Kitabı oku: «Erinnerungen an Andrew Taylor Still», sayfa 7
BOOTH: GESCHICHTE DER OSTEOPATHIE – ANDREW TAYLOR STILL
Autor: Elmar R. Booth
Originaltitel: History of Osteopathy, and Twentieth-Century Medical Practice. Caxton Press, Cinncinati, Oh, USA. (1924)
ÜBER DEN AUTOR
Booth gilt als der erste große Historiker der Osteopathie. Er erwarb einen Ph. D. am Wooster College und unterrichtete an der Washington University in St. Louis, Missouri. Er graduierte 1900 an Stills ASO und wurde später Inspektor der AOA. Auf seine Empfehlung hin wurde die Ausbildung von 20 auf 27 Monate verlängert. Für Historiker von unschätzbaren Wert ist sein Monumentalwerk History of Osteopathy and 20th Century Medical Practice, in dem er einen umfassenden Einblick in die Gründerzeit der Osteopathie in den Vereinigten Staaten gibt. Neben den Originalschriften von Still, zählen die Beschreibungen von Booth und Ernest Tucker zu den wichtigsten Quellen bei der Erforschung des Charakters Stills.
TEIL 1
Booth (1924), S. 1-43.
„Die Gabe des Erfolgs ist nichts anderes, als dass man das, was man machen kann, gut macht und dass man gut macht, was immer man macht, ohne einen Gedanken an Ruhm.“ – Longfellow
Die Geschichte der Osteopathie ist untrennbar verbunden mit dem Leben von Dr. Andrew Taylor Still. Die Osteopathie entstand im fruchtbaren Gehirn dieses Mannes, sie wurde durch seine sorgfältige Urteilskraft weiterentwickelt, durch seine entschlossenen Absichten wuchs ihr Ansehen und durch seine Klugheit wurde sie auf feste Grundlagen gestellt. Alles, was zum Fortschritt der Osteopathie beitrug, lässt sich im Wesen ihres Begründers vorfinden. Und vieles davon, was Dr. Still zu ebendem machte, was er war und immer noch ist, ist das Ergebnis von Bedingungen seines Lebens.
Kein Kunstgriff kann aus einem Mann machen, womit ihn die Natur nicht ausgestattet hat. Doch die natürlichen und künstlichen Rahmenbedingungen eines jungen Mannes bestimmen häufig die besondere Richtung seines Lebens. Dies trifft insbesondere für die Hauptperson dieses Kapitels zu. Dr. Oliver Wendell Holmes sagte einmal, mit der Erziehung eines Kindes sollte man am besten schon bei seinen Großeltern anfangen. Daher besteht die einzige Möglichkeit, diesen Mann wirklich kennenzulernen, darin, seine Vorfahren kennenzulernen.
DR. A. T. STILLS VORFAHREN VÄTERLICHERSEITS
Dr. Stills Urgroßvater auf väterlicher Seite kam nach Buncombe County, North Carolina. Woher, ist nicht sicher, aber eine Quelle spricht dafür, dass er und seine fünf Brüder aus England kamen.
Dr. Stills Großvater, Boaz Still, wurde in North Carolina geboren. Er war einer von acht Brüdern und es hieß, er sei der „Schwächling“ in seiner Familie gewesen, bei einem Gewicht von etwa neunzig Kilogramm. Er heiratete Mary Lyda, eine Holländerin. Sie war eine gute Frontier-Bewohnerin und dafür bekannt, mit ihrem Gewehr die wildesten Tiere erlegt zu haben. Zusammen zogen sie eine Familie mit fünfzehn Kindern auf, acht Töchter und sieben Söhne, von denen fünf Ärzte wurden.
Einer dieser Söhne, Dr. Abram Still, war der Vater von Dr. A. T. Still. Er wurde in Buncombe County, North Carolina, etwa im Jahr 1797 geboren. Die Familie zog nach Tennessee, wo Abram Still zum Prediger innerhalb der Holston Conference der Methodist Episcopal Church ordiniert und als Wanderprediger nach Tazewell County im Südwesten Virginias entsandt wurde. Dort heiratete er Martha P. Moore, die Tochter des dritten James Moore, der weiter unten erwähnt wird. Dort wurde auch am 15. Januar 1824 Dr. E. C. Still, der älteste Bruder von Andrew, geboren. Bald zogen sie um nach Lee County, Virginia, wo dann James M., Andrew T., Thomas C. und Jane geboren wurden. Anschließend gingen sie weiter nach New Market, Jefferson County in Tennessee, wo John W. auf die Welt kam. Thomas C. Still sagt, dass sein Vater einmal als Arzt für die Familie von Parson Brownlow1 in Knoxville, Tennessee gearbeitet habe. Kein Wunder, dass er ein glühender Abolitionist wurde. Alle seine Söhne waren Ärzte und strikte Gegner der Sklaverei. Die Geschichte der Familie setzte sich folgendermaßen fort, wie es dem Autor von Dr. E. C. Still in dessen Haus in Macon, Missouri, am 29. November 1904 berichtet wurde:
„Dann ließ sich mein Vater, der in eine andere Gegend kommen wollte, wo er Land günstig erwerben konnte, von der Holston Conference der Methodist Episcopal Church zur Missouri Conference derselben versetzen. Sie zogen weg und als sie in Macon County, Missouri, in der Nähe von Bloomington landeten, am 2. Mai 1837, erwarb er sogleich ein Stück Land, und an diesem Ort wurde Mary M. Still geboren. Nachdem sie dort für drei Jahre geblieben waren, erwarb er ein anderes Grundstück in Schuyler County. Sie zogen dorthin um, nahmen es in Besitz und dort wurde meine Schwester Marovia M. Still geboren. Dort blieben wir für fünf oder sechs Jahre, ehe wir etwa im Jahr 1845 wieder an denselben Ort in Macon County zurückkehrten, wo schließlich meine jüngste Schwester, Cassander, auf die Welt kam. In der Gegend von Macon County verblieben wir einige Jahre; in dieser Zeit kam es zur Teilung der methodistischen Kirche. Mein Vater blieb bei der alten, bei der Methodist Episcopal Church, was ihn im politischen Sinne unbeliebt machte. Er war zu dieser Zeit, was man einen Freesoiler2 nannte, und weil das lebensgefährlich war, bat er die Methodist Conference um einen Posten, wo er in geringerer Gefahr wäre. So wurde er um 1852 ins Kansas-Territorium zur Shawnee-Mission geschickt, zu denselben Indianern also, die die Moore-Familie massakriert hatten; sie waren durch die US-Regierung umgesiedelt worden. Er fand dort unter den Indianern dieselben Namen vor wie im Osten, und einige erinnerten an die Überlieferung vom tragischen Tod meiner Urgroßmutter.
Ich blieb in Macon County und praktizierte als Arzt etwa von 1845 bis 1852. Ab diesem Zeitpunkt interessierte ich mich für meinen Bruder, A. T. Still, und für die Behandlung von Krankheiten ohne Arzneimittel, was später Osteopathie genannt wurde. Ich praktizierte so für einige Jahre, indem ich meinem Bruder bei der Osteopathie assistierte, bis zur Zeit der Wiederwahl McKinleys im November 1900. Dann wurde ich krank. Seitdem habe ich nicht mehr behandelt, obwohl ich mich nun bei guter Gesundheit befinde. Während der Rebellion stand ich im Dienst des Militärs.
Anfangs bestand allgemein der Eindruck, wir hätten irgendwie den Verstand verloren oder wären verrückt. Die Ärzte nannten Andrew einen verdammten alten Esel und schlugen vor, ihm einen Haufen Heu zu schicken. Ich hatte mir ihr Vertrauen bewahrt, weil ich ein guter Chirurg war. Sie bedauerten mich eher dafür, dass ich auf der Seite des verrückten alten Esels stand. Die Prediger meinten, dies alles seien Werke des Teufels. Und die Ärzte sagten, es sei ein verfluchter Betrug, sodass man es überhaupt nicht beachten sollte. Wir wurden von jedem brüderlichen Empfinden ausgegrenzt.“
In Missouri fungierte Abram Still bei der Methodist Episcopal Church als Wanderprediger und Vorsitzender der Prediger und zugleich behandelte er Kranke. Thomas C. Still berichtet über seinen Vater:
„Im Herbst musste er häufig Halt machen und Kranken beistehen. Im Allgemeinen war es seine Gewohnheit, neben seiner Bibel in seinen Satteltaschen eine gut gefüllte Medizintasche dabei zu haben, mit hölzernen Fächern, da Flaschen sehr leicht zerbrachen. So bewaffnet, richtete sich sein Ziel auf das Wohl von Seele und Körper.“
SEINE VORFAHREN MÜTTERLICHERSEITS
Die älteste authentische Geschichte der Vorfahren Dr. Stills auf mütterlicher Seite findet sich in einem hochinteressanten schmalen Band unter dem Titel The Captives of Abb’s Valley, verfasst „von einem Sohn von Mary Moore,“ einem Cousin der Mutter von Dr. Still, veröffentlicht um 1854. Man findet dieses Buch in vielen Büchereien der presbyterianischen Sonntagsschulen. Es verzeichnet Tatsachen, die tatsächlich merkwürdiger sind als erfundene Geschichten, und es umfasst Material, das die Abenteuerliebe des Menschen und ebenso seine religiöse Hingabe anspricht.
James Moore, der Ururgroßvater von Dr. Still, kam um das Jahr 1726 aus Irland und siedelte sich in Chester County, Pennsylvania, an. Er war schottischer Herkunft, seine Vorfahren waren aus Schottland in den Norden Irlands ausgewandert. Er ehelichte Jane Walker aus Schottland, eine Nachfahrin der Rutherfords, und sie hatten fünf Söhne und fünf Töchter, von denen einige der ältesten Siedlerfamilien in Virginia und Kentucky abstammen. Er starb etwa 1792, seine Frau gut zwei Jahre später. Ihr sechstes Kind, der zweite Sohn, trug ebenfalls den Namen James Moore. Dieser heiratete Martha Poage. Nach einigen Jahren zogen sie ins Abb’s Valley in Tazewell County, Virginia. Um diese Gegend wurde seit langem mit den Shawnee- und den Cherokee-Indianern gekämpft, mit denen es viele blutige Gefechte gegeben hatte und bei den ersten Siedlern immer wieder schwere Verwüstungen angerichtet hatten.
Der zweite James Moore, Dr. Stills Urgroßvater, war ein Mann von außergewöhnlichen Fähigkeiten. Er wurde Captain der Miliz und führte eine Kompanie in der Armee von General Green während der hart geführten Schlacht bei Guilford Court House, North Carolina, am 15. März 1781.“Von ihm wurde berichtet, dass er in keiner Notsituation, in die er geriet, je seine Geistesgegenwart verloren habe.“
Am Morgen des 14. Juli 1786, als die Mitglieder der Familie Moore bereits ihre jeweiligen Tätigkeiten aufgenommen hatten, griff Black Wolf, an der Spitze von dreißig oder vierzig Shawnee-Kriegern, die Familie an. Captain Moore lief zum Haus, aber die Tür war bereits verrammelt worden von denen, die darin Zuflucht gesucht hatten. Er lief hinter das Haus, zögerte nur einen Augenblick, um über den Zaun zu klettern, als er von sieben Kugeln getroffen wurde. Er rannte noch etwa vierzig Schritte, stürzte und wurde sofort von einem Tomahawk getroffen und skalpiert. Auch drei der Kinder wurden getötet, die anderen aber, zusammen mit der Mutter, gefangen genommen. Die Indianer machten sich mit ihren Gefangenen auf den Weg dorthin, wo sich heute Detroit befindet. Ein Junge, der die Erschöpfung durch die Reise nicht ertragen konnte, wurde am zweiten Tag getötet, und als das Baby unruhig wurde, wurde sein Schädel an einem Baum zertrümmert. Noch ehe sie ihren Bestimmungsort erreichten, wurden Mrs. Moore und ihre Tochter ebenfalls hingerichtet. Dr. E. C. Still erzählt die folgende Überlieferung vom Tod seiner Urgroßmutter:
„Die Geschichte, die meinem Vater von den Shawnee-Frauen erzählt wurde, besagt, dass sie sie, aufgrund ihrer Klagen über den Verlust ihres Kindes, zum Marterpfahl brachten, dass sie ihre Brüste abtrennten und vor ihr aufschnitten, grillten und aufaßen, und dass sie sie am Marterpfahl verbrannten, in der Nähe eines französischen Handelspostens namens Detroit. Diese Geschichte wurde mir von meiner Mutter mitgegeben, die sie von ihrem Vater, James Moore, erfahren hatte, der von den Shawnee-Indianern gefangen gehalten wurde und sieben Jahre bei ihnen verbrachte. Wir wissen nicht, ob diese Überlieferung wirkliche Geschichte ist, aber mein Großvater und meine Mutter hielten sie für wahr; er hatte sie von den Shawnee-Frauen, die viel von meinem Großvater hielten und ihn beschützten, wenn die Krieger tranken und zechten. Die Frauen aber wussten es von den Kriegern.“
Eine Tochter, Mary Moore, sowie eine Adoptivtochter, Martha Evans, wurden nach Kanada verschleppt. Dort wurden sie an Engländer verkauft und gelangten schließlich wieder in Freiheit.
Der dritte James Moore, der zweite Sohn von Captain Moore und Großvater von Dr. Still, wurde von Black Wolf gefangen genommen, einem Shawnee-Häuptling, und zwar bereits im September 1784, zwei Jahre vor dem zuvor erwähnten Massaker. Den Winter verbrachte er als Gefangener unter den Shawnee. Im April 1785 wurde er an einen französischen Händler namens Ariome verkauft und nach Kanada gebracht, in die Nähe von Detroit. Seine Schwester, Mary Moore, kam später in dieselbe Gegend, wo sie einander häufig sahen. Zusammen kehrten sie 1789 nach Virginia zurück, nachdem sie auf ihrer Reise große Not erleiden mussten. Mary heiratete einen presbyterianischen Prediger, Rev. Samuel Brown. Sie bekam sieben Söhne, von denen fünf ebenfalls Pastoren wurden, einer Elder in der Presbyterianischen Kirche. Der jüngste war Arzt. Der Geschichtsschreiber der Captives of Abb’s Valley sagt dazu:
„James Moore brachte den Wunsch und den Plan vor, für einige Zeit nach Kanada zurückzukehren, nachdem er unter seinen Freunden in Virginia gewesen war, aber schließlich verwarf er diese Absicht. Früh in seinem Leben heiratete er eine Miss Taylor aus Rockbridge County, ließ sich auf der Farm nieder, die sein Vater in Abb’s Valley besaß, und wurde selbst Vater einer großen Familie, die, mit wenigen Ausnahmen, in derselben Gegend des Landes wohnt. Bereits früh, nachdem er sich in dem Tal angesiedelt hatte, wurde er Mitglied der methodistischen Kirche, und er verblieb in der Gemeinschaft dieser Kirche bis zu seinem Tod, der sich im Herbst 1851 ereignete. Es blieb ihm erspart, seine Abkömmlinge in dritter Generation zu sehen.“
Auf die oben erwähnte Familie Taylor geht der mittlere Name der Hauptperson dieses Kapitels zurück, Andrew Taylor Still, was ihn mit Bischof William Taylor verbindet, dem Pionier der Missionsarbeit in Indien und Afrika, sowie mit dem früheren Gouverneur von Tennessee, Bob Taylor.
Bischof Taylor hätte sicherlich einen guten Osteopathen abgegeben, wenn er seine Aufmerksamkeit darauf gelenkt hätte statt auf die Bekehrung der Heiden. Gewiss verbrachte er zahlreiche Nächte in der Wildnis Indiens und Afrikas auf der blanken Erde. Ein Freund von ihm, J. B. Martin aus Cincinnati, meint, der Bischof habe an Kopfschmerzen und Schlafstörungen gelitten und festgestellt, dass nichts ihm mehr Linderung verschaffe als ein Stück Marmor, dass er als Kissen unter seinen Kopf legte. Deshalb trug er über Jahre hinweg eine flache, glatte Marmorplatte von etwa einem Zoll Stärke mit sich herum, vier oder fünf Zoll breit und sieben oder acht lang, welche er als Kopfkissen benutzte. Weil er in Cincinnati einmal Marmor gebrochen hatte, sicherte Mr. Martin ihm ein weiteres Stück. Erinnert das nicht sehr an die Erfahrung von Dr. Andrew Taylor Still, der im Alter von zehn Jahren ein Pflugseil als Kissen nutzte?
Einige Quellen behaupten, dass der dritte James Moore dreimal verheiratet gewesen sei. Sicher ist, dass er abgesehen von Miss Taylor auch eine Miss Patsy Pogue heiratete, die die Mutter von Martha P. Moore wurde, der Frau von Abram Still und Mutter von Andrew Taylor Still. Dass Dr. Stills Mutter eine Frau von ungewöhnlichen Fähigkeiten war, ist offenkundig, und ihr früher Aufenthalt und ihre Mühen an der Frontier machen sie zu einer historischen Figur. Die folgenden Zeilen, die sich auf sie beziehen, erschienen im August 1873 im Ottawa (Kansas) Journal:
„Mrs. Martha Still aus Centropolis steht in ihrem vierundsiebzigsten Lebensjahr und glaubt, sie sei die erste Frau, die je Wohnsitz auf dem Boden von Kansas gefunden hat. Sie nimmt für sich in Anspruch, die Mutter zweier Territorien zu sein, von Nebraska und von Kansas. Sie selbst und ihr Ehegatte waren mit der alten Shawnee-Mission verbunden. Sie hatte vier Söhne, die Ärzte wurden, eine Tochter, die die Frau eines Arztes, und eine weitere, die die Frau eines Predigers wurde und selbst eine gute Predigerin ist. Dr. Still, ihr verstorbener Ehemann, war als Arzt und Prediger im ganzen Land bekannt. Rev. Mr. Adams, ihr Schwiegersohn, behauptete bei einer Versammlung in Ottawa im letzten Frühling, die erste religiöse Ansprache, die in dieser schönen Stadt jemals vorgetragen wurde, gehalten zu haben. Mutter Still befindet sich bei guter Gesundheit, sie bewirtschaftet ein Stück Land und einen guten Apfelgarten, sie bezieht eine Pension und lebt, um bei der Bezahlung der Prediger zu helfen.“
SEINE AUTOBIOGRAFIE
Jeder Osteopath interessiert sich für die Lebensgeschichte von Dr. Still, wie sie in seiner Autobiografie zu finden ist. Viele, die dieses bemerkenswerte Buch gelesen haben, könnten enttäuscht sein; es ist jedoch bezeichnend für den Autor, dass eine gründlichere Kenntnis des Buches klarere Einsichten in den Charakter und die Wesenszüge des Gründers der Osteopathie vermitteln und zu größerer Würdigung ihres Werts beitragen wird. Die Autobiografie sowie ihre langjährige Bekanntschaft mit Dr. Still betreffend schreibt Mrs. M. A. Patterson aus Queen City, Missouri:
„Die Autobiografie von Dr. Still gibt schlichte Tatsachen aus Dr. Stills jüngeren wie auch aus seinen späteren Jahren wieder. Ich kenne die Familie des alten Doktors seit vierundsechzig Jahren. Über dreißig Jahre war ich von einer Lähmung betroffen, wurde geheilt und erfreue mich nun guter Gesundheit. Ich bin nun achtundsechzig Jahre alt. Ein kleines Ereignis, dass sich in der Jugend von Dr. Still ereignete, will ich berichten: Ich denke, er war etwa sechzehn Jahre alt. Sein Vater war in der Stadt gewesen, und als er nach Hause kam, sah er Andrew am Straßenrand sitzen und ein medizinisches Buch lesen. Sein Vater sagte: ‚Andrew, ich erlaube keine Arztbücher auf meinem Feld.‘ Andrew drehte sich bloß um, setzte seine Füße auf die Straße und fuhr mit dem Lesen fort. Ich erzählte dies dem alten Doktor und er erinnerte sich gut daran. Er sagte, es sei ein Anatomiebuch gewesen, das er gelesen habe.“
SEINE JUGEND
Andrew Taylor Still, die Hauptperson dieser Skizze, wurde am 6. August 1828 etwa drei Meilen westlich von Jonesboro, Lee County, im äußersten Westen Virginias geboren. Wie oben gezeigt, war sein Vater englischer und deutscher Abstammung, seine Mutter schottischer. Im Alter von sechs Jahren zog sein Vater mit der Familie nach Newmarket im Osten Tennessees. Dort gingen Andrew und zwei ältere Brüder ab 1835 auf das sogenannte Holston College, ebenfalls in Newmarket gelegen. Nach einer siebenwöchigen Reise gelangte die achtköpfige Familie im Jahr 1837 mit zwei Wagen und sieben Pferden nach Macon County, Missouri, wohin sein Vater als Missionar gesandt worden war, als erster der Methodist Episcopal Church im Norden von Missouri. Dort besuchte Andrew in den Jahren 1839/1840 die Schule. Im Frühjahr 1840 zogen sie wieder um nach Schuyler County, Missouri. Folgendermaßen beschreibt er in seiner Autobiografie das Gebäude, in dem seine Schulzeit weiterging:
„Erst im darauffolgenden Herbst fällten wir drei Bäume und bauten ein Blockhaus. Es maß 5,40 auf 6 m im Quadrat, war 2,10 m hoch und besaß einen Eingangsflur. Um das Licht zu verstärken, das sonst nur durch die Spalten in der Verschalung der Decke herein schien und das wir zum Lesen und Schreiben benötigten, fehlte an jeder Seite ein Balken.“ (Still 2005, I-10)
Im Frühling 1845 kehrten sie wieder nach Macon County zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatten Dr. Stills spätere Wesenszüge bereits begonnen, sich durchzusetzen. Vermutlich gab es keine Zeit in seinem Leben, da er sich still unvernünftigen Vorschriften unterworfen oder fragwürdige Theorien akzeptiert hätte. Über eine seiner ersten Schulen berichtet er:
„Die Schule wurde damals von G. B. Burkhart geleitet. Da wir uns aber nicht verstanden, ging ich einfach nicht mehr hin. So ging ich von zu Hause fort und besuchte eine Schule in La Plata, Missouri, die unter der Leitung Reverend Samuel Davidsons von der Cumberland Presbyterian Church stand.“ (Still 2005, I-10)
Andrew unterschied sich jedoch nicht sehr von anderen Mitgliedern der Familie. Bereits früh zeigte sich seine Veranlagung, Dinge zu karikieren oder mit ihnen seine Scherze zu treiben. Seine Zeichnungen bewahrte er in einem Buch auf, das er seinen Kommentar nannte. Eine davon bezog sich auf einen Quacksalber, dessen Heilmittel gegen Masern darin bestand, aus dem Kopf eines Schafsbocks zu trinken. Gezeigt wurde der Patient, dem der Kopf bis zu den Hörnern im Hals steckte. Die, die diese Skizzen später gesehen haben und seine Zuneigung für Böcke, Ziegen und Pfauen kannten, werden leicht die Bedeutung dieser frühen Zeichnungen erkennen.
Die Landwirtschaft und vieles an der Arbeit, die mit dem Leben eines Pionier-Farmers verbunden waren, mochte Andrew nicht sehr.“Er liebte die Jagd so sehr, wie er den Ackerbau nicht mochte,“ meint sein Bruder Thomas, und „Vater setzte sich ihm gegenüber durch, sodass er es aufgab und das Studium der Medizin aufnahm, in dem er so unermüdlich war wie bei der Jagd. Er war ein ungewöhnlich erfolgreicher Jäger. Oft brachte er ausgezeichnetes Wild mit nach Hause, wilden Truthahn, Präriehuhn und anderes im Überfluss. Als er aber die Jagd aufgab, gab er sie ganz auf.“ Mit anderen Worten, Dr. Still war als Junge nicht anders als mit 77 Jahren, er war mit seiner ganzen Seele dabei, was er auch zu tun unternahm.
Dr. Stills Entwicklung war weder von der Art eines Treibhauses, noch erhielt er seine Ausbildung ausschließlich in der Schule. Folgendes entstammt seiner eigenen Darstellung einiger seiner frühen Erlebnisse:
„Mein Vater konnte alle Arten von Arbeit verrichten: Er war predigender Arzt, Farmer und ein praktisch veranlagter Reparaturschlosser. Meine Mutter war von Natur aus Mechanikerin, webte Stoff, schneiderte Kleider und machte vollkommene Pasteten. Sie glaubte daran, dass der ‚seltene Einsatz des Stocks das Kind verziehe‘ und nutzte ihn in homöopathischen Dosen. Mein Vater sagte immer: ‚Wenn du was zu essen haben willst, halt den Mund auf. Wenn du Verstand in deinen Kopf bekommen willst, sei offen. Wenn du ein Pferd reiten willst, steige auf seinen Rücken und wenn du ein kunstfertiger Reiter werden willst, bleibe drauf sitzen‘. Meine Mutter sagte immer: ‚Wenn du Milch trinken willst, kippe sie in deinen Mund und nicht auf deine Kleidung. Es gibt nur einen Weg Milch zu trinken!‘ Als Farmer schloss mein Vater, dass sich eine kleine Unterrichtseinheit im Kornfeld gut für mein Können als Schlosser eignen wurde, sodass er mir in jungen Jahren so lange beibrachte, die Herde beisammen zu halten und die Pflichten des Farmlebens zu erfüllen, bis ich die Herde anleiten und Eggen, Pflüge und Schneidemaschinen beherrschen konnte. Wenn ich abends vom Kornfeld kam, ließ mich mein Vater beim Futtern der Schweine ausruhen. Mir machte die Arbeit nichts aus, aber es waren Aufgaben, die mich umtrieben.“ (Still 2005, I-15)
Eine Vorstellung von den Abwechslungen und zugleich von der mit dem Pionierleben verbundenen Anstrengung samt seinen erzieherischen Einflüssen ergibt sich aus dem folgenden Zitat aus Stills Autobiografie:
„Mein Vater besaß eine Farm und baute große Mengen von Korn an. Er hatte einen Haufen Pferde, Maultiere, Rinder, Schafe und Schweine, die sich davon ernährten, sodass unsere Ernte zu Hause verbraucht wurde. Wir hatten so viel Korn zu dreschen, dass wir gezwungen waren, sehr früh mit dieser Arbeit zu beginnen, um alles einzulagern, bevor das kalte Wetter begann. Als wir alle noch in unseren Jugendjahren waren, mein ältester Bruder 19, der nächste 17 und ich etwa 15 Jahre alt, sammelten wir das Korn von morgens früh bis abends spät, fütterten das Vieh, aßen zu Abend und bereiteten uns für eine gute Jagd auf Waschbären, Füchse, Opossums und Skunks vor. Wir trugen immer ein Gewehr, eine Axt, ein großes Schlachtermesser und, um Feuer zu machen, Feuerstein und Stahl mit uns. Wir besaßen ein poliertes Rinderhorn, das wir so laut blasen konnten wie die Hörner, welche die Mauern von Jericho zu Fall gebracht hatten. Da mein Bruder Jim ein guter Redner war, machten wir ihn zum Chef-Hornbläser. Er ging in den Garten, holte tief Luft und blies und blies und zerriss die Luft kilometerweit damit, während sich die Hunde knurrend und heulend um ihn sammelten. Nie hat man so eine süße Musik gehört, wie mein Bruder Jim und die Hunde sie machten. Kurz nachdem diese Melodie begann, standen wir aufgereiht und bereit zum Abmarsch; vordere, mittlere, und hintere Ränge. Ab ging es in den Wald auf die Jagd nach Opossums, Iltissen, Waschbären, Wildkatzen, Füchsen und Truthähnen.“ (Still 2005, I-18)
Dr. Still selbst fasst die Konsequenzen dieses Pionierlebens daher wie folgt zusammen:
„Meine Erfahrungen im Grenzland waren für mich in so vielfaltiger Weise hilfreich, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Auch für meine wissenschaftlichen Forschungen sollten sie von unschätzbarem Wert sein. Bevor ich überhaupt begann, Anatomie aus Büchern zu lernen, wusste ich darüber bereits aus dem großen Buch der Natur bestens Bescheid. Das Häuten von Eichhörnchen brachte mich in den Kontakt mit Muskeln, Nerven und Venen. Die Knochen, die das Fundament des wundervollen Hauses bilden, in dem wir leben, waren, noch bevor ich die schwierigen Namen lernte, welche die Wissenschaft ihnen gegeben hatte, seit jeher mein Studienobjekt gewesen. Da der Pferdeschädel in meiner ersten Schule als Sitzgelegenheit für den trägen Schüler diente, glaubte ich, es sei charakteristisch für einen guten Pferdesinn gewesen, dass er mir zu der wesentlichen Erkenntnis verhalf, Arzneimittel seien schlecht für den Körper, sodass sich die Wissenschaft der Medizin, wie gerade einige bedeutende Arzte selbst erklärt hatten, ganz einfach als Humbug erwies.“ (Still 2005, I-20)