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Kitabı oku: «Deportiert auf Lebenszeit», sayfa 30

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Mac Nab, der dies sah, lief hinab an’s Wasser, um dem Kommandanten zu helfen.

»Hebt das Boot über das Riff,« kommandierte er.

,So, – so – gut!«

Und von zwölf starken Armen gehoben, glitt das Boot über den Isthmus.

»Wir haben fünf Minuten voraus,« sagte Vetch kühl, als er den Kommandanten hinten im Boot Platz nehmen sah. »Nun gerudert, meine Jungen und wir wollen sie ausstechen!«

Die Soldaten aus dem »Neck« feuerten in’s wilde Blaue, aber die Blitze ihrer Schüsse dienten nur dazu, zu zeigen, daß das Boot des Kommandanten hundert Ellen hinter dem der Meuterer war, das bereits im tiefen Wasser schwamm.

Jetzt zum ersten Mal sahen die sechs Gefangenen, daß John Rex nicht unter ihnen war.

Vierundzwanzigstes Capitel.
In der Nacht

John Rex hatte den ersten Theil seines Planes ausgeführt. In dem Augenblick, da er das Boot mit Burgeß darin nahe dem sandigen Ufer sah, hatte er den warnenden Ruf ausgestoßen, den Vetch hörte, wandte sich um in die Finsterniß hinein und lief nach dem Ufer auf einen Punkt zu, in einiger Entfernung von dem Neck. Seine verzweifelte Hoffnung war, daß, da die Aufmerksamkeit der Wachen nur auf das entkommende Boot gerichtet, es ihm gelingen würde, von der Finsterniß und Verwirrung begünstigt, nach der Halbinsel hinüber zu schwimmen. Es war gerade kein wunderbares Unternehmen und er hatte Vertrauen in seine eigene Kraft. Einmal sicher auf der Halbinsel standen seine Pläne fest. Doch wegen des starken Westwindes, welcher eine Art von Fluth verursachte, die sich auf dem Isthmus brach, war es nöthig für ihn, einen Punkt zu gewinnen, der genügend weit im Süden lag, um ihn in Stand zu setzen, den Strom zu benutzen, statt davon gehindert zu werden. Mit dieser Absicht eilte er über die sandigen Stellen am Eingange nach dem Neck und lief nach der See zu. In wenigen Sprüngen hatte er die harte, sandige Küste erreicht und still stehend, um zu horchen, hörte er den Ton von Fußtritten hinter sich. Er wurde verfolgt. Die Fußtritte hielten an und dann schrie eine Stimme:

»Ergebt Euch!« Es war Mac Nab, der, die Flucht von Rex bemerkend, ihm kühn gefolgt war. John Rex zog Troke’s Pistole aus seiner Brust und wartete.

»Ergebt Euch!« rief die Stimme wieder und die Fußtritte kamen um zwei Schritte näher. In dem Augenblick, als Rex die Waffe hob, um zu feuern, zeigte ihm ein heller Blitz zu seiner Rechten eine Art von Pfad.

Auf dem bleichen, düstern Ocean bemerkte er zwei Boote; das hintere augenscheinlich nur wenige Ellen von ihm entfernt. Die Männer sahen aus wie Leichen. In der Entfernung erhob sich Kap Surville und unter Kap Surville brüllte die hungrige See. Die Scene verschwand augenblicklich wieder, in Dunkelheit verschlungen, bevor er es recht gesehen. Aber die Erschütterung, welche er fühlte, ließ ihn sein Ziel verfehlen und mit einem Fluch die Pistole wegwerfend, wandte er sich dem Pfade zu und floh.

Mac Nab folgte ihm.

Der Pfad hatte sich durch die häufige Benutzung von der Station aus gebildet und Rex fand, daß er ziemlich leicht fortkam. Er hatte – wie die Leute, welche viel im Dunkeln leben – eine katzenartige Fähigkeit, die Hindernisse zu bemerken. Diese Fähigkeit verdankte er mehr dem erhöhten Tastsinn, als dem ausgebildeteren Gesichtssinn. Seine Füße schienen sich den Unebenheiten des Bodens völlig anzupassen; seine Hände streckten sich aus, um die überhängenden Zweige zurückzustoßen; sein Kopf bückte sich unwillkürlich, um dem Aste auszuweichen, der sein Weiterkommen hinderte. Sein Verfolger war nicht so glücklich. Zwei Mal lachte Rex innerlich, als er einen Schlag und ein Schuffeln hörte, das einen Fall verrieth und einmal in einem Thale, durch das ein Bach floß, den er ohne Mühe übersprungen hatte, lachte er laut auf, als er ein Plätschern hörte. Jetzt führte die Spur den Hügel hinauf und Rex verdoppelte seine Anstrengungen, seinen überlegenen Muskelkräften vertrauend, um schließlich den Gegner doch hinter sich zu lassen. Er gelangte auf die Höhe und hielt an, um zu horchen. Das krachen der Zweige hinter ihm hatte aufgehört und es schien ihm, als sei er allein.

Er hatte den Gipfel der Klippe fast erreicht. Die Lichter des Neck waren jetzt unsichtbar. Unter ihm lag die See. Aus der schwarzen Oede herauf kamen Stöße scharfen Seewindes. Die Spitzen der großen Wellen, welche sich unten brachen, wurden aufgewirbelt und in die Nacht hinein geweht, – weiße Flecken, die sogleich wieder von der schwarzen Finsterniß verschlungen wurden. Von der Nordseite der Bai hörte man das heisere Brüllen der Wellen, wie sie sich gegen die senkrechten Felsen brachen, welche Forrestier‘s Halbinsel begrenzten. Zu seinen Füßen stieg ein entsetzliches Pfeifen und Kreischen auf, in Zwischenräumen von einem dumpfen Rollen unterbrochen, das wie Donner klang.

Wo war er? Erschöpft und athemlos warf er sich zwischen den rauhen Büschen hin und horchte. Plötzlich hörte er auf dem Pfade, den er gekommen, einen Ton, welcher ihn in tödtlichem Entsetzen aufspringen ließ – das Bellen eines Hundes! Er steckte seine Hand in die Brust, um die zweite Pistole zu greifen und stieß einen Schrei der Verzweiflung aus. Er hatte sie verloren. Er fühlte um sich herum in der Dunkelheit, ob er nicht einen Stock oder einen Stein fassen könnte, der ihm als Waffe diene. Vergebens. Seine Finger faßten nichts, als das stachlige Gebüsch und das harte Gras. Der Schweiß lief ihm vom Gesicht. Mit starren Augen und gesträubtem Haar blickte er in die Finsterniß, als wolle er sie durch die Kraft seines Blickes allein bannen. Das Geräusch wiederholte sich und das Geheul des Windes und das Gebrüll der Wogen durchdringend, schien es ihm ganz nahe zu sein. Er hörte eines Mannes Stimme, welche den Hund in Worten aufmunterte, die der Wind verwehte, ehe er sie verstehen konnte. Wahrscheinlich war Einer der Soldaten zu Mac Nab’s Hilfe ausgeschickt. So war die Gefangennahme unvermeidlich. In seiner Todesangst gelobte der Unglückliche sogar Besserung, sollte er davon kommen.

Der Hund, durch die Büsche des Unterholzes brechend, gab einen kurzen scharfen Ton von sich und lief dann stumm weiter.

Die Finsterniß hatte sich mit dem Winde vermehrt. Der Sturm über den zerrissenen Himmel hinfahrend, hatte wischen die Blitze und das Meer einen undurchdringlichen Vorhang von schwarzen Wolken gezogen. Sie waren so dicht daß es schien, als könne man sie fassen. Die weißen, wüthenden Wellen waren unsichtbar und selbst der Blitz schien nicht mehr diese intensive Finsterniß durchdringen zu können. Ein großer, warmer Regentropfen fiel auf die ausgestreckte Hand von Rex und hoch über ihm grollte der zornige Donner. Das Kreischen und Pfeifen, das er noch vor wenigen Augenblicken gehört, hatte ein Ende, aber hin und wieder hörte er mächtige Schläge, als ob ein ungeheurer Vogel mit riesenhaften Flügeln gegen die Klippe schlüge. Alles hallte rings um ihn davon wieder und die Erde zitterte unter seinen Füßen. Er blickte nach dem Ocean und sah eine neblige hohe Gestalt aussteigen, welche, sich weiß abhebend gegen die tiefschwarze, Alles verhüllende Finsternis, beugte und ihm zu winken schien. Er sah sie ganz deutlich einen Augenblick lang und dann mit gräßlichem Aufschrei wie in wütender Verzweiflung sank die Gestalt und verschwand. Wahnsinnig vor Entsetzen, das er sich nicht erklären konnte, wandte sich der Verfolgte, um der nächsten Gefahr zu begegnen. Mit wildem Geheul stürzte der Hund sich, auf ihn. John Rex wurde durch den Stoß zurückgeschleudert, packte aber in seiner Verzweiflung die Bestie so glücklich an Kehle und Bauch, da er mit Aufbietung aller Kräfte ihn zurückwarf. Das Thier stieß ein Geheul aus und schien liegen zu bleiben, an der Stelle wo es verschwunden, aber über ihm stieg wieder die weiße Nebelsäule empor. Es war wunderbar, aß Mac Nab und der Soldat den Vortheil nicht verfolgten, den sie gewonnen. – Muth! – Vielleicht konnte er sie noch zurückschlagen. Er hatte Glück gehabt, dem Hunde so leicht zu entgehen. Mit einem Aufzittern neuer Hoffnung lief er vorwärts, als zu seinen Füßen wiederum jene Angstgestalt aufstieg, kühlen Hauch ihm entgegen blasend, als wenn sie ihn zurücktreiben wollte. Aber der Feind, der ihm aus den Fersen saß, trieb ihn vorwärts. Wenige Schritte noch und er mußte den Gipfel der Klippe erreicht haben. Er konnte die See fühlen wie sie vor ihm in der Finsterniß brüllte. Die Säule verschwand und in einer Pause, welche der Wind gerade machte, erscholl an der Stelle, wo sie erschienen, ein so scheußliches Gemisch von Kreischen, Lachen und Wüthen, daß John Rex gebannt vor Grauen stehen blieb. Zu spät – Der Boden unter seinen Füßen gab nach. – Er fiel – er griff um sich – vergebens! Er faßte nach den Felsen, Büschen nach dem Gras! Die Wolken hoben sich ein wenig und bei dem Leuchten, das über den Ocean flog und auf den Wellen spielte, fand John Rex eine Erklärung seines Entsetzens, viel entsetzlicher, als er geglaubt. Der Pfad, den er verfolgt, führte zu dem Theil der Klippe, in welchem die See jenen tunnelartigen Schacht ausgehöhlt hatte, der unter dem Namen des Teufels Blasebalg bekannt ist.

An einen Baum sich anklammernd, der auf halbem Wege den Abgrund hinab wuchs und seinen Fall aufgehalten hatte, starrte er in den Schlund. Vor ihm – nein schon hoch über seinem Kopfe, hob sich ein riesenhafter Felsenbogen. Durch diesen Felsenbogen sah er in unendlicher Entfernung den wüthenden, schäumenden Ocean unter sich. Grade hinab öffnete sich ein Abgrund von zersplitterten, schwarzen Felsen umgeben, – tief unten das schäumende, brausende, tobende Wasser. Plötzlich hob sich der Grund dieser Tiefe und kam ihm näher und näher oder vielmehr der schwarze Schlund that sich auf und spie eine Masse von gurgelndem, springendem Wasser aus, das ihn fassen und ertränken zu wollen schien. War es Einbildung da der zerschmetterte Körper des Hundes auf der Oberfläche des steigenden Wassers schwamm? Der Schlund, in den John Rex gefallen, hatte die Form eines umgekehrten Trichters, dessen enges Ende nach oben gerichtet ist. Die Seiten dieses Trichters bestanden aus zerrissenen Felsen, in dessen Spalten sich wohl etwas Erde gesammelt hatte, worin eine spärliche Vegetation Wurzel gefaßt. Dieser karge Pflanzenwuchs hörte auf der Hälfte des Schlundes auf und die Felsen unten waren fortwährend feucht von dem aufsteigenden Gischt. Zufall – wäre der Deportierte ein Meekin gewesen – so sagten wir – die Vorsehung hatte ihn auf den untersten Vorsprung geworfen, der noch Pflanzen trug. In ruhigem Wetter würde er außer Gefahr gewesen sein, aber der nächste Blitz zeigte seinen entsetzten Sinnen wohl zehn Fuß über seinem Kopf einen Felsenvorsprung, der von Wasser tropfte. Es war augenscheinlich, daß bei dem nächsten Aufsteigen des Wassers in dem Trichter der Platz, auf welchem er stand, auch unter Wasser gesetzt würde.

Die brüllende Wassermasse kam mit entsetzlicher Schnelligkeit. Rex fühlte sich gepackt und aufgehoben.

Mit beiden Armen den Baum umfassend griff er mit jeder Hand in die Aermel seiner Jacke. Vielleicht wenn er fest hielt, konnte er den Angriff des erstickenden Stromes überleben. Er fühlte wie seine Füße wie von der Hand eines Riesen aufgehoben und nach oben geschleudert wurden. Wasser gurgelte in seinen Ohren. Seine Arme schienen aus ihren Gelenken gerissen zu werden. Hätte der Strom noch einen Augenblick länger angehalten, so mußte er loslassen; aber mit einem schrillen Geheul, als ob ein Seeungeheuer seinen Raub loslassen muß, sank die Säule und ließ ihn, nach Athem ringend, blutend, halb erstickt aber lebend zurück. Es war unmöglich, daß er den nächsten Anprall überleben konnte und in seiner Todesangst öffnete er die steifen Finger und wollte sich seinem Schicksal überlassen. Doch in diesem Moment sah er an der Felsenmauer, welche sich zu seiner Rechten ein wenig aushöhlte, ein rothes flackerndes Licht, in dessen Mitte der gigantische Schatten eines Mannes phantastisch auf und nieder tauchte. Rex blickte hinauf und sah einen brennenden Busch, der an ein Tau gebunden war, langsam in den Schlund sich hinabsenken. Mac Nab benutzte die Pause in dem Trichter, um die Seiten desselben zu untersuchen.

John Rex faßte eine neue Hoffnung. Im nächsten Augenblick mußte das Licht denen dort oben seine Gestalt zeigen, wie dieselbe gleich einer Muschel an dem Felsen klebte. Er mußte auf jeden Fall entdeckt werden, aber wenn sie das Tau schnell herunterließen, konnte er es vielleicht fassen und sich retten. Seine Furcht vor dem entsetzlichen Tode, der ihn dort unten erwartete, überwog die Angst vor der neuen Gefangennahme. Das langsame Hinabgurgeln des Wassers, wie es in die Tiefe der Spalte zurücktrat, hatte aufgehört und er wußte, daß das nächste Pulsieren der See wiederum das ungewisse Verderben für ihn heraufsprudeln würde. Die riesige Fackel stieg langsam und stetig herab und er hatte schon seinen Athem angehalten, um einen lauten Ruf auszustoßen, der oben gehört werden sollte, trotz Wind und Wellen, als eine sonderbare Erscheinung als dem Rande der Klippe ihn in neues Staunen setzte. Ungefähr sechs Fuß von ihm, glühend wie geschmolzenes Gold in dem rothen Licht des brennenden Busches, sah er einen runden, schnellen Strom Wassers aus dem Felsen herausfließen und in die Dunkelheit stürzen. Es war, als ob eine Schlange aus ihrem Loche käme. Ueber diesem Strom lag ein schwarzes Loch, das sich nicht von der Fackel erleuchten; ließ und John Rex fühlte sein Herz von einer letzten, verzweiflungsvollen Hoffnung bewegt, als er begriff, das dicht neben ihm sich einer dieser wunderbaren Gänge befand, welche die ewig bohrende Arbeit des Wassers so oft in dieser Art von Höhlen ausführt. Der Gang wahrscheinlich zuerst bei der vulkanischen Erhebung des Felsens gebildet, dehnte sich vermuthlich bis in die Tiefen des Berges aus. Der Strom hörte jetzt auf zu fließen; war es also ziemlich wahrscheinlich, daß die steigende Wassersäule nicht allzuweit in diesen wundervollen Versteck eindrang.

Mit großer Klugheit, die in andrer Lage an Wahnsinn gegrenzt hätte, rief John Rex seinen Verfolgern zu: »Das Tau, das Tau!«

Die Worte, an den engen Felsenwänden widerhallend, wurden hinaufgeführt und klangen in vielfachem Echo an das Ohr derer dort oben.

»Er lebt!« rief Mac Nab und blickte in den Abgrund. »Ich sehe ihn! Seht!«

Der Soldat schlang das Ende des Taues von Ochsenhaut um den Baum, an dem er sich hielt und schwang nun das Tau so, daß es den Felsenvorsprung erreichen konnte, aus welchem der kühne Gefangene sich hielt. Das Stöhnen und Brüllen, welches dem neuen Aufsteigen des Wassers voranging, ließ sich jetzt von unten hören.

»Gott sei dem armen Kerl gnädig,« sagte der fromme, junge Schotte, athemlos lauschend.

Ein weißer Schaum ließ sich unten im Grunde sehen und das Stöhnen und Brausen ging schnell in ein immer stärker werdendes Pfeifen über. John Rex blickte nach dem brennenden Pendel, das sich mit größeren Schwingungen ihm immer mehr näherte und blickte zum letzten Male mit gemurmeltem Gebet zu dein dunkeln Himmel auf. Der Busch mit heller brennender Flamme, welche die Bewegung neu anfachte, warf eine rothe Gluth auf seine düstern Züge, welche den Ausdruck des Triumphs annahmen, als er jetzt das Tau faßte.

»Laßt nach, laßt nach,« schrie er und dann zog er den brennenden Busch an sich und versuchte, die Flamme mit den Füßen auszutreten. Der Soldat stemmte seinen Körper gegen den Baum, faßte das Tau fester, wandte seinen Kopf von dem fürchterlichen Loche ab und sagte zu Mac Nab: »Halten Sie fest, Euer Gnaden, das Wasser kommt!«

Das Kreischen und Bellen verwandelte sich wieder in fürchterliches Gebrüll, das Gebrüll in Pfeifen und Zischen und mit einem Windstoß und Schäumen flog die wüthende See in dem Schlunde hinauf John Rex, unfähig, die Flamme zu ersticken, schlang seinen Arm um das Tau und in dem Augenblick als das, steigende Wasser bis an den Mund der Höhle trat, stieß er sich fest von dem Felsen ab und schwang sich über den Abgrund. Er hatte schon den Felsen gefaßt und warf sich vorwärts, als die fürchterliche Wassersäule ihn traf.

Mac Nab und der Soldat fühlten den plötzlichen Ruck an dem Tau und sahen, wie das Licht durch den Raum flog. Dann brach die Wuth der Wassersäule in brüllendes Triumphgeschrei aus, die Anspannung des Taus hörte auf, das Licht war ausgelöscht und als das Wasser sank, hing an dem Ende des Strickes nichts als das nasse schwarzgebrannte Skelett des Eichenastes.

Unter krachendem Donner stürzte jetzt der lang verhaltene Regen herab und ein plötzlicher Riß in den Wolken zeigte ihnen weit hinaus den wogenden Ocean, hoch hinauf die zerrissenen glänzenden Felsen und zu ihren Füßen den schwarzen, mörderischen Abgrund des teuflischen Loches – leer!« Sie zogen schweigend das nutzlose Tau heraus, – dann steckten sie eine andere Fackel an, ließen sie hinab, aber sie sahen nichts.

»Gott lasse seine arme Seele in Frieden ruhen,« sagte Mac Nab schaudernd. »Er ist ans unsrer Hand genommen.«

Fünfundzwanzigstes Capitel.
Die Flucht

Gabbett, von der Krähe geführt, hatte beschlossen, das genommene Boot an dem südlichen Punkte von Kap Surville zu landen. Diejenigen, welche sich die Mühe gegeben haben, der Schilderung der Topographie von Van Diemens zu folgen, werden einsehen, daß nichts als die Natur des Unternehmens eine so verzweifelte Maßregel rechtfertigen konnte. Die senkrechten Klippen schienen Jedem sicheres Verderben zu bringen, aber Vetch, der bei dem Bau der Landungsbrücke am Neck geholfen hatte, wußte, daß auf dem südlichen Punkt des Vorsprunges sich eine Art kleiner Bai befand, in welcher die Gesellschaft möglicher Weise glücklich landen könnte. Etwas von der Entschlossenheit ihres Führers Rex war auf die Krähe übergegangen und er stimmte sogleich dafür, da dies in ihrer gegenwärtigen Lage die einzige Möglichkeit einer Rettung für sie sei. Er biß die Zähne zusammen, als er das Ruder ergriff, das als Steuer diente und richtete die Spitze des Bootes grade aus den ungeheuren Felsen, welcher das nördliche Horn der Piraten-Bay bildete.

Außer dem phosphorescirenden Lichte der schäumenden Wellen war die Dunkelheit vollkommen und der verfolgende Burgeß ließ das Boot auf gut Glück vorgehen. Derselbe furchtbare Blitz, welcher Mac Nabs Leben gerettet hatte, weil Rex das Ziel verfehlte, zeigte dem Kommandanten das Boot auf der Spitze einer ungeheuren Welle und augenscheinlich grade in dem Augenblick, wo es gegen die Felsenmauer geworfen zu werden schien, die in unmittelbarer Nähe aufstieg.

Im nächsten Augenblick sah Burgeß, während sein Boot von den schnell aufsteigenden Wellen gehoben wurde, zu seinen Füßen eine Art von Panorama. Auf der Höhe einer Welle hängend, schien es dem Kommandanten, als wäre er auf einer Klippe, von welcher aus er eine wüthenden See unter sich sah, in tiefe Abgründe sich spaltend, die selbst einen Leviathan verschlingen konnten. Tief unten in einem dieser Wasserthäler lag das Boot der Meuterer, das, mit seinen sechs ausgespreizten Rudern, wie ein sechsfüßiges Insekt aussah, welches in einem Pfuhl von Tinte schwamm. Die große Klippe, welche in jeder Spalte und Narbe deutlich zu sehen war, als ob sie nur eine Elle entfernt wäre, schien von seinem Fuß aus einen breiten, flachen Strohhalm – einen Streifen trocknen Landes, – nach diesem Insekt auszustrecken. Den nächsten Augenblick rauschte das Wasser, mit dem sechsbeinigen Atom über diesen Strand. Die riesige Klippe schien während des fürchterlichen Donners, der auf den Blitz folgte, sich vorn über, den rasenden Wellen entgegen zu beugen und die Wellen rollten zurück, das Boot glitt in die Tiefe und die ganze Phantasmagorie war verschlungen in dem Tumult des Sturmes.

Burgeß, dessen Haar sich vor Entsetzen sträubte, rief den Leuten zu, das Boot abzuhalten, aber er hätte eben so gut zu einer Lawine sprechen können.

Der Wind verwehte seine Stimme und ließ sie verhallen.

Eine gierige Welle riß ihm das Ruder aus der Hand. Trotz der verzweifelten Anstrengungen der Soldaten wurde das Boot einen Wasserberg hinauf gewirbelt, wie ein Blatt mit dem Strahl eines Springbrunnens in die Höhe steigt und ein zweiter Lichtstrahl zeigte ihnen eine Gruppe von Menschen, groß wie Puppen, während ein umgekehrtes Boot, wie eine Walnussschale, den Kiel aufwärts, von den zurückwogenden Wellen mit fortgenommen wurde. Einen Augenblick dachten Alle, daß sie das Schicksal der unglücklichen Deportierten theilen müßten, aber es gelang Burgeß, dem Boot Richtung zu geben und entsetzt durch die furchtbare Gefahr, der sie mit genauer Noth entkommen, gab er den Befehl, zurück zu wenden. Als die Männer das Boot nach der Richtung der freundlich blickenden Lichter wandten, sahen sie einen schwarzen Fleck sich auf den Wellen schaukeln, an ihrem Stern vorüber und in die See hinaus schwimmen. Als er an ihnen vorüber kam, hörten sie einen Schrei und wußten, daß Einer von der verunglückten Schaar an einem Ruder hing.

»Er war der einzige Ueberlebende,« sagte Burgeß, seine verrenkte Hand zwei Stunden später am Neck verbindend, »und er ist jetzt auch schon Futter für die Fische!«

Doch täuschte er sich. Das Schicksal hatte die Gefangenen für einen weniger gnädigen Tod als den des Ertrinkens aufgespart.

Mit Hilfe des Blitzes und des »Glückes,« das so oft die Schurken in ihr ferneres Verderben führt, hatte Vetch das Boot auf den Strand gebracht und die Leute erreichten, geschunden, blutend und erschöpft, die obere Küste. Von der ganzen Zahl war nur Cox verloren.

Er war, als sie sich retteten, der Krähe im Wege; dieser riß ihn am Hals zurück, da er die Wichtigkeit fühlte, seine eigne Haut in Sicherheit zu bringen und stürzte sich über den zappelnden Cox fort, an’s Ufer. Cox in der Todesangst, ergriff nach einem Ruder und war im nächsten Augenblick schon wieder von den rückschlagenden Wellen in die See mit hinausgenommen. Er wurde an seiner einzigen Hoffnung auf Rettung, dem Wach-Boote, vorüber getrieben und zwar mit einer Schnelligkeit, die jeden Gedanken an Auffischen unmöglich machte und die Prophezeihung seiner Kameraden, daß er nicht gehängt werden würde, zu Schanden zu machen schien. Er war ein starker, kräftiger Mann und hielt sich fest an dem Ruder, ja er löste sogar seinen Lederriemen, schlang ihn um das Stück Holz und band sich so fest daran, als er konnte.

In dieser Lage, – aus einer Ohnmacht vor Erschöpfung war er wieder erwacht, entdeckte ihn der Mann am Ruder auf der »Hübschen Marie« am nächsten Morgen, wenige Meilen von Cap Surville entfernt. Blunt, in der Hoffnung, daß dieser Mensch vielleicht sich als der todte Liebhaber von Sara Purfoy ausweisen möchte, ließ ein Boot hinab und fischte den Mann auf.

Fast zerschnitten von dem Riemen, erstickt vom Salzwasser, erstarrt vor Kälte, mit zwei zerbrochenen Rippen, hatte das unglückliche Opfer von dem mörderischen Angriff der Krähe doch noch so viel Lebenskraft, um die Mittel Kapitain Blunt’s zwei Stunden zu überleben. Während dieser Zeit sagte er aus, daß sein Name Cox sei, daß er mit acht andern Gefangenen unter der Führung von John Rex entflohen sei, daß die Andern Alle ertrunken, John Rex aber wahrscheinlich wieder gefaßt sei.

Nachdem er Blunt alle diese Einzelheiten mitgetheilt hatte, sagte er weiter, es stäche ihn, wenn er athme, versuchte Jemmy Vetch, die Kolonie, die See und starb ohne Reue.

Blunt rauchte drei Pfeifen, dann änderte er den Kurs der »Hübschen Marie« um zwei Striche nach Osten und näherte sich der Küste. Es war möglich, daß der Mann nach dem er suchte, nicht wieder gefangen war und seine Ankunft erwartete. Es war seine Pflicht, da er von der ausgeführten Flucht jetzt wußte, sein Unternehmen nicht aufzugeben, so lange noch Hoffnung war.

»Ich will noch einmal die Küste absuchen,« sagte er zu sich selbst.

Die »Hübsche Marie« kroch an der Küste so nahe entlang, als sie es nur immer wagen konnte und sah nichts. Es wäre Wahnsinn gewesen bei Cap Surville zu landen, denn wahrscheinlich war die ganze Station in Bewegung. Also hielt Blunt, als die Nacht kam, ein wenig von der Piratenbai ab. Er wanderte auf dem Deck aus und ab, brummte über die Thorheit der Expedition, als eine merkwürdige Erscheinung an dem südlichen Horn der Bai ihn in höchstes Staunen setzte.

Im Innern des Berges glühte es wie ein feuriger Ofen! Blunt rieb sich die Augen und starrte dahin. Er sah auf den Mann am Steuer.

»Seht Ihr dort etwas, Jem?«

Jem, ein Mann aus Sydney, der niemals an dieser Küste gewesen, antwortete kurz: »Leuchtthurm.«

Blunt ging in seine Kajüte und holte seine Karten. Kein Leuchtthurm in dieser Gegend, nur ein Zeichen wie ein Anker und die Worte: »Merkwürdige Höhle an diesem Punkt;« in der That »merkwürdiger Kalkofen,« wäre richtiger gewesen.

Blunt rief seinen Steuermann, William Staples herauf, einen Burschen, dessen Leib und Seele Sara mit ihrem Golde erkauft hatte. William Staples blickte auf den bald wachsenden, bald sinkenden Feuerschein und sagte dann, zitternd vor Gier. »Das ist ein Feuer. Legt bei und laßt die Jolle herab. Alter, das ist unser Vogel für tausend Pfund!«

Die Hübsche Marie reffte die Segel und Blunt und Staples bestiegen die Jolle.

»Austern suchen, Sir?« fragte Einer von der Mannschaft grinsend, als Blunt ein Bündel in den Kahn warf.

Staple steckte seine Zunge in die Backe. Der Zweck der Reise war genügend erkannt unter der sorgfältig gewählten Mannschaft. Blunt hatte Leute gewählt, welche ihn nicht wohl verrathen würden, doch hatte der vorsorgliche Rex ein Mittel angegeben, das einen Verrath fast unmöglich machte.

»Was ist in dem Bündel, Alter?« fragte William Staples, nachdem sie vom Schiffe abgestoßen.

»Kleider,« erwiderte Blunt.

»Wir können ihn nicht als Kanarienvogel mitnehmen. Er legt dies an, versenkt Ihrer Majestät Livree und kommt als ein schiffbrüchiger Matrose.«

»Das ist ganz gut. Wer hat das ausgedacht. Madam, darauf will ich wetten.«

»Ja.«

»Sie ist eine Schlaue!«

Das widrige Lachen der Beiden klang über das Meer hin.

»Langsam, Mann,« sagte Blunt, als sie sich der Küste näherten. Sie sind Alle wach in Eaglehawk und wenn die verfluchten Hunde einen Ton von sich geben, geht im Augenblick ein Boot aus. Glücklicher Weise haben wir Landwind.«

Staples ließ das Ruder hängen und horchte. Die Nacht war mondlos und das Riff war schon außer Sicht. Sie näherten sich dem Vorgebirge von Südosten und der Istmus des bewachten Neck war von der vorspringenden Klippe verdeckt. In dem südwestlichen Winkel dieser Klippe ungefähr auf der Hälfte zwischen dem Gipfel und der See war ein Bogen, welcher ein rothes, flackerndes Licht ausströmte, das einen schwachen Widerschein auf die See und auf das Boot warf. Das Licht war unsicher und flüchtig; jetzt ganz zusammensinkend, dann auflodernd mit plötzlicher Wildheit, als ob das Herz des Berges in lauter Gluthen klopfte. Zuweilen deckte eine schwarze Gestalt diesen riesenhaften Ofenschlund, sich bückend und beugend, als ob sie das Feuer schürte.

Man hätte sagen mögen, es sei eine Thür zu Vulcan’s Schmiede, die zufällig offen gelassen war und man sah den alten Helden Waffen schmieden für die Halbgötter.

Der abergläubige Blunt wurde ganz bleich. »Er ist kein Sterblicher,« flüsterte er, »wir wollen zurück!«

»Und was wird Madam sagen?« erwiderte Will Staples, der sich weder vor Gott noch vor dem Teufel fürchtete und der in den Erebus gegangen wäre, hätte man ihn dafür bezahlt. So von seiner ihn beherrschenden Leidenschaft aufgerufen, wandte Blunt den Kopf und das Boot ging vorwärts.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
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