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Kitabı oku: «Deportiert auf Lebenszeit», sayfa 38

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Zehntes Capitel.
Eine Zusammenkunft

John Rex fand, daß das Hotel George ganz ausnehmend auf seine hohe Ankunft vorbereitet war. Aufmerksame Wärter flogen herbei, um ihm seinen Nachtsack und Ueberrock abzunehmen; der Wirth selbst erwartete ihn an der Thür. Zwei Seeoffiziere kamen bis an die Thür und starrten ihn an. »Haben Sie noch mehr Gepäck, Mr. Devine?« fragte der Wirth, als er die Thür des besten Zimmers aufriß. Es war ganz augenscheinlich, daß seine Frau ihm nicht gestatten würde, sein geborgtes Licht unter den Scheffel zu stellen. Ein Tisch war für zwei Personen gedeckt und lockte aus der behaglichsten Ecke. Ein Feuer knisterte in dem Marmorkamin. Die letzte Abendzeitung lag aus einem Stuhl und sie nachlässig mit ihrem kostbaren seidenen Kleide herunterwischend, kam die Frau, die er so schändlich verlassen, ihm lächelnd entgegen.

»Nun, Mr. Richard Devine,« sagte sie, »Du erwartetest nicht, mich wieder zu sehen?«

Obgleich er sich auf seiner Fahrt hierher eine schöne Rede einstudiert hatte, um sie zu begrüßen, so brachte ihn ihre unnatürliche Höflichkeit ganz außer Fassung. »Sara, ich hatte nie die Absicht – —«

»Still, mein lieber Richard, es muß jetzt Richard heißen, nicht wahr? Jetzt ist keine Zeit zu Erklärungen. Uebrigens könnte uns der Kellner hören. Wir wollen jetzt essen, denn Du mußt hungrig sein.« Er ging mechanisch an den Tisch.

»Wie fett Du geworden bist!« fuhr sie fort. »Zu Gutes Leben, sicher. Du warst nicht so dick in Port – — O, ich vergaß, mein Lieber! Komm und setze Dich! Das ist Recht. Ich habe Allen gesagt, daß ich Deine Frau bin, nach der Du besonders geschickt hast. Sie sehen mich nun natürlich mit Achtung und Interesse an. Verdirb nicht ihre gute Meinung von mir.«

Er wollte einen Fluch ausstoßen, aber sie hielt ihn mit einem Blick zurück. »Keine schlechte Sprache, John, oder ich klingle nach einem Konstabler. Wir wollen uns über Alles mit einander verständigen, mein Lieber. Du magst ein sehr großer Mann für andre Leute sein, – für mich bist Du nur mein weggelaufener Mann, ein entflohener Sträfling. Wenn Du jetzt nicht anständig Dein Abendbrod ißt, muß ich wirklich nach der Polizei schicken.«

»Sara,« rief er. »Ich dachte nie daran, Dich zu verlassen. Auf mein Wort. Es ist ein Mißverständnis. Laß es Dir erklären.«

»Dazu sind keine Erklärungen nöthig, Richard. Hier, iß. Ach, ich weiß, was Du brauchst.«

Sie goß einen halben Becher Branntwein ein und gab ihn ihm.

Er nahm das Glas aus ihrer Hand und trank den Inhalt und dann, als ob er endlich erwärmt worden, lachte er: »Was für ein Weib bist Du, Sara. Ich bin ein rechter Esel, das muß ich sagen.«

»Du bist ein ganz undankbarer Schuft,« sagte sie mit plötzlicher Leidenschaft, »ein verhärteter, selbstsüchtiger Schuft.«

»Aber Sara – —«

»Rühre mich nicht an!«

»Auf mein Wort, Du bist ein schönes Geschöpf und ich war ein rechter Narr, Dich zu verlassen.«

Die Schmeichelei schien sie etwas zu beruhigen, denn sie änderte ihren Ton. »Es war eine böse, grausame That, Jack. Du, den ich vom Tode gerettet habe, den ich gepflegt, reich gemacht habe! Es war die That eines Feiglings.«

»Das gebe ich zu. So war es!«

»Du gibst es zu! Hast Du denn keine Scham? Hast Du kein Mitleid mit mir, die ich so viele Jahre um ich gelitten habe?«

»Ich dachte nicht, daß Du Dir etwas aus mir machtest.«

»Dachtest Du das? Du dachtest überhaupt gar nicht an mich. Ich habe Dich so lieb gehabt, John Rex – die Thür ist fest zu – da ich ein Vermögen daran gewandt habe, ich aufzusuchen und nun ich Dich gefunden habe, nun will ich Dich auch leiden lassen.«

Er lachte, aber etwas unbehaglich.

»Wie hast Du mich ausfindig gemacht?«

Mit einer Bereitwilligkeit, die zeigte, daß sie schon aus diese Frage vorbereitet war, schloß sie einen Schreibkasten auf, der auf dem Seitentische stand und nahm eine Zeitung heraus. »Durch einen Zufall, der immer das Verderben von Leuten ist, wie Du. Unter den Papieren, die der Ober-Aufseher von seinen Freunden erhielt war dies.«

Sie hielt ihm eine illustrierte Zeitung hin, irgend ein Sonntags-Organ des Sport und wies an ein Bild auf der ersten Seite. Es stellte einen breitschultrigen bärtigen Mann dar, der gekleidet war wie die richtigen Sportsmänner und Pferdeliebhaber. Er stand neben einer Säule, auf welcher allerlei Becher und Trophäen vom Rennplatz aufgestellt waren. John Rex las unter diesem Kunstwerk den Namen:

Mr. Richard Devine,
der Leviathan des Rennplatzes

»Und Du erkanntest mich?«

»Das Portrait hatte genügende Aehnlichkeit, um mich zu veranlassen, Nachforschungen anzustellen und als ich fand, daß Mr. Richard Devine plötzlich nach einer geheimnißvollen Abwesenheit von vierzehn Jahren zurückgekehrt war, machte ich mich im Ernst an die Arbeit. Ich habe viel Geld darauf verwandt, Jack, aber ich habe Dich gefunden.«

»Du bist sehr schlau gewesen, mich ausfindig zu machen. Das muß man Dir lassen.«

»Es ist nicht ein einziger Akt in Deinem Leben, John Rex, den ich nicht kenne,« fuhr sie mit Wärme fort. Ich habe Dich von dem Tage an aufgespürt, als Du Dich aus meinem Hause stahlst. Ich kenne Deine Reisen auf den Continent, Deine Nachforschungen nach irgend einem Geheimniß. Ich habe das Alles zusammengestellt, wie Du es auch gethan hast und ich weiß, daß durch irgend ein schlechtes Mittel Du das Geheimniß eines todten Mannes gestohlen hast, um eine unschuldige, tugendhafte Familie in’s Verderben zu stürzen.«

»Hallo, hallo!l« sagte John Rex, »seit wann hast Du gelernt, von Tugend zu sprechen?«

»Es ist leicht zu spotten, aber Du bist jetzt am Ende Deiner Bahn angekommen, Jack. Ich habe an die Frau geschrieben, deren Sohnes Vermögen Du gestohlen hast. Ich erwarte in ein oder zwei Tagen Antwort von Lady Devine.«

»Nun, und wenn Du sie hast?«

»Dann gebe ich ihr das Vermögen zurück, um den Preis ihres Schweigens!«

»Ho ho, das willst Du?«

»Ja, und wenn mein Gatte nicht zurückkommt und ruhig mit mir lebt, rufe ich die Polizei auf.«

John Rex sprang auf. »Wer wird Dir glauben, Du Blödsinnige,« rief er. »Ich will Dich als Betrügerin in’s Gefängnis setzen lassen.«

»Du vergißt, mein Lieber,« erwiderte sie, kokett mit ihren Ringen spielend und nach der Seite blickend, als sie sprach, – »daß Du mich schon als Deine Frau vor dem Wirthe und den Leuten anerkannt hast. Dazu ist es zu spät. O, mein lieber Jack, Du denkst, Du Bist klug, aber ich bin eben so klug wie Du.«

Einen Fluch unterdrückend, setzte er sich neben sie. »Höre, Sara. Warum kämpfen wir, wie ein paar Kinder? Ich bin reich —«

»Das bin ich auch.«

»Um so besser. Wir wollen unsern Reichthum zusammenthun. Ich gebe zu, daß ich ein Narr war und ein Hund, Dich zu verlassen. Aber ich spielte um einen großen Preis. Der Name Richard Devine ist eine halbe Million werth. Sie ist mein. Ich habe sie gewonnen Theile sie mit mir. Sara, Du und ich haben die Welt vor Jahren getäuscht. Laß uns jetzt nicht streiten. Ich war undankbar. Vergiß es. Wir wissen jetzt, daß wir Beide keine Engel sind. Wir sind zusammen in’s Leben gegangen. Weißt Du wohl noch, Sara, als ich Dich zuerst traf? Ich wollte damals Geld machen. Es ist uns gelungen. Warum wollen wir uns nun in’s Verderben stürzen? Du bist noch eben so schön wie sonst. Ich habe meinen Verstand nicht verloren. Ist es denn nöthig, da Du der Welt sagst, daß ich ein fortgelaufener Sträfling bin und daß Du, – nein – gewiß – es ist nicht nöthig. Küsse mich und laß uns Freunde sein, Sara. Ich würde Dir fortgelaufen sein, wenn ich gekonnt hätte. Du hast mich ausfindig gemacht. Ich nehme die Stellung an. Du nimmst mich als Gatten wieder in Anspruch. Du sagst, Du bist Mrs. Richard Devine. Sehr gut, – ich gebe Alles zu. Du hast immer gern eine große Dame sein wollen. – Jetzt kannst Du es werden!«

So viel Ursache sie auch hatte, ihn zu hassen, so gut sie seinen undankbaren und verrätherischen Charakter kannte, so wenig Grund sie hatte, ihm zu trauen, – dennoch tauchte der Schatten ihrer merkwürdigen Neigung für dem Schurken wieder auf und diese Neigung wuchs bald wieder zu ihrer alten Stärke.

Als er so neben ihr saß und sie den vertrauten Tönen seiner Stimme lauschte, die sie sonst so liebte, sog sie gierig sein Versprechen künftiger Treue ein, obgleich sie wußte, das es gemacht war, um gebrochen zu werden und ihre Erinnerung weilte bei den vergangenen Tagen des Vertrauens und des Glückes. Ihre weibliche Phantasie bekleidete den selbstsüchtigen Schuft, den sie sich nun wieder gewann, mit allen den Eigenschaften, die einst ihre eigenwillige Liebe gewonnen hatten. Die selbstlose Hingabe, welche ihr Betragen gegen den Schwindler bezeichnete, war das in ihr, was vieles gut machen mußte. Vielleicht hatte sie auch – die Aermste – das Gefühl, fest daran zu halten, wenn sie auch sonst Alles in der Welt verlöre. Ihr Wunsch nach Rache schmolz unter dem Einfluß dieser Gedanken dahin. Die Bitterkeit verschmähter Liebe, die Scham und die Angst der Verlassenheit, die Undankbarkeit und der Verrath, – Alles – Alles verschwand. Die Thränen süßen Vergebens zitterten in ihren Augen, die unvernünftige Liebe ihres Geschlechts, – die Treue, die sie nur allein dieser Liebe bewahrt, machte ihre Stimme erbeben. Sie nahm seine feige Hand und küßte sie und vergab alle seine Niedrigkeit in dem einzigen Vorwurf: »O John, John, Du hättest mir doch trauen sollen!«

John Rex fühlte, daß er gesiegt hatte und lächelte, als er sie umarmte.

»Ich wünschte, ich hätte es gethan,« sagte er, »es würde mir viel Bedauern erspart haben. Aber, laß gut sein. Setze Dich; jetzt wollen wir Abendbrod essen.«

»Dein Erscheinen hat nur etwas sehr Schlimmes, Sara,« -sagte er, als sie nach dem Essen beisammen saßen, um über ihr Handeln zu berathen. »Es verdoppelt die Gefahr der Entdeckung.«

»Wie so?«

»Die Leute haben mich ohne weitere Nachforschungen aufgenommen, aber ich fürchte, nicht ohne Mißfallen. Mr. Francis Wade, mein Onkel, kann mich nicht leiden und ich fürchte, ich habe meine Karten nicht sehr gut bei Lady Ellinor gespielt. Wenn sie erfahren, daß ich eine geheimnißvolle Frau habe, wird ihr Mißfallen in Argwohn übergehen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß ich seit so vielen Jahren verheirathet bin, ohne davon etwas gesagt zu haben.

»Seht unwahrscheinlich,« sagte Sara ruhig, »und das ist gerade der Grund, warum Du alle diese Jahre nicht geheirathet hast. Wirklich,« fügte sie lachend hinzu, – »der männliche Verstand ist sehr schwach. Du hast nun schon zehntausend Lügen in dieser Sache erzählt und weißt nicht, wie Du noch eine finden sollst.«

»Was meinst Du?«

»Nun, mein lieber Richard, Du kannst sicher nicht vergessen haben, daß Du mich im vorigen Jahre auf dem Continent heirathetest? Du warst doch im vorigen Jahr auf dem Continent? Ich bin die Tochter eines armen Geistlichen der englischen Kirche; – der Name – wie Du willst und Du trafst mich in Baden, Aachen, Brüssel? Oder gehe über die Alpen und sage in Rom.«

John Rex legte seine Hand an die Stirn. »Natürlich, ich bin sehr dumm,« sagte er. »Ich bin in der letzten Zeit nicht ganz wohl gewesen. Zu viel Branntwein und zu viel Unruhe.«

»Ja, das müssen wir ändern,« antwortete sie lachend, aber ein angstvoller Blick auf ihn strafte dies Lachen Lügen. »Du mußt nun häuslich sein, Jack, ich meine Dich.«

»Weiter,« sagte er ungeduldig. »Was dann?«

»Dann, wenn diese kleinen Präliminarien fertig sind, gehen wir nach London und Du stellst mich Deinen Freunden und Verwandten vor.«

Er fuhr auf. »Ein kühnes Spiel!«

»Kühn? Unsinn! Das einzige sichere Spiel. Die Leute argwöhnen gewöhnlich nichts, wenn man nicht geheimnißvoll ist. Du mußt es thun; ich habe Alles dazu vorbereitet. Die Kellner hier wissen Alle, daß ich Deine Frau bin. Es ist nicht die geringste Gefahr dabei, wenn Du nicht etwa schon verheirathet bist,« fügte sie mit schnellem, bitterem Argwohn hinzu.

»Darüber brauchst Du Dich nicht zu beunruhigen. Ich war kein solch Narr, eine andere Frau zu heirathen, während Du lebtest, – selbst wenn ich Eine gesehen, die mir gefallen hätte. Aber was ist mit Lady Ellinor? Du sagst, Du hast ihr etwas gesagt?

»Ich habe ihr geschrieben, sie möchte sich mit Mrs. John Carr, Postbüreau zu Torquay in Verbindung setzen, wenn sie etwas Vortheilhaftes hören wolle. Wenn Du widersetzlich gewesen wärest, John, so wäre das »etwas« ein Brief von mir gewesen, der ihr sagte, wer Du wirklich bist. Nun Du Dich gehorsam gezeigt hast, wird das »etwas« nur ein Bettelbrief sein, wie sie deren Hunderte erhält und sie wahrscheinlich gar nicht beantwortet. Was sagst Du dazu, Richard.«

»Du verdienst Erfolg, Sara,« sagte der alte Ränkeschmied in offener Bewunderung. Bei Zeus, das schmeckt nach an alten Tagen, wo wir Mr. und Mrs. Crofton waren.«

»Oder Mr. und Mrs. Skinner, was John?« sagte sie mit so viel Zärtlichkeit in der Stimme, als ob sie eine tugendhafte Matrone gewesen wäre, die sich ihres Honigmondes erinnert. »Das war ein unglücklicher Name, nicht wahr? Damals hättest Du auf mich hören sollen.« Und verloren in dankbarer Erinnerung an ihre vergangenen Schurkereien blieb das würdige Paar einen Augenblick in Gedanken versunken.

Rex raffte sich zuerst wieder aus. »Ich will mich von Dir leiten lassen, – aber was nun?«

»Zunächst, denn wie Du sagst, verdoppelt meine Gegenwart die Gefahr, wollen wir sehen, daß wir uns ganz still aus England zurückziehen. Wenn die Vorstellung bei Deiner Mutter vorüber und Dein Onkel Mr. Francis besorgt ist, dann wollen wir nach Hampstead gehen und dort eine Weile leben. Während der Zeit mußt Du so viel Eigenthum als möglich zu Gelde machen. Dann wollen wir während der Saison reisen und auf Reisen bleiben. Nach einem Jahr oder so auf dem Continent kannst Du an unsern Agenten schreiben, daß er mehr Eigenthum verkauft und endlich, wenn wir als permanent Abwesende angesehen werden, drei oder vier Jahre bringen das zu Wege – wollen wir Alles losschlagen und nach Amerika gehen. Dann kannst Du irgend eine Wohlthätigkeitsanstalt gründen oder eine Kirche bauen zum Andenken an den Mann, den Du entthront hast.«

John Rex brach in Lachen aus.

»Ein ausgezeichneter Plan. Ich liebe den Gedanken an die Wohlthätigkeitsanstalt, – das Devine-Hospital! Was?«

»Uebrigens, wie machtest Du denn die Einzelheiten von dieses Mannes Leben ausfindig? Er verbrannte im Hydaspes, nicht wahr?«

»Nein,« sagte Rex mit Stolz. »Er wurde im Malabar unter dem Namen Rufus Dawes transportiert. Du erinnerst Dich seiner? Es ist eine lange Geschichte. Die Vorfälle sind zur nicht so sehr zahlreich und verwickelt und wenn die alte Dame nur halb so scharf gewesen wäre, so hätte sie mich ausfindig gemacht. Aber die Thatsache ist, sie wollte den Sohn am Leben finden und nahm Alles auf Treu’ und Glauben an. Ich will Dir das ein andermal erzählen. Ich will jetzt zu Bett gehen, ich bin müde und mein Kopf thut weh, als ob er platzen wolle.«

»So ist es also gewiß? Du willst meinen Vorschlägen folgen?«

»Ja.«

Sie stand auf und klingelte.

»Was willst Du thun?« fragte er unruhig.

»Ich will nichts thun. Du sollst an Deine Leute nach London telegraphieren, daß sie das Haus in London für Deine Frau bereit halten, bis übermorgen.«

John Rex hielt ihre Hand mit ärgerlicher Geberde zurück. »Das ist Alles sehr schön,« sagte er, »aber wenn es nun mißlingt?«

»Das ist Deine Sache, John. Du brauchst nicht mit dieser Angelegenheit vorzugehen, wenn Du nicht magst. Ich möchte lieber, Du thätest es nicht.«

»Was zum Teufel soll ich denn thun?«

»Ich bin nicht so reich wie Du, aber mit meiner Station und Allem habe ich etwa Siebentausend jährlich. Komm mit mir zurück nach Australien und laß diese armen Leute sich wieder ihres Lebens freuen. Ach, John, es ist das Beste, glaube es mir. Wir können es jetzt thun, wir können ehrlich sein.«

»Ein schöner Plan!« rief er. »Eine halbe Million aufgeben und nach Australien zurückgehen! Du mußt toll sein!«

»Dann telegraphiere!«

»Aber – Liebe – —«

»Still, hier ist der Kellner.«

Als er schrieb, fühlte Rex, daß, wenn er auch ihre Neigung wieder wachgerufen hatte, sie doch ebenso herrschsüchtig war als früher.

Elftes Capitel.
Auszug aus dem Tagebuche des Ehrwürdigen James North

7. Dezember. Ich habe mich entschlossen, diesen Ort zu verlassen, um mich wieder in den Busch zu begraben, glaube ich und das Ende abzuwarten. Ich versuche zu denken, daß der Grund zu diesem Entschluß die fürchterliche Lage der Gefangenen ist, – daß, weil ich täglich empört und gekränkt bin durch Scenen der Tortur und der Schmach, ich mich entschließe, fortzugehen. Da ich mich für ganz unfähig halte, Andern zu nützen, wünsche ich, mich wenigstens zu schonen. Aber in diesem Tagebuch, in dem ich mir zugeschworen habe, die Wahrheit zu sagen und nur die Wahrheit, bin ich gezwungen zu bekennen, daß dies nicht die Gründe sind. Ich will den Grund deutlich aussprechen: »Ich begehre meines Nächsten Weib.« Es sieht sich nicht gut an, wenn es niedergeschrieben ist. Es sieht scheußlich aus. In meiner eignen Brust finde ich zahllose Entschuldigungen für meine Leidenschaft. Ich sage mir: »Mein Nächster liebt sein Weib nicht und ihr ungeliebtes Leben ist Elend. » Sie ist gezwungen, in der fürchterlichen Abgeschlossenheit dieses verdammten Eilandes zu leben und sie stirbt aus Mangel an Mitgefühl. Sie fühlt, daß ich sie verstehe und schätze, daß ich sie liebe, daß ich sie sehr glücklich machen könnte, wie sie es verdient. Ich fühle, daß ich die einzige Frau getroffen habe, welche die Macht hat, mein Herz zu rühren, mich zurückzuhalten von dem Verderben, in das ich hinein taumle, mich nützlich zu machen für meine Mitmenschen, – damit ich ein Mann sei und kein Trunkenbold.

So spreche ich zu mir selbst und müßte doch der öffentlichen Meinung trotzen und – zwei Leben glücklich machen. Ich sage zu mir, oder vielmehr meine Wünsche sagen zu mir: Was für eine Sünde ist es denn? Ehebruch? Nein, denn eine Ehe ohne Liebe ist der roheste Ehebruch. Was für ein Band bindet Mann und Frau zusammen, – jene Trauungsformel, von dem Priester ausgesprochen, welche das Gesetz erkannt hat, als gesetzliches Band? – Gewiß doch nicht allein, denn – die Ehe ist ein Uebereinkommen, ein Kontrakt gegenseitiger Treue und in jedem Kontrakt entbindet die Verletzung der Bedingungen von einer Seite die andre Partei ihrer Verpflichtungen. Mrs. Frere ist also durch ihres Mannes Handlungen ihrer Verpflichtungen entbunden. Ich kann nur so denken. Aber würde sie die Schande einer Ehescheidung oder gerichtlichen Klage ertragen? Vielleicht. Ist sie durch ihr Temperament gestählt, solch eine Last von Schmach zu dulden, wie nothwendig auf sie fallen würde? Wird sie nicht Abscheu vor dem Manne empfinden, der sie in solche Schmach gezogen? Entschädigt der Comfort, der sie umgibt, nicht für solchen Mangel an Neigung? Und so dauert der Qualen-Katechismns fort, bis ich ganz wahnsinnig bin vor Zweifel, Liebe und Verzweiflung.

Natürlich habe ich Unrecht; natürlich schmähe ich selbst meine Eigenschaft als Geistlicher, natürlich gefährde ich nach dem Glauben, den ich lehre, meine Seele und die ihre.

Aber Geistliche haben unglücklicher Weise wie alle andern Männer Herzen und Leidenschaften. Gott sei Dank habe ich noch nie diesen Wahnsinn in Worten ausgedrückt. Was für ein Schicksal ist das meine! Wenn ich in ihrer Gegenwart bin, fühle ich furchtbare Qualen; wenn ich nicht bei ihr bin, dann stattet sie meine Einbildungskraft mit all der Anmuth aus, die nicht die ihre ist, sondern auch allen Frauen meiner Träume an gehören, Helenen, Julien, Rosalinden. Wir sind Narren unsrer eignen Sinne. Wenn ich an sie denke, erröthe ich; wenn ich ihren Namen höre, klopft mein Herz und ich erbleiche, Liebe! – Was ist die Liebe von zwei reinen Seelen, die sich des Paradieses kaum bewußt sind, in das sie eingetreten, gegen diese wahnsinnige Leidenschaft? Ich kann das Gift von Circe’s Becher verstehen; es ist die süße Qual der verbotenen Liebe gleich der meinen. Fort mit dem groben Materialismus, in dem ich mich so lange geschult habe. Ich, der ich lachte über die Leidenschaft, als den Ausbruch des Temperaments und zu bequemen Lebens. Ich, der ich in meinem Sinne glaubte, alle Tiefen und Untiefen des menschlichen Gefühls zu ergründen, ich, der ich meine eigne Seele untersuchte, er ich spottete über mein Sehnen nach Unsterblichkeit, – ich bin gezwungen, die sinnlose Macht meines Glaubens zu vergöttlichen und an Gott zu glauben, damit ich zu ihm beten kann. Ich weiß, warum die Menschen die kalte Unpersönlichkeit verwerfen, die, wie die Vernunft uns sagt, die Welt regiert, – weil sie lieben. Zu sterben und nichts mehr zu sein, zu sterben und in Staub verwandelt, über die Erde geweht werden, – zu sterben und unsre Liebe hilflos und verloren zurücklassen, bis die lichte Seele, welche der Unsern zulächelte, in die Erde gelegt wird, von der sie gemacht wurde. Nein! Liebe ist unsterblich! Gott, ich glaube an dich! Hilf mir! Habe Erbarmen mit mir! Sündiger Elender, der ich bin, da ich dich verleugnet habe. Sieh mich auf meinen Knien vor dir! Habe Erbarmen oder laß mich sterben!

9. Dezember. Ich habe die zwei verurteilten Gefangenen Dawes und Bland besucht und mit ihnen gebetet. O Herr, aß mich eine Seele retten, die bei dir für mich bieten kann. Laß mich ein lebendes Wesen aus diesem Höllenschlunde retten! Ich weine und ermüde dich mit meinen Thränen, o Herr! Sieh auf mich hernieder. gib mir ein Zeichen! Du tatest es in alten Zeiten. Männern, die nicht so warm in ihren Gebeten waren, wie ich. So sagt dein Buch! Dein Buch – an das ich glaube – ja glaube! gib mir ein Zeichen! ein kleines Zeichen! O Lord! Ich will sie nicht sehen. Ich habe es geschworen. Du kennst meinen Kummer, meine Todesangst, meine Verzweiflung. Ist das nicht ein Opfer? Ich bin so einsam, – ein einsamer Mann und ha e nur ein einziges Wesen, das ich liebe. Aber was ist dir die sterbliche Liebe! Du Grausamer, Unerbittlicher! Du sitzest in dem Himmel, den die Menschen dir auf gebaut und verachtest sie! Wird nicht das Brennen und Schlachten der Heiligen dir genügen? Bist du nicht von Blut und Thränen gesättigt, o du Gott der Rache, des Zorn es und der Verzweiflung? Barmherziger Christ, erbarme dich mein! Du wirst es thun, denn du warst ein Mensch! Geheiligter Heiland, zu dessen Füßen Magdalena kniete! Göttlichkeit, die du am göttlichsten warst in deiner Verzweiflung, als du nach einem grausamen Gotte riefst, um dich zu retten – bei dem Andenken an den Augenblick, als du dich selbst verlassen wähntest, – verlasse du mich nicht! Süßer Chris habe Erbarmen mit deinem sündigen Diener!

Ich kann nicht mehr schreiben. Ich will zu dir mit meinen Lippen beten. Ich will mein Flehen zu Dir schicken. Ich will dich so laut anrufen, daß die Welt mich hören soll und sich über dein Schweigen wundern – du unbarmherziger und ungnädiger Gott!

14. Dezember. Was für Lästerungen habe ich in meiner Verzweiflung ausgestoßen? Schrecklicher Wahnsinn, der mich so fühllos gemacht hat, zu welcher Tiefe der Verzweiflung hast du mich gebracht? Wie jener in alter Zeiten, der unter den Gräbern wanderte, schreiend und sich zerreißend, bin ich von einem Teufel besessen gewesen. Eine Woche lang habe ich nichts gefühlt, als Qualen. Ich bin an meine täglichen Geschäfte gegangen, wie Einer, der im Traume die gewohnte Tagesarbeit macht und es nicht weiß. Die Menschen haben mich so sonderbar angesehen. Sie sehen mich immer so sonderbar an. Kann es sein, daß meine Krankheit der Trunkenheit – eine andere – eine Geisteskrankheit geworden ist? O Herr, der du meine Todesangst kennst, laß mir meinen Verstand, – laß mich nicht ein Schauspiel werden, daß man mit Fingern auf mich zeige oder mich bemitleide. Wenigstens verschone mich noch eine kurze Zeit. Laß nicht meine Strafe mich hier treffen. Laß ihre Erinnerung an mich beschattet sein von einem Gedanken an meine Rauhheit oder meine Brutalität; laß mich ihr erscheinen als ein undankbarer Schuft, als der ich mich gezeigt habe, – aber daß sie mich nie – so sehe!

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
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