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Kitabı oku: «Deportiert auf Lebenszeit», sayfa 31

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Sechsundzwanzigstes Capitel.
Die Arbeit der See

Der steigende Wasserstrahl hatte das Leben von John Rex gerettet. In dem Augenblick, als er ihn traf, war er auf seinen Händen und Knien am Eingang der Höhle. Die Welle, aufwärts strebend, dehnte sich zu gleicher Zeit nach der Seite ans und dieser Seitendruck trieb den Deportierten in den Eingang der Felsenhöhle hinein. Der Gang schien, sich hinab zu ziehen und er wurde kopfüber weiter gerollt, bis der Wasserstrom ihn endlich in eine Spalte zwischen zwei ungeheure Felsenblöcke warf, welche über einem fürchterlichen Abgrunde zu hängen schienen. Glücklicher Weise für die Erhaltung seines Lebens, um das er so hart kämpfte, hinderte grade die Wuth des hereinstürzenden Wassers, daß er wieder mit hinausgewaschen wurde, als die Welle zurückströmte. Er konnte hören, wie das Wasser in fürchterlichen Echos weit hinunter in die Tiefen stürzte und es war augenscheinlich, daß die zwei Steine, gegen die er geworfen, als Wasserbrecher für den Strom dienten, der von außen kam und die Hauptmasse des Wassers wieder zurücktrieben, was er von seiner Stellung aus auf dem Felsenvorsprung vorhin bemerkt hatte. In wenigen Sekunden war die Höhle leer.

Sich mühsam aufrichtend mit dem unsicheren Gefühl halber Sicherheit versuchte John Rex die großen Felsenblöcke zu erklettern, welche die ungekannte Tiefe unter ihm versperrten. Bei der ersten Bewegung, welche er machte, schrie er laut auf. Sein linker Arm, mit dem er das Tau gehalten, hing kraftlos herunter. Gegen den scharfen Eingang der Höhle gestoßen, war er augenblicklich wie gelähmt. Einen Augenblick sank der Unglückliche verzweifelnd auf den nassen, rauhen Boden der Höhle zurück; – dann warnte ihn ein gurgelnder Ton unter seinen Füßen vor der neu drohenden Gefahr und alle seine Kräfte zusammenfassend, kletterte er den Block hinauf. Obgleich fast ohnmächtig vor Schmerz und Erschöpfung drang er höher und höher hinauf. Er hörte das gräßliche Zischen des Wirbels unter ihm lauter und lauter werden. Er fühlte die Dunkelheit noch dunkler werden, als die aufsteigende Wassersäule den Eingang zur Höhle bedeckte. Er fühlte den Schaum des Salzwassers bis an sein Gesicht spritzen und die wüthende Flut seine Hand lecken, welche von seinem Sitz herunterhing. Aber das war Alles! Er war endlich außer Gefahr. Und als dieser Gedanke seine Sinne beruhigte, schloß er die Augen und der wunderbare Muth und die außergewöhnliche Kraft, welche den Schurken so lange aufrecht gehalten, gingen in völlige Betäubung über. Als er daraus erwachte, war die Höhle mit dem sanften Licht der Dämmerung erfüllt. Seine Augen aufschlagend, sah er hoch über sich ein Felsendach, auf welchem der Widerschein der Sonnenstrahlen, der sich durch das Wasser unten brach, in tausend Farben spielte. Zu seiner Rechten lag der Eingang der Höhle, zu feiner sinken der fürchterliche Abgrund, in dessen Tiefe er die See murmeln und spülen horte. Er richtete sich auf und streckte seine steifen Glieder. Trotz seiner verletzten Schulter war es unumgänglich nothwendig, sich zu rühren. Er wußte nicht, ob sein Entkommen bemerkt worden war, ob die Höhle einen andern Ausgang hatte, durch den Mac Nab eindringen konnte. Ueberdies war er durchnäßt und ausgehungert. Um sein Leben zu bewahren, das er der See abgerungen, mußte er jetzt Nahrung und Feuer haben. Zuerst prüfte er den Spalt, durch den er hereingekommen. Er war wie ein unregelmäßiges Dreieck gebildet, von der Arbeit der See ausgehöhlt, die bei solchem Sturm, wie derjenige der letzten Nacht, bis hoch hinein getrieben wurde. John Rex wagte nicht, zu nahe an den Rand zu kriechen, um nicht von dem schlüpfrigen, nassen Eingang hinunter in die Tiefe zu stürzen. Seinen Hals ansteckend, konnte er hundert Fuß unter sich das düster grollende Wasser sehen, das spritzte und schäumte und in spielen Wirbeln rauschte und bald sich aufbäumte, als ob es einen neuen Sturm erwarte, um bis zu dem Mann hinaufzulecken, der seiner Wuth entgangen war. Es war unmöglich, dort hinunter zu gelangen. Er wandte sich zurück in die Höhle und fing an, diese zu untersuchen.

Die beiden Felsblöcke, gegen die er geschleudert, waren in der That Pfeiler, welche das Dach der Höhle trugen. Jenseits derselben lag ein breiter, grauer Schatten, dessen Leere schwach von dem Schein erleuchtet war, der durch das Wasser von unten herauf kam. Mitten hinein fiel ein wunder barer Strahl von mattem Glanz, der sein unsicheres Licht auf eine Wildniß von Seetang warf. Selbst in der verzweifelten Lage, in der er sich befand, lebte doch genügend Poesie in der Brust des Elenden, um ihn dies Wunder der Natur schätzen zu lassen, das sich ihm hier in so eigenthümlicher Weise enthüllte.

Das ungeheure Vorgebirge, welches von außen gesehen, fest wie ein Berg erschien, war in der That nur ein ausgehöhlter Kegel, zerrissen und zersplittert in tausend Spalten und Klüfte durch die unausgesetzte Arbeit der See während vieler Jahrtausende. Des Teufels Blasebalg war nur ein unbedeutendes Loch im Vergleich zu dieser ungeheuren Höhle. Mit Mühe den steilen Abhang hinab kletternd, fand er sich bald am Rande einer Felsengallerie, welche über die Tiefe hinausragend auf ihren feuchten, mit Kraut bewachsenen Rändern Zeichen häufiger Überschwemmung trug. Es mußte außen ganz niedrige Ebbe sein. Sich an den rauhen wurzelgleichen Algen der feuchten Wände festhaltend, schwang sich John Rex um den Vorsprung der Galerie und befand sich plötzlich aus der Dämmerung kommend, in vollem Tageslichte. In der Seite der zerrissenen und durchlöcherten Klippe befand sich eine große Oeffnung. Der wolkenlose Himmel spannte sich über ihm; eine frische Brise fächelte seine Wange und sechzig Fuß unter ihm schillerte die See und kräuselte sich in Myriaden von kleinen Wellen in dem hellen Morgenlichte. Kein Zeichen des letzten Sturmes störte die vollendete Harmonie des Bildes. Kein Zeichen menschlichen Daseins gab Zeugniß von der grausen Nähe des Gefängnisses. Von dem Versteck, in dem er sich befand, war nichts zu sehen, als der lachende blaue Himmel und die grünlich schillernde See. Diese Ruhe in der Natur war aber für den verfolgten Deportierten eine neue Quelle der Unruhe. Es war Grund vorhanden, anzunehmen, daß des Teufels Blasebalg und dessen Umgegend genau untersucht werden würde. Er vermuthete, daß das günstige Wetter Burgeß und Mac Nab veranlassen würden, sich über das Schicksal ihres früheren Gefangenen Gewißheit zu verschaffen. Er wandte sich von der Oeffnung ab und bereitete sich vor, noch weiter den felsigen Pfad hinab zu steigen. Der Sonnenschein hatte ihn getrocknet und neu belebt und der Instinkt sagte ihm, daß die oben durchlöcherte Klippe auch unten irgend einen Gang haben würde, welcher ihm bei Ebbe einen Ausgang auf den Strand gewähren würde. Es wurde immer dunkler als er hinab kletterte und zwei Mai wandte er sich in Entsetzen zurück von den Abgründen, die ihm aus beiden Seiten entgegen starrten. Es schien ihm jetzt, als ob der Gang mit seinen düstern Felsenwänden, den er jetzt durchkroch, sich zurück wand und ihn in die Eingeweide des Berges hinein führte.

Von Hunger gepeinigt, mit dem Bewußtsein, daß in wenigen Stunden die steigende Fluth die unterirdischen Gänge; wieder füllen würde und ihm den Rückzug abschneiden, drang er kühn vorwärts. Er war wohl neunzig Fuß hinabgestiegen und hatte in den vielfachen Windungen kein andres als das reflektierte Licht von jener Galerie gehabt. Da belohnte ihn ein Sonnenstrahl, der von unten herauf fiel. Er theilte zwei ungeheure Massen Seegras, dessen samenbesetzte Gehänge wie ein Vorhang sich vor seinen Weg legten und befand sich nun in der Mitte der engen Felsenspalte, durch welche das Wasser in den Blasebalg getrieben wurde. In ungeheurer Entfernung über sich sah er den Felsenbogen. Jenseits des Bogen konnte er noch ein Stückchen von dem Ausschnitt des kreisförmigen Loches sehen, durch das er hinein gefallen. Er blickte vergebens nach dem Trichterloche, das ihn so freundlich aufgenommen. Es war von hier aus nicht zu unterscheiden. Zu seinen Füßen lag ein langer Spalt in dem festen Gestein, so eng, daß er fast hinüber springen konnte. Dieser Spalt war der Kanal eines schnellen, dunkeln Stromes, der von der See aus wohl fünfzig Ellen unter einem Bogengange von acht Fuß Höhe hineinlief, bis er sich an den zerrissenen Felsen brach, welche glitzernd im Sonnenscheine am Fuße der kreisrunden Oeffnung des oberen Felsens lag. Ein Zittern machte die Glieder des abenteuerlichen Deportierten erbeben. Er sah ein, daß zur Fluthzeit der Platz, auf welchem er stand, unter Wasser gesetzt werden mußte und daß die enge Höhle eine unter Wasser liegende Röhre in dem festen Felsen war, von vierzig Fuß Länge, durch welche die Meilen langen Wellen der Südsee hinein drangen.

Der schmale Felsenstrich an dem Fuß der Klippe war so flach wie ein Tisch. Hier und da waren ungeheure Aushöhlungen wie Pfannen, welche die zurücktretende Fluth voll klaren, ruhigen Wassers gelassen hatte. Die Spalten der Felsen waren von kleinen, weißen Krabben bewohnt und John Rex fand zu seinem Entzücken, daß es hier eine große Menge von Mießmuscheln gab, die zwar etwas mager und herbe, doch seinem ausgehungerten Magen sehr willkommen waren. Außerdem saßen auch an den flachen Felsenwänden viele gewöhnliche Tellermuscheln. Doch fand sie John Rex zu salzig, um eßbar zu sein und war genöthigt, sie wieder fort zu werfen. Aber eine größere Art, die einen saftigen Körper hatte, von der Größe eines Mannesdaumens in langen, messerscheidenartigen Schalen waren besser und er sammelte bald so viel, als er zu einem Mahl brauchte.

Als er gegessen und sich geformt hatte, fing er an, den merkwürdigen Felsen genauer zu untersuchen, bis zu dessen Fuß er nun vorgedrungen war. Zerfetzt und abgebraucht, streckte dieser seine breite Brust dem Winde und den Wellen entgegen, sicher und fest auf breitem Fuße stehend, der sich wahrscheinlich eben so tief unter die See erstreckte, als die ungeheure Säule nach oben hin ragte. So aufsteigend mit seinem zottigen Behang von Seetang um die Knie, schien er ein bewegungsloses, aber bewußtes Wesen zu sein, ein Ungeheuer der Tiefe, ein Titan des Oceans, verdammt, schweigend der Wuth des unbegrenzten und so selten befahrenen Oceans die Stirn zu bieten.

Still und bewegungslos, wie er war, gab der greise Alte doch eine Andeutung seiner Rachgeheimnisse. Als er so da stand auf der breiten, meerumgürteten Plattform, wo gewiß noch kein menschlicher Fuß vor ihm gerastet, sah er hoch über sich, in einen Spalt hinein gezwängt, einen Gegenstand, den sein Seemannsauge sogleich für einen Theil des oberen Mastkorbes eines großen Schiffes erkannte. Mit Muscheln bedeckt und überwuchert von dem Epheu des Meeres, daß die Stricke kaum noch von dem Kraut unterschieden werden konnten, welche es umschlungen hielten, bezeugte dies Ueberbleibsel menschlicher Arbeit den Triumph der Natur über menschlichen Verstand. Unten durchlöchert durch die unbarmherzige See, der vollen Wuth der Stürme ausgesetzt, in einsamer Wacht den Wellen preisgegeben, welche von den Eis-Vulkanen der Südsee aus ihre gemeinsame Gewalt ungemindert seiner eisernen Stirn entgegen schleuderten, nahm der grimme Felsen aus den täglichen Kämpfen das Material zu seiner schweigenden Rache. Wie mit eisernen Armen umschlungen, hielt er seinen Raub fest, den er den allverzehrenden Klauen der See abgejagt hatte.

Man konnte sich einbilden, daß, als das verlorene Schiff mit allen den verzweifelten Seelen darauf, zerbrach und unterging, der taube und blinde Riese dies Fragment gepackt und an sich gerissen hatte aus den brausenden Wellen mit tausend brüllenden Tönen der wilden, entsetzlichen Freude.

John Rex, auf dies Denkmal vergessener Todespein blickend, hatte ein Gefühl der gewöhnlichsten Freude. »Da ist Holz zu meinem Feuer!« dachte er und nach dem Platz hinauf kletternd, versuchte er die Splitter der Spieren auf die Plattform hinunter zu werfen. Lange der Sonne ausgesetzt und hoch über die Fluthmarke hinauf geworfen, war das Holz so trocken geworden, daß es wie Zunder brennen mußte. Es war grade, was er brauchte. Ein wunderbarer Zufall, der diese Fragmente eines verschwundenen und längst vergessenen Schiffes auf diesem öden Felsen aufbewahrt, um endlich damit die Glieder eines Schurken zu wärmen, welcher der Gerechtigkeit entging!

John Rex schlug mit seinen eisenbeschlagenen Hacken gegen diese Holzmasse und löste so passende Theile ab. Er machte von seinem Hemd einen Sack, indem er die Aermel und das Halstuch zusammen band und bald brachte er mühsam, unter der Last fast taumelnd, genug Holz in die Höhle. Er machte zwei Reisen, warf das Holz auf den Boden der Galerie, welche über die See blickte und wollte grade ein drittes Mal zurück kehren, als sein scharfes Ohr Ruderschlag hörte. Er hatte grade nur Zeit den Seekraut-Vorhang aufzuheben, der den Eingang des Spaltes verdeckte, als das Boot von Eaglehawk um die Ecke kam.

Burgeß saß im Stern und schien Signale nach dem Gipfel der Klippe hinauf zu machen. Rex hinter dem Schutze des Seetangs für sich lachend, errieth die Manöver. Mac Nab und seine Leute mußten oben suchen, während der Kommandant den Golf unten untersuchte. Das Boot fuhr gerade auf den Eingang los und einen Augenblick zitterte der furchtlose Rex bei dem Gedanken, daß vielleicht nach Allem seine Verfolger doch wohl das Dasein der Höhle kannten. Es war allerdings unwahrscheinlich. Er blieb fest stehen und das Boot glitt schweigend, etwa in der Entfernung von einem Fuß an ihm vorüber in den Schlund hinein. Er bemerkte, daß Burgeß, der sonst so blühend, heute ganz blaß war, daß sein rechter Aermel ausgeschnitten und der Arm im Verbande lag. Es war also ein Kampf vor sich gegangen und es war nicht unwahrscheinlich, daß seine Gefährten wieder gefaßt waren! Er lachte innerlich über seine Schlauheit und über seinen Verstand. Das Boot aus dem Felsenthor hinausgehend, glitt in den Pfuhl des Blasebalges hinein und durch die Kraft aller Ruderer gehalten, blieb es stehen. John Rex sah, wie Burgeß die Felsen und Klippen genau mit dem Blick untersuchte, sah ihn ein Signal nach Mac Nab hinaufgeben und dann sah er mit vieler Erleichterung, wie das Boot nach der See zu gewandt wurde. Er war so verloren in dem Anblick dieser schwierigen und gefährlichen Operation, daß er eine sehr wesentliche Veränderung gar nicht bemerkte, welche indeß im Innern der Höhle vor sich gegangen war. Das Wasser, welches noch vor einer Stunde ein langes Riff von schwarzen, runden Felsen leer gelassen, sprühte jetzt in einer Schaumlinie über die zerfetzten, rauhen Stufen der Naturtreppe, auf welcher er herabgestiegen. Die Fluth kehrte zurück und die See, welche wahrscheinlich durch einen tiefer gelegenen Tunnel schon in einen Theil der Klippe eingedrungen war, drängte sich mit einer Schnelligkeit in das Gewölbe, die zeigte, daß in der kürzesten Frist schon der Eingang zur Höhle unter Wasser stehen würde. Des Deportierten Füße waren schon genäßt von den herein strömenden Wogen und als er sich umwandte, um einen letzten Blick auf das Boot zu werfen, sah er eine ungeheure, grüne Welle sich erheben gegen den Eingang der Kluft und fast das Tageslicht gänzlich ausschließend, majestätisch durch das Gewölbe einströmen. Es war hohe Zeit für Burgeß, sich zu empfehlen, wenn er nicht sein Boot dem Schicksal aussetzen wollte, wie eine Nuß gegen das Dach des Tunnels zerdrückt zu werden.

Der Gefahr sich bewußt, gab der Kommandant die Nachsuchung nach dem Körper des Gefangenen auf, und eilte, die offene See zu erreichen. Das Boot, das auf dem Rücken einer ungeheuren Welle auf und ab geschleudert wurde, entging nur mit genauer Noth der Zerstörung und John Rex, auf die Galerie kletternd, sah mit großer Genugthuung den breiten Rücken seines getäuschten Kerkermeisters hinter dem schützenden Vorgebirge verschwinden. Die letzten Anstrengungen seiner Verfolger waren vergeblich gewesen und in der nächsten Stunde war der einzig mögliche Zugang zu dem Zufluchtsorte des Deportierten unter drei Fuß wüthend schäumenden Seewassers verborgen.

Seine Gefangenenwärter waren von seinem Tode überzeugt und würden nun nicht mehr nach ihm suchen. So weit war das ganz gut. – Nun aber das letzte, verzweifelte Unternehmen, das Entkommen aus dieser wundervollen Höhle, welche zugleich sein Schutz und sein Gefängnis war. Sein Holz zusammenschleppend, gelang es ihm auch nach vieler Mühe, mit Hilfe von Feuerstein und einem eisernen Ringe, der noch an seinem Fuße sich befand, ein Feuer anzuzünden und seine erstarrten Glieder an dem lustigen Flackern zu erwärmen. Nun saß er da und dachte über das nach, was nun zu thun sei. Er war für den Augenblick sicher und die Nahrung, welche ihm der Felsen gewährte, war ganz genügend ihn manchen Tag am Leben zu erhalten, doch war es unmöglich, daß er lange unentdeckt bleiben würde. Er hatte kein frisches Wasser und wenn er auch, weil so gründlich durchnäßt, bis jetzt noch kein übermäßiges Verlangen danach trug, so mußten die bittersalzigen Muscheln bald einen wüthenden Durst bei ihm hervorrufen, den er nicht löschen konnte. Es war völlig nothwendig, daß er binnen achtundvierzig Stunden auf dem Wege nach der Halbinsel sein mußte. Er erinnerte sich des kleinen Baches, in den er beinahe gefallen, – bei seiner Flucht am vorigen Abend und hoffte, im Stande zu sein, unter dem Dunkel der Nacht sich um das Riff zu stehlen und ihn unbemerkt zu erreichen. Nun mußte sein tollkühner Plan ausgeführt werden. Er mußte vor den Hunden und Wachen Spießruthen laufen, die Halbinsel erreichen und das rückkehrende Schiff erwarten. Er mußte sich sagen, daß die Wahrscheinlichkeit sehr gering für ihn war. Wenn Gabbett und die Andern wieder gefangen waren, mußte die Küste verhältnißmäßig klar sein, – wie er von Herzen wünschte. Wenn sie aber entkommen waren, so kannte er Burgeß zu gut, um nicht zu wissen, daß er die Jagd nicht aufgeben würde, so lange noch eine Hoffnung auf Wiedergefangennahme der Ausreißer war. Wenn in der That Alles so aussieht wie er es wünschte, so mußte er doch immer noch sein Leben erhalten bis Blunt ihn fand, – wenn etwa Blunt nicht zurückgekehrt war, müde des nutzlosen, gefährlichen Wartens.

Als die Nacht kam und das Licht des Feuers wunderbare Schatten auf die Winkel der ungeheuren Gewölbe warf, während es unter ihm in dem fürchterlichen Abgrunde in grauenhaften Tönen unzusammenhängend und geisterhaft murrte und stöhnte, – da überfiel den verlassenen Mann das Entsetzen der Einsamkeit. War dies wunderbare Gewölbe, das er entdeckt, bestimmt, sein Gefängnis zu werden? Sollte er – ein Ungeheuer unter seinen Mitmenschen, irgend einen schrecklichen Tod sterben, begraben in dieser geheimnißvollen, schrecklichen Meereshöhle? Er versuchte, diese schrecklichen Gedanken fortzutreiben, indem er sich einen Plan zum Handeln machte, – aber vergebens. Vergebens versuchte er, sich eine zusammenhängende Vorstellung von dem Plane zu machen, wie er den Namen und das Vermögen des verschwundenen Sohnes des reichen Schiffbauers an sich bringen könne.

Sein Gehirn, von schattenhaften Vorstellungen des Grauens und Schreckens erfüllt, konnte dem Gegenstande nicht die ruhige Betrachtung widmen, die es brauchte. Mitten in seinen Gedanken an das Zurückweisen der eifersüchtigen Liebe jener Frau, die ihn rettete und an die Reise nach England, wo er in fremder Kleidung als Schiffbrüchger erscheinen wollte, als der verloren geglaubte Erbe Sir Richard Devine’s, – kamen ihm die fürchterlichsten Träume von Tod und Grauen, mit deren schattenhaften Gestalten er in diesen öden Höhlen zu kämpfen hatte. Er häufte frisches Holz auf sein Feuer, damit die Helle jene gräulichen Gestalten vertreiben möchte, die unter, über und neben ihm hausten. Er fürchtete sich umzuschauen, denn vielleicht mochte eine formlose Masse, vom Meere gezeugt, ein gefräßiger Polyp mit weit reichenden Armen und schleimigem Maule, das Fels zum Verschlingen geöffnet war, über die Ränder der Klippen gleiten und ihn in der Dunkelheit fassen. Seine Einbildungskraft, noch immer heftig erregt durch die unnatürliche Wirkung der Ereignisse der vorigen Nacht, malte sich jeden Fleck auf der feuchten Felsenwand, der wie eine Fledermaus dort hing, als eine dicke, scheußliche Seespinne aus, welche mit ihrem klebrigen und feucht kalten Körper auf ihn fallen würde, ihm das erstarrte Blut auszusaugen und ihn mit den rauhen, haarigen Armen zu umfassen. Jedes Klatschen im Wasser unter ihm, jeder Seufzer der unendlichen, melancholischen See schien ihm das Kommen irgend eines Scheusals aus dem Schlamme da unten zu verkünden. Alle die Töne, welche das anschlagende und zurücktretende Wasser hervorbrachte, nahmen materielle Gestalt und Fassung an. Alle Geschöpfe, welche je aus der salzigen Fluth aufgetaucht waren, krochen heran an das Feuer und starrten ihn mit glasigen Augen an. Rothe Flecke und Punkte auf dem Boden, lebende Wesen, welche ein eigenthümliches phosphorisches Licht besaßen, glühten in derer unsicheren Schein. Die bleichen Inkrustationen, welche seit Jahrhunderten an den feuchten Wänden gesessen, glitten von den Wänden herab und ihre pilzartige Oberfläche glitzerte in dem Leuchten. Der glühende Schein des seltenen Feuers röthete die feuchten Seiten der Höhle und schien zahllose, körperlose Schattengestalten zu beleben, die Alle nach ihm sich dehnten und streckten. Blutlose, blasenhafte Geschöpfe liefen geräuschlos hierhin und dahin. Sonderbare Thiere krochen aus den Felsspalten. All das schreckliche, unsichtbare Leben des Oceans schien aufzutauchen und ihn zu umgeben. Er trat zurück bis an den Rand des Schlundes und sah aus dem Wasser einen runden, schwarzen Felsen hervorragen, der mit langem Tang bedeckt, wie der Kopf eines Ertrunkenen aussah. Er stürzte nach dem Eingang der Galerie und sein Schatten, in die Oeffnung fallend, schien die Form eines rachesprühenden Geschöpfes anzunehmen, das ihn mit aufgehobenen Armen zurückscheuchte.

Der Naturforscher, der Entdeckungsreisende oder der schiffbrüchige Seemann würden nichts Schreckliches in diesem harmlosen Thiergewimmel gefunden haben und in dieser Wunderwelt des australischen Oceans. Aber das schlechte Gewissen des Deportierten, lange unterdrückt und durch Spott und Hohn im Zaum gehalten, quälte ihn jetzt in dieser Stunde, als er mit der Macht und der Natur allein war. Sein Verstand, der ihn bisher aufrecht erhalten, mußte jetzt vor der Einbildungskraft die Segel streichen, vor der unbewußten Religion der Seele. Wenn überhaupt jemals, so war er jetzt der Reue nahe. Es war ihm, als ob alle die Phantome seiner früheren Verbrechen aufständen, um ihn anzugrinsen und schaudernd fiel er auf seine Knie und bedeckte seine Augen mit den Händen. Der Brand, den er in der Hand gehalten, fiel zischend in das Wasser hinab und erlosch mit häßlichem Geräusch. Als ob der Ton einen Geist wach gerufen, der unten lauerte, so lief jetzt ein unheimliches Flüstern durch die Höhle: »John Rex!«

Das Haar auf seinem Haupte sträubte sich und er kauerte sich noch mehr zusammen.

»John Rex!«

Es war eine menschliche Stimme! Ob von Freund oder Feind, konnte er nicht ausdenken. Sein Entsetzen überwältigte jedes andere Bedenken.

»Hier! Hier!« rief er und sprang nach der Oeffnung der Höhle.

Als Blunt und Staples am Fuß der Klippe angekommen waren, befanden sie sich in der vollständigsten Finsterniß, denn das Licht des geheimnißvollen Feuers, welches sie bisher geführt, war natürlich geschwunden. Die Nacht war ruhig und der Ocean still und dennoch strömte die See mit gefahrbringender Kraft durch den Kanal, welcher nach dem Blasebalg führte. Blunt, welcher fühlte, wie das Boot fortgezogen wurde, hielt instinktmäßig ab, um der unbekannten Gefahr, die von den Felsen in der Strömung drohte, zu entgehen.

Ein plötzlicher Lichtstrahl, wie von einem hochgeschwungenen Brande herrührend, brach sich über ihnen und durch die Dunkelheit flog in runden Schwingungen ein brennendes Stück Holz herab. Gewiß, Niemand als ein Verfolgter konnte solchen wilden Aufenthalt wählen.

Blunt in seiner Angst war entschlossen, Alles zu wagen. »John Rex,« schrie er durch seine hohl gehaltene Hand. Das Licht blitzte wieder in der Augenhöhle des Berges und hoch über ihnen erschien eine wilde Gestalt, in den Händen einen brennenden Spahn haltend, dessen glühender Schein ein Antlitz erhellte, so verzerrt von tödtlicher Furcht und angstvoller Erwartung, daß es kaum noch menschlich erschien.

»Hier Hier!«

»Der arme Teufel scheint halb verrückt zu sein,« sagte Will Staples leise und fügte dann laut hinzu: »Wir sind Freunde!«

Einige Augenblicke genügten, um die Sache zu erklären. Das Entsetzen, dem John Rex unterworfen gewesen, verschwand in der Gegenwart von Menschen und der Schuft fand seine Geistesgegenwart wieder. Auf der Plattform kniend, hielt er ein Zwiegespräch.

»Es ist unmöglich für mich, jetzt herunter zu kommen,« sagte er. »Die Fluth bedeckt den einzigen Weg, der aus der Höhle führt.«

»Könnt Ihr nicht durchtauchen?« fragte Will Stapels.

»Nein, das kann Niemand,« sagte Rex, schaudernd bei dem Gedanken, durch diesen höllischen Wirbel zu dringen.

»Was kann geschehen? Ihr könnt nicht diese Wand herunter kommen?«

»Wartet bis morgen früh,« sagte Rex kühl. »Um sieben Uhr wird niedrige Ebbe sein. Ihr müßt um sechs ein Boot schicken. Es wird dann schon niedrig genug für mich sein, um durchzukommen.

»Aber die Wache?«

»Wird hier nicht herkommen, Mann. Sie haben ihre Arbeit, um den Neck zu bewachen und meine Gefährten aufzusuchen. Sie kommen hier nicht her, Ueberdies bin ich todt.«

»Todt?«

»Sie halten mich dafür, was eben so gut oder besser für mich ist. Wenn sie Euer Schiff oder Euer Boot nicht sehen, seid Ihr ganz sicher.«

»Ich möchte es nicht wagen,« sagte Blunt. Es gilt unser Leben, wenn wir gefaßt werden.«

»Für mich ist’s der Tod, wenn ich gefaßt werde,« erwiderte der Andre mit düsterem Lachen. »Aber es ist keine Gefahr, wenn Ihr vorsichtig seid. Niemand sucht Ratten in einem Hundestall und von hier bis Kap Pillar ist keine Station. Haltet Euer Schiff außer Gesichtsweite vom Neck und bringt das Boot nach der Descent Bai und dann ist’s geschehen.«

»Gut,« sagte Blunt, »ich will’s versuchen.«

»Möchtet Ihr nicht bis morgen früh hier bleiben? Es ist recht einsam hier,« sagte Rex und scherzte so über seine eigene Furcht.

Will Staples lachte.

»Ihr seid ein kühner Geselle l« sagte er.

»Wir wollen bei Tagesanbruch kommen.« »Habt Ihr die Kleider, wie ich bestimmt habe?«

»Ja.«

»Dann gute Nacht. Ich will mein Feuer ausmachen, sonst könnte es Jemand anders sehen, der nicht so freundlich ist, wie Ihr.«

»Gute Nacht.«

»Kein Wort für Madame,« sagte Staples, als sie das Schiff erreichten.

»Kein Wort, der undankbare Hund,« fügte Blunt etwas heftig hinzu. »So ist es immer mit den Weibern. Sie gehen durch Feuer und Wasser für einen Mann, der sich einen Deut um sie kümmert, aber für einen armen Kerl, der seinen Hals für sie wagt, haben sie nur Hohn und Spott! Ich wünschte, ich hätte mich nie auf die Sache eingelassen.«

»Keine größeren Narren, als alte Narren!« dachte Will Staples, durch die Finsterniß nach dem Platz hinblickend, wo das Feuer gewesen war. Aber er sagte es nicht laut.

Um acht Uhr am nächsten Morgen ging die »Hübsche Marie« mit vollen Segeln in die hohe See. Des Schiffers Fischen war zu Ende. Er hatte einen schiffbrüchigen Seemann aufgefischt, welcher bei Tageslicht an Bord gebracht war und nun in der Kajüte frühstückte. Die Mannschaft winkte einander zu, als der hagere Seemann in wunderbar gut erhaltenen Kleidern an Bord stieg. Aber Keiner von ihnen war in der Lage, des Schiffers Aussage zu widersprechen.

»Wohin gehen wir?« fragte John Rex, mit angenehmem Wohlgefühl große Wolken Rauch aus Staples’ Pfeife blasend. »Ich bin ganz in Ihren Händen, mein würdiger Blunt.«

»Meine Befehle lauteten, so lange in der Wallfischgegend zu kreuzen, bis ich meinen Gefährten träfe,« erwiderte Blunt mürrisch, »um Euch da an Bord zu geben. Er wird Euch nach Sydney dringen. Ich habe Lebensmittel auf zwölf Monate.«

»Recht,« rief Rex und klopfte seinen Befreier aus den Rücken. »Ich muß nach Sydney zurück, aber da die Philister hinter mir sind, ist es sehr gut, wenn ich in Jericho warte, bis mein Bart gewachsen ist. Wundern Sie sich nicht über meine Bibelkenntnis, Mr. Staples?« fügte er hinzu, ganz belebt durch das Behagen und die Sicherheit unter erkauften Freunden.

»Ich versichere Sie, ich habe den besten Religions-Unterricht genossen. Ich verdanke es hauptsächlich meinem würdigen Seelsorger und Lehrer, daß ich im Stande bin, diesen niederträchtigen Tabak in diesem Augenblick zu rauchen.«

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
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700 s. 1 illüstrasyon
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