Kitabı oku: «Eberhard Arnold», sayfa 5

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Innerer Bruch mit der Landeskirche

Dass eine Ablehnung der Kindertaufe zwangsläufig auch den Bruch mit der evangelischen Landeskirche bedeuten würde, sah Eberhard Arnold schon am 17. Juli deutlich voraus. Er machte sich die Entscheidung deshalb doppelt schwer: „Ich habe viel von der Kirche gehabt.“ Mit der Haltung zur Taufe klärte sich auch sein Verhältnis zur Kirche, wiederum Schritt für Schritt:

„Es ist doch eine herrliche Gelegenheit, in so einer Kirche zu reden, und noch mehr, es jeden Sonntag zu tun. Hier kann doch eine sehr gründliche Arbeit getan werden“ (28. Juli).

„Die Taufe nicht glaubender Säuglinge ist mir als nicht aus dem Heiligen Geist stammend entlarvt“ (4. September).

„Jesus wollte nie unbekehrte Massen getauft und formal christianisiert haben. Die historische Entstehung der Massenkirche bestätigt ihren Ursprung als nicht vom Heiligen Geist, der nur in wiedergeborenen Menschen wohnt“ (9. September).

Schließlich sah er gar im „Lügensystem“ der Landeskirche „den tückischsten Feind apostolischen Christentums“7. Wohlgemerkt – sein Argwohn galt der Institution, dem menschengemachten Gebäude, nicht generell den Vertretern und Angehörigen der Kirche: „Natürlich verkenne ich nicht die Ehrlichkeit und gesegnete Gotteskindschaft mancher Kirchenmänner ...“ Deshalb auch: „Ich würde gern den Austritt aus der Kirche vermeiden (...). Aber sooft ich mein Gewissen und die Schrift frage, lässt mir meine Erkenntnis keinen anderen Ausweg“ (13. September). Für einen Moment liebäugelte er mit dem Gedanken, einer Baptistengemeinde beizutreten, „da ihr Bekenntnis, weniger ihr Leben, sehr meinem Ideal entspricht“. Wenige Tage später nahm er davon schon wieder Abstand. Warum? Emmy hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass die Baptistengemeinden die Glaubenstaufe kategorisch bei jedem Mitglied forderten. Dadurch wurden sie in seinen Augen zur „Sonderpartei“. Seine Meinung: „Wir wollen nur eins betonen in Zeit und Ewigkeit: Jesus Christus! Jesus allein! Er als Herr und Gott in alle Konsequenzen hinein. Dazu gehört die Taufe, beim einzelnen aber nur bei entsprechender Erkenntnis.“

Irritierte Eltern

In diesem Sinn schrieb er am 16. September „An die Eltern von Hollander: (...) Die Tauffrage ist auch bei mir akut geworden. (...) Gegen meine frühere Meinung habe ich die wissenschaftliche Überzeugung erlangt, dass das Urchristentum und Neue Testament nur die Taufe der Gläubiggewordenen kennt. Im Zusammenhang damit ist mir die systematische Unwahrhaftigkeit unserer großen Volkskirchen (...) so zwingend zu Bewusstsein gekommen, dass ich die Landeskirche verlassen muss. Mein Ideal ist (...) der Zusammenschluss aller wahren Christen zu dem ausschließlichen Zweck des Glaubensgehorsams gegen Jesus. Ich schließe mich daher keiner Denomination an und bleibe mit den vielen aufrichtigen und wahrhaft christlichen Persönlichkeiten in der Landeskirche wie in allen Freikirchen aufs engste verbunden.“ Er bat „um Nachsicht mit Emmy und mir, die wir wirklich nur schweren Herzens die Tradition durchbrechen, weil wir es müssen“. Ähnlich, allerdings knapper und schlichter, schrieb Emmy von Hollander nach Hause.

Die Antwort der Eltern fiel „sehr lieb, aber schroff entschieden“ aus. Johann Heinrich von Hollander erkannte die Gewissensbindung seiner Tochter und seines Schwiegersohnes grundsätzlich an, verband dieses Zugeständnis aber mit Auflagen. Wie schon von Emmys Schwester Else verlangte er auch von ihr selbst ein Jahr Warte- und Bedenkzeit bis zur Taufe. Härter noch: er forderte, sie müsse ihr Urteil ganz selbstständig bilden und dürfe deshalb in diesem einen Jahr nicht mit ihrem Verlobten zusammenkommen. Die Korrespondenz müsse auf je zwei Briefe wöchentlich eingeschränkt werden. – Von Eberhard Arnold verlangte er außerdem das erste theologische Examen, bevor die Verlobung öffentlich publik werden dürfe.

Elisabeth Arnold nahm die Ankündigung ihres Sohnes anfangs nicht sonderlich ernst. Carl Franklin Arnold war überhaupt erst nach einigen Tagen länger zu sprechen und war dann „über alles Erwarten lieb und geduldig“, als ihm Eberhard Entschluss und Beweggründe eröffnete. Seine Bedenken betrafen vor allem das Studium: er hielt es für ausgeschlossen, dass sein Sohn als „Wiedertäufer“ zum Examen zugelassen würde.

Bei den Hollanders fühlte sich Eberhard Arnold mit der Zusage des Abschlusses im Wort. Die Einwände seines Vaters interpretierte er so, dass ihm das 1. Theologische Examen nicht verwehrt werden konnte, solange er nicht aus der Landeskirche austrat oder die Gläubigentaufe an sich vollziehen ließ. Er fand sich rasch damit ab, Taufe und Kirchenaustritt auf die Zeit nach dem Examen zu verschieben. Emmy wollte hinsichtlich des Zeitpunktes ihrer Taufe kein Versprechen abgeben. Hinsichtlich des eingeschränkten Briefwechsels willigten beide ein, für den Augenblick jedenfalls. Sie vermieden es, sich dem einjährigen Besuchsverbot ausdrücklich zu unterwerfen, wollten aber auch nicht direkt dagegen verstoßen. Immer unter dem Vorbehalt, dass „Gott es nicht deutlich anders zeigen würde.“

Trennung

„Der Weg des völligen Glaubensgehorsams muss auch für die Unsern das Beste sein, was wir ihnen geben können. Wir wollen umso mehr beten für die Unsern und liebevoller als je sein“, hatte Eberhard Arnold an Emmy von Hollander vor Ausbruch des Konflikts geschrieben. Wie schwer es beiden fallen würde, die Liebe zu den verständnislosen Eltern zu bewahren, sollte sich rasch herausstellen.

Emmy verbrachte das zweite Halbjahr 1907 überwiegend in einem Pfarrhaushalt in Brumby. Das Verhältnis zu den Pfarrleuten war gut, aber nicht besonders herzlich. Man gewährte ihr (und sie gewährte sich) kaum eine Stunde Pause. Ihre natürlich übersprudelnde Frömmigkeit war der Pfarrfrau manchmal peinlich; sie hatte das Gefühl, sich verstellen zu müssen. Dazu kam nun das unvermeidliche Rätseln, manchmal auch ansatzweise Empörung über die Haltung der Eltern, insbesondere des Vaters: Eberhard Arnold stellte bald fest, dass sein sonst so fröhliches „Amselchen“ nicht mehr singen konnte.

Ihm ging es im Grunde auch nicht viel besser: die Sehnsucht wuchs ins Unerträgliche. Mehrmals musste er in Briefen gestehen, dass er drauf und dran war, sich in den nächsten Zug zu setzen; mehrmals spielte er in Gedanken Treffpunkte und -Termine durch, um sich und ihr solche Überlegungen sofort wieder zu verbieten: „Für unser Wiedersehen habe ich die freudigsten Hoffnungen. – Am 17. oder 24. kannst Du doch unmöglich nach Charlottenburg? Ich rede Dir gar nicht zu. Nach meiner Meinung solltest Du ein Jahr warten (...). Aber lass meine Meinung bitte in solchen Gewissensfragen nicht zu viel gelten ...“ Kommt dazu, dass er die Verfügung der Schwiegereltern vor seiner Familie verheimlicht hatte. Folge: schon bei harmlosen Neckereien der nichtsahnenden Mutter oder der Geschwister verlor er die Fassung, Türen knallten – „ich sehe furchtbar finster aus, wenn ich böse bin. Ich war glücklich, als Jesus und alle mir vergeben hatten“. Kurzum: beide empfanden die Trennung als kaum erträgliche, sinnlose Folter. Die Eltern von Hollander waren aber auch nicht völlig herzlos und litten selbst unter der Entfremdung. Spätestens seit Mitte November hatten die Brautleute Grund, auf ein Wiedersehen zu Weihnachten zu hoffen. Die Zeit bis dahin war noch lang genug. Der Breslauer Hauptbahnhof sah jedenfalls am 22. Dezember 1907 nachmittags – „Ankunft 1.45“ – zwei überaus glückliche Menschen, die sich viel zu sagen hatten. Von da an war der Bann gebrochen; die beiden trafen sich der Entfernung wegen selten genug, aber mit befreitem Gewissen. Die überstandenen „Kränkungen, Verletzungen und Taktlosigkeiten, Anfeindungen usw.“ verstanden sie im Nachhinein als „Stäubchen in der Sonne (...) – Unser Licht kann keiner absperren, weil es Oberlicht ist.“

Prinzipienstreit im DCSV-Vorstand

Die zwangsweise Trennung war nicht der einzige Schatten, der sich über das zweite Halbjahr 1907 legte. Ungemach bahnte sich auch im DCSV-Vorstand an. „Es ist eine starke Strömung gegen von Gerdtell, Oestreicher, Still und mich im Entstehen wegen unserer Entschiedenheit“, schrieb Eberhard Arnold Ende Juli an Emmy. Der Anlass: Ludwig von Gerdtell war am Rande der Weltbund-Konferenz der christlichen Studentenbünde in Japan mit DCSV-Sekretär Theophil Mann aneinandergeraten. Mann hatte bezweifelt, dass der 2. Petrusbrief zu Recht dem Neuen Testament zugerechnet wird. Von Gerdtell witterte Verrat an der sogenannten „Basis“ der DCSV und wollte mit Hilfe seiner Freunde im Vorstand eine Erklärung einbringen, die jedes Vorstandsmitglied auf die Anerkennung der ganzen Heiligen Schrift ohne Wenn und Aber verpflichten sollte. – Die alljährliche Studentenkonferenz in Wernigerode verlief noch harmonisch und ermutigend. In der abschließenden Vorstandssitzung allerdings wurde die bewusste Erklärung mit einer Stimme Mehrheit verworfen. Am Rand der Blankenburger Allianzkonferenz Ende August kamen Eberhard Arnold und von Gerdtell überein, beim nächsten Vorstandstreffen die Sache noch einmal ultimativ zur Sprache zu bringen. Eberhard Arnold setzte eine Protesterklärung auf, dass „von einigen Vorstandsmitgliedern die absolute Autorität der Schrift angetastet worden“ sei. „Wenn die Schrift nicht ist, was zwischen den beiden Deckeln steht, wenn der 2. Petrusbrief von einem Betrüger verfasst sein kann, wenn der Kritik von uns keine bestimmten Schranken gesetzt werden, so führt unser dann bloß noch formales Festhalten an der Basis zu einer Unaufrichtigkeit und Heuchelei, die den Geist Gottes von unserer Arbeit fortscheuchen muss.“


„Haus Gnadenfülle“, Allianzkonferenz Bad Blankenburg, Eberhard Arnold in der Bildmitte, Emmy sitzend, 1911

Dieses Papier trägt deutlich die Handschrift Eberhard Arnolds. Der Plan, widrigenfalls eine Art Gegenvorstand auszurufen und dem alten Vorstand das Vertretungsrecht abzusprechen, klingt indessen sehr nach der Streitlust von Gerdtells. Eberhard Arnold klagte denn auch, „dass die Brüder mich durchaus zum Vorsitzenden haben wollen, an Pücklers Stelle. Das bringt mich in große innere Schwierigkeiten“. Emmy hat das abenteuerliche Vorhaben mit keiner Silbe kommentiert. – Die Palastrevolution fand dann doch nicht statt. Was passierte tatsächlich in der entscheidenden Sitzung des nationalen DCSV-Vorstandes am 23. Oktober? Zwar wurde die Protesterklärung behandelt, aber nur abgeschwächt angenommen. Ludwig von Gerdtell nutzte die Gelegenheit zu einem Abgang mit viel Donner und wenig Applaus, indem er alle andersdenkenden Vorstandsmitglieder für Heuchler erklärte, ihnen die Bruderschaft und der DCSV die Zusammenarbeit aufkündigte. Eberhard Arnold dagegen beklagte zwar die „Inkonsequenz, die zur Heuchelei führt“, betrachtete aber alle Vorständler „weiter als Brüder“. Aus dem nationalen DCSV-Vorstand zog er sich zurück; der DCSV blieb er trotzdem engstens verbunden. – An einem Nachhutgefecht im Gemeinschaftsblatt „Auf der Warte“ zwischen Ludwig von Gerdtell und Graf Pückler beteiligte sich Eberhard Arnold nicht.

Anfänge der Pfingstbewegung

Parallel zu DCSV-Konflikt, Tauf- und Kirchenfrage taucht in den Brautbriefen zwischen Emmy von Hollander und Eberhard Arnold immer wieder die Frage nach Dauer und Zukunft der Erweckung auf, die in Halle und vielen anderen Städten und Landstrichen dieser Zeit zu spüren war. Eberhard Arnold glaubte, „eine immer reiner werdende Rückkehr zum Urchristentum“ feststellen zu können: „Unsere Erweckung trägt den Stempel der Endzeit, der herrlichen Erwartung Seiner Ankunft (…) – Noch ist viel zu tun. Viel Gebundenheit, viel Unklarheit zu überwinden, die alleinige Autorität des Wortes im Geist durchzufechten und die Sünde als tot hinauszutun.“ Da kann es nicht erstaunen, dass er hellhörig war für Nachrichten über besonders auffällige Ereignisse in der Christenheit. In einem der ersten Briefe an Emmy, am 4. April 1907, gab er stichwortartig den Inhalt eines Berichts des Zeltevangelisten und Pastors Jonathan Paul wieder über seltsame Vorgänge bei einer Erweckung in Frederiksand bei Christiana (Oslo), „in der viele zur völligen Hingabe an Jesus gekommen sind und der Geist mit einer Kraft herniedergekommen ist wie an Pfingsten in der Apostelgeschichte, sodass auch dort heute Leute mit fremden Sprachen reden …“ Er war begeistert, „wie ruhig, nüchtern und doch wunderbar der Geist Gottes in unseren Tagen wirkt!“ Ein Vierteljahr später berichtete Emmy von Hollander über „vier Geschwister aus Norwegen“, die nach eigener Aussage vom Heiligen Geist nach Halle geschickt worden seien und sich ohne Vorankündigung bei einer Gemeinschaftsschwester einquartiert hätten, „vielleicht acht Tage, vielleicht ein Jahr, je nachdem der Geist es ihnen zeigt“. Sie war befremdet über die ungeordnete, unverständliche Art des Betens, aber auch bereit, die Sache gründlich zu prüfen. Nach der zweiten Begegnung schrieb sie: „Das Kreuz ist nicht der Mittelpunkt, weder gestern noch heute, sondern das Erfülltsein mit dem Geist, welches sie (so kommt es mir vor) erzwingen wollen.“ Eberhard Arnolds trockener Kommentar dazu: „Geistespredigt ohne Christusverkündigung ist die gefährlichste Schwärmerei. Der Geist ist nur dazu da, dass er Christus verherrlicht und von Ihm und Seinen Worten zeugt.“ Nach einer dritten Versammlung mit den Norwegern glaubte Emmy, die Bewegung sei womöglich doch göttlich. – Das Thema war in der Folge Gesprächsgegenstand am Rand der Blankenburger Allianzkonferenz und bei allen möglichen Gelegenheiten. Den positiven Bericht eines „äußerst nüchternen DCSV-Kollegen“ über die „Großalmerodener (Pfingst)-Bewegung“ schickte Eberhard Arnold ohne weiteren Kommentar an Emmy. Er legte großen Wert auf ihre Einschätzung, und die fiel zunächst vorsichtig positiv aus.

Als dann erkennbar wurde, dass die Pfingstbewegung mehr noch als die Tauffrage Unruhe und Streit in die Allianzbewegung brachte, hielt er es mit den leitenden Männern der Blankenburger Allianzbewegung: Ernst Modersohn, General von Viebahn, Bernhard Kühn und andere richteten am 19. Dezember 1907 in einer Erklärung des „Allianzblattes“ ein Haltesignal auf. Zungenrede, Weissagung und andere neutestamentliche Geistesgaben sollten auf den Blankenburger Konferenzen nicht geübt werden – um der Einheit willen.

Es ist nicht bekannt, dass Eberhard Arnold später engere Fühlung mit pfingstkirchlichen Gemeinden oder Gemeinschaften gehabt hätte. Es gibt freilich auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er die Pfingstbewegung pauschal verurteilt oder absichtlich gemieden hätte. Wie hätte er auch seine deutliche Prägung durch Torrey und Finney verleugnen können? In seinem Leben sind mit den Jahren eine ganze Reihe von Charismen wirksam geworden: Urteilskraft, prophetischer Weitblick, tätige Liebe.

CVJM und CVJF

Die ersten Monate des Jahres 1908 verlebten Eberhard Arnold und Emmy von Hollander verhältnismäßig einträchtig mit ihren Familien, er in Breslau, sie in Halle. Was ihm an freier Zeit neben dem Studium der Kirchen- und Philosophiegeschichte blieb, davon investierte er nur wenig und ungern in die DCSV und ebenfalls wenig, aber dafür mit großer innerer Anteilnahme in Dienste bei der Breslauer Heilsarmee. Sonntagnachmittags betreute er regelmäßig eine Gruppe von anfangs etwa 30 jungen Männern in Brockau. Der Breslauer CVJM hatte ihm die Verantwortung für diese Arbeit übertragen. Einige der jungen Leute entschlossen sich, in die Nachfolge Jesu zu treten. Im Mai gab Eberhard Arnold die Gruppe an andere Mitarbeiter ab. Eine regelrechte Mitgliedschaft im CVJM hat Eberhard Arnold für sich ausgeschlossen, „da ich einige Tatsachen der Verfassung und der Rednerbenutzung niemals mitverantworten könnte.“

Derweilen engagierte sich Emmy in der „Jungfrauenvereinigung“ der Stadtmission in Halle, die dem „Christlichen Verein Junger Frauen“ CVJF angeschlossen war. Das ging nicht ohne Schwierigkeiten ab. Einzelne aus den Reihen der „taufgesinnten“ Gemeinschaftsleute an der Alten Promenade zweifelten offen an der „Entschiedenheit“ der Stadtmissionsleute und fürchteten, Emmy könnte Mädchen aus der einen in die andere Arbeit abwerben. Umgekehrt geriet sie bei der Stadtmission bald in die Kritik, weil sie ihre Taufüberzeugung nicht verleugnete. So blieb das Thema CVJM sowohl für Emmy von Hollander als auch für Eberhard Arnold nur ein Zwischenspiel. Gleichwohl haben beide auch in späteren Jahren enge und freundschaftliche Kontakte zur CVJM-Bewegung gepflegt.

Pläne

Über den vielschichtigen Ereignissen, Fragen und Verpflichtungen kann man leicht aus den Augen verlieren, dass Eberhard Arnold eigentlich noch Student war. Durch seine neugewonnene Taufüberzeugung sah er sich erst recht genötigt, das Studium mit Hochdruck voranzutreiben. Welchen Beruf er nach dem Examen ergreifen, was für eine Stellung er anstreben sollte, darüber machte nicht nur er selbst sich Gedanken:

– Bei der DCSV-Konferenz in Wernigerode hörte er fasziniert die Berichte der Ostasienfahrer aus dem Vorstand über Mission in China und überlegte: „Kann ich hinausgehen? – Wenn ich kann, so will ich.“

– Theophil Mann und andere fragten ihn, wann er für den Posten als DCSV-Sekretär frei sei.

– General von Viebahn redete ihm bei gleicher Gelegenheit zu, „zunächst der Studentenarbeit treu zu bleiben.“

– Am 6. September erwog er, „wenn Gott im Examen (Dr. theol oder phil) hilft, schon im nächsten Herbst von Gerdtells Bitte zur Mitarbeit“ zu folgen.

– Von Gerdtell drängte ihn in den folgenden Monaten wiederholt, sich dem baptistischen Missionskomitee anzuschließen.

– Im Januar 1908 erklärte er, sich bei der China-Allianzmission bewerben zu wollen, „sobald mich keine bestimmte Führung Gottes in Deutschland bindet.“

– Baron von Tiele-Winckler, ein gläubiger Millionär, Vorstandsmitglied des Blankenburger Allianzkomitees, bot ihm eine Hauslehrerstelle an „für freie Station und 1200 M. pro Jahr, freie Zeit zur Examenarbeit gern gewährt“. Aus Zeitmangel musste er abwinken.

– Der Baron beriet daraufhin mit Graf von der Recke-Volmarstein, ob man eine Stelle im CVJM oder im Weißen Kreuz schaffen könne. „Nicht Gottes Weg“, vermerkte Eberhard Arnold gegenüber Emmy.

– Ende März fragte der angehende Mediziner und Baptist Gotthelf Müller aus Leipzig „im Namen einiger Brüder“, ob er nicht die dringend nötige Nacharbeit zu von Gerdtells Vortragstätigkeit übernehmen könne. Das konnte sich Eberhard Arnold schon eher vorstellen.

– Die Hallenser DCSV überlegte seit Anfang Juli 1908 ernsthaft, Eberhard Arnold als „Lokalsekretär“ anzustellen. Das hätte alleine für den Lebensunterhalt nicht ausgereicht, aber zusammen mit einer weiteren Teilstelle im „Müllerschen Komitee“ schien es ihm denkbar, sofern er allein dem Hallenser Kreis und nicht dem nationalen DCSV-Vorstand verantwortlich sein würde.

– Sogar seine Eltern wollten seiner „Berufswahl als freier Gemeinschafts- oder Studentenarbeiter nicht in den Weg treten, sondern nur der Taufe“ (15.03.08).

All diese Überlegungen traten in den Hintergrund durch eine Wendung der Ereignisse, die sowohl Eberhard Arnold als auch Emmy von Hollander zu diesem Zeitpunkt wohl schon ausgeschlossen hatten.

Examen verweigert

Bis Anfang August 1908 rechnete jeder damit, dass Eberhard Arnold im Herbst das erste theologische Examen ablegen würde. Im März 1908 hatte er sich zum Examen angemeldet; am 6. April jubelte er über die Zulassung und das ihm zugewiesene Examensthema: „Die Abhandlung ist ganz großartig, eins der angenehmsten Themen, die ich hätte bekommen können (…). – Auch die Predigt hat einen schönen Text für jemand, der wie ich für die Aussaat im Reich Gottes leben will.“ Die Eltern überzeugte er, dass er die Examensarbeit nur auf dem Land ungestört und konzentriert vorantreiben könne. Ende Mai quartierte er sich in Bebra, „Haus Elim“, bei einer Familie Wiegand ein; es handelte sich um die Schwiegereltern seines früheren DCSV-Vorstandskollegen Albert Still. Die Umgebung tat ihm gut („Ich fühle mich wie erneuert in dieser vom Geist Gottes getragenen Atmosphäre“). Obendrein lebte Emmy gerade wieder in Halle bei den Eltern und war damit „viel, viel näher gerückt“. Die schriftliche Examensarbeit hatte er Mitte Juli abgeschlossen und bei der theologischen Fakultät der Universität Breslau eingereicht.

Komplikationen kamen von unerwarteter Seite. Anfang August erwähnte Clara Arnold bei einem Besuch des Breslauer Oberkonsistorialrates Genrich beiläufig die Taufabsichten ihres Bruders. Carl Franklin Arnold äußerte die Überzeugung, dass diese Taufe nie stattfinden werde. Genrich ließ erkennen, dass er – entgegen seiner Amtspflicht – von diesem Wissen keinen Gebrauch machen werde, denn die Zulassung zum Examen setze die Bereitschaft zum Eintritt in den kirchlichen Dienst voraus. Wie Eberhard Arnold in Bebra überhaupt von diesem Gespräch erfahren hat, ist nicht mehr auszumachen – er hat jedenfalls von dem Vorgang gehört. „Die Folge davon war, dass ich um der Wahrhaftigkeit willen meiner Eingabe an das Consistorium beifügen muss, dass ich nach dem Examen mit meiner Glaubenstaufe aus der Kirche austreten würde“, berichtet er am 8. August an seine Verlobte, und zwei Wochen später: „Mein Zusatz über die Taufe war eine Forderung der Offenheit (…). Es wäre Heuchelei und feiges Verstecken gewesen, wenn ich unter solchen Umständen geschwiegen hätte. Ich kann dem Herrn nicht genug danken, dass er mich vor solchem ungraden Handeln bewahrt hat.“

Über die Folgen dieses Schritts war er sich sehr wohl klar. „Am korrektesten wäre behördlich meine Zurückweisung“, schrieb er am 21. August. Er reiste nach Breslau, um die Sache im direkten Gespräch mit dem Konsistorium zu klären. Am 12. September war es für ihn so gut wie sicher, am 22. September hatte der Generalsuperintendent der schlesischen Landeskirche es ihm mündlich bestätigt, am 2. Oktober war es amtlich: Die schlesische evangelische Landeskirche verweigerte Eberhard Arnold die Zulassung zum theologischen Examen.

War Eberhard Arnold „in Irrtum, Unrecht und Ruin“; hat er sich leichtsinnig und ohne Not sein „Examen und eine vernünftige Existenz unmöglich gemacht“, wie die Eltern in der ersten Aufregung meinten? Hätte er fünf gerade sein lassen sollen? „Ich hasse alles Anschmiegen und alle Diplomatie“, war einer seiner erklärten Grundsätze. Wie hätte er unbedingtes Gottvertrauen und Wahrhaftigkeit ohne Kompromisse predigen können, wenn er sich auf Schleichwege eingelassen oder aufs Taktieren verlegt hätte?

Emmy von Hollander, in diesen aufregenden Wochen zur Kur auf der Nordseeinsel Langeoog, hat seine Haltung stets entschieden unterstützt, auch um den Preis des Bruchs mit ihren eigenen Eltern. Inmitten der größten Turbulenzen begingen die beiden am 29. September 1908 über mehrere 100 Kilometer Entfernung ihre eineinhalbjährige Verlobung:

„Völliges Glück!

Völliger Ernst!

Völlige Liebe!

Völliges Vertrauen!“

7 Eberhard Arnold war mit solchen Schlüssen nicht allein; etwa zur selben Zeit fühlte sich sein DCSV-Mistreiter Franz Spemann genötigt, „den Talar auszuziehen“, weil er in der „Kirche eine Umkehrung des Christentums“ zu erkennen glaubte.

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