem Neck. Die Nacht war mit starkem Westwinde gekommen und der Regen drohte. Es war stockfinster und die Flüchtlinge waren nur von dem dumpfen Brüllen der See geleitet, welche sich auf dem Strande der Descent Bai brach. Wenn nicht gerade der Westwind wehte, hätten sie nicht einmal diese wichtige Hilfe gehabt.

Die Krähe ging voran, als Führer und trug die Muskete, die man Harry abgenommen. Dann kam Gabbett mit der Axt; hinter ihm die sechs Andern, so viel von Lebensmitteln tragend, als sie auf der Signalhügel-Station hatten finden können. John Rex mit dem Karabiner und Troke’s Pistolen ging zuletzt. Man war übereingekommen, daß, wenn sie angegriffen würden, Jeder sich zu retten suchen sollte. In ihrer verzweifelten Lage war eine Auflösung ihre einzige Hoffnung. In Zwischenräumen glänzten zu ihrer Rechten die Lichter der Constabler Stationen und als sie weiter und weiter stolperten, hörten sie immer deutlicher das düstere Murmeln der See, jenseits derer Freiheit oder Tod lag. Nach zwei Stunden mühsamen Wanderns stand Jemmy Vetch still und flüsterte ihnen zu, näher zu kommen. Sie waren grade auf einer sandigen Anhöhe. Zur Linken war ein dunkler Gegenstand, eines Constablers Hütte; zur Rechten konnte man eine matte weiße Linie unterscheiden. Es war der Ocean. Vor ihnen war eine Reihe von Lichtern und zwischen Jedem sprang und lief ein undeutlicher Körper hin und her.

Jemmy Vetch zeigte mit seinem mageren Finger.

»Die Hunde!«

Instinktmäßig hockten Alle nieder, daß die beiden Schildwachen, die selbst in dieser Entfernung deutlich in dem rothen Lichte des Wachtfeuers zu sehen waren, sie nicht erblickten.

»Nun, Jungen,« sagte Gabbett, »was sollen wir thun?«

Während er noch sprach, brach einer der angeketteten Bunde in ein tiefes Geheul aus, dem sogleich die ganze Reihe in den wütendsten Tönen antwortete.

John Rex, der vielleicht der Tapferste von Allen war, schauderte.

»Sie haben uns gerochen,« sagte er. »Wir müssen vorwärts!«

Gabbett spie in seine Hand und faßte die Axt fester.

»Du hast Recht,« sagte er. »Aber ich will Einigen von ihnen heute noch mein Zeichen aufdrücken.

An der gegenüberliegenden Küste bewegten sich jetzt Lichter hin und her und die Flüchtlinge konnten das Geräusch der Fußtritte hören.

»Noch rechts hin, nach dem Hasendamm. Ich glaube, ich sehe dort ein Boot. Das ist jetzt unsere einzige Rettung. Wir können nie durch die Station durchbrechen. Seid Ihr fertig? Vorwärts, – jetzt Alle vorwärts!«

Gabbett war den Andern wohl um drei Fuß voraus. Es waren da elf Hunde, wovon zwei auf kleinen Brücken fast draußen im Wasser standen. Sie waren so angekettet, daß ihre Schnauzen einander fast berührten. Der Riese sprang in die Linie hinein und zermalmte mit einem Schlage seiner Axt den Schädel des Thieres zu seiner Rechten. Dies brachte ihn unglücklicher Weise in den Bereich des anderen Hundes, der ihn am Schenkel packte.

»Feuer!« schrie Mac Nab von der anderen Seite des Wachtfeuers. Der Riese stieß einen Schmerzens- und Wuthschrei aus und fiel, den Hund unter sich. Indeß war es der Hund, der ihn herabzog und die Flintenkugel, welche ihm galt, traf Travers gerade in die Kinnlade. Der unglückliche Schurke fiel und spie wie Virgil’s Dares »Blut, Flüche und Zähne« aus. Gabbett packte die Kehle des Hundes mit eiserner Hand und zwang ihn, loszulassen. Dann, brüllend vor Wuth, verwundet, wie er war, warf er sich mit seiner Axt auf den nächsten Soldaten. Jemmy Vetch war ihm zuvor, gekommen. Ein leises Zischen des Hasses ausstoßend, feuerte er und schoß die Schildwache durch die Brust. Die Andern stürzten durch die Bresche in der Linie nach dem Boot hin.

»Narren,« rief Rex hinter ihnen. »Ihr habt einen Schuß verschwendet. Seht nach links!«

Burgeß, von seinen Leuten den Schienenweg hinabgezogen, hatte nur so lange auf dem Signalhügel verweilt,, um die überraschten Wächter von ihren Banden zu befreien, hatte dann das Woody Islands Boot genommen und war mit frischer Mannschaft nach dem Neck gerudert.

Die Verstärkung war nicht zehn Ellen von dem Hafendamm entfernt.

Die Krähe sah die Gefahr und sich in’s Wasser stürzend, ergriff er in Verzweiflung Mac Nab’s Boot.

»Hinein, – es gilt das Leben!« rief er.

Ein anderer Schuß von der Wache ließ das Wasser rings um das Boot der Flüchtlinge hoch aufspritzen, aber in er Dunkelheit trafen die schlecht gezielten Schüsse nicht. Gabbett schwang sich hinein und ergriff ein Ruder. »Cox, Bodenham, Greenhill Fort, stoßt ab! Tom hinein, hinein!« Und als der wüthende Burgeß an Bord sprang, wurde Cornelius noch in’s Boot gezogen und das Boot schwamm in tiefem Wasser.

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10 aralık 2019
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